Kapitel 4: „Stellst du dir jetzt vor, wie sie an mir ausgesehen hätten?"

Renesmee Pov

Ich sah ein riesen großes Bett, das war schon mal ein guter Anfang. Ich trat ein und wurde nicht enttäuscht. Von der Tür aus links stand eine Pflanze und bis an die Wand ein Aquarium. Ich hatte mir schon immer ein Haustier gewünscht, aber nie eins bekommen. Weiter an der Wand stand ein weißer Zweisitzer. Unter dem ersten Fenster stand mein Bett, mit jeweils einem Tischchen an jeder Seite.

Am zweiten Fenster stand mein Schreibtisch, auch er war weiß, wie eigentlich alles an Möbeln hier. Zwischen Bett und Tisch war ein großer Spiegel angebracht, der vom Boden bis an die Decke reichte. Der Tisch reichte um die Ecke und dort stand ein kleiner Rekorder. Genau daran reichte ein deckenhohes Regal, es reichte bis an die Wand.

Ich sah noch eine Tür und musste schmunzeln. Vor der zusätzlichen Tür, gegenüber der Couch stand eine Art Tischen auf dem ein Flachbildschirm stand. Rechts neben der Tür stand eine Kommode, mit einem Stuhl davor und einem Spiegel darüber. Wow sie hatten wirklich an alles gedacht. Die Wände hatten einen satten Gelbton und eigentlich mochte ich Gelb nicht, aber ich musste zugeben, dass es echt hübsch aussah.

Mein Bettbezug war violett und bildete mit dem bunten Teppich die großen Farbtupfer, die den Raum wohnlich aussehen ließen. Ich ließ mich aufs Bett fallen. Es war weich und gemütlich und ich wäre fast eingeschlafen, ich war unglaublich müde und das Zimmer strahlte so eine Persönlichkeit aus, dass ich mich tatsächlich Zuhause und geborgen fühlte.

Nur Esme und Alice konnten einen Raum so einrichten, dass er einen Charakter bekam. Ich stand auf und ging rüber zu der anderen Tür. Ich stieß sie auf und sah erst einmal nur Regale und Schubfächer. Der Schrank war unterteilt und als ich um die Ecke ging sah ich Platz auf den man Kleidung hängen konnte, wieder um eine Ecke sah ich einen Schuhschrank. 'Danke Alice'. Hier würden meine ganzen Sachen Platz finden, die mir Alice von ihren Shopping- Touren mitbrachte. Leider durfte ich nie mit, worum mich die Männer meistens beneideten.

Ich verließ den großen Schrank und wandte mich den Fischen im Aquarium zu. Es waren so viele, dass ich sie nicht einmal zählen konnte. Goldfarbene, schwarze, große, kleine, einfarbige und mehrfarbige Fische. Ein Fisch fiel mir besonders auf. Er war schwarz und erinnerte mich an jemanden. Ich beobachtete ihn eine Weile und überlegte grade wann wohl unsere Sachen ankommen würden, als Alice mich rief.

„Ren kommst du bitte runter?"

Bei normalen Menschen müsste sie bestimmt laut schreien, aber nicht bei uns. Ich war mir sicher, dass sie es in normaler Lautstärke sagte und da sie meinen Namen nannte, hörte ich sie sehr gut, auch wenn ich mich im obersten Stockwerk befand. Ich flog förmlich runter und rannte, unten angekommen fast in jemanden hinein. Durch den großen Karton in seinen Händen konnte ich nicht sehen, wer es war, aber das es ein Mann war konnte ich erkennen. Ich wollte ihm den Weg frei machen aber er tat es mir nach und so standen wir uns wieder gegenüber.

Ich musste kichern und machte wieder einen Schritt zur Seite. Diesmal machte er ihn nicht nach und ich lief an ihm vorbei. Ich lief zu Alice und fragte ob ich ihr helfen soll. Sie koordinierte den Transport der Kisten wie es nur Sie konnte. Ich bekam eine Kiste für meine Mom in die Hand gedrückt und machte mich auf den Weg in ihr Zimmer. Ich stellte ihn im Zimmer ab und lief wieder runter. Als alle Kartons in den jeweiligen Zimmern waren, wunderte ich mich, denn ich hatte nicht einen meiner Kartons gesehen.

„Alice wo sind denn meine Sachen?", fragte ich schließlich.

„Bei dir im Zimmer natürlich", sagte Sie und schmunzelte.

„Los jetzt geht jeder in sein Zimmer und packt sein Zeug aus, ok?", war Alice' Schlusswort.

Ich lief zu mir hoch und bekam fast einen Herzinfarkt, als ich jemanden im Zimmer stehen sah. Er war über einen Karton gebeugt. 'Oh man was macht er denn hier' war mein erster Gedanke.

„Dale?", murmelte ich und er blickte auf.

„Hi, ich war vorhin vorne am Haupteingang und sah die Umzugswagen, sie fragten mich nach dem Weg und ich brachte sie her. Dann wurde ich gleich von … ähm Alice glaube ich, zum Helfen beordert", er redete sich in Rage.

„Okay und du bist in meinem Zimmer", war meine treffende Schlussfolgerung.

„Dein Zimmer? Schön hast du es hier", meinte er und hielt einige meiner Bücher hoch.

„Ich soll auch beim Einräumen helfen, wo sollen die hin?"

„Ins Bücherregal bitte", meinte ich nur und machte mich an einem anderen Karton zu schaffen. In dem Karton war Kleidung.

„Soll ich den in den Schrank bringen", fragte Dale und zeigte auf die Kiste, vor der ich stand.

Ich nickte und beobachtete, wie er den Karton hoch hob. Ich glaube ich sabberte. Ich konnte jeden seiner Muskeln, durch das Shirt sehen. 'Hmm' dachte ich nur.

„Hast du etwas gesagt?", fragte Dale mich.

'Habe ich das laut gesagt?', dachte ich und schüttelte nur den Kopf. Ich packte die Kartons mit der Kleidung im Schrank ein und Dale meine Bücher und CD's ins Regal. Aber ein Karton fehlte irgendwie. Grade als ich nachdenken wollte, was fehlte, hörte ich Dale lachen.

Ich steckte meinen Kopf aus dem Schrank, um zu sehen, was es zu lachen gab, als ich den Schock meines Lebens bekam. Dale stand vor dem letzten Karton und hielt etwas rotes fast durchsichtiges hoch. 'Oh mein Gott!' Jetzt wusste ich, welcher Karton noch fehlte… der mit meiner Unterwäsche! Ich sprang vor und riss ihm meinen Tanga aus den Händen. Nun lachte er noch lauter.

„Das ist nicht lustig", zischte ich ihm zu, schnappte mir den Karton und verschwand im Schrank. Leider war das noch nicht alles.

„Soll ich dir helfen, den Rest auszupacken?", fragte mich mein Alptraum der gerade in den Schrank geschlendert kam.

„Das schaffe ich schon", konnte ich nur murmeln. Ich konnte ihn nicht ansehen, denn meine Wangen fühlten sich immer noch unglaublich heiß an, so peinlich war es mir.

„Hey der sah echt toll aus", sagte er und lehnte ich lässig an den Türrahmen.

Ich konnte ihn nur ansehen und dabei stieg meine Röte wohl noch mehr. Er grinste mich nur an.

„Stellst du dir jetzt vor, wie sie an mir ausgesehen hätten?", fragte ich und fragte mich wo das wohl herkam.

„Wie bitte?", fragte er und nun stand sein Mund weit offen.

„Entschuldige, ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen und ja das habe ich mich schon gefragt", sagte er noch. Nun war es an mir ihn mit offenem Mund anzustarren, erstaunt über seine Offenheit.

„Ren bist du fertig mit auspacken? Ich habe dir etwas zu essen gemacht", hörte ich Esme sagen und gleich darauf knurrte mein Magen. Dale runzelte die Stirn.

„Danke für deine Hilfe, den Rest mache ich nachher", sagte ich an ihn gewandt und wollte das Zimmer verlassen.

„Kein Problem, immer zu Diensten", antwortete er mir und ließ mir den Vortritt. Wir liefen zusammen nach unten, sagten aber kein Wort mehr. Ich folgte dem Geruch und fand die Küche. Dale folgte mir immer noch. Ich setzte mich an der riesigen Küchentisch und Esme stellte vor mich ein lecker aussehendes Sandwich. Ich biss genüsslich herein und spürte einen fragenden Blick auf mich gerichtet. Als ich aufsah, blickte ich geradewegs in seine Augen. Esme, die immer noch im Raum war bemerkte seine Verwunderung auch.

„Ren ist ein Halbvampir, deshalb muss sie regelmäßig auch Menschenessen zu sich nehmen, sonst geht es ihr nicht gut", sagte sie an ihn gewandt. Er runzelte die Stirn und sah mich wieder an. Ich konnte nur nicken, denn ich brauchte dringend etwas zu essen und konnte mich nicht von dem Sandwich trennen.

„Halbvampir? Sowas habe ich ja noch nie gehört. Also habe ich mir deinen Herzschlag nicht eingebildet? … Unglaublich", sagte er nur.

Er starrte vor sich hin und wartete wohl bis ich fertig war mit essen. Ich kaute den letzten Bissen zu Ende und trank etwas Cola.

„Bist du neugierig, wie sowas geht?", fragte ich ihn. Er nickte nur. Ich überlegte ein wenig und entschied, dass ich es ihm erzählen konnte.

„Die Geschichte von Bella und Edward, meinen Eltern ist etwas ungewöhnlich, musst du wissen. Mein Vater war seit ungefähr 90 Jahren ein Vampir als er meine Mutter traf. Sie war ein Mensch und trotz vieler Schwierigkeiten verliebten sie sich in einander. Sie fand relativ schnell das Geheimnis der Cullens heraus, es störte sie jedoch nicht besonders. Später, nachdem meine Mutter die Schule abgeschlossen hatte, heirateten sie und in den Flitterwochen wurde ich gezeugt. Die Schwangerschaft war sehr problematisch und bei meiner Geburt drohte meine Mutter zu sterben. Mein Vater verwandelte sie. Da jedoch mein Vater Vampir und meine Mutter ein Mensch war bin ich ein Halbvampir. Ich habe ein Herz und eigenes Blut. Trotzdem sind meine Sinne ausgeprägter als bei einem Menschen und ich muss auch Blut zu mir nehmen", schloss ich meine Ausführungen und atmete einmal tief durch. Als ich aufsah bemerkte ich, dass meine ganze Familie im Raum war und mich ansah. Meine Eltern sahen sich verliebt an.

„Ja, das war schon etwas ganz besonderes mit den Beiden", meinte Carlisle.

„Gibst du mir kurz deine Hand?", fragte ich an Dale gewandt, der immer noch wie erstarrt da saß und sich nicht rührte. Man könnte ihn für eine Statue halten. Er tauchte aus seiner Starre wieder auf und reichte mir seine Hand. Emmet, der wohl wusste was ich wollte, lachte los und meinte Carlisle sollte sich bereit halten, weil es ihn umhauen würde. Ich berührte mit meinen Fingerspitzen seine Handfläche.

'Bist du verwirrt? Hab keine Angst' teilte ich Dale mit. Er sprang auf und starrte mich an.

„Es ist meine Gabe", sagte ich flüsternd und sah ihn an.

Er stand im Raum und wirkte verloren. Carlisle legte ihm die Hand auf die Schulter und Dale zuckte, unter der Berührung leicht zusammen.

„Wow", flüsterte er und er lächelte ein wenig.

„Kannst du das immer und bei jedem machen? Ich habe richtig deine Stimme gehört, wenn auch nur in meinem Kopf", sagte er nun.

„Ja bei jedem, aber ich muss die Person dabei berühren", sagte ich und lächelte ihn an.

„Das konnte sie von Geburt an", sagte mein Vater und Stolz schwang in seiner Stimme mit.

„Kein Wunder, bei den Kräften ihrer Eltern", murrte nun Emmett.

„Habt ihr alle Gaben?", fragte Dale.

„Emmett ist stark, Alice kann in die Zukunft sehen, Jasper ist ein Empath, Edward kann Gedanken lesen und Bella ist ein Schild. Carlisle hat eigentlich keine, obwohl wir alle meinen, dass seine mentale Stärke seine Gabe ist. Er arbeitet meistens als Arzt und hat so immer mit menschlichem Blut zutun. Esme ist sehr liebevoll und ich habe keine Gabe", zählte Rosalie auf.

„Wow", hauchte Dale wieder und sah von Einem zum Anderen.

„Hast du eine Gabe, Dale?", fragte meine Mutter ihn und mein Vater kicherte.

„Und was für eine", sagte er und lachte laut auf.

„Wie-", fing Dale an, doch ich winkte ab.

„Gedanken lesen, schon vergessen?"

Er schaute zu meinem Vater, sagte aber nichts.

„Ich hab eine Elementarkraft. Ich kann Feuer entstehen lassen und es beherrschen", sagte er und lächelte dabei ein wenig.

„Gratuliere, Elementarkräfte sind etwas Besonderes und sehr selten. Du bist also einer von 4 Vampiren, die ein Element beherrschen", sagte Carlisle und ich blickte ihn verwundert an.

Er bemerkte es und meinte, dass ich darüber noch im Unterricht etwas lernen würde. Dale nickte und erkundigte sich, wer in welche Stufe gehen würde.

„Bella, Alice, Jasper und Ren werden in die erste Stufe gehen. Emmett, Rosalie und Edward in die Zweite. Meine Frau und ich werden unterrichten", meinte Carlisle.

„In die erste Oberstufe? Gut, dann sind wir zusammen", sagte Dale.

„Nicht so voreilig", meinte Jasper und als Dale die Doppeldeutigkeit seines Satzes verstand wurde er etwas rot und schüttelte aufgeregt den Kopf.

„Ich meinte im Jahrgang", sagte er hastig und wurde noch ein wenig röter als vorher schon. Ich verstehe ihn nicht. Bei so einer Bagatelle wird er rot, aber bei Witzen über meine Unterwäsche wirkt er, als sei es das normalste der Welt. Mein Vater keuchte auf und ich sah ihn fragend an. Er hatte einen wissenden Blick und ich lief rot an. Er wusste nun was oben passiert war. Ich senkte meinen Kopf auf den Tisch. Ich war so müde, es war so ein langer Tag. Meine Verwandten müssen vielleicht nicht schlafen, aber ich brauche meine Ruhepause.

„Ren geh doch nach oben und ruh dich aus. Nicht, dass du uns hier einschläfst", meinte mein Vater wissend und ich gähnte genau in dem Moment, in dem er das sagte.

„Ja das werde ich machen, sorry Leute ihr müsst dann wohl bis morgen warten", sagte ich und zwinkerte meinen Eltern zu.

„Gute Nacht alle zusammen, bis dann Dale", sagte ich noch und wollte aufstehen, doch meine Beine wollten nicht mehr mitmachen und ich drohte umzukippen. Ich konnte mich noch an der Tischkante festhalten.

„Ich bringe dich nach oben", sagte Dale und nahm mich hoch, bevor ich noch protestieren konnte. Ich konnte nur murren und schlief schon fast ein. Es war so bequem. Ich fühlte die Bewegung, hielt meine Augen aber schon geschlossen und kuschelte mich an ihn. Er lachte leise und setzte mich ab.

„Schaffst du es alleine dich auszuziehen oder soll ich dir helfen?", fragte er mich und ich konnte sein Grinsen hören. Ich schnaubte nur auf und griff nach seiner Hand. 'Gute Nacht, entschuldige ich bin zu müde um noch zu reden', schickte ich ihm.

„Gute Nacht und schlaf schön Renesmee", flüsterte er und ich bemerkte seinen Atem auf meiner Wange bevor er mir sanft einen Kuss aufdrückte und verschwand.' Willkommen zurück Gänsehaut'

Ich zog mich wie in Trance aus und legte mich nur in Unterwäsche ins Bett. Fast augenblicklich zog es mich ins Traumland, doch davor tauchte noch einmal Dales Gesicht vor meinem inneren Auge auf.