Späte Strafe

Der Oktober zeigte sich von seiner schönsten Seite. Golden strahlte die Sonne über die Giebel und Türme Hogwarts. In der angenehmen Wärme lungerten die Schüler nach Unterrichtsende draußen herum, nur allzu gern bereit keinen Gedanken an die nassen, kalten Novembertage zu verschwenden, die noch vor ihnen lagen. Auf dem Rasen im Innenhof, der im hinteren Teil des Schlosses lag und von dem aus, man die Gewächshäuser und die Unterrichtsräume für Verwandlung erreichen konnte, standen sich Albus Severus Potter und Scorpius Hyperion Malfoy gegenüber. Der Wind spielte mit den Haaren des Blonden, der gelangweilt, mit verschränkten Armen, an einem Brunnen lehnte und seinen Zauberstab zwischen Daumen und Zeigefinger baumeln ließ. Das einzige Geräusch kam von der eisernen Skulptur in der Brunnenmitte, sie zeigte die Planeten auf ihren elliptischen Bahnen, die sich quietschend im Wind drehten. Seufzend beobachtete Scorpius seinen Freund, der den Expelliarmus-Zauber im Geiste nochmals durchging und mit seinem Zauberstab die dazugehörigen Bewegungen ausführte.

„Bist du endlich soweit?"

„Ja-ja! OK, kann losgehen!"

Scorpius raffte etwas die weiten Ärmel seiner Robe und grinste. Sie brachten sich in Positur und erinnerten ein wenig an Degenfechter des Siebzehnten Jahrhunderts. Der Gryffindor schob seine Zunge zwischen die Lippen, zählte stumm bis drei und öffnete den Mund.

„EXPELLIARMUS!"

Doch nicht Albus hatte gebrüllt, sondern Scorpius. Mit elegantem Schwung hieb er seinen Zauberstab nach unten und stieß ihn in einer spiralförmigen Bewegung nach vorn. Völlig überrumpelt sah Albus seinem Zauberstab hinterher, der in einem großen Bogen zur Seite flog. Verärgert schüttelte Scorpius den Kopf.

„Verflucht! Ich bekomme dass mit der Richtung einfach nicht hin. Der soll zu mir geschleudert werden und nicht quer durch die Landschaft!"

„He, Ich war dran! Wieso kannst du nicht warten?"

„Weil ich längst ein alter Mann wäre, bis du mal in die Puschen kommst."

„Ha-ha!"

Verärgert hob Albus seinen Stab auf, wirbelte plötzlich herum und brüllte „EXPELLIARMUS!"

„PROTEGO!"

Geschickt parierte Scorpius den Fluch, merkte aber, wie sein Zauberstab in der Hand ruckte. Um ein Haar hätte der Gryffindor Erfolg gehabt. Der schaute seinen Widersacher enttäuscht an.

„Hast du was bemerkt?"

„Nein, kein Stück!"

Wütend warf Albus seinen Zauberstab ins Gras und setzte sich schmollend auf eine Bank. „Ich bin eine Niete!" Er zog seine Knie an, verschränkte seine Arme und verbarg sein Gesicht in der Armbeuge, damit Scorpius seine Tränen nicht bemerken konnte.

Vor zwei Wochen hatte Professor Stibbens angefangen, den ersten Jahrgang praktisch in Stupor, Expelliarmus und Protego zu unterrichten. Albus hatte eigentlich gehofft, gerade den Expelliarmus-Spruch besonderst gut zu beherrschen. Schließlich hatte sein Vater in so gut gekonnt, dass er zu seinem Markenzeichen wurde. Leider klappte dies nicht so, wie es sich der Gryffindor wünschte. Aus diesem Grund traf ihn seine Enttäuschung doppelt so schwer.

Scorpius bereute es, seinen Freund angeschwindelt zu haben. Er wollte sich halt keine Schwäche eingestehen. Zögernd hob er den Zauberstab auf und näherte sich Albus.

„Man wirft seinen Zauberstab nicht einfach weg!"

„Lass mich in Ruhe!"

Hart legte sich Scorpius Hand auf die schmalen Schultern des Kleineren. „Ich habe gelogen! Du hast es fast geschafft mich zu entwaffnen."

Außer einem Schniefen zeigte Albus keine Reaktion. Der Slytherin rüttelte ihn sanft, aber der andere wollte schmollen.

„Das sagst du nur so!", kam es dumpf von Albus.

„Nein ehrlich. Ich musste meinen Griff verstärken, sonst wäre er mir entglitten."

„Du bist blöd!"

Ein Lächeln umspielte die Lippen des Blonden. Rittlings setzte er sich zu Albus, umarmte ihn und zog den Schwarzhaarigen an sich.

„Komm schon, sei mir wieder gut. Du weißt doch, wie ich es liebe dich zu triezen."

Brummelnd versuchte sich Albus zu befreien, aber der Slytherin hielt ihn weiterhin fest.

„Lass los!"

„Ich denke nicht daran!"

Nach mehreren, erfolglosen Versuchen dem Griff des Blonden zu entkommen, resignierte Albus letztendlich und ließ sich hängen.

„Das ist unfair, du bist größer!"

„Ich bin ja auch älter!"

Albus hob erstaunt seinen Kopf. „Wie du bist älter? Du bist doch auch erst elf!"

Scorpius grinste. „Schon, ich werde aber im November zwölf und damit bin ich gut ein halbes Jahr älter als du!"

„Woher kennst du meinen Geburtstag?"

„Ich habe Rose gefragt."

Plötzlich erhellte sich Albus' Gesicht. „He, dann besteht ja noch die Chance dich beim Wachsen einzuholen!" Er nickte und schien auf einen Schlag sehr zufrieden. „Wann feiern wir?"

Ein wenig überrumpelt stierte ihn Scorpius an. „Was feiern?"

„Deinen Geburtstag natürlich!"

„Ich feiere nicht!"

„Was?"

Scorpius ärgerte sich über sich selbst. Da hatte er den Salat, was plapperte er auch einfach darauf los. An seinem Geburtstag gab es zwar immer Geschenke und etwas Besonderes zu Essen, doch eine richtige Party hatte er nie, da er keine Freunde hatte, die er hätte einladen können. Nur seine Eltern und seine Großeltern feierten mit ihm zusammen. Abschätzig kräuselte Scorpius die Lippen, er hätte es sich ja denken können, dass Albus sofort darauf ansprang.

„Erzähl keinen Scheiß, natürlich machen wir eine Party!"

„Könnten wir das später klären?"

„OK, glaub aber bloß nicht, dass ich das vergesse!"

„Käme mir nie in den Sinn."

Albus lehnte sein Kinn auf Scorpius' Schulter. „Bekomme ich meinen Stab wieder?"

„Wollen wir weiter trainieren?"

„Hm, Jep!"

Sie standen auf und Scorpius betrachtete sich den fremden Zauberstab näher. „Das ist Kirsche, nicht wahr?"

Albus nickte. „Ja! Kirschbaum mit einem geflochtenen Kern aus Einhornhaar und Stechpalme. Darf ich deinen sehen?"

Stolz zeigte Scorpius den dunklen Stab mit Intarsien im Griff. Das polierte Holz funkelte und hatte eine feine Maserung.

„Was für ein Holz ist das?"

„Holunder! Die Verzierungen sind aus Eibe und der Kern besteht aus Drachenherzfasern."

„Er liegt toll in der Hand. Na, dann lass es uns noch einmal versuchen."

Diesmal konzentrierte sich Albus verbissen. Er parierte Scorpius' Angriffe und während sie sich abwechselnd angriffen und verteidigten, bewegten sie sich langsam kreisförmig um den Brunnen. Von oben betrachtet, wirkten sie wie zwei Tänzer. Albus gelang es dann doch noch, Scorpius zu entwaffnen. Jubelnd führte er ein kleines Tänzchen auf. Seine Freude brachte den Blonden zum lachen. Albus war in seiner Art einfach zu knuffig. Über Nichtigkeiten konnte er sich immens aufregen, oder er schmollte. Aber Albus konnte sich auch überschwänglich über Dinge freuen und seine Herzlichkeit tat einem gut. Scorpius legte ihm den Arm um die Schultern.

„Gratuliere! Wie wäre es mit Essen?"

„Sag mir lieber, was du dir zum Geburtstag wünschst?"

Das wäre auch zu einfach gewesen, wenn der Gryffindor das vergessen hätte. Scorpius seufzte.

„Wenn du mir eine Freude machen möchtest, vergiss das Ganze!"

„Keine Chance! Wie hast du denn früher gefeiert?"

Scorpius ließ ihn los und wandte sich ab. „Gar nicht!"

„Ja, aber...?"

„Schluss jetzt! Ich will nicht darüber reden!"

„Merlin, jetzt lass dir nicht immer alles aus der Nase ziehen!"

„Kommst du nun mit Abendessen?"

Doch so leicht ließ sich Albus nicht abwimmeln. Während sie zur Großen Halle gingen, quengelte er die ganze Zeit herum und trieb Scorpius damit fast in den Wahnsinn. Als sie am Eingangsportal ankamen, stellte sich ihnen jemand in den Weg. Die Hände in die Hüften gestemmt, schaute Professor Briddles mit strengem Blick auf sie hinab.

„Was haben sie beide heute noch vor?"

Verdutzt schauten sich die beiden Schüler an und Scorpius zuckte mit den Schultern. „Was es auch sei, ich denke unsere Pläne werden sich ändern."

Die Lehrerin nickte. „Sehr scharfsinnig, Mister Malfoy. Na schön, sie beide essen jetzt und melden sich im Anschluss bei mir im Lehrerzimmer!"

Damit rauschte sie ab, während ihr die lilafarbene Robe um die Beine schlenkerte. Albus schaute ihr nach.

„Was sollte das denn?"

„Ich schätze unser kleines Wettfliegen im letzten Monat ist aufgeflogen."

„Oh man!"

Die Stunde der Bestrafung kam schneller, als es Albus lieb war. Nach dem Abendessen, das die Beiden kaum anrührten, gingen sie zum Lehrerzimmer, um sich ihre Standpauke abzuholen. Lydia Briddles hielt ihnen eine gehörige Strafpredigt und als ob das nicht schon genug wäre, kam auch noch Neville Longbottom hinzu. Als Albus' Hauslehrer zeigte er sich sehr enttäuscht, übertrieb aber nicht ganz so, wie seine Kollegin aus Slytherin. Zu allem Überfluss machten sich die beiden Wasserspeier, die vor dem Lehrerzimmer wachten, mit rüden Bemerkungen über sie lustig.

Nun saß Albus hier auf seinem Bett und schlug die Zeit tot. Er sollte sich zusammen mit Scorpius und Filch um Halbacht vor der Großen Halle treffen. Er hatte sich umgezogen und unterhielt sich mit Yusaku und Cole. Sie lästerten über Cyrrell Farnsworth, einem unangenehmen Mitschüler aus Hufflepuff.

„... und erst seine Stimme." Albus schüttelte den Kopf. „Nicht einmal Scoop hat solch einen hochnäsig, näselnden Tonfall."

„Meredith, sie ist aus Ravenclaw, wir haben uns in der Bibliothek kennen gelernt... WAS?" Cole schielte genervt auf die anderen beiden, die mit ihren Wimpern klimperten und knutschende Geräusche von sich gaben.

„OOOOH! Hast du gehört, Al? Sie heißt Meredith!"

„Idioten!"

„Mmmh! Und er hat sie in der Bibliothek aufgegabelt!"

„Wollt ihr Nasen das jetzt hören oder nicht?"

„OK, schieß los!"

„Also, Meredith..." Der pummelige Junge sah seine Freunde warnend an. „Sie hat gesagt, mit seinem Geplapper im Zaubertrankunterricht, ging Cyrrel sogar Briddles auf die Nerven. Inzwischen hat sie einen neuen Tick entwickelt. Nun knackt sie nicht nur mit ihren Knöchel, jetzt zuckt auch noch ihr linkes Auge unkontrolliert, wenn er sich wieder ungefragt meldet um einen seiner Verbesserungsvorschläge zu machen."

Albus nickte. „Jep! Letzte Woche hat er Onkel Neville genervt. Er will unbedingt eine Kräuterkunde-Hobby-AG gründen."

„Was ist daran so ungewöhnlich?"

„Nun ja, es wollte keiner mitmachen und Farnsi war der Meinung, es gehöre zu Onkel Nevilles Aufgaben als Lehrer, die Schüler dazu Zwangs zu verpflichten."

Plötzlich fing Cole an zu kichern. „Oh, oh! Wisst ihr noch? Unsere erste Flugstunde?"

„Oh ja!" Yusaku tat so, als wolle er sich auf einen Besen setzen. Er presste die Lippen zusammen, bis er dem Hufflepuff ähnelte und äffte ihn theatralisch nach. ‚Ich habe schon mit fünf Jahren auf einem Besen gesessen!' Und dann ist er mitsamt dem Besen auf seinen Hintern geplumpst."

„Man, Madam Hooch war vielleicht sauer! Er hat den Stiel glatt durchgebrochen."

Traurig warf Albus einen Blick auf seinen Wecker und seufzte. Yusaku schaute ihn an.

„Musst du los?"

„Jaah!"

„Merlin, Strafarbeit unter der Aufsicht von Filch, da wüsste ich ehrlich was Besseres."

Albus schlüpfte in seine Turnschuhe und stiefelte zur Tür. „Also bis später."

Seine Zimmergenossen winkten ihm mit bedauernden Mienen zu, als er den Schlafraum verließ. Vor der Großen Halle traf er auf Scorpius, der in Jeans und Sweatshirt so völlig ungewohnt aussah.

„He, ich muss glatt zweimal hinsehen, so kenn ich dich ja gar nicht!"

Der Blonde hob leicht seine Arme und drehte sich einmal. „Was meinst du, leger genug?"

„Äh?"

„Was?"

Der Gryffindor hob fragend eine Augenbraue. „Ist das ein Shirt aus der neusten Gilderoy Lockhard Teenage Collektion?"

„Klar! Die Jeans auch. Warum, findest du es nicht kleidsam?"

Statt einer Antwort rollte Albus mit seinen Augen und schüttelte den Kopf. Sie setzten sich auf einen Sockel und vertrieben sich die Zeit mit Schockofrosch-Sammelkarten. Den guten Filch konnte man schon von weitem hören. Hustend und schniefend schlurfte er durch die Eingangshalle und machte ein Gesicht, als hätte er gerade eine ganze Flasche Lebertran getrunken. Mrs. Norris, seine Katze strich ihm um die Beine, behielt die beiden Schüler genau im Auge.

„Ich sollte euch an euren Daumen aufhängen, aber ich darf es nicht." Er stieß ein paar Laute des Missfallens aus und grummelte weiter. „Als Snape noch Schulleiter war, das waren noch Zeiten! Da wurde noch gezüchtigt. Ha, all ihre ängstlichen, kleinen Gesichter, hähähä, verfluchte Blagen!"

Mit einem unwirschen Nicken deutete er den beiden an, ihm zu folgen. Sie durchquerten die Große Halle bis zum Kopfende, an dem die lange Tafel stand, an der die Lehrer speisten. Auf der rechten Seite befanden sich die gewaltigen Glaszylinder, in denen die Hauspunkte gezählt wurden. Mit einem leisen Klackern, rieselten die verschiedenen, farbigen Edelsteine auf den Boden des Gefäßes. Gelbe Zitrine zeigten den Punktestand Hufflepuffs an. Blaue Saphire den Rawenclaws, blutrote Rubine standen für Gryffindor und dunkelgrüne Smaragde zeugten von den Erfolgen der Slytherin. Erschrocken stellte Scorpius fest, dass ein kleiner Teil der Smaragde fehlten, die sich heute Morgen noch in ihrem Zylinder befanden. Es nagte ein wenig an ihm, da es allein seine Schuld war, dass sein Haus heute Punkte verlor. Mit hängenden Schultern folgte er Filch, der auf der linken Seite durch eine Tür trat. Sie stiegen eine große Treppe hinab, die zum antiken Pokalgewölbe führte. Ein furchtbar düsteres Gewölbe, angefüllt mit Sockel und Vitrinen, die Hunderten von Auszeichnungen und Pokale, verschiedenster Größe und Form als Heimstatt dienten. Dieser Raum hatte so gar nichts mit dem Pokalzimmer im dritten Stock gemeinsam, in dem die größten Auszeichnungen der Schüler und der Schule aufbewahrt wurden, die der Stolz Hogwarts waren. Dort stand auch der berühmte Trimagische Pokal, den Harry Potter und Cedric Diggory zusammen errungen hatten. Doch hier unten wurden die antiken Preise aufbewahrt. Darunter vieles, das man eigentlich nicht so gerne präsentierte. Eines dieser kuriosen Prachtstücke war ein goldener Teller, den Nils der Träge vom dänischen König im frühen Mittelalter verliehen bekommen hatte. Nils hatte einen Wettstreit gewonnen, oder besser gesagt überlebt, bei dem die Wettkämpfer dem berüchtigten Drachen Ralsgül dem Genervten, ins Auge spucken mussten. Nun ja, Nils war der Einzige, der wieder zurückkam.

Der Raum war nicht nur düster, sondern auch sehr verschmutzt. Dicke Staubschichten und klebrige Spinnweben wohin man auch sah. Albus kicherte leise in sich hinein, als er bemerkte, wie sehr sich Scorpius vor dem Dreck ekelte. Dem Blonden lief eine Gänsehaut über den Nacken, während er auf Zehenspitzen umher schlich, sehr darauf bedacht, mit nichts in Berührung zu kommen. Im Zentrum des Chaos stand ein junger Mann und grinste ihnen entgegen. Er bot schon einen ungewöhnlichen Anblick, wie er da stand, mit sandfarbenen, struppigen Haaren, die kaum von dem spitz zulaufenden Hut gebändigt wurden. Der hellblaue Hut mit Krempe schien ein paar Nummern zu groß und wurde nur von den gewaltigen Segelohren des Mannes gehalten. Diese herrlichen, abstehenden Ohren, ein Paar blauer Augen und Sommersprossen verliehen ihm ein gutmütiges Aussehen. Er trug einen schwarzen Marinepullover, Knieggerbocker und Gummistiefel, darüber eine blassblaue Robe aus derbem Jerseystoff, die wohl das Zauberer-Pendant eines Blaumanns darstellte. Kurz winkte er ihnen zu und sah dann Filch abwartend an. Der Hausmeister saugte mit einem widerlich, schmatzenden Geräusch an seinen Zähnen und warf den beiden Jungs einen ungehaltenen Blick zu.

„Das!" Sein Daumen wies auf den jungen Mann. „Ist mein Gehilfe Adalbert. Er wird euch beaufsichtigen, während ich meine Runde gehe." Er wurde von einem Hustenanfall geschüttelt und kratzte sich am Hintern. „Ihr werdet hier alles sauber machen..."

Während der Hausmeister erklärte, was Albus und Scorpius alles zu tun hatten, wurden ihre Gesichter immer länger. Nicht nur Staubwischen und Putzen gehörte dazu, sondern auch noch die Pokale polieren, die Scheiben der Vitrinen wischen und beschädigte Schränke reparieren. Selbstverständlich durften sie ihre Zauberstäbe nur benutzen um beschädigte Möbel mittels Reparo-Zauber wieder zusammen zu flicken.

„Aber... den beherrschen wir doch noch gar nicht!"

Scorpius blaffte ihn verärgert an und Filch machte daraufhin ein Gesicht, als ob er einen Schlaganfall bekommen hätte. Der Hausmeister gab dem Slytherin eine Kopfnuss und Mrs. Norris fauchte den armen Tropf wütend an.

„Dafür ist ja auch Adalbert da, dummes Balg! An den Daumen sollte man die ganze Brut aufhängen!"

Er hatte erneut einen Hustenanfall und brauchte eine Weile bis er wieder zu Atem kam. „Argh, verfluchter Dumbledore, verfluchte McGonagall! ‚Nein Filch, sie dürfen die Schüler nicht aufhängen!' Bäh, Snape wusste wenigstens wie man sich Respekt verschafft!" Seine Augen leuchteten plötzlich auf. „Jaah, und Umbrige, die war ne Wucht!"

Filch spuckte einen braunen, schleimigen Klumpen in einen am Boden liegenden Pokal, es ertönte so etwas wie ein Blink und der alte Mann grinste unverhohlen gehässig, in die empörten Gesichter der Jungs.

„Hehehe! Und schön blank wienern, meine beiden Goldschätze!"

Mit einem rasselnden Lachen schlurfte er zur Tür und stieg dann summend die Treppe zur Großen Halle hinauf.

„Scheiße, das dauert ja ewig, bis wir damit fertig sind!" Albus kratzte sich am Hinterkopf und schaute hilflos zu Scorpius, der sich an Adalbert wandte.

„Guter Mann, was musste eigentlich Parkinson machen, als er Strafarbeit ableisten musste?"

„Nun, der hatte die Bibliothek durchzuwischen und die Gewächshäuser zu reinigen. Doch er hatte sich über Filch beschwert und musste leider feststellen, dass für besonders hartnäckige Fälle, Filch immer einen völlig verdreckten Kellerraum im Petto hat, den der arme Tropf dann putzen darf."

Der Blonde schnaubte und klatschte in die Hände. „Na, dann wollen wir mal!"

Eine Stunde lang versuchten die beiden Jungs dem Staub Herr zu werden, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Dauernd musste Albus niesen, da ihn der Staub in der Nase kitzelte und er brummte vor sich hin.

„Adalbert!"

Eine Stimme erklang plötzlich und Filchs Gehilfe blickte zu einem Gemälde neben der großen Vitrine. Eine Hexe in historischer Quidditch-Kleidung winkte ihm zu sich und flüsterte dem jungen Mann etwas ins Ohr. Argwöhnisch näherte sich Scorpius Albus und knuffte ihn in die Seite.

„Was hältst du davon?"

„Keine Ahnung."

Adalbert nickte der Hexe zu und kam herüber. „Wir haben Glück! Filch hat sich vor dem Lehrraum für Mugglekunde auf die Lauer gelegt und ist eingeschlafen. Ich würde sagen, wir machen eine Pause."

Er rieb sich die Hände und ließ mit einem Schlenker seines Zauberstabes einen Tisch erscheinen. Ein weiterer Schlenker und mit einem dumpfen Plopp erschien eine Platte mit mehreren Sandwichs, danach ein Krug mit Kürbissaft und drei Humpen. Freudig schnappte sich Albus ein Gurkensandwich und füllte sich einen Humpen mit Saft. Er setzte sich zu Adalbert und biss herzhaft in seinen Snack. Filchs Gehilfe schaute ihn an.

„Und, schmeckts?"

Der Gryffindor schloss die Augen und nickte mit vollen Backen. Adalbert freute sich, er bemerkte dass sich Scorpius nur Kürbissaft genommen hatte und sprach ihn an.

„Hast du denn keinen Hunger?"

„Wir hatten doch erst Abendessen gehabt!"

„Uhm, wenn ich mir Albus hier so anschaue..."

Scorpius rollte schnaubend mit den Augen und sah missbilligend zu seinem Freund. „Pah! Der ist immer am Essen!"

„Gar nipft wahr!"

„Schluck gefälligst runter, wenn du schon deinen Senf mit dazu geben musst!"

Mürrisch schluckte Albus und spülte mit einem kräftigen Schluck Kürbissaft nach.

„Und? Besser so?"

„Allerdings!"

Wie ein Schelm grinste Albus den Blonden an und Scorpius hatte Mühe seine so sorgsam gewahrte Maske aus Gleichgültigkeit und Arroganz aufrecht zu erhalten. Es machte ihm sehr viel Spaß mit dem Gryffindor zu streiten und ihn zu necken. Doch er musste aufpassen, dass er nicht zu weit ging und Albus ungewollt verletzte. Er erwiderte das Grinsen und blinzelte dem Schwarzhaarigen zu. Der nahm sich ein weiteres Sandwich und sah Adalbert fragend an.

„In welchem Haus warst du, als du noch Schüler hier warst?"

„Hufflepuff! Ich hab vor drei Jahren meinen Abschluss gemacht und mich dann um den Posten als Filchs Gehilfe beworben."

Albus nickte nachdenklich. „Macht die Arbeit als Hausmeistergehilfe eigentlich Spaß?"

„Oh ja! Hogwarts ist cool! Filch will sich in absehbarer Zeit zur Ruhe setzen und ich werde seinen Posten übernehmen."

Die grünen Augen des Gryffindor begannen zu funkeln. „Toll, All die Geheimnisse Hogwarts, die verborgenen Orte, die Geheimgänge. Man, ich glaub schon, dass der Job erste Sahne ist!"

Bei Scorpius schrillten plötzlich die Alarmglocken. Skeptisch wölbte er eine Augenbraue und warf Albus einen abfälligen Blick zu. Das fehlte noch, dass sein bester, zu alledem auch einziger Freund, plötzlich anfing an einem Job als Hilfsarbeiter Gefallen zu finden. Bei dem Gryffindor wusste man ja nie, was er als nächstes ausbrüten würde. Da war es höchste Zeit, dass er einschritt.

„Was bringt einen jungen Magier dazu, der gerade mal erst die Schule verlassen hat, sein Talent zu verschwenden und solch einen anspruchslosen Job anzustreben?"

Ein wenig überrumpelt starrte ihn Adalbert an, so richtig hatte er nie darüber nachgedacht.

„Nun... Faulheit!" Der junge Mann grinste über das ganze Gesicht, als hielt er den Stein der Weisen in der Hand. „Meine grenzenlose Faulheit und jedweder Mangel an Ergeiz!"

Scorpius verschluckte sich. Ihm fiel die Kinnlade nach unten, wenn er nicht schon gesessen hätte, wäre der Blonde glatt nach hinten über gekippt.

„Weißt du, ich war nie der Hellste und was die Magie angeht, beherrsche ich das nötigste für den Alltag. Das reicht!" Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Mir war meine Bequemlichkeit immer am wichtigsten. Willst du noch mehr über mich wissen?"

Scorpius schüttelte schnell den Kopf.

Nachdem sie sich gestärkt hatten wollten sich Albus und Scorpius wieder ans Arbeiten machen, doch Adalbert hielt sie zurück.

„Wartet, benutzt ruhig eure Zauberstäbe, Filch ist eh nicht da."

Er zog seinen eigenen Stab und zeigte Scorpius wie er Staub und Spinnweben verschwinden lassen konnte. Albus hingegen erlernte einen nützlichen Zauber, der Glas zum Strahlen brachte. Adalbert, war nicht der Typ, der anderen bei der Arbeit zusah, Faulheit hin oder her, schließlich war er ein ehemaliger Hufflepuff. Mit einem Stups seines Zauberstabes brachte er den Wischmopp zum Tanzen. Sie verneigten sich voreinander und Wischmopp und Zauberer tanzten durch die Reihen, während gleichzeitig der Boden geputzt wurde. Albus hatte einen Heidenspaß dabei und scherzeshalber ließ er einen Staubwedel schweben und staubte Scorpius Rücken damit ab, auch auf die Gefahr hin, sich einen bösen Blick einzuhandeln.

„Hey, das macht doch Spaß, oder?"

Der Blonde schaute ihn trocken an und verzog abschätzig den Mund. „Jaah, furchtbar viel Spaß. Was glaubst du eigentlich, wozu es Hauselfen gibt?"

„Jedenfalls nicht nur um zu putzen!"

„Ach? Dann mal los, geh hin und frag einen, ob er sich noch etwas anderes wünscht, außer jemandem den Haushalt zu führen!"

„Meine Tante hat dafür gesorgt, dass die Hauselfen von Hogwarts für ihre Arbeit entlohnt werden!"

„Warum überrascht mich das wohl nicht?!"

Albus stand kurz vorm platzen. „ouuuuh! Du bist so ein... grmpf!" Der Rest ging in einem Quietschen unter, da Albus sich auf die Zunge biss um nicht noch etwas Falsches zu sagen. Es war zum Haare raufen mit dem Kerl, aber Scorpius war eben Scorpius, da musste er nun mal durch.

„Äh, hallo?"

Überrascht drehten sich beide um. In einem kleinen Gemälde drängten sich zwei Personen. Ein ziemlich verschlafener, doch darum nicht weniger empörter Bowman Whrigt, der nicht nur ein begnadeter Metallmagier und Quidditch-Fan war, sondern auch den Goldenen Schnatz erfunden hatte und die junge Hexe im Schäferinnenkostüm, die normaler Weise in einem der hinteren Treppenhäuser hing. Bowman Whrigt blickte etwas betreten, mit knallrotem Gesicht zur Seite. Es gab kaum Platz in seinem Portrait und das letzte Mal, dass er mit einer Frau so dicht beieinander war, lag nun auch schon einige Jahrhunderte zurück und endete im Nachhinein betrachtet, nicht gerade sehr erfreulich. Kurzerhand quetschte ihn die Hexe an die Seite und winkte Adalbert zu sich.

„Froilein! So gehet dies aber mitnichten!"

Sie zischte ihn an und Bowman hielt entrüstet seinen Mund.

Adalbert kam angelaufen und grinste sie an. „Ah, Nelly! Wie geht's?"

„Sie schaute sich kurz um. „Gut, gut! Aber ich muss dich warnen, Filch ist auf dem Weg hierher! Du solltest aufpassen!"

„Ja, richtig! Herzlichen Dank Nell!"

Er warf ihr einen Handkuss zu, der sie zum kichern brachte und wandte sich an die beiden Jungmagier.

„So, jetzt müsst ihr leider wieder per Hand putzen."

Sie gaben ihm ihre Zauberstäbe und fingen an wieder mit Besen und Feudel zu hantieren, bemüht ein möglichst genervtes Gesicht zu machen. Schwupps, da flog auch schon die Tür auf und herein kam Mrs. Norris, alle fest im Blick ihrer stechenden, braungelben Augen. Einen Moment später erschien Argus Filch und schaute sich argwöhnisch um.

„Wie isses Bertie, alles in Ordnung?"

Adalbert nahm grinsend Haltung an und schlug die Hacken zusammen. „Jep, Mister Filch, Sir! Alles Bestens!"

„Die waren auch brav?"

„Jaah! Waren fleißig mit Mob und Feudel bei der Sache."

„Ihre Stäbe?"

„Habe ich sicherheitshalber eingesammelt."

Der junge Mann hob die beiden Zauberstäbe in die Höhe und wedelte damit herum. Entsetzt hob Filch seine Arme. „Mensch Junge, wedel bloß nich' damit rum. Sonst legste noch alles in Schutt und Asche!"

Brummend watschelte der alte Hausmeister durch die Reihen der glänzenden Vitrinen und nickte zufrieden.

„Donnerlüttchen, da haben wir ja zwei Naturtalente entdeckt!" Er klopfte Scorpius auf den Rücken, der ihn empört anstarrte. „Kannst ruhig öfters Mist bauen. Es gibt noch ne Menge zu wienern im dem, Schuppen!"

Wieder brach er in dieses arhythmische Röcheln aus, das seine Art war zu lachen. Er zog die Nase hoch, spuckte in sein fleckiges Taschentuch und zuckte mit den Schultern.

„Fein, fein! Dann macht mal Schluss für heute!"

Nach dem Sie sich bei Adalbert ihre Zauberstäbe abgeholt hatten, liefen die beiden Jungen so schnell, wie möglich aus dem Raum. Argus Filch hob liebevoll seine Katze auf den Arm und nickte seinem Gehilfen zu. Alle verließen das Pokalzimmer. Sobald niemand mehr da war, verlöschten die Laternen. In seinem, nun wieder leeren Rahmen, klopfte Bowman Whrigt pikiert seine Robe aus.

„Endlich herrschet hier wieder Stille!"

Er schüttelte drohend die Faust, in die Richtung, in der Nelly verschwunden war. Zufrieden blähte er seine Nasenflügel und legte sich zur Ruhe. Eine Weile später wurde die Dunkelheit durch ein gleichmäßiges Schnarchen durchdrungen.

Tbc...