Schnapp sei brav!
Von dem ganzen Rummel auf dem Quidditch-Feld, bekam man oben in der Schule nichts mit. Nur vereinzelt konnte man einen Jubelruf oder allgemeines erschrockenes Aufkeuchen vernehmen. Ansonsten deutete nichts auf das Wettfliegen hin.
Zwei Gestalten lösten sich aus dem massiven Schatten des Schlosses und schlugen den Weg zum Quidditch-Stadion ein. Eine, verbissen die Lippen zusammenkneifende Professorin Briddles und ein ziemlich schadenfroher Dennis Parkinson.
Der Kleine grinste über das ganze Gesicht. Das Gefühl es geschafft zu haben, Potter und Malfoy eins auszuwischen, wenn nicht gar dafür gesorgt zu haben, das sie von der Schule geworfen werden, machte ihm die Beine leicht und er konnte locker mit Briddles energischen Schritten mithalten, trotz seiner kleinen Beine.
„... und Mr Malfoy und Mr Potter fliegen tatsächlich, trotz Verbots auf richtigen Rennbesen?"
Parkinson nickte atemlos. „Jaah! Und Fenton hat den Vorschlag selbst gemacht!"
Verärgert schüttelte Briddles ihren Kopf. „Unverantwortlich! Das wird Konsequenzen haben!"
Unbewusst beschleunigten beide ihre Schritte. Als sie in den Zugang zum Stadion einbogen, ähnelten sie zwei Sportlern, die sich einen grotesken Wettlauf im Gehen lieferten und gerade auf die Zielgerade einschwenkten.
Langsam verspürte Parkinson ein Stechen in der Seite. Doch dieses unangenehme Gefühl wurde verdrängt von einem anderen. Stolz! Stolz darüber, es den beiden gezeigt zu haben. Stolz darüber, sich für Malfoys abfälligen Bemerkungen über seine Mutter gerächt zu haben. Endlich! Parkinsons triumphales Lächeln schien ihm ins Gesicht gemeißelt zu sein.
Ein Lächeln, das urplötzlich gefror. Seine Augen weiteten sich grotesk. Kein Potter, der sich auf einem Besen in der Luft befand. Kein Malfoy, der ihm nachjagte. War der Junge eben noch erfüllt vor Schadenfreude und Stolz, stürzte er jetzt in ein umso tieferes Loch aus Wut und Enttäuschung.
„WAS IST HIER LOS?"
Briddles schneidende Stimme ließ ihn zusammenfahren. Grimmig blickte sie auf die Gruppe von Schülern, die sich zusammen mit ihren Vertrauensschülern, auf dem Spielfeld um Edgar Knoxx geschart hatten.
Der schaute verärgert zu den beiden Neuankömmlingen, die sich erdreisteten seinen Vortrag zu stören. Auf seinem transparenten Besen sitzend, kam er der Lehrerin entgegen.
„Ich habe vor den Kleinen gerade ein paar köstliche Bourmonts aus meiner Quidditch-Karriere zum Besten gegeben. Wissen Sie, sie hatten so darum gebeten."
Er sträubte seinen Schnurrbart und klopfte sich mit dem Mundstück seiner Pfeife gegen den Nasenflügel.
„Ich war gerade dabei von meinem großartigen Vertikalmanöver bei der Weltmeisterschaft von 1938 zu..."
Ungeduldig zuckten Briddles Mundwinkel und Edgar machte ein entschuldigendes Gesicht.
„Ooh! Ich hoffe, ich habe ihre Schüler nicht vom Unterricht abgehalten." Er grinste breit. „Sie sind ja so wissbegierig."
Mit einer unwirschen Handbewegung brachte sie ihn zum Schweigen und ging zu Nott.
„Was war hier los? Mir wurde zugetragen, dass Schüler aus dem ersten Jahrgang auf einem Rennbesen geflogen seien."
Sylvana machte ein hilfloses Gesicht und schaute zu Fenton. „Weißt du was davon Ted?"
„Außer Knoxx ist hier niemand geflogen."
Briddles Lippen waren zu einer kleinen roten Linie zusammengepresst. Langsam wurde sie ungehalten. Doch bevor sie noch irgendwas sagen konnte, brach es aus Parkinson heraus.
„Quatsch Knoxx!"
Wut ließ ihm Tränen in die Augen steigen, während er mit dem Zeigefinger zitternd auf Albus und Scorpius wies, die zusammen im Gras saßen.
„Ma..., Malfoy und P-P-Potter sind geflogen!!! ES WAR EIN WETTKAMPF! UM DIE TORSTANGEN SIND SIE GEFLOGEN, U-UND IM GRABEN!!!"
Er drehte sich im Kreis und schaute in die Gesichter seiner Mitschüler. „Ihr wagt es, das zu bestreiten? LOS SAGT DIE WAHRHEIT!"
Seine ohnehin schon piepsende Stimme kippte endgültig und klang eher wie ein Quietschen. Verzweifelt wandte er sich wieder an Professor Briddles.
„Verdammt! Flint und Dolohow sind Zeugen!"
Sie nickte kurz und ging zu den beiden Slytherins und sah auffordernd von einem zum anderen.
„Und? Stimmt das?"
Mordred Flint und Randolphe Dolohow standen wie versteinert da. Flint ließ seine kleinen, fies dreinschauenden Schweinsäuglein zwischen Professor Briddles, Parkinson und Sylvana Nott hin und her schweifen.
Als er sah wie Nott hinter Briddles Rücken die Faust in ihre Handfläche schlug und ihn mit hochgezogenen Augenbrauen angrinste, ließ er die Schultern hängen.
„Niemand ist geflogen." Unglücklich sah er zu Parkinson, der inzwischen kalkweiß geworden war. „Wir saßen alle hier und haben diesem komischen Kauz, bei seinen langweiligen Erzählungen zugehört."
Dennis Parkinson fühlte sich, als ob er in den Magen geboxt wurde. Doch Briddles war noch nicht ganz überzeugt. Sie baute sich vor Scorpius und Albus auf, die unvermittelt aufstanden und starrte die Beiden an.
„Sind sie geflogen?"
Albus sah sie kleinlaut an. Doch Scorpius schüttelte seinen Kopf. „Sehe ich so aus, als hätte ich gerade ein Rennen geflogen?"
Sie ließ ihren Blick prüfend über seine Gestalt gleiten. Scorpius sah sehr gepflegt aus. Die Haare waren einwandfrei nach hinten gegeelt und nicht eine Strähne war in Unordnung geraten. Dann wandte sie sich Albus zu. Nach einem kurzen Blick sanken ihre Schultern herab. Der sah eh immer aus wie durch den Wind gezogen.
„Na dann, weitermachen." Sie schloss ihre Augen und atmete tief durch. „PARKINSON!"
Unschlüssig stand sie vor dem schwarzhaarigen Slytherin. Plötzlich schoss ihre Hand nach vorn und packte den Jungen am Ohr.
„Unglaublich mich so auf den Arm zu nehmen und mich den ganzen Weg vom Schloss hier her zu jagen! WEGEN NICHTS! REIN GAR NICHTS!!!"
Sie war unbeschreiblich wütend. Als Hauslehrerin von Slytherin, auch noch von einem Schüler aus ihrem Haus gefoppt worden zu sein. Oh, sie war mächtig sauer!
Gnadenlos stapfte sie, den schreienden Parkinson hinter sich herziehend hoch zum Schloss.
„STRAFARBEIT! ZWEI WOCHEN! Und ich werde Filch höchstpersönlich bitten, sich besonders gemeine Arbeiten für Sie auszudenken!"
Kaum waren sie hinter dem Torbogen verschwunden, brachen alle Anwesende in Jubel aus. Einige Enthusiasten schwangen sogar ihre Wimpel.
Erleichtert wandte sich Fenton an Knoxx. „Puh! Das war ganz schön knapp. Vielen Dank Edgar!"
Der Geist winkte ab. „Ach was, alter Knabe! Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht. Es war schön, mal wieder über alte Zeiten zu schwadronieren."
Er drehte sich zu Albus und Scorpius. „Außerdem war es eine Freude, zwei so begabten jungen Zauberern beim fliegen zu zusehen. Ich freu mich schon auf nächstes Jahr, wenn ihr beiden Quidditch spielt!"
Fenton grinste und wurde von Nott leicht in die Seite geknufft. „Unentschieden! Die Beiden haben tatsächlich ein Unentschieden zustande gebracht."
„Jaah! Wir können aufs nächste Jahr gespannt sein. Und dann! Dann wird es Slytherin nicht mehr so leicht gegen uns haben!" Er verkniff sich dem Drang nachzugeben, ein kleines Tänzchen zu vollführen.
„Träum weiter Teddy! Träum weiter. Ich denke wir machen Schluss für heute!"
Auf dem Weg zurück, ging Albus schweigsam neben Rose her. Er war in Gedanken versunken und wäre fast gestolpert, wenn Rose ihn nicht am Arm gepackt hätte.
„Sag mal träumst du?"
„Sorry! Ich denke du hattest Recht Rosie."
„Womit?"
„Das war wirklich eine bescheuerte Idee!"
„Allerdings! Du kannst von Glück sagen dass die Beiden deine Freunde sind. Wenn Briddles dich und Scoop in der Luft erwischt hätte. Nicht auszudenken. Und dieser Parkinson..."
Wütend fuchtelte sie mit ihren Fäusten in der Luft herum. „Ooooch ich würde ihm am liebsten..." Der Rest ging in einem unverständlichen Gebrumme unter, während sie eine unflätige Geste vollführte.
Die Gruppe erreichte die überdachte Holzbrücke, die den gewaltigen Burggraben überspannte. Überrascht sah sich Albus am Arm gepackt und zur Seite gezogen. Scorpius führte ihn zu einem Steinkreis und ließ sich elegant auf den Stumpf einer umgestürzten Steinsäule nieder.
Er klopfte auf den freien Platz neben sich und deutete Albus an sich zu ihm zu setzen. Doch der Gryffindor stellte sich stur und schaute den Blonden missmutig an. Lächelnd rollte Scorpius mit den Augen.
„Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?"
„Eine ziemlich Große mit platinblonden Haaren, wenn du´s genau wissen willst!"
„He. Was habe ich dir denn getan?"
Albus verschränkte seine Arme vor der Brust und tat so, als ob er nachdenken müsste.
„Hm, mal sehen. Wie wäre es mit über mich lästern und mich zu provozieren?!"
„Oh, als ob ich dich erst großartig provozieren müsste. Manchmal glaube ich, dass du schon morgens auf Hundertachtzig bist, wenn du aufwachst."
„Du bist so was von arrogant, am liebsten würde ich dir in deinen überheblichen Ar..."
Weiter kam er nicht. Scorpius brach in schallendes Gelächter aus und fiel mit strampelten Beinen, hintenüber ins Gras. Empört sah Albus zur Seite, er knirschte mit seinen Zähnen.
Plötzlich warf er sich mit einem weiten Satz auf den Blonden. Albus presste dessen Arme auf den Boden und giftete ihn wütend an. „HÖR AUF! Ich finde das nicht zum lachen!"
Scorpius schwieg. Sie schauten sich an, unschlüssig darüber was jetzt zu tun war. Schließlich brach Scorpius die Stille.
„Was jetzt?"
„Ich weiß nicht!"
Der Slytherin hob eine Augenbraue und Albus hatte Schwierigkeiten sich ein Grinsen zu verkneifen. Er seufzte.
„Sag´s nicht! Ich bin nicht zickig!"
„Nein, Nie!"
Der Gryffindor ließ sich neben dem Blonden ins Gras fallen. „Warum bin ich eigentlich nur bei dir immer so schnell auf der Palme?"
„Mal von deinem Bruder abgesehen?"
„Mal von James abgesehen. Ja!"
„Ich habe es dir gesagt! Das passt nicht mit uns beiden. Aber du musstest ja unbedingt mit dem Kopf durch die Wand!"
Albus drehte sein Gesicht zu Scorpius und blinzelte. „Warum hast du mich eben provoziert?"
„Damit du die Sache ernst nimmst! Wir sind in verschiedenen Häusern und unser Verhalten wirkt sich auf unsere Hauspunkte aus." Er lächelte Albus neckend an. „Außerdem wollte ich, wenn wir schon einen Wettkampf untereinander austragen, dass du dich voll ins Zeug legst und nicht nur halbherzig bei der Sache bist, weil wir Freunde sind."
Albus blies die Backen auf und ließ die Luft wieder entweichen. „Ich hatte eine scheiß Wut auf dich! Weißt du das?"
„Das solltest du auch! Ich habe es genossen, als du mich mit Blicken regelrecht erdolcht hattest, nachdem ich dir gesagt habe ich wolle nicht hören, es würde nur an deiner Brille liegen, wenn ich gewonnen hätte. Als wir nebeneinander her flogen, konnte ich deine Wut so richtig spüren."
„Hauptsache du hattest deinen Spaß!"
„Heh! Das war ein toller Zweikampf! Und es hat Spaß gemacht, das kannst du nicht abstreiten."
Als Albus darauf nichts erwiderte, schaute ihn Scorpius unsicher an. Er zögerte, doch dann setzte er sich auf und fuhr dem Gryfindor sanft durchs Haar.
„Ich finde es schön, dass wir beide gewonnen haben. Und ich freue mich schon auf das nächste Jahr. Denn ich weiß jetzt, dass du verbissen um den goldenen Schnatz kämpfen wirst!"
Überrascht schaute Albus zu ihm hoch. „Du willst Sucher werden?"
„Klar! Du etwa nicht?"
„Doch schon." Albus fing an zu grinsen. „Aber, bist du nicht etwas zu schwer..., Äehm, groß. Ich meine groß!"
Mit einem empörten Aufschrei warf sich Scorpius auf den lachenden Gryffindor. Beide rangelten im Gras und rollten letztendlich ein Stück des Hangs hinab, an dem der Steinkreis lag.
Erschöpft winkte Albus ab. „Lass es gut sein, ich geb auf. Ich kann nicht mehr."
Der Slytherin erhob sich und hielt Albus die Hand hin. Als er ihn hochgezogen hatte, grinste er.
„Ich sage es auch niemanden."
Scorpius strich sich einige Haarsträhnen aus dem Gesicht und klopfte mit der flachen Hand den Staub von seiner Robe. Dabei blickte er den Hang hinab auf Hagrids Hütte.
„Hier wohnt doch dein Freund, der Wildhüter."
„Er heißt Hagrid und ist Professor!"
Der Blonde legte seinen Kopf leicht schräg. „Er wird höflichkeitshalber mit Professor angesprochen!"
Grummelnd schüttelte Albus den Kopf. „Komm, lass uns lieber mal sehen, ob er zuhause ist."
„Was ist mit dem Essen?"
„Also ich würde an deiner Stelle nicht so viel in mich reinstopfen, wenn du nächstes Jahr als Sucher in die Quidditch-Mannschaft aufgenommen werden willst!"
Lachend duckte sich Albus und entging so einem Schwinger, den Scorpius wütend ausführte.
„Du kleiner...! Wer stopft sich denn hier schon beim Frühstück bis zum Abwinken voll?!"
„Jaah! Aber trotzdem habe ich eine grazile Figur."
Scorpius schnaufte und folgte Albus zur Hütte. Sie kamen zu dem großen runden Bau, mit dem hohen Dach. Die Läden waren geschlossen und aus einem hohen windschiefen Schornstein kamen graue Rauchschwaden.
Vor der Hütte befand sich ein großes Gemüsebeet. Dahinter verlief ein Kürbisfeld. Einige besonders große Exemplare waren zu einer kleinen Pyramide aufgestapelt und waren fast schon reif, wie man an ihren leuchteten Farben erkennen konnte.
Jenseits der Hütte erstreckte sich der verbotene Wald, dessen düstere Ausläufer bis zu einem großen Hang reichten, der sich bis zu Hagrids Hütte und Gemüsebeete zog. Eine lange Steinmauer, sicherte den Abhang und verhinderte, dass jemand versehentlich hinabstürzte.
Einige Krähen hatten sich der Mauer und einer etwas unglücklich wirkenden Vogelscheuche bemächtigt. Sie legten ihre Köpfe schräg und beäugten die beiden, sich nähernden Zauberer argwöhnisch.
Scorpius schüttelte sich. „Brr, wie kann man nur so wohnen?"
„Nicht jeder haust in einem Manor!"
„Mein Lieber, ich hause nicht!" Mit einem besonders anmutigen Schwung legte er den Kopf in den Nacken und zog spöttisch eine Augenbraue hoch. „Ich residiere!"
„Nun, Hagrid ist auf jedenfalls hier glücklich!"
Der Schwarzhaarige lief die Treppe hoch und klopfte gegen die Tür. „Hallo Hagrid! Bist du da?"
Nach ein paar Minuten hämmerte Albus erneut gegen die Tür und legte ein Ohr dagegen, da er glaubte etwas gehört zu haben. Unschlüssig schaute der Gryffindor sich um und schob die Zungenspitze zwischen die Lippen.
Probeweise versuchte er die Tür zu öffnen. Mit leichtem Quietschen drückte Albus die Klinke nach unten. Es bedurfte etwas sanfter Gewalt, dann öffnete sich die Tür einen Spalt. Albus wollte gerade in die Hütte spähen, als die Tür urplötzlich mit einem gewaltigen Rums aufflog.
Erschrocken sah Scorpius, wie der Gryffindor in einem weiten Bogen durch die Luft geschleudert wurde und unsanft im Gras landete.
Wie eine Furie kam ein riesiger, schwarzer Schatten aus der Hütte hervor geschossen und stürzte sich auf den entsetzt kreischenden Slytherin.
Mit weit aufgerissenen Augen, starrte der Blonde ängstlich eine gewaltige Kreatur an, die über ihm stand. Schmerzhaft hielten ihn, ihre gewaltigen Pranken an den Schultern zu Boden gedrückt.
Verzweifelt versuchte Scorpius seinen Pulsschlag zu beruhigen. Er war schon immer ein Feigling gewesen und an sich, sehr unsicher. Um das zu verbergen imitierte er oft seinen Vater, dessen arrogante Art mit den Dingen umzugehen und das gab ihm im Umgang mit anderen immer eine gewisse Sicherheit.
Aber das hier war etwas völlig anderes. Er biss sich auf die Unterlippe und schaute sich das Biest, etwas genauer an.
Über ihn gebeugt stand ein gewaltiger Hund. Er hatte ein kurzes schwarzes Fell und sah aus funkelnden bernsteinfarbenen Augen auf ihn hinab. Er hatte große abstehende Schlappohren und wirkte eigentlich gar nicht so bedrohlich.
Scorpius leckte sich über die Unterlippe, was der Hund neugierig mit schräg geneigtem Kopf verfolgte.
„Na, d-du bist bestimmt e-ein ganz ein Lieber, richtig?" Er schloss seine Augen und stotterte weiter. „Jah! Braver Hund! Nicht wahr? Du hast heute bestimmt schon gegessen?"
Entrüstet quiekte er auf, als ihm eine gewaltige und durchaus unangenehm, feuchte Zunge durchs Gesicht fuhr. „Na toll!" jammerte der Slytherin. „Jetzt sabbert er mich voll."
Albus unterdessen rappelte sich wieder benommen auf die Beine und rieb vorsichtig seine schmerzende Kehrseite. Ein Kreischen ließ ihn zusammenfahren.
„HEH! WAS IST MIT DIR LOS ALBUS? LEBST DU NOCH? HILF MIR ENDLICH VERDAMMT!"
Hilflos kratzte sich Albus am Kopf und überlegte was zu tun war. Der Hund, ein Saurüde kam ihm bekannt vor, er hatte ihn schon mal gesehen. Plötzlich fiel es ihm ein. An Weihnachten vor ein paar Jahren hatte Hagrid ihn mitgebracht, als er zu Besuch in den Fuchsbau kam. Ein weiteres Kreischen zeigte ihm das Scorpius langsam panisch wurde und er unbedingt was tun musste.
„Schnapp!"
„WAS?"
„Nein nicht du! Der Hund! Sein Name ist Schnapp!"
Scorpius Stimme überschlug sich fast. „ES IST MIR SCHEISSEGAL WIE DIE TÖLE HEISST! HILF MIR LIEBER!"
Dann folgte wieder ein hysterisches Schreien und nun bekam es Albus mit der Angst zu tun. Er sorgte sich um seinen Freund und versuchte verzweifelt Schnapp von Scorpius herunter zu zerren.
„Scorpius ist alles in Ordnung? Hat er dich gebissen?"
Eine dumpfe Stimme antwortete ihm. „Nein verdammt! Gebissen hat er nicht! Er leckt nur und schleimt mich voll! Das ist ekelig" Nun begann Scorpius mit den Beinen zu strampeln und versuchte sich verzweifelt hin und her zu wälzen. Aber er konnte den riesigen schwarzen Brocken nicht abschütteln.
„HILF MIR! WOZU HABE ICH EINEN FREUND DER AUS GRYFFINDOR IST?"
„Jetzt krieg dich mal wieder ein! Sei lieber froh, dass er dich mag!"
Scorpius rüde Erwiderung ging in einem Husten und Spucken unter, als Schnapp ihm mit der Zunge, wie mit einem großen Putzlappen, durchs Gesicht wischte.
Nachdem sich Albus vergeblich mit dem Rücken gegen den Saurüden gestemmt hatte, drehte er sich um und drückte mit seinem gesamten Körper gegen Schnapp.
„Sei ein braver Hund! Geh von ihm runter!"
Ein erneutes schrilles Kreischen ließ Albus die Augen verdrehen. „Verdammt Scoop, heul hier nicht rum und trag es wie ein Mann!"
Von der Schule her ertönte ein lauter Pfiff und Schnapp stellte seine Schlappohren auf. Er entdeckte Hagrid, der auf sie zukam und ließ ein freudiges Wuff ertönen. Mit einem gewaltigen Satz, raste er den Hang hinauf zu dem Halbriesen.
Seines Haltes beraubt, ruderte Albus mit seinen Armen und plumpste der Länge nach auf Scorpius, der schmerzvoll aufkeuchte.
Ziemlich umständlich rappelten sie sich auf. Albus einen giftigen Blick zuwerfend, säuberte Scorpius seine Robe. Der Gryffindor schluckte.
„Heh, schau mich nicht so an, ich kann nichts dafür."
„Ich bin nicht sauer auf dich. Nein, ich bin sauer auf mich! Ich hätte es wissen so...! WAS?"
Albus grinste Scorpius frech ins Gesicht. Er hatte es längst aufgegeben sich das Grinsen zu verkneifen. Der Blonde sah einfach klasse aus. Einige Strähnen seiner Haare klebten ihm im Gesicht, andere standen wirr vom Kopf ab.
Scorpius wischte sich durchs Gesicht und schaute angeekelt auf seine Handfläche. „Uäh! Hundesabber!" Lachend trat Albus an ihn heran und wischte dem Slytherin, mit seinem Taschentuch etwas übers Kinn.
„Nu, das ´s mal ne Überraschung. Hy Al, hab erst am Freitag mit dir gerechnet!"
Freudestrahlend kam Hagrid auf sie zugelaufen. Als er den ein wenig derangierten Scorpius entdeckte, musste er lachen.
„Oy! So wie ´s aussieht, hat dich Schnapp sehr gern!" Der ließ ein herzhaftes Gebell erklingen, stellte seine Ohren auf und starrte Scorpius freudig an.
Mit einem abschätzenden Blick brachte sich der Slytherin lieber in Deckung, indem er hinter Albus trat, damit dieser zwischen ihm und dem Hund stand.
Hagrid schlug die Hände zusammen. „Na den ma zu. Kommt rein, ich setz Tee auf!"
Er betrat die Hütte und Albus wollte ihm folgen. „AUA!" Ungehalten drehte er sich zu Scorpius, der ihm gerade eine saftige Kopfnuss verpasst hatte. „Wofür war die denn?"
Der Blonde beugte sich keifend nach vorn. „Ich habe es dir einmal gesagt und sage es dir nun zum letzten Mal!" Sein Zeigefinger bohrte sich bei jedem weiteren Wort in Albus Brust, um seinen Worten Gewicht zu verleihen.
„NENN MICH NICHT SCOOP!!!"
Damit schritt er an dem Gryffindor vorbei, der betröpelt zu Boden sah. „Sorry!"
Hagrids Hütte war nicht unbedingt der Ort an dem sich Scorpius wohlfühlte. Während der Halbriese in seiner Küche herumfuhrwerkte um Tee aufzusetzen, schaute sich der Slytherin in dem Chaos um. Seine Miene sprach dabei Bände, was der Junge von der ganzen Unordnung hielt. Allerlei Gerätschaften hingen von dem Gebälk der Decke hinab. Seile, Fallen, Kessel und andere Sachen, von denen Scorpius lieber nicht wissen wollte um was es sich dabei handelte.
Angelzeug, Ruten und noch mehr Kessel sammelten sich in den Ecken, zwischen allerlei Truhen und Kisten. Wobei man die Sachen, die nicht oft in Gebrauch waren, an ihrer dicken Staubschicht erkennen konnte, oder dass sie von schweren Spinnweben umspannt waren.
Missmutig griff sich Scorpius mit spitzen Fingern einen kleinen Kupferkessel, drehte ihn um und betrachtete sein Spiegelbild in dem blanken Metall. Als er seine wirren Haare sah, warf er einen bösen Seitenblick auf Schnapp, der ihm um die Beine strich.
„Jaah, schau nur was du da angerichtet hast!"
Grummelnd machte sich Scorpius daran seine Frisur in Ordnung zu bringen, während er ab und zu Schnapp zur Seite drücken musste.
Albus fing an den Tisch zu decken. Er schaute zu Hagrid, der gerade einige Teeblätter in seinen riesigen Händen zerbröselte und in die Kanne fallen ließ.
Da Hagrid ein Halbriese war, hatten die Möbel und das Geschirr die dementsprechende Größe, so dass sich Albus ein klein wenig wie Zwerg vorkam, als er die Teller auf den Tisch wuchtete.
„Du Hagrid, wie war dein Tag heute?"
Der Riese sah vom Feuer machen auf, er wollte zuerst seinen Schirm dazu nehmen, doch mit einem Blick auf Scorpius griff er lieber zu Zündelhölzer.
Man sollte wissen, das Hagrid als junger Magierschüler auch in Hogwarts studiert hatte. Doch er wurde infolge einer Intrige Tom Riddles von der Schule verwiesen und musste seinen Zauberstab abgeben. Aber mit Dumbledores Wissen, der damals als Professor in Hogwarts unterrichtete, wurde der Stab in den Griff von Hagrids Schirm eingearbeitet, so dass der Halbriese ein wenig zaubern konnte. Allerdings durfte das keiner erfahren.
„Mein Tag war toll. Den Fünftklässler habe ich die Thestrale gezeigt." Er blickte zu Seite und überlegte. „Obwohl gezeigt ist nicht ganz das richtige Wort dafür. Wie du... AUA!"
Ungeschickt verbrannte er sich seine Finger an dem runter gebrannten Streichholz. Hagrid wedelte mit seiner Hand und schaute grinsend zu Albus, der lachend Tassen und Löffel zum Tisch balancierte. An seinem Finger saugend, stellte Hagrid einen Kessel Wasser aufs Feuer.
Eine Tasse entglitt Albus ungeschickten Fingern, erschrocken sah er ihr nach. Doch Scorpius fing sie geschickt auf und zwinkert Albus zu.
Plötzlich bekam der Blonde einen Stups in den Rücken und stolperte einen Schritt nach vorn. Schnapp, der Scorpius fast bis zu den Schultern reichte, stand hinter ihm und schaute den Slytherin erwartungsvoll mit schrägem Kopf an.
„Was willst du?"
Hagrid lachte. „Er hat dich gern. Du sollst ihn hinterm Ohr kraulen." Er legte sich einen Zeigefinger an die klobige Nase. „Weißt du, das hat er besonders gern."
Scorpius blickte den Hund skeptisch an. Zögernd streckte er die Hand aus und begann Schnapp hinter dem Ohr zu kraulen.
Schnapp genoss es. Er hechelte und sah aus als ob er lachen würde. Sanft hob der Hund seinen Kopf Scorpius Hand entgegen. Wohlig grummelte er, blickte den Blonden an und bellte.
Scorpius hob energisch seinen Zeigefinger und sah Schnapp streng an. „Na! Hier wird nicht gesabbert! NEIIN! Sonst kannst du dich alleine kraulen!"
Der Hund ließ ein missmutiges Brummen ertönen, war aber ansonsten brav und Scorpius kraulte ihn ausgiebig hinter den Ohren. Irgendwie schien es beiden Spaß zu machen, auch wenn der Blonde das niemals zugeben würde.
„So isses richtig mein Junge."
Hagrid nickte anerkennend und stellte einen großen Teller seiner selbstgebackenen Kekse auf den Tisch. Unterdessen war Albus auf seinen Stuhl geklettert. Etwas unschlüssig schaute er zu Scorpius und dann zu Hagrid.
„Man kann Thestrale nicht sehen? Oder?"
Hagrid schmunzelte nachsichtig. „Hat dich James wieder auf den Arm genommen?!"
Der Junge spürte wie er rot wurde und schaute auf seinen Teller. „Ich weiß nie so genau, wann er es ernst meint und wann er flunkert."
Scorpius schnaubte. „Du musst auch nicht immer gleich darauf anspringen, wenn dich dein Bruder mal wieder triezt. Du solltest gelassener bleiben!"
Schmollend sah Albus zu ihm. „Du hast gut reden, du bist ja auch ein Einzelkind!"
„Ich bin halt was ganz Besonderes!" Scorpius roch an seinen Händen und verzog angewidert sein Gesicht. „Na toll! Jetzt rieche ich nach Hund!"
Seine Hand schüttelnd ging er zum Spülbecken. Mit dem Fuß zog er einen umgedrehten Kessel zu sich und stieg darauf. Über die Spüle gebeugt betätigte er den Pumphebel und hielt seine Hände unter das fließende Wasser. Nachdem er missmutig an einem abgebrochenen Stück Kernseife gerochen hat, zuckte er mit den Schultern und wusch sich die Hände. Währenddessen wandte er sich an Albus.
„Wenn du ruhig bleibst und James ignorierst, wird er irgendwann die Lust daran verlieren dich zu ärgern."
Albus sah zu Hagrid, der sich mit einer Teekanne an den Tisch setzte und begann ihnen einzuschenken.
„Meinst du er hat Recht?"
„Kann schon sein." Der Große zuckte mit den Schultern.
Nachdem sich Scorpius die Seife abgespült hatte, schnupperte er wieder an seinen Händen. Doch er war noch nicht zufrieden und wusch sie erneut. Neugierig kam Schnapp zu ihm und legte seinen Kopf auf den Rand der Spüle um besser sehen zu können, was Scorpius gerade machte.
Mit hochgezogener Augenbraue warf ihm der Blonde einen Seitenblick zu und spritzte plötzlich etwas Wasser nach dem Hund. Der wiederum mit eingeklemmten Schwanz, grummelnd unterm Tisch verschwand und dann abwartend hervorspähte.
Als Scorpius grinsend wieder seine nasse Hand hob, zog es Schnapp lieber vor, winselnd unter dem Tisch Deckung zu suchen. Ein zaghaftes Wuff ertönte, aber ansonsten sah man nichts von dem Saurüden.
Voller Misstrauen beäugte Scorpius die Handtücher und Lappen, die bei der Spühle lagen. Am Ende entschloss er sich die Hände an seiner Robe zu trocknen. Er setzte sich zu Albus und nickte Hagrid dankend zu, der ihm eine gefüllte Teetasse zuschob.
Schnapp versuchte seinen Kopf auf den Schoß des Blonden zu legen, handelte sich aber einen leichten Hieb mit der flachen Hand, auf seine große Nase ein. Mit einem Schnauben setzte sich der Hund neben Scorpius. Doch der Junge ignorierte ihn und so legte er murrend den Kopf auf den Tisch und schaute bettelnd zu Scorpius hoch. Der starrte wiederum ungerührt zurück.
Unruhig rutschte Albus auf seinem Stuhl herum. „Du Hagrid, was wirst du uns am Freitag zeigen?"
Der Halbriese hob tadelnd seinen Zeigefinger, grinste aber dabei. Na, wer ist denn da so ungeduldig?! Du wirst dich schon etwas gedulden müssen!"
„Oooh!"
Hagrid wandte sich wieder an Scorpius und nickte zu Schnapp. „Er scheint dich wirklich zu mögen."
„Toll! Wenn er jetzt anfängt zu sabbern, flutet er den Tisch."
Der Bärtige lachte. „Sag mal Al, willst du Schnäbelchen besuchen?"
Mit großen Augen hob der Gryffindor den Kopf. „Wann?"
„Nu, ich denke am Sonntag ist gut. Zur Zeit ist Schnäbelchen etwas umtriebig. Es sieht so aus als ob es hier eine kleine Hippogreifdame in der Nähe gibt."
Er zwinkerte Albus zu, der einen Schluck Tee trank. „Hmmh! Lecker!"
Scorpius nahm sich einen Keks und schaute zu Hagrid. „Haben Sie Zucker?"
„Nö! Aber da iss irgendwo nochn kleiner Rest Honig."
Schnaufend stand er auf und begann in einem Küchenschrank herum zu wühlen. Albus schaute ihm kurz zu. Er bemerkte aus den Augenwinkel, wie Scorpius dabei war in den Keks zu beißen. Der Schwarzhaarige räusperte sich laut und als ihn die grauen Augen fragend ansahen, schüttelte er langsam den Kopf.
Scorpius betrachtete argwöhnisch das unförmige Stück Gebäck in seinen Fingern und schnupperte zögerlich daran. Dann schlug er damit zweimal auf den Tisch und seufzte. Als er an seiner Seite ein tiefes Brummen vernahm, hielt Scorpius dem Hund den Keks versuchsweise hin.
Ganz vorsichtig nahm Schnapp den Keks in sein Maul und begann freudig zu kauen. Unterdessen kam Hagrid mit einem kleinen Tontopf zurück. Er hielt ihn Scorpius hin, der mit einem Holzlöffel darin rumkratzte und schließlich die bernsteinfarbene, zähflüssige Masse in seine Tasse gleiten ließ.
Der Slytherin rührte ein wenig in seinem Tee und nippte vorsichtig an dem noch dampfenden Getränk. Scorpius seufzte erleichtert, wenigstens der Tee schmeckte gut. Mit einem sanften Stoß, lenkte Schnapp Scorpius Aufmerksamkeit wieder auf sich. Beide starrten sich an und als der Junge keine Anstallten machte sich zu bewegen, jaulte Schnapp ein wenig und stupste den Blonden erneut an.
Grinsend gab Scorpius Schnapp einen weiteren Keks, während Albus stumm vor sich hin grübelte. Dem Gryffindor schien etwas auf der Seele zu liegen, doch er wusste nicht wie er es ansprechen sollte.
„Du Hagrid?" Er spielte mit der großen Teetasse in seinen Händen, schließlich sah er den Halbriesen direkt an. „Mein Vater. Wie war er so, als er hier noch zur Schule ging?"
Hagrid nickte, er hatte sich schon gedacht, dass Albus mit dieser Frage auf ihn zukam. Um Zeit zu gewinnen, schnaubte er sich mit einem riesigen geblümten Tuch die Nase. Langsam begann er. „Dein Vater..., nun dein Vater is ´n feiner Mensch. Er war oft hier, auf ´n Tee und so. Zusammen mit Ron und Mione."
Albus und Scorpius hörten ihm interessiert zu, hatten sie doch die Gelegenheit, an Informationen aus erster Hand, über die Zeit ihrer Väter in Hogwarts zu gelangen. Beide bedauerten, dass ihre Väter selber kaum darüber sprachen.
„Weißt du Al, ich mochte am meisten seine Unvoreingenommenheit den anderen gegenüber. Harry hat die Leute nich nach ihrer Herkunft beurteilt, oder in Klassen eingeteilt, so wie andere."
Scorpius schnaubte, er begegnete dem Blick dem Hagrid ihm bei den letzten Worten zuwarf, mit seiner typischen, spöttisch gewölbten Braue.
„Hmpf! Der heilige Sankt Potter!"
„Ne, ne mein Lieber, versteh mich nicht falsch. Harry war kein Unschuldslamm, er hat schon über die Strenge geschlagen. Snape zum Beispiel, den hatte er bis zum Schluss immer falsch verdächtigt."
Traurig schaute er zu Albus. „Am Ende hat ´s ihm Leid getan. Da war ´s aber zu spät für."
„War Paps hier eigentlich glücklich?"
„Nuja, er war schon sehr glücklich hier, das hat er mir oft gesagt. Aber es gab auch Zeiten, da war er sehr unglücklich." Mit einem Blick auf Scorpius setzte er noch hinzu. „Was oft an deinem Dad lag!"
Der Blonde schluckte betreten. „Zuhause hat Vater nie ein böses Wort über Harry Potter verloren. Er hat nie viel über ihn gesprochen. Ich weiß nur, dass dein Vater meinem das Leben gerettet hat und dass sie sich in ihrer Schulzeit nicht vertragen hatten."
Hagrid schnaubte. „Draco Malfoy und Harry Potter waren sich spinnefeind. Ich weiß nich was genau passiert war, aber seit ihrem ersten Schuljahr hier in Hogwarts, hatte Draco Harry das Leben schwer gemacht und ihn gepiesackt wo er nur konnte."
Mit einem Brummen unterstrich Hagrid seine Aussage, als er aber sah, dass sich Scorpius dies sehr zu Herzen nahm und verlegen die Augen senkte, taten ihm seine barsche Worten leid.
„Na, na Junge, kein Grund die Ohren hängen zu lassen. Harry hatte es auch faustdick hinter den Ohren und hat sich nichts gefallen lassen."
Er schaute beide an. „So Schluss jetzt! Das waren andere Zeiten und dies sollte euch auch nicht belasten." Als Albus den Mund öffnete um zu widersprechen, schüttelte Hagrid bestimmt den Kopf. „Nein! Nichts mehr! Fragt eure Väter, ich sach dazu nichts mehr!"
Damit war das Thema vom Tisch. Später am Abend gingen Albus und Scorpius zurück zum Schloss. Beide waren sehr schweigsam und hingen ihren Gedanken nach. Als sie den Vorhof der Schule betraten, schaute Scorpius zu den dunklen Fenstern der Großen Halle.
„Hmm. Ich denke das Abendessen können wir abschreiben."
Albus nickte, er grübelte immer noch über seine Fragen nach und setzte sich auf einen Mauervorsprung.
„Dad hat nie viel über sein Verhältnis zu deinem Pa gesprochen. Nur Onkel Ron hat sich ab und zu abfällig geäußert, Dad meinte dann immer er solle die Klappe halten."
Seufzend setzte sich Scorpius neben ihn. „Lass gut sein, das werden wir heute sowieso nicht mehr klären." Er schaute zum Mond hoch. „Bist du eigentlich unglücklich hier Albus?"
Der Schwarzhaarige druckste etwas herum „Wieso fragst du?"
„Warum weichst du mir aus?"
„Ich weiche nicht aus!"
„Also?"
Albus sah zur Seite. „Es ist nicht so, dass ich hier unglücklich bin. Ich..., es ist halt alles anders als ich gedacht hatte."
„Naja, du bist nicht nach Slytherin gekommen!"
„Wie lange willst du mir das noch unter die Nase reiben?"
Abwehrend hob der Blonde die Hände. „Schon gut!"
„Wie kommst du eigentlich darauf dass ich unglücklich bin?"
„Als du vorhin Hagrid gefragt hast ob dein Vater hier glücklich war, da hörte es sich so an, als ob du es nicht bist."
Albus seufzte. „Vielleicht muss ich mich erst eingewöhnen. Alles wirkt so vertraut, wegen all den Erzählungen. Und doch..., es ist mir alles auch wieder so fremd, da ich noch nie hier war."
„Du hast Heimweh!"
„...!"
Scorpius stupste den Kleineren an. „Na los! Sag schon."
„Ich habe kein Heimweh!" Er seufzte. „Nicht wirklich. Es ist schon etwas ungewohnt weder Ma noch Dad um sich zu haben. Aber wenn sie mir zu arg fehlen, dann geh ich halt los und ärgere James!"
Schweigend saßen sie beieinander und betrachteten den Mond. Die Nacht war sternenklar und der nahende Herbst mit seiner ungemütlichen Triste schien noch weit. Für Albus war der heutige Tag sehr aufregend gewesen. Am meisten freute er sich über den Freund den er doch noch für sich gewinnen konnte. Auch wenn Scorpius ein wenig anstrengend in seiner Art war, Albus hätte ihn gegen niemanden sonst eingetauscht.
„Scorpius? Vermisst du deine Eltern auch?"
„Ein wenig."
Diese Antwort überraschte Albus. „Was heißt denn ein wenig? Du wirst sie erst wieder an Weihnachten sehen!"
„Das ist mir bekannt."
„Aber...?"
Mit einem Schnaufen verdrehte der Blonde seine Augen. „Albus, ich bin so erzogen! Stehe zu deinen Gefühlen, aber trage sie nicht nach außen!"
Er sah schon, in Albus Augen standen tausend Fragen und der Gryffindor sah nicht so aus, als ob er es auf sich beruhen lassen wollte. Energisch stand Scorpius auf.
„Schluss jetzt, ich will nicht darüber sprechen!"
Albus schien anderer Meinung. Er öffnete den Mund, doch Scorpius kam ihm zuvor. „Versuch es erst gar nicht! Wenn ich über meine Gefühle sprechen möchte werde ich es dir schon sagen."
Langsam strich er sich die Robe glatt. „Ich gehe jetzt! Ich habe noch an meine Eltern zu schreiben. Vielleicht solltest du das auch."
„Jaah, vielleicht sollte ich das auch tun."
Sie betraten die Eingangshalle und Scorpius drehte sich um. „Ich wünsch dir eine gute Nacht!"
Albus grinste. „Das wünsch ich dir auch." Schüchtern umarmte er den Größeren. „Morgen zusammen Frühstücken?"
Scorpius nickte. „Gern." Er schob Albus etwas von sich. „Sieben Uhr! Und sei pünktlich!"
Damit verschwand er im Kerkerzugang. Eine Weile sah ihm der Gryffindor nach. Dann zuckte er mit den Schultern und machte sich auf, die Treppen in den siebenten Stock zu erklimmen. Albus würde noch einen Brief schreiben. Eigentlich zwei, einen an die Familie und einen speziellen nur für seinen Vater.
Tbc...
