Der geborene Verlierer

Nicola Zabini kam fröhlich summend aus den Gemeinschaftsduschen. Gehüllt in einen seidenen Morgenmantel, mit dem Handtuch, gleich einem Burnus um den Kopf geschlungen, sah er aus wie ein exotischer Prinz. Lässig schlenkerte er seinen Kulturbeutel hin und her und sah selbst in seinen Pantoffeln irgendwie cool aus. Zufrieden mit sich und der Welt, trat er in seinen Schlafraum und war einmal mehr dankbar dafür, dass so viele Jungs aus seinem Jahrgang nach Slytherin eingeteilt wurden, dass die Schulleitung beschlossen hatte, ihn zusammen mit Scorpius Malfoy und Nigel Prewett in einem weiteren Zimmer unterzubringen. Irgendwie konnte er sich des Gefühls nicht erwehren, dass diese Entscheidung wohl mit Malfoys familiären Hintergrund zu tun hatte. Nicola warf einen Blick auf die geschlossenen Bettvorhänge des Blonden und klopfte gegen einen der Bettpfosten.

„He, Schlafmütze! Wach auf!"

„Ich glaub der war noch gar nicht im Bett!" Nigel, ein schüchterner, kleiner Junge, mit sandfarbenen Haaren und grünen Augen, blickte neugierig über Nicolas Schulter, der einen kurzen Blick hinter die Vorhänge riskierte.

„Hm, da könntest du Recht haben, das Bett ist noch unberührt."

Der große dunkelhäutige Slytherin zuckte mit den Schultern und schlüpfte aus seinem Morgenmantel. Mit einem Badetuch um die Hüfte gebunden, kniete er sich vor seine Truhe und suchte darin eine Shorts nebst Strümpfen heraus. Eher unbewusst nahm er eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahr, als sich die Tür öffnete. Ewan McDuff kam herein stolziert und sah sich neugierig um. Nigel wollte ihn schon fragen, was er hier wolle, doch Nicola kam ihm zuvor. Er sprang auf, war mit zwei Schritten bei seinem überrumpelten Hausgenossen und packte McDuff am Schlafittchen.

„Sag mal, gibt es bei euch im Schlafsaal nicht genug Jungs, bei denen du spannen kannst?"

Bevor der empörte McDuff darauf hinweisen konnte, dass er nicht dabei war irgendwelchen voyeuristischen Neigungen nachzugehen, wurde er ziemlich ruppig aus dem Zimmer geworfen.

„Das hier ist keine gottverdammte Peepshow, du kleiner Perversling!"

Mit knallrotem Kopf wirbelte McDuff herum und sah, dass er zur allgemeinen Belustigung beitrug. Einige der älteren Schüler grinsten ihn gehässig an, während Zabini ihm die Tür vor der Nase zuschlug. Sie tuschelten und McDuff trat verschämt den Rückzug an und lief die Treppe hoch zum Zugang zur Großen Halle. Er ging auf eine Gruppe Slytherin zu, in deren Mitte Dennis Parkinson ihm schon gelangweilt entgegenstarrte.

„Und?"

„Er war nicht da, aber Zabini hat mich einfach rausgeschmissen, bevor ich mich davon vergewissern konnte."

Der mopsgesichtige Junge sah ihn abfällig grinsend an und wandte sich ab. Doch Merrywell hatte noch Fragen, die ihm auf der Seele lagen. Die letzte Nacht hatte ihn deutlich mitgenommen und in seiner Nervosität ähnelte er einem verängstigten Nagetier, das sich mit angezogenen Pfötchen immerzu argwöhnisch umsah.

„Äh, Dennis? Sollten wir nicht lieber warteten, bevor du damit rumprahlst?"

„Was meinst du?"

„Na, wenn Malfoy was Schlimmes passiert ist, wird man dann nicht uns zur Rechenschaft ziehen?"

Parkinson hob desinteressiert die Schulter. „Klappe, Merrywell! Zerbrich dir nicht meinen Kopf!"

Unten im Keller lehnte Myriel Bulstrode am Türrahmen von Scorpius' Schlafraum und sah Nicola zu, der gerade seine Hose anzog.

„Oha, wie es scheint hätte ich früher kommen sollen, ich hab wohl das Beste verpasst?"

Höchst entrüstet starrte Nicola sie, mit halbhochgezogenen Hosen an. „Ey, wer hat dir erlaubt, einzutreten? Klopfen ist wohl nicht mehr?"

Sie streckte ihm die Zunge raus und lachte. „Keine Bange, ich guck dir schon nichts weg! Außerdem stand die Tür offen."

Unwirsch schob Zabini das Mädchen raus und schloss die Tür. Sie wartete ein, zwei Sekunden, dann klopfte sie leise an. „Soll ich auf dich warten?"

„Klappe Bulstrode!"

Mit kraus gezogener Nase kicherte sie, Nicola ließ sich einfach zu gern aufziehen. Ein anderes Mädchen winkte ihr zu und Myriel wechselte ein paar Worte mit ihr. Nachdem ihre Freundin weiter gezogen war, sah Myriel wieder auf die Tür, die zu ihrer großen Verwunderung offen stand. Augenblicklich polterte Nicola wieder los.

„Hab ich nicht gesagt du sollst draußen bleiben?"

„Die Tür war offen!"

Verwirrt sah Zabini sie an. „Merlin, langsam werd ich alt! Ich könnte schwören, ich hab sie geschlossen."

Währenddessen saß Scorpius in Albus' Bett und wurde langsam unruhig. Um ihn herum kam mittlerweile Leben in den Schlafsaal und Albus' Mitbewohner wuselten herum um sich anzuziehen. Scorpius selbst und Albus waren bereits vor zwei Stunden duschen gegangen, um zu vermeiden, auf die anderen Gryffindors zu treffen. Während der eine sich duschte, hielt der andere Wache, damit sie nicht überrascht wurden. Nun saß er wieder hier, in diesem lächerlichen Kinderschlafanzug und wartete auf seinen Freund. Albus hatte sich im Schutze des Tarnumhangs auf den Weg zu den Slytherin-Kerkern gemacht, um Scorpius ein paar frische Anziehsachen zu holen. Mit der Zeit waren Yusaku, Berthram, Cole und Atticus fast fertig fürs Frühstück. Berthram trödelte wie jedem Morgen herum und zog sich seine Schuhe an, während Yusaku skeptisch auf die geschlossenen Bettvorhänge von Albus' Bett deutete.

„Hat jemand von euch Al gesehen?"

Erschrocken hob Scorpius seinen Kopf und starrte auf die Vorhänge. Langsam kam er sich vor, wie ein Reh in der Falle. Die anderen Mitbewohner schüttelten die Köpfe und Atticus ging auf das Bett zu.

„Ich schau mal nach!"

Jetzt war Scorpius wirklich in Panik. Er hasste peinliche Momente über alles und hier konnte er sich nirgends verstecken. In seiner Verzweiflung zog sich der Blonde einfach die Decke über den Kopf. Peinlich berührt, grummelte Scorpius unter dem Federbett vor sich hin, wie kindisch war er eigentlich. In dem Augenblick, als Atticus in die Bettvorhänge griff und Scorpius ängstlich die Luft anhielt, öffnete sich die Tür zum Schlafsaal und Albus kam hereingestiefelt.

„Morgen Leute!"

„He, Al! Wo kommst du denn her? Wir dachten du pennst noch!"

„Ich bin früh wach geworden und konnte nicht mehr einschlafen."

Yusaku grinste. „Hehe, das ist ja ne richtige Premiere, sonst müssen wir dich immer aus den Federn treten!"

Atticus legte ihm einen Arm um die Schultern. „Was ist, kommst du mit Frühstücken?"

Zögernd wähnte Albus den Vorschlag ab. „Geht schon mal vor, ich habe noch was zu tun."

Er wartete bis alle gegangen waren und lief dann zu seinem Bett. Schnell schlüpfte er hinein und fand Scorpius vor, der ihn erleichtert ansah. Ein wenig irritiert bemerkte Albus die wirren platinblonden Haarsträhnen und das scharlachrote Gesicht des Slytherin.

„Sag mal, hast du dir etwa die Decke über den Kopf gezogen?"

„Quatsch!" Mit einem Schnauben grabschte sich Scorpius seine Sachen, doch konnte er nicht verhindern, dass seine Wangen eine kleine Spur röter wurden. „Hast du meine Kulturtasche?"

„Jep!" Albus reichte sie ihm rüber und besah sich den Blonden näher. „Cool, man sieht fast gar nichts mehr! Nur hier an der Augenbraue ist noch ein kleiner Kratzer."

Scorpius fischte einen kleinen Handspiegel aus seiner Badetasche und warf einen kritischen Blick hinein. „Das macht nichts, da hab ich genau das richtige dafür." Er kramte einen kleinen Tiegel hervor, öffnete ihn und begann eine wohlriechende Creme aufzutragen. Fasziniert sah ihm der Schwarzhaarige dabei zu und wölbte eine Augenbraue, als Scorpius begann ein wenig Puder aufzutragen.

„Voila! Man kann nichts mehr sehen!"

„Äh, du schminkst dich?"

„Was heißt hier, ich schminke mich? Ich überdecke nur den Kratzer!"

„Scoop, du bist der einzige Junge den ich kenne, der so'n Kosmetikzeugs dabei hat!"

Empört warf Scorpius seine Schminksachen zurück in die Tasche und fauchte seinen Freund an. „Das ist meine Sache! Außerdem nenn mich nicht Scoop!"

Albus überhörte den Einwand und lugte neugierig in dir kleine schwarze Tasche, die er für den anderen, aus dessen Schlafsaal geholt hatte. „Hast du auch Lippenstift?"

„WIESO SOLLTE ICH DENN LIPPENSTIFT DABEI HABEN, DU NASE!"

Er wollte Albus die Tasche entreißen, doch der Gryffindor drehte sich zur Seite und wühlte weiter in Scorpius' Kulturtasche. „Großer Merlin, was ist dass?" Er zog die kleine Flasche mit Rosenwasser hervor, entstöpselte sie und schnupperte vorsichtig daran. „Hm, Rosenduft!"

„Albus, bitte!" Scorpius war fast am Verzweifeln, er nahm sich die Tasche und stopfte seine Sachen wieder zurück. „Ich schminke mich nicht! Siehst du dass hier?" Er hielt einen Tiegel hoch und Albus nickte. „Das ist eine Creme aus Kamillenblüten, die ist gegen Augenringe und Krähenfüße. Das Rosenwasser macht die Augen hell und klar. Ich lege halt wert auf meine Pflege, da muss ich mich nicht auch noch von Ignoranten wie dir und Zabini foppen lassen!"

„Ist ja schon gut, aber du musst doch zugeben, dass es wohl kaum einen zweiten Jungen in Hogwarts gibt, der diesen Krempel dabei hat."

Ein hochnäsiges Lächeln umspielte Scorpius' Mundwinkel und er nickte einmal. „Ja schon, aber ich bin ja halt auch einzigartig. Und dass war ja wohl auch der Grund, warum du dich mit mir angefreundet hast! Und jetzt..." Er scheuchte Albus mit einer Handbewegung aus dem Bett. „...mach dass du raus kommst, ich will mich ankleiden!"

„Ist gut, bei dir gibt's ja eh nicht viel zu sehen!" Fluchtartig sprang Albus aus dem Bett und kicherte über seine Schlagfertigkeit. Doch er war nicht schnell genug und wurde mit einem Kissen am Hinterkopf getroffen.

„Du bist ein richtiger Trollfurz, Potter!" Zutiefst beleidigt schloss Scorpius die Bettvorhänge und begann sich anzuziehen. Leise grummelte er vor sich hin. „...nicht viel zu sehen. Pah!" Eine Zeitlang schwieg er, dann streckte er den Kopf aus dem Bett. „Sag mal, wieso hast du heute Morgen eigentlich so lange gebraucht?"

„Ich musste den langen Weg nehmen, du hast mir zwar das Passwort für euren Gemeinschaftsraum gegeben, aber nicht für den Durchgang. Diese elisabethanische Pute wollte mich nicht durchlassen!"

„Oh, sorry!"

„Außerdem glaube ich, hab ich Zabini in den Wahnsinn getrieben, da ich eure Zimmertür immer offen gelassen habe. Aber dort waren so viele unterwegs, dass ich mich schnellsten aus dem Staub machen musste."

Scorpius hüpfte aus dem Bett und zog sich seine Schuhe an. Er band sich die Krawatte um, schlüpfte in seinen Pullover und präsentierte sich dann Albus. „Und? Wie sehe ich aus?"

„Sehr gut! Von dem Veilchen und den Kratzern sieht man nichts mehr. Hast du denn noch Schmerzen?"

„Nein, nur ein unangenehmes Ziehen wo mich die Stupor getroffen haben. Ansonsten geht es." Er gab Albus den kleinen Spiegel. „So, jetzt fehlt nur noch das Gel!"

„Du siehst ohne besser aus! Warum glaubst du mir das nicht?"

„Ja natürlich, Albus Severus Potter, der Fachmann für Frisuren!" Er sah missbilligend auf die dunkle, verstrubbelte Haarpracht des Gryffindor. „Vielleicht in einem anderen Leben!"

„Du bist echt doof!"

„Na und? Hauptsache ich gefalle mir! Kann halt nicht jeder so billig rum laufen wie du!"

Mit wenigen Handgriffen saßen seine Haare so wie sie sollten und zufrieden nickte Scorpius seinem Spiegelbild zu. Er räumte seine Sachen fort und sah sich um. Albus saß beleidigt auf seinem Bett und wich dem Blick des Blonden aus. In seinen Augen blitzten Tränen auf, und er wandte sein Gesicht ab, damit Scorpius sie nicht sehen konnte. Doch der Blonde hatte schon längst bemerkt, dass der Andere mit den Tränen kämpfte und nestelte schuldbewusst an dem Saum seines Pullovers. Scorpius haderte mit sich, wegen seiner Gedankenlosigkeit. Er hätte mehr auf die Gefühle seines Freundes Rücksicht nehmen sollen. So sehr sie sich auch oft triezten, sich ärgerten und irgendwelche Albernheiten an den Kopf warfen und ihren Spaß dabei hatten, so leicht fiel es ihnen, sich gegenseitig mit Worten zu verletzen. Das war Scorpius gleich aufgefallen, als er mit Albus Freundschaft geschlossen hatte. Früher hatte er oft Beleidigungen über sich ergehen lassen müssen. Doch mit der Zeit hatte er gelernt, diese Schmähungen zu ignorieren, sie mit der sprichwörtlichen Gelassenheit der Malfoys zu übergehen. Doch mit Albus Potter wurde alles anders. Der quirlige Gryffindor wirbelte Scorpius' ganzes Repertoire an Attitüden, die er so lange einstudiert hatte, durcheinander. Bemerkungen, die der Slytherin bei jedem anderen eiskalt Lächelnd übergangen hätte, trafen ihn besonders hart, wenn sie aus Albus' Mund kamen. Und es überraschte Scorpius, wie sehr er selbst den Schwarzhaarigen mit einer unbedachten Äußerung verletzen konnte. Aber Scorpius wusste auch, dass sie sich nie lange böse sein konnten, also beschloss er ein wenig zu Kreuze zu kriechen und war froh, dass sein Vater ihn jetzt nicht sehen konnte. Seufzend ließ er sich neben Albus nieder, der ihm weiterhin den Rücken zuwandte. Scorpius legte dem Kleineren die Hand auf die Schulter, doch der schüttelte sie ab und schniefte.

„Lass mich!"

„Jetzt schmoll nicht, du weißt doch, dass ich es nicht so meine!"

„Das macht es auch nicht gerade besser! Du solltest langsam ein Gefühl dafür haben, wann du mich verletzt!"

Scorpius machte dicke Backen und zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ist ja was mit meinem Gefühl kaputt?" Er hob eine Augenbraue und sah zu Albus. Sanft stupste er den Schwarzhaarigen an. „Komm schon! Lass uns Frühstücken."

„Hab keinen Hunger!"

„Ach, das glaubst du doch selbst nicht!"

„Siehst du, du tust es schon wieder!"

„Ich... sag mal, heute Morgen bist du ganz besonders dünnhäutig, kann das sein?"

„Nicht mehr als sonst auch!"

Langsam begann sich Scorpius' Schuldbewusstsein in Ärger umzuschlagen. Seine Lippen zu einer dünnen Linie zusammen gekniffen, starrte er den Hinterkopf des Gryffindor an und zählte bis zehn um sich abzuregen.

„Wollten wir nicht eigentlich Parkinson eins auswischen?"

„Pf, mach doch!"

„Ach jetzt ist auch mal wieder gut! Ich verspreche dir, wenn ich jemals in die Verlegenheit komme, meine Haare in Form eines Krähennestes zu tragen, bist du der Erste, den ich frage!"

Wütend warf sich Albus auf ihn und zerstrubbelte dem empörten Slytherin die Haare. „Verdammt du kleine Ratte, bleib mir von meinen Haaren weg!"

Doch der Gryffindor dachte gar nicht daran. Er war sauer auf den anderen und hätte ihm am liebsten in seinen arroganten Hintern getreten. Sie rangelten eine Zeit lang herum, bis sie vom Bett rollten und Scorpius wieder die Oberhand gewann. Fest schlossen sich seine Finger um die schmalen Handgelenke des Kleineren.

„So, jetzt hab ich dich! Gibst du endlich Ruhe?"

„Ich denke gar nicht daran!"

„Dir wird nicht viel anderes übrig bleiben!" Scorpius schnaufte und sah verärgert auf Albus hinab. „Ist dir klar, dass ich jetzt wieder meine Frisur herrichten muss?"

„Pah, du könntest sie lassen wie sie jetzt sind, sieht doch ganz niedlich aus!"

„ICH BIN NICHT NIEDLICH!" Nun war der Blonde wirklich sauer, schnippisch keifte er Albus an. „Ich bin ein Malfoy, die sind nicht niedlich. NICHT NIEDLICH!"

Dies entlockte Albus ein Kichern und frustriert setzte sich Scorpius auf, blieb aber weiterhin auf dem Schwarzhaarigen sitzen. „Idiot! Das macht keinen Spaß, wenn du dabei lachst!"

Umständlich rappelte er sich auf und wollte nach seiner Kulturtasche greifen. Hinter ihm sprang Albus mit einem Mal ziemlich behände auf die Beine und zog seinen Zauberstab. Zielsicher richtete er ihn auf Scorpius' schwarze Tasche.

„Snufflifors!"

Ein pinkfarbener Lichtstrahl jagte an dem verdutzten Slytherin vorbei und traf die Tasche, die plötzlich ein Fell bekam, nebst Ohren und Schwanz. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Scorpius die Maus an, die vor kurzem noch seine Tasche war und musste hilflos zusehen, wie sie plötzlich vom Hocker hopste und ihm quiekend über die Schuhe lief. Reflexartig versuchte der blonde Junge die Maus zu greifen, doch die schlug einen Haken und war in einem Loch in der Wand verschwunden. Während er um Fassung rang, starrte Scorpius eine Zeit lang auf das Loch.

„Wo ist die hin?"

Albus, der neben in trat schaute ebenfalls auf das kleine Loch und zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, wo Mäuse halt so hingehen."

Scorpius schloss kurz seine Augen um sich zu beruhigen. „Was zum Teufel war das?"

„Snufflifors! Damit verwandelt man Dinge in Mäuse. Tante Hermione hat ihn uns früher gezeigt, indem sie Bücher in Mäuse verwandelte. Sie wollte wohl unser Interesse am Lesen wecken."

„So was hast du behalten? Du hast zwar Schwierigkeiten Kürbissaft von Wasser zu unterscheiden, aber du kannst Dinge in Mäuse verwandeln."

„Cool, ne?"

„WAS HEIßT HIER COOL? Meine Sachen! Was mach ich denn jetzt?"

Albus verstaute seinen Zauberstab und drehte den Größeren zu sich. Mit einigen Handgriffen wuschelte er Scorpius durchs Haar und zog ihm einige Strähnen in die Stirn. Dabei ignorierte er die Blicke der wolfsgrauen Augen, die sogar Lava zum erstarren gebracht hätten. Er trat einen Schritt zurück und nickte zufrieden.

„Jetzt siehst du toll aus!"

Der Blonde warf einen Blick in den Spiegel und brummte sarkastisch auf. „Super, jetzt sehen wir aus, als ob wir im Partnerlook unterwegs sind."

Mit einem Grinsen legte Albus dem Slytherin einen Arm um die Schultern. „Mir gefällt es!"

„Sagt der Junge ohne den geringsten Geschmack!"

„Komm schon, lass uns in die Große Halle gehen."

„Auf keinen Fall, so gehe ich nicht unter Leute!"

„Schön, dann hat Parkinson halt gewonnen!"

„WAS?"

Scheinheilig grinsend wandte sich Albus ab und hob die Schultern. „Der hat bestimmt schon überall rum erzählt, was er gemacht hat. Wenn du dem Frühstück fern bleibst, werden ihm alle glauben! Also, was ist, kommst du nun mit?"

Die Große Halle begann sich langsam zu füllen. Verschlafen schleppten sich die meisten Schülern zu ihren Plätzen und ließen sich unmotiviert auf die Bänke plumpsen. Vorbildlich waren die Schüler aus Ravenclaw. Ihr Tisch war bereits fast voll besetzt und die Ravenclaws waren munter am schwatzen. Auch die Schüler aus Hufflepuff schienen wahre Frühaufsteher zu sein und ließen ihre Kameraden aus Slytherin und Gryffindor wie Morgenmuffel aussehen. Diesen Eindruck machte auch Rose Weasley, die träge neben ihrer Cousine Polly saß und verschlafen in ihrem Müsli herumrührte. Polly Weasley war die Tochter von George und Angelina. Sie hatte genau wie ihr Bruder Fred jr. die dunkle Hautfarbe ihrer Mutter und deren strahlenden Augen. Von ihrem Vater erbte sie die Sommersprossen und immer wenn sie in der Sonne stand, bekam ihr dunkles Haar einen roten Schimmer. Sie hieß Roxanne Pollyanna Weasley, wurde aber von allen immer liebevoll Polly gerufen. Sie warf ihrer Cousine einen Blick zu und grinste.

„Na Rosi, wach ist was anderes, oder?"

„Mmmmh!"

„Konntest du nicht schlafen?"

„Doch schon..."

„Naja, bei dem Tumult gestern Nacht!"

„Was meinst du?"

„Na der Junge, der sich zu den Mädchen schleichen wollte." Verträumt kaute sie auf ihrem Toast herum. „Hach, wie romantisch. Es war bestimmt einer der Siebtklässler!"

Gelangweilt schob Rose die Schüssel mit dem Müsli zur Seite. „Nee, bestimmt nicht!"

„Weißt du wer es war? Oh, bitte sag's mir!"

„Woher soll ich das denn wissen, Polly?"

„Und warum wirst du dann rot?"

„Frag nicht!" Seufzend legte Rose ihren Kopf auf die verschränkten Unterarme und brummelte vor sich hin.

Doch die Beiden waren nicht die Einzigen, die an diesem Morgen mit ihrer Müdigkeit zu kämpfen hatten. Auch Hank Baddock, ein vierschrötiger junger Mann aus Slytherin saß übellaunig auf seinem Platz. Er gehörte zu den Absolventen des siebten Jahrgangs, die die Ermahnungen ihrer Schulleiterin und ihrer Hauslehrerin in den Wind geschlagen hatten, bereits im sechsten Schuljahr damit zu beginnen, sich auf ihre Abschlussprüfungen vorzubereiten. Vor ein paar Wochen hatte ihnen Professor McGonagall noch einmal kräftig ins Gewissen geredet und ihnen vorgerechnet, dass sie von nun an jeden Abend zusätzlich zu ihren Hausaufgaben und den Schulprojekten, mindestens drei Stunden den bisherigen Unterrichtsstoff aufarbeiten mussten, damit sie bei ihren Utzen einigermaßen manierlich abschneiden konnten. Hanks Vater hatte ihm ziemlich deutlich klar gemacht, dass er kein schlechtes Examen akzeptieren würde, geschweige denn ein Durchfallen seines Sprösslings. Wohl oder übel schlug sich nun der Slytherin, mit seinen Leidensgenossen die Nächte mit Pauken um die Ohren. Beim Frühstück versuchte er immer ein wenig zu dösen und nutzte den Morgen normalerweise bis zur letzten Sekunde aus. Doch heute war daran nicht zu denken. Der ganze Slytherin-Tisch schwirrte nur so vor Tratsch und Gerüchten, die teilweise schon auf die anderen Haustischen übergegriffen hatten. Übellaunig zwang er sich dazu, seine blutunterlaufenen Augen zu öffnen und blaffte seinen Nachbarn an.

„Was bei Salazars Eingeweiden ist eigentlich los, heute Morgen?"

Wallace Sheppard, ebenfalls aus dem siebten Jahrgang, neigte sich ihm zu. „Parkinson gibt mal wieder an, wie eine Tüte voller Feuerfliegen!"

„Man, der soll die..."

„Nee, warte! Die wollen gestern Abend Malfoy aufgemischt haben. Angeblich haben sie ihn im verbotenen Wald abgeladen, vielleicht liegt er immer noch da."

„Wen interessiert schon Malfoy! Die haben vielleicht Probleme!"

Sein wuchtiger Kopf ruckte in Richtung der Quelle des ganzen Trubels. „Verdammt Parkinson, halt die Fresse und gib endlich Ruhe!"

Schlagartig herrschte Schweigen am Tisch und alle sahen abwechselnd von Baddock zu Parkinson. Der mopsgesichtige Junge, der bis eben noch in den höchsten Tönen herum geprahlt hatte, rümpfte pikiert die Nase und sah giftig den Tisch entlang. Er konnte nicht verhindern, dass seine Wangen rot wurden und erhob sich. Langsam stolzierte er zu den Siebtklässlern und näselte vorwurfsvoll mit seiner piepsigen Stimme.

„Ich hab mir wohl ein wenig Respekt verdient, immerhin hab ich Malfoy fertig gemacht!"

Hank ließ seinen Blick, verächtlich über den kleinen Slytherin wandern und wandte sich mit einem Schnauben ab. „Deshalb brauchst du noch lange nicht, solch ein Trara zu veranstalten, bloß weil du und deine Kumpel irgend so einen Hanswurst aufgemischt habt." Er lachte trocken auf und wies auf Parkinsons rötliche, leicht geschwollene Nase. „Bis jetzt hat er ja wohl dir immer gezeigt, wo der Hammer hängt."

Gehässig geiferte Parkinson los. „Jah, weil er Potter an seiner Seite weiß. Da kann er die Fresse ja aufreis..."

„Ja klar, als ob du ihm allein eine verpasst hast! Mit wie viel Mann hast du ihm denn aufgelauert?"

Dennis war zutiefst verbittert, wenn Malfoy und Potter ihm eins auswischten, da lachten sie alle über ihm. Aber wenn er es dem Blonden mal gezeigt hatte, interessierte sich kein Troll dafür. Er rieb sich über seine malträtierte Nase und verfluchte einmal mehr Scorpius. Zischend atmete er ein, doch bevor er noch ein Wort über die Lippen brachte, legte sich eine Hand mit festem Griff auf seine Schulter.

„Lass gut sein, der liebe Hank weiß die guten, alten Qualitäten eines Slytherins nicht zu schätzen. Stimmt 's Alter?"

Parkinson schaute den Jungen, der neben ihn trat, unsicher an. Er wusste, dass der Junge Francis Urquhart hieß und im zweiten Schuljahr war. Francis grinste ihm aufmunternd zu, behielt ihn ansonsten weiterhin fest an der Schulter gepackt. Der Slytherin mit den kinnlangen, schwarzen Haaren war gut einen Kopf größer als Parkinson und fixierte Hank fest, mit seinen hellen, blauen Augen.

„Weißt du Parkinson, der gute Hank und ich sind Cousins und du hast Recht, er könnte es tatsächlich würdigen, dass du es diesem Verräterspross Manieren beigebracht hast."

Genervt schnaubte der übermüdete Hank auf, dass letzte was er heute Morgen gebrauchen konnte, war eine weitere, fruchtlose, ideologische Diskussion mit seinem Cousin.

„Als ob deine Alten je dem dunklen Lord gedient hätten. Die waren doch die ersten, die sich ins Ausland abgesetzt hatten."

Wenn Francis beleidigt über diese Aussage war, so zeigte er es nicht. Ruhig stand er da, locker an Parkinson gelehnt und grinste schmal.

„Dass meine Alten scheiße sind, brauchst du mir nicht zu sagen, Cousin!"

Er wandte sich wieder Parkinson zu. „Ich bin übrigens Francis Frédèrick Urquhart! Ich bin im zweiten Jahrgang und natürlich... reinblütig!"

Das letzte Wort ließ er genüsslich auf der Zunge zergehen, und sah Parkinson fest in die Augen. Dennis wich diesem stechenden Blick aus, langsam schmerzte seine Schulter und Francis begann seinen Griff zu verstärken.

„Du bist doch ein Reinblüter, Parkinson?"

„Ja-ja, was denkst du denn?"

Der Andere nickte kurz und schien zufrieden. Plötzlich erhob sich Hank und trat mit einem breiten Grinsen zu ihnen.

„Ich mag vielleicht nicht die Art eines Slytherin zu schätzen wissen, Vetter..." Süffisant schnippte er seinem Cousin einen Fussel von der Robe. „...dafür krieche ich aber auch keinem Dummschwätzer in den Hintern!"

Mit einem kurzen Nicken wies er zum Eingang der Halle und ging lachend weiter. Francis versteifte sich und stieß Parkinson zur Seite. Der konnte es gerade noch vermeiden, über seine eigenen Füße zu stolpern und sah erschrocken zu den anderen Jungen, der ihn wütend anfunkelte.

„Das vergesse ich dir nie, du Versager!"

Der Grund für sein verändertes Verhalten spazierte gerade in die Große Halle und zankte sich mit einem gewissen schwarzhaarigen Gryffindor mit Brille. Am liebsten wäre Parkinson vor Scham im Boden versunken. Ungläubig starrte er Scorpius Malfoy an, der zu seinem Platz ging, als hätte es den gestrigen Abend nie gegeben. Ausgiebig stritt er sich mit Albus Potter, der sich, nachdem er Zabini und Bulstrode begrüßt hatte, neben den Blonden setzte und anfing mit ihm zu schimpfen. Einige der Slytherins, die ihr Frühstück beendet hatten, gingen an Parkinson vorbei und rempelten ihn rüde an. Dabei zischte ihm der ein oder andere leise Beleidigungen zu, von denen Idiot oder Schwätzer, noch die harmlosesten waren. Doch Parkinson, nahm dies fast gar nicht wahr, ungläubig sah er Scorpius an, der nicht den kleinsten Kratzer im Gesicht hatte. Wie zum Merlin hatte Malfoy das wieder hinbekommen? Myriel unterdessen sah Albus und Scorpius bei ihrem Disput zu. Irgendwas zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, aber sie konnte nicht sagen was es war. Das Mädchen zog seine Nase kraus, was langsam zu einer Angewohnheit bei ihr wurde, wenn sie angestrengt nachdachte.

„Ich kann mir nicht helfen Scorpius, irgendwas ist heute anders."

Der Blonde warf ihr einen langen Blick zu, als er seinen Mund öffnete, wedelte Myriel mit der Hand. „Nein, nein, sag nichts, ich hab's gleich!"

„Ich..."

„Nein, bitte, bitte, warte!"

Ein sichtlich genervter Nicola Zabini sah abwechselnd zwischen beiden hin und her, bevor er mit den Augen rollte. „Siehst du's nicht? Es sind die Haare!"

„Ooh, steht dir aber gut!"

„Da! Hab ich's dir nicht gesagt!" Sehr mit sich zufrieden, goss sich Albus Tee ein und grinste, was bei einem bestimmten, platinblonden Slytherin nicht gerade die Laune hob.

„Ja, du hast es gesagt und ich sage Bullshit!"

Die gute Myriel verstand nicht, warum sich Scorpius so sehr aufregte. „Also ich finde, du siehst putzig aus!"

Doch leider merkte sie nicht, dass sie damit nur noch mehr Öl ins Feuer goss. Aus schmalen Augen giftete Scorpius sie an. „ICH BIN NICHT PUTZIG!"

Zabini trat Myriel kurz vors Schienbein, so dass sie ein wenig zusammenzuckte und ihn vorwurfsvoll ansah. Der dunkelhäutige Slytherin kratzte sich am Hinterkopf und sah neugierig zu Scorpius. „Wieso hast du überhaupt so eine Friesu..." Doch weiter kam er nicht, da ihm der Blonde das Wort abschnitt.

„Weil ein gewisser Gryffindor es für furchtbar lustig hielt, meine Tasche mit den Waschutensilien in eine Maus zu verwandeln!"

„Wie dass?"

„Snufflifors!" Albus grinste verschwörerisch. „Macht unheimlich viel Spaß!" Scorpius stieß ein verärgertes Schnauben aus und Albus knuffte ihm in die Seite. „Also ich hatte meinen Spaß und du siehst wirklich gut mit deinen Haaren aus!" Er neigte sich dem Blonden zu. „Schau nur, Parkinson ärgert sich grün und blau. Ich halte jede Wette, der würde am Liebsten über den Tisch springen und dich fragen, wieso du keine Blessuren hast."

Scorpius nickte. „Tja, er hat halt keinen Löwen der ihm zur Seite steht!" Er schaute tief in Albus' Augen und musste lächeln, als er deren überraschten Ausdruck sah. „Ich hoffe du weißt, dass ich dir trotz des Ärgers, so unendlich dankbar bin?"

Albus nickte. „Ja, das weiß ich! Gibst du mir bitte die Schüssel mit dem Plumpudding?"

„Gern!"

Schräg gegenüber am Tisch, saßen Parkinson und seine Spießkumpane tuschelnd beieinander. Merrywell fuchtelte hektisch mit seinen Armen in der Luft herum und schien sehr aufgebracht. Er wollte sich nicht beruhigen und schließlich stauchte ihn Parkinson zusammen.

„Verdammt, ich weiß nicht wieso er keine Verletzungen hat. Jetzt gib endlich Ruhe, das Ganze ist schon peinlich genug!"

„Du hast gesagt da kann nichts schief gehen!"

Wütend warf Dennis ein Brötchen nach dem Kleineren. „Ja, dann verklag mich doch, du Idiot!"

Merrywell sprang abrupt auf und lief heulend aus der Großen Halle, während Parkinson verächtlich hinter ihm hersah. „Kaum zu glauben, dass der reinblütig ist. So ein Jammerlappen!"

„Aber ich würde schon gern wissen, wie er aus dem Wald gekommen ist." Mordred Flint schien sich seinen Quadratschädel darüber zu zerbrechen, während McDuff sich an Dennis wandte.

„Du scheinst ja die Ruhe weg zu haben, Parkinson. Was wenn er uns verpetzt?"

„Schwachkopf, wenn er uns verpfeifen wollte würde er sich nicht geben, als wäre nichts passiert!" Er lachte bitter auf. „Nein, Malfoy hat eine perfidere Methode gefunden. Er lässt mich als Aufschneider dastehen!"

Dennis lachte, er war alles andere als ruhig. In seinem Inneren war es regelrecht am brodeln. Einmal mehr hatte es Malfoy geschafft, aus einer sicheren Niederlage einen Triumph zu machen. Der Slytherin mit den schwarzen Stoppelhaaren gab sich keinen Illusionen hin, seine Hausgenossen hielten ihn einmal mehr für den geborenen Verlierer. Ihm klangen die Beleidigungen von eben immer noch in den Ohren, aber am schlimmsten war die Verachtung, die Urquhart ihn fühlen ließ. Dabei hatte er so gehofft endlich einen Gleichgesinnten gefunden zu haben, der nicht nur reinblütig war, sondern in Dennis' Augen das gewisse Etwas hatte. Seine Mutter wäre bestimmt stolz auf ihn gewesen, wenn er mit Urquhart hätte Freundschaft schließen können. Er sah wie der schwarzhaarige Junge auf der anderen Seite des Tisches entlang ging und Malfoy anstarrte. Eine Zeit lang blieb Francis unschlüssig stehen, ging dann aber direkt zu Scorpius. Er wollte den Blonden an die Schulter greifen, doch bevor er ihn auch nur berühren konnte, schoss Albus' Hand nach vorn und packte das Handgelenk des Slytherins. Sie blickten sich aus schmalen Augen abschätzig an, bis Urquhart seine Hand langsam zurückzog.

„Ich gratuliere Malfoy, nicht jeder kann von sich behaupten, er habe einen Wachhund aus Gryffindor."

Albus lächelte ihn kalt an. „Jah und dieser Wachhund beißt auch wenn es nötig ist!"

Der Slytherin verneigte sich leicht und seine schwarzen, kinnlangen Haare rutschten auf beide Seiten nach vorn, wie Gardinen. „Das wird wohl nicht von Nöten sein, Potter! Die Warnung ist angekommen."

Scorpius hatte sich inzwischen umgedreht und musterte den Zweitklässler. Aus Urquharts Miene ließ sich nicht ablesen, wie er zu Scorpius stand, doch der Blonde war aus Erfahrung misstrauisch.

„Was willst du?"

„Stimmt das, was Parkinson faselt?"

„Ich weiß zwar nicht, was er nun wieder erzählt hat, aber es ist kein Geheimnis, dass er viel Wind um nichts macht."

Ein kleines Lächeln umspielte Francis' schmale Lippen. „In der Tat, er macht allerdings viel Wind! Wie wäre es, wenn du mal eine unserer Versammlungen besuchen würdest. Es gibt Kreise, da könnte der Name Malfoy wieder glänzen." Fest hielten die hellblauen Augen, ihre wolfsgrauen Pendants im Blick. „Was meinst du dazu?"

Scorpius wölbte eine Augenbraue, ansonsten sah man ihm keine Regung an. Nur Albus wusste die Mimik seines Freundes zu deuten und für ihn stand fest, dass der Blonde nicht das geringste Interesse hatte, ein weiteres Mitglied in Urquharts kuriosem Reinblüterclub zu werden. Diese Erkenntnis keimte nun auch bei Francis auf, aber er verstand es sein Missfallen zu verbergen.

„Oh, ich verstehe." Ein letztes Mal sah er zu Albus und verließ dann die Große Halle.

„Brrr, bei diesem Typen hab ich glatt ne Gänsehaut bekommen." Myriel schüttelte sich. „Bei dem solltest du aufpassen!"

„Keine Angst!" Scorpius zwinkerte Albus zu und lächelte. „Das werden wir!"

Der Rest des Frühstücks verlief ungestört und noch nicht einmal die Tatsache, dass Albus Potter wieder am Tisch der Slytherins saß, schien irgendeinen zu stören. Jedenfalls keinen außer der kleinen Schar um Dennis Parkinson. Doch auch sein halbherziger Protest bei den Vertrauensschüler und seiner Hauslehrerin, brachten ihm nichts weiter ein, als einen doppelten Anpfiff von Sylvana Nott und Bruce McInnery. Auch Professor Briddles schien sich nicht sonderlich für das Geplapper ihres Hausschülers zu interessieren und brummte ihn einige Stunden Strafarbeit auf.

Tbc...