Schneegestöber

Später am Abend stand Scorpius an dem großen, glaslosen Fenster in der Eulerei. Seine Eule hatte er schon vor einer Weile aus den Augen verloren, als sie in der Dunkelheit verschwand. Auf die Reaktion seines Vaters war er sehr gespannt. Ein Grinsen legte sich auf seine Lippen, Albus Potter hatte einen sonderbaren Einfluss auf ihn. Die Art und Weise in der sich Scorpius ihm öffnete, überraschte den Slytherin. Es kam ihm seltsam vor, dem anderen zu vertrauen. Doch Scorpius fühlte, nein, er wusste, dass er sich darauf verlassen konnte, dass Albus nichts von dem, über das sie heute Abend gesprochen hatten, einem Dritten weitersagen würde. Auf dem Weg nach draußen entdeckte er Trudy. Sie begrüßte den Slytherin mit einem Fiepen und zwackte ihm liebevoll in den Finger, als er sie streichelte.

„Hallo, meine Schöne. Na, wie geht es dir? Dein Herrchen kommt auch gleich noch vorbei. Er hat einen Brief an seinen Vater."

Er fischte einen Eulenkeks aus seiner Tasche, der von der Schneeeule freudig genommen wurde. Plötzlich wirbelte Scorpius herum, ein Geräusch hatte ihn aufgeschreckt. Langsam suchten seine Augen in dem spärlichen Licht des Mondes nach dessen Ursache, während er seinen Zauberstab hob.

„Lumos!"

Von der Spitze seines Zauberstabes schoss ein Lichtstrahl durch den Raum. Einige Eulen ließen ärgerliche Laute ertönen oder flogen empört auf, in die Finsternis des Dachstuhls. Doch außer Eulen, Dreck und herabschwebende Federn, gab es nichts zusehen. Eine Maus, die in trügerischer Hoffnung auf Futter alle Vorsicht in den Wind geschlagen und sich in den Eulenturm verirrt hatte, wurde durch das Licht aufgeschreckt und versuchte durch einen beherzten Sprung aus dem Lichtkegel, ihr Leben zu retten. Doch ein kümmerliches Quietschen in der Dunkelheit zeigte, dass es vergebens war. Triumphierend blitzten zwei bernsteinfarbene Augen auf, als sich der Räuber mitsamt seiner Beute in die Luft erhob.

„Nox!"

Mit einem Schlenker, brachte Scorpius seinen Stab zum erlöschen und schallt sich einen Narren. Die Kälte fuhr ihm in die Glieder und brummend machte er sich auf den Weg nach draußen. Er verließ den Turm und schritt die Treppen hinab. Noch nicht ganz unten angekommen, wurde er an den Beinen gepackt. Verzweifelt ruderte der Blonde mit den Armen, doch er konnte nicht verhindern seitwärts von der Treppe zu stürzen. Unsanft schlug sein Körper auf dem Boden auf. Wie Feuer schoss der Schmerz durch seinen Leib und nahm ihm fast das Bewusstsein. Hektisch tastete Scorpius nach seinem Zauberstab, der ihm entglitten war, doch er fand ihn nicht. Dunkle Gestalten packten ihn, zerrten ihn auf die Beine. Eine unbändige Wut stieg in Scorpius auf, er trat und schlug um sich. Als jemand versuchte ihm den Mund zu zuhalten, biss er in die fleischige Hand, die ihn ums Gesicht gepackt hielt.

„Argh! Verdammte Scheiße!"

Eine Gestalt versuchte nach hinten wegzulaufen, stolperte aber über einen Stein. Scorpius gelang es einen Arm frei zu bekommen. Vor ihm tauchte ein bleiches Gesicht auf und er schlug danach.

„STUPOR!"

Der Fluch traf ihn und den Jungen, der ihn gepackt hielt. Beide wurden in die Luft gerissen und gegen die Wand des Eulenturms geschleudert. Der Geschmack von Blut, der ihn an Kupfer erinnerte, war das erste, was Scorpius wahrnahm, als er langsam wieder zu sich kam. Irgendwas, besser gesagt irgendwer lag unter ihm und rührte sich nicht. Vorsichtig versuchte der Slytherin seine Augen zu öffnen und stöhnte vor Schmerzen laut auf. Seine Arme wurden ihm auf den Rücken gedreht und mit einem brutalen Ruck, wurde er auf die Beine gerissen. Sein Kopf fühlte sich taub an, als sei er in Watte gepackt, Blut klebte ihm im Gesicht und er konnte sein linkes Auge nicht öffnen.

„Sieh mal an, wen wir hier gefunden haben."

Jemand packte ihm in die Haare und zerrte seinen Kopf zurück, so dass Scorpius gezwungen war seinen Peiniger anzusehen. Das schiefe Grinsen von Dennis Parkinson strahlte ihm entgegen.

„Tja, ich schätze du hast dir deinen Abend etwas anders vorgestellt, nicht wahr, Malfoy?"

Als er keine Antwort bekam, zerrte Parkinson erneut Scorpius' Kopf zurück. Seine dunklen Augen erfreuten sich an dem Anblick, den der Blonde bot. Blut zog eine klebrige, rostrote Spur von der geplatzten Augenbraue bis zum Kinn. Das linke Auge war angeschwollen und Scorpius feines Gesicht mit Schrammen und Kratzern übersät.

„Malfoy, du siehst echt scheiße aus!"

Er sah, dass der Blonde etwas sagen wollte und neigte sich ein wenig nach vorn. Scorpius' Lippe war aufgeplatzt und schmerzte höllisch. Ganz leise zischte er.

„Geh mir gefälligst nicht an meine Haare, du Arsch!"

Dennis riss seine Augen auf und ließ Scorpius' Haarschopf los. Dies hätte er besser nicht getan. Mit aller Kraft, zu der er fähig war, schlug Scorpius seinen Kopf gegen Parkinsons Nase. Ein stechender Schmerz fuhr durch Scorpius' Stirn und er hoffte grimmig, dass das knirschende Geräusch, welches er vernahm von Parkinsons Nasenbein herrührte. Der taumelte zurück und schlug sich beide Hände vors Gesicht, da ein dicker Schwall Blut aus seiner Nase schoss.

„Du Fau! Du blöde Fau!"

Wütend grunzte der schwarzhaarige Slytherin Verwünschungen. Seine Kumpel standen etwas unschlüssig herum und wussten nicht, was sie tun sollten. Flint hielt Scorpius noch immer am Arm gepackt, während Merrywell sich um den bewusstlosen Donaue kümmerte. McDuff schien so langsam in Panik zu geraten, unsicher blickte er in Richtung Schule, aus Angst sie könnten überrascht werden.

„Verdammt Parkinson, was soll der Scheiß? Jeden Moment kann jemand vorbeikommen."

Dennis warf ihm einen giftigen Blick zu. „HALT DIE FNAUTZE! DIE DUMME FAU HAT MIR DIE NAFE GEBROCHEN!"

„Was?"

Wütend trat Parkinson, dem begriffsstutzigen McDuff gegen sein Schienbein. „Ach, halt die Freffe McDuff!"

Dennis ging drohend auf Scorpius zu. „Mordred laff ihn lof!"

Der blonde Slytherin glitt auf seine Knie und musste sich abstützen, um nicht der Nase nach in den Schnee zu fallen. Parkinson grinste. So hatte er sich Malfoy vorgestellt, wehrlos und am Boden kauernd. Langsam näherte er sich dem wehrlosen Jungen und wischte sich mit dem Ärmel seiner Robe über die blutende Nase. Der Schmerz ließ ihn sein Gesicht verziehen und er hob seinen Zauberstab.

„Und jetzt Malfoy, werden wir ein bisschen Spaß haben."

„Verflucht noch eins!" Wütend lutschte Hagrid am Daumen, den er sich gerade verbrüht hatte. Minerva McGonagall kam schnell herbei gesprungen und bewahrte den dampfenden Teepott vor einem Sturz auf den Boden. Sie hatte so ihre liebe Mühe nicht über Schnapp zu stolpern, der ihnen laut kläffend um die Beine streifte. Kopfschüttelnd warf Hagrid dem Saurüden einen strengen Blick zu.

„Hund, gib endlich Ruhe oder du fliegst raus!"

Das schien keinen großen Eindruck auf den Hund zu machen. Er wartete bis McGonagall sich an den Tisch gesetzt hatte und tapste zu ihr hin. Seinen großen Kopf legte er auf ihren Schoß und versuchte sich an seiner Version eines süßen Dackelblicks. Mit Erfolg, die Hexe zog ihren Zauberstab und ließ mit einem eleganten Schwung einige Hundekuchen in ihrer Hand erscheinen. Schnapp hechelte erwartungsvoll und McGonagall gab ihm lachend ein Leckerli nach dem anderen.

„Vermisst du Fang eigentlich immer noch sehr?"

Hagrid, der an der Spüle herumwerkelte schüttelte seinen Kopf. „Manchmal, aber wie du siehst hält der mich genug auf Trapp."

Ein rotes Aufleuchten in der Dunkelheit ließ ihn aufblicken. Er starrte aus dem Fenster, sah aber nur Finsternis. Doch da war es wieder! Ein mehrmaliges Aufblitzen. Dann geschah nichts mehr und Hagrid tat die Sache mit einem Schulterzucken ab.

„Was hast du?"

„Nichts, Minerva! Ich dachte ich hätt was gesehen. Naja, vielleicht ein paar Doxys, oder die Zentauren."

Minerva nickte. „Ich habe schon lange nichts mehr von den Zentauren gehört. Zuletzt vor fast siebzehn Jahren, als Bane uns wieder erlaubte den Wald zu betreten." Ein wenig entmutigt seufzte sie auf. „Nur dem armen Ference, ihm haben sie nie verziehen."

Mit einem Teller voller Kekse kam Hagrid zum Tisch. „Es is ne himmelschreiende Ungerechtigkeit, sach ich. Jawoll!" Der Teller wurde etwas fester als beabsichtigt auf den Tisch geknallt und einige Kekse hopsten über den Tellerrand. „Sorry Minerva! Es ärgert mich jedes Mal. Ference wollt Dumbledore nur helfen. Ihn all die Zeit auszuschließen ist ne Sauerei!"

Mit einem skeptischen Blick betrachtete McGonagall einen Keks und beschloss, dass es für ihre Zähne wohl gesünder wäre, wenn sie ihn zurücklegte.

„Ja, es ist in der Tat ungerecht. Ich hatte schon so oft versucht für ihn zu vermitteln, aber eher geht ein Drache durch ein Nadelöhr."

„Keine Kekse?"

Sie lächelte. „Nein Danke! Aber wenn du mir eine Schale von deinem Saubohnen-Minze-Eintopf anbieten würdest, wäre ich durchaus nicht abgeneigt."

Hagrid erhob sich. „Sollst du haben!"

Er stieg über den im Weg liegenden Hund, schnappte sich eine Schale und ging zum Herdfeuer. In einem großen Kessel brodelte der Eintopf vor sich hin. Mehrere Male rührte Hagrid mit einem Holzlöffel in der blubbernden Masse herum und schnupperte daran.

„Hmmh! Der ist genau richtig! Ich glaub ich gönn mir auch ne Portion."

Zwei Schalen balancierend kam Hagrid wieder zurück. Doch leider wollte Schnapp wissen, was sein Herrchen da in den Schalen hatte. Er sprang plötzlich auf, während Hagrid, der nicht damit gerechnet hatte, über ihn hinweg steigen wollte. Erschrocken versuchte der Halbriese nicht auf seinen Hund zu treten und verlor das Gleichgewicht. McGonagall schloss die Augen und nippte an ihrem Tee. Als sie dann wieder hinsah, saß Hagrid frustriert auf seinem Hintern. Schnapp stand gutgelaunt an seiner Seite und schleckte Hagrid den Eintopf aus dem Gesicht, der ihm sogar aus seinem Bart tropfte.

„Jetzt reicht's!"

Hagrid schnappte sich eine Schale vom Kopf, die er wie eine Krone trug und pfefferte sie auf den Boden. Der arme Schnapp wurde kurzer Hand an seinem Halsband genommen, zur Tür geschleift und mit ein paar saftigen Kommentaren nach draußen gesetzt. McGonagall, die Mühe hatte einen Lachanfall zu unterdrücken, fügte mit einem Schlenker ihres Zauberstabes die kaputten Schalen wieder zusammen. Nachdem sie das Durcheinander beseitigt hatte, setzte sie sich, mit zwei dampfenden Portionen Eintopf, zu Hagrid an den Tisch. Grummelnd nahm dieser einen Löffel und begann zu essen. Plötzlich hörte man Schnapp, der laut bellend durch die Dunkelheit rannte.

„Ich glaub wenn ich Norbert behalten hätte, hätte ich weniger Ärger."

McGonagall hustete in ihren Tee. „Du meinst diesen Drachen?"

Er nickte.

„Mein lieber Hagrid! Wenn du Norbert behalten hättest, wäre deine Hütte abgefackelt, der ein oder andere Schüler wohlmöglich aufgefressen und ich fürchte die Schule hätte auch ein wenig gelitten. Ich glaube, dass Schnapp mit den Jahren noch ruhiger wird."

Plötzlich hörte man den Saurüden laut aufjaulen. „Ich hoffe das passiert bevor er mir noch alles verwüstet."

Der Eintopf schmeckte fabelhaft. Mochten Hagrids Kekse noch so manchen Unerschrockenen in die Flucht schlagen, seine Eintöpfe und Braten waren extrem lecker. Als McGonagall bemerkte, dass Hagrid sie anstarrte, hob sie fragend eine Augenbraue. Mit verschmitztem Gesicht hielt er Daumen und Zeigefinger hoch, als würde er ein Schnapsglas halten. Sie verstand die Geste und fischte in der Tasche ihrer Robe, eine kleine bauchige Flasche hervor, dann ließ sie zwei kleine Gläser herbeischweben.

„Ich denke gegen einen belebenden Schluck Feuerwhisky ist nichts einzuwenden."

Albus fror. Er trug mehrere Pullover, hatte eine Decke über den Schultern, aber er fror. Wütend verpasste er dem Kanonenofen in der Mitte ihres Schlafraumes einen saftigen Tritt. Dann humpelte er zu einem kleinen Tisch um seinen Brief zu vollenden.

„Vergiss es, das Teil macht mehr Qualm und Gestank als dass es wärmt!"

Berthram kam unter einem Stapel Decken hervor gekrochen, wie ein Maulwurf. Gelangweilt sah er zu Albus.

„Hoffentlich leeren sie uns morgen einen Wärmezauber... Was machst du da eigentlich?"

„Ich schreibe an meinen Dad!"

Albus versiegelte das Schreiben und blickte noch eine Zeit lang, nachdenklich auf das Pergament in seiner Hand. Das würde das erste Weihnachten werden, das er nicht mit seiner Familie verbrachte. Seiner Mutter würde dies bestimmt nicht gefallen. Albus konnte sich noch gut an das Theater erinnern, welches sie veranstaltet hatte, als James die Feiertage letztes Jahr zusammen mit Fred jr. und Teddy in Deutschland verbringen wollte. Teddy wollte seinen alten Schulfreund Peter Tauber besuchen. Merlin, da war was los. Da würde er wohl seinen Vater vorschieben müssen. Träge folgten Berthrams Augen dem schwarzhaarigen Gryffindor, der sich noch einen dicken Pullover überzog und in zwei Schneestiefel schlüpfte. Schließlich, eingemümmelt in seinen Schaal und die dicke Winterrobe, stapfte Albus los.

„Wo willst du hin?"

„Blöde Frage, in die Eulerei natürlich!"

„Jetzt noch? Das schaffst du doch niemals rechtzeitig wieder zurück!"

„Ach, ich pass schon auf!"

„Na, da bin ich ja mal gespannt!"

Albus verließ das Zimmer und spurtete die Treppen hoch, zum Schlafsaal der Drittklässler. Zögerlich klopfte er an die Tür und trat ein. James saß mit Fred jr. auf dem Bett, vertieft in eine Partie Zauberschach.

„James, ich brauche bitte die Karte des Rumtreibers. Darf ich?"

„Was planst du jetzt schon...?" Er schaute auf und musste zweimal hinsehen, Albus bot einen großartigen Anblick, dick eingepackt wie ein Murmeltier. „Merlin, wie siehst du denn aus? Gehst du auf ne Polarexpedition?"

„Mir ist kalt! Außerdem will ich zum Eulenturm, Ich hab noch nen Brief an Dad!"

„Den kannst du doch auch morgen..."

„Biiiiitte!" Nun kam Albus Geheimwaffe zum Einsatz. Der Kulleraugenangriff! Mit weit aufgerissenen Glubschaugen legte Albus seine Fingerspitzen aneinander und blinzelte seinen großen Bruder an. Meistens kam er mit dieser Taktik durch, es sei denn er hatte sich mit James besonders arg gestritten. Der nickte und wandte sich mit einem Schulterzucken, dem Spiel wieder zu.

„Dafür darf ich mir auch mal Dad's Umhang ausleihen!"

„Gebongt!"

Nachdem er sich die Karte aus James' Truhe genommen hatte, verstaute er sie in seiner Robe, warf sich den Tarnumhang über und machte sich auf den Weg zum Eulenturm.

Dennis Parkinson fluchte, als sich die Tür zu Hagrids Hütte öffnete und ging hinter einem Haufen Kürbisse in die Hocke. Um ihn herum warfen sich alle in den Schnee und Malfoy stöhnte vor Schmerzen auf. Vorsichtig spähte Parkinson über die Kürbisse hinweg und beruhigte sich wieder. Der Halbriese war so laut mit seinem Hund am Schimpfen, dass er nichts gehört hatte. Flint versetzte dem Blonden einen Schlag und Malfoy brach bewusstlos zusammen. Nach einem weiteren Blick hatte Dennis sich davon überzeugt, dass Hagrid wieder zurück in die Hütte gegangen war. Dafür kam nun diese riesige Töle angelaufen, kläffte herum und begann Malfoy durchs Gesicht zu lecken. Parkinson versuchte den Hund von seinem Hausgenossen wegzuzerren, doch ohne Erfolg. Nach einem kurzen Nicken, setzte Mordred dem Hund einen saftigen Hieb auf die Nase und der arme Schnapp rannte jaulend durch die Dunkelheit.

"Das dauert alles viel zu lange. Wir müssen gleich zurück, sonst bekommen wir Ärger!"

Er schaute sich suchend um, als McDuff zu ihm kam. „Bekommen wir nicht eh Ärger, wenn Malfoy petzen geht?"

„Das wagt er nicht! Dafür ist er zu stolz!"

Dennis erhob sich und stapfte zur kleinen Mauer, an der Seite. Nach einem kurzen Blick dahinter, hatte er eine Entscheidung getroffen. „Bringt ihn her!"

Flint packte den besinnungslosen Scorpius und zerrte ihn zu Parkinson. „OK, Mordred, wirf ihn auf die andere Seite!"

Ohne nachzudenken, schleuderte Flint Scorpius über die Mauer und der Blonde rollte aus ihrem Sichtfeld hinab in die Finsternis des Verbotenen Waldes.

„Hoffentlich frisst ihn irgendein Biest auf!" Parkinson warf achtlos Malfoys Zauberstab in den Schnee. „Los, kommt jetzt, wir müssen zurück!"

In Hagrids Hütte hatte sich eine gemütliche Wärme ausgebreitet. McGonagall spürte die Hitze ihrer geröteten Wangen und wusste, dass sie heute keinen weiteren Schluck mehr trinken würde. Mit einem Blick auf Hagrid versuchte sie sich auf seine Frage von eben zu konzentrieren.

„Doch, ich war schon überrascht, dass unser kleiner Al mit Scorpius Malfoy Freundschaft geschlossen hat."

„Na, so klein isser nicht!" Er lachte. „Aber er gleicht Harry bis aufs Haar."

McGonagall nickte zustimmend. „Schon, aber es gibt da auch kleine Unterschiede. Und ich bin froh, dass er ruhiger ist als James!"

„Jauw, der hat sich zusammen mit Fred jr. in den Kopf gesetzt, Fred und George zu übertreffen."

Resignierend nahm die Schulleiterin ihre Brille ab und massierte sich den Nasenrücken. „Ich bewundere Dumbledore heute noch wegen seiner Geduld, die er mit ihnen hatte. Albus hatte sich immer köstlich über ihre Streiche amüsiert."

„Ich war im Sommer wieder an Freds Grab. Molly pflegt es wirklich liebevoll."

McGonagall schauderte bei den Gedanken an die Schatten der Vergangenheit. „Es sind zu viele Gräber geworden. Manches Jahr muss ich mich regelrecht dazu zwingen, sie zu besuchen, weil ich befürchte einfach nicht mehr die Kraft dazu zu haben."

Der Halbriese nahm einen Schluck Feuerwhisky. „Hast du ihm eigentlich geschrieben?"

Die Hexe nickte. „Ja, allen beiden! Bereits im letzten Jahr."

Besorgt schaute Hagrid McGonagall an. „Sie haben doch nicht abgelehnt?"

„Nein, nein!" Beschwichtigte sie ihn. „Beide haben zugesagt. Aber Harry sowie auch Draco wollen warten, bis Al und Scorpius ihren Abschluss haben, bevor sie ihre Stellen antreten."

„Klar, is schon blöd, wenn dein Vater an deiner Schule unterrichten würde. Aber was is mit Lily?"

McGonagall lachte. „Die Kleine vergöttert ihren Vater gerade zu. Ich glaube sie wäre wirklich enttäuscht, wenn Harry damit warten würde seine Stelle als Professor anzutreten, bis sie ihren Abschluss hat."

Plötzlich hörten sie Schnapp wieder bellen. Irgendwas schien seine Aufmerksamkeit erregt zu haben. Sie hörten ein dumpfes Platschen und Hagrid beschloss dem Lärm besser mal auf den Grund zu gehen. Grummelnd trat er in die Kälte. Es hatte wieder angefangen zu schneien und er spähte konzentriert durch das Schneegestöber.

„Blöder Hund! Was hast du jetzt schon wieder angestellt?"

Alles war ruhig und von Schnapp war nichts zu sehen. McGonagall trat neben ihn. Sie hatte eine Winterrobe umgelegt und zog sich ihren Hexenhut tief ins Gesicht.

„Und?"

Hagrid zuckte mit den Schultern. „Nichts! Wer weiß was er nun schon wieder hat."

Sie mummelte sich in ihre Robe. „Es wird Zeit für mich, Rubeus. Ich muss morgen wieder früh raus." Sie klopfte ihm auf die Schulter. „Danke für den schönen Abend. Das Essen war lecker!"

Er grinste ihr zu und sie stapfte durch den Schnee in Richtung Schule davon. Hagrid rief ein paar Mal nach Schnapp, aber alles blieb ruhig. Nach einer Weile zuckte er mit den Schultern und ging wieder zurück in die anheimelnde Wärme seiner Hütte.

Albus starrte durch die Dunkelheit. Nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass niemand im Eulenturm war, zog er seinen Zauberstab.

„Lumos!" Er stieg in den ersten Stock und schaute sich um. „Trudy?"

Vereinzelt blitzten helle Augenpaare in der Dunklen auf. Dann hörte er ein Rascheln, elegant kam eine Schneeeule angesegelt und ließ sich auf seinem Arm nieder.

„Na meine Hübsche, bringst du für mich einen Brief nach Hause?"

Zärtlich zwackte sie in seinen Zeigefinger, mit dem er durch ihr Gefieder streichelte. Trudy ließ eine Folge von Klack- und Heullaute ertönen und Albus lächelte sie sanft an.

„Das ist lieb von dir." Er ging zu dem großen, glaslosen Fenster und ließ Trudy auf die Fensterbank hopsen. Behände band Albus das Pergament um ihr Bein und nahm die Eule schließlich wieder auf die Hand. Seine grünen Augen blickten sie eindringlich an, während er sie liebevoll streichelte.

„Der Brief ist nur für Dad! Nicht für Mom! Klar?"

Sie bedachte ihn mit einem Blick, der ihm sagte, er solle sie ja nicht für begriffsstutzig halten, dann flog Trudy los. Seine Augen verfolgten sie, bis Trudy in dem Schneetreiben nicht mehr auszumachen war. Vor Kälte schaudern, schlüpfte Albus in seine Handschuhe und zog ein Stück Pergament hervor. Nachdem er es aufgeschlagen hatte, ließ der Gryffindor die Spitze seines Zauberstabes, kurz auf die Oberfläche stippen.

„Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut!"

Ein feines Gespinst aus Linien erstreckte sich über das Pergament und bildete den Grundriss Hogwarts, mit allen Räumen und den Ländereien. Eine Armee aus kleinen Fähnchen wuselte herum und zeigte dem Gryffindor, wo sich alle Personen in der Schule befanden. Nachdem sich Albus überzeugt hatte, dass der Weg zum Schloss frei war, wollte er die Karte wieder zusammen falten. Doch irgendwas erregte seine Aufmerksamkeit. In Hagrids Hütte waren Hagrid und McGonagall. Die durfte ihn auf keinen Fall erwischen. Er wollte nicht, dass er seinen Umhang wieder hätte abgeben müssen. Er wollte seinen Vater nicht enttäuschen. Ein weiteres Fähnchen, etwas Abseits der Hütte im Verbotenen Wald ließ ihn laut nach Luft schnappen. Es war beschriftet mit dem Namen Scorpius Malfoy!

Zwei Stufen zugleich nehmend, sprintete Albus nach unten. Auf der äußeren Treppe verlor er den Halt und fiel in den Schnee. Ungeschickt wuchtete er sich wieder auf die Beine und stapfte in Richtung Hagrids Hütte. Albus kämpfte sich schwer atmend durch den Schnee und fluchte vor sich hin. Den Tarnumhang hatte er unter den Arm geklemmt, da er ihn nur beim gehen behindern würde. Was zum Merlin hatte Scorpius mitten in der Nacht im Verbotenen Wald zu suchen? Das Herz des kleinen Gryffindor wummerte heftig in seiner Brust. Tiefer Schnee erschwerte sein Vorankommen und in der Finsternis waren die Ländereien und der Wald mehr als Furcht einflößend. Ab und an blieb er erschrocken stehen und sah sich um, wenn er einen knackenden Ast hörte oder irgendein Wesen unvermittelt aufschrie. Als er endlich den großen Kürbishaufen neben der Steinmauer an Hagrids Hütte erreicht hatte, schien es Albus, als hätte er Stunden für die kleine Strecke benötigt. Erschöpft lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Kürbisse und schnappte nach Luft. Seine Wangen waren feuerrot und sein Atem ging rasselnd. Stück für Stück rutschte der Schwarzhaarige nach unten, bis er auf dem Boden saß. Seine grünen Augen folgten den kleinen weißen Nebeln die er mit jedem Atemzug ausstieß, bis sie in der Dunkelheit verschwanden. Er wurde ruhiger und wischte sich Speichel von seinem Kinn. Gerade als er weiter wollte, hielt er inne. Ein Geräusch weckte seine Aufmerksamkeit. Leise, ganz leise konnte er es hören, es kam näher und Albus erkannte das Knirschen von Schritten im Schnee. Irgendwer, oder besser irgendwas, kam auf ihn zu. Unbewusst drückte er den Tarnumhang fester an sich und sein Herz begann wieder heftiger in seiner Brust zu wummern. Langsam hob er seinen Zauberstab, die Spitze zitterte ein wenig und sein Mund wurde trocken. Doch Albus verspürte keine Angst. Er war zwar schon aufgeregt, aber auch neugierig auf das, was sich da näherte. Zu seiner Überraschung verspürte er Ärger. Scorpius befand sich vielleicht in Gefahr und er konnte hier nicht weg, bis er herausgefunden hatte, was hier durch den Schnee schlich. In Hagrids Hütte brannte Licht. Es fiel durch das Fenster nach draußen und Albus konnte zu seiner Linken einen Schatten ausmachen. Er umklammerte seinen Zauberstab fester. Was da auch immer auf ihn zukam, nun würde er nicht mehr lange warten müssen, um zu sehen was es ist.

Vorsichtig, ganz vorsichtig lugte eine schwarze Masse um das Ende des Stapels Kürbisse. Albus versuchte ruhig zu bleiben und kniff die Augen zusammen um schärfer sehen zu können. Ein funkelndes Paar Augen blickte ihm entgegen und er konnte erkennen, dass dieses Wesen die Ohren aufrichtete. Ein tiefes „Wuff!" erklang und Schnapp kam aufgeregt auf den Jungen zugelaufen, als er Albus erkannte.

„Blöder Hund!"

Erleichterung durchflutete seinen Körper und er schleppte sich wieder auf die Beine. Freudig kam Schnapp auf ihn zu und drückte Albus mit seinen wuchtigen Pfoten zurück in den Schnee.

„Nein! Nein, hör auf ich muss weiter!"

Es war zum Verzweifeln, die Sorge um Scorpius wurde immer größer und nun musste Schnapp hier auch noch solch einen Radau veranstalten. Der Hund bekam einen Klaps und blickte Albus mit schiefem Kopf an.

„Schscht! Sei Leise! Und geh endlich runter von mir!"

Vorsichtig stieg Schnapp von Albus und sah ihn abwartend zu, wie der sich etwas konsterniert den Schnee abklopfte und nach seinen Sachen suchte. Diesmal legte er den Tarnumhang sorgfältig zusammen, verstaute ihn in der Innentasche seiner Winterrobe und zog seinen Zauberstab.

„Lumos!"

Albus vergewisserte sich auf der Karte des Rumtreibers, das Scorpius immer noch an dem Platz war, an dem er ihn auf der Karte entdeckt hatte. Schnapp blickte, vor Neugierde getrieben, ebenfalls auf das Pergament und Albus drückte seinen großen Kopf sanft zur Seite.

„Also hierbei kannst du mir wirklich nicht helfen!"

Doch Schnapp schien anderer Meinung, plötzlich brummte er und grub mit seiner Pfote im Schnee. Albus leuchtete auf den Boden. „Na, hast du da einen Knochen vergraben?" Ein dunkler länglicher Gegenstand blitzte auf und Albus schnappte nach Atem. „Ich glaube nicht! Das hast du gut gemacht!"

Er kraulte den Saurüden hinterm Ohr und griff sich den dunklen Stab aus Holunderholz, der wie er wusste Scorpius gehörte. Was war hier passiert? Mit „Nox!" ließ der Junge seinen Zauberstab erlöschen und verstaute ihn zusammen mit Scorpius' Stab und der Karte in seiner Robe. Gefolgt von Schnapp stiefelte er zur nahe gelegenen Steinmauer. Albus zog sich daran hoch und schwang ein Bein hinüber, doch der Saurüde war furchtbar neugierig. Er kläffte laut und wollte Albus über die Mauer folgen. Der saß nun rittlings auf den Steinen und deutete dem Hund an, ruhig zu sein.

„Nein! Keinen Laut! Scht!"

Interessiert betrachtete Schnapp das Herumgehampel des jungen Magiers, dann bellte er wieder.

„Bist du endlich ruhig! Scht, ich suche Scorpius!" Schnapp verstummte und spitzte die Ohren. Jaah! So ist brav! Ich muss zu Scorpius, weißt du? Scorpius!"

Albus äffte das Minenspiel des Slytherins nach und Schnapp schien tatsächlich zu verstehen was der Junge meinte. Er spitzte erneut die Ohren und wedelte mit dem Schwanz.

„NEIN, NEIN, NEIN!!"

Doch es war zu spät. Kläffend sprang der Hund die Mauer hoch und riss den entsetzten Albus mit auf die andere Seite. Fluchend landete der Gryffindor im Schnee, während Schnapp weiter den Hang hinunter wuselte. Die Tür zu Hagrids Hütte öffnete sich und der Halbriese erschien im Türrahmen. Er spähte in die Nacht und schimpfte wegen Schnapps Gebell. Albus lugte vorsichtig über die Mauer, im ersten Moment kam ihm die Idee Hagrid um Hilfe zu bitten, doch plötzlich trat eine weitere Gestalt aus der Hütte. Der Gryffindor erkannte seine Schulleiterin und ging umgehend auf Tauchstation. McGonagall durfte ihn nicht sehen. Vorsichtig rutschte er den Hang weiter hinunter. Die Dunkelheit nahm hier zu und Albus kniff die Augen zusammen um irgendwas zu erkennen. Er wagte es nicht, mit seinem Zauberstab Licht zu machen. Schnapps Gekläffe wies ihm den Weg und Albus fiel regelrecht ein Stein von seinem kleinen Herzen, als er Scorpius' nörgelige Stimme vernahm. Da hier der Schnee noch höher lag, sank Albus bei jedem Schritt tiefer ein. Schließlich erreichte er die Beiden. Der Saurüde freute sich riesig, dass er Scorpius gefunden hatte, doch der Blonde war gar nicht begeistert und nölte herum.

„Lass das! Jaah, ich freu mich ja auch dich zu sehen... AUS! NEIN! Hier wird nicht gesabbert! Bäh, nicht immer durchs Gesicht!" Als Albus vor ihm in den Schnee fiel, hob der Slytherin vorwurfsvoll eine Augenbraue.

„Musstest du unbedingt diesen Schwamm mitbringen?"

„Wir können ja wieder gehen, wenn es dir nicht passt!"

„Nichts da! Wag es ja nicht!"

Albus kam näher und zog den Blonden zu sich, der daraufhin gepeinigt aufstöhnte. „Lumos!" Als er die Verletzungen in Scorpius' Gesicht sah, sog Albus erschrocken die Luft ein. „Man siehst du scheiße aus!"

Scorpius verzog grinsend das Gesicht. „Ha! Das hat Parkinson vorhin auch gesagt!"

„PARKINSON?! Hat er dich etwa so zugerichtet?"

„Jep! Er und seine Clique!"

Wut stieg in Albus auf, er hätte den mopsgesichtigen Parkinson am liebsten auf den Mond geschossen, wenn er es gekonnt hätte.

„Jetzt beruhig dich mal wieder. Ich würde es begrüßen, wenn du mir hoch hilfst."

Kleinlaut nickte ihm Albus zu. Der elende Zustand in dem er seinen Freund vorfand, schockte ihn. Hastig begann er zu überlegen, was nun zu tun war. Im fahlen Lichtstrahl sah Scorpius' Haut bei weitem blasser aus als sonst. Die Prellungen und Schrammen traten dadurch sehr viel deutlicher hervor. Der Blonde musste große Schmerzen haben und ihm war bestimmt eiskalt. Jedenfalls klapperte Scorpius heftig mit den Zähnen. Vorsichtig half ihm Albus auf die Beine. Flink schlüpfte er aus seiner Winterrobe und legte sie dem durchgefrorenen Leib um die Schultern. Entschlossen nahm er Scorpius in den Arm, rieb ihm über den Rücken und massierte seine Oberarme. Ein wenig genießerisch schloss der Blonde die Augen. Es tat so gut, das wieder Wärme zurück in seinen Körper floss.

„Hmmh! Das ist gut!" Er schaute Albus an. „Sag, willst du die Robe nicht lieber anlassen? Dir wird doch bestimmt kalt!"

Verneinend schüttelte der Schwarzhaarige seinen Kopf. „Mir ist nicht kalt!" Er blickte sich unschlüssig um und rief dann Schnapp zu sich. „Hier halt dich an seinem Halsband fest!"

Albus nahm den Kopf des Hundes in beide Hände und redete sehr eindringlich auf den Saurüden ein. „Pass gut auf, Schnapp! Zieh uns langsam nach oben!" Er zeigte den Hang hinauf. „Da hoch, Schnapp und Langsam! Hast du verstanden?"

Schnapp bellte kurz und stellte die Ohren auf. Scorpius hielt sich mit beiden Händen an dem dicken Halsband des Hundes fest. Auch Albus packte das Lederband und legte einen Arm um die Hüften des Slytherin.

„Bereit!"

Der Blonde nickte und Albus deutete Schnapp an er könne losgehen. Äußerst vorsichtig bewegte sich der große Hund, setzte eine Pfote vor die andere. Der hohe Schnee war ein Problem und des Öfteren sackten sie bis zu den Knien ein. Es war eine wahre Schinderei, ehe sie schließlich oben ankamen. Albus hatte das Gefühl es hätte eine Ewigkeit gedauert und sah besorgt auf Scorpius, der auf die Knie gefallen war und wie ein Dampfkessel schnaufte.

„Scheiße, ich... kann... nicht... mehr!"

„Was heißt du kannst nicht mehr?" Besorgt kniete sich Albus neben seinen Freund. „Wir müssen noch hoch zum Schloss!"

Scorpius lachte. „Ich bin fertig, bin zu müde!"

„Dann hole ich Hagrid!"

„NEIN!"

Der Blonde packte Albus' Handgelenk derart fest, dass der Kleinere überrascht aufsah. „Keine Angst, Hagrid wird schweigen."

„Ich sage nein! Lass uns gehen!"

Mühsam rappelte sich Scorpius auf, gestützt von Albus und an Schnapps Halsband hängend, schleppte sich der Slytherin weiter. Der Weg zur Schule schien nahezu endlos und der Wind blies ihnen eiskalt ins Gesicht. Der Blonde hatte ein schlechtes Gewissen, da er Albus' Winterrobe trug.

„Komm mal bitte näher." Fragend sah ihn der Schwarzhaarige an. Mit weitem Schwung legte Scorpius die Robe um sie beide und klammerte sich um Albus' Hüfte.

„Ich hab nicht gefroren, ehrlich!"

„Lass uns weitergehen, Albus!"

Hier zeigte sich mal wieder, dass Albus alle Qualitäten eines Gryffindor aufwies. Scorpius wusste genau, dass ihn sein Freund anschwindelte. Die blauen, bibbernden Lippen und dass der Kleinere wie Espenlaub zitterte, markten seine Worte als Lüge. Scorpius lächelte still in sich hinein, hier hatte er den Beweis, dass er keinen besseren Freund hätte finden können und er drückte Albus ein wenig fester an sich. Das Einzige was ihm jetzt noch durch den Kopf ging, war die Frage wie der Gryffindor ihn hatte finden können.

Nach einer schier endlosen Quälerei standen beide vor dem Eingang zum Hauptgebäude. Scorpius tätschelte Schnapps Kopf, nahm ihn liebevoll in den Arm und gab dem Hund einen Schmatzer auf die Nase.

„Danke Großer, du hast mir das Leben gerettet!"

Schnapp wedelte mit dem Schwanz und kläffte ein paar Mal, dann lief er zurück zur Hütte. Etwas konsterniert starrte Scorpius ihm nach. „Bäh, ich glaube es nicht! Ich hab gerade einen Hund geküsst!"

Albus hätte gelächelt, wenn er nicht so durchgefroren wäre. Er zitterte und glaubte kein Gefühl mehr in seinen Gliedmaßen zu haben. Erneut legte er Scorpius die Winterrobe über und zog den Tarnumhang aus deren Tasche.

„Hier, den müssen wir umlegen, falls wir auf Filch stoßen. Warte mal..."

Ein wenig umständlich fischte Albus seinen Zauberstab aus der Tasche und begann das mächtige Tor zu öffnen. Angespannt spähte er in die nur spärlich erleuchtete Eingangshalle und winkte Scorpius zu, ihm zu folgen. Knarrend schloss sich das sperrige Tor und sie versteckten sich erstmal hinter einer der Keilerstatuen in der Halle. Aber es blieb alles still! Sie konnten weitergehen, ohne Gefahr zu laufen entdeckt zu werden. Scorpius hielt Albus am Arm fest.

„Wo willst du eigentlich mit mir hin?"

„Zu unserem Gemeinschaftsraum!"

„Was?" Scorpius sah ihn skeptisch an. „Ich schlepp mich doch nicht in den siebten Stock!"

„Ach und wo willst du hin? In den Slytherin-Gemeinschaftsraum? Wir müssen uns um deine Wunden kümmern, das heißt wir müssen zudem in den Krankenflügel einbrechen und da brauche ich halt Hilfe!"

„Wen willst du denn um Hilfe bitten?"

„Warts ab!"

Nicht wirklich überzeugt, willigte der Blonde trotzdem ein. Sicher unter dem Tarnumhang verborgen, schlichen sich die Zwei die Treppe hoch. Im dritten Stock konnte Albus Scorpius davor bewahren, in die Trickstufe zu treten. Ansonsten blieb alles still. Die Hexen und Magier in ihren Gemälden schnarchten und die Geister, die manchmal an ihnen vorüber schwebten bekamen von der Anwesenheit der beiden Jungs nichts mit. Sie kamen gut voran, mussten jedoch gelegentlich eine Pause einlegen, damit Scorpius verschnaufen konnte. Das Ganze hatte ihn ziemlich mitgenommen. Während sie im fünften Stock auf einem Treppenabsatz saßen und sich ausruhten, ertönte plötzlich ein Scheppern. Ein schrilles Jaulen kam ihnen entgegen und der sich nähernde Lärm wurde langsam ohrenbetäubend. Man hatte den Eindruck eine Armee in voller Rüstung sei im Ansturm.

„Was zum Merlin ist dass?"

„Keine Ahnung!"

Albus wandte den Kopf und schaute einen Gang entlang, plötzlich riss er seine Augen weit auf, als ihm Mrs. Norris entgegen sprang. Sie hatte einen panischen Ausdruck und zog einige leere Konservenbüchsen hinter sich her, die irgendjemand an ihren Schwanz festgebunden hatte. Daher rührte also der infernalische Lärm. Filchs Katze machte einen weiten Satz und knallte voll gegen den Kopf des vorwitzigen Gryffindors, der unter seinem Umhang ja nicht zu sehen war. Entsetzt rollte das arme Tier die Treppe runter, doch geschickt, wie Katzen nun mal sind, landete sie sicher auf ihren Pfötchen und lief scheppernd weiter. Albus rieb sich die Nase.

„Autsch, meine Nase!"

„Herr Gott noch mal, warum bist du auch immer so neugierig?"

„Na toll, dich rette ich noch mal wieder!"

„Jetzt sei endlich leise! Da kommt jemand!"

Laut fluchend kam Filch angerannt, er blieb auf der obersten Stufe stehen und lauschte. Das Getöse von unten ließ ihn weiterlaufen, die beiden Jungen, die sich unter ihrem Tarnumhang an die Wand gedrängt hatten, bemerkte er nicht.

„Verdammter Peeves, dir werd ich's zeigen!"

Dann war er um eine Ecke verschwunden, immer dem Lärm hinterher. Albus ließ die Luft, die er die ganze Zeit über angehalten hatte, wieder geräuschvoll entweichen. Er warf Scorpius einen Blick zu und nickte. „Komm, lass uns weitergehen!"

Aber sie kamen nicht weit, zwei Mädchen aus Ravenclaw tauchten plötzlich aus einem Seitengang auf und spähten über das Geländer. Sie kicherten über ihren gelungenen Scherz. Besorgt sah Albus zu seinem Freund. Scorpius wurde immer blasser, es war höchste Zeit, dass sie in die Wärme des Gemeinschaftsraumes kamen. Kurzerhand patschte der Gryffindor einem der Mädchen auf den Rücken und rief. „Boooh!"

Kreischend packten sie sich an den Händen und liefen schnell in Richtung Ravenclaw-Turm. Albus' Kopf tauchte plötzlich auf, er schaute sich kurz um, ob die Luft rein war, dann verwand er wieder.

„Man, das ist ja ein Betrieb hier draußen und dann noch um diese Zeit."

„Können wir weiter? Mir geht es nicht gut!"

„Komm, wir haben's gleich geschafft!"

Die Fette Dame ruhte in ihrem Portrait. Friedlich schnarchte sie vor sich hin, als plötzlich leise das Passwort ertönte. Sie gähnte, schmatzte herzhaft und öffnete ein Auge. Aus lauter Gewohnheit hatte sie den Zugang freigegeben, doch sie hatte niemanden gesehen. Energisch ließ sie das Gemälde wieder zuschnappen, da sie dachte, das Ganze nur geträumt zu haben. Peinlich berührt warf sie einen Blick in die Runde, das war ihr ja noch nie passiert in all den Jahrhunderten, sie hatte ohne Grund den Zugang zum Gemeinschaftsraum der Gryffindor freigegeben. Sie haderte noch eine lange Zeit mit sich selbst, während auf der anderen Seite, Albus seinem Freund, in einen Sessel dicht am Kamin half. Schnell legte der Schwarzhaarige ein paar Scheite auf und blies hinein, um die Glut wieder anzufachen. Als ein kleines Feuer im Kamin prasselte nickte er zufrieden brummend. Er wandte sich wieder Scorpius zu, rieb ihm über die Arme und legte eine Decke über seine Beine. Auf einer Anrichte stand ein Krug, Albus lief hin und stupste mit seinem Zauberstab dagegen. Er hörte wie sich der Krug blubbernd füllte und war ein klein wenig stolz auf sich. Diesen Zauber hatte ihm Professor Terryl zwei Tage zuvor beigebracht. Schnell füllte er einen Pokal und reichte ihn Scorpius.

„Hier, nimm einen Schluck Kürbissaft!"

Nachdem er davon getrunken hatte, sah Scorpius seinen Freund an und verzog das Gesicht. „Bäh, das ist ja Wasser!"

„Oh! Naja, ich üb halt noch!"

„Na, besser als nichts!"

„Jetzt wärm dich erstmal auf!"

„Was hast du vor?"

„Ich hol Hilfe!"

„Keinen Lehrer! Ich will nicht, dass das hier einer mitbekommt."

„Aber..."

„Nein, Albus! Ich muss alleine damit klarkommen!"

„OK! Aber ich will es Rosie sagen, sie weiß was zu tun ist."

Scorpius schnaubte. „Sie ist eine Besserwisserin!" Er schaute sich um und bemerkte wie Albus auf den Zugang zu den Mädchenschlafräumen zuging. „Dürfte ich erfahren was du da vorhast?"

„Rose holen!"

Der Blonde sprang auf. „Nein Albus, nicht!"

„Keine Angst, ich bin..."

Doch kaum hatte Albus die Tür geöffnet und war die ersten Stufen hoch gelaufen, brach das Chaos aus. Ein Signalton heulte schrill auf, noch im selben Augenblick kippten die Stufen nach hinten und bildeten eine Art Rutsche. Überrumpelt ruderte Albus wie wild mit den Armen. Doch umsonst, er verlor allen Halt und purzelte nach unten, direkt Scorpius vor die Füße. Geistesgegenwärtig packte der Blonde seinen Freund beim Oberarm und zog ihn auf die Beine.

„Depp! Jetzt schau nicht so belämmert aus der Wäsche, du kannst doch nicht zu den Mädchenschlafräumen gehen!"

„Warum?"

Scorpius klappte den Mund auf, zerrte dann aber Albus mit sich in eine Ecke und warf den Tarnumhang um sie beide. Da tauchten auch schon die ersten Mädchen auf, allen voran Daisy Coppermole, die Vertrauensschülerin der Gryffindormädchen. Auch Fenton, umringt von einigen Jungs, tapste mehr schlafend als wach durch den Gemeinschaftsraum. Er trug einen kanariengelben, geblümten Morgenmantel, der wohl das enthusiastische Geschenk einer seiner Großtanten war.

„Was ist das für ein Lärm mitten in der Nacht?"

„Einer deiner Jungs hat sich scheinbar in der Tür geirrt."

„Aber wer?"

Es entstand ein kleiner Disput, wer oder wie es zu dem Alarm kam. Die allgemeine Verwirrung ausnutzend, lehnte sich Albus nach vorn und streifte Rose über den Rücken. Leise raunte er ihr ins Ohr.

„Keine Angst Ich bin es! Komm bitte gleich wieder zurück, wir brauchen deine Hilfe!"

Während sie die anderen im Auge behielt, nickte Rose kaum merklich und machte sich auf den Weg zu ihrem Schlafsaal. Unterdessen wandte sich Theodore an seine, wie es Daisy ausdrückte, Herde hormongesteuerter Jungs und las ihnen die Leviten. Kein Junge hatte irgendwas in den Schlafsälen der Mädchen verloren. Cole Scrapshore, einer der Schüler aus dem ersten Jahrgang, starrte Fenton groß an.

„Warum dürfen die Jungs nicht zu den Mädchenschlafsälen?"

Schlagartig war es still im Gemeinschaftsraum. Die einen schwiegen aus Neugier, die anderen aus Schadenfreude, wie Daisy Coppermole zum Beispiel und waren gespannt, wie sich Theodore da raus winden würde. Unbeholfen setzte der große, braunhaarige Vertrauensschüler ein paar Mal zu einer Antwort an, doch dann schüttelte er seinen Kopf.

„Das sag ich dir in zwei Jahren!" Er schaute sich kurz um und klatschte in die Hände. „So, jetzt Abmarsch in die Federn!"

Widerwillig tummelten sich die Schüler an den Zugängen zu den Schlafräumen. Es wäre schon spannend gewesen, wenn sie denjenigen, der für das ganze Durcheinander verantwortlich war, hätten finden können. Einige Minuten später kehrte schließlich Ruhe ein. Dann tauchten plötzlich zwei Jungs aus dem Nichts auf. Scorpius hatte die Lippen zusammengepresst und sah vorwurfsvoll zu Albus, der ein wenig betreten mit den Füßen scharrte.

„War wohl nicht eine meiner besten Ideen?"

„Nicht unbedingt."

„Aber..."

„Man geht nun mal nicht zu den Schlafräumen der Mädchen!"

Scorpius zuckte erschrocken zusammen, als sich gerade die Tür zu den besagten Schlafstätten erneut öffnete. Rose trat in den Gemeinschaftsraum und wollte ihnen eine gehörige Standpauke halten, doch als sie die Verletzungen des Slytherins sah, war ihr Ärger augenblicklich verraucht. Besorgt betrachtete sie sich die Kratzer und Schrammen und hörte sich die Erklärung an, wie es dazu kam.

„Das müssen wir einem Lehrer sagen!"

Doch das war nicht nach Scorpius' Willen. „Auf keinen Fall!"

„Aber das was Parkinson da getan hat, ist kriminell!"

„Ich sage nein! Keinen Lehrer, ich werde dass auf meine Weise regeln!" Er wartete bis sie sich ein wenig beruhigt hatte. „Du kannst mir gerne mit meinen Verletzungen helfen, aber was heute passiert ist bleibt unter uns!"

Roses Lippen waren zu einer schmalen Linie zusammengepresst, ihre Mimik strotzte nur so vor Missbilligung. „Dies hat nichts mit petzen zu tun! Ich glaube kaum, dass Briddles dies gutheißen würde und McGonagall..."

„Hör zu Weasley, wenn du sonst nichts dazu beizutragen hast, dann kannst du gleich wieder gehen..." Scorpius sah zu Albus. „Ich hätte doch gleich in meinen Gemeinschaftsraum gehen sollen!"

Der Gryffindor schaute flehend zu seiner Cousine. „Rosie, bitte!"

Verärgert grummelte sie vor sich hin. „Das ist so'n Männerding, nicht wahr?"

Der Blonde schnaubte pikiert und Albus kratzte sich am Hinterkopf. „Es ist wohl eher ein Malfoyding!"

Resignierend atmete sie einmal durch. „OK, ich mach's! Wir müssen uns erst ein paar Sachen aus dem Krankenflügel besorgen..." Rose nahm Albus' Tarnumhang und legte ihn sich um. „Al, hast du die Karte des..." Sie warf einen Blick auf den Slytherin und fing an zu flüstern. „Du weißt schon..."

Er nickte und gab ihr die Karte, doch schon fing Rose an zu schimpfen. „Du hast sie ja nicht gelöscht! Wenn dich jemand erwischt hätte, hätte jeder die Karte lesen können!"

„Aber ich musste doch..."

„Papa und Onkel George haben immer gesagt, dass man die Karte stets..."

„Was für eine Karte!" Betont neugierig hatte sich Scorpius genähert und warf einen Blick auf das Pergament in Roses Hand, die es sofort hinter ihrem Rücken verbarg. Albus überlegte kurz und rang sich zu einer Entscheidung durch.

„Das ist eine magische Karte von Hogwarts!"

„AL! Wie kannst du nur!"

Der Blonde lachte zynisch auf. „Ja, du darfst darüber nicht reden! Ich gehe sonst los und verpetze es gleich!"

Rose war beleidigt. „So hab ich's gar nicht gemeint! Macht doch was ihr wollt!"

„Rose bitte, ich vertraue Scorpius und wir brauchen dich!" Albus wandte sich wieder seinem Freund zu. „Pass auf, diese Karte zeigt dir wo sich alle Personen im Schloss und auf den Ländereien befinden..."

„Deshalb wusstest du, wo ich war!"

„Genau, eigentlich gehört die Karte meinem Vater, aber James hat sie aus seinem Schreibtisch gemopst. Aber ich glaube Dad weiß darüber Bescheid."

Rose schaute nochmals auf die Karte. „Ich geh jetzt los. Filch ist im anderen Teil des Schlosses und Geister sind auch keine unterwegs. Ich werd mich beeilen!" Dann legte sie sich die Kapuze über und war verschwunden. Einige Sekunden später hörte man das Bild der Fetten Damen zur Seite klappen, dann war wieder Ruhe.

Albus drängte Scorpius zurück auf den Sessel am Kamin. „Das dauert jetzt eine Weile, ruh dich erstmal aus!"

„Was hattest du eigentlich da draußen verloren?"

„Ich hab den Brief an meinen Dad losgeschickt. Als ich auf der Karte nachgesehen habe, ob alles in Ordnung ist, habe ich deinen Namen plötzlich im Wald gesehen und mir natürlich Sorgen gemacht!"

Ein Lächeln zeigte sich auf Scorpius' Lippen und er drückte die Hand des Gryfindors. „Lieben Dank! Du bist gleich los um mir zu helfen, obwohl ich im Wald war. Du bist wirklich ein wahrer Freund!"

Albus winkte ab und lachte. „Ach was, du hättest doch das Gleiche für mich getan!"

Er stocherte in der kleiner werdenden Glut herum und konnte so den Gesichtsausdruck des Slytherin nicht sehen. Der war so gar nicht davon überzeugt, ob er sich ebenso verhalten hätte. „Jaja, natürlich..." Doch Scorpius fürchtete, das dies nicht so selbstverständlich für ihn wäre. Er war ein Feigling, das hatte er schon früher bemerkt und jetzt, als er sich den Rücken seines besten Freundes betrachtete, schockte es ihn regelrecht, als er feststellte, dass er im umgekehrten Fall, Albus wohl nicht zu Hilfe gekommen wäre. Augenblicklich spürte er, wie sich die Hitze, die, die Scham in seinem Innern aufwühlte, auf seine Wangen legte. Nachdem das Feuer wieder brannte drehte sich Albus zufrieden um.

„Oh, dir ist wieder wärmer, du hast rote Backen!"

„Jaah, mir ist jetzt wieder warm!"

Albus nahm seinen Zauberstab. „Ich könnte schon mal anfangen mit Episkey das Gröbste zu verarzten."

Argwöhnisch beäugte Scorpius seinen Freund und dachte an seinen Versuch vorhin, Kürbissaft in die Kanne zu füllen. „Äh, wie oft hast du das schon gemacht?"

„Noch gar nicht! Rose hat ihn von ihrer Mom gelernt und ihn mir mal gezeigt!"

„Geh mir augenblicklich vom Leib!"

Ein wenig eingeschnappt wandte sich der Schwarzhaarige ab. „Pah, dann eben nicht!"

Sie schwiegen sich eine Zeit lang an, müde dösten sie in den beiden Sesseln vor sich hin und wären um ein Haar eingenickt, als sie plötzlich das Geschimpfe der Fetten Dame vernahmen.

„Das gibt's doch gar nicht. Wer hat hier eben das Passwort gesagt? Hallo? Frechheit!"

Dann war wieder Ruhe und augenblicklich erschien Rose, beladen mit einer Flasche und mehreren Tiegel.

„So, Scorpius, zieh dein Hemd aus!" Der Blonde tat wie ihm geheißen und Rosie drückte ihrem Cousin zwei Tiegel in die Hand. „Hier Al, du cremst damit die Wunden auf dem Rücken und dem Bauch ein. Die blaue Creme ist für Blutergüsse, die Weiße kommt danach und wirkt schmerzlindern auf die Prellungen. Ich kümmere mich um die Schrammen im Gesicht!"

Geduldig ließ Scorpius die Prozedur über sich ergehen. Zu seiner Überraschung nahm der Schmerz ab. Er nahm aus Roses Hand einen Becher entgegen, in den sie etwas aus der Flasche geschüttet hatte. Skeptisch beäugte er die klare Flüssigkeit und hob eine Augenbraue.

„Keine Bange, das stärkt deinen Kreislauf und beugt etwaigen Infektionen vor!"

„Ich hoffe du weißt wovon du redest."

„Das tue ich auch und jetzt sei ein braver Junge und nimm deine Medizin!"

Sie konnte es sich nicht verkneifen, ihn in die blasse Wange zu zwacken. Brummend leerte Scorpius den Becher. Er verzog angewidert das Gesicht, doch dies war seine einzige Reaktion auf den so unangenehmen Geschmack. Zufrieden nickte Rose und berührte Albus am Arm.

„So, das musst du jetzt alle zwei Stunden machen, dann sieht er morgen aus wie neu."

„Alle zwei Stunden? Aber..."

„Er wird halt hier bleiben müssen."

Scorpius starrte sie an. „Wie hier?"

„Nun, es ist schon mitten in der Nacht! Warum unnötig was riskieren? Du schläfst bei Al und alle zwei Stunden cremst du dich ein und nimmst hiervon einen Becher!" Sie drückte ihm die Flasche in die Hand und ging wieder zum Zugang für die Mädchenschlafräume. Scorpius druckste ein wenig herum, doch dann seufzte er.

„Danke Rose, das war sehr nett von dir!"

„Gern geschehen! Und jetzt, gute Nacht! Ihr seid schuld, wenn ich morgen Früh Ringe unter den Augen habe!"

Damit ließ sie die Beiden allein. Albus sah sich um und sammelte seine Sachen ein. Als er die Karte des Rumtreibers aufhob, bemerkte er, dass Rose sie nicht gelöscht hatte und schüttelte missbilligend den Kopf.

„Unheil angerichtet!"

„Was?"

„Damit löscht man die Karte des Rumtreibers! Mit ‚Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut!' aktivierst du sie!"

„Oh!"

„Tja, so wie es aussieht, schläfst du bei mir!"

Müde schleppten sie sich in Albus' Schlafraum, sehr darauf bedacht keinen Lärm zu machen, um die anderen nicht zu wecken. Doch die schliefen tief und fest. Dumpfes Schnarchen drang durch die geschlossenen Bettvorhänge und Albus wagte es mit Lumos ein wenig Licht zu zaubern. Achtlos warf er die Winterroben auf einen Stuhl neben seinem Bett, nur den Tarnumhang legte er fein säuberlich zusammen und verstaute ihn in seiner Truhe. Er wühlte darin herum und brachte einen hellblauen Pyjama zum Vorschein, den er an Scorpius weiterreichte.

„Hier, schlüpf da rein!"

Skeptisch betrachtete Scorpius das Kleidungsstück in seinen Händen und rümpfte die Nase. „Sorry, aber den kann ich nicht anziehen!"

Verdutzt schaute Albus auf. „Warum? Der ist frisch gewaschen!"

„Darum geht es nicht! Der sieht scheußlich aus! Schau nur, das Muster besteht aus Rennbesen. Das ist nur etwas für Kinder!"

Albus machte dicke Backen und rollte mit seinen Augen. „Merlin, manchmal vergesse ich, dass du ein Malfoy bist. Warte, ich schau mal nach ob ich etwas für dich finde, dass... sagen wir mehr deinem Geschmack entspricht." Er gab vor, weiter in seiner Truhe zu wühlen. „Wie wäre es mit etwas aus Seide, Mylord. Vielleicht mit einem kleinen, aufgesticktem Krönchen am Kragen? Schade, leider finde ich hier nichts!" Er klappte den Deckel zu und sah Scorpius missbilligend an. „Los jetzt, zieh das gefälligst an!"

„Ist ja schon gut!" Ein wenig kleinlaut, schlüpfte Scorpius aus seinem Hemd und zog sich die Jacke des Pyjamas über. Seine Schuhe hatte er schon abgestreift. Als er den Gürtel seiner Hose öffnete, schaute er nochmals zu Albus. „Los, dreh dich um!"

„Bin schon dabei!" Albus wandte seine Augen ab, konnte es sich aber nicht verkneifen einen vorwitzigen Blick zu riskieren und sah dann wieder schnell in die andere Richtung. Er wartete bis Scorpius in die Federn geschlüpft war und ihn böse anstarrte.

„Bist du so nett und gibst mir meinen Schlafanzug, er liegt unter dem Kis..." Mit einer schnellen Handbewegung hatte im der Slytherin seinen Pyjama um die Ohren gepfeffert und schmollte ihn weiter mit verschränkten Armen an. Albus hatte offensichtlich nicht so große Hemmungen, sich vor dem anderen Jungen umzuziehen. Kein Wunder mit zwei Geschwistern und jeder Menge Cousins und Cousinen, da war Privatsphäre ein Luxus. Er krabbelte ins Bett und zog die Vorhänge zu. Doch dann lehnte er sich kurz nach draußen und fischte seine Armbanduhr vom Nachttisch.

„So, alle zwei Stunden hat sie gesagt, na das wird dann wohl ne ziemlich lange Nacht!"

„Entschuldige bitte, dass ich dir diese Ungelegenheiten mache."

Der Schwarzhaarige winkte ab. „Ach was, sei nicht so zerknirscht! Es war doch ganz spannend gewesen."

„Jah, ich hab selten so viel Spaß gehabt!" Scorpius rollte mit den Augen. Irgendwie schien der Gryffindor jeder Situation etwas Positives abgewinnen zu können.

„Komm schon, nachts im Wald und in der Schule herumschleichen... Das war doch aufregend?! Sag bloß du bist so ein Streber, der nur lernt?"

„Halt die Klappe! Ich kann mir etwas Besseres vorstellen, als mich von Parkinson verprügeln zu lassen!"

„Dem zeigen wir es morgen!"

„Was hast du vor?"

Verschwörerisch funkelten Albus Augen auf. „Pass auf, der ist doch so von sich überzeugt, dass er bestimmt schon damit rumgeprahlt hat." Scorpius nickte und Albus fuhr fort seine Absicht zu erläutern. „Wenn das stimmt, was Rosie sagt, wird morgen Früh nichts mehr von den Spuren zu sehen sein. Und wenn dann alle gespannt beim Frühstück auf dich warten, kommst du ohne einen Kratzer herein spaziert und er ist der Blamierte!"

Mit einem anerkennenden Lächeln im Gesicht nickte Scorpius ihm zu. „Aus dir hätte ein guter Slytherin werden können!"

Albus lachte und streckte kurz die Zunge raus. „So, schlaf jetzt! Zwei Stunden sind eh schon knapp genug." Er zog sich Decke bis zum Kinn hoch. „Gute Nacht!"

„Dito!"

Tbc...