Weihnachten, Spukgeschichten und ein Pfau
Am Morgen wurde Albus schon ziemlich früh wach. Er schlüpfte vorsichtig aus Scorpius' Umarmung und verschwand kurz ins Badezimmer. Als er wieder zurückkam, krabbelte er erneut ins Bett und begann Scorpius zu wecken. Mürrisch schob der Blonde Albus' Hand zur Seite und öffnete verschlafen seine Augen.
„Nyarrgh, was willst du?"
Als er keine Antwort erhielt zog er die Augenbrauen missbilligend zusammen und starrte Albus an, der neben ihm kniete und wie ein Idiot grinste.
„WAS?"
Penetrant weitergrinsend zog Albus seine Augenbrauen bedeutsam nach oben. Der Blonde steckte genervt knurrend, seinen Kopf zwischen die Kissen. Es war wohl das Beste, wenn er Albus ignorierte. Doch der wartete ein Weilchen, dann piekste er mit dem Zeigefinger seinem Freund in die Seite. Fünf-, sechsmal bis dieser herumfuhr um ihn anzuschnauzen.
„WAS? ES IST NOCH MITTEN IN DER NACHT!"
Als Scorpius wieder Anstallten machte sich hinzulegen, hob Albus drohend seinen Zeigefinger und der Slytherin schmollte ihn an.
„Wehe! Ich werfe dich raus!"
„Erstens, mein Freund, ist es schon morgens und zweitens, vergisst du wohl, um welchen Morgen es sich hier handelt!"
Fassungslos stierte ihn Scorpius an, der scheinbar mit einem Schlaganfall rang. „Pff... Herr im... Du machst diesen ganzen Terz nur weil Weihnachten ist?"
„NUR? Was heißt hier nur?" Albus breitete seine Arme aus. „Weihnachten! Es gibt Geschenke!"
„Die gibt es in zwei bis drei Stunden genauso! Ich würde wirklich gern noch ein Stündchen schlafen!"
Damit verschwand der Blondschopf wieder grummelnd unter der Decke. Doch Albus schmollte, das konnte Scorpius doch nicht ernst meinen.
„Du bist nicht gerade neugierig, oder?" Enttäuscht ließ er sich neben seinen Freund fallen, was Scorpius veranlasste sich umzudrehen um Albus zu mustern.
„Weißt du, wir bekommen unsere Geschenke beim Frühstück!"
Das machte aber keinen besonderen Eindruck auf den Schwarzhaarigen, der brummte nur und wandte sich enttäuscht ab. Was nun wieder Scorpius wurmte, mit einem Mal war er hellwach und an Schlaf war eh nicht mehr zu denken. Nach dem er mehrere Augenblicke lang, erfolglos versucht hatte, Albus' Hinterkopf mit Blicken zu durchbohren, gab Scorpius ihm einen Klaps auf den Rücken. Grinsend drehte sich Albus zu ihm herum.
„Und, wollen wir los?"
„Ja, ja! Du gibst ja sonst keine Ruhe!"
Frech wuschelte Albus dem entsetzten Blonden durch die Haare und brachte sich mit einem beherzten Sprung aus dem Bett in Sicherheit. Scorpius hechtete auf der anderen Seite nach draußen und packte den kichernden Gryffindor um die Hüften. Der konnte gerade noch die Zimmertür öffnen, verlor aber sein Gleichgewicht und beide kullerten übereinander in den Flur. Albus wehrte sich und kitzelte Scorpius mal so tüchtig durch, der schon Tränen in den Augen hatte.
„Na Scoop, gibst du auf?"
Der Slytherin gab einige quietschende Laute von sich, aus denen Albus so etwas ähnliches heraushörte, wie er solle sich zum Teufel scheren.
„Was ist jetzt? Gibst du auf?"
Feist grinsend saß er auf dem armen Scorpius und hielt dessen Hände fest. Der Blonde kniff die Lippen zusammen und versuchte sich zu befreien, bis er vor Anstrengung einen knallroten Kopf hatte. Aus zu Schlitzen verengten Augen giftete er den Kleineren an, der feixend auf ihn hinabstarrte.
„Na los! Gib schon auf!"
„Dafür büßt du, Potter! Und nenn mich nicht Scoop!"
Nach einer kurzen Rangelei, in deren Verlauf es Scorpius nicht gelang Albus abzuwerfen, musste er erkennen, dass der Gryffindor beiweiten nicht so schwach war wie er sich oft gab.
„Du sollst aufgeben, Scorpius!"
„NIEMALS!"
„Gut, bleibst du hier eben liegen! Ich sitze jedenfalls bequem!"
Der schmollende Gesichtsausdruck des Blonden amüsierte Albus. Die funkelnden, wolfsgrauen Augen versuchten ihn regelrecht aufzuspießen und kündeten von seinem nahen, äußerst unangenehmen Tod. Vor lauter Übermut feixte der schwarzhaarige Strubbelkopf seinen Freund an. Mit nur einer Hand hielt er Scorpius' Handgelenke umklammert und mit der anderen kniff er die blasse, spitze Nase des am Boden liegenden zu. Empört schnappte Scorpius nach Luft. Er wand sich hektisch hin und her und mit einem Mal gelang es ihm, eine Hand frei zu bekommen. Albus wurde am Kragen seines Schalfanzuges gepackt und ziemlich unsanft herumgeschleudert. Scorpius lachte triumphierend auf. Nun waren die Rollen vertauscht. Er saß auf dem Schwarzhaarigen und zischte böse.
„Und jetzt, Potter..."
„Jetzt möchte ich mal gerne wissen, was hier los ist, Scorpius?"
Mrs. Malfoy stand im Flur und schaute die Beiden skeptisch an. „Nun, ich warte!"
Langsam erhob sich Scorpius und verfluchte den Umstand, dass seine Mutter ausgerechnet jetzt hier auftauchte. Hätte sie nicht eine Minute früher kommen können. Er verdrehte die Augen, was sie dazu veranlasste eine Augenbraue zu heben. Mit der naivsten Unschuldsmine zu der er fähig war, stand Scorpius da und blinzelte seine Mutter an. Plötzlich schoss sein Arm seitwärts hervor und wies auf Albus.
„Er ist schuld!"
Empört japste Albus auf und schaute völlig perplex zu Mrs. Malfoy. „Ich wollte nur Geschenke schauen!"
Ein Lächeln legte sich um ihre Lippen und sie sah beide an. „Ihr geht jetzt duschen! Und wenn ihr angezogen seid, kommt ihr runter zum Frühstück! Und danach, bekommt ihr eure Geschenke!"
Ihr Tonfall duldete keinen Widerspruch. Scorpius zog Albus auf dir Füße und beide tapsten brummelnd zurück ins Zimmer des Blonden, wobei sie es nicht lassen konnten, sich gegenseitig mit dem Ellenbogen in die Seite zu knuffen. Mrs. Malfoy schaute ihnen hinterher und schüttelte grinsend ihren Kopf. Die beiden waren einfach zu süß.
So maulig die beiden Jungs zu diesem Zeitpunkt auch waren, umso fügsamer und aufgeregt verhielten sie sich beim Frühstück. Draco genoss diese kleine Folter richtig gehend. Während Scorpius und Albus brav ihr Frühstücksei aßen, huschten die riesigen Kinderaugen immer wieder zu dem kleinen Berg an Geschenken, der unter dem Weihnachtsbaum lag. Letztendlich hatte Mrs. Malfoy ein Einsehen und klatschte in die Hände.
„So Jungs, ich kann es nicht mehr länger mit ansehen! Wenn ihr fertig..."
Doch noch ehe sie ausgesprochen hatte, flitzten Albus und Scorpius so schnell zum Weihnachtsbaum rüber, dass sie wie unklare Schemen aussahen. Scorpius hob ein großes Packet auf und reichte es an Albus weiter.
„Hier, dass ist für dich, von mir!"
Mit tellergroßen Augen starrte der Schwarzhaarige erst das Geschenk an, dann seinen Freund. „Da... danke!"
„Na los, pack aus!"
Das brauchte er Albus nicht zweimal zu sagen, wie ein Wirbelwind glitten seine Finger über das glitzernde Geschenkpapier und entrissen ihm sein Geheimnis. Albus stieß einen anerkennenden Pfiff aus.
„Quidditch Worldcup! Geil!"
Scorpius schaute ihn unsicher an. „Und? Gefällt es dir?"
„Machst du Witze? Ich liebe es! Lass uns nachher gleich spielen!" Dann griff sich Albus ein Geschenk und hielt es Scorpius hin. „Ich habe lange überlegt und meine Tante Hermione um Rat gefragt. Ich hoffe es..."
Doch Scorpius grabschte sich bereits ungeduldig sein Geschenk. „Ja, ja, gib schon her und quatsch keine Opern!" Einen Augenblick später hielt er sechs, in Leder gebundene Bücher in seinen Händen und blätterte neugierig darin herum. „Shakespeare?"
„Jaah! Ich dachte, dass könnte dir gefallen. Wo du doch so gern dieses Zeugs ließt..."
Grinsend schaute der Blonde von den Seiten hoch. „Ich hatte bis jetzt keine Gelegenheit Shakespeare zu lesen, aber ich werde alle lesen!" Er knuddelte den Schwarzhaarigen. „Danke schön, Albus!"
Und weiter ging die Bescherung. Für seine Mutter hatte Scorpius ein wunderschönes Paar Handschuhe, die zu ihrer Abendrobe passten und Draco bekam von ihm ein Satz edelster Schreibfedern geschenkt. Albus erhielt von Mrs. Malfoy einen wunderschönen schwarzen Rollkragenpullover, der mit feinen Silberfäden durchwoben war. Albus mochte ihn sofort, er war samtig weich und der Gryffindor hätte um ein Haar zu schnurren begonnen. Ein Sortiment aus Duschgel, Badesalz und Shampoo gehörten ebenso dazu, wie ein großer Beutel Sauerzischende Drops und Schokofrösche. Von Draco bekam er ein Rennbesenpflegeset für Profis, eine schnittige und perfekt sitzende Fliegerbrille und ein Paar Quidditch Handschuhe für Sucher. Mit riesigen Augen bestaunte Albus das eingestickte Monogramm.
Draco schmunzelte. „Ich weiß zwar, ihr kommt erst nächstes Jahr in eure Teams, aber ich kenne deinen Vater, Albus und da der Apfel bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt, hast du dich bestimmt schon heimlich auf einen Besen geschwungen."
Der Junge nickte errötend und bedankte sich, da hatte er wirklich ein tolles Geschenk erhalten. Schnell stellte er die Sachen zu seinen anderen Geschenken und griff sich ein kleines Päckchen. Grinsend überreichte er es Draco, der überrascht eine Augenbraue nach oben zog. Kurz wog der Magier das flache Päckchen in seiner Hand, er öffnete es und lachte. Zum Vorschein kam ein kleiner Drachen aus Lebkuchen, verziert mit Mandeln, kandierten Kirschen und Zuckerguss, den Draco seiner Familie zeigte.
„Wann hast du denn den gekauft?"
„Als wir gestern auf dem Weihnachtsmarkt waren und ich dieses hier..." Albus reichte ein weiteres hübsch verpacktes Päckchen an Astoria. „...für Mrs. Malfoy besorgt hatte."
„Oh, das ist für mich?"
Albus nickte und sie kniff ihm liebevoll in die Wange. Behutsam löste sie die kleine Schleife und entfernte das Papier. Sie öffnete den kleinen Deckel, jauchzte kurz auf und sah entschuldigend zu ihrem Mann, der sie amüsiert beobachtete. Mit großen Augen wuschelte sie Albus durch die Haare
„Geröstete Mandeln! Oh, ich liebe geröstete Mandeln!"
Sie ließ eine knackend im Mund zerspringen und schloss genießerisch ihre Augen. Albus zwinkerte Draco zu, als Dank für den Tipp Tags zuvor. Scorpius wiederum freute sich über ein Paar Stiefel aus Drachenleder, jeder Menge Kleidung und einen silbernen Siegelring mit dem Familienwappen. Sein Vater hatte denselben an seinem Finger. Natürlich erhielt er auch ein paar leckere Naschereien, die sofort mit Albus geteilt wurden. Am Ende gab es dann auch die Geschenke, die Albus von seiner Familie erhielt. Trudy und Peacock hatten sie gebracht. Und so gesellten sich zu den anderen Süßigkeiten weitere Pasteten, Kuchen, Kekse und allerlei Leckereien, die die Küche der Familie Weasley hergaben. Irgendwie befürchtete Mrs. Malfoy, würde dieses Weihnachten nicht gerade gesund für die Zähne der beiden Kinder verlaufen. Von seinem Vater erhielt Albus neben einem Satz Schreibfedern, einen Lederhalfter, mit dem man den Zauberstab am Gürtel trug und ein hübsches Photoalbum, das voll mit Bildern der Familie war und Albus trösten sollte, wenn er Heimweh bekam.
Harry dachte sogar daran, eine kleine Aufmerksamkeit für Draco und Astoria beizulegen. Doch den Vogel schoss Molly Weasley ab, die Albus einen ihrer berüchtigten Pullover geschenkt hatte. Der schlüpfte direkt hinein und stellte sich neben Scorpius, den ebenfalls ein Pullover von Mrs. Weasley zierte und auf dessen Brust ein kleiner Skorpion prangte. Während sich Astoria darüber amüsierte, bat Draco insgeheim darum, mit Blindheit geschlagen zu werden. Das sein Sohn ausgerechnet in einem Weasley Pullover herumläuft, hätte er sich auch nicht träumen lassen.
„He, was ist das!"
Scorpius bemerkte einen kleinen, unscheinbaren Beutel, der aus einem Paket der Weasleys herausgerutscht war. Albus sah hin und riss seine Augen auf.
„NEIN, NICHT!"
Vorwitzig lugte Scorpius in den Beutel. Ein lautes Wusch ertönte und der blonde Junge wurde in eine lila Rauchwolke getaucht, aus der er hustend und prustend wieder hervorkam. Zur Überraschung aller umstehenden erstrahlte sein Kopf in der Farbe einer Brombeere. Draco hatte sich als erster gefangen und deutete auf seinen Sohn.
„Ich würde mal sagen, das sieht ganz nach ‚Weasleys Zauberhafte Scherzartikel' aus!"
Seufzend schüttelte Albus den Kopf. „Ach Scoop, den habe ich extra nicht aufgemacht. Onkel George hat immer solche Späße auf Lager."
„Schön, dass du mich gewarnt hast!"
„Sorry, sonst bist du doch gar nicht so neugierig."
„Sonst ist ja auch nicht Weihnachten... HE, was heißt hier nicht so neugierig? Ich bin nicht neugierig!"
„Na, dafür bist du jetzt ganz schön lila!"
„Geht das wieder weg?"
Albus winkte lachend ab. „Ja, das lässt sich abwaschen!"
„Gut!" Etwas betröppelt schaute Scorpius zu seinen Eltern. „Ihr entschuldigt mich bitte!"
„Oh, ich finde du solltest es noch ein Weilchen lassen wie es ist. Es steht dir ganz gut!" Draco grinste und selbst der bitterböse Seitenblick seines Filius konnte ihn nicht einschüchtern.
Gewaschen und gestriegelt kam der Blonde einige Zeit später wieder in den Salon, in dem Albus bereits das Spielbrett von The World Quidditch Cup aufgebaut hatte. Er und Scorpius wählten sich jeweils eine Mannschaft aus und nahm mit ihr an der Weltmeisterschaft teil. Je nach Spielort entstand auf dem Spielbrett eines der berühmten Quidditch Stadien der Welt. Die Miniaturausgaben der angesagtesten Spieler jagten auf ihren Besen übers Spielfeld und zeigten die verrücktesten Manöver mit Quaffel, Klatschern und Schnatz. Je mehr Spiele man gewann, desto bessere Rennbesen konnte man seiner Mannschaft besorgen, desto gewieftere Spieler verpflichten. Albus und Scorpius hatten ihren Spaß und waren kaum los zu eisen, als das Mittagessen kam. Am Nachmittag ließ es sich Scorpius nicht nehmen, Albus das Anwesen zu zeigen. Die Salons, die Bibliothek, einen Ballsaal, all die vielen Zimmer und Fluchten von Malfoy Manor. Albus war von all der Pracht und Größe sehr beeindruckt. Nach einem kurzen Abstecher in die Küche, bei dem sie sich ein paar Pastetchen abgriffen, kamen sie in den Wintergarten. Unter einer weitläufigen, mit Stahl eingefassten Glaskuppel, im Viktorianischen Stil, fanden sich die exotischsten Pflanzen und Blumen. Sie erstrahlten in den schönsten Farben und verströmten einen herrlichen Duft. Vereinzelnd luden Bänke und Korbsessel zum Verweilen ein und das Plätschern eines Bächleins, das in einen Teich mündete, gab vor der weitläufigen Schneelandschaft draußen, der ganzen Atmosphäre einen unwirklichen Zug. Zwei Trauerschwäne glitten über den Teich und Albus versuchte sogleich sie mit etwas Pastete zu füttern. Amüsiert darüber, ließ sich Scorpius auf den Rasen nieder und beobachtete seinen Freund, der unbefangen einen der schwarzen Schwäne streichelte.
„Albus!"
Der Schwarzhaarige wandte sich ihm zu und Scorpius klopfte auf den Rasen neben sich. Grinsend hüpfte Albus zu ihm und setzte sich. Er legte seinen Arm um Scorpius' Schulter und beide beobachteten schweigend die schwarzen Schwäne. Nach einer Weile warf der Slytherin einen Seitenblick auf seinen Freund.
„Hast du immer noch Heimweh, Albus?"
„Nein!" Er sah kurz zu Scorpius und grinste. „Ich bin gern hier, bei dir! Es macht unheimlich viel Spaß und deine Eltern sind sehr nett! Ich hatte mich am Anfang ein wenig vor ihnen gefürchtet, weißt du?"
„Hm!"
„Aber jetzt..." Er legte sich hin und bettete seinen Kopf auf Scorpius' Schoß während er zu ihm aufsah. „Ich bin froh, dass du mich eingeladen hast!"
„Bist du!" Scorpius seufzte. „Ich bin auch glücklich, dass du hier bist!" Verträumt streichelte er durch Albus' störrisches Haar. „Weihnachten war noch nie so lebhaft gewesen! Ich hatte Angst, dass es dir hier nicht gefallen würde, oder dass du lieber Heim zu deiner Familie wolltest."
„Keine Angst, ich bleibe hier und nächstes Jahr, kommst du mit zu mir!"
Leicht überrumpelt starrte Scorpius auf Albus hinab. „Äh, in den Hühnerstall?"
„Fuchsbau, du Nase!"
Scorpius lachte. „Weiß ich doch! Aber hältst du dass für eine gute Idee? So wie sich deine Mutter aufgeführt hat?"
„Hm, ich weiß, aber ich hoffe bis dahin hat sie sich an unsere Freundschaft gewöhnt! Außerdem feiern wir im Fuchsbau und Oma ist für ihre Gastlichkeit berühmt!"
„Ich hoffe du weißt, dass du meiner Mutter damit das Herz brichst!"
Albus blinzelte ihn an. „Nun was ist, kommst du?"
„Ja, nächstes Weihnachten feiern wir bei dir!"
Grinsend schloss Albus seine Augen. „Das ist schön, Scorpius!"
Einige Zeit saßen sie schweigend beieinander. Spielerisch streichelte Scorpius Albus durchs Haar, während der Gryffindor vor sich hindöste. Er drehte sich zur Seite und begann leise zu Schnarchen. Dies ließ den Slytherin grinsen, sachte beugte er sich nach vorn und vergrub sein Gesicht in der schwarzen Haarpracht. Er sog den herben Duft von Kräutern ein, nach denen Albus' Haare dufteten. Mit einem Mal fühlte sich der Blonde sehr froh und leise wisperte er in die samtenen Strähnen.
„Weißt du Albus Severus Potter, ich bin wirklich sehr glücklich, dass du mein Freund bist und ich gebe dich nie wieder her!" Er wusste, dass der Schwarzhaarige ihn nicht hörte und ein Lächeln umspielte seinen Mund. „Auch wenn du manchmal eine richtige Nervensäge bist!" Obwohl er dies nur flüsterte, sprach er die folgenden Worte fast lautlos. „Ich habe dich lieb!"
Dann setzte sich Scorpius wieder auf und betrachtete den schlafenden Gryffindor, während seine Hand unablässig durch die wirren Haare streichelte. Ein wenig wünschte er sich die Zeit möge still stehen und musste plötzlich über sich lächeln. Er kam sich etwas kindisch vor, doch stellte Scorpius überrascht fest, dass es ihm völlig egal war.
Wie lange er in Scorpius' Schoß geschlafen hatte, wusste Albus nicht. Leicht verträumt öffnete er seine Augen, gähnte herzhaft und streckte sich. Er schaute auf, genau in die funkelnden Wolfsaugen seines Freundes, der ihn belustigt musterte.
„Na du Schlafmütze, hast du ausgeschlafen?"
„Öhm, ja?" Albus' Wangen röteten sich und Scorpius verwuschelte lachend seine Haare. „He, nur nicht übermütig werden! Hey..."
Halbherzig versuchte Albus sich zu wehren, doch es machte ihm einfach viel zuviel Spaß mit dem Blonden herumzualbern. Übermütig wuschelte er in Scorpius Haaren herum, der überraschender Weise nichts dagegen hatte und dazu überging Albus zu kitzeln. Kreischend sprang der auf die Beine und wollte sich in Sicherheit bringen, doch Scorpius war ihm umgehend auf den Fersen und rannte hinter ihm her.
„Ich warne dich, Scorpius!"
„Ach ja?"
„Hör auf!"
„Alter Angsthase! Und so was schimpft sich Gryff..."
Unerwartet hatte sich Albus umgedreht und Scorpius um die Hüften gepackt. Fest zwackte er den Blonden in die Seiten, der schrill aufkreischte und kitzelte ihn gnadenlos durch. Lachend stolperten sie über den Rasen und hatten so ihre liebe Mühe, nicht zu stürzen. Plötzlich trat ein großer Pfau mit makellosem, weißem Gefieder, aus einer Hecke hervor. Erschrocken schrie Albus auf und klammerte sich an Scorpius' Arm. Der Blonde zeigte sich ziemlich schadenfroh darüber und Albus wurde rot im Gesicht.
„Verdammt Scorpius, konntest du mich nicht vorwarnen?"
„Hab dich nicht so, das ist nur Bob! Der erschrickt jeden gern, den er nicht kennt!"
Bob der Pfau faltete seine Schwanzfedern zusammen, stolzierte hocherhobenen Hauptes an Albus vorbei, der ihn misstrauisch beäugte und streifte Scorpius um die Beine. Der blonde Junge tätschelte ihm sachte den Kopf und schaute zu Albus.
„Du hättest mal sehen sollen, wie er mich hier um die Sträucher gejagt hatte, als ich noch ein Kleinkind war."
Er begann das seidenweiche Gefieder zu streicheln und der Pfau gurrte zutraulich. Albus schüttelte den Kopf.
„Das ist das erste Mal, dass ich einen weißen Pfau sehe."
„Jaah, sie sind etwas ganz besonderes!" Scorpius sah, wie ein fieses Grinsen die Mundwinkel des Schwarzhaarigen umspielte und wölbte skeptisch eine Augenbraue. „Wenn du jetzt gerade denkst, ich sei ein Pfau aufgrund meiner Haarfarbe und meiner Noblesse, lass dir eines gesagt sein Albus. Ich posiere nicht, ich stolziere nicht und ich bin nicht eitel!"
Albus schnaubte. Schon allein die Tatsache, dass der Blonde mit Wörtern wie Noblesse um sich warf, brachte ihn zum Lachen. „Hah! Du hast dich wohl selbst noch nie auf einem Besen gesehen, oder?"
Scorpius' Augenbraue zuckte gefährlich und er ballte seine Hand um einige Federn, bis der arme Bob protestierend aufkreischte. „Entschuldige, mein Lieber!"
Sanft streichelten die blassen Finger über Bobs Gefieder, bis der Pfau sich wieder beruhigte. Verärgert schaute Scorpius zu Albus und seine Augen begannen regelrecht zu funkeln.
„Scorpius, ich warne dich!" Der Gryffindor schluckte trocken und wich zurück, denn der Ausdruck in den Augen seines Gegenübers gefiel ihm überhaupt nicht.
Der Blonde verschränkte die Arme. „Bob!" Der Pfau hob seinen Kopf. „FASS!"
Wie ein geölter Blitz machte Bob einen Satz auf Albus zu, der um die eigene Achse wirbelte und Reißaus nahm. Albus hielt es für eine gute Idee den Teich entlang zu flüchten und über zwei breite Steine das Gewässer zu überqueren. Doch Bob blieb ihm auf den Fersen. Zu allem Überfluss schreckte Albus bei diesem Manöver auch noch die beiden Trauerschwäne aus ihrer Ruhe. Diese schlossen sich verärgert Bob an und begannen den Gryffindor langsam in die Enge zu treiben. Dem armen Albus blieb an Ende nichts anderes übrig, als sich auf eine Zierpalme zu flüchten. Während der Schwarzhaarige von einem Pfau und zwei Schwänen wütend angeschnattert wurde, spazierte Scorpius zufrieden pfeifend zurück in den Salon. Er genoss eine köstliche Tasse Tee und wollte gerade zu seinem Zimmer, als er von seiner Mutter angesprochen wurde.
„Sag mal, wo hast du denn Albus gelassen?"
„Och, der ist noch im Wintergarten und spielt mit Bob!"
Zwei Stunden später stapfte ein etwas zerzauster als sonst aussehender Albus Potter in Scorpius' Zimmer und hatte ziemlich schlechte Laune. Wütend blickte er sich um. Da der Blonde nirgends zu sehen war, ging Albus zum Bett und riss die Vorhänge auf.
„Scheiße! Das ist so was von unfair!"
Vor ihm lag Scorpius friedlich eingeschlummert. Er hatte in einem der Shakespeare Bände gelesen, die Albus ihm geschenkt hatte und bot nun ein so friedliches Bild, dass es der Gryffindor einfach nicht übers Herz brachte, ihn zu wecken um ihn anzupflaumen. Grummelnd lief Albus vor dem Himmelbett auf und ab, bis sein Blick zufällig auf Scorpius' Schreibtisch fiel. Er begann diabolisch zu grinsen, da ihm eine vage Idee kam, wie er es Scorpius mal so tüchtig heimzahlen konnte. Albus setzte sich an den Schreibtisch und durchforstete vorsichtig Schublade für Schublade. Schließlich fand er was er suchte. Ein triumphierendes „Aha!" entfuhr ihm und er drehte sich erschrocken nach dem Bett um, um zu sehen ob er den Anderen geweckt hatte. Doch der schlummerte weiterhin friedlich vor sich hin und das boshafte Grinsen kehrte auf das Gesicht des Schwarzhaarigen zurück. Mit Pinsel und Farbe bewaffnet schlich sich Albus an das Bett heran und setzte sich vorsichtig zu seinem Freund. Mit kindlicher Vorfreude tat er ein wenig Farbe auf den Pinsel und verpasste Scorpius einen schwungvollen Schnurrbart. Er legte seinen Kopf schief, betrachte sein Werk und fügte leichthändig noch ein Kinnbärtchen hinzu, das den Blonden wie einen der drei Musketiere aussehen ließ. Zufrieden mit seinem Werk, legte Albus Pinsel und Farbe zurück und legte sich zu Scorpius ins Bett. Mit einem hämischen Gefühl der Vorfreude im Herzen schlief er langsam ein. Rache ist ja so was von süß.
Abends zum Dinner saßen alle im kleinen Salon beisammen. Die Malfoys starrten ihren Sohn an. Draco schielte kurz zu seiner Frau, die Scorpius' gemalten Bart mit einem Schulterzucken abtat. Scorpius wiederum irritierte es sehr, dass jedes Mal, wenn er das Wort ergriff, eine allgemeine Heiterkeit auszubrechen schien. Sogar sein Vater, Draco Malfoy, sonst das Paradebeispiel für ein gutes Benehmen, blubberte in seinen Wein, alle Etikette vergessend. Als dann Albus, nachdem Scorpius Professor Stibbens imitiert hatte, lachend vom Stuhl fiel, schwante dem Slytherin, dass hier irgendwas faul war. Es musste etwas mit seinem Gesicht sein und es machte ihn wahnsinnig, dass er nicht nachsehen konnte. Er wollte sich schließlich keine Blöße geben und so hielt er tapfer durch bis zum Schluss. Kaum hatte Draco die Tafel aufgehoben, flitzte Albus ziemlich unbootsmäßig aus dem Salon, was ein eindeutiges Indiz für sein schlechtes Gewissen war. Etwas schneller als üblich, aber gerade noch zögerlich genug, wie es die Höflichkeit gebietet, verließ Scorpius den Salon und lief auf sein Zimmer und ins Bad. Ein wütender Aufschrei ließ erahnen, dass das, was er im Spiegel sah ihn keineswegs amüsierte. Einige Minuten später und mit frisch gewaschenem Gesicht, wuselte ein ziemlich übellauniger, blonder Slytherin durch sein Zimmer. Von Albus jedoch, war keine Spur zu finden. Auch in Albus Zimmer war er nicht zu sehen. Wo war der bloß? Plötzlich hatte Scorpius eine Eingebung, der Gryffindor hatte sich bestimmt unter seinen Tarnumhang geflüchtet. Diese Erkenntnis regte ihn noch mehr auf. Es wurmte Scorpius bei dem Gedanken, dass Albus ihn heimlich beobachtete und über ihn lachte. Ziemlich verärgert darüber, pfefferte Scorpius eines seiner Kissen durch die Gegend und bekam gar nicht mit, dass er Albus dabei nur um Haaresbreite verfehlte. Im Schutze seines Tarnumhanges setzte sich Albus in einen der Sessel am Kamin und wartete bis sich Scorpius ausgetobt hatte. Hauptsächlich die Kissen litten unter dem Wutausbruch des Blonden und so flogen nach kurzer Zeit die Daunen durch den Raum. Völlig verausgabt sackte Scorpius brummend auf sein Bett und schmollte. Er schob trotzig seine Unterlippe vor und schniefte herzerweichend. Ein wenig sackte er tiefer in die Matratze, als sich Albus, der nicht zu sehen war, zu ihm setzte. Etwas Weiches berührte seine Wange, als der Gryffindor den Tarnumhang abstreifte. Scorpius schnaubte, drehte seinem Freund den Rücken zu und zog die Knie an sein Kinn. Doch Albus hatte seinen Spaß, er kraulte mit dem Zeigefinger über Scorpius' Nacken, bis er ein unwilliges Grunzen hörte. Dann umarmte er den Blonden und legte sein Kinn auf dessen Schulter.
„Was'n los, Scoop? Bist du noch muksch?"
„Ich bin konsterniert, ein Malfoy ist nicht muksch!"
„Komm schon, wenn du ganz ehrlich bist, war es ziemlich lustig."
„..."
„Na komm schon, Scoop!"
Scorpius gab eine Folge von Brumm- und Fieplauten von sich, aus denen hervor ging, dass er nicht Scoop genannt werden möchte. Albus grinste und herzte ihn fester.
„In Ordnung, Scoop!"
Daraufhin bekam er einen Stoß mit dem Ellenbogen versetzt. Doch Albus dachte gar nicht daran sich das bieten zu lassen und einen Moment später flog dem Blonden ein Kissen an den Kopf. Schließlich artete das Ganze in einer wahren Kissenschlacht aus. Nach deren Ende saßen beide Jungs schnaufend auf dem Bett und schauten sich um. Überall schwebten Federn umher und Scorpius seufzte.
„Ich glaube wir sollten aufräumen, bevor Mutter das Chaos hier sieht."
Albus nahm nickend seinen Zauberstab vom Nachtisch, doch bevor er irgendeine Formel sprechen konnte, tippte ihm Scorpius auf die Schulter.
„Dürfte ich erfahren, was du da machst?"
Der Mund des Gryffindor schnappte auf und zu, doch ihm fiel kein Zauber ein, den er beherrschte, der diesem Chaos hier beikommen könnte. Seine Cousine Rose konnte bestimmt ein halbes Duzend Sprüche aus dem Hut ziehen, die hier von Nutzen wären.
„Ähem, keine Ahnung?"
„Dachte ich mir!"
Der Slytherin zog an einem Klingelzug und Augenblicke später erschien mit einem leisen Plopp ein Hauself im Zimmer. Er verneigte sich und nahm Scorpius' Anweisungen entgegen. Erneut verneigte sich das kleine Wesen mit der hundeartigen Schnauze und krempelte sich die Ärmel seiner Livree hoch, um sich ans Werk zu machen. Die Magie der Hauselfen war schon etwas besonderes, ohne Zauberstab nur mit ein paar Geesten seiner Hände, beseitigte der Elf die Unordnung. Dies bewunderte Albus und er fragte sich nicht zum ersten Mal, wie mächtig wohl ihre Magie sei. Federn wirbelten herum, schlüpften zurück in die Kissen, aus denen sie heraus geschleudert wurden und im Handumdrehen sah Scorpius Zimmer wieder sauber und ordentlich aus.
Zufrieden musterte Scorpius den Raum und entließ den Hauselfen. „So, jetzt kann Mutter kommen." Er grinste und sah Albus an. „Ich geh jetzt baden!"
„Du, Scorpius..."
Der Blonde hob abwehrend eine Hand. „Sorry Albus, aber ich pflege grundsätzlich alleine zu baden!"
„Was?" Albus spürte förmlich wie seine Wangen glühten und räusperte sich. „Ähem, ich wollte eigentlich nur fragen, ob ich heute wieder bei dir schlafen darf?"
„Hm, würde es was ändern wenn ich Nein sage?"
Der schwarzhaarige Junge schüttelte seinen Kopf und Scorpius begann zu Lachen. „Das dachte ich mir!"
Vergnügt pfeifend verschwand Scorpius im Bad und ließ Albus kopfschüttelnd zurück.
Stunden später saßen Albus und Scorpius in dessen Himmelbett beisammen. Es herrschte eine unheimliche Atmosphäre, da das Innere des Himmelbettes nur spärlich von Scorpius' Zauberstab beleuchtet wurde. Albus erzählte geestenreich eine gruselige Gespenstergeschichte, während der Blonde, eine kleine Pastete in Händen haltend, ihm gebannt lauschte.
„...und so musste er feststellen, dass ihm nichts weiter blieb, als sein kümmerliches Leben." Er schaute fragend zu Scorpius. „Und?"
„Nicht schlecht!" Scorpius lachte und biss in seine Pastete, schmatzend blickte er auf. „Du hast es zwar aus ‚Beedle, dem Barden' geklaut, aber nicht schlecht!"
„Hm, ich habe wohl einen schlechten Einfluss auf dich!"
„Wieso?"
„Schau dich an, du sitzt hier, krümelst dein Bett voll und sprichst mit vollem Mund!"
„Immer langsam, erstens sind wir unter uns und zweitens macht man dass nun mal so, wenn man sich nachts Gruselmärchen erzählt!"
„Oh ja, darin hast du wohl jahrelange Erfahrung, ey?"
Betreten schaute Scorpius zur Seite. „Quatsch, aber Zabini hat das gesagt."
Schmunzelnd stupste der Schwarzhaarige seinen Freund an. „So, so, aus dir wird noch mal ein richtiger Lausejunge!"
„He!"
„Schon gut, daran glaub ich selbst nicht! Aber du hast Recht, es war wirklich eine Geschichte aus ‚Beedle, dem Barden'. Aber der Troll war eine Idee von mir!"
„Jaah, der hat da auch so gar nicht reingepasst!"
Eingeschnappt streckte ihm Albus die Zunge raus. „Machs doch besser!"
„Hm, ich habe doch heute angefangen in einem der Bücher zu lesen, die du mir geschenkt hast..."
„Oh, wie findest du's?"
„Toll, ich habe mit einer Geschichte angefangen, die in Dänemark spielt. Der König von Dänemark wird ermordet und zwar von seinem Bruder. Der wird dann König und heiratet die Witwe seines Bruders..."
„Boah, was für ein Fiesling!"
„Es kommt noch besser! Hamlet, der Sohn des toten Königs, kehrt nach Dänemark zurück und da erscheint ihm der Geist seines Vaters." Aufgeregt schnappte Albus nach Luft, während Scorpius seine Augenbraue wölbte. „Stell dir vor, du wärst Hamlet und dir würde dein Vater als Geist erscheinen!"
„Hm, ich glaube wenn Mom mir erscheint, wenn sie sauer ist, ist das bei weitem gruseliger!"
„Äh, OK! Also, Hamlet erscheint der Geist seines Vaters..."
Ungeduldig warf Albus seine Arme in die Höhe. „Ja doch, was passiert dann?"
„Ähem, so weit war ich noch nicht!"
„Mann, Scoop!" Lachend stürzte sich Albus nach vorn und kitzelte den Blonden. „Wie kannst du nur so grausam sein? Wie geht es denn nun weiter?"
„Ha, ich weiß gar nicht was du hast? Das ist doch alles nur Kitsch, denke ich?"
„Ouh, du..." Albus begann zu quietschen. „Das hast du mit Absicht gemacht!"
Scorpius wehrte ab. „Lass gut sein, noch eine Kissenschlacht überlebt mein Bett nicht!"
Atemlos sah ihn Albus an. „Kennst du wenigstens noch eine Geschichte, ich meine eine die nicht mitten drin aufhört?"
„Keine die gruselig ist!"
Kurz dachte Albus nach und sah dann unschlüssig zu Scorpius. „Darf ich dich was fragen?"
„Klar!"
„Gibt es hier eigentlich Kerker?"
„Was?"
„Nun ja..." Verlegen druckste Albus herum. „Also, bitte nicht böse sein. Ron, mein Onkel, hat mir mal eine Gruselgeschichte erzählt, dass es hier Kerker geben soll. Weißt du, regelrechte Folterkammern."
„Also ehrlich Albus, ich habe dir heute doch das Haus gezeigt. Hast du da einen einzigen Kerker gesehen?"
„Nö, aber..."
„Also schön, fragen wir morgen meinen Vater ob es hier einen Kerker gibt, OK?"
Albus nickte und er hatte gleich einen Einfall. „Wir könnten ihn auch bitten, mehr von sich und Dad zu erzählen. Ich wollte ihn schon darauf ansprechen, als wir dein Geschenk kaufen waren..." Betreten schaute er auf seine Knie. „Ich hab mich aber nicht getraut!"
„Alter Angsthase!"
„He, wer hat denn wie ein Mädchen geschrieen, als er das erste Mal Schnapp begegnet ist?"
Empört riss Scorpius seine Augen auf. „Moment mal, ich hatte Angst um meine Frisur!"
„Deine Frisur?" Albus schnaubte auf. „Hah, ja, dass würde ich jetzt auch sagen!"
„Na, immerhin besser als du! Schnapp hat dich ganz schön durchs Beet gejagt!" Als Albus zu einer Retourkutsche ansetzte, schnitt ihm Scorpius das Wort ab. „Ach übrigens, wie bist du eigentlich Bob entkommen?"
„Du bist so richtig Slytherin, weißt du dass?"
„Oh ja!" Mann konnte richtiggehend den Stolz in Scorpius' Stimme hören.
„Das ist nicht unbedingt etwas, auf das ich stolz wäre!"
Schnaubend schüttelte Scorpius den Kopf. „Also langsam fange ich an es zu bedauern, dass wir keinen Kerker haben!"
„Ach was, als ob du es übers Herz brächtest, mich einzukerkern."
„Mach nur so weiter und du wirst schon sehen!"
Scorpius zwinkerte dem Gryffindor scherzhaft zu und reichte ihm eine Flasche Butterbier. „Apropos Kerker, wenn wir wieder in Hogwarts sind... Du kannst dir doch bestimmt wieder diese komische Karte von deinem Bruder ausborgen?"
„Äh, ja?"
„Fein,..." Aufgeregt klatschte Scorpius in die Hände. „Da sind doch bestimmt auch die geheimen Gänge Hogwarts eingezeichnet?"
„Bestimmt!"
„He, dann könnten wir doch abends losziehen und sie erkunden."
Mit großen Augen schaute Albus seinen Freund an und pfiff anerkennend. „Und ich dachte, ich bin hier der Gryffindor!"
Übermütig wuschelte Scorpius ihm durch die Haare. „Wohl eher ein Kätzchen!"
„Sprach die Schlange!"
Beide lachten, als plötzlich die Zimmertüre geöffnet wurde und Mrs. Malfoy im Morgenmantel Scorpius' Zimmer betrat. Kaum dass sich die Tür geöffnet hatte, leuchtete die Nachttischlampe ein wenig auf. Mrs. Malfoy trat an das Bett heran und öffnete die Vorhänge.
„Jungs, ist es nicht eigentlich Zeit zum Schlafen? Wir haben immerhin schon zwei Uhr durch!"
Sie musste sich beherrschen um nicht gleich loszulachen. Albus und Scorpius schauten sie mit Kulleraugen an und beteuerten vehement, dass sie ja noch gar nicht müde seinen. Die beiden Jungs waren einfach zu süß. Mit leichtem Tadel im Blick, bemerkte Mrs. Malfoy, dass die Beiden im Bett aßen. Sie zog ihren Zauberstab aus der Tasche ihres seidenen Morgenmantels und ließ Pasteten und Butterbier auf der Stelle verschwinden. Die Jungs murrten, doch auch die größten Kulleraugen konnten es nicht verhindern, dass jetzt Schlafenszeit war. Astoria wartete bis Albus und Scorpius unter die Decke geschlüpft waren, zog ihnen diese zurecht und gab jedem noch einen Kuss auf die Wange. Ein letzter mahnender Blick zeigte den Jungs, dass sie jetzt besser schlafen sollten und dann zog Mrs. Malfoy die Bettvorhänge vor. Kurz warf sie noch einen Blick durch den Raum und verließ das Zimmer. Als sich die Türe hinter ihr schloss, verlosch augenblicklich auch die Lampe auf Scorpius' Nachttisch. Mrs. Malfoy eilte schnell durch den Flur, sie fror und wollte rasch in ihr Bett kommen. Das Schlafzimmer der Malfoys befand sich auf demselben Stockwerk, nur im anderen Flügel des Gebäudes. Schnell trat sie ein, zog den Morgenmantel aus und schlüpfte rasch in das große Himmelbett, mit den hellblauen Gazevorhängen. Sie fröstelte und schmiegte sich an ihren Mann. Um sie zu wärmen, rieb sie ihre frierenden Füße an Dracos, der auch sofort zu murren begann.
„Merlin, bis du im Schnee herumgelaufen?"
„Quatsch, ich hab immer kalte Füße und jetzt maul nicht!"
„Na, dann komm her!" Draco drehte sich um und nahm seine Frau in den Arm. Zärtlich rubbelte er ihre Arme. „Und? Wird's dir jetzt etwas wärmer?" Sie nickte und kuschelte sich näher an ihn. „Schlafen die Beiden schon?"
„Nein, sie haben sich Gespenstergeschichten erzählt." Astoria grinste. „Hach, die beiden sind einfach zu knuffig!"
Innerlich seufzte der blonde Magier auf, das Prädikat knuffig, war nicht unbedingt etwas, das er in Bezug auf den Namen Malfoy in einem Satz hören wollte. „Mein Sohn ist nicht knuffig!"
„Ooh..." Sie kniff ihm in die Wange und lachte. „Dabei hat er einen sooo niedlichen Vater!"
„Hey, Weib!" Einmal mehr erklang ihr glockenhelles Lachen und Draco kitzelte sie mit einem gemeinen Grinsen im Gesicht. „Ich bin nicht niedlich!"
Sie schnaufte kurz auf und sah ihn verliebt an. „Das war mein erster Gedanke als du um meine Hand angehalten hast. Vater kam in den Salon und bat mich nach draußen in den Garten. Erinnerst du dich?"
„Hmh, ich war ziemlich nervös! Ich sollte heiraten, aber ich wollte mir meine Frau selbst auswählen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich Vater querstellt, doch er war sofort damit einverstanden. Er hat sich sehr verändert, nach Voldemorts Fall! Du bist mir damals schon in der Schule aufgefallen und von Mutter wusste ich, dass du nicht nur hübsch, sondern auch sehr intelligent bist." Draco herzte sie. „Und dann kam der Tag, als ich dich gefragt hatte. Unsere Eltern hatten ja soweit alles arrangiert und ich wartete draußen unter diesem Baum..." Einen Moment überlegte er und nickte. „Ja, genau! Es war eine Kastanie..."
„Erle!"
„Erle? Hm, na gut! Es war heiß, mir lief der Schweiß in Strömen und dann kamst du die Freitreppe herunter."
„Und du standest da im Schatten, die Haare durch den Wind verwuschelt. Ich hatte einen Heidenbammel vor dir. Von der Schule her kannte ich dich ja nur als arrogant und kaltherzig." Sie sah wie er ärgerlich eine seiner Brauen wölbte. „Ja, ja, du warst berüchtigt dafür! Ich dachte mir, Merlin, den muss ich jetzt heiraten! Doch als ich dich dann unter dem Baum sah, verschüchtert, unsicher und als du mich dann noch mit deinen süßen Hundeaugen angeblickt hast, da war mein erster Gedanke, mein Gott ist der niedlich!"
„OK, ich gebs auf! Aber wehe du sagst das vor anderen!"
„Du bist so süß wenn dir was peinlich ist!"
Dracos Stimme wirkte wie ein Donnergrollen. „Können wir dann endlich schlafen?"
Tbc...
