8. Sylvester
Lily trat aus der Hütte und Lukas Augen begannen zu strahlen. „Hübsch siehst du aus!" Lily zog einen Schmollmund. „Nur hübsch?" Aber ihre Augen lachten.
„Naja, für eine Hexe…" Sie schlug ihn leicht auf den Oberarm. „Naja, für einen Werwolf siehst du heute auch ganz passabel aus!" Grinsend machten sie sich auf den Weg zur Barriere.
„Bist du schon einmal appariert?" Luka sah sie nervös an. „Nein. Wie ist das denn so?" Lily grinste. „Man gewöhnt sich daran. Aber beim ersten Mal ist es meist recht grässlich. Wobei ich mich an mein erstes Mal nicht erinnere – da war ich noch zu klein."
„Hm." Sie waren an der Barriere angelangt. Luka nahm ihre Hand und gemeinsam traten sie hindurch. Lily rief gerade noch: „Gut festhalten!" und damit verschwanden die zwei.
Sekunden später erschienen sie aus dem Nichts vor dem Anwesen der Potters. Luka hatte eine grünliche Gesichtsfarbe und trat hastig einige Schritte von ihr weg. „Alles in Ordnung?" Sie sah und hörte, wie er tief einatmete und seine Gesichtsfarbe sich wieder normalisierte.
„Das mache ich nie wieder!" Seine Augen waren immer noch weit aufgerissen. Lily kicherte. „Oh, komm' schon, Luka! Was bist du, ein Mann oder eine Maus?" Er sah sie indigniert an. „Ein Wolf und keine weiche Masse, die man durch ein Nadelöhr quetschen kann!"
Lily öffnete den Mund, um zu antworten als von hinten ein Ruf erklang. Schon hing Rose an ihrem Hals. Über die Schulter ihrer Cousine konnte sie sehen, wie Scorpius etwas würdevoller hinter seiner Freundin her lief. „Hallo Lily! Kaum zu glauben, dass sie dich erst an Weihnachten gesehen hat!"
„Aber wir waren noch NIE so lange getrennt!" Rose löste sich von Lily und schaute zu Scorpius.
„Bevor ihr zwei, euch an die Kehle geht, möchte ich euch noch schnell Luka vorstellen." Lily deutete auf Luka. „Luka, das ist meine Cousine Rose, mit der ich aufgewachsen bin und ihr Freund Scorpius, den keiner leiden kann."
Rose protestierte, aber Scorpius überhörte die Bemerkung geflissentlich und reichte Luka die Hand. „Scoprius Malfoy. Ignoriere die zwei einfach. Das mache ich meistens auch!" Luka sah skeptisch zu dem blonden Mann. Dann schüttelte er seine Hand. „Luka Kovac".
„Lass' dich nicht von Scorpius beeinflussen – er ist das Böse!" Scorpius verdrehte nur die Augen. Luka grinste Lily an. „Ich dachte, das wäre ich?" Lily lachte und nahm seinen Arm. „Nein, du bist mein Wachhund!" Und damit zog sie ihn in Richtung Tür.
„Lily, ich glaube es ist unhöflich jemanden als Wachhund zu bezeichnen!" In der Tür stand ihr Bruder James und schaute über ihren Kopf zu Luka hin. Lily verzog das Gesicht. „Luka – James, James – Luka. James ist mein ältester Bruder!" Sie sagte das in einem Ton als würde sie über etwas Klebriges unter ihren Schuhen sprechen.
James zog sie in seine Arme und hob sie hoch. „Oh, unser Baby wird auch nicht mehr größer!"
„Unser Baby ist da? James, gib' sie mir mal!" Neben James erschien Albus. Lily wurde in der Luft von einem zum anderen gereicht. Quietschend landete sie in den Albus' Armen.
„Lasst mich runter, ihr Idioten!" Kichernd strampelte Lily, um von ihrem Bruder los zu kommen.
„Al, James – wo sind eure Manieren! Wir haben Gäste!" Alle waren mittlerweile in der Diele versammelt. Die Stimme ihrer Mutter eilte ihr nur Sekunden voraus.
„Lasst die Kleine runter und geht nach draußen spielen!" Erklärte sie streng mit einem gewohnt strengen Blick. Sofort ließ Albus seine Schwester los. Lily lief zu ihrer Mutter und umarmte sie kurz. „Mama, darf ich dir Luka vorstellen?" Luka quetschte sich an ihren zwei Brüdern vorbei und reichte Lilys Mutter die Hand.
„Es freut mich, sie kennen zu lernen, Mrs. Potter!" Lily beobachtete ihre Mutter, die freundlich lächelnd Lukas Hand schüttelte. „Nennen Sie mich ruhig Ginny, Luka!" – „Gerne!" Dann wandte sie sich an ihre Tochter. „Dein Vater ist irgendwo im Haus und heckt mit Ron und George irgendeinen Blödsinn aus. Wenn du ihn siehst, sag' ihm er hat Pflichten als Gastgeber und das ich mich nicht den ganzen Abend mit irgendwelchen altgedienten Auroren unterhalten werde, während er sich amüsiert!"
Damit lief sie durch die Tür aus der sie gekommen war. Lilys Brüder und Scorpius begrüßten sich nun ebenfalls lautstark. Lily sah Luka strahlend an. „Alles o. k. bei dir?" Luka nickte.
„Meine Familie ist etwas…" sie zuckte mit den Achseln.
„Nett?" – Ein Arm wurde um Lukas Schultern gelegt und ein dunkelhäutiger Mann mit blauen Augen drängte sich zwischen ihn und Lily. „Nein, das trifft es nicht ganz – unsere Familie ist groß, laut, unmöglich und furchtbar herzlich! Ich bin übrigens Fred."
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Nachdem Ginny sie aus der Diele vertrieben hatte, weil sie den ankommenden Gästen im Wege standen, hatten sie sich um die Bar im Esszimmer geschart.
Lily spürte Luka hinter sich. Sie konnte sich vorstellen, dass die Menschenmenge eine Reizüberflutung bedeutete.
Plötzlich kamen Krach und laute Rufe aus der Diele. Alle drehten sich zur Tür, in der nun eine Gruppe Männer in dunklen Roben erschien. Der Vorderste rief laut. „Bitte bewahren Sie Ruhe und stören Sie den Einsatz der Auroren nicht!"
Verwirrt sahen sich alle an. Es gab regelmäßig Drohungen gegen die Potters oder etwaige Weasleys, aber es hatte schon lange keinen Auroreneinsatz mehr gegeben. Lily zog James zu sich und flüsterte: „Weißt du, was das soll? Hat Papa dir was gesagt?" James schüttelte den Kopf.
Einer der Auroren machte eine merkwürdig kreisförmige Bewegung und aus seinem Zauberstab sprang ein Pfeil, wie aus einem Diagramm: dick und rot. Er kreiste einmal über die Menschen im Saal und blieb über Lukas Kopf stehen.
Erstaunt sah Luka nach oben. Kaum hatte der Pfeil aufgehört sich zu bewegen, sah Lily aus den Augenwinkeln etwas rotes Blitzen und genau in Lukas Brust treffen. Sie hörte sich selbst schreien.
Wie in Zeitlupe sah sie Luka zu Boden gehen. Sie wollte einen Schritt zu ihm machen, wurde aber von zwei Armen um ihre Taille zurück gehalten. Eine fremde Stimme sagte ihr: „Bitte bewahren Sie Ruhe, Miss Potter. Wir haben alles im Griff!"
Hektisch begann sie sich gegen die Arme zu wehren. Sie sah, wie einer der Auroren sich auf Lukas Brustkorb setzte und begann seine Hände mit silbernen Handschellen zu fesseln. Das Silber fraß sich in seine Haut. Deutlich war die gerötete Haut zu sehen und der stechende Geruch nach verbranntem Fleisch drang zu ihr.
„Lassen Sie sofort meine Tochter los, Riley!" donnerte die Stimme von Harry Potter von der Tür. Lily wurde augenblicklich losgelassen und taumelte einen Schritt nach vorne, dann fing sie sich.
„Lassen Sie meinen Gast sofort los, Auror Benson!" bellte ihr Vater den Mann auf Lukas Brustkorb an. Dieser sprang sofort auf seine Füße. Lily rannte zu Luka, der immer noch am Boden lag und kniete sich neben ihn. „Alles in Ordnung mit dir?" fragte sie leise.
Lily spürte Tränen in ihren Augen brennen, blinzelte sie aber weg. Luka nickte kurz, erhob sich und sah wieder zu Lilys Vater. Auch Lily erhob sich aus der Hocke und drehte sich zu ihrem Vater, ließ aber ihre Hand auf Lukas Schulter. Vor Ihrem Vater stand nun ein weiterer Mann.
„Sir, wir haben eine Nachricht aus dem Überwachungsbüro erhalten, dass sich hier ein Werwolf eingeschlichen hat!" Der Mann war sichtlich nervös.
Harry Potter sah den Mann vor sich wütend an. „Man kann wohl kaum von eingeschlichen reden, wenn ich den Mann selber eingeladen habe! Und ich glaube kaum, dass ich jeden Gast beim Überwachungsdienst anmelden muss, samt Hintergrund und Lebenslauf. Stewarts, schnappen sie sich ihren armseeligen Haufen und verschwinden Sie von meiner Party! Sobald ich wieder im Ministerium bin wird das ein Nachspiel haben!"
Die Auroren rannten fast aus dem Haus. Der Kerl, der Luka gefesselt hatte, nahm ihm die Handschellen wieder ab. Dabei sah er Luka hasserfüllt an.
Harry Potter trat zu seiner Tochter, die immer noch neben Luka stand. „Meine Güte, was eine Art einen Gast zu begrüßen! Sie müssen Luka sein. Es tut mir schrecklich leid! Das ist wirklich unglaublich! Geht es Ihnen gut?"
Luka zog sein Hemd über die Handgelenke, damit man die roten Markierungen des Silbers nicht sehen konnte. „Ist alles in Ordnung, Sir. Es war ja nicht Ihre Schuld." Harry Potter schüttelte den Kopf. „Aber es ist meine Abteilung und mein Haus! Sobald ich wieder im Büro bin, werde ich einigen Leuten den Kopf zurecht rücken. Die können nicht einfach auf Verdacht mein Haus stürmen und einen meiner Gäste misshandeln!"
Luka war es unangenehm im Mittelpunkt zu stehen, das war deutlich. Und so wie sie ihn kannte, war er sicher auch wütend. Lily sah außerdem wie einige Gäste auf Abstand gingen und Luka merkwürdig ansahen. Allerdings keiner aus Lilys Familie.
„Cooler Auftritt! So was hatten wir noch nie!" Fred stand wieder neben ihnen und James begann Luka auf die Schulter zu klopfen. Harry Potter schüttelte nur den Kopf. „Benehmt euch!" Ein rothaarige Mann trat neben Lilys Vater. Er lachte über das ganze Gesicht. „Du musst aber zugeben, dass das nun schon eine witzige Sache war: Razzia beim Chef der Aurorenabteilung!"
Harry verzog genervt das Gesicht. „George..." Ein weitere rothaariger Hüne trat zu ihnen. „Mann, Harry, das war aber wirklich..."
Lily zog ihn von der Gruppe weg, die nun lachend weiter diskutierte. „Mein Onkel George und mein Onkel Ron." flüsterte sie Luka ins Ohr. Er nickte nur.
Sie zog ihn weiter aus dem Raum hinaus und eine Treppe hinunter. Er lief ihr einfach hinterher. Im Keller öffnete sie eine Tür und machte das Licht an.
Luka sah sich mit großen Augen um. „Ich dachte, du bringst mich in einen Kellerraum, nicht in eine Sporthalle." Lily grinste ihn an. „Ich dachte, du brauchst ein wenig Abstand und eventuell eine Möglichkeit dich abzureagieren." Sie deutete auf einen Sandsack, der in einer Ecke von der Decke hing.
Luka lief langsam zu dem Sandsack und stieß ihn mit der Hand an. Lily setzte sich auf eine Bank am Rand. „Mein Vater nutzt den ziemlich oft, wenn er von der Arbeit kommt. Und meine ganze Familie ist etwas Sportversessen."
Luka drehte sich zu ihr um. Dann lief er langsam wieder auf sie zu. Gedankenverloren setzte er sich neben sie. Seufzend stützte Luka die Ellbogen auf seine Knie und ließ den Kopf hängen.
„Luka?" Lily war sich sicher gewesen, dass er wütend war. Aber jetzt benahm er sich seltsam. Er hob den Kopf und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. „Tut mir leid, Lily." Erstaunt sah sie ihn an. „Warum entschuldigst DU dich?"
Er zuckte die Achseln. „Wenn ich lange im Reservat war, vergesse ich immer, das die Welt hier draußen anders ist. Ich habe wirklich einen Moment gedacht, wir könnten normal befreundet sein, ohne das jemand mit dem Finger auf mich oder dich zeigt."
Lily begann zu lachen. „Oder mit einem Pfeil!" Er sah sie verletzt an. „Das ist nicht witzig!" Lily musste noch mehr lachen, als sie an den roten Pfeil und Lukas Gesichtsausdruck denken musste, als er den Pfeil über sich ansah. „Doch, das ist sogar sehr witzig!"
Tränen rannen ihr schon über die Wangen. Luka sah sie ernst an. „Du stehst definitiv unter Schock. Du solltest die Beine hochlegen!" Lily lachte nur noch mehr. Luka schüttelte den Kopf, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. „Du bist vollkommen verrückt!" Dann konnte er sich gegen Lilys ansteckendes Lachen nicht mehr wehren und sie lachten beide bis ihnen die Seiten weh taten.
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Stunden später sah Lily sich suchend um. Luka hatte eben noch bei Dominique gestanden und nun war er verschwunden. Die Party war im vollen Gange und nach dem merkwürdigen Anfang, hatten sie sich gut amüsiert.
James, Al, Fred und Scorpius hatten Luka unter ihre Fittiche genommen. Er lachte viel. Ihre Blicke trafen sich immer wieder. Lily hatte Bedenken gehabt, dass es ihm zu viel würde. Ihre Familie war für jeden normalen Menschen schon schwer verdaulich, aber mit Lukas verschärften Sinnen, musste er voll mit Gerüchen und Geräuschen sein.
Dann sah sie, dass die Tür zur Veranda offen stand. Er war sicher einen Moment hinaus gegangen. Lily überlegte kurz, aber dann folgte sie ihm. Sie spürte, die Wirkung des Alkohols, den sie getrunken hatte, als sie begann sich zu bewegen. Wenn er alleine sein wollte, konnte er ihr das ja sagen.
Er stand am Rande der Veranda und schaute in den Garten. Sie trat leise durch die Tür. „Luka, ist alles in Ordnung mit dir?" Sie trat dicht neben ihn. „Ja, nur ein wenig laut. Ich brauche eine Pause." Er sah immer noch in den Garten. „Ja, im Reservat ist es so leise. Das ist mir erst an Weihnachten aufgefallen."
Sie schlang die Arme um ihren Oberkörper. Hier draußen war es kühl und sie hatte nur ein kurzärmeliges Kleid an. Luka legte den Arm um sie und zog sie an sich. „Besser?"
Sie kuschelte sich an ihn. „Hm, wie ein Ofen." Eine Weile blieben sie so stehen. „Findest du meine Familie sehr nervig?"
Sie konnte hören, wie erstaunt er war, als er sagte: „Nein, gar nicht! Sie sind doch alle sehr offen und herzlich. Ich verstehe jetzt aber auch, warum dir das Leben bei uns so wenig auszumachen scheint. Deine Vorgänger konnten sich nie mit der Nähe abfinden. Aber deine Familie ist fast schlimmer als wir."
Lily kicherte. „Ja, wir umarmen uns gerne." Sie hörte wie Luka einatmete. „Ja, ich kann sie alle an dir riechen: deine Brüder, Fred, Scorpius, deine Cousinen … du hast Glück, so viele Menschen zu haben!" Lily seufzte. „Ich weiß, aber manchmal ist es auch zu viel des Guten."
Wieder trat eine kurze Stille ein. „Dominique scheint einen Narren an dir gefressen zu haben." Kaum hatte sie es gesagt, ärgerte sie sich selbst. Wieso musste sie Dom ins Spiel bringen? „Die Blonde in dem blauen Kleid?" Sie nickte trübsinnig. „Ja, sie war recht…anhänglich." Das war aber nicht die normale Reaktion auf Dominique. Lily machte sich ein wenig von ihm los und sah in sein Gesicht.
„Dir war das nicht recht?" Fragte sie ihn mit großen Augen. Er zuckte mit den schultern. „Naja, sie ist nicht wirklich mein Typ."
Sie lachte ungläubig. „Du bist bestimmt der erste Mann, der das sagt! Sie hat Veela-Blut und normalerweise hängen alle Männer an ihrem Rockzipfel!"
Luka sah in den Garten hinaus. „Das erklärt, warum sie so merkwürdig gerochen hat. Es schien fast so als wollte sie einen bestimmten Geruch imitieren – aber ich dachte, ich bilde mir das nur ein. Aber jetzt macht es Sinn. Ihre Magie hat versucht sich an meine Vorstellungen anzupassen. Faszinierend!"
Lily lehnte wieder ihren Kopf an seine Brust und kicherte.
„Du bist betrunken, Lily!" erklärte er. Empört versuchte sie einen Schritt zurück zu treten, aber Luka ließ sie nicht los. „Bin ich nicht!" Er grinste. „Doch, sonst kicherst du nicht so viel!" Sie versuchte die Arme vor ihrer Brust zu verschränken. Was recht schwierig war, weil er sie noch immer an sich drückte.
„Es ist Sylvester, ich bin auf einer Party – da darf man ja wohl mal was trinken! Du hast sicher den ganzen Abend nur Limonade getrunken!" Er zog sie dichter an sich heran als er sah, dass sie eine Gänsehaut an den Armen hatte. „Zappel' nicht so. Und ja: ich habe den ganzen Abend Limonade getrunken!"
Erstaunt ließ sie sich von ihm an sich drücken. „Wieso?" Seine Hand glitt ihren Nacken entlang. „Hatten wir das nicht schon? Wölfe vertragen keinen Alkohol." Seine Hand in ihrem Nacken lenkte sie von der Unterhaltung ab. Sie hatte wohl doch mehr getrunken als sie gedacht hatte.
„Wenn du aggressiv wirst, kannst du ja doch noch den Sandsack ausprobieren." Kicherte sie. Sie spürte mehr als sie es hörte, wie er lachte. „Du willst doch nur zusehen, wie ich den Sack verprügele."
Sie rieb ihre Wange an seiner Brust. „Hmm, würdest du das Hemd ausziehen?"
Jetzt lachte er laut. „Ganz sicher nicht! Wir sind auf einer Party der gehobenen Gesellschaft!" Lily lehnte ihr Kinn an seine Brust und sah ihn an. „Ich könnte Eintritt verlange. Einige meiner Cousinen würden sicher zahlen, dich beim Boxen oder Holzhacken zu sehen."
Er sah ihr in die Augen und grinste. „Und du hast das alles immer gratis bekommen. Vielleicht sollte ich demnächst Eintritt nehmen."
Verträumt sah sie ihn an. „Hmm, würde ich glatt weg zahlen." Luka hob die Hand und stupste ihre Nase. „Flirtest du etwa mit mir?" Das Grinsen hatte sein Gesicht nicht verlassen. Ernsthaft nickte Lily. „Immer!"
Luka schüttelte den Kopf und stupste noch einmal ihre Nase. „Du bist ganz schön angesäuselt, junge Dame!" Lily verdrehte die Augen. Das war aber keine gute Idee, denn ihr wurde kurz schwindelig. „Ich dachte, das hätten wir schon besprochen. Natürlich bin ich angetrunken!"
Sie sah ihm in die Augen und plötzlich änderte sich die Stimmung zwischen ihnen. Ihr war deutlich bewusst, wie dicht sie aneinander gekuschelt standen. Der Atem stockte ihr kurz und dann begann ihr Herz zu rasen.
„Wir sollten wieder hineingehen!" Lukas Stimme war fast nicht zu hören. „Nein!" Lily wollte nicht hinein. Sie wollte sehen, wohin der Moment führte. Luka fuhr ihr mit dem Finger über die Stirn und strich dabei einige Strähnen aus ihrem Gesicht. „Ich denke, wir sollten dieses Gespräch nicht führen, wenn du betrunken bist."
Sie spürte, wie er sich von ihr lösen wollte und hielt ihn an seinem Hemd fest. „Nein, Luka! So betrunken bin ich nicht und ich denke, wir sollten sehen, wohin uns das hier führt."
Sie rechnete ganz fest damit, dass er sie ignorieren würde und trotzdem darauf bestehen würde, dass sie hinein gingen. Womit sie nicht rechnete, war, dass er sie wieder enger an sich zog und sie küsste.
Sein Lippen waren warm und sanft. Lily hatte das Gefühl zu schmelzen. Ihr Körper wurde weich und floss regelrecht um Lukas herum. Dann löste er sich von ihr. Lily öffnete die Augen. Stumm sah er sie nur an. Nach einer Weile fragte er: „Bist du dir sicher?" Lily blickte ihm ernst in seine Augen. „So sicher, wie man sich sein kann." Luka sah immer noch nicht überzeugt aus. „Und was ist nach deinem Praktikum?"
Lily zuckte mit den Schultern. „Ich bastle dich schon irgendwie in mein Leben ein. Ich muss nicht auf dem Campus leben und wenn ich nach Rumänien gehe, kannst du mich besuchen. Wir finden eine Lösung. Wenn wir das wollen, dann schaffen wir das auch."
Ein strahlendes Lächeln begann sich langsam auf seinem Gesicht auszubreiten. Dann beugte er sich wieder zu ihr und küsste sie erneut.
Ende
Anmerkung:
Ich weiß, das jetzt sicher einige enttäuscht sein werden, weil das Ende nun doch plötzlich kam. Ich hatte die Geschichte nebenbei geschrieben, weil ich wieder einmal Lust auf ‚Wolf' hatte und meine andere, an der ich gerade arbeite zu einem Megaprojekt wird und anstrengend ist.
Ich war sehr erstaunt, als ich gesehen habe, wie viele diese Geschichte als Favorit eingetragen haben. Normalerweise sind meine Wolfsgeschichten nicht so beliebt. Vielen Dank an alle!
Aber das wirft bei mir nun Fragen auf. Was war anders? Was hat euch gefallen? Warum ausgerechnet diese Geschichte? Vielleicht haben einige von Euch andere Geschichten von mir gelesen – ist diese anders? Besser? Anderer Schreibstil?
Mein oben erwähntes Megaprojekt dreht sich um Scorpius und Rose – ich hoffe, das findet auch einen solchen Anklang. Es kann aber noch dauern bis ich fertig bin. Ich schreibe immer alle Geschichten fertig und dann lade ich sie hoch – damit der Stil im ersten Kapitel noch so ist wie im letzten und es alles in allem eine Runde Sache wird.
Es würde mich freuen, wenn ihr mir kurz einen Kommentar hinterlasst.
Man liest sich,
Euer Pinguin
