Kapitel 3: Home, sweet Home!
Renesmee PoV
Esme, die die Karte von Carlisle übernommen hatte, meinte, dass es nicht weit wäre bis zu unserem neuen Zuhause. Warum alle gelacht hatten, habe ich immer noch nicht verstanden. Auf jede Nachfrage hatten sie nur noch mehr gelacht. Also nahm ich mir vor nicht mehr zu fragen, jedenfalls nicht heute. Als wir an einem der schwarzen Gebäude vorbeiliefen ertönte eine Art Gong, der tief war und durch meine Knochen vibrierte. Ich blieb stehen und sah mich um. Die Türen des Gebäudes wurden geöffnet und scharenweise kamen Jugendliche heraus.
Meine Familie hatte nicht bemerkt, dass ich stehen geblieben war, aber ich würde sie schon einholen können. Also blieb ich, wo ich war und betrachtete einige Jugendliche genauer. Ich nahm an, dass sie Schüler an dieser Schule waren. Auch ich wurde interessiert beäugt, aber es störte mich nicht, sollten sie doch gucken.
Einige Schüler hatten kleine Hörner auf dem Kopf und die Beine von Ziegen. Die Haut von Anderen strahlte ein merkwürdig diffuses Licht aus und einige Mädchen hatten, genauso wie die Sekretärin Schlangen anstatt von Haaren. Manche hatten große Feenflügel, Andere spitz zulaufende Ohren. Einige Mädchen hatten helle, bläuliche Haut und Andere waren unglaublich schön, an ihren Fingern sah ich jedoch furchtbar lange und spitz zulaufende Fingernägel. Dagegen sahen Manche auch vollkommen normal aus. Wo war ich hier nur? Im nächsten Moment spürte ich, wie sich eine Hand auf meine Schulter legte und wusste, dass Jasper meine Verwirrung gespürt haben musste.
„Komm lass uns zu den Anderen gehen" sagte er und wir setzten uns in Bewegung. Ich beugte mich zu seinem Ohr, ich musste mich strecken, denn er ist größer als ich und flüsterte ihm zu
„Was, zur Hölle ist denn hier los?". Gleich darauf fühlte ich mich ruhig und ausgeglichen.
„Jasper könntest du das bitte lassen? Ich will MEINE Gefühle." Sagte ich zu ihm, doch er hörte nicht auf mich. Resigniert schüttelte ich den Kopf und wir holten zu meiner Familie auf.
„Wo bist du nur geblieben?" fragte Esme, „wir haben uns Sorgen gemacht".
„Ist doch nichts passiert, was ist das hier für eine Schule?" fragte ich.
„Jasper?" wandte sich mein Großvater an meinem Begleiter.
„Es hatte gerade geläutet und Schüler waren Draußen" antwortete dieser auf die Frage, die mein Großvater ihm stumm gestellt hatte.
„Liebling, lass uns doch hinein gehen, dann erklären wir es dir. Was sagst du dazu?" schlug Esme vor. Ich nickte nur, wollte nichts sagen, da sie mich behandelten, als wäre ich nicht anwesend. Dieses Mal manipulierte mein Onkel mich nicht, nur mein Vater legte mir die Hand beruhigend auf die Schulter. Ich berührte mit meinen Fingerspitzen die Hand auf meiner Schulter und schickte ihm die Bilder der Schüler, die ich gesehen hatte. Er nickte nur und dann gingen wir noch ein paar Schritte.
(Das neue Zuhause der Cullen's: .com/innImages/The_Delft_Haus_BandB_Inn_Centreville_Nova_Scotia_ )
Da bemerkte ich erst, dass wir bereits vor einem wunderschönem weißenHaus standen, das riesig war. Das war also unser neues Zuhause. Es stand an der Ecke einer Wegkreuzung und hatte eine große Veranda, die zu beiden Straßenseiten zeigte. Dünne, ebenfalls weiße Balken führten von der Veranda bis zum Dachvorsprung des ersten Stockwerkes. Das Dach war schwarz. Insgesamt hatte das Haus zwei Stockwerke. Die Fenster waren groß und hatten schwarze Fensterläden, die offen standen. Das Haus war gebaut wie in den 70ern, aber es sah frisch renoviert aus.
Blumen und kleine Sträucher befanden sich zwischen Veranda und dem Gehweg und brachten das schwarz-weiße Haus, mit ihren fröhlichen Farben zum strahlen. Es sah unglaublich schön aus. Hier würde ich mich wohlfühlen. Als ich fertig war mit meinen Betrachtungen betraten wir unser neues Zuhause und ich konnte wiederrum nur staunen. Sicher hatten Esme und Alice ihre Finger im Spiel.
Die Einrichtung der Eingangshalle war in hellen Holztönen gehalten und überall war weiß. Nur der Teppich auf der Treppe, die in den ersten Stock führte, war farbig und sah eher orientalisch aus. Aus der Eingangshalle führten links große weiße Flügeltüren ins Wohnzimmer, die sich gegenüber der Treppe befand. Rechts hinter der Treppe war noch eine Tür und gegenüber der Eingangstür war auch eine, aber beide waren geschlossen und man konnte nicht in die Räume dahinter blicken. Ich nahm an, dass eine davon in die Küche führte.
„Wollen wir uns zuerst umsehen, oder sollen wir Ren von ihrer Unwissenheit befreien?" wandte sich Carlisle an uns.
„Ja, bitte" murmelte ich nur.
Alice lief voraus ins Wohnzimmer und setzte sich, nach kurzer Orientierung aufs weiße Sofa. Damit war die Entscheidung wohl gefallen und wir liefen ihr hinterher. Ich stand im Raum und beobachtete die Einrichtung. Die zwei Sofas bildeten ein großes 'L', links neben der Couch, die der gegenüberliegenden Wand zugewandt war stand ein grauer Sessel. Eine Couch war weiß, die andere schwarz.
An der Wand davor war ein großer Kamin aus Marmor, in dem kein Feuer brannte. Darüber hing ein riesiger schwarzer Flachbildschirm. Links neben der Sitzgruppe stand der Flügel von meinem Vater, er war schwarz. Das dunkle Parket und die Wände, die in einem Beigeton gestrichen waren, vervollständigten das Bild. Meine Eltern setzten sich zu Alice. Emmet, Esme, Carlisle und Jasper setzten sich auf die schwarze und größte Couch, die mit der Rücklehne an der Wand stand.
Rosalie setzte sich auf den grauen Sessel und ich mich vor ihr auf den Boden. Sie begann mit meinen Haaren zu spielen. Weil keiner etwas sagte glitten meine Augen wieder durchs Zimmer. Ich bemerkte den Teppich auf dem ich nun, zum Teil saß, der vor der Sitzgruppe lag. An der Wand, um die Tür herum waren deckenhohe Regale angebracht, die aus Holz waren.
In der übrigen Ecke entdeckte ich eine großartige neue Musikanlage. Ja das hier haben eindeutig Esme und Alice eingerichtet. Wann haben sie nur die Zeit dafür gefunden? Mein Großvater räusperte sich und bekam somit meine Aufmerksamkeit zurück.
„Diese Schule heißt 'Academy of extraordinary Kinds'. Esme und ich werden hier unterrichten. Deine Mutter, Jasper und Alice werden mit dir die erste Stufe besuchen. Dein Vater, Rose und Emmet die zweite Stufe. Diese Schule besuchen nicht nur Vampire, sondern auch andere Wesen, an deren Existenz du bis jetzt nicht geglaubt hast. Keiner muss sich verstecken, hier sind wir nicht in Gefahr. Unsere Fänge müssen wir auch nicht verstecken.Möchtest du noch etwas wissen?" fragte Carlisle und ich musste das erst einmal verarbeiten. Man konnte mein Gehirn förmlich rattern hören.
Bis jetzt konnte ich mir nicht vorstellen, dass es andere Wesen gab, was eigentlich merkwürdig ist, denn ich bin ein Halbvampir. 17 Jahre lebte ich nun zurückgezogen von Allen und hatte nur Kontakt zu meiner Familie. Tja es wird wohl Zeit für etwas Neues. Ich nahm an dass man mir nun zutraute niemandem etwas anzutun.
Wir wussten nicht ob ich giftig war für Andere. Ich stand auf und sprang über den Glastisch herüber zu meinem Großvater, legte meine Hand auf seine und schickte ihm meine Eindrücke. Ich wollte sie nicht laut aussprechen. Carlisle lächelte nur und nickte leicht.
„Ich geh dann mal mein neues Zimmer erforschen" sagte ich grinsend und wollte gehen, als Carlisle „noch nicht" sagte. Ich blickte ihn an und verstand nicht, was dagegen sprach.
„Ihr braucht noch eure Stunden- und die Geländepläne" sagte er daraufhin und verteilte die Zettel, die er von Fräulein Honig erhalten hatte.
„Morgen haben wir noch alle frei, um uns einzurichten, Übermorgen geht es dann in die Schule" setzte er noch nach.
„Können wir dann jetzt?" fragte Alice und man konnte die Vorfreude in ihren Augen glitzern sehen. Merkwürdig, worauf freute sie sich denn bloß so? Ich sah zu Jasper, unserem Stimmungsbarometer und sah bei ihm das gleiche Glitzern. Ich blickte zu Rose, sie hatte es auch, genau wie Emmett und meine Eltern auch. Nun verstand ich. Sie alle mussten sich die ganze Zeit über beherrschen, nun würden sie endlich Zeit alleine mit ihren Partnern verbringen. Carlisle und Esme brannten sicher genauso auf die Zeit alleine, nur konnten sie sich zusammen reißen und es nicht so zeigen wie die Anderen.
Ich seufzte und murmelte leise „ich werde heute Abend wohl den Campus erkunden", denn das wollte ich mir nicht anhören. So gut die Wände hier auch isoliert sein mögen, gegen Vampir-Sinne hilft die Isolierung auch nicht.
Ich rannte aufgeregt die Treppe nach Oben und fand mich in einem Flur mit sieben Türen wieder. An jeder Tür klebte ein Post-it mit den Namen der Zimmerbesitzer. 'Wann hatte Esme das denn nun wieder geschafft? ' fragte ich mich. Ich lief den Flur entlang und beäugte jeden Zettel, doch nirgendwo stand mein Name. Auf einem Zettel stand 'Mach mich auf' und ich kicherte.
Als ich die Tür öffnete fand ich mich vor einer weiteren Treppe wieder. Ich ging hinauf und entdeckte noch einen Flur. Also war der Dachstuhl ausgebaut worden. Hier waren vier Türen zu sehen. Das erste Post-it sagte 'Hier gehen wir erst alle zusammen rein' und ich hielt mich daran. Auf der zweiten Tür von der Treppe aus, stand tatsächlich mein Name, doch ich lief erst einmal daran vorbei, um zu sehen, was auf den anderen Zetteln noch stand. Ein Zettel wies mir mein Badezimmer und ein anderer besagte, dass hinter der Tür noch ein Gästeraum war. Nun lief ich zurück zu meiner Tür. Ich atmete noch einmal tief durch, öffnete die Tür dann einen Spalt breit und linste hinein.
