BALLNÄCHTE


Der Ball zu Ehren der Gäste des Trimagischen Turniers war vorbei. Die letzten Schüler waren vor einer guten Stunde in ihren Haustürmen verschwunden und das Schloß war zur Ruhe gekommen. Die Hauselfen hatten bereits Reste der Leckereien und der Getränke fortgeräumt. Was geblieben war, war die zum Teil etwas zerpflückte Dekoration, die nun im Halblicht der nicht mehr in Festbeleuchtung erhellten Halle ein wenige traurig aussah.
Severus Snape schlenderte durch die offenen Torflügel des kleineren Seiteneingangs in die Halle hinein und stieg langsam, Stufe für Stufe die Treppe hinunter, auf der er wenige Stunden vorher Granger aus der Vierten Klasse hatte sitzen und weinen sehen. Aber sie war nicht die Einzige gewesen, die Tränen vergossen hatte. Derlei Festivitäten forderten die Schüler regelrecht dazu heraus, sich emotional zu überanstrengen.
Hormone... er schmunzelte mit einem leicht angewiderten Ausdruck im Gesicht.
Auf der Hälfte der Treppe blieb er stehen und sah sie.
Erst jetzt wurde ihm wirklich bewußt, daß sie natürlich der Grund war, warum er überhaupt hergekommen war. Er hatte genau gewußt, daß er sie in der Halle finden würde, wenn alle anderen fort waren. Er fand sie dann immer hier.
Minerva McGongagall hatte ihn noch nicht bemerkt. Sie stand auf der spärlich beleuchteten Tanzfläche vor der leeren Bühne, auf der noch die Instrumente der Musiker standen und drehte sich gedankenverloren, mit geschlossenen Augen, sehr langsam mit sorgsam gesetzten Tanzschritten um sich selbst. Die Musik, zu der sie tanzte hörte nur sie selbst in ihrem Kopf.
Langsamen Schrittes ging er weiter die Treppe hinunter und ohne daß man ihn hören konnte durch den Saal hindurch bis zu ihr.
Als er nur noch wenige Meter von ihr fort war, blieb er stehen und beobachtete sie weiter.
Es war erstaunlich, wie anmutig sie sein konnte. Sie wirkte stets so steif, so überaus korrekt.
Nun, korrekt war sie jetzt ebenfalls, denn jeder ihrer Schritte war perfekt gesetzt – aber steif... nein, steif wirkte sie nun ganz sicher nicht.
Sie glitt wie eine große, anmutige Spieluhrenfigur über das Parkett und bewegte sich dabei doch gleichzeitig wie in Zeitlupe. Wiegte sich und drehte sich, wie es die Schritte erforderten, aber die Musik in ihrem Kopf schien sehr langsam zu spielen.
„Darf ich um einen Tanz bitten, verehrte Kollegin?", fragte er leise.
McGonagall erschrak nicht und sie hörte auch nicht auf, ihren langsamen Tanz fortzuführen. Sie öffnete nicht einmal die Augen, sondern lächelte nur.
Er sah ihr noch einen weiteren Moment zu, bis sie mit einem letzten Schritt vor ihm stehenblieb und, noch immer lächelnd, die Augen öffnete.
Seine Lippen formten sich zu etwas, das man beinahe ebenfalls ein Lächeln nennen konnte, bevor er sich eine Hand auf den Rücken legte, ihr die andere in einer dezenten Geste entgegenhielt und sich leicht verbeugte, auf die Weise, auf die man in einem früheren Jahrzehnt um einen Tanz gebeten hätte.
McGonagall machte die Andeutung eines Knickses und ebenfalls eine leichte Verbeugung und legte ihre Hand in seine.
Als er sie an sich heranzog begannen sie gleichzeitig, als ob sie beide die selbe Musik hören konnten, mit einem langsamen Walzer und Snape führte seine Kollegin in so perfekt aufeinander abgestimmten Schritten über die Tanzfläche, als hätten sie nie etwas anderes getan, als miteinander zu tanzen.
„Ich dachte schon, du kommst nicht mehr.", sagte die Professorin für Verwandlungszauber und sah ihn auf eine seltsame Weise an, was bei ihm verwundert hochgezogene Augenbrauen bewirkte.
„Du wußtest, daß ich komme?"
Sie wiegte ihren Kopf ein wenig hin und her.
„Irgendwie schon. Du bist nach jedem Ball in der Nacht hergekommen, auch als du noch Schüler warst..."
„So wie du...", bemerkte er.
„So wie ich...", stimmte sie ihm zu.
Dann schwiegen sie wieder beide und bewegten sich zum Klang der unhörbaren Musik über die Tanzfläche.
Sie waren allein.
Sie waren in diesen Nächten immer allein.
Als gebe es in Hogwarts eine Vorschrift, die besagte, daß in den Nächten nach den großen Bällen nur Severus Snape und Minerva McGonagall die Halle betreten durften.
„Erinnerst du dich noch an das erste Mal?", fragte er sie ruhig, während er sie in eine weitere, weiche Drehung führte.
Minerva lachte leise.
„Oh ja... Es war so offensichtlich, warum du gekommen warst. Ich war deswegen aufgeregter als du."
„Ich wollte nur einen Tanz mit meiner Professorin.", sagte er einen Hauch zu ernst.
Nun hoben sich ihre Augenbrauen.
„Natürlich, Severus... natürlich wolltest du nur einen Tanz."
„Du hast mir damals gesagt, ich hätte nicht kommen dürfen.", erinnerte er sich.
„Ja, und du hast mich gefragt, welche Schulregel dagegenspreche und ich hatte keine Antwort parat, weil es in den Ballnächten keine Schlußzeiten gibt."
„Und dann haben wir getanzt..."
„... so wie jetzt", ergänzte sie. „Bis du stehengeblieben bist."
Sie hielten in ihrem Tanz inne ohne ihre Augen voneinander zu lösen.
„Du hat für das, was du dann getan hast, damals nicht einmal gefragt...", flüsterte sie.
„Das tue ich heute auch nicht...", gab er ebenso leise zurück, löste dann seine rechte Hand von ihr und legte sie sanft auf die Seite ihres, wie immer, hochgesteckten Haares, das sich durch seine Magie auf der Stelle aus seiner strengen Frisur löste und ihr in langen Locken über den Rücken fiel.
„Damals waren sie noch nicht grau", sagte sie kaum hörbar.
„Aber bereits genauso schön..." antwortete er, strich mit einer faszinierten Geste durch die Strähnen hindurch und ließ sich die weiche Länge durch die Finger gleiten.
„Und dann hast du mich das erste Mal geküßt.", flüsterte sie.
Er nickte.
„Ja... dann habe ich dich das erste Mal geküßt und du hast es zugelassen, obwohl ich dein Schüler war."
„Weil ich es längst herbeigesehnt hatte, auch wenn es falsch war."
„Ist es immer noch falsch?"
Sie lächelte ihn an.
„Du weißt, daß es das nicht ist..."
„Aber die Tradition unserer Nächte nach den Bällen befiehlt, daß ich dir die Frage stelle."
„Das ist richtig. Aber nun hast du es ja getan..."
Als sie das sagte, faßte er mit beiden Händen ihr Gesicht und legte seine Lippen zu einem sanften, innigen Kuß auf ihre. Einen Moment standen sie wie in der Bewegung erstarrt, in diesem Kuß verloren beieinander, bis Minerva plötzlich ihre Arme um ihn schlang, ihn an sich heranzog und den Kuß auf eine Weise intensivierte, die ihm ein hörbares Seufzen entlockte.
Er legte nun ebenfalls die Arme um sie und aus dem sanften, zarten Kuß, wurde eine so intensive Umarmung, daß die beiden Professoren zu einer Person zu verschmelzen schienen.
Nach Luft ringend, löste sie sich von ihm, und zog ihn mit sich zur Treppe. Sie wollte die Stufen hinauf, aber er hielt sie fest.
Minerva blieb stehen und sah ihn erstaunt an.
„Ich liebe es, dich in diesem Licht zu betrachten, Minerva.", sagte er, ohne sie loszulassen.
Sie lächelte geschmeichelt und ging die paar Stufen wieder zu ihm herunter.
„Wir können schlecht, des Lichtes wegen, hierbleiben, meinst du nicht auch?", fragte sie neckend.
Er sah sich um. Sie waren allein.
„Warum nicht? Die Schüler finden wir ständig in irgendwelchen eindeutigen Situationen, warum soll uns dieses Vergnügen nicht auch einmal gegönnt sein?"
Minerva lachte laut auf.
„Das kannst du unmöglich ernst meinen!"
Er sah sie mit einem Gesichtsausdruck an, der Minervas Augen weit werden ließ und sie setzte, diesmal sehr viel bestimmter und ernsthafter hinterher: „Das kannst du unmöglich ernst meinen!"
Er packte sie wortlos und ehe sie sich versah, hatte er sie hochgehoben und brachte sie zu einem der Rondelle, auf denen vorhin noch die Schüler gesessen und bei grauenhaft lauter Musik ihre pubertären Kämpfe ausgefochten hatten.
Er setzte sich und behielt sie dabei einfach im Arm, so daß sie über seinem Schoß zu liegen kam.
Jetzt kicherte sie leise, wie eine seiner Schülerinnen und sah sich noch einmal verstohlen um, damit sie sichergehen konnte, daß niemand außer ihnen da war.
Als er sich über sie beugte und sie küßte, daß es ihr den Atem raubte und gleichzeitig seine freie Hand auf Wanderschaft über ihren schlanken Körper schickte, stöhnte sie auf und ihre Haltung veränderte sich. Er schien sie zu kennen... sehr genau zu kennen... jede Berührung seiner Hände, seiner Lippen ließ sie noch weicher, noch anschmiegsamer werden und gleichzeitig erforschten auch ihre Hände den Körper des Mannes, der sie hielt.
Die Art, wie ihre Zungenspitze über seine Lippen fuhr, ließ nun endgültig auch ihn einen lustvollen Laut von sich geben und er packte sie mit dem einen Arm fester, während er mit der Hand des anderen ihre bodenlange Robe mit wenigen Zügen nach oben raffte, so daß er die Finger über die Haut ihrer langen Beine streichen lassen konnte.
Sie zog scharf die Luft ein, als er, ohne ihren immer intensiver werdenden Kuß zu unterbrechen, über ihre Schenkel und ihre Hüften strich, bis er über die Innenseite ihrer Oberschenkel ohne jedes Zögern geradewegs zwischen ihre Schenkel fasste und nur noch durch die eine einzige Lage Stoff ihrer Wäsche von ihrer intimsten Stelle getrennt war. Als er mit sanftem Druck seine ganze Hand in ihren Schritt preßte, fühlte er, die Feuchtigkeit, die sich automatisch durch den Stoff hindurchdrückte und seine Handfläche benetzte.
Die Feuchtigkeit auf seiner Haut und der Druck seiner Hand auf ihr ließ beide gleichzeitig in ihrem Kuß aufstöhnen..
Minerva richtete sich ein wenig auf, schob seine Hand zwischen ihren Beinen weg und setzte sich auf seinen Schoß. Ihre Knie links und rechts von ihm auf der Sitzfläche des Rondells.
Wer die Professorin nur aus dem Unterricht kannte, wäre von soviel Beweglichkeit und von der jungmädchenhaften Haltung überrascht gewesen – Snape schien es nicht zu sein.
Er umfasste lediglich ihre Taille und legte den Kopf ein wenig zurück, um ihren Kuß entgegennehmen zu können, als sie ihren Kopf nach vorne senkte, während sie ihre Arme um seinen Hals legte.
Der Atem beider Lehrer ging schneller und ihre Gesichter waren beide durch die Erregung von einem leichten Rot überzogen.
Minerva hatte sich so auf ihn gesetzt, daß nur ihre Unterwäsche sie von seiner Bekleidung trennte.
„Da ist... noch zuviel... zwischen uns...", hauchte sie, während sie ihn wieder und wieder küßte.
„Du bist von uns ... beiden ... die Verwandlungskünstlerin... laß dir etwas ... einfallen.", zog er sie auf.
Sie murmelte etwas und einen Moment später war er unbekleidet bis auf seinen weiten Umhang, während sie noch immer ihre Robe trug. Darunter aber plötzlich unbekleidet war, so daß ihre erregte Nässe sich nun auf seine Haut verrieb.
„Das... ist ... nicht ... fair!", sagte er sehr bestimmt.
„Warum nicht?", lachte sie und trieb ihn Millimeter für Millimeter weiter in den Wahnsinn, als ihre Hände nun auf seiner nackten Haut erregende Kurven zogen.
„Weil ich dich ebenfalls sehen will... spüren will... ganz und gar", erklärte er überzeugend.
„Dann lege deinen Umhang um uns", flüsterte sie.
Er sah sie fragend an, lächelte dann aber, ließ sie los und griff die Kanten seines weiten Umhangs, die neben ihm auf dem Sitz lagen. Er hob sie ein Stück an und zog sie dann mit einem Ruck hoch, so daß sie sich um sie beide wie eine große, schwarze Decke herumlegten.
Als Minerva ein weiteres Mal murmelte, stöhnte er laut auf, denn jetzt fühlte er sie Haut auf Haut.
Unter dem Mantel verborgen, hob Minerva sich ein Stück hoch, brachte sich ein wenig weiter nach vorne und ließ sich dann, den Blick fest in den des Mannes unter ihr versunken, auf ihn nieder.
Das keuchende Geräusch das die Halle durchzog, wurde von ihnen beiden zu gleichen Teilen verursacht.
Sie umfassten sich noch fester, als gerade eben noch und dann begann Minervas, sich sanft und langsam auf ihm zu bewegen, während ihre Lippen erneut die seinen suchten.
„Ich sehe dich immer noch nicht", keuchte er leise zwischen zwei Küssen.
„Soll ich aufhören?", fragte sie ihn neckend.
„Nein!! Hör nicht auf!" stöhnte er und ließ, nicht zum ersten Mal, den Kopf kurz nach hinten auf die Lehne des Rondells fallen, so daß Minerva das ganze Ausmaß seiner Erregung in seinem Gesicht lesen konnte.
Sie brauchten keine Experimente, sie brauchten keine ausgefallenen Spielereien, sie bewegten sich einfach in dieser für sie in diesem Moment perfekten Pose weiter und weiter und weiter... bis beider Atem schwerer wurde und beider Herzschlag schneller und aufgeregter wurde, als sie fühlen und in den Augen des anderen sehen konnten, wie sie wortlos auf den gemeinsamen Höhepunkt zugingen.
Sie sahen sich in die Augen, diese unter Aufbietung aller innerer Kraft offenhaltend, als sie tatsächlich im selben Moment den Gipfel erreichten, erst den Atem für den intensivsten Moment ihrer Reise anhielten, um ihn dann mit einem unterdrückten Keuchen wieder herauszulassen.
Einen Moment lang saßen sie noch da, in der Bewegung erstarrt, wie vorhin bei ihrem ersten Kuß auf der Tanzfläche, und sahen sich einfach nur an.
Doch dann löste Minerva sich aus der Unbewegtheit und sank unendlich weich in seine offenen Arme, die sie augenblicklich noch inniger umfaßten.
Ihr langes, graues Haar vermengte sich auf seinen Schultern mit seinen schwarzen Strähnen.
„Ich will jetzt nicht wieder allein in meine Räume", flüsterte sie ihm ins Ohr.
„Dann komme ich heute Nacht mit."
Sie gab einen beinahe ungehaltenen Laut von sich und ließ sich ganz in seine Umarmung fallen.
„Du weißt, daß ich das nicht meine, obwohl ich ganz sicher nicht nein sagen werde. Aber ich möchte, daß jede Nacht für uns eine Ballnacht ist."
„Ich brauche dir nicht zu erklären, warum es nicht geht, Minerva, und daß ich auch nur der Erinnerung wegen in den Ballnächten diese Ausnahme mache.", antwortete er leise und legte sein Gesicht an ihren Hals.
„Willst du nicht auch mehr, als das hier? Willst du nicht, daß wir es allen ganz offen zeigen? Willst du nicht jeden Tag mit mir zusammen sein? Muß ich wirklich immer darauf warten, daß Albus einen Ball veranstaltet, damit ich mit dir zusammen sein kann?"
Er löste sich von ihr und sah sie sehr ernst an.
„Stell mir diese Fragen in der Nacht, in dem der Ball stattgefunden hat, den wir feiern werden, weil Voldemort vernichtet ist – wenn du es dann noch willst. Und du kennst die Antworten, die ich dir dann geben werde."
Er gab ihr einen kleinen Kuß.
„Und bis dahin werde ich weiter versuchen, so gut es geht zu verbergen, daß ich mir, unserer beider Tradition wegen, diese Bälle mehr herbeiwünsche als unsere hormongeschüttelte Schülerschaft."

ENDE