Unverhoffter Besuch

Albus genoss den Vormittag in London. Er bummelte zusammen mit Draco über die Portobello Road und betrachtete sich die weihnachtlich geschmückten Schaufenster der vielen Läden. Am Leaky Cauldron hatten sie sich aufgeteilt und so war Scorpius mit seiner Mutter in der Diagon Alley unterwegs. Da Albus sein Geschenk für den Blonden in Muggle London kaufen wollte, begleitete Draco kurzerhand den jungen Gryffindor. Nun trug der blonde Magier ein hübsch verpacktes Paket. Seine grauen Augen folgten Albus, der vor ihm her wuselte. Der Junge trug einen dunkelgrünen Parka und seinen rotgelben Gryffindor Schaal, der ihm bis über die Nase ging. Nur seine smaragdgrünen, bebrillten Augen und das strubbelige, mit Schneeflocken überzogenen Haar, schauten hervor. Albus schnüffelte und sein Magen begann deutlich vernehmbar zu knurren. Die Luft war erfüllt vom Duft nach gerösteten Maronen, Mandeln, Bratäpfel und anderen Naschereien.

„So wie es aussieht, hast du einen extrem guten Appetit!"

Albus grinste breit, doch Draco konnte dies nur an seinen strahlenden Augen sehen, da der Junge bis über die Nasenspitze in seinen Schaal eingemummelt war.

„Möchtest du Zuckerwatte, Albus? Ich fürchte die wird nicht ganz so sein wie es sie in Diagon Alley gibt, aber schmecken wird sie allemal."

„Ja gern!"

Einige Zeit später bummelten beide über einen kleinen Weihnachtsmarkt. Während Albus an seiner Zuckerwatte knabberte, warf er Scorpius' Vater immer wieder Blicke zu. Der blonde Magier bemerkte, dass der Junge ihn etwas fragen wollte und schaute ihn abwartend an.

„Was wünschen Sie sich eigentlich zu Weihnachten, Mr. Malfoy?"

„Du brauchst mir nichts zu schenken, Albus!" Er lächelte. „Aber wenn du möchtest, sage ich dir womit du Mrs. Malfoy eine Freude machen könntest."

Albus nickte und Draco neigte sich zu ihm hinab, um ihn ins Ohr zu wispern. Verschwörerisch nickten sie einander zu und Albus lief zielstrebig auf einen der Weihnachtsstände zu.

Am frühen Nachmittag trafen sie sich mit den anderen am Trafalgar Square. Die Malfoys hatten sich für die Jungs noch eine kleine Überraschung ausgedacht und im angesagtesten Chinesischen Restaurant der Stadt einen Tisch reserviert. Auf einer runden Tafel mit drehbarer Platte, stapelten sich die köstlichsten, asiatischen Speisen. Da gab es Dim Sun, Frühlingsrollen, zweimal gebratenes Schweinefleisch, Schweinerippchen und Klösschen, sowie Pekingente, Hummerkrabben und Fisch süß sauer, alles zusammen appetitlich arrangiert und jeder konnte von allem probieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte Albus, das Essen mit Stäbchen recht gut im Griff. Er war gerade dabei ein Fleischbällchen von der Platte zu stibitzen. Mit der Zungenspitze im Mundwinkel hatte er es fast geschafft, als Scorpius Arm hervor schoss und die Drehplatte einfach weiterdrehte. Aber da hatte er die Rechnung ohne Albus gemacht, flink streckte er sich etwas und schnappte sich einfach das Klösschen.

„Hah, das hättest du wohl gern!"

„Tja, da merkt man das Sucherblut in der Familie!"

Scorpius grinste, er hatte diese Weihnachten einen Heidenspaß und das lag vor allem an Albus. Er dachte an den heutigen Morgen, als er ziemlich unsanft geweckte wurde, da Albus sich im Schlaf umgedreht hatte und Scorpius dabei den Ellenbogen in die Seite rammte. Der Blonde war schon fast wieder weggeschlummert, als Albus sich zusammen rollte und ihn mit dem Rücken zur Seite stupste. Abermals drehte sich der Gryffindor um und legte den Arm um Scorpius Brust, damit war der Slytherin endgültig wach. Seufzend stand er auf und ging duschen, da an Schlaf ohnehin nicht mehr zu denken war. Jetzt war ihm auch klar warum Albus so dünn war, obwohl er so viel in sich hineinstopfte. Wie sollte er auch zunehmen wenn er sich jede Nacht wie ein Brummkreisel hin und her wälzte.

Frisch geduscht und vollkommen angezogen, betrat Scorpius sein Zimmer, er sah dass Albus völlig unter der Federdecke verschwunden war, bis auf ein Büschel rabenschwarzer Haare, der keck hervorlugte. Lachend machte sich Scorpius daran seinen Freund zu wecken, jedoch war er dabei nicht sonderlich erfolgreich. Albus schlief tief und fest, wie ein Bär im Winterschlaf. Er gab auch mittlerweile ähnliche Geräusche von sich. Doch Scorpius ließ sich nicht entmutigen. Mit einem fiesen Grinsen im Gesicht, riss er die großen Fenster weit auf und augenblicklich strömte eiskalte Luft ins Zimmer. Froh darüber, einen flauschigen Rolli zu tragen, wartete Scorpius bis es so richtig eiskalt im Raum war. Vorsichtig beugte er sich über den Schwarzhaarigen und biss sich voll diebischer Vorfreude auf die Unterlippe. Dann zog er in einem Ruck, dem armen Albus die Decke weg. Zuerst geschah nicht viel. Der Gryffindor rollte sich maulend zusammen, mit der Zeit fing er an zu zittern und plötzlich schoss er mit einem spitzen Aufschrei in die Höhe.

„JA SAG MAL, BIST DU DENN VÖLLIG BESCHEUERT?"

Finster giftete er Scorpius an, der sich lachend seinen Bauch hielt, denn Albus' Empörung trieb ihm die Lachtränen in die Augen. Das war ja wohl der Gipfel der Unverschämtheit.

„Das ist nicht witzig, Scorpius!"

„Und ob es das ist! Los Marsch, sieh zu, dass du unter die Dusche kommst, es gibt bald Frühstück!"

Murrend sprang Albus aus dem Bett und stiefelte beleidigt ins Bad.

Scorpius grinste breit. Ja, er war wirklich glücklich darüber, dass Albus seine Einladung angenommen hatte. Der Gryffindor labte sich gerade an einem, mit Schweinefleisch gefüllten, gedämpften Brötchen und schob Scorpius ein weiteres zu.

„Hier, die musst du unbedingt probieren!" Er rollte genießerisch mit denn Augen. „Die sind so was von lecker!"

Vorsichtig griff der Blonde danach und entfernte das Reispapier vom Boden. Zögernd warf er Albus einen Blick zu, der ihm auffordernd zunickte und biss zaghaft hinein. Es schmeckte extrem lecker, das hätte Scorpius nicht erwartet. Seine grauen Augen weiteten sich und diesmal er biss herzhaft zu. Etwas von der klebrigen Soße rann über sein Kinn und er schloss seine Augen voller Genuss. Es machte Albus Spaß, den Blonden so zu sehen. Normalerweise ging Scorpius nur sehr selten aus sich heraus und wirkte daher meistens sehr steif. Doch nun, selbst in der Anwesenheit seiner Eltern, saß er da, mit dicken Backen schmatzend und soßenverschmiertem Mund.

Draco betrachtete sich seinen Filius und lachte. „So wie es aussieht, wisst ihr Chaw Siu Bao zu schätzen!"

Scorpius nickte nur und griff sich ein weiteres Brötchen. Grinsend hangelte sich Mrs. Malfoy elegant auch eines und hielt es Draco hin. „Hier, versuch du bitte auch eines, Liebling."

Sein Blick amüsierte sie, aber sie dachte nicht daran ihren Mann vom Hacken zu lassen. Astoria wiederholte ihre Geste ein wenig energischer und klimperte Draco mit ihren langen Wimpern an. Schließlich ließ er ergeben die Schultern hängen und biss in die gedämpfte Köstlichkeit, wobei ihm die Soße über das Kinn lief, sehr zur Freude der anderen.

Später, als sich alle auf den Weg zum Wagen machten, fiel Albus etwas ein. Aufgeregt zog er Draco am Ärmel seines Mantels. „Wann schmücken wir eigentlich den Baum, Mr. Malfoy?"

Erstaunt blickten sich die Malfoys an. „Das erledigen normaler Weise die Hauselfen!"

Albus sah etwas enttäuscht aus. „Schade, bei uns schmückt immer die gesamte Familie den Baum. Das macht sehr viel Spaß und meine Geschwister und ich streiten dann immer so richtig herzhaft, wer den Weihnachtsengel auf die Spitze setzen darf."

Mrs. Malfoy nickte langsam und wandte sich an ihren Mann. „Vielleicht machen wir dieses Mal eine Ausnahme?"

„Ja, vielleicht!" Er wölbte skeptisch eine Augenbraue, immer wenn ein Potter in sein Leben trat, brachte er es irgendwie aus dem Tritt. Und so fand er sich einige Zeit später im kleinen Salon wieder, begafft von ungläubigen Hauselfen, stand er mit seiner Familie und Albus um einen prächtigen Tannenbaum herum und schmückte ihn zusammen mit den anderen mit Kugeln, Lametta. Bratäpfel und allerlei kitschigem Tand. Scorpius stand auf einer Trittleiter, mit einem großen Rauschgoldengel in der Hand, der auf die Spitze der Blautanne sollte. Er diskutierte mit Albus, der die Leiter hielt.

„Wieso zum Merlin kann ich das nicht mit dem Zauberstab erledigen?"

„Weil es so mehr Spaß macht!"

„Oh ja, ich amüsier mich prächtig!"

„Ich mich auch, wenn du abrutschst und zappelnd in die Zweige fällst!"

Nun schmollte der Blonde, erst streckte er Albus die Zunge raus und dann ließ er etwas Lametta auf dessen strubbeligen Haarschopf Niederrieseln. Der Gryffindor blinzelte nach oben und rüttelte an der Leiter. „He, werd mir bloß nicht übermütig da oben!"

Erschrocken klammerte sich der Blonde an den Sprossen fest, um nicht den Halt zu verlieren. „Bist du des Wahnsinns? Na warte nur bis ich wieder unten bin!"

„Steck du lieber erstmal den Engel oben auf die Spitze!"

Verwünschungen ausstoßend stieg Scorpius weiter und pfefferte schließlich den armen Engel ziemlich unelegant auf die Baumspitze. Nachdem das Ding einigermaßen gerade saß, kam der Slytherin wieder herunter und baute sich drohend vor seinem Freund auf. Doch der schien keineswegs besorgt, mit funkelnden Augen strahlte er den Baum an und lächelte.

„Sieh nur, wir sind fertig! Ist er nicht wunderschön?"

Murrend betrachtete Scorpius den Baum und ganz langsam spürte er eine freudige Erregung tief in seinem Inneren. Er war überrascht, dass er tatsächlich so etwas wie Stolz auf seine Arbeit empfand. Der Baum erstrahlte im Glanz des glitzernden Lamettas, den Kugeln und der magischen Kerzen. Die Zweige waren übersät mit Äpfeln, Süßkram und ähnlichem und vereinzelnd tanzten Weihnachtsmänner, Engel und Rentiere über die Äste und stellten allerlei dummes Zeug an, bei dem sie Weihnachtslieder sangen oder „Ho, ho, ho!" riefen. Dies war ein Zauber, den Draco bewirkt hatte und der für viel Begeisterung sorgte. Sanft legte Scorpius seinen Arm um Albus' Schulter.

„Du hattest Recht, es hat Spaß gemacht!"

Albus versetzte ihm einen Stoß mit der Hüfte. „Aber immer erst rummosern, was?"

„Du hast da Lametta im Haar!"

„Du im Übrigen auch!"

„WAS?"

Hektisch tastete der Blonde in seinen Haaren herum und brachte sie damit so richtig in Unordnung. „Das ist doch gar nicht wahr!" Wütend sah er den Schwarzhaarigen an, der sicherheitshalber auf Abstand ging. „Na warte, Albus!"

Der wartete gar nicht erst ab, bis Scorpius ausgesprochen hatte, sondern nahm gleich Reißaus. Lachend rannte Albus aus dem Zimmer, einen äußerst wütenden Slytherin auf den Fersen. Mrs. Malfoy ließ ihr glockenhelles Lachen ertönen und wandte sich ihrem Mann zu. In ihrer Hand hatte sie ein kleines Lebkuchenherz, mit Zuckerguss und hielt es ihm hin. Sie zwinkerte ihm neckisch zu und grinste als er in seiner unnachahmlichen Art eine seiner Brauen wölbte. Langsam biss Draco in das Herz, wobei er sorgsam darauf achtete, dass seine Oberlippe zärtlich über ihre Fingerspitzen streifte. Kurz schlug Astoria ihre Augen nieder und ein leichter Rotschimmer legte sich auf ihre Pfirsichwangen.

„Vielleicht hätten wir doch ein zweites Kind haben sollen."

Es war nur ein leises Wispern, aber er hatte sie verstanden und schüttelte nachsichtig lächelnd den Kopf. „Das wäre äußerst unvernünftig, mein Herz und du weißt das sehr wohl."

Ob sie über seine Antwort enttäuscht war, konnte man ihr nicht ansehen. Sie nickte. „Für Scorpius wäre es schön gewesen, ein Geschwisterchen zu haben. Hast du gesehen, wie glücklich er ist, seit er und Albus befreundet sind?"

„Ja, das habe ich. Er ist selbstsicherer geworden."

„Vor allem ist er glücklich!"

Draco lachte laut auf. „Das, oder er freut sich, dass er endlich jemanden zum rumkommandieren hat, ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit!"

Missbilligend schauten ihn ihre violetten Augen an. „Da lästert gerade der Richtige! Du wirst doch den armen Albus nicht mit Crabbe vergleichen?" Astoria zwackte Draco in die Seite, wohl wissend, dass er da sehr empfindlich war. „Wenn ich nicht falsch liege, dann hast DU damals eine schlechte Erfahrung gemacht!"

Draco knurrte ihr ins Ohr. „Ich hätte doch auf meinen Vater hören und mir ein dummes Frauchen zulegen sollen! Aber nein, ich wollte unbedingt eine mit Verstand."

„Oh, dass will ich sehen! Mein Drache und ein einfältiges, dummes Weibchen. Du würdest dich schon am zweiten Tag zu Tode langweilen."

Er zog sie dicht an sich heran. „So, meinst du?"

Beide hoben ihre Köpfe, als es ein Stockwerk höher plötzlich laut rumste. Skeptisch verzog Draco sein Gesicht und Astoria lachte. „Ich hoffe die tun sich nicht weh!"

„Ich hoffe eher, die zerdeppern nicht das gute Porzellan meiner Mutter!"

„Wer zerdeppert mein Porzellan?"

Draco blickte überrascht zur Tür. Da standen von einer Hauselfe begleitet seine Eltern und grinsten zu ihnen herüber.

„Mutter, Vater!"

Freudig umarmte Draco seine Mutter und küsste sie auf die Wangen. Danach umarmte er seinen Vater. Narcissa Malfoy herzte ihre Schwiegertochter und schaute sich um.

„Wo ist Scorpius?"

Lächelnd wies Astoria zur Tür. „Sie sind oben, komm mit!"

„Sie?"

Die beiden Frauen verließen schwatzend den Raum und Draco schaute zu Lucius. „Solltet ihr nicht längst in der Sonne liegen?"

Um Lucius Mund erschien ein selbstironisches Grinsen. „Eigentlich ja, aber deine Mutter hatte sich in ihren hübschen Kopf gesetzt, erst noch Scorpius zu besuchen!"

„Unterschätze nie die Bindung, die zwischen einer Großmutter und ihrem Enkel besteht!"

Lucius tippte Draco mit dem Finger auf die Brust. „Und du, mein Sohn, solltest nie das Wort ‚Großmutter' in Verbindung mit deiner Mutter in einem Satz benutzen!"

Beide lachten und Lucius nickte in Richtung Tür. „Lass uns hochgehen, ich würde meinem Enkel auch gerne Hallo sagen!"

Während sie die Stufen hochstiegen, überlegte Draco, wie er seinen Vater auf Albus vorbereiten sollte. Lucius beobachtete eine der Hauselfen, die in einer Art Stubenmädchentracht herumhuschte.

„Ich kann noch immer nicht verstehen, warum du nur diesen Splien hast! Und wie bringst du sie überhaupt dazu diese Sachen auch zu tragen?"

„Ich kann diese Lumpen und Tücher nicht mehr sehen und anziehen tun sie die Kleidung ganz von allein!"

Sie standen vor Scorpius' Zimmer und Draco hielt seinen Vater kurz zurück. „Bevor wir reingehen, mach dich auf eine kleine Überraschung gefasst! Wir haben einen Gast!"

Lucius sah seinen Sohn an, der ihm aufforderte einzutreten. Wenn er je eine Situation benennen sollte, die den Begriff Déjà vue verdient hätte, dann diese. Vor ihm stand, der junge... Harry Potter?

„Äh...?"

„Vater, darf ich vorstellen? Albus Severus Potter!"

Lucius lächelte gequält, hatte er doch gehofft, den Namen Potter für den Rest seiner Tage nicht mehr zu hören. „Ja, unverkennbar der Sohn seines Vaters!"

Reserviert, jedoch nicht unhöflich gab er dem Jungen die Hand, der ihn artig begrüßte. Dann umarmte Lucius seinen Enkel.

„Hallo Scorpius, wie ich sehe, hast du auf Hogwarts einen Freund gefunden!"

„Ja, Großvater! Albus hier ist mein bester Freund! Wir haben uns im Zug angefreundet."

Lucius neigte sich seinem Sohn zu und raunte. „An was erinnert mich das bloß?"

„Ha, ha!"

„Nun Albus, gefällt es dir hier auf Malfoy Manor?"

„Oh ja Mr. Malfoy, ich finde es toll und bin gern hier!"

Albus musste ein schmunzeln unterdrücken, alle drei Malfoy Generationen zusammen zu sehen und die frappierende Ähnlichkeit zwischen ihnen, verblüffte den Jungen gerade zu. Lucius Malfoy trug seine langen platinblonden Haare zu einem Zopf gebunden, der ihm bis zur Hüfte reichte. Sein Sohn hatte kinnlange Haare, in derselben Farbe und auch Scorpius' Haare hatten diesen weißblonden Farbton, wenn er auch, wie Albus leicht ärgerlich feststellte, diese immer streng nach hinten gegelt trug. Narcissa kam zu Scorpius und herzte ihren Enkel. Gewandt richtete sie ihm die Haare und streifte eine vorwitzige weißblonde Strähne aus seinem Gesicht.

„Du siehst gut aus Spätzchen, das schottische Klima bekommt dir."

Verlegen nickte Scorpius. „Ich fühl mich auch sehr wohl in Hogwarts!"

Sie streichelte kurz über seine Wange und wandte sich zu Albus. "Wie geht es deinem Vater Albus? Ich habe ihn seit annähernd zwanzig Jahre nicht mehr gesehen."

„Oh, Paps geht es gut, er ist ne richtige Rossnatur!"

Ein Lächeln stahl sich auf Narcissas blasse Lippen. „Was ist mit dir, bist du denn auch gerne in Hogwarts?"

„Unbeschreiblich gern, es macht viel Spaß und Scorpius und ich schlagen uns in allen Fächern sehr gut!"

„Das stimmt! Ich helfe ihm in Zaubertränke und Albus greift mir bei Verteidigung gegen die dunklen Künste unter die Arme."

Als sie sah, wie Lucius mit den Augen rollte, musste Narcissa sich ein Lachen verkneifen. Grinsend schaute sie zu ihrer Schwiegertochter. „Könnte ich bitte eine Tasse Tee bekommen?"

„Gern! Der Salon ist bestimmt schon eingedeckt..." Astoria wies zur Tür. „Wenn ihr so nett sein wollt und mir folgen würdet."

Albus hatte einen Heidenbammel davor gehabt, als er Scorpius' Großeltern begegnet war, schließlich hatte er nicht damit gerechnet. Doch inzwischen amüsierte er sich ganz prächtig. Lucius Malfoy wirkte zwar etwas verdrießlich, unterhielt aber die ganze Gesellschaft mit Anekdoten darüber, wie Draco als Kind war. Sehr zur Freude der beiden Jungs, die besonders die Geschichte mochten, als der kleine Draco die weißen Pfauen auf dem Anwesen ärgerte und diese den damals fünfjährigen Dreikäsehoch in die Zange nahmen, um ihn mit ihren Schnäbeln zu traktieren. Die Vorstellung, wie sein Vater von Pfauen eingekreist wurde, ließ Scorpius in schallendes Gelächter ausbrechen. Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte Draco seinen Filius, bis dieser ihn ansah und augenblicklich verstummte.

„Ich an deiner Stelle würde nicht so laut lachen... Scoop!" Scorpius Augen weiteten sich und er warf Albus einen bösen Seitenblick zu, der sofort knallrot wurde. „Oder muss ich dich etwa daran erinnern, wie ich dich mit sechs Jahren strampelnd aus dem See ziehen musste, weil du unbedingt mit den Goldkarpfen spielen wolltest und reingefallen bist!"

Betreten schwieg Scorpius, doch sein Großvater sprang ihm zur Seite. „So wie ich dich da rausfischen musste, als du heimlich mit dem Besen geübt hast und da rein geplumst bist."

„Vater, bitte! Du untergräbst meine Autorität!" Sie grinsten sich an und während Draco ihnen zwei Gläser mit Feuerwhisky füllte, blinzelte Lucius seinem Enkel amüsiert zu.

Später am Abend wurde es Zeit, dass Scorpius und Albus ins Bett kamen, sie verabschiedeten sich und begaben sich nach oben. Die beiden Frauen zogen sich zu einer Tasse Mocca und einem Sherry zurück und überließen die beiden Männer sich selbst. Bei einer guten Zigarre hatten es sich Draco und Lucius am Kamin bequem gemacht. Der Ältere blies weiße Rauchwolken aus und seine blassgrauen Augen beobachteten, wie sie langsam davon trieben und sich zerfasernd auflösten.

„Was hältst du von dieser seltsamen Freundschaft?"

Draco sah in die prasselnden Flammen im Kamin und seufzte. „Ich finde sie tut Scorpius gut! Hast du bemerkt wie lebenslustig er geworden ist?"

Stumm nickte Lucius nahm einen weiteren Zug und grinste. „Jedenfalls imitiert er nicht mehr dein steifes Gehabe."

Empörte schnappte Dracos Mund auf, doch Lucius wehrte belustigt ab. „Keine Angst, das hast du in seinem Alter ebenfalls gemacht, wenn auch nicht ganz so konsequent muss ich zugeben."

„Nun ja, er mag mich halt!" Sein Blick wandte sich wieder dem Feuer im Kamin zu. „Jedenfalls bin ich froh darüber, dass er einen vernünftigen Freund gefunden hat, dem Scorpius Wohl am Herzen liegt!"

„Ist das nicht ein wenig übertrieben?"

„Du musst die Beiden mal zusammen sehen. Sie stehen wirklich füreinander ein und dass ist bei weitem mehr, als ich je über meine, so genanten Freunde sagen konnte!"

Lucius seufzte. „Ich habe wahrlich eine Menge Fehler gemacht, dass tut mir leid!"

„Wir beide haben diese Fehler gemacht. Ich hatte mich für diesen Weg entschieden! Es tut mir nur leid, dass nicht nur ich die Konsequenzen zu tragen habe, sondern auch Astoria und Scorpius. Merlin, ich bin Potter wirklich Dankbar, damals mein Leben gerettet zu haben!"

„Nun, deine Mutter hatte immerhin den dunklen Lord für ihn angelogen!"

Draco begann leicht zu schmunzeln. „Du kannst seinen Namen noch immer nicht aussprechen!"

„Ich muss gestehen, es bereitet mir die größten Schwierigkeiten."

Auf Dracos Gesicht legte sich ein ernster Zug. „Potter hat mir das Leben gerettet, zweimal! Und dass bevor Mutter Voldemort angelogen hat. Gott, ich habe mich ihm gegenüber immer wie der letzte Mensch benommen und er hatte die Größe, mir nicht nur mein jämmerliches Leben zu retten, sondern uns auch in unserer Verhandlung beizustehen!"

„Tja..." Lucius hob sein Glas. „Auf Harry Potters Edelmut!" Es sollte ein wenig ironisch klingen, doch dies gelang ihm nicht so recht, Lucius wusste nur zu genau, was er Harry Potter alles zu verdanken hatte.

Unterdessen genoss Scorpius die anheimelnde Wärme seines Himmelbettes, die Vorhänge fest zugezogen. Mit einem mehr als zufriedenen Gesichtsausdruck kuschelte er sich in seine mollige Decke und schlummerte allmählich ein. Plötzlich hörte er, wie seine Tür geöffnet wurde und jemand um sein Bett schlurfte. Wachsam blickte er zur anderen Seite und riss erstaunt die Augen auf, als ein Kissen durch die Vorhänge flog. Dann folgte Albus, der irgendwie umständlich ins Bett krabbelte und sich seine Pantoffeln von den Füßen streifte. Mit seinem Zauberstab leuchtete er Scorpius ins Gesicht und grinste.

„Hey!"

„Was zum Merlin willst du?"

Doch statt einer Antwort klopfte Albus sein Kissen zurecht, machte es sich neben dem Blonden bequem und schlüpfte ebenfalls unter die Decke. Unformell wurde Scorpius an den Schultern gepackt und nach unten gezogen, wo Albus mit einem wohligen Seufzen seinen Kopf an Scorpius' Schulter schmiegte.

„Hmm, du..."

„Ja, ja, ich dufte gut, ich weiß! Das Gestern, sollte eigentlich nur eine Ausnahme..." Er sah in Albus' Kulleraugen, die ihn riesig anglotzten und seufzte. „Ach, was soll's! Liegst du bequem?"

Der Schwarzhaarige grinste ihn breit an. „Jep! Ich hoffe mein Schnarchen wird dich nicht stören!"

„Ach wo, im Gegenteil! Ich empfinde es eher als einschläfernd und jetzt mach das Licht aus!"

Tbc...