Ein langer Morgen

Geschichte der Zauberei. Es gab wohl kein anderes Fach in Hogwarts, das bei den Schülern so unbeliebt war. Nicht mal der Unterricht in Zaubertränke war so unpopulär. Dies lag nicht unbedingt an dem Schulfach selbst, schließlich ist Geschichte per se nicht langweilig. Hexen und Zauberer in ihrem Streben nach Macht und Ruhm. Koboldaufstände. Elfen und Feen im Kampf mit Zentauren und Trollen, all dies birgt normalerweise den Stoff für so manche spannenden Legenden und Erzählungen.

Nein, das Problem lag wohl eher bei Professor Binns, der dieses Fach unterrichtete. Das außergewöhnliche an ihm war, dass er ein Geist war. Irgendwann war der Mensch Binns gestorben und sein Geist morgens aufgestanden und zur Arbeit gegangen. Im ersten Augenblick waren seine Kollegen überrascht. Aber in Anbetracht der Anforderungen die der Unterricht an den Lehrer stellte, schien ein Geist keine schlechte Wahl für diesen Posten.

Das Problem war, dass Professor Binns, der schon vor seinem Tod ein eher langweiliger Zeitgenosse war, als Geist auch nicht gerade zu einem Ausbund von Unterhaltsamkeit wurde. Wie ein Uhrwerk ratterte er in seiner eintönigen, hohen Stimme seine Texte und Daten herunter und tötete damit den letzten Rest des Interesses seiner Schüler am Lehrstoff.

Albus schlief. Irgendwann, als Schamanen und Druiden sich ihren ersten Erfahrungen im Umgang mit Magie stellten, driftete sein Geist ab in unendliche Universen. Den Kopf auf seine Hand gestützt, lag der Schwarzhaarige mehr auf seinem Pult als er daran saß.

Binns einschläfernde Stimme vernebelte sein Hirn und ließ ihm die Augenlider schwer werden. Doch der Strubbelkopf war nicht der einzige der schlief. In der ganzen Klasse dröhnte eine Kakophonie der unterschiedlichsten Schnarchtöne. Rose Weasley stieß frustriert die Luft aus, ihre blauen Augen wanderten nach links und rechts und sie fragte sich, wie ihre Mutter die Stunden in diesem Fach bewältigt hatte, ohne sich gleich aus dem Fenster zu stürzen.

Ihr Blick blieb an Albus hängen, der gerade glückselig lächelnd, einen Baumstamm zersägte. Das tiefe Brummen, das er beim Schnarchen von sich gab, ging ihr gehörig auf die Nerven. Langsam rann ihm Speichel über die Unterlippe und sammelte sich in einem großen Tropfen. Sie starrte wie gebannt darauf und konnte ihre Augen nicht abwenden. Schließlich, wie in Zeitlupe lief ihm die Spucke über sein Kinn und stürzte einen langen Faden ziehend nach unten.

Rose seufzte und wandte sich wieder ab. Nach fünf weiteren Minuten, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen, gab sie es erneut auf, Binns eintönigem Redeschwall zu folgen.

Vielleicht sollte sie es so machen wie ihr Cousin. Sie ließ ihren Blick auf Albus ruhen und strich ihm sanft eine Strähne aus der Stirn. Plötzlich kippte Albus nach vorn und knallte mit dem Kopf auf den Tisch.

„Was n´ los?"

Hektisch blickte er um sich, ob ihn irgendjemand gesehen hatte. Um zu vermeiden, dass sie vor Lachen losprustete, kniff Rose die Lippen zusammen. Sie bettete ihren Kopf auf ihre verschränkten Unterarme und wurde von einem unterdrückten Lachanfall geschüttelt. Albus wiederum warf ihr einen skeptischen Blick zu und wischte sich über das noch feuchte Kinn.

Er sah zur Seite, aber weder Yusaku oder Atticus zu seiner Rechten, noch Cole der links neben Rose saß, schienen etwas mitbekommen zu haben. Wahrscheinlich weil sie selbst dösten. Nur Berthram der hinter ihm saß, beugte sich nach vorn und flüsterte. „Guten Morgen Dornröschen." Das war für die arme Rose zuviel, gerade als Albus zu einer Antwort ansetzen wollte, brüllte die Rothaarige vor Lachen los.

Ziemlich konsterniert unterbrach Professor Binns seinen Sermon und musterte Rose eisig, die sich verzweifelt beide Hände auf den Mund presste. Dann läutete es.

Erleichterung machte sich breit. Verschlafen stopften die Schüler ihre Bücher in die Taschen und verließen schnell den Raum.

Auch Albus beeilte sich. Ohne auf die anderen zu warten, lief er den Gang entlang und kam schließlich durch eine Tür zur großen Treppe. Zwei Stufen auf einmal nehmend spurtete er bis zum Erdgeschoss. Dort stand er etwas unschlüssig herum, eigentlich sollten sie warten, bis ihr Vertrauensschüler sie abholte und zu den Kerkern brachte, aber er wollte zu Scorpius so schnell wie möglich. Ein Hufflepuff sah ihn an.

„He! Hast du dich verlaufen?"

„Nicht so direkt. Ich will zu den Kerkern!"

Der Andere sah ihn fragend an. „Du bist doch ein Gryffindor? Oder hast du Unterricht in Zaubertränke?"

Albus nickte, der Hufflepuff wies mit seiner Hand auf das Eingangsportal. Verdeutlicht durch ein paar Gesten erklärte er, wie der Gryffindor zum Kerker kam. Der grinste ihn dankend an und lief weiter, während der Hufflepuff den Kopf schüttelte. „Erstklässler!"

Nachdem Albus nach draußen gegangen war, lief er links durch den Rundgang, der um den Innenhof führte. Weiter ging es im Laufschritt über das Viadukt zu einem Wehrgang und einen weiteren Hof, bis er durch ein Seitenportal einen Nebenkomplex der Schule betrat. Dann hatte er endlich den Zugang zu den Kerkern erreicht.

Er sah schon die ersten Slytherins, die aus Kräuterkunde kamen. Einige nickten ihm zu, andere ignorierten ihn. Er dachte kurz über seinen Vater nach, der bei den Slytherins, als er noch zur Schule ging, sehr verhasst war, da wurde er plötzlich angerempelt. Unsanft landete er auf dem Boden und Parkinson grinste ihn an.

„Ey Blindschleiche! Steh hier nicht so blöd rum!" Er kicherte und der Junge, der Ähnlichkeiten mit einem Troll hatte, Albus hatte erfahren, dass er der Sohn von Markus Flint war, blickte den Slytherin an.

„Soll ich ihn aufmischen?"

Gerne hätte sich Parkinson das angesehen. Und er zog es gerade in Erwägung, den am Boden Liegenden in den Magen zu treten, doch plötzlich kamen die Gryffindor unter der Führung Fentons aus dem Seitenzugang, über den man in den ersten Stock des Hauptgebäudes kam. Geistesgegenwärtig bückte sich Parkinson und zog Albus am Arm hoch.

„Mensch Potter, pass doch auf, wo du hintrittst!"

Albus starrte ihn aus schmalen Augen an. „Das zahl ich dir noch heim, Parkinson!" Doch der grinste nur schief. „In einem anderen Leben, Potter!" Damit wandte er sich ab und schritt durch den Kerkerzugang, gefolgt von Flint.

„Alles in Ordnung?" Besorgt sah ihn Theodore Fenton an. Doch Albus nickte als wäre nichts passiert. „Schon gut, ich war nur zu ungeschickt." Der Vertrauensschüler akzeptierte die Antwort, sah aber den Jüngeren streng an. „Warum bist du eigentlich schon da? Also wirklich Albus, du bist schwerer zu hüten als ein Sack voller Schnatze." Zerknirscht blickten ihn die grünen Augen an und er gab Albus einen Klaps auf den Kopf, mit dem die Sache erledigt war.

Während die anderen die Treppe runter gingen, kamen Myriel und Nicola um die Ecke. Grinsend lief ihnen Albus entgegen.

„Na? Wie war Kräuterkunde?"

Während Zabini mit den Schultern zuckte, da er nicht ganz so mit dem Fach warm geworden war, geriet Myriel regelrecht ins Schwärmen.

„TOOOOOL! Die Gewächshäuser sind klasse und Professor Longbottom ist sooo niedlich!"

Oh-oh, dachte sich Albus, da würde jemand mit Rose ins Gehege kommen, denn seine Cousine mochte Neville sehr gut leiden.

„Wo ist Scoop?"

Myriel warf den Kopf arrogant in den Nacken und legte sich die rechte Hand an die Schulter. Mit einem näselnden Tonfall und kraus gezogener Nase, persiflierte sie Scorpius.

„Lord Malfoy legt Wert auf seine aristokratische Stellung und zieht es vor, sich nicht unter das niedere Fußvolk zu mischen. Seine Lordschaft wird jedoch die Güte haben in Bälde zu erscheinen."

Damit stolzierte sie an Albus vorbei, der mit den Augen rollte. Die beiden Slytherin gingen zum Kerker und Albus wurde langsam ungeduldig. Wo blieb der Blonde bloß? Drei Slytherinmädchen kamen vorbei und der Schwarzhaarige warf ihnen einen verlegenen Blick zu. Sie grinsten ihn an. „Hi, Albus!" Kichernd liefen sie schnell weiter, während Albus sich verlegen am Kopf kratzte.

„Na, Casanova? Du fängst aber schon früh an!" Scorpius genoss es, wie Albus peinlich berührt abwinkte. „Erzähl keinen Quatsch. Sag mir lieber wie Kräuterkunde war!"

Der Slytherin ging auf das Ablenkungsmanöver ein. „Nicht schlecht, was hattest du?"

„Geschichte der Zauberei!"

Scorpius verzog bedauernd das Gesicht. „Du Armer. Professor Binns?"

Albus nickte ergeben und seufzte. „Professor Binns!"

Lächelnd legte ihm Scorpius den Arm um die Schultern und führte ihn zu den Kerkerstufen.

„Vergiss deine Pein, dafür kommt jetzt die Einführung in das Interessanteste aller Fächer. Zaubertränke!"

Der Gryffindor war da etwas anderer Meinung, behielt diese aber wohlweislich für sich. Im Labor für Zaubertränke angekommen, suchte sich Scorpius einen Platz in den vorderen Reihen. Er zog Albus neben sich auf die Bank, der sich ihren Tisch genauer betrachtete. Zwei massive Holztische, die mit einer Vorrichtung verbunden waren, auf der man zwei Kessel erhitzen konnte.

Hier würde er also in den kommenden Jahren die Zutaten für seine Tränke aufbereiten, zerkleinern und brauen. Und hoffentlich ohne dabei etwas in die Luft zu jagen, fügte er in Gedanken noch hinzu, als er sich eine dunkle, sternförmig nach außen verlaufene Vertiefung, auf seinem Tisch etwas näher ansah.

Das Gewölbe, in dem sie sich befanden, war düster. Die Steinquader der Wände waren über die Zeit dunkel angelaufen und schluckten das schale Licht, der Öllampen eher, als das sie es reflektierten. Fenster gab es keine, was dem Raum etwas Morbides gab. Vor einer großen Schiefertafel befand sich das Lehrerpult, daneben eine lange Bank, überfüllt mit Reagenzien, einem Kessel und anderen Gerätschaften, die für die Zubereitung verschiedenster Tränke nötig waren.

Der ganze Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt und Albus konnte sehen, dass Rose sich gut mit Yusaku verstand. Sie teilten sich einen Tisch, auf der anderen Seite und diskutierten scheinbar eine Passage aus dem Lehrbuch für Zaubertränke. Albus grinste, genau wie ihre Mutter.

Er winkte kurz Myriel und Nicola zu und bemerkte Parkinson mit seinen Kumpel in der letzten Reihe. Wütend blickte er den Slytherin an, mit ihm hatte er noch ein Hühnchen zu rupfen. Ein unsanfter Knuff ließ ihn herumfahren.

Scopius wies mit einem Nicken nach vorn, wo sich gerade eine Hexe ans Lehrerpult stellte. Ihre stechend blauen Augen musterten die Klasse. Sie betrachtete die Schüler einem nach dem anderen, während sie nervös ihre schmalen, knochigen Hände knetete und ihre Knöchel ab und an knacken ließ.

Als sie bei Albus anlangte, betrachtete sie ihn mit unverhohlener Neugierde. Er starrte trotzig zurück, nicht bereit dieses Blickduell zu verlieren. Er hasste es, wenn ihn andere anstarrten. Meistens ging der Schwarzhaarige dann weg. Doch wenn dies die Situation nicht ermöglichte, so wie hier, dann setzte sich sein Trotzkopf durch und er starrte dann so lange zurück, bis die anderen den Blick abwandten. Das beherrschte Albus sehr gut. Schließlich hatte er jahrelange Erfahrungen auf diesem Gebiet gewonnen, in den Auseinandersetzungen mit seinem großen Bruder. War der alte Sack doch noch zu was nütze.

Die Abstände, in der die Tränkemeisterin nervös ihre Knöcheln knacken lies, wurden kürzer. Es irritierte sie, dass ein Schüler ihrem stechenden Blick nicht auswich. Doch die grünen Augen hinter der Brille machten keine Anstalten, den Kontakt zu brechen.

Bevor die Stille anfing langsam peinlich zu werden, fasste sie ihre gesamte Klasse wieder ins Auge.

„Ich bin Professor Briddles! Für die nächsten sieben Jahre werde ich Ihnen die Geheimnisse der Kunst des Brauens verschiedenster Zaubertränke näher bringen."

Während sie über die Anforderungen und Gefahren schwadronierte, die es bei der Zubereitung der Tränke gab, unterbrach sie das Kneten ihrer Hände selten. Nur ab und an strich sie mit einer Hand durch ihre dünnen, violetten Haare.

Überhaupt schien violett, wie Albus bemerkte, der bevorzugte Farbton seiner Professorin zu sein, den sie in allen Varianten trug. Ihre hagere Gestalt war in eine pflaumenfarbene Robe gehüllt, darunter trug sie einen Rock aus malvefarbenem Stoff und ihre langen Beinen steckten in hohen, geschnürten, lila Lederstiefel.

Lydia Briddles kam zum Ende ihres Vortrages und im Gegensatz zu Professor Binns, hatte sie die volle Aufmerksamkeit ihrer Klasse.

„Wollen wir doch mal sehen, was Sie bereits über Zaubertränke wissen! Wer möchte was sagen?"

Als Rosies Arm in die Höhe schoss, musste Albus grinsen. Sie war halt ganz die Mama. Professor Briddles nickte ihr zu.

„Ja... ?" Nach einem kurzen Blick auf Roses Haare sprach sie weiter. „... Ms Weasley?"

„Es gibt verschiedene Arten Tränke zu zubereiten, darum müssen auch die Zutaten unterschiedlich bearbeitet werden. Es gibt Tränke, die werden kalt gemixt. Dann haben wir dünnflüssige und dickflüssige Tränke, die im Kessel gebraut werden."

Ein schmales Lächeln erschien auf Briddles Lippen. „Sehr gut! Fünf Punkte für Gryfindor!"

So ging es weiter, aber während der Rest der Klasse schon sehr schnell mit seinem Wissen am Ende war, entbrannte ein kleines Duell zwischen Rose und Scorpius. Wozu dient ein Bezoar und wo konnte man ihn finden? Was ist die Wirkung von Vielsafttrank? Warum müssen einige Zutaten im Kessel entgegen dem Uhrzeigersinn verrührt werden? Und so weiter...

Doch schließlich musste Rose aufgeben, was Scorpius mit Genugtuung erfüllte. Überheblich grinsend hob er wieder den Arm. Er zählte die verschiedenen Arten der Zubereitung von Belladonna auf, je nachdem ob man die Samenkapseln, die Blüten, die Blätter, besser bekannt als Belladonnakraut oder die Wurzeln verarbeitete. Dies brachte ihm erneut zwanzig Punkte für Slytherin ein und Briddles schien zufrieden.

„Nun, gibt es jemanden der mir was zu den Eigenschaften von Belladonna sagen kann?"

Wieder schoss Scorpius Arm in die Höhe und Albus rollte mit seinen Augen. Der Blonde gab die heilende Wirkung von Belladonna an und erntete einmal mehr Punkte für sein Haus. Als er den Mund erneut öffnete, hob sie ihre Hand und gebat ihm Einhalt.

„Noch jemand anderes, der mir sagen kann, welche Eigenschaft Belladonna noch hat?"

Sie blickte sich um, doch niemand sagte etwas. Dann sah sie wieder Albus an.

„Sie vielleicht, Mr Potter?"

Albus schluckte, er versuchte sich alles, was er über Belladonna wusste, ins Gedächtnis zu rufen und plapperte dann einfach drauf los.

„In Verbindung mit Silberlackmus und Mondscheinfarn stinkt es wie Teufel."

Stille! Keiner sagte ein Wort und Albus saß der Kragen ziemlich eng um den Hals. Verlegen zog der Schwarzhaarige seine Unterlippe zwischen die Zähne. Er hatte mal wieder das Erstbeste gesagt, das ihm einfiel, ohne zu denken. Parkinson und seine Freunde fingen plötzlich an zu lachen und Albus wurde feuerrot.

„Ein Punkt für Gryffindor!"

Albus riss seine Augen erstaunt auf und Parkinson schien plötzlich an einem Hustenanfall zu ersticken. Mit einem amüsierten Ausdruck im Gesicht sah Briddles auf den Gryffindor hinab.

„Ich sehe, dass man bei Weasleys & Weasleys Zauberscherze, auch einiges über Zaubertrankzutaten lernen kann. Ich meinte jedoch eine andere, als diese eher von kindlichen Gemütern bevorzugte Eigenschaft. Nun Mr Potter?"

Sie warf einen strengen Blick auf den noch röchelnden Parkinson, während Albus sich hilflos den Kopf nach einer Antwort zermarterte. Plötzlich merkte er, wie Scorpius gegen seinen Fuß trat. Von der Lehrerin ungesehen kreuzte der Blonde seine Zeigefinger, streckte seine Zunge seitlich etwas heraus und verdrehte die Augen. Albus verstand und wirbelte auf seinem Platz herum.

„Giftig!"

Briddles, die mit keiner Antwort gerechnet hatte, machte vor Schreck einen kleinen Satz, während Albus fieberhaft nachdachte. Da Belladonna eine heilende Wirkung hatte, war es wahrscheinlich, dass geringe Mengen nicht schädlich waren.

„Ab einer bestimmten Menge ist Belladonna giftig!"

„Sehr gut! Fünf Punkte für Gryffindor!"

Den darauf ausbrechenden Jubel ließ sie durchgehen und Albus sah mit Vergnügen, das Parkinson kurz vorm Platzen war. Als sich wieder alles beruhigt hatte und Professor Briddles ein Kapitel aus dem Lehrbuch vorlesen lies, sah der Gryffindor kurz zu Scorpius. Der Slytherin sah in fragend an und lächelte, als Albus ihm dankbar zuzwinkerte.

Als die Stunde zum Ende gekommen war, stürmten die Schüler wie eine Herde, vor Panik aufgescheuchter Wühlmäuse die Kerkertreppe hoch. Der Hunger trieb sie an und so strebten sie der Großen Halle entgegen.

„Hmmmh Futter!" Mit einem Grinsen stiefelte Albus in die Halle, die schon mit vielen Schülern gefüllt war. Als er merkte, dass Scorpius zum Slytherin Tisch wollte, griff er seinen Arm und zog ihn mit sich zu seinem Tisch.

„He! Was zum... ?"

„Jetzt sitzt du bei uns!"

Der Slytherin war nicht gerade begeistert. Er war es nicht gewohnt, dass man ihn so herum schob. Seine bisherigen Freunde, oder besser gesagt Bekannten, denn besonders enge Freunde hatte er nicht, verhielten sich ihm gegenüber sehr reserviert. Scorpius machte ihnen keinen Vorwurf deswegen. Er wusste, dass er sich anderen gegenüber abweisend verhielt. Dass er niemanden an sich heran ließ. Doch dieser strubbelhaarige, grünäugige Wildfang schaffte ihn.

Warum er Albus Nähe so genoss wusste Scorpius selber nicht. War es seine Hartnäckigkeit? War es seine Unvoreingenommenheit, die er Scorpius gegenüber hatte? Der Blonde konnte es nicht sagen. Er wusste nur, dass er sich einfach freute Albus um sich zu haben. Deshalb war er auch so enttäuscht, als der Schwarzhaarige nach Gryffindor kam. Er beschloss einfach wie immer auf Distanz zu gehen und hatte Albus ignoriert. In Sachen Freundschaft hatte er keine große Erfahrung und so konnte Scorpius es sich nicht vorstellen, mit jemand aus einem anderen Haus Freundschaft zu schließen. Schon gar nicht, wenn es sich um jemand aus Gryffindor handelte. Die beinahe schon traditionelle Feindschaft zwischen Slytherin und Gryffindor war lange nicht mehr so ausgeprägt wie zu Harry Potters Zeiten, aber gewisse Ressentiments waren unvermeidlich.

Am Löwentisch war man gerade dabei die Qualitäten der Küche zu testen. Rose grinste, als sich Albus und Scorpius neben sie setzten.

„Ihr beide habt euch auch gesucht und gefunden was?"

Scorpius hob in seiner unnachahmlichen Art seine Augenbraue. „Ich wurde genötigt!" Das brachte wiederum Albus zum lachen. „Ach was! Er ziert sich nur. Es dauert immer etwas bei ihm bis er auftaut."

„Ja, rede nur so als ob ich nicht da wäre."

„Stimmt´s etwa nicht?!"

„Red nicht so blöd! Reich mir lieber die Kartoffeln!"

„Sag Bitte!"

Albus schluckte, jetzt war er zu weit gegangen. Er dankte Merlin dafür, dass ihn Scorpius Blick nicht gleich zu Staub zerfallen lies. Rasch reichte er dem Slytherin die Schüssel mit den gratinierten Kartoffeln und lächelte ihn an. James neigte sich leicht nach vorn und sprach den Blonden an.

„Heh, du hast ihn ja richtig im Griff! Genau so muss man mit ihm umspringen."

Scorpius schnaufte und James musste sich plötzlich rasch ducken um einem Knödel auszuweichen, mit dem Albus nach ihm warf.

„Oy, Manieren Kleiner, denk an deine Manieren!"

Ihnen gegenüber setzten sich Albus vier Mitbewohner. Während Yusaku scheu lächelnd Rose ansah, grinsten die anderen drei Scorpius an.

„Du hast es ja mächtig drauf in Zaubertränke."

Der Blonde schaute etwas skeptisch, als Berthram, Cole und Atticus ihre Arme erhoben und sich wiederholt verneigten.

„Oh, großer Malfoy, erleuchte uns mit deiner Weisheit!"

„Das hab ich nicht verdient!" Mit einem Seufzen legte Scorpius den Kopf auf Albus Schulter, der ihm tröstend auf den Arm klopfte. James sah die drei fragend an und Cole bemerkte kichernd.

„Er hat heute in Zaubertränke so richtig mit seinem Wissen aufgetrumpft!"

Rose nickte. „Er hat sogar mich alt aussehen lassen."

„Na ja, kein Wunder bei seiner Familie."

„Halt die Klappe James!"

„Ok, ok! Bevor du noch mit weiteren Knödel nach mir wirfst."

Albus sah seinen Bruder missbilligend an. Er wusste wie sensibel Scorpius auf dieses Thema reagierte und er wollte nicht, das sein Freund sich ärgerte. Doch der Slytherin ließ sich nichts anmerken und wandte sich James zu.

„Schon gut, wir Malfoys waren seit Generationen Meister auf diesem Gebiet. Deshalb solltest du immer darauf achten, was du dir in den Mund stopfst!" Er zwinkerte Albus zu und widmete sich weiter seinem Mahl. James, der gerade so richtig herzhaft in eine Pastete beißen wollte, sah sich diese argwöhnisch etwas näher an. Dann blickte er zu Scorpius und ließ die Pastete resignierend auf seinen Teller fallen.

„Ich glaub, ich bin satt!"

tbc...