O tempora, o mores (Oh Zeiten, oh Sitten; Cicero)
„Ich fürchte für langsam ist keine Zeit", murmelte Severus.
„Was genau meinst du damit?" wollte Hermione wissen.
„Ich wünschte, ich könnte dir das ersparen, aber leider ist mir dies nicht möglich. Um dein Verständnis zu erlangen, muss ich leider etwas weiter ausholen."
„Gut, dann rede nicht um den heißen Brei herum, sondern fang endlich an!" kam wie aus der Pistole geschossen die ungeduldige Antwort.
„Wie du bereits weißt, bin ich ein guter Freund von Lucius Malfoy."
Mit einem Nicken bedeutete Hermione ihm weiterzumachen.
„Und du hast natürlich auch Kenntnis darüber, dass sowohl er als auch sein Sohn beim Lord in Ungnade gefallen sind, ich aber jetzt zur rechten Hand dessen, dessen Name nicht genannt werden darf, geworden bin."
„Ich habe es vermutet", kam die trockene Antwort von Hermione.
„Lucius hat mir während meiner Schulzeit das Leben gerettet, mir einen Studienplatz verschafft und mich in die Reihen des Lordes gebracht ohne jemals eine Gegenleistung zu verlangen. Er hätte es auch nie getan und doch habe ich ihm zur Flucht aus Askaban verholfen und ich wäre froh, bei ihm einen Teil meiner Lebensschuld begleichen zu können."
„Und was hat das mit mir zu tun?"
„Einen Moment noch, bitte. Was du jedoch nicht wissen kannst, ist, dass ich Narzissa geschworen habe, dass meinem Patenkind nichts passiert. Ebenso wenig möchte ich, dass meine Tochter zu schaden kommt.
Recht viele Möglichkeiten bleiben den beiden Malfoys nicht, sich beim Lord zu rehabilitieren. Sie könnten Potter auf dem Silbertablett servieren, McGonagll oder irgend ein anderes hohes Ordensmitglied um die Ecke bringen oder das goldene Trio entzweien, indem sie dich auf die dunkle Seite holen. Die Möglichkeit mit Potter ist zwar sehr verlockend, würde aber nicht ausführbar sein, da er ständig in Begleitung irgendwelcher Auroren ist. Außerdem wer würde sonst den dunklen Lord zerstören können. Jemanden aus dem Orden zu töten käme für Lucius in Frage, nicht jedoch für Draco. Draco kann nicht töten, er ist nicht kaltblütig genug. Bleibt also noch die dritte Möglichkeit."
„Das bedeutet du willst mich opfern, um deinem Patensohn und seinem Vater den Arsch zu retten?"
„Naja, nicht so ganz. Du bist in der Muggelwelt aufgewachsen und kennst einige ungeschriebene Gesetze der Zauberwelt nicht: Draco muss bis spätestens zu seinem achtzehnten Geburtstag verlobt sein und hat dann genau ein Jahr zeit, diese Frau auch zu ehelichen, ansonsten verliert er jeglichen Status und somit alle Rechte, die einer alten Zauberfamilie, wie den Malfoys gebühren. Mit deiner Volljährigkeit verschwinden sämtliche Zauber, die dich und deine Identität schützen. Das bedeutet, du wirst zu einem wunderbaren Ziel. Die Seite des Lichts wird dich in den Dreck ziehen, weil du die Tochter eines Todessers bist, die dunkle Seite wird dir wegen Potter nachstellen und du wirst keine ruhige Minute mehr haben. Entscheidest du dich gegen den Lord bist du des Todes, entscheidest du dich für ihn, wirst du von den Hellen verstoßen. Es bleibt noch eine Möglichkeit, wähle wie ich es getan habe. Spioniere und du wirst dort und da willkommen sein.
Was Draco betrifft stehen zwei Kandidatinnen zur Auswahl, wobei der Junge über beide nicht sehr erfreut sein wird. Durch den Fall der Malfoys hat sich die Liste bedeutend verkürzt. Es bleibt ihm kaum eine Wahl übrig, entweder er heiratet Pansy oder er nimmt dich. Wobei Lucius bestrebt ist, dass Draco nicht bei den Parkinsons einheiratet."
„Warum? Die Parkinsons sind reinblütig, ich nicht!"
„Ein kleines Detail am Rande: Mr. Parkinson hat Lucius' Schwester auf dem Gewissen. Lucius hat ihm das nie wirklich verziehen, er kann manchmal sehr nachtragend sein. Das bedeutet, im Prinzip hat Draco nicht wirklich eine große Wahl, entweder er nimmt dich, falls du ihn willst, oder er verliert jeglichen Einfluss in der magischen Welt."
„Was willst du mit ‚falls du ihn willst' sagen? Bedeutet es, dass ich doch eine Wahl habe?"
„Natürlich hast du eine Wahl. Die Verbindung mit Draco wäre nur die sicherste Möglichkeit. Es wäre die Möglichkeit euch beide halbwegs sicher durch diesen Krieg zu manövrieren. Du kannst natürlich auch ablehnen. Ich zwinge dich zu gar nichts. Es ist allein deine Entscheidung. Eines möchte ich jedoch vorausschicken: Draco wusste nie, wer du wirklich bist, er hat in dir immer eine Konkurrentin gesehen und Lucius hat das mit der ‚Reinbluterziehung' natürlich nicht wirklich besser gemacht.
Lucius kennt deine Mutter und hat das auch akzeptiert, dass ich zu ihr stand, als sie schwanger war. Doch bei Draco musste er sich seinem Status und vor allem seinem Vater beugen und ihn zu einem Reinblut machen. Ich denke nicht, dass es leicht war, weder für Lucius noch für Draco.
Draco hat nie wirklich erfahren was Liebe ist. Lucius durfte nicht und Narzissa hatte weder Lust noch Zeit sich wirklich mit ihm zu beschäftigen. Nachdem Draco zur Welt kam hat man ihn sofort zu einer Amme gebracht, damit Narzissa so bald als möglich wieder ihren Pflichten an der Seite ihres Mannes wahrnehmen konnte – nicht dass sie das wirklich gewollt hätte. Sie hatte nie die Möglichkeit zu Draco eine Beziehung aufzubauen und irgendwann fehlte auch die Veranlassung zu ihm eine Bindung herzustellen, weil er ihr längst entwachsen war. Sie umsorgte ihn zwar mit allen materiellen Gütern, aber bedingungslos lieben konnte Narzissa Draco nicht. Natürlich rechtfertigt das nicht, wie er dich behandelt hat. Ich weiß, es ist dir oft schlecht gegangen und du hast sehr viel einstecken müssen. Mir hat es jedes Mal einen Stich versetzt, wenn ich wieder nicht eingreifen konnte, um Draco etwas zurückzupfeifen. Doch ich hätte dich preisgeben müssen und das wollte ich nicht. Nicht, wie die Dinge standen.
Im Übrigen, Lucius erklärt Draco gerade dessen Möglichkeiten und ich nehme an, dass Draco sich demnächst bei dir mit einer Entschuldigung meldet."
Snape musste lächeln. Draco würde vor seiner Tochter bildlich gesprochen auf Knien rutschen müssen, um ihre Vergebung zu erlangen. Sie hatte ein weiches Herz und würde ihm verzeihen, aber nicht ohne weiteres.
„Tja, Vater. Ich nehme an, du willst von mir eine Entscheidung hören. Wenn sich Malfoy ordentlich entschuldigt, werde ich es in Betracht ziehen ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien. Außerdem denke ich, dass dein Weg kein schlechter ist. Nur eine Frage noch: weiß Malfoy, auf welcher Seite du stehst?"
„Weißt du es?"
„Nein, ich hoffe nur, dass es die ist, die meiner Auffassung entspricht."
Severus stand auf, ging auf seine Tochter zu und flüsterte ihr ins Ohr: „Mein kleines Mädchen, es gibt Dinge, die kannst nur du entscheiden. Ich musste mich vor langer Zeit entscheiden um ein kleines schreiendes Bündel zu schützen. Stünde ich heute vor derselben Entscheidung, würde ich es wieder tun. Ich hoffe du kannst mir folgen!"
Severus legte ihr die Hand auf die Schulter und meinte dann laut: „Es liegt in deiner Hand, Hermione. Niemand kann es dir abnehmen. Denk darüber nach, aber überlege gut, diese Entscheidung wird dein Leben nachhaltig beeinflussen und entscheide dich schnell, Draco hat nur noch zwei Wochen zeit." Mit diesen Worten verließ Severus das Zimmer und ließ Hermione mit ihren Gedanken alleine.
o0o
Im Salon hatte Lucius inzwischen schon zwei Gläser mit reichlich Feuerwhiskey gefüllt. Draco würde den Drink wohl brauchen, bei den Neuigkeiten, die er jetzt erfahren würde.
„Vater" begann Draco. „Sohn, setzt dich und trink" unterbrach ihn Lucius harsch. Draco tat wie ihm geheißen wurde. „Du wirst jetzt schön zuhören, was ich dir zu sagen habe. Du kennst die Regeln in diesem Haus." Lucius war unverkennbar der Sohn seines Vaters – immer und überall auf Disziplin bedacht. Und doch war er anders. Ja er hatte seinen Sohn mit derselben Strenge erzogen, wie sein Vater es einst bei ihm gemacht hatte, doch jedes Mal, wenn er Draco mit einem Cruciatus belegen musste, um ihn wieder in die Schranken zu weisen, spürte er selbst die Schmerzen, die er seinem Sohn zufügte. Doch wie hätte er es anders machen sollen. Erst als Abraxas Malfoy endlich starb konnte Lucius freier leben. Natürlich wirkte sich dies auch auf den Umgang mit Draco aus. Lucius schüttelte die Gedanken an früher ab und wendete sich seinem Sohn zu, der ihn fragend ansah.
„Gut mein Sohn, du weißt, dass bis zu deinem Geburtstag deine Verlobung bekannt gegeben werden muss, diese Regel kennst du."
„Ja, Vater", antwortete Draco gehorsam.
„Ich habe gemeinsam mit deiner Mutter die möglichen Kandidatinnen ausgewählt und eingeschränkt. Du hast die Wahl zwischen zwei Mädchen, einem Reinblut und einem Halbblut. Doch entscheide dich nicht voreilig, du bist den Rest deines Lebens unwiderruflich an sie gebunden. Nachdem dies geklärt ist, zur Auswahl stehen Ms. Parkinson und Ms. Snape."
„Ms. Snape, Vater?"
„Ja Sohn, du hast dich nicht verhört. Ich nehme an, dass du sie bereits kennst."
„Ihr meint doch nicht etwa..."
„Doch mein Sohn, ich meine das Mädchen, das sich gerade in unserem Gästezimmer befindet."
Draco stöhnte auf. Das konnte nicht wahr sein. Er hatte die Wahl zwischen den beiden größten Nervensägen, die es auf dieser Welt überhaupt gab. Und eine davon war die Tochter von Severus Snape. Alleine der Gedanke daran, dass sein Pate Vater war, ließ ihn schon erschaudern. Doch warum war das Mädchen dann bei den Muggeln aufgewachsen? Was wurde ihm verschwiegen? Man behandelte ihn doch tatsächlich wie ein kleines Kind. Es war zum aus der Haut fahren. Augenscheinlich nahm ihn niemand auch nur annähernd für voll. Einfach entsetzlich. Nicht auszuhalten. Und doch er war lange genug durch die Schule seines Vaters gegangen, um zu wissen, dass es Dinge gab, denen man(n) sich beugen musste. Es hatte keinen Sinn sich zu wehren.
„Also Vater, ich nehme an, dass Ihr Euch bereits Gedanken über meine Zukünftige Braut gemacht habt."
„Da liegst du nicht ganz falsch, mein Sohn", antwortete Lucius Malfoy mit eiskalter Stimme. „Durch unsere, um es milde auszudrücken, ungünstige Stellung beim Lord sind dir einige, wie soll ich es sagen, Optionen abhanden gekommen. Es bleiben, wie schon gesagt zwei Mädchen übrig. Dass die Parkinsons immer noch interessiert sind, kann ich mir nur aus Geldgier erklären; deine Mutter meint gehört zu haben sie befänden sich in einer brekären Finanzsituation. Ich könnte es mir vorstellen. Die Snapes hingegen haben mit keinerlei finanziellen Problemen zu kämpfen. Severus ist dein Pate und mein ältester Freund. Er hat eine gute Stellung beim Lord inne und könnte uns wieder zu Ansehen führen. Es gibt jedoch eine Tatsache, deren du dir bewusst sein musst: dass er seine Tochter anbietet, ist ein Freundschaftsdienst und Severus wird sie selbst entscheiden lassen, ob sie deinen Antrag annimmt, falls du sie fragst. Dir sind die Hände gebunden, wenn du nicht alles verlieren willst. Nimmst du einen naiven, lästigen Dummkopf oder ein hübsches, kluges Mädchen, bei dem du ziemlich viel wieder gut machen musst. Ich kann dir diesmal nicht weiterhelfen, sondern nur einen Rat mit auf den Weg geben: denke nach und wähle besonnen, diese Frau wird dich den Rest deines Lebens begleiten. Sie ist an dich gebunden, wie du an sie und nur der Tod wird euren Bund wieder trennen."
Draco nickte und antwortete: „Ich werde mir Eure Worte zu Herzen nehmen Vater und mich jetzt zurückziehen."
Lucius Malfoy quittierte Dracos Aussage mit einem gönnerhaften Nicken und wendete sich dann seinem Whiskeyglas zu.
Ich hoffe das neue Chap gefällt euch! Ja, ich weiß, es ist noch nicht allzu viel passiert, aber wird es noch. Und noch etwas: ich muss leider etwas kürzer treten, Arbeit und Uni haben wieder begonnen, bedeutet natürlich für mich auch weniger Zeit für meine ffs. Also dann, bis zum nächsten Mal (wahrscheinlich in zwei Wochen). Lg, vic
