Wie versprochen ein neues Kapitel! Und extra lange noch dazu. Ich hoffe es gefällt euch. Ach ja, noch etwas: es kann sein, dass die Figuren etwas OOC sind, ich verleihe ihnen immer Wesenszüge, die ich in ihnen vermute (wie jeder Autor), vielleicht gefällt es – vielleicht auch nicht...
Der heutige Titel ‚in vino veritas (est)' ist ein lat. Sprichwort und bedeutet: im Wein liegt die Wahrheit. In diesem Chap liegt sie wohl eher im Serum oder im Auge des Betrachters...
in vino veritas (est)
Die Idee mit dem Veritas-Serum gefiel Severus. Seine Tochter war verdammt clever. Sie wollte sicher gehen, dass wirklich kein Zweifel an dem Gesagten aufkommen konnte. Nicht, dass er Zweifel aufkommen lassen wollte, es gab jedoch gewisse Dinge, die er seiner Tochter nicht unbedingt auf die Nase binden wollte, doch im Endeffekt war es egal, sie würde manches so oder so erfahren, sie sollte es besser von ihm hören.
Er willigte also ein und war sehr erstaunt, als die junge Dame plötzlich eine Phiole aus ihrem Dekolleté herauszog und diese dann vergrößerte.
Sie grinste und sagte dann: „Sie haben doch nicht wirklich geglaubt, dass ich ihnen einen ihrer eigenen Zaubertränke benutzen lassen würde. Wer weiß, ob das überhaupt Veritas-Serum gewesen wäre?"
„Hey, wie kommst du an diesen Trank?" fragte Severus mit einer hochgezogenen Augenbraue.
Hermione lächelte unschuldig. „Ich weiß jetzt wenigstens woher ich meine Neugierde geerbt haben könnte!"
Der Tränkemeister nickte missbilligend. (AN: Jetzt ist es so weit, ich denke nur noch englisch – bei dem Wort missbilligend musste ich im Wörterbuch nachschlagen, weil mir nur der englische Begriff eingefallen ist! Meine ehemaligen Lehrer würden sich freuen...)
„Und du denkst, dass ich dieses Serum einfach so schlucke? Du könntest es ja auch vergiftet haben!"
‚Diesen Punkt hat er', dachte Hermione. „Also gut, Professor. Geben Sie mir das Serum, ich werde einen Schluck davon nehmen, ich hoffe dann sind sie davon überzeugt."
Sie nahm den Zaubertrank an sich, setze das Fläschchen an die Lippen und verminderte den Inhalt um einen großen Schluck. Danach reichte sie das Gebräu dem Professor, welcher das Fläschchen in einem Zug leerte. Nun saßen sie einige Momente schweigend in dem Zimmer, um sicherzustellen, dass der Zaubertrank wirken würde. Mit einem Räuspern holte Snape seine (vermeintliche) Tochter (die davon noch nicht vollends überzeugt war) wieder in die Gegenwart zurück.
„Was willst du von mir wissen?"
„Hmm, ich würde gerne wissen, wie Sie meine Mutter kennengelernt haben."
„Natürlich, die schwierigste Frage zuerst. Also gut. Ich weiß nicht ob dir die Antwort gefallen wird, aber das Serum zwingt mich dazu. Kennengelernt habe ich sie in Hogwarts. Deine Mutter war die beste Freundin von Lili Evans. Dieser Name sagt dir etwas, nehme ich mal an, oder?"
Nicken.
„Sie ist mir gleich an unserem ersten Tag in
Hogwarts aufgefallen. Viola wirkte wie eine Porzellanpuppe. Ihre Haut
war weiß wie Alabaster, ihre Augen blau wie tiefes Wasser und
ihre Haare waren schwarz wie Ebenholz. Sie war für mich das
personifizierte Schneewittchen, so wunderschön und so
unerreichbar. Dadurch, dass sie eine muggelstämmige Hexe war und
nach Gryffindor kam, bauten wir einen gewissen Hass gegeneinander
auf. Und dass sie ständig mit Potter, Lupin, Black, Pettingrew
und Evans herumhing und herumalberte, machte die Sache natürlich
auch nicht wirklich besser.
Ich nehme an, dass Potter jr. dich ein
wenig über die Aktivitäten seines Vaters und seines Paten
aufgeklärt hat.
Naja, im Sommer zwischen meinem fünften und
sechsten Jahr wurde ich von meiner Mutter aus mir nicht bekannten
Gründen zu ihrer Schwägerin verfrachtet und dort traf ich
auf Viola, die ebenfalls dort einquartiert worden war. Anscheinend
war die Schwägerin meiner Mutter auch die Jugendfreundin von
Violas Mutter. Warum Viola dort war wusste sie ebenso wenig. Wir
haben uns mit der Zeit gezwungenermaßen näher
kennengelernt und konnten dann doch die Kluft überwinden, die
unsere Häuser zwischen uns geschlagen hatten.
Auch im nächsten
Schuljahr in Hogwarts schafften wir es ziemlich zivilisiert
miteinander umzugehen. Viola brachte sogar Lili dazu, sich mit mir zu
unterhalten. Eigentlich habe ich diese Zeit sehr genossen, die ich
mit den Gryffindor- Prinzessinnen verbracht habe.
Leider war ich
damals auch schon sehr gut mit Lucius befreundet, der wiederum durch
seinen Vater schon in den Fängen des schwarzen Lordes war.
Lucius war mein einziger wirklicher Freund, er war zwar ein Jahr
älter als ich, aber das hinderte unsere Freundschaft nie. Wir
waren immer gleichwertig, obwohl ich nur ein Halbblut bin.
Irgendwie
reizte mich auch die dunkle Seite, ich hatte sie schon immer in mir,
ich kann sie nicht leugnen, also trat ich mit meinem 17. Geburtstag
in die Reihen des Lordes ein und nahm das dunkle Mal an.
Als ich
Viola das nächste Mal sah, war es Anfang August. Ich weiß
noch genau, dass ich gerade von einer Spionagemission zurückkam,
als ich in der Nähe ein leises Schluchzen hörte. Ich machte
mich auf und suchte das Geräusch.Versteckt zwischen den Büschen
fand ich dann Viola. Sie war in einem fürchterlichen Zustand.
Überall hatte sie blutige Striemen, ein Auge war blau verfärbt,
ihre Lippe blutete und ihr Kiefer sah auch lädiert aus. Ich
brachte sie zu mir nach Hause und plünderte die Heiltrankvorräte
meiner Mutter.
Viola hatte außer den sichtbaren Wunden auch
noch zwei angeknackste Rippen und verdammt viele blaue Flecken. Durch
die Tränke konnte ich ihr die Schmerzen nehmen und sie schlief
dann in meinen Armen ein. Ich konnte nicht anders, ich hielt sie die
ganze Nacht in meinen Armen und fühlte mich so gut wie noch nie.
Am nächsten Morgen schämte sie sich furchtbar und meinte,
sie könne das alles nicht wieder gut machen und dass sie mir
etwas schulde. Ich sagte ihr, dass sie sich darüber keine
Gedanken machen brauche, denn ich hätte ihr gerne geholfen.
Dann
fragte ich sie, was geschehen war. Sie brach in Tränen aus. Ich
konnte kein Wort aus ihr herausbringen, also fragte ich sie, ob ich
mir ihre Erinnerungen ansehen dürfte. Ich war damals schon ein
guter Legillmentiker (schreibt man das so?), also drang ich in ihren Kopf ein und blickte
mich um. Sie zeigte mir die Ereignisse vom letzten Abend. Ihre Eltern
waren verreist, deshalb musste sie zu ihrem Onkel. Der Mann wirkte
irgendwie unheimlich auf mich.
Er war nur ein Muggel, aber
trotzdem... Jedenfalls wollte er etwas Gesellschaft von Viola. Ich
hoffe du verstehst was ich meine – sie sollte mit ihm das Bett
teilen mit allem, was das so dazugehört. Du kannst dir ja
denken, was sie dazu gesagt hat. Doch leider war sie zu diesem
Zeitpunkt noch nicht volljährig und konnte dem Schläger weder magisch noch körperlich Paroli bieten.
Ihr Onkel hat sie ziemlich verprügelt, doch
schließlich gelang es ihr durch einen glücklichen Zufall,
dass sie sich aus dem Staub machen konnte. Sie lief ziemlich lange in
der Gegend umher, bis sie sich dann erschöpft in dem Busch
niederließ, in dem ich sie gefunden hatte.
Ehrlich gesagt war
ich entsetzt darüber, was der Mann ihr angetan hatte. Gott- sei-
Dank hatte er sie nicht vergewaltigt, ich wüsste nicht, was ich
sonst gemacht hätte. Nie im Leben hätte ich Viola zu diesem
Kerl zurückgehen lassen, deshalb erklärte ich meiner Mutter
den Sachverhalt und diese stimmte zu, dass Viola zumindest eine Zeit
bei uns bleiben konnte.
Die körperlichen Wunden heilten schnell,
doch deine Mutter lebte ständig in der Angst, dass er sie finden
würde. Sie konnte nicht wirklich schlafen, schrie immer wieder
auf. Die erste Nacht ging ich dann zu ihr und nahm sie wieder in
meine Arme, woraufhin wir beide ruhig schlafen konnten. Am nächsten
Abend klopfte sie zaghaft an meine Zimmertüre, und bat mich bei
mir übernachten zu können. Ich konnte nicht ablehnen und
diese wunderschöne Frau wieder fortschicken. Ich hatte mich
wirklich in sie verliebt. Zufrieden?"
„Ja, könnte man so sagen. Eine Frage habe ich noch: wie habt ihr das in Hogwarts angestellt? Ihr wart doch in verschiedenen Häusern?"
„Das war einfach. Dumbledore hatte wiedermal eine seiner genialen Ideen und verfrachtete immer zwei Vertrauensschüler der siebten Klasse zusammen in ein Zimmer – natürlich hatten wir extra Schlafzimmer, die durch einen Gemeinschaftsraum verbunden waren – um die Hausstreitereinen zu vermindern. Viola und ich kamen zusammen in ein Zimmer und dadurch dass wir in den Weihnachtsferien heimlich heirateten, bekamen wir dann ein gemeinsames Zimmer. Dumbledore hat das alles organisiert, weil du schon unterwegs warst." Hermione grinste: „Ich bin also ein acht- Monate- Baby!" „Das ist wohl richtig."
„Wie ist meine Mutter gestorben?"
„Dumbledore verpflichtete mich als Spion beim Orden, das war die Gegenleistung für seine Hilfe. Deine Mutter machte sich immer irrsinnige Sorgen, dass ich auffliegen könnte und ihr beide mit mir. Doch das war nicht ihr Tod. Kurz nach deiner Geburt half sie im Orden mit, so wie die Potters, und wurde auf einer eigentlich harmlosen Mission von einer Sphinx angegriffen. Viola konnte dem Wesen entfliehen, doch das Gift dieses Tieres zirkulierte bereits in ihrem Körper Als ich sie schließlich fand, war es schon zu spät. Ich konnte sie nicht mehr retten."
Severus hat seinen Kopf gesenkt und Hermione entdeckt in seinem Augenwinkel eine Träne.
„Du hast alles getan, was du konntest. Niemand macht dir einen Vorwurf."
Doch das brauchte auch niemand zu tun, Severus machte es selber.
„Auf deine nächste Frage kann ich auch antworten, ohne dass du sie stellst", fuhr Severus nach kurzer Zeit fort. „Ich wollte nicht noch einen Menschen verlieren, doch wie hätte ich dich alleine großziehen sollen? Ich war als Lehrer nach Hogwarts bestellt worden, Todesser und Ordensmitglied. Immer war ich unterwegs und hatte Missionen zu erfüllen.Es war immer gefährlich. Und wie gesagt, ich wollte nicht noch jemanden verlieren, den ich so sehr liebte. Deshalb habe ich dich den Grangers übergeben. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schwer mir das gefallen ist. Du bist das Einzige, das mir von deiner Mutter noch geblieben ist."
„Eine Frage habe ich noch: warum weiß niemand von mir oder von meiner Mutter?"
„Es hat nur wenige gegeben, die eingeweiht waren. Der Großteil von ihnen ist bereits tot und der Rest stand bis vor kurzem unter dem Fideliuszauber, der sich durch den Tod des Geheimnisverwahrers in Luft aufgelöst hat. Ich weiß, im Normalfall hält der Fideliuszauber auch über den Tod hinaus, dieser war aber wegen des Krieges modifiziert worden, damit er jederzeit erneuert werden konnte."
„Und was hast du jetzt vor?"
„Mit dir sprechen, dir deinen Geburtsnamen und dein wirkliches Aussehen zurückgeben."
Severus holte ein Fläschchen mit lilafarbenem Zaubertrank aus seiner Umhangtasche und überreichte sie seiner Tochter. Diese blickte noch etwas unschlüssig auf die Flüssigkeit.
„Ich habe damals einen ziemlich starken Veränderungszauber benutzt, damit du ihn auf keinen Fall versehentlich lösen kannst. Er lässt sich nämlich nur durch einen Spruch in Verbindung mit einem speziellen Zaubertrank lösen."
Hermione betrachtete das Fläschchen nochmals kritisch, kam dann aber zu dem Schluss, das alles, was ihr Vater bisher erzählt hatte stimmig war, er fast ohne Bedenken den Wahrheitstrank getrunken hatte und sie ihm daher, zumindest bis auf Weiteres, vertrauen würde. Sie entkorkte das Fläschchen und setzte es an ihre Lippen. Kaum hatte sie den letzten Tropfen des Trankes geschluckt, fühlte sie ein Kribbeln in ihrem Magen. In diesem Augenblick berührte der Zauberstab des Tränkemeisters ihren Hinterkopf und das Kribbeln verbreitete sich auf ihren ganzen Körper.
Severus betrachtete sie mit großen Augen, in denen es verdächtig glitzerte. ‚Sie sieht Viola so ähnlich, dass es fast weh tut!'
Hermiones dunkler Teint war einem elfenbeinfärbigen gewichen, ihre Nase wirkte noch ein klein wenig zierlicher; das Gesicht des Mädchens sah überhaupt zerbrechlicher aus. Aus den braunen, buschigen Locken waren schwarze, in leichten Wellen fallende, lange Haare geworden. Einzige ihre blauen Augen hatte Hermione behalten. Severus deutete zu einem Spiegel.
Hermione ging langsam auf den Spiegel zu und betrachtete sich selbst. Es war sehr seltsam sich so zu sehen. Irgendwie ein Schock, doch andererseits fand sie sich doch hübsch. Sie stellte auch fest, dass sie noch ein klein wenig gewachsen war, ihre Hüfte war ein bisschen schmaler. Hermione stellte mit Bedauern fest, dass ihre Brüste nicht gewachsen waren, doch alles in allem fand sie ihr neues Aussehen schön.
Severus räusperte sich. Hermione bemerkte erst jetzt, dass er hinter ihr stand. „Denkst du, dass du mir eine Chance geben könntest?" Die junge Frau nickte. „Aber gehen wir es langsam an, ja?"
„Ich fürchte für langsam ist keine Zeit", murmelte Severus.
hat es gefallen? wollt ihr mehr? schreibt es mir!
