Slytherin oder doch Gryffindor?
Kurze Zeit später hatte der Zug sein Ziel erreicht. Als er endgültig zum Halten kam, setzte das allgemeine Chaos ein. Massen von Schülern zwängten sich durch die engen Gänge hinaus auf den Bahnsteig. Koffer wurden hinter sich hergezogen, Käfige mit, wegen der ungewohnt rüden Behandlung, vor sich hinschimpfenden Eulen vor sich hergetragen. Die Dämmerung hatte längst eingesetzt und überall auf dem Bahnsteig leuchteten die Laternen. Eine massige Gestalt, die die anderen überragte, versuchte einigermaßen Ordnung in das Gewusel zu bringen. Hagrid, eine Laterne haltend ließ seine gewaltige Stimme ertönen.
„Erstklässler zu mir!" Die, die zum ersten Mal diese Fahrt antraten, starrten den bärtigen Halbriesen mit weit aufgerissenen Mündern an, die anderen Schüler nickten ihrem Professor für die Pflege magischer Geschöpfe zu oder begrüßten ihn freundlich. Als er Albus' zierliche Gestalt entdeckte, fing er an über das ganze Gesicht zu strahlen.
„Albus!"
Der Junge grinste und winkte Hagrid zu. „Hi, Hagrid!"
Sie standen sich gegenüber, Hagrid sah auf Albus herab und versuchte eine Träne zurückzuhalten. Seine gewaltige Hand setzte die Laterne ab und tastete in seiner Manteltasche nach einem Taschentuch. Er wischte sich die Augen.
„Oy, eigen´lich wollt ich nich heulen. Aber ´s is schon heftig dich hier zu sehen und..."
Er bemerkte wie sich der Kleinere unbehaglich regte und verstand. „Schon gut, ich werds nich sagen! Ich weiß, dass es dir peinlich is." Er klopfte Albus aufmunternd auf die Schulter, was den Jungen leicht in die Knie gehen ließ.
„Hagrid bitte!" Dann wurde er kurzerhand hochgehoben und geherzt. Albus grinste, er kannte Hagrid schon sein ganzes Leben und dessen Überschwänglichkeit hatte ihn als kleines Kind öfters veranlasst, sich weinend hinter seinem Vater zu verstecken.
„Und Al? Schon aufgeregt?"
„Jaah! Lässt du mich bitte wieder runter?"
Vorsichtig stellte Hagrid ihn wieder auf den Boden und ergriff die Laterne. Albus spürte wie ihn jemand an die Schulter fasste. Er drehte sich um und sah Scorpius, der ihn mit einem skeptischen Blick auf Hagrid musterte. „Alles in Ordnung, Albus?" Der Schwarzhaarige nickte, er freute sich, wie es aussah schien Malfoy es ihm nicht übel zu nehmen, dass er ihm nicht gleich zugesagt hatte, den Hut zu bitten ihn nach Slytherin einzusortieren.
„Hier Scorpius, das ist Hagrid, ein alter Freund von meinem Vater!" und zu Hagrid gewandt.
„Hagrid, das ist mein neuer Freund Scorpius!" Sie starrten sich an und Hagrid konnte seine Verblüffung nicht ganz verbergen.
„Holla, ein Malfoy!"
„Und Sie müssen der 'Wildhüter' sein."
Hagrid schnaubte. „Hagrid! Rubeus Hagrid! Professor für die Aufzucht und Pflege magischer Geschöpfe!"
Dies brachte ihm einen zweifelhaften Blick seitens des arroganten Blonden ein. Bevor das nun einsetzende Schweigen anfing unangenehm zu werden, fragte der Riese schnell. „Habt ihr beide euer Gepäck schon abgegeben?"
Auf das allgemeine Nicken schnaufte er zufrieden. „Schön! Dann lasst uns mal zu den Booten gehen."
Ein paar Schüler kamen vorbei und grüßten Hagrid, der ihnen zuzwinkerte. „Hy Jordan! Hallo Wood und da sind ja auch James und Rosie."
„Hi, Hagrid! Liebe Grüße von Mom, Dad, Onkel Ron und Tante Herm! Du sollst auf Rosie achten und natürlich ein Auge auf den Floh hier haben..." Damit wuschelte er Albus durch die Haare, der unwirsch seine Hand zur Seite stieß. „... nicht dass er noch ins Wasser fällt."
Albus trat nach seinem Bruder, der sich aber noch lachend in Sicherheit bringen konnte.
„Verzieh dich! Das ist unglaublich und so was schimpft sich großer Bruder."
Er brummte den ganzen Weg zu den Booten Verwünschungen vor sich hin. Scorpius verdrehte genervt die Augen. „Du solltest es lockerer angehen." Albus sah ihn aus den Augenwinkeln kurz an, ließ aber nicht von seinem Sermon ab. Er schwang ein Bein über das Dollbord des Bootes und rutschte ab. Die Schmach, wahrscheinlich als einziger des ganzen Jahrgangs über Bord gegangen zu sein und der Gedanke, dass sein Bruder ihn das nie vergessen lassen würde, trieb ihm die Röte ins Gesicht während er strauchelte.
Die Augen fest geschlossen, wartete er darauf ins Wasser zu stürzen, als ein fester Griff ums Handgelenk ihn zurückriss. Mit einem hellen Quicken landete er in zwei Armen, die ihm Halt gaben.
„Vielleicht und nur vielleicht solltest du mal daran denken, nicht immer so zickig darauf zu reagieren, was dein Bruder sagt!" Mit hochroten Wangen blickte Albus in zwei sturmgraue Augen. Scorpius hatte ihn davor bewahrt sich zu blamieren und ein spätabendliches, unfreiwilliges Bad zu nehmen.
„Ich bin nicht zickig!" Ein Schnauben antwortete ihm. „Nein, Merlin bewahre! Albus Severus Potter, du bist der zickigste Junge, den ich kenne." Die grünen Augen des Kleineren begannen zu funkeln. „Wie viele andere Jungs kennst du denn?" Er grinste als er die Empörung des Blonden sah. „Ich fand es schon seltsam, dass du der einzige Junge im Zug warst, der allein reiste."
„Ja! Allerdings wollte ich auch alleine sein! Und wenn du weiterhin so rumzickst, werfe ICH dich ins Wasser!" Albus bemerkte, dass er sich immer noch an Scorpius festhielt und drückte sich etwas verschämt von ihm weg. „Danke, Scorpius!"
Der andere stieg über das Dollbord ins Boot. „Bild dir bloß nichts darauf ein, ich habe deinem Bruder nur den Triumph nicht gegönnt." Albus verdrehte kurz die Augen und folgte Scorpius.
„Ja! Was auch immer!"
Die kleine Armada setzte sich, durch Magie angetrieben, träge in Bewegung. In jedem Boot saßen vier Schüler, leicht von einer Laterne beschienen. Von der Ferne aus betrachtet sahen sie aus wie ein Schwarm Leuchtkäfer, die sich ihren Weg über das Wasser bahnten. Hagrid allein in seinem Boot führte die Gruppe an. Als die Flottille eine kleine Landzunge rundete und Hogwarts in Sicht kam, ertönten laute Ausrufe der Überraschung. Das hell erleuchtete Schloss schimmerte prachtvoll im Dunkeln und ließ die Betrachter in ehrfürchtiges Erstaunen versinken.
Scorpius schluckte. „Ich habe schon so viele Erzählungen darüber gehört, doch keine reicht an das hier heran!"
„Es ist wunderschön!" Scorpius wagte einen Seitenblick in Albus' Gesicht. Die Lichter des Schlosses spiegelten sich in den weit aufgerissenen, smaragdfarbenen Augen. Der Blonde lächelte, diesen Anblick würde er sich einprägen. Dann war die Fahrt auch schon vorüber. Von Hagrid geführt zog die kleine Schar von dem Anleger zum Schloss.
Über eine Seitentreppe geführt warteten sie schließlich in einem kleinen Raum, dass man sie in die Große Halle brachte. Hagrid hatte sich kurz von Albus und Rosie verabschiedet und war gegangen. Einige Schüler fingen an zu schwatzen, besonders Parkinson tönte herum.
„Eigentlich sollte ich nach Durmstrang, die Schule dort ist bei weitem besser als Hogwarts. Doch ich konnte meine Mutter nicht einfach allein lassen." Scorpius machte ein gelangweiltes Gesicht und Albus grinste.
„Natürlich werde ich nach Slytherin kommen und UAAAAHH!" Der Satz endete in einem schrillen Kreischen. Parkinson hatte das Gefühl, in einem Eisblock zu stehen. Zitternd blickte er sich um und glaubte sein Umfeld durch ein Stück Gaze zu betrachten. Die anderen wichen zurück. Eine Schar Geister kam durch Wände und den Boden in den Raum. Ein besonders schauriger Kumpan war genau an der Stelle empor geschwebt, an der Parkinson stand. Er schwebte etwas über dem Boden und neigte sich dem zitternden Häufchen Elend zu, das vorhin noch so vorlaut verkündet hatte, nach Slytherin zu wollen.
„Wer will in mein Haus? Etwa du?" Ein ehrfürchtiges Flüstern breitete sich aus. „Der Blutige Baron!"
„Das ist der Blutige Baron!"
Scorpius betrachtete den Geist interessiert. Das war also der Blutige Baron, der Hausgeist von Slytherin. Alle Häuser Hogwarts hatten einen Geist. Hufflepuff hatte den Fetten Mönch, Ravenclaw die Graue Lady und Gryffindor den Fast Kopflosen Nick, der von ein paar Mädchen gerade in eine Ecke gedrängt wurde, mit der Bitte doch einmal seinen Kopf abzunehmen. Nick war das alles mehr als unangenehm, bei seiner Hinrichtung war einiges schief gelaufen, nicht umsonst hieß es fast kopflos. Schließlich gab er dem Drängen nach und griff mit seiner schimmernden Hand nach seinem Kopf und klappte diesen zur Seite, bis er nur noch an einem kleinen Hautlappen hängen blieb, den die Axt verfehlt hatte. Die Mädchen machten große Augen und ließen ein beeindrucktes „COOOL!" erklingen.
Aber für Scorpius war der Hausgeist von Slytherin am beindruckensten. Mit seinem Gehrock und der langen Lockenperücke, die Adlige des 17. Jahrhunderts zu tragen pflegten. Mit einer Reitgerte piesackte er gerade Parkinson, der wie ein Schweinchen quiekte.
„Du glaubst doch wohl nicht, dass jemand, der wie ein Weib kreischt nach Slytherin kommt! Oder?" Der Junge lief mit weit aufgerissenen Augen an den lachenden Schülern vorbei und versuchte sich unter einem Tisch zu verstecken. Jetzt schien es dem Blutigen Baron so richtig Spaß zu machen. Er wirbelte herum und drohte affektiert den zurückweichenden Schülern mit der Gerte.
„Wer glaubt noch, er hätte den Mumm nach Slytherin zu kommen? Du? Oder ihr beide? Oder etwa du?"
Unversehens sah sich Scorpius mit dem Baron Auge in Auge. Er schluckte, er hatte eine Wahnsinnsangst, doch nach außen versuchte er sich nichts anmerken zu lassen. Sein Vater hatte ihm immer gesagt, dass es wichtig war seine Maske aufrecht zu erhalten, wenn man sich keine Blöße geben wollte.
„Wenn ich glaubte Mumm zu haben, dann würde ich wohl nach Gryffindor kommen. Es sind meine anderen Eigenschaften, die mich nach Slytherin bringen werden."
Der Blutige Baron staunte nicht schlecht. Dann brüllte er vor Lachen und gab dem bockigen Blonden einen Klaps, der diesen mit den Zähnen klappern ließ.
„Hah! Der ist richtig! Na denn mal zu, mein Kleiner! Ich drück dir Daumen für Slytherin."
Während der Geist weiter zog, stützte sich Scorpius leicht auf Albus. Zitternd atmete er aus. Albus grinste. „Du hattest eine scheiß Angst!" Der Blonde streckte ihm die Zunge raus, musste dann aber auch grinsen. „Wenigstens habe ich nicht rumgequiekt wie Parkinson."
„Jaah! Nochn bisschen tapferer und du kommst noch nach Gryffindor."
In der allgemeinen Aufregung bemerkte niemand den unscheinbaren Mann, der den Raum betrat. Er trug eine ernorme Pergamentrolle und betrachtete das sich ihm darbietende Schauspiel skeptisch.
„Jedes Jahr dasselbe! Mann sollte meinen, dass nach all den Jahrhunderten euch das ganze irgendwann langweilig werden würde!"
Die Geister kicherten, sie erschreckten den ein oder anderen Schüler und verschwanden dann so plötzlich wie sie gekommen waren. Der Mann blickte in die Menge, er tröstete einige weinende Schüler und fischte Parkinson unter dem Tisch hervor, unter dem er sich verkrochen hatte.
„Na, na, das waren doch nur ein paar Gespenster." Und dann zu allen gewandt. „Ich bin Professor Neville Longbottom, der Hauslehrer von Gryffindor. Wir werden jetzt zusammen in die Große Halle gehen, wo ihr von dem Sprechenden Hut euren Häusern zugeteilt werdet! Bitte stellt euch zu zweit in einer Reihe auf!"
Professor Neville Longbottom war eine eher unscheinbare Erscheinung. In langer, schwarzer Robe mit rotgolden abgesetzten Ränder gekleidet, mit einem etwas zu großen spitzen Hut, der ihm jeden Augenblick in die Stirn zu rutschen drohte, wartete er bis seine neuen Zöglinge soweit waren. Er machte einen gutmütigen Eindruck und hatte die wohl beeindruckensten Hasenzähne, die man sich vorstellen konnte. Während seine wachen, hellen Augen etwas zu suchen schienen, saugte er an seinen Zähnen und entblößte ein strahlendes Lächeln, als er Albus und Rosie in der Menge entdeckte.
„Seid ihr soweit? Gut dann wol...!?" Weiter kam er nicht. Mit überlautem Quitschen wurde eine Tür geöffnet und herein schoss eine transparente, graue Gestallt, die ein ohrenbetäubendes Kreischen ertönen lies.
„Uiuiuiuiiiiiiaaaaargh! Boooh!"
Mit raus gestreckter Zunge, die Arme leicht erhoben schwebte er vor der Gruppe. Professor Longbottom und er standen sich gegenüber und der Geist blickte in verwirrt an.
„Ähem, Booooh?"
Longbottom grinste und schüttelte mit einer übertrieben bedauernden Miene den Kopf.
„Armer, armer Peeves, du kommst zu spät. Der Spuk ist schon vorbei."
Der Poltergeist blickte ihn an. „Zuu Späät? Was? Wieso sagt mir keiner Bescheid?"
„Vielleicht weil dich keiner leiden kann?!"
„Oh, das war fies! Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!"
Damit wirbelte er herum und verschwand durch eine Tür, die er mit lautem Knall zuschlug. Der Professor wartete etwas, dann blickte er auf seine Taschenuhr und seufzte.
„Das ist ein Schrank!"
Ein paar Sekunden später kam ein sichtlich verschämter Poltergeist aus dem Schrank wieder hervor. Er gab einem Schrubber einen Tritt und schlug die Tür wieder zu. „Peeves das wissen! Peeves wollte nur machen einen kleinen Scherz! Jawoll, ja!" Er giftete Longbottom kurz an und verschwand dann durch eine weitere Tür.
„So, ich hoffe, das war die letzte Störung für heute. Dann folgt mir."
Die kleine Prozession setzte sich in Bewegung. In Reihen zu zweit schritten sie in die Große Halle und öffneten erstaunt ihre Münder. Die Große Halle trug ihren Namen zu Recht, sie war gewaltig. Rechts und links von riesigen, gotischen Fenster gesäumt erstrahlte sie im Licht tausender Kerzen, die in der Luft schwebten. Sie gaben dem Ganzen den Anschein eines Mittelschiffs einer gotischen Kathedrale. An vier langen Tischreihen saßen die Schüler der vier Häuser und begafften die Neuangekommenen wohlwollend.
Unsicher tapsten sie hinter Neville Longbottom her und blickten sich um. Über dem Ganzen erstreckte sich das Deckengewölbe, das durch einen Zauber den Sternenhimmel darüber zeigte, als ob es kein Dach gäbe. Scorpius schaute beeindruckt, wie sich eine schmale Wolke vor den Mond schob. Er blickte zu dem gewaltigen Kamin auf der rechten Seite und merkte zum ersten Mal, dass ihm heiß war und ihm der Schweiß auf der Stirn stand. Irritiert fühlte der Blonde, dass Albus seine Hand ergriffen hatte und wollte sie ihm entreißen. Aber als Scorpius den unsicheren Ausdruck in den aufgerissenen grünen Augen sah, drückte er beruhigend die Hand des Kleineren. Albus schaute ihn erschrocken an und zog seine Hand entschuldigend grinsend zurück.
„Es ist wirklich sehr beeindruckend!"
„Jaah!"
Am Kopfende standen die Tische der Lehrer, die mit den Gesichtern zur Halle saßen. Als Professor Longbottom mit seiner Gruppe vorne angekommen war, erhob sich in der Mitte der Tafel eine Frau. Sie war eine Hexe Ende siebzig, wenn nicht gar älter. Über ihrer Schulter trug sie einen Tartan mit grünrotem Muster wie eine Schärpe. Ihre braunen Haare waren von breiten, grauen Strähnen durchzogen und hochgesteckt. Ihren Hexenhut hatte sie keck nach hinten geschoben. Funkelnde grüne Augen musterten die Neuankömmlinge über den Rand ihrer rechteckigen Brille hinweg.
„Ich heiße unsere neuen Mitschüler herzlich willkommen. Mein Name ist Professor McGonagall und ich bin die Schulleiterin Hogwarts."
Sie wies auf einen alten Zauberhut, der auf einem Hocker lag. „Ihr werdet nun dem Namen nach aufgerufen. Wer seinen Namen hört, kommt nach vorn und zieht den Hut auf. Der Sprechende Hut wird euch einem der vier Häuser Hogwarts zuteilen. Professor Longbottom, bitte!"
Neville blickte auf seine Pergamentrolle und rief den ersten Namen auf. Ein Mädchen löste sich aus der Gruppe und ging unsicher auf den Lehrer zu. Er hob den Hut vom Hocker und deutete ihr an sich hinzusetzten. Dann stülpte der Professor ihr den Hut auf den Kopf. Es war ein alter Hut mit einer alten Patina. Er hatte Flicken und war an einigen Stellen angekokelt. Einige fanden es lustig, dass die Risse und Falten eine Art Gesicht bildeten und als der Hut sich bewegte, sah es in der Tat aus als ob er Grimassen zog. Er schien in einer Art Zwiegespräch mit der jungen Hexe zu stehen, doch nach außen hin hörte man nichts. Plötzlich rief der Hut „HUFFLEPUFF!" und das Mädchen stand auf und Neville wies sie an, zu ihrem Tisch zu gehen, wo sie freudig begrüßt wurde.
So ging es weiter Name für Name, Schüler für Schüler. Dann kam die Reihe an Scorpius. Schlagartig war es still in der Halle, als der Name Malfoy fiel. Der Blonde schluckte schwer und Albus drückte ihm aufmunternd den Arm. Dankend nickte Scorpius ihm zu und schritt elegant nach vorn. Bevor er sich auf den Hocker niederließ, warf der Blonde einen trotzigen Blick durch die Halle. Sollten sie alle von ihm denken was sie wollten, er war ein Malfoy und er würde sich nicht einschüchtern lassen. Man hatte schon immer hinter vorgehaltener Hand oder hinter seinem Rücken über ihn getuschelt.
Die Rolle der Malfoys während des Krieges gegen den Dunklen Lord war mit einem Wort erbärmlich. Besonderst dass feige Verhalten seines Vaters, Draco Malfoy, schmerzte ihn. Er schämte sich seiner, wenn ihn die anderen Kinder hänselten, oder wenn Erwachsene ihn abschätzig behandelten. Darum zog er sich auch immer mehr von anderen zurück. Es tat ihm weh, wenn dieses Schamgefühl ihn ergriff, denn Scorpius liebte seinen Vater.
Und Draco war ein wundervoller Vater, der seinen Sohn über alles liebte. Er war selten streng zu ihm und entgegen seinen eigenen Eltern, zeigte Draco seinem Sohn auch seine Gefühle.
Egal was die anderen von ihm dachten, er war stolz auf seinen Namen! Dann wurde ihm der Sprechende Hut auf den Kopf gesetzt.
Zuerst geschah nichts, dann hörte er den Hut sprechen. Eigentlich war es kein Hören im normalen Sinne. Die Worte bildeten sich in seinem Kopf.
„Hmmmh! Na so was, ein Malfoy! In welches Haus soll ich dich wohl einteilen?"
„Das weißt du verdammt genau!"
„Hahaha! Ja, das weiß ich! SLYTHERIN!!!"
Erleichtert atmete er aus. Am Slytherintisch wurde geklatscht, doch Scorpius ging nicht gleich zu seinem Platz. Er wartete etwas abseits und beobachtete weiterhin die Zeremonie. Parkinson wurde aufgerufen und nach Slytherin eingeteilt. Scorpius verdrehte ärgerlich die Augen, doch dann war die Reihe an Albus.
Als der Name Potter aufgerufen wurde, herrschte erneut Stille. Doch als Albus unsicher zu Neville ging, hörte man zuerst leise, doch dann immer lauter werdend von einem der vier Tische her Gryffindor-Rufe. Die Gryffindor hatten sich erhoben und skandierten mit rhythmischem Klatschen den Namen ihres Hauses.
„GRYFFINDOR! GRYFFINDOR! GRYFFINDOR!"
Immer und immer wieder. Dem schwarzhaarigen Strubbelkopf war das gar nicht recht. Wie ein scheues Reh blickte er sich aus den Augenwinkeln um und stolperte unsicher nach vorn. Scorpius biss sich auf die Unterlippe, er bemerkte die Angst des anderen und hatte Mitleid mit ihm. Er kannte das Gefühl, dass sich in Albus breitmachte und konnte dessen Hilflosigkeit nachvollziehen.
Vor Aufregung wummerte Albus' Herz in seinem Brustkorb und der Schweiß lief ihm in Strömen über das Gesicht. Er dachte an seinen Vater. Hatte er sich genauso gefühlt? Hatte er dieselbe Angst? Sie wurden oft miteinander verglichen aufgrund ihrer Ähnlichkeit. Aber hieß das auch, dass sie dasselbe fühlten, dieselben Gedanken hatten. Albus hatte oft darüber nachgedacht in den letzten Wochen.
Als er den Brief von Hogwarts bekam, schien er aufgehört zu haben ein Kind zu sein. All die Sorgen, ob er die Erwartungen aller erfüllen konnte, belasteten ihn sehr. Harry hatte ihm oft gesagt, dass er nie von ihm enttäuscht sein würde, doch das beruhigte Albus nicht sehr. Harry war schließlich sein Vater, aber es gab da auch die anderen. Freunde, Verwandte, ja selbst Menschen, die er nicht kannte, die sich freuten ihn zu sehen oder einfach nur Erwartungen an ihn hatten, schlicht aus dem Grund, weil er ein Sohn von Harry Potter war. Dass sein Vater nicht gern im Mittelpunkt stand, wusste er. Menschenanhäufungen waren ihm zuwider und Albus konnte seinen Vater in diesem Moment sehr gut verstehen. Als er vorn angekommen war, sah er Neville ängstlich an, der im zuzwinkerte. Hinter Neville konnte er Minerva McGonagall sehen, die ihn lächelnd beobachtete und am Ende der Tafel musste irgendwo Hagrid sitzen.
Zitternd setzte sich der Junge auf den Hocker, und zuckte zusammen, als ihm der Hut auf den Kopf gedrückt wurde.
„Hah! Auf dich habe ich mich schon gefreut!"
„Auf mich? Woher...?"
Der Hut zischte ihn kurz an und Albus blieb stumm. „Deinem Vater nicht unähnlich, dieselben Zweifel und Ängste, derselbe Drang sich zu beweisen. Mut, Tapferkeit, aber auch Intelligenz und Mitgefühl. Hmmh? So ganz anders als dein Bruder und doch..."
Albus schluckte, er bemerkte, dass er vor lauter Anspannung die Luft anhielt. Er zog die Augenbrauen ärgerlich zusammen, da der Hut die ganze Zeit auf seinem Kopf hin und her rutschte. Ihm war eh schon heiß, da war das Herumgezappel des Sprechenden Hutes nicht gerade sehr hilfreich.
„Ich weiß schon, wohin ich dich stecke! GRYFFINDOR!!!"
Lächelnd und unter dem Gejohle der Gryffindors erhob sich Albus. Doch sein Lächeln verschwand schlagartig, als er Scorpius erblickte. Der Slytherin wandte sich enttäuscht ab und ging zu seinem Tisch. Die Erleichterung war verflogen und Albus wollte ihm folgen um mit dem Blonden zu reden. Aber James kam dazwischen, er umarmte seinen Bruder und schob ihn zu den anderen.
„Herzlichen Glückwunsch, Alter! Ich wusste, dass du es packen würdest und du hast dich die ganze Zeit über verrückt gemacht aus Angst davor, nach Slytherin zu müssen!"
Albus nickte verlegen, dann kamen sie zu den anderen Gryffindor, die ihm die Hände schüttelten, oder ihm auf die Schulter klopften. Plötzlich fand sich der Schwarzhaarige auf einem Platz neben seinem Bruder wieder. James gab sich, als ob er selbst es bewerkstelligt hätte, dass Albus nach Gryffindor kam.
Die smaragdgrünen Augen suchten immer wieder den Blonden am Slytherintisch, doch Albus musste traurig feststellen, dass Scorpius ihn nicht beachtete.
Als er merkte wie bedrückt sein Bruder war, neigte sich James ihm zu. „Hey, welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?"
„Nichts!"
James seufzte, er folgte dem Blick seines Bruders durch die Halle und sah, warum Albus so niedergeschlagen war.
„Nimm ´s nicht so schwer, Al! Die Malfoys waren schon immer in Slytherin und da wolltest du doch nicht hin!"
„Ich hatte gehofft wir kämen ins selbe Haus."
„Vergiss den Fatzken! Hier wirst du auch jede Menge Freun..."
Albus schnitt ihm unwirsch das Wort ab. „ Ja, ja! Ich weiß, dass ich auch hier Freunde finde, aber das ist nicht dasselbe!"
James zuckte mit den Schultern, doch plötzlich erhellte sich seine Miene. Er wies nach vorn.
„Schau nur, da kommt unsere Rosie!" Beide Potters reckten die Hälse, um besser sehen zu können, wie Rose Weasley gerade den Hut aufgesetzt bekam.
Die Spitze des Hutes neigte sich hin und her, als ob er lachen würde.
„Oh Mann! Weasleys und kein Ende. Ich spüre es genau, Kleine, du hast den Schalk im Nacken stecken. Merlin sei Dank nicht so sehr wie früher bei deinen Onkeln Fred und George. Mann, Mann! Doch ich sehe auch viel deiner Mutter in dir, eine gute Mischung! Geist, Mut und das Streben nach Wissen. GRYFFINDOR!!!"
Die Wahl schien Rose zuzusagen, sie riss beide Arme hoch und jubelte. Neville wurde kurzer Hand geherzt und dann hüpfte sie zu ihrem Tisch, an dem sie überschwänglich empfangen wurde. Nachdem sie mit Händeschütteln durch war, setzte sie sich lachend zwischen James und Albus, der etwas zur Seite rutschte.
„Herzlichen Glückwunsch, Al! Ich finde es toll, dass wir es nach Gryffindor geschafft haben!"
Er lächelte ihr zu, konnte aber nichts sagen, da der Sprechende Hut begann sein alljährliches Lied zu singen. Es handelte natürlich vom Zusammenhalt aller vier Häuser und von Vertrauen und Freundschaft. Während die Halle in Jubelgeschrei ausbrach, als der Hut seinen Vortrag beendet hatte, seufzte Albus in Gedanken versunken.
Ein glockenhelles Klingen drang durch den Lärm, den die Schüler machten und riss ihn aus seinen Grübeleien. Professor McGonagall hatte sich erhoben und mit einem Löffel gegen ihr Glas geschlagen, um Ruhe für ihre Ansprache zu bekommen.
„Nun, da alle ihren Häusern zugeteilt sind, noch einige Hinweise. Nach dem Essen werden die Vertrauensschüler die Erstsemester zu ihren Gemeinschaftsräumen führen. Sie werden ihren Anweisungen Folge leisten. Keine Exkursionen auf eigene Faust!"
Sie legte eine Pause ein und warf James und den Weasleys einen langen Blick zu. Er kratzte sich verlegen am Kopf und ein allgemeines Gekicher ertönte. Albus schüttelte den Kopf, er hatte die Geschichten über seinen Bruder gehört, die ihren Vater zum Lachen brachten und ihre Mutter fuchsteufelswild werden ließen.
„Jedenfalls nicht so lange, bis sie sich besser auskennen. Die Schule ist weitläufig und man verirrt sich leicht. Unser Hausmeister Mister Filch möchte nochmals darauf hinweisen, dass das Zaubern auf den Fluren zwischen den Unterrichtsstunden zu unterbleiben hat."
Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte sie zu Filch, der mit seiner Katze Ms Norris und seinem Gehilfen Adalbert, am rechten Ende der Lehrertafel saß. Sie grinste. Filch versuchte schon seit Jahren vergeblich das Zaubern in den Gängen zu unterbinden, dieses Jahr würde es wohl auch nichts damit werden. Das sagte ihr ihre langjährige Erfahrung.
„Und zuletzt, der Verbotene Wald ist... VERBOTEN! Sie werden ihn nur in Begleitung eines Lehrers betreten und auf gar keinen Fall ALLEIN!!! Jedenfalls nicht wenn Sie darauf Wert legen Ihren Schulabschluss noch zu erleben, im Besitz aller Ihrer Gliedmaßen. So, und im Sinne unseres großen, ehemaligen Schulmeisters Albus Dumbledore, Schwachkopf! Schwabbelspeck! Krimskrams! Quiek! Haut Rein!"
Mit einem Schwung ihres Armes ließ sie überall auf den Tischen die leckersten Speisen und Getränke aus dem Nichts erscheinen. Alles was das Genießerherz begehrt. Pasteten, Lammbraten, gebratenes Geflügel, Schnitzel, Fisch, Pizza, Kartoffeln und Nudeln in allen Variationen. Gemüse, das gekocht, gebraten oder gedünstet war und so weiter und so weiter. An allen Tischen sah man überladene Teller und genüsslich schmatzende Schüler.
Am Gryffindor Tisch wandte Rose Weasley ihren Kopf ab, da James gerade am austesten war, ob scharfe Chicken Wings in dunkler Schokoladensoße getunkt ihm schmeckten. Sie wollte gerade etwas zu Albus neben ihr sagen, doch der schien irgendwie niedergeschlagen. Völlig lustlos schob er eine Pommes über seinen Teller. Er hatte zwischenzeitlich immer wieder versucht Blickkontakt mit Scorpius zu bekommen, doch für den Slytherin war er einfach nur Luft.
Schließlich legte er die Gabel zur Seite und stützte sein Kinn auf seine Hände. Albus schnaufte, er wusste nicht ob er wütend oder traurig sein sollte. Dann legte sich Roses Hand auf seine Schulter.
„Was ist mit dir? Hast du denn keinen Hunger?"
James auf der anderen Seite lachte. „Unser Kleiner hier hat Liebeskummer!"
Empört schnappte Albus nach Luft und streckte seinem Bruder schließlich die Zunge raus.
„Ist doch gar nicht wahr! Ich habe nur versucht, mit Malfoy Freundschaft zu schließen."
Er zog schmollend eine Schnute, während Rosie ihm zulächelte. „Ist doch nicht so schlimm, ihr könnt doch auch Freunde sein, wenn ihr in unterschiedlichen Häusern seid."
„Sag das IHM mal!" Sie klopfte Albus tröstend auf die Schulter. „Jungs!"
Der Abend zog sich in die Länge und Albus war froh, als Professor McGonagall die Tafel aufhob. Die Vertrauensschüler sammelten die Schulanfänger um sich und ähnelten in gewisser Weise einer Glucke, die ihre Kücken eifersüchtig bewacht.
In dem allgemeinen Gewusel spähte Albus nach Scorpius, doch der Blonde würdigte den Gryffindor keines Blickes. Warum war der nur so störrisch? Albus konnte doch auch nichts dafür, dass der Hut sie in verschiedene Häuser eingeteilt hatte.
Er beschloss den Blonden jetzt einfach zur Rede zu stellen. Leicht gebückt, damit er nicht so auffiel, versuchte Albus den Slytherin zu folgen. Doch Theodore Fenton, der Vertrauensschüler der Gryffindors, hatte ihn schon bemerkt.
„He Potter! In die Reihe mit dir!"
„Aber ich..." Er deutete in Richtung Scorpius.
Fenton schüttelte den Kopf und winkte den jüngeren zu sich. „Du kannst dich noch morgen mit ihm unterhalten. Ich will nicht, dass du dich verläufst! Außerdem kennst du das Passwort für den Gemeinschaftsraum nicht."
Brummelnd gab Albus nach. Er warf noch einen letzten Blick auf die abziehenden Slytherin und sah Scorpius' weißblonden Haarschopf in Richtung der Kerker verschwinden.
Die kleine Schar der Gryffindor Erstklässler folgten ihrem Vertrauensschüler die große Treppe empor. Sie staunten über die sich bewegenden Treppen und Fenton warnte sie nochmals ausdrücklich vor der Gefahr, die Unaufmerksamkeit mit sich brachte, wenn man die Treppen betrat. Der hoch aufgeschossene Teenager mit leichter Akne im Gesicht wies auf die ein oder andere Trickstufe hin, in die man einsacken konnte und dann feststeckte.
Stockwerk für Stockwerk stiegen sie höher, überschwänglich begrüßt durch die Hexen und Zauberer, die in Hunderten von Gemälden porträtiert waren, die an den Wänden hingen. Doch für all das hatte Albus kein Auge. Er war tief in Gedanken versunken und lief gegen Fenton, als dieser vor dem Portrait der Fetten Dame stehen blieb.
„Heh Kleiner, nicht so forsch!" Er wartete, bis alle sich um ihn versammelt hatten.
„So Leute, hinter diesem Portrait liegt unser Gemeinschaftsraum. Ihr könnt ihn nur betreten, wenn ihr das Passwort kennt. Ihr dürft es keinem anderen verraten, damit nur Gryffindor Zugang zu unseren Räumen haben."
Fenton trat auf das Gemälde zu, die Fette Dame schaute ihn an und trällerte. „Passwort?"
„KIRSCHDROPS!"
Mit einem Augenzwinkern klappte das Portrait zur Seite und gab den schmalen Zugang zum Gemeinschaftsraum frei.
Dieser machte einen sehr gemütlichen Eindruck. Es gab ein paar Bücherregale, einige Gemälde und der Raum war mit einem dicken, weichen Teppich ausgelegt, der ein rotgoldenes Muster trug. In einem Kamin prasselte ein munteres Feuer und in einigen Ohrensessel davor lümmelten sich Schüler aus höheren Jahrgängen.
An einem Erkerfenster wurde Schach gespielt, andere Schüler vertrieben sich die Zeit mit Kartenspiel oder Koboldstein.
Unsicher mischten sich die Neuen unter die älteren Schüler. Nur Albus hatte keine Lust dazu, er war missmutig und wollte eigentlich nur seine Ruhe haben. Nachdem er Fenton gefragt hatte, wie er zu seinem Schlafraum kommt, zog sich der Schwarzhaarige zurück.
Als er seinen Schlafraum betrat hob sich Albus Laune wieder. „Trudy!" Er lief zu dem Käfig, der neben einem der Betten stand und entnahm ihm eine große Schneeeule.
„Na wie geht es dir? Hast du mich vermisst, meine Süße?"
Sie klackerte mit ihrem Schnabel und biss ihm liebevoll in den Finger. Albus grinste und suchte aus seiner Truhe nach ein paar Eulenkeksen. Er gab Trudy einige davon und begann seine Robe abzulegen. Nachdem er aus den Schuhen geschlüpft war, nahm er wieder seine Eule und setzte sich auf sein Bett.
„Na! Du wirst mir doch keine Krümel rein machen!"
Die Eule schuhute leise und ließ sich die Streicheleinheiten ihres Besitzers gefallen. Schmunzelnd blickte Albus sich um und sah sich den Schlafraum genauer an.
Zwei kleine Laternen warfen ihr flackerndes Licht in den runden Raum. Ein fast schon antiker Kanonenofen stand in der Mitte und ließ erahnen, dass die Winter in Hogwarts sehr kalt werden würden. Fünf Himmelbetten standen Kreisförmig mit ihrem Kopfende an der Wand. Zwischen ihnen befanden sich kleine Nachttische, und der ein oder andere Stuhl. Am Fußende der Betten befand sich jeweils eine große Truhe deren Deckel das Hogwarts Wappen zierte.
Plötzlich öffnete sich die Tür und vier Jungs betraten den Raum. Einer grinste und setzte sich zu Albus aufs Bett.
„Die ist aber schön! Ist das deine?"
„Jaah, sie heißt Trudy!"
Der andere Junge wollte die Eule streicheln, doch sie gab einen ärgerlichen Ton von sich und schnappte nach seinen Fingern. Er schaffte es gerade noch seine Hand in Sicherheit zu bringen und blickte Albus mit riesigen Augen an. Albus biss sich auf die Unterlippe und sah sein Gegenüber entschuldigend an.
„Sorry! Sie ist etwas eigen."
„Ja, das hab ich gemerkt. Eh, bist du nicht einer der Potters?"
„Jep! Albus Severus Potter!"
„Cool, ich bin Berthram Connor!"
Die beiden schüttelten sich die Hände und machten sich auch mit den anderen bekannt. Berthram Connor war groß und schlaksig. Er hatte strohblonde Haare und ein paar Sommersprossen, die ihm ein schalkhaftes Äußeres gaben. Dann kam Cole Scrapshore, etwas pummelig mit langen, schwarzen Haaren. Er hatte ein breites, schiefes Grinsen und Albus musste sich ein Lachen verkneifen, da Cole immer zum Schielen neigte, wenn er aufgeregt war. Yusaku Yakashima hatte ein einnehmendes Wesen und sanfte Augen. Doch der auffälligste war Atticus Montaque Schmitz. Hoch aufgeschossen mit grünen Haaren, schien er nur aus Armen und Knien zu bestehen und machte einen eher ungelenken Eindruck.
Stunden später lag Albus im Bett und starrte an dessen Himmel. Der Abend war noch sehr lustig geworden. Sie hatten sich viel zu erzählen und es wurde nach Mitternacht, bis das Licht gelöscht wurde. Doch Albus konnte nicht einschlafen. Scorpius spukte durch seine Gedanken und der Gryffindor wälzte sich unruhig hin und her. Er war enttäuscht über das Verhalten des Slytherins und Albus überlegte, wie er sich am Morgen ihm gegenüber verhalten sollte.
Es dämmerte schon beinahe, als der Junge endlich in den Schlaf sank.
Tbc ...
