A/N: Danke an lufa, Simsly, nonameavailable und Caileigh für die ersten 4 Reviews in dieser OS-Reihe. Und danke an all die anderen für die bisher insgesamt 82 Hits. Scheinbar lesen es auch noch mehr als die vier Genannten. Vielleicht gefällt euch ja dieser OS auch und ich bekomme noch ein paar Reviews. Ich würde es mir jedenfalls sehr wünschen.
Und ich verspreche dir auch, nonameavailable, dass Katie hier nicht ganz so naive ist. ;-)
Sternennächte – Teil 2
Der Quaffle rotierte im gleichmäßigen Rhythmus um seine Achse, flog mit Schwung zielgerade auf den mittleren Torring zu und – prallte mit solch einer Wucht an den kreisrunden Stahl eben jenes Torrings, dass dieser sichtbar wackelte. Ein nur mühsam unterdrückter Fluch vermischte sich mit dem metallischen Klirren des Stahls und kurz darauf konnte man einen schwarzgrünen Schatten im Sturzflug hinter dem langsam nach unten schwebenden Quaffle her fliegen sehen.
Kurz bevor der Quaffle den Boden berührte, wurde er von dem Schatten abgefangen und schon ging es wieder steil in den sternenklaren Frühsommerhimmel hinauf. Der fast volle Mond beleuchtete das Quidditchstadion in ein fahles silbriges Licht und sorgte dafür, dass die Ringe links der Lehrertribüne deutlich sichtbar waren, während die auf der Gegenseite in dunklen Schatten lagen und man sie eher erahnen als sehen konnte.
„Verfluchter Doxymist! Wenn ich nicht mal treffe, wenn ich weder Gegner noch Klatscher fürchten muß, schaffe ich es am Samstag gegen die Schlangen nie im Leben."
Frustriert fuhr Katie sich mit einer Hand durch die leicht zerzauste Lockenmähne, als sie den Besen wieder in Ausgangsposition direkt über den Mittelkreis am Boden gebracht hatte. Danach strich sie sich das grüne Sweatshirt glatt, dass sie in dieser lauen Frühsommernacht Anfang Juni trug, und rieb sich im Anschluß die schweißfeuchten Hände an ihrer schwarzen Jeans trocken.
Sie atmete ein paar Mal tief durch, schwang den Quaffle abwesend von einer Hand in die andere und blinzelte die im Mondlicht leicht unwirklich schimmernden Torringe vor ihr finster an.
„OK, Katie. Noch ein Versuch. Auf dich und die Mädels kommt es am Samstag an. 50 Punkte Vorsprung, bevor Harry eingreifen darf. Sonst ist der Pott wieder mal weg."
Sie klemmte sich den Quaffle unter den linken Arm, flog langsam an und legte dann wie auf ein unsichtbare Kommando schlagartig an Tempo zu. Es war ein standardmäßiger Strafwurfanflug mit einem geraden, wenn auch hart geworfenen Wurf am Ende – ein Spielzug aus dem Lehrbuch -, doch genau mit diesen Spielzügen hatte sie in den letzten Wochen enorme Probleme. Oliver war schon regelrecht am verzweifeln, dass sie im Training die simpelsten Sachen nicht mehr hinbekam, wo sie doch früher gerade bei Standardsituationen ein Garant für den Erfolg war. Seine Laune war dementsprechend und es verging keine freie Minute, in der er sie nicht damit nervte, dass sie zusehen sollte, dass sie ihre Routine wieder bekam. Schließlich sei dies hier sein letztes Spiel in Hogwarts und damit seine allerletzte Chance, zumindest einmal den Hogwartspokal zu gewinnen. Angelina, Alicia und sie würden seine Karriere in der Hand haben, hatte er ihr noch an diesem Abend gesagt, und mit seinem treuherzigsten Dackelblick hinzugefügt, dass sie ihn doch zum Ende ihrer gemeinsamen Zeit in Hogwarts nicht hängen lassen konnte.
„Also absolut kein Druck.", murmelte Katie grimmig in sich hinein, als sie den Quaffle mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, in Richtung rechten Torring schwang. Doch schon als ihre Finger den Kontakt zu dem rauen, abgegriffenen Leder verloren, wußte sie, dass es auch diesmal nichts wurde mit dem perfekten Treffer. Allerdings blieb ihr nicht wirklich Zeit, sich darüber zu ärgern, denn der Quaffle schaffte es nichtmal ganz bis zu seinem eigentlichen Ziel. Gekonnt wurde er aus dem Flug abgefangen und danach ein paar mal lässig in die Luft geworfen und wieder aufgefangen.
Katie blinzelte irritiert, da sie felsenfest der Meinung war, dass sie alleine im Hogwartsstadion war. Immerhin war es schon weit nach der Sperrstunde und da sollten eigentlich alle Schüler in ihren Betten liegen und selig schlummern. Und wenn sie das schon nicht taten, sollten sie zumindest in ihren Gemeinschaftsräumen sein, aber ganz sicher nicht irgendwo im Schloss auf Wanderschaft oder gar draußen im nächtlichen Quidditchstadion, so wie sie.
Ein frustriertes Seufzen entfuhr ihr und sie schloss resigniert die Augen, als sie ihren unerwarteten Gegenspieler erkannte, der mit einem durchaus sympathischen, aber im Moment von ihr nicht sonderlich geschätzten Lächeln langsam auf sie zu flog.
„Versuche es mal, dem Quaffle im letzten Moment noch einen kleinen Tick mit den Fingerspitzen mitzugeben.", riet Roger Davies ihr und hielt ihr auffordernd den Quaffle entgegen. „Dadurch kriegt er diesen ganz speziellen Drall, der dazu führt, dass der Quaffle in einen kaum wahrnehmbaren Bogen fliegt. Glaub mir, damit macht man jeden Hüter schier wahnsinnig."
Katie preßte die Lippen zusammen und sah ihn mit skeptisch hochgezogener Augenbraue an. Meinte der Kerl das etwa ernst oder verarschte er sie nur? Warum um alles in der Welt, sollte ausgerechnet der Kapitän der Ravenclaws einer Jägerin aus Gryffindor solche speziellen Tricks verraten? Was hatte er davon, außer seinen eigenen Hüter damit in Schwierigkeiten zu bringen?
Roger ließ sich von ihrer abweisenden Haltung jedoch nicht beeindrucken und warf ihr den Quaffle zu, den sie reflexartig auffing.
„Nur zu. Ich binde dir hier schon keinen Hippogreif auf. Versuch's einfach mal.", wiederholte er seine Aufforderung und schwebte dann auf seinem Sauberwisch 7 ein Stück zur Seite.
Katie warf ihm abermals einen skeptischen Blick zu, zuckte dann jedoch seufzend mit den Schultern, rückte ihren Komet 3-80 zurecht und flog an. Wieder zielte sie auf den rechten Ring, holte Schwung und ließ den Quaffle fliegen. Doch wie von Roger angewiesen gab sie ihm jetzt im letzten Moment mit den Fingerspitzen noch einen kleinen Extraschubs mit.
Skeptisch neigte sie den Kopf zur Seite und kniff die Augen leicht zusammen, als sie ihm nachsah. Es sah nicht viel anders aus, als beim vorherigen Versuch und sie war sich schon jetzt ziemlich sicher, dass auch dieser Wurf daneben ging - er war halt viel zu weit nach außen weggedriftet. Wie immer in letzter Zeit. Aber scheinbar war der Tipp des Ravenclawkapitäns doch was wert gewesen, denn entgegen aller Wahrscheinlichkeit schien der Quaffle doch vollkommen unbemerkt beizudrehen und flog vollkommen problemlos durch den Torring.
Katie klappte vor Verblüffung der Unterkiefer runter und es dauerte einen Moment, bis sie begriffen hatte, dass sie gerade tatsächlich getroffen hatte. Ein breites triumphierendes Grinsen erschien schließlich auf ihrem Gesicht und sie riss hochzufrieden die Arme hoch in den Nachthimmel hinauf.
„JA! Nimm das, du blöder Torring. Auf Dauer kriegst du eine Katie Bell nicht klein."
Roger hatte inzwischen den Quaffle wieder abgefangen und lachte leise in sich hinein. Katie konnte von ihrer Position knappe fünf Meter über ihm zwar sein Gesicht nicht sehen, aber sie sah im fahlen Mondlicht doch deutlich, dass sein kompletter Oberkörper leicht zuckte und vibrierte.
„Hey, lachst du mich etwa aus?", rief sie ihm zu, als er mit dem Quaffle unter dem Arm den Besen wendete und wieder zu ihr rauf flog.
„Ganz im Gegenteil.", erwiderte er und grinste sie übermütig an. „Ich freue mich mit dir, dass du Erfolg hattest." Mit einem gut gemeinten Zwinkern warf er ihr den Quaffle lässig wieder zu, den sie wie schon zuvor eher reflexartig auffing, statt wirklich darüber nachzudenken. „Und das, obwohl du vorher noch geglaubt hast, dass ich dich veralbern wollte."
„Ich habe nicht ...", fing Katie empört an zu protestieren, brach aber gleich darauf wieder ab, da Roger jetzt derjenige war, der sie skeptisch ansah. Sie stieß ein Geräusch irgendwo auf halbem Weg zwischen Stöhnen und Schnauben aus und verdrehte die Augen, während sie mit der freien Hand unbestimmt durch die Luft wedelte. „OK, du hast Recht. Ich habe dir nicht geglaubt." Sie kniff die Augen zusammen und starrte ihn durchdringend an. „Aber du kannst mir das auch nicht wirklich vorwerfen. Woher soll ich schließlich wissen, dass mir der Feind wirklich ernst gemeinte Tipps gibt?"
„Katie, Katie, Katie.", meinte Roger, schüttelte gespielt niedergeschlagen den Kopf und warf ihr einen mitleidigen Blick zu. „Du solltest endlich mal aufhören, die Quidditchwelt so strikt in schwarz und weiß aufzuteilen. Es gibt in dieser Welt viel mehr Grauzonen, als du ahnst."
„Bisher bin ich mit dieser Aufteilung eigentlich ganz gut gefahren.", widersprach Katie ihm und sah ihn herausfordernd an. Er sollte es nur wagen, sie in Sachen Quidditch zu bekehren. So leicht würde sie es ihm nicht machen. Ihre Hauskameraden und vor allem ihre Teamkollegen – allen voran Oliver – würden ihr ganz schön was erzählen, wenn sie sich plötzlich mit dem Feind in diesem angeblichen Grauzonenbereich verbrüderte. „Sei doch mal ehrlich, Roger. Am Ende kommt ihr mit dieser lockeren Art doch nie weit. Schließlich sind es am Ende immer wir und die Schlangen, die um den Pott kämpfen."
„Mhmm", brummelte er durchaus zustimmend. „Da hast du gar nicht so Unrecht. Aber trotzdem kann man kurzfristig gesehen durchaus profitieren wenn man sich für eine Weile mit dem ein oder anderen 'Feind' verbrüdert." Er unterstützte seinen spöttischen Tonfall bei dem Wort Feind noch dadurch, dass er imaginäre Anführungszeichen in die Luft malte. Katie sah ihn mehr als skeptisch an, woraufhin er amüsiert auflachte und seinem Besen einen leichten Schubs gab, was zur Folge hatte, dass er jetzt langsam um sie rum flog. „Ganz ehrlich Katie. Was glaubst du, warum mein Team es immer wieder schafft, euch anderen Teams das Leben so erstaunlich schwer zu machen? Wir haben es nicht nötig, so unfair zu spielen, wie die Schlangen, um gegen euch oder Hufflepuff zu bestehen. Und wir haben es auch nicht nötig, mit einem Lächeln zu verlieren und eine dabeisein-ist-alles-Miene aufzusetzen, wie die Hufflepuffs, wenn wir verlieren." Er flog jetzt in Schlangenlinien um sie herum, was ihn mal näher an sie ran brachte und ihn mal weiter nach außen weg trug. „Und wir haben es auch nicht nötig, nervenaufreibende Sondertrainigseinheiten anzusetzen und uns gegenseitig mental verrückt zu machen, wenn es mal eng für uns wird."
„Nein. Genauso wenig, wie ihr es scheinbar nötig habt, am Ende das Spiel zu gewinnen und euch eine Chance um den Pokal offen zu halten.", schoss sie zurück, da sie die Spitze gegen ihr Team am Ende ganz genau verstanden hatte.
„Für uns ist Quidditch halt nicht ganz so überlebenswichtig wie für euch.", erwiderte er und zuckte gelassen mit den Schultern. Katie verrenkte sich fast den Kopf, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. „Natürlich wollen wir auch gewinnen. Das will schließlich jedes Team, sonst würde es gar nicht erst antreten. Aber für uns geht die Welt nicht gleich unter, wenn wir dann doch mal verlieren, so wie sie es für euch tut. Wir ärgern uns eine Weile drüber und haken es dann ab, um uns auf die Gegenwart zu konzentrieren."
„Ah ja!", antwortete Katie übertrieben nickend, um deutlich zu machen, dass sie absolut keine Ahnung hatte, was er ihr damit eigentlich sagen wollte. „Und was hat das jetzt mit Grauzonenverbrüderungen mit dem Feind zu tun?"
„Eine ganze Menge.", antwortete Roger ihr und blieb direkt vor ihr schweben. „Wenn man sich kurzfristig mit dem einen 'Feind' verbrüdert, erfährt man wesentlich mehr über den derzeitigen Zustand des aktuellen Feindes, als wenn man ihn alleine observiert. Schließlich kann man nicht alles sehen und spezielle Spieler auf speziellen Positionen bemerken ganz andere Dinge, als der Kapitän, der hauptsächlich an das Team in der Gesamtheit denken muß."
Katie runzelte die Stirn und sah ihn irritiert an.
„Soll das heißen, dass du dich regelmäßig mit Cedric Diggory zum Kaffeekränzchen triffst und um Infos über uns und die Schlangen feilscht, wie ein Teppichverkäufer auf einem türkischen Basar?"
Roger lachte kurz aber herzhaft auf und grinste sie dann breit an.
„So ungefähr, ja. Auch wenn es bei diesen 'Kränzchen' eher Butterbier als Kaffee gibt und wir nicht ganz so temperamentvoll feilschen wie türkische Teppichverkäufer. Ob du es nun glaubst oder nicht, aber Cedric und ich sind eigentlich recht eng miteinander befreundet und wir schieben uns die Infos über euch und die Schlangen immer zu, ohne wirklich eine direkte Gegenleistung zu fordern. Irgendwann hat halt mal der andere wieder eine wichtige Info und das gleicht es dann wieder aus. Am Ende seid ihr schließlich beide unsere Gegner und es kann uns nur helfen, euch möglichst frühzeitig auszuschalten."
„Mit durchschlagendem Erfolg, wie man sieht.", gab Katie jetzt zurück und grinste ihn deutlich ironisch an. „Genau deshalb stehen sich wieder mal wir und die Schlangen im Finale gegenüber und ihr und die Puffles stehen unter 'ferner liefen'."
„Ist halt blöd gelaufen.", gab Roger leicht schief grinsend zurück und sah sie dann wieder übermütig an. „Aber hey, immerhin haben wir mit der Taktik auch unsere Erfolge aufzuweisen."
„Ach ja? Nenn mir ein Beispiel. Mir fällt nämlich so spontan wirklich keins ein, oh allmächtiger Ravenclaw."
„Das erste Spiel dieser Saison, als ihr euch vollkommen unerwartet plötzlich am Tabellenende wiedergefunden habt.", fing er mit seiner Aufzählung an und hob gleich darauf mahnend den Zeiefinger, als Katie ihm ins Wort fallen wollte. „Und das liegt nicht daran, dass Harry euch vom Besen gepurzelt ist, falls dir das jetzt durch den Kopf gehen sollte. Die Hufflepuffs waren an dem Tag klar besser als ihr. Das mußt du jetzt mal ehrlich zugeben."
Katie schnaubte und verschränkte schmollend die Arme um den Quaffle, während sie ihm einen finsteren Blick zuwarf. Nein, dieses Spiel gehörte wirklich nicht zu den Glanzleistungen ihres Teams. Und er hatte durchaus Recht. Die Hufflepuffs waren ihnen an dem Tag klar überlegen gewesen. Und das, obwohl sie kurzfristig für die ausfallenden Slytherins eingesprungen waren und sich gar nicht recht auf sie einstellen konnten. Aber vielleicht war ja gerade das der Schlüssel ihres Erfolgs in dem Spiel gewesen. Roger war allerdings noch nicht fertig, und als er weitersprach, entfuhr Katie ein gequältes Stöhnen, denn an dieses entsprechende Spiel, das er nun ansprach, wollte sie nun ganz und gar nicht erinnert werden.
„Und vor zwei Jahren habt ihr gegen uns so richtig alt ausgegeben. Ich gebe zu, es muß schon ziemlich demotivierend gewesen sein, ohne Sucher in das letzte Spiel der Saison gehen zu müssen. Wir haben euch weiß Gott nicht darum beneidet und haben immer noch einen gewaltigen Respekt davor, dass ihr es dennoch getan habt, statt das Spiel von vorne herein verloren zu geben. Aber die Tatsache, dass ihr euch trotzdem so viele Treffer eingefangen und nur so wenige gemacht habt, spricht schon Bände. Wir hatten nämlich in dem Moment schon mit einer Trotzreaktion a la jetzt-erst-recht gerechnet und uns auf einen ziemlichen Höllenritt gefasst gemacht. Aber das war wohl nichts. Wir haben euch sauber ausgespielt."
„Jahaa!", gab Katie sarkastisch zurück und verdrehte die Augen. „Allerdings bin ich heute nicht hier, um mich von dir an eine meiner schwärzesten Quidditchstunden erinnern zu lassen. Und erst recht nicht, um mich wieder von dir ausspielen zu lassen."
„So wie du in den letzten Tagen drauf bist, wäre das für mich aber überhaupt kein Problem.", gab Roger trocken zurück und schwebte im leichten Slalom rückwärts.
Katie warf ihm einen finsteren Blick zu und flog wortlos an. Roger wich ohne große Mühen aus und ließ sie vorbei, um ihren Wurf zu machen. Diesmal warf sie jedoch keinen regulären Strafwurf, sondern einen speziellen Trickwurf, der seit ein paar Jahren in der Profiliga sehr beliebt war und von den Hogwartsteams gerne kopiert wurde. Roger wußte, dass sie diesen Wurf normalerweise perfekt drauf hatte, denn viel zu oft hatte sie bei einem Ausbrechversuch seinen Hüter damit kalt erwischt, doch wie an diesem Abend üblich, ging er wieder mal vollkommen daneben.
Der Fluch, der Katie daraufhin entfuhr, war so farbenfroh wie vulgär und ließ Roger überrascht beide Augenbrauen so weit hochziehen, dass es im fahlen Mondlicht beinahe so aussah, als hätte er gar keine. Seine Mundwinkel zuckten allerdings und schließlich verlor er seine Selbstbeherrschung und lachte so schallend auf, dass auch Katie ihre grimmige Miene nicht mehr länger halten konnte und herzhaft mit lachte.
„Ich sehe schon, die Weasleys haben dich gut trainiert.", meinte Roger, während er abtauchte und den Quaffle wieder einfing.
„Die Weasleys?", erwiderte Katie spöttisch. „Die haben damit nichts zu tun, glaub mir. Die schocke ich damit regelmäßig selber und bringe ihnen nebenbei noch einige Flüche bei."
„Ach wirklich?" Roger sah sie fragend an. „Das mußt du mir mal genauer erklären."
Katie zuckte die Schultern und schwebte langsam schräg rückwärts, um wieder auf die Ausgangsposition zurück zu kommen.
„Das liegt schlicht und ergreifend in der Tatsache begründet, dass ich das einzige Mädchen zwischen drei Brüdern und sieben Cousins bin, die alle in einem Radius von einem knappen Kilometer voneinander aufgewachsen und zudem alle einige Jahre älter sind als ich.", antwortete sie gelassen. „Meine Mutter und Tanten haben jahrelang vergeblich versucht, ihnen auszutreiben, solche Bemerkungen in meiner Gegenwart von sich zu geben." Ein verschmitztes Grinsen schlich um ihre Mundwinkel. „Und ich bin wie jedes Mädchen, das ihre älteren Brüder und Cousins glühend verehrt. Ich sauge alles was sie von sich geben auf wie ein nasser Schwamm."
„Wie man gerade eindrucksvoll gehört hat.", kommentierte Roger amüsiert.
Katie lachte leicht in sich hinein, wurde aber gleich darauf wieder ernst und sah Roger fragend an.
„Was willst du eigentlich hier, Roger?"
„Ganz ehrlich?"
„Würde ich sonst fragen?"
Roger sah sie kurz an und ließ dann leise seufzend den Quaffle sinken, mit dem er bislang abwesend rumgespielt hatte.
„Ich bin hier um dir zu helfen, Katie.", meinte er dann. Katie sah ihn verwirrt an und erreichte damit, dass Roger ihr den Quaffle zuwarf, den sie diesmal allerdings nicht ganz so sicher auffing, sondern nachfassen mußte, was sie leicht ins trudeln brachte. Er wartete, bis sie sich wieder stabilisiert hatte und fuhr dann fort. „Ich bin regelmäßig hier draußen, wenn ich nicht einschlafen kann und in den Nächten vor wichtigen Ereignissen – Ravenclawspiele, Jahresendprüfungen und vor allem in den Nächten vor dem jährlichen einwöchigen Besuch meiner Großtante, der mir immer mindestens wie ein Monat vorkommt – ist diese Schlaflosigkeit besonders schlimm. Irritierenderweise gehören auch die Nächte vor dem Quidditchfinale dazu, obwohl es da für mich und mein Team eigentlich nie mehr wirklich um etwas geht."
„Kann man wohl sagen.", warf Katie trocken ein und erntete ein selbstironisches Lachen von Roger, der sie jedoch gleich darauf wieder ernst ansah.
„In den letzten paar Nächten ist mir dann aufgefallen, dass du scheinbar auch magisch vom nächtlichen Stadion angezogen wirst. Aber vor allem ist mir aufgefallen, dass du in diesen Nächten nicht die Katie Bell bist, die wir hier allgemein kennen." Katie schnaubte, sagte darauf jedoch nichts. Roger neigte leicht den Kopf zur Seite und sah sie jetzt eindringlich an. „Was ist los mit dir, Katie? So nervös warst du nicht mal vor zwei Jahren in diesem für euch so desaströsen Finalespiel gegen uns. Wieso ist die sicherste Gryffindorjägerin was Standardsituationen angeht plötzlich so von der Rolle?"
Katie lachte humorlos auf und fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare, was diese noch ein wenig mehr durcheinander brachte, als sie inzwischen sowieso schon waren.
„Weißt du, wie es ist, unter einem Kapitän zu spielen, der einen schier wahnsinnig macht? Ich meine, ich kann ihn ja einerseits irgendwie verstehen. Es macht sich ja wirklich besser in seinem Lebenslauf, wenn er angeben kann, dass er nicht nur drei Jahre Kapitän war, sondern auch zumindest einmal den Pokal gewonnen hat. Vor allem dann, wenn er ihn als Kapitän gewonnen hat. Das wissen wir ja alle. Und dann ist da dieser tierische Druck zu gewinnen. Klar spüren wir den ganz normalen Druck, den uns unsere Hauskameraden machen. Schließlich sind wir nicht vollkommen blöde. Und den Druck der anderen auch. Den der Hufflepuffs oder deiner Ravenclaws, die endlich mal einen anderen Sieger als die Slytherins sehen wollen. Das ist ja auch durchaus verständlich. Aber wenn dann die Tabellensituation so unglücklich aussieht, dass der ganze Druck auf uns Jägern liegt, dass es im Grunde genommen wirklich nur auf uns ankommt, ob wir diesen Pokal noch gewinnen, ganz egal, wie gut der Rest des Teams an dem Tag spielt, dann dreht sich einem doch schon ganz gewaltig der Magen um und es ist kein Wunder, wenn man nicht mehr man selber ist." Katie seufzte und fuhr sie nochmal durch die Haare, während Roger ihr nun mit nachdenklicher Miene zuhörte. Schließlich sah sie ihn mit leicht gequältem Lächeln an und fuhr fort. „Ich komme mit diesem Druck einfach nicht klar, Roger. In meinem Kopf ist vollkommene Leere und meine Arme fühlen sich plötzlich bleischwer an. Deswegen kriege ich plötzlich nichts mehr hin. Und es wird bei jedem Training schlimmer. Oliver ist das reinste Nervenbündel und beschwört uns in jeder freien Minute, dass wir erst diese verdammten 50 Punkte Vorsprung rausholen müssen, bevor Harry zuschlagen darf. Wir sind alle wie ein Haufen Löwen, die zu lange in einem zu engen Käfig miteinander eingesperrt waren. Wir zerfleischen uns beim Training gegenseitig, statt vernünftig und effektiv zu trainieren. Und mich macht das immer unsicherer und nervöser. Deshalb bin ich heute Nacht hier. Und auch die vorherigen Nächte. Weil ich einerseits nicht schlafen kann und andererseits meine Sicherheit wiederkriegen will, bevor wir den Schlangen gegenüber treten müssen. Was allerdings nicht sonderlich gut gelingt, wie man unschwer erkennen kann."
Eine Weile war es still. Beide schwebten vollkommen reglos im silbrig-fahlen Licht, dass der Mond über dem Hogwartsstadion verteilte. Doch schließlich ging ein sichtbarer Ruck durch Roger und er sah Katie eindringlich in die Augen.
„Du läßt dich von anderen zu sehr unter Druck setzen, Katie.", meinte er und fing ihren Blick ein. Katie schnaubte jedoch frustriert und wandte den Blick in die Ferne. „Sieh mich an.", bat er sie, doch Katie weigerte sich schlichtweg. „Bitte, Katie.", wiederholte er seine Bitte ein wenig leiser und eindringlicher, was Katie schließlich doch dazu brachte, ihn anzusehen. Wenn auch widerwillig. „Alles, was du an diesem Samstag zu tun hast, ist, dein Bestes zu geben. Nicht mehr und nicht weniger. Natürlich hoffen wir alle, dass ihr es schafft, diesen Vorsprung rauszuarbeiten, bevor Harry von den Slytherins dazu gezwungen wird, den Schnatz zu fangen. Aber letztendlich kann es niemand ernsthaft von euch fordern, dass ihr es genauso hinbekommt. Und egal wie die Reaktionen der anderen - egal ob Gryffindor, Ravenclaw oder Hufflepuff - nach dem Spiel ausfallen wird, wenn ihr es nicht schaffen solltet, hat niemand das Recht, euch Vorwürfe zu machen. Denn niemand von denen weiß, was es heißt, zu so einem Spiel antreten zu müssen. Hörst du, Katie? Niemand! Und was das Oliver-Problem betrifft, nun ... das ist so eine Sache für sich."
„Wie meinst du das?", fragte Katie ihn leise und sah ihn dank seiner eindringlichen Rede ein wenig überfahren an.
„Naja, irgendwie kann ich ihn schon verstehen, dass er da so vollkommen abdreht.", antwortete Roger nachdenklich. „Es ist nämlich ein gewaltiger Unterschied, ob man einfach nur als eins von sieben Teammitgliedern diesen Druck spürt oder als derjenige, der dafür verantwortlich ist, dass das Team funktioniert und überhaupt eine Chance auf ein gutes Spiel und wenn möglich auch auf einen Sieg hat. Das erfahre ich ja gerade am eigenen Leib. Wenn das Team gute Leistungen zeigt, wird man gelobt und hat bald eine blaue Schulter, so oft wird einem wohlwollend drauf geklopft. Aber wehe, dass Team hat einen schlechten Tag und baut nur Mist. Dann ist man der Depp der Nation, auch wenn man oftmals gar nichts dafür kann. Das ist sogar in Ravenclaw so. Und ob du es glaubst oder nicht, auch in Hufflepuff."
„Also das glaube ich nun wirklich nicht.", unterbrach Katie ihn und sah ihn ungläubig an. „Ich habe immer das Gefühl, als ob den speziellen Menschenschlag so gut wie nichts erschüttern kann."
„Hast du eine Ahnung.", grinste Roger. „Cedric hat sich ganz schön was von denen anhören müssen, nachdem wir die Ende letztes Jahr so überfahren haben. Die haben sich nämlich alle schon berechtigte Hoffnungen gemacht, dass es dieses Jahr für sie sehr gut laufen könnte, nachdem die euch so vollkommen unerwartet besiegt haben. Und wenn schon die Hufflepuffs und die Ravenclaws einen als Persona non Grata behandeln, wo sie Quidditch doch eigentlich nicht ganz so ernst nehmen, dann ist der Druck als Kapitän bei euch Gryffindors oder bei den Schlangen noch um einiges heftiger. Vor allem, wenn es um so ein wichtiges Spiel gegen den Erzfeind geht. Und wenn man dann noch in die Profilaufbahn einschwenken will und weiß, dass mit großer Sicherheit Scouts auf der Lehrertribüne sitzen ..."
Roger ließ den Satz unbeendet, aber Katie wußte auch so, was er sagen wollte. Sie hatte sich bisher noch nie so genau Gedanken über Olivers Situation als Kapitän gemacht, aber wenn sie jetzt so darüber nachdachte, hatte Roger durchaus Recht. Ein Zuckerschlecken war diese Position bestimmt nicht. Vor allem nicht in ihrem Haus, wo Quidditch so einen hohen Stellenwert hatte und schon beinahe als Religion galt, die man tagein tagaus anbeten mußte. Kein Wunder, dass Oliver so oft so schräg drauf war.
Ziemlich durcheinander von all diesen neuen Gedanken schüttelte sie schließlich den Kopf, um ihn wieder einigermaßen frei zu bekommen.
„Das mag wohl alles seine Richtigkeit haben, aber das macht mich im Moment alles nur noch konfuser.", gestand sie und sah Roger reichlich verwirrt an. „Und ehrlich gesagt hilft es mir nicht wirklich bei meinem Problem."
„Dann sollten wir schleunigst daran arbeiten.", meinte Roger achselzuckend und brachte seinen Besen zwischen Katie und den Torringen in Position. „Ich bin einer der Schlangen-Jäger und du versuchst, den Quaffle an mir vorbei durch die Torringe zu bekommen. Ganz einfach. Und während du das versuchst, verrate ich dir ein paar Tricks, wie du die einzelnen Slytherins gekonnt ausspielen kannst. Denn entgegen gegenläufiger Meinungen sind das auch keine Übermenschen, sondern haben ganz im Gegenteil sogar einige ganz gravierende Schwachstellen."
„Ach wirklich?", meinte Katie und wußte nicht so recht, was sie davon halten sollte. Dass auch die Slytherins ihre Schwächen hatten, wußte sie, aber nicht, dass sie so gravierend sein sollten. Oliver hatte da zumindest noch nie etwas von erwähnt. Und dann war da noch etwas, was sie grübeln ließ. „Und warum willst du mir das verraten? Immerhin ist das im Moment der entscheidende Vorteil, den ihr uns gegenüber in Bezug auf die Slytherinspiele habt."
Roger zuckte gelassen mit den Schultern.
„Die nächste Saison ist noch weit weg. Bis dahin kann sich schon wieder eine Menge getan haben. Im Moment geht es erstmal um diese Saison. Und da seid ihr die einzigen, die noch zwischen den Schlangen und einem weiteren Pokalsieg stehen. Und ich will verdammt sein, wenn ich tatenlos dabei zusehe, wie der Pott für ein weiteres Jahr in den Abgründen der Kerker verschwindet. So langsam muß damit nämlich mal Schluß sein." Er grinste sie breit an und warf ihr dann einen herausfordernden Blick zu. „Also, zeig mir wie du die Schlangen am Samstag ausspielen willst."
Katie sah ihn kurz mit fragend erhobener Augenbraue an, bevor sie mit den Schultern zuckte und schließlich anflog.
„Na gut.", murmelte sie leise. „Du hast es nicht anders gewollt, du kleiner Möchtegern-Slytherin, du."
Verblüffenderweise lag Katies Erfolgsquote nach einer Weile wesentlich höher, als zu den Zeiten, wo sie noch ohne Gegenspieler trainiert hatte. Roger hielt zwar sein Versprechen und gab ihr einige Tipps, doch er schonte sie auch nicht. Ganz im Gegenteil. Katie hatte zwischendurch das Gefühl als hätte ein unsichtbarer Slytheringeist von ihm Besitz ergriffen, als er sich zu Dingen hinreißen ließ, die nahe am Rande jeglicher Quidditchlegalität lagen und absolut zum ganz normalen Standardrepertroire der Slytherins gehören könnten, für den sonst so fairen Ravenclaw aber gänzlich unüblich waren. Doch sie erfuhr auf diese Weise eine ganze Menge über die Slytherins, was ihr bisher völlig unbekannt war.
Den wie war es möglich, dass ausgerechnet Roger Davies so viele auf dem ersten Blick scheinbar unwichtige Details über den Erzfeind der Gryffindors wußte, die zusammengesetzt ein so wirksames Mittel gegen eben diese ergaben. Wie kam es, dass Oliver diese Dinge nicht wußte? Lag es wirklich daran, dass Roger und Cedric hin und wieder gemeinsame Sache machten? Lag es daran, dass Oliver vor lauter Quidditchfanatismus inzwischen leicht betriebsblind war, dass ihm solche Kleinigkeiten schon gar nicht mehr auffielen? Und wieso hatten sie und ihre restlichen Teamkameraden nie etwas davon bemerkt? Dass Chris Warrington bevorzugt auf die Linke Flanke zu Flint rüberpasste, hätte auch ihnen in den letzten Jahren auffallen können. Genau wie die Tatsache, dass Adrian Pucey gerne mal nach rechts abdriftete, wenn er sich zu sehr auf seinen direkten Gegenspieler konzentrierte. Und dass Miles Bletchley ein Problem mit der Deckung seines rechten Torrings hatte, hätten sie absolut sicher erkennen müssen. Da gab es gar keine Diskussion drüber. Denn jetzt, wo Roger sie darauf hingewiesen hatte, war es auch ihr wie Schuppen von den Augen gefallen, dass sich eigentlich immer einer der Slytherintreiber unauffällig in der Nähe dieses Torrings aufhielt, um im Ernstfall mit eingreifen zu können. Bisher hatte sie diese Vorkommnisse jedes Mal als reinen Zufall abgetan, sie oft auch gar nicht wirklich wahr genommen, aber je länger sie darüber nachdachte, desto mehr schüttelte sie den Kopf über ihre eigene Blindheit und die ihrer Teamkameraden. Die Schlangen mußten sich ja insgeheim köstlich darüber amüsiert haben, dass den so verhassten Gryffindors diese eklatanten Schwächen in ihrem Team immer noch nicht bemerkt hatten.
„Ich muß morgen ganz dringend mit Fred und George reden.", meinte Katie nachdenklich, als sie nach gut einer Stunde intensiven Trainings zu Landung ansetzten. „Dass uns das mit Bletchley und dem Wachposten-Treiber bisher nie aufgefallen ist, ist ja schon fast peinlich."
„Das ist nicht nur fast peinlich, sondern ganz sicher peinlich.", meinte Roger, der es immer noch nicht recht glauben konnte, dass den Gryffindors diese spezielle Tatsache bisher nicht bekannt gewesen war. Er hatte sie Katie gegenüber gerade nur beiläufig erwähnt, weil er wirklich davon ausgegangen war, dass sie diese Schwäche kannten, und in diesem Zusammenhang nur auf ein anderes Problem in der Slytherinspielweise hinweisen wollte. Vor Überraschung auf ihre Verblüffung war er fast rückwärts vom Besen gepurzelt und hatte sie dann volle drei Minuten lang einfach nur verdutzt angestarrt, bevor er sich wieder einigermaßen unter Kontrollle gehabt hatte.
„Wem sagst du das.", stimmte Katie ihm zerknirscht zu und war ihm ein leicht schiefes Lächeln zu. „Du hast wirklich was gut bei uns. Naja, oder zumindest bei mir. Wenn ich also irgendwann mal was für dich tun kann, sag Bescheid, okay?"
Roger nickte.
„Ich wüßte da schon was.", meinte er und sah sie von der Seite aus an, während er neben ihr her in den Spielertunnel lief, der zu den Umkleideräumen führte. Roger hatte seinen Besen lässig über die Schulter geschwungen und hielt ihn locker fest, während Katie mit ihrem Besen in der Hand rumspielte, ihn mal nach vorne, mal nach hinten schwang und den Stiel unablässig drehte.
Katie sah ihn fragend an und er fuhr fort.
„Gebt Samstag euer bestes.", antwortete er. „Setzt den Wachposten-Treiber außer Gefecht, zielt hauptsächlich auf den rechten Torring und vergesst den Trick mit dem Extraschub mit den Fingerspitzen nicht, wenn ihr den Quaffle los schickt, und vor allem ..." Er sah sie eindringlich an, „... macht diese verdammten fünf Treffer, damit Harry es beenden kann."
„OK", meinte Katie und verdrehte die Augen, doch um ihre Mundwinkel zuckte es leicht belustigt. „Wie war das nochmal mit dem 'Laß dich von dem Druck nicht verrückt machen, Katie'?"
„Ich mache dir nicht mehr Druck, als du auszuhalten bereit bist, Katie.", erwiderte Roger, der ebenfalls leicht grinste. „Ich habe heute Nacht erlebt, zu welchen Höchstleistungen du fähig bist, wenn du nur willst. Wenn Alicia und Angelina nur halb soviel Willensstärke haben wie du, dürften diese fünf Treffer für euch kein wirklich großes Problem darstellen. Ihr dürft euch von den Schlangen nur nicht aus dem Konzept bringen lassen. Zieht einfach euer eigenes Ding durch, laßt euch von euren eigenen Nerven nicht schachmatt setzen, dann schafft ihr das schon. Da bin ich absolut sicher."
Sie waren inzwischen am Ende des Tunnels angekommen, von wo aus sie in verschiedenen Richtungen in ihre Kabinen weitergehen mußten. Eine Weile sah sie nachdenklich auf ihre Fußspitzen, bevor sie sich zusammen riss und Roger direkt ansah.
„Ich verspreche dir, dass ich Samstag mein bestes geben werde.", meinte sie schließlich leise.
„Das ist alles, was ich von dir erwarte, Katie.", erwiderte Roger ebenso leise. „Gib einfach dein bestes und wenn es dann wirklich nicht klappt, hast du dir absolut nichts vorzuwerfen."
Katie nickte und sah wieder nachdenklich auf ihre Fußspitzen. Doch dann gab sie einem spontanen Bedürfnis nach, beugte sich leicht vor und gab Roger einen freundschaftlichen Kuß auf die Wange. Dieser sah sie überrascht an, woraufhin Katie mit den Schultern zuckte und leicht verlegen den Blick abwandte.
„Sorry.", murmelte sie. „Irgendwie überkam es mich gerade."
Roger stutzte kurz und lachte dann lautlos in sich hinein. Er hob die freie Hand, legte einen Finger unter Katies Kinn und zwang sie so, ihn wieder anzusehen.
„Ich habe absolut nichts dagegen, wenn dich sowas öfter mal überkommt, Katie.", meinte er und sah ihr dabei tief in die Augen. „Es gibt nämlich wirklich weitaus schlimmeres, als von hübschen und durchaus sympathischen Mädchen geküßt zu werden. Vor allem, wenn man dieses Mädchen wirklich gerne mag."
Katie blinzelte verwirrt und schüttelte dann leicht den Kopf, bevor sie ihn wieder ansah.
„Was?", fragte sie ihn schließlich verdutzt.
Roger lachte. Zwar nicht mehr lautlos wie kurz zuvor, aber dennoch nicht laut genug, dass es Katie das Gefühl gab, dass er sich über sie lustig machte.
„Gib einfach Samstag dein bestes, Katie.", erwiderte er leise. „Ich werde dir sämtliche Daumen drücken, die ich habe. Und wenn ihr dann wirklich den Pokal gewinnt, kann es sein, dass es mich überkommt, und ich diesen Kuß zurück gebe." Er beugte sich leicht vor und hob ihr Kinn ein wenig an, bevor er weitersprach. „Aber dann vielleicht eher so.", flüsterte er und gab ihr einen federleichten Kuß auf die Lippen, bevor er sich wieder zurück zog und ihr zuzwinkerte. „Oder vielleicht auch ein wenig intensiver. Mal schauen wie mutig ich mich in dem Moment fühle."
Jetzt war es Katie, die leise in sich hinein lachte.
„OK", nickte sie und grinste ihn übermütig an, bevor sie ihm den Zeigefinger gespielt drohend unter die Nase hielt. „Aber ich warne dich. Ich nehme dich beim Wort, Roger Davies. Wenn wir denn Pokal gewinnen, schuldest du mir einen Kuß. Egal wie mutig du dich gerade fühlst."
„Du hast mein Wort, Sweetheart.", antwortete er breit grinsend, als er ihren Zeigefinger einfing und einen Kuß auf die Spitze hauchte, bevor er ihn wieder los ließ. „Und jetzt mach, dass du ins Bett kommst und schläfst. Sonst fängst du dir morgen wegen Übermüdung irgendeine unnötige Strafarbeit ein, kannst nicht zum Training und trampelst so noch mehr auf dem sowieso schon recht angespannten Nervenkostüm deines Kapitäns rum."
„Und genau das wollen wir nach Möglichkeit vermeiden.", lachte Katie gut gelaunt auf und machte sich langsam in Richtung Gryffindorkabine davon. „Gute Nacht, Roger.", rief sie ihm kurz darauf noch über die Schulter zu, bevor sie um die nächste Ecke bog. „Und danke für alles."
„Kein Thema.", antwortete Roger ihr. „Sorge du nur dafür, dass ihr den Pokal gewinnt, damit ich stolz auf dich sein kann."
„Und damit du mich küssen kannst.", rief sie ihm noch nach, was ihn leise zum lachen brachte.
„Und damit ich dich küssen kann.", bestätigte er ihr laut, fügte jedoch leise hinzu, sodass sie es nicht mehr hören konnte. „Aber das werde ich sowieso tun. Egal wie es ausgeht. Immerhin scheinst du bei diesem Thema nicht wirklich so abgeneigt zu sein, wie ich bisher immer befürchtet habe."
Und kurz darauf schloss sich auch die Tür zur Ravenclawkabine.
A/N: OK, das war also Teil 2. Zum teil hat es Gemeinsamkeiten mit Teil 1 gehabt, aber dann ist es hier nicht der böse Slytherin, sondern der sympathische Ravenclaw, der Katie überrascht. Und in Teil 3 ist es wieder jemand anderes. Allerdings verspreche ich euch auch, dass dort die Stimmung eine gänzlich andere sein wird als in den ersten 2 Teilen. Ihr könnt also schonmal gespannt sein.
