A/N: Danke an alle, die für die ersten beiden Teile von Sternennächte reviewt haben. Ich freue mich über jede einzelne dieser Reviews immer riesig und hoffe, dass ihr auch auf diesen Oneshot hin reviewt. Fühlt euch bitte daran erinnert, dass es nicht immer ein echtes Pairing sein muß, dass in den Sternennächten auftaucht. Manchmal ist es einfach nur Freundschaft, eine lang gepflegte Feindschaft oder ein völlig ungewöhnliches Zusammentreffen von Katie und einem anderen Charakter, mit dem sie eigentlich sonst nichts verbindet. Einer dieser Punkte trifft in diesem Fall nämlich zu. Definitiv kein Kuß diesmal, dafür aber eine ehrliche Umarmung.
Viel Spaß beim lesen.
Sternennächte – Teil 3
Katie wußte nicht wirklich viel von ihm. Eigentlich nur das, was man sich in den Korridoren so über ihn erzählte. Er gehörte mittlerweile zu den älteren Schülern – sechste Klasse, allerdings fehlte ihm wohl nicht viel, um eine Klasse höher zu rutschen. Er schien am Anfang des Schuljahres Geburtstag zu haben, wie sie inzwischen erfahren hatte. Seine Hauskameraden sahen in ihm einen treuen Freund, auf den man sich verlassen konnte, wenn es drauf ankam, und der ihnen Hilfe nicht versagte, wenn er sie leisten konnte.
Er war ein netter, eigentlich immer gut gelaunter und freundlicher Kerl, den man gerne um sich hatte. Allgemein gesehen, war er allerdings jemand der nicht sonderlich auffiel. Wenn man mit ihm zu tun hatte, schätzte man ihn, aber war er dann wieder weg, konnte es schon mal vorkommen, dass man ganz schnell wieder vergessen hatte, was man eigentlich gerade mit wem getan hatte. Für die meisten Hogwartsschüler, die nicht gerade zu seinen Haus- oder Jahrgangskameraden zählten, existierte er schlichtweg gar nicht. Eine Tatsache, die Katie inzwischen nicht sonderlich fair ihm gegenüber fand, aber an der sie nun einmal nichts ändern konnte. Schließlich war es nicht ihre Schuld, dass er bislang so gar nicht aus der Masse hervor stach. Und wenn sie ehrlich war, hatte sie ihn bis zu Beginn des letzten Schuljahres selber gar nicht recht wahr genommen.
Sie hatte erst angefangen, ihn bewußt in der oftmals recht anonymen Menge der hunderten von Schülern auszumachen, nachdem Oliver ihn im letzten Jahr zu Beginn der Quidditchsaison erwähnt hatte. Als neuen Kapitän und Sucher seines Teams. Natürlich hatten Angelina, Alicia und sie gleich gewußt, wen er meinte, denn er war schließlich nicht erst seit kurzem im Team. Sucher war er schon länger gewesen und sie hatten schon mehrfach gegen ihn gespielt. Olivers damalige Aussage war eben ein wenig unglücklich formuliert gewesen. Er war der neue Kapitän, aber nicht der neue Sucher. Das war er schon einige Jahre länger. Und sie war sich mit ihren Teamkameradinnen durchaus einig gewesen, dass dieser spezielle Sucher und neue Kapitän seines Teams ein wirklich gut aussehender Kerl war. Stark und schweigsam, hatte sie selber damals gesagt. Zu blöd, um zwei Wörter miteinander zu verknüpfen, war Freds unwirsche Antwort darauf gewesen. Doch was auch immer der wahre Grund für diesen Wesenszug von Cedric Diggory sein mochte, so hatte er doch nach dem ersten Spiel der Saison eindrucksvoll bewiesen, dass er durchaus in der Lage war, im richtigen Moment die richtigen Worte miteinander zu verknüpfen. Denn schließlich hätte er Madame Hooch nach dem Spiel nicht um eine Wiederholung bitten müssen, sondern hätte genauso gut einen unerwarteten, ungewöhnlichen Sieg über die Gryffindors und einen gelungenen Einstand als Kapitän feiern können. Und keiner hätte ihm dies wirklich verübeln können.
Nein, Cedric Diggory war schon ein feiner Kerl, egal was viele ihm nachsagten. Nur leider hatten sie bis auf Quidditch nichts wirklich gemeinsam, um eine engere Beziehung als flüchtige Bekanntschaft zu schließen, obwohl Katie nach dem Spiel damals durchaus gewillt war, ihn besser kennen zu lernen. Seine Fairness hatte sie halt mächtig beeindruckt. Aber dann war das Schuljahr so vollkommen verrückt verlaufen – der harte Kampf um den Pokal, Sirius Black auf der Flucht, die Dementoren überall, Sirius Blacks Eindringen ins Schloss und sogar in den Gryffindorturm -, dass dieses Vorhaben im Sande verlaufen war. Doch auf der Zugfahrt zurück nach Hogwarts am Anfang diesen Jahres hatte sie es sich wieder fest vorgenommen, Cedric Diggory mal richtig kennen zu lernen.
Und dann war das Trimagische Turnier dazwischen gekommen, Cedric wurde zum Hogwartschampion, Harry wurde zum ... Überraschungschampion und die Beziehungen zwischen Hufflepuffs und Gryffindors gehörten in diesem Jahr zu den angespanntesten überhaupt. In diesem Schuljahr war man als Gryffindor wesentlich besser damit beraten, sich mit einem Slytherin anzufreunden, statt mit einem Hufflepuff. Es wurde einem von den eigenen Hauskameraden einfach sehr viel eher verziehen, als es in den Jahren zuvor der Fall gewesen wäre, was eigentlich vollkommen verrückt war. Dieses Jahr waren halt sämtliche Hufflepuffs tabu. Und wenn man sich dann auch noch mit dem „Staatsfeind Nr. 1: Cedric Diggory" - zumindest aus Gryffindorsicht – anfreundete, lief man schon Gefahr, dass man irgendwann seine gesamten Habseligkeiten vor dem Portrait der fetten Dame vorfand und von dieser auch nicht mehr reingelassen wurde, da man spontan „ausgebürgert" worden war. Dieses Schuljahr verlief halt noch verrückter als das vergangene und Katies einzige Hoffnung bestand auf dem kommenden Schuljahr. Wenn die Karten neu gemischt waren, die Slytherins hoffentlich wieder der altbekannte Feind waren und man sich als Gryffindor gefahrlos mit einem Hufflepuff sehen lassen konnte.
Als sie ihn jetzt aber so vollkommen abwesend und nachdenklich auf der Fensterbank im hinteren, etwas abgelegeneren Teil der Bibliothek sitzen sah, konnte sie diese Chance einfach nicht ungenutzt verstreichen lassen. Entschlossen klemmte sie sich das dicke Wahrsagebuch, dass sie gerade aus einem der Regale gezogen hatte, unter den Arm und ging zu ihm rüber.
Sein Blick war aus dem Fenster gerichtet. Sie konnte seinen Gesichtsausdruck nicht genau erkennen, denn er saß nicht auf dem vom fahlen Abendlicht beleuchteten Teil der Fensterbank, sondern auf der, die in dunkelgrauen Schatten lag. Er hatte die Beine angezogen und die Arme locker um die Knie geschlungen. Sein Kopf lehnte zurückgelehnt am kühlen Mauerwerk hinter ihm und war leicht von ihr weg geneigt. Er schien auf etwas bestimmtes zu schauen und Katie brauchte nicht lange zu überlegen, was es war, dass seinen Blick so magisch anzuziehen schien. Es wußten nicht viele, da diese schmale Fensterreihe im hintersten Winkel der Bibliothek versteckt hinter den nicht sonderlich beliebten Regalreihen für Wahrsagen und Geschichte der Zauberei lag, aber von hier aus hatte man einen der besten Blicke aus dem Schloss über das Hogwartsstadion. Eine Tatsache, die ideal war, wenn man den Gegner ein wenig ausspionieren wollte. Oliver war hier immer regelmäßig anzutreffen gewesen, und das war im Grunde genommen auch der Hauptgrund, warum Katie von der Wichtigkeit dieser speziellen Fensterreihe für die Quidditchspieler von Hogwarts wußte. Oder in diesem Fall halt, für die Wichtigkeit der trimagischen Champions.
Es war schon relativ leer in der Bibliothek und bis auf einige entfernte Geräusche von Schreibfedern, die über Pergamente huschten, ein Räuspern oder Husten hier und da oder das Zuklappen oder Wegstellen eines Buches war nicht viel zu hören. Lange würde es nicht mehr dauern, bis Madame Pince die Bibliothek schließen würde, aber wie immer würden einige wenige, zu denen heute scheinbar auch sie und Cedric gehörten, die Öffnungszeit der Bibliothek bis zum Schluß nutzen. Wenn auch aus gänzlich unterschiedlichen Gründen wie es schien.
„Was siehst du da draußen?"
Sie hatte ganz leise gesprochen, aber dennoch zuckte Cedric wie unter Strom gesetzt zusammen. Verwirrt sah er sie an, doch als er erkannte, wer da vor ihm stand, huschte ein Lächeln um seine Mundwinkel und er wandte den Blick wieder aus dem Fenster hinaus. Eine Weile war es still und Katie war schon drauf und dran, wieder zu gehen und ihn mit seinen Gedanken alleine zu lassen, als er ihr schließlich doch antwortete.
„Ruhm und Ehre.", meinte er leise und sah sie auch jetzt nicht an. „Einen großen, glänzenden Pokal." Ein verschmitztes Grinsen ließ seine Mundwinkel zucken, als er jetzt doch den Blick in ihre Richtung wandte. „Und natürlich einen großen Beutel mit tausend glänzenden, goldenen Galleonen."
Katie lachte leise auf und trat wieder näher. Sie legte ihr Buch auf der Fensterbank ab und sah ebenfalls in die aufkommende Nacht hinaus. Hier und da konnte man schon ein paar Sterne blinken sehen, aber der Mond würde noch eine Weile auf sich warten lassen, bevor er das Schloss, das Stadion und die Ländereien in silbriges Licht tauchte.
„Verstehe.", erwiderte sie.
„Sicher?", fragte er zurück und als Katie den Kopf zu ihm umwandte, sah er sie mit einem nachdenklichen, und ihrer Meinung nach auch viel zu ernsten, Gesichtsausdruck an.
Sie runzelte die Stirn und wußte nicht recht, was sie darauf antworten sollte.
„Ich meine", fuhr Cedric schließlich fort und nickte zum Quidditchstadion hinüber, auf dem man riesige dunkle Schatten erkennen konnte, die dort normalerweise eigentlich nichts zu suchen hatten, „verstehst du wirklich, was ich da draußen sehe oder ist das nur so eine Floskel?"
Katie zuckte mit den Schultern und schwang sich jetzt ebenfalls beinebaumelnd auf die Fensterbank. Sie mußte so zwar den Kopf ziemlich nach hinten verdrehen, um das Stadion noch zu sehen, aber immerhin konnte sie jetzt ihn besser erkennen.
„Du siehst Ruhm und Ehre da draußen. Und einen großen, glänzenden Pokal. Das ist nicht wirklich ungewöhnlich, wenn man ein wenig nachdenklich und verträumt auf's Quidditchstadion sieht." Jetzt huschte ein verschmitztes Lächeln über ihr Gesicht. „Was glaubst du, wie oft ich Oliver hier in den letzten Jahren mit einem ganz ähnlichen Gesichtsausdruck vorgefunden habe?"
Ein leises Auflachen kam von Cedric, als er sie verhalten lächelnd musterte.
„Warum wundert mich das nicht?"
„Weil die leichte Verrücktheit unseres ehemaligen Kapitäns in dieser Beziehung nur allzu gut bekannt war.", vermutete sie schulterzuckend und lächelte dann ebenfalls. „Und der konnte immerhin nie auf einen Beutel voller glänzender, goldener Galleonen zusätzlich zum Pokal hoffen, so wie du jetzt. Ich glaube, wenn das so gewesen wäre, wäre er irgendwann komplett übergeschnappt. Es ist also nicht sonderlich verwunderlich, wenn du hier sitzt und ein wenig träumst. Immerhin könnte es morgen ja genauso kommen."
Er hatte den Blick jetzt auf seine Knie gerichtet. Die Daumen drehten sich abwesend um sich selbst und es dauerte eine Weile, bis er auf Katies Antwort reagierte.
„Weißt du, was ich da draußen noch sehe?", fragte er schließlich abwesend. Katie schüttelte den Kopf und sah ihn fragend an. „Versagen. Enttäuschung. Niederlage." Er hob den Blick und sah Katie fest in die Augen. „Sag mir mal ganz ehrlich, was dir durch den Kopf geht, wenn du das Wort 'Hufflepuff' hörst, Katie."
„Was?" Katie blinzelte ihn irritiert an, doch Cedric wiederholte seine Aufforderung nur, statt ihr eine Erklärung darauf zu geben.
„Sag mir, was dir durch den Kopf geht. Und zwar ohne lange darüber nachzudenken. Einfach, was dir so spontan durch den Kopf geht."
„Naja ...", meinte Katie und zögerte dann doch ein wenig. Sie warf Cedric einen unsicheren Blick zu, doch dieser lächelte nur nachsichtig und machte eine auffordernde Geste, damit sie fortfuhr. „Ihr seid ... fair, ehrlich. Ihr seid loyal euren Hauskameraden gegenüber. Und ... hilfsbereit. Nicht nur euren Hauskameraden gegenüber." Sie sah auf und sah, dass das Lächeln auf Cedrics Gesicht breiter geworden war. „Was?", fragte sie irritiert.
Cedric schüttelte leise auflachend den Kopf und sah wieder aus dem Fenster.
„Du hast doch nachgedacht.", meinte er ohne sie anzusehen. „Du hast nämlich absolut treffsicher genau die Wörter vermieden, die ihr Nicht-Hufflepuffs sonst immer verwendet, wenn ihr über uns redet."
Katie sah ihn irritiert und mit einem ganz leichten Hauch von Schuldbewußtsein an. Cedric war ihr einen kurzen Blick zu und deutete diesen Blick genauso, wie er gemeint war.
„Ich mache dir keine Vorwürfe deswegen. Keine Sorge.", beruhigte er sie. „Schließlich habe ich genau diese Situation, in der du jetzt steckst, ja regelrecht provoziert. Allerdings solltet ihr so langsam mal begreifen, dass wir Hufflepuffs gar nicht wirklich so blind, blöd und taub sind, wie ihr immer annehmt. Wir kriegen durchaus mit, dass ihr uns für die Loser von Hogwarts haltet." Er wandte ihr jetzt wieder seine volle Aufmerksamkeit zu. „Und oberflächlich gesehen habt ihr damit ja auch gar nicht so unrecht. Immerhin sind wir das einzige Haus, dass regelmäßig die Prügel und die Niederlagen im Quidditch einsteckt. Seit ganzen 25 Jahren hat es keinen Schulsprecher aus Hufflepuff mehr gegeben. Weder männlich noch weiblich. Dafür stellen wir aber seit über 10 Jahren konstant den Kapitän des Koboldsteinclubs. Welch eine Auszeichnung. Halleluja! Wir kriegen durchaus mit, was hier über uns geredet wird. Schließlich leben wir nicht hinterm Mond, sondern lediglich ein wenig abseits im Erdgeschoss." Er warf ihr ein verschmitztes Grinsen zu, das Katie leicht schief erwiderte. „Und ganz in der Nähe der Küche, was für spontane Partys im Gemeinschaftsraum durchaus von Vorteil ist, wenn ich das mal so sagen darf. Partys, wo wir einfach mal die große Hogwartswelt ausschließen und wir selbst sein können. Nicht die Loser-Hufflepuffs, die weder schlau noch mutig und auch nicht ehrgeizig und leicht durchtrieben sind. Nicht die Hufflepuffs, die ein Haufen übriggebliebener, nicht in die angeblich wirklich wichtigen Häuser einsortierbarer Schüler sind. Wir sind aber kein Sammelbecken für Ausschussware, wie hier immer wieder gerne angenommen wird. Was nicht nach Gryffindor, Slytherin oder Ravenclaw paßt, wird automatisch Hufflepuff. Das stimmt nicht. Nicht jeder kann ein Hufflepuff sein. Wir haben auch unsere Stärken, unsere ganz besonderen Eigenschaften, die ihr anderen nicht besitzt. In unserem Haus gibt es Regeln und Vorschriften, die es sonst im ganzen Schloss nicht gibt. Selbstentwickelte und über die Jahre hochbewährte Regeln und Vorschriften." Er sah Katie durchdringend an, die ihn ihrerseits bei dieser flammenden Verteidigungsrede für das Haus Hufflepuff ein wenig überfahren ansah. „Hufflepuff ist genauso besonders und außergewöhnlich, wie jedes andere Haus in Hogwarts. Nur sieht das halt niemand. Genau das war der Grund, weshalb ich mich für dieses Turnier als Kandidat beworben habe. Weil ich endlich, nein ... weil wir endlich beweisen wollen, dass Hufflepuffs nicht immer nur unter 'ferner liefen' im Klassement auftauchen, sondern auch mal ganz vorne mitspielen und gewinnen können, wenn sie wollen. Ich trete hier eigentlich gar nicht als Hogwartschampion an, Katie. Ich trete hier als Hufflepuffchampion an. Und das seit genau dem Moment, als ich ausgewählt wurde und nicht erst, seitdem Harry auch mit dabei ist. Ich kämpfe nicht für mich und auch nicht für Hogwarts. Ich kämpfe für Hufflepuff. Und nur für Hufflepuff will ich da draußen morgen mein bestes geben und diesen Pokal gewinnen. Nicht für mich oder für Hogwarts. Ich behaupte nicht, dass mir das Geld egal ist, aber es geht mir hauptsächlich darum, dass hier endlich mal alle begreifen, dass wir Hufflepuffs kein Haufen unbedeutender Loser sind."
„So habe ich das ehrlich gesagt noch nie gesehen.", gestand Katie nach einem Moment der Stille nachdenklich und sah dabei abwesend auf ihre baumelnden Beine. „Ich meine, es war ja nun mal immer so, dass ihr ziemlich unscheinbar wirkt. Ihr geht halt in der Menge unter und haltet euch immer ziemlich zurück. Die Ravenclaws fallen zwar nur im Unterricht wirklich auf, aber immer tun sie es da. Ihr wirkt dagegen immer nur wie Mitläufer, die zufällig dabei sind. Eine Hintergrundkulisse halt. Und was die Slytherins und uns Gryffindors betrifft, würde ich sagen, liegt die Tatsache, dass wir auffallen einfach daran, dass wir uns wohl einfach ein wenig zu ähnlich sind."
Cedric hob fragend die Augenbrauen, doch seine Mundwinkel zuckten.
„Zu ähnlich?", meinte er spöttisch, ohne darauf zu reagieren, wie Katie ihn und seine Hauskameraden gerade beschrieben hatte, was Katie ihm haushoch anrechnete, denn sie hatte erst begriffen, wie sehr sie ihn damit eigentlich beleidigt hatte, als die Worte draußen waren.
Sie grinste schief. „Naja, wir sind so loyal unseren Häusern und unseren Traditionen gegenüber, dass wir uns immer gleich auf den Schlips getreten fühlen, wenn jemand mal was dagegen sagt. Und dann kracht's halt. Außerdem nehme ich an, dass sowohl die Slytherins als auch wir nicht gerade diejenigen mit einer hohen Toleranz- und Hemmschwelle sind. Und wenn dann noch zuviel Temperament dazu kommt ..."
„... dann brennt die Luft.", bestätigte Cedric breit grinsend. „Ernsthaft Katie. Ich hätte nie gedacht, dass mal irgendeiner von euch oder den Slytherins genau das aussprichst, was du gerade gesagt hast. Das ist nämlich genau das, was wir Hufflepuffs schon seit Generationen immer wieder sagen, wenn es um eure Häuser geht. Ihr seid euch in vielen Dingen einfach zu ähnlich, um miteinander zu harmonieren, statt so unterschiedlich zu sein, wie ihr immer steif und fest in der Öffentlichkeit behauptet. Allerdings haben wir da auch kein Problem mit. Ihr sorgt immerhin in schöner Regelmäßigkeit dafür, dass es hier nicht langweilig wird."
„Oh, vielen Dank auch.", erwiderte Katie spöttisch und stimmte nach einer Weile in Cedrics leises aber durchaus sympathisches Lachen mit ein. „Ich hoffe wirklich, du schaffst es morgen, Hufflepuff in dem Licht glänzen zu lassen, dass eurem Haus zusteht.", meinte sie schließlich leise und sah über ihre Schulter auf die dämmrigen Umrisse des Hogwartsstadions, das immer mehr in der Dunkelheit verschwand.
„Also drückst du mir die Daumen, und nicht Harry?", neckte er sie.
„Ich weiß nicht.", gestand Katie unsicher. „Harry hätte nie wirklich in diesem Turnier sein sollen. Ich glaube ihm, dass er nicht weiß, wie er da rein geraten ist."
„Ich auch.", unterbrach Cedric sie und erntete daraufhin einen überraschten Blick von Katie.
„Wirklich?", fragte sie ihn ungläubig.
Cedric nickte.
„Ja. Er müßte schon komplett wahnsinnig sein, wenn er sich wirklich irgendwie um die Alterslinie herum gemogelt und sich freiwillig als Kandidat in den Pokal geworfen hätte. Ich meine, er hat sich zwar bisher ganz gut geschlagen, aber ihm fehlen im Vergleich zu Fleur, Victor und mir doch einige Jahre an Wissen und praktischer Erfahrung in Sachen Zauberei. Er mag vielleicht wohl ein echter Gryffindor sein und es mag ihm nicht an Mut fehlen – weiß Gott nicht, wenn man bedenkt, wo er in den letzten Jahren immer wieder rein geraten ist – aber ich glaube wirklich nicht, dass er sich so einem Wahnsinn freiwillig und vorsätzlich aussetzt. Irgendwas ist da schief gelaufen. Da bin ich mir sicher. Irgendjemand hat sich da einen verdammt schlechten Scherz mit ihm erlaubt und er darf das jetzt ausbaden."
„Ja, das glaube ich auch.", stimmte Katie ihm zu und nickte nachdenklich. „Es gibt inzwischen ja die abenteuerlichsten Gerüchte, wie das passiert sein könnte. Zumindest von denen, die ihm glauben, dass er es nicht selber war."
„Und was glaubst du?", fragte Cedric sie neugierig.
Katie zuckte die Schultern und sah wieder aus dem Fenster.
„Ich denke, dass sich da einer der Slytherins einen wirklich schlechten Scherz mit ihm erlaubt hat. Vielleicht sind die immer noch stinkig, weil wir sie letztes Jahr im Quidditchfinale geschlagen haben." Ein verschmitztes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sah, wie Cedric zufrieden in sich hinein grinste, als sie das Spiel erwähnte. „Wie auch immer. Es könnte gut sein, dass einer von denen, die schon volljährig sind, nachts von allen ungesehen Harrys Namen in den Pokal geworfen hat."
„Zuzutrauen wäre es ihnen.", stimmte er ihr zu.
„Definitiv." Katie nickte und sah ihn dann mit leicht geneigtem Kopf und verschmitztem Grinsen an. „Also, Mr. Diggory. Darf ich Sie jetzt vielleicht glücksbringend umarmen und für morgen viel Erfolg wünschen?"
Cedrics Grinsen wurde breiter und er rutschte ohne zu zögern von der Fensterbank, um Katie eine bessere Gelegenheit zu geben, ihn zu umarmen. Mit einem Augenzwinkern breitete er die Arme übertrieben weit aus.
„Nur zu, Ms. Bell. Ich werde Sie bestimmt nicht davon abhalten."
Katie lachte gut gelaunt auf und schlang fest die Arme um ihn.
„Viel Glück morgen, Cedric.", flüsterte sie leise. „Und paß gut auf dich auf. Hufflepuff hat nämlich nichts davon, wenn du dir in diesem Irrgarten da draußen den Hals brichst. Und du selber noch weniger. Das ist kein Pokal und kein Galleonenhaufen der Welt wert."
„Ich werde schon auf mich aufpassen. Keine Sorge.", versprach er ihr und erwiderte die Umarmung. „Und wenn diese ganze Sache vorbei ist – und ich hoffentlich den Pokal habe – werden wir ordentlich feiern. In dem Fall lade ich dich als Ehrengast zu uns in den Gemeinschaftsraum ein, damit du uns Hufflepuffs mal richtig kennen lernen kannst, okay?"
„Okay", antwortete Katie nickend und löste sich wieder von ihm. „Ich hoffe nur, du kriegst keinen Ärger, wenn du eine Gryffindor einlädst. Ich nehme dich nämlich beim Wort, falls du wirklich gewinnen solltest."
„Das kannst du auch. Ein Hufflepuff hält nämlich, was er verspricht. Und keiner seiner Mit-Hufflepuffs wird ihm deswegen Vorwürfe machen. Das ist eine unserer selbstentwickelten Regeln."
„Gefällt mir.", meinte Katie, griff nach ihrem Buch und wandte sich zum gehen. „Das würde uns in Gryffindor vielleicht auch mal ganz gut tun. Leider würde es bei uns nur niemals funktionieren. Dazu sind wir alle oftmals viel zu sturköpfig."
„Das hast du jetzt aber gesagt.", meinte er und schwang sich verschmitzt grinsend wieder auf die Fensterbank.
Katie lachte leise auf und ging langsam zurück zu ihrem Tisch. Am Ende der Regalreihe angekommen sah sie sich allerdings nochmal um. Von Cedric war jetzt noch weniger zu sehen, als vorhin, als sie ihn hier entdeckt hatte, denn die Schatten waren länger und dunkler geworden. Aber dennoch konnte sie sehen, wie er weiterhin nach draußen auf das Hogwartsstadion sah und von Ruhm und Ehre für sein Haus träumte.
Zufrieden vor sich hin lächelnd wandte sie sich schließlich wieder von ihm ab und umrundete das Regal. Sie war sich zwar nicht so sicher, ob er morgen wirklich gewinnen würde und nicht einer der anderen Champions, aber sie hatte das deutliche Gefühl, dass sie hier im hintersten Winkel der schon recht einsamen und düsteren Bibliothek an diesem Abend einen neuen Freund dazu gewonnen hatte. Und sie nahm sich fest vor, diese Freundschaft zukünftig zu vertiefen. Egal ob mit oder ohne Sieg im trimagischen Turnier. Denn Cedric Diggory war es definitiv wert, dass man sich mit ihm anfreundete, soviel war sicher. Sogar wenn, oder vielleicht gerade weil, er ein Hufflepuff war.
A/N: Na? Wie vielen von euch ist es jetzt kalt den Rücken runter gelaufen? Oder besser gesagt, wie viele von euch sind jetzt kurz vor dem heulen, weil sie im Gegensatz zu Katie wissen, dass sie keine Chance mehr haben wird, ihre gerade aufkeimende Freundschaft mit Cedric zu vertiefen.
Ich hoffe, euch hat dieser Teil auch gefallen und ihr schaut bei "Sternennächte Teil 4" auch wieder rein. Der wird auch nicht ganz so nachdenklich und emotional sein, sondern eher ... hmm ... sagen wir mal ... vollkommen chaotisch. Kein Wunder eigentlich, bei dem "Pairing"
