6. Kapitel
Er ging auf Sam zu, der noch einmal versuchte, an dem Seil, das seine Handgelenke zusammenband, zu zerren. Es half nichts, er hatte keine Möglichkeit, sich selbst aus dieser Situation zu befreien.
Der Carpetan warf einen kurzen Seitenblick auf Dean, dessen Augen aufgerissen waren und der schnell durch den Mund atmete.
Er holte aus und schlug Sam mit dem Knüppel gegen den rechten Oberschenkel. Sams Bein knickte sofort weg und er biß sich auf die Unterlippe, um einen Schrei zu unterdrücken. Helle Schmerzensströme durchzuckten sein Bein.
Sein Herz raste, Schweiß trat ihm auf die Stirn, doch all das nahm er nur unterbewusst wahr, denn ein weiterer Schmerz, schlimmer noch als der erste, durchströmte nun sein linkes Bein.
Sam schrie laut auf.
„Laß die Finger von ihm, du Scheißkerl, oder ich schwöre dir, du wirst den Tag verfluchen, an dem du geboren wurdest", hörte Sam seinen Bruder.
Seine Stimme klang gedämpft, zu sehr war er mit seinen Schmerzen beschäftigt, die er in beiden Beinen hatte.
„Es gibt doch nichts Furchterregenderes, als die leere Drohung eines Menschen, der hilflos und gefesselt zu deinen Füßen liegt", lachte der Carpetan laut auf und schlug Sam in den Magen.
Sam blieb die Luft weg. Für einen Moment sah er nichts als Schwärze vor seinen Augen, doch als er schon dachte, er würde ersticken, klärte sich seine Sicht und er konnte wieder atmen.
Sam sah verzweifelt zu Dean herüber, der verbissen an seinen Ketten riss.
Wie lange würde er das hier durchstehen können?
Dean sah, wie der Carpetan immer wieder auf Sam einschlug. Er schlug ihm vornehmlich auf Arme und Beine. Dean vermutete, dass er Sam nicht öfter in die Magengegend schlug, weil es dort schnell zu tödlichen inneren Blutungen kommen konnte. Der Scheißkerl durfte Sam noch nicht töten und so verließ er sich darauf, dass genügend Schmerzen Sam dazu bringen würden, um seinen Tod zu bitten. Dean hasste diesen Gedanken, doch er fand, dass ein schneller Tod diesen Qualen hier eindeutig vorzuziehen war.
Dean hatte nach etwa einer halben Stunde aufgegeben, an seinen Ketten zu reißen und den Carpetan anzuschreien. Er hatte eingesehen, dass dies nichts brachte, sondern ihn nur schwächte, ihm Kraft raubte. Und er brauchte diese Kraft, brauchte sie für Sam, brauchte sie, um sie beide hier rauszuholen, auch wenn er noch nicht wusste, wie er das anstellen sollte.
Und doch fiel es ihm unglaublich schwer, jetzt hier an die Wand gelehnt zu sitzen und mit diesem allumfassenden Gefühl der Hilflosigkeit mitanzusehen, wie Sam Qualen litt.
Sein kleiner Bruder sah schon jetzt schrecklich aus. Er hing matt, gefesselt an das Seil, halb in der Luft. Er hatte nicht mehr die Kraft, auf seinen eigenen Beinen zu stehen und so schleiften seine Füße über dem Boden der Miene.
Blutflecken sickerten langsam durch seine Jeans und sein Hemd an den Stellen, an denen durch mehrfache Schläge die Haut aufgeplatzt war.
Sein Blick war glasig und immer wieder sackte sein Kopf leicht auf seine Brust herunter, bevor der Carpetan erneut zuschlug und Sam aufschrie.
Diese Schreie gingen Dean durch Mark und Bein und ließen ihm das Blut in den Adern gefrieren. Dean hätte alles dafür gegeben, seinen Platz mit dem von Sam tauschen zu können.
Dean sah, wie der Mann erneut ausholte und hart gegen Sams Schulter schlug. Sam gab keinen Laut von sich, doch sein Kopf fiel nun ganz auf seine Brust und sein ganzer Körper erschlaffte. Er war bewusstlos.
„Das war wohl der Pausengong von Runde 1", höhnte der Drecksack, warf den Knüppel auf den Tisch und ging hinaus.
