„Sie ist hier irgendwo!" fauchte eine tiefe Stimme. Panisch drehte Hermine sich immer wieder um. Die vermummten Gestalten kamen immer näher. Sie waren nur noch einen Atemzug entfernt von Hermine, die durch den dunklen Wald rannte, so schnell sie ihre Beine tragen konnten. Die Stiche in ihrer Lunge waren schmerzhaft und bohrend. Jeder Atemzug verursachte einen ziehenden Schmerz. Doch das hinderte Hermine nicht daran um ihr Leben zu rennen. Sie sah einfach auf den Weg vor sich, nicht zurück – laufen, Hermine musste laufen. Auch wenn die Äste blutige Spuren auf ihren Armen und Beinen hinterließen, hetzte die junge Gryffindor durch den Wald, der kein Ende zu nehmen schien.

„AVADA KEDAVRA!" schrie eine Stimme und Hermine sah den grellen Lichtblitz auf sich zu rasen. Nur noch ein paar Sekunden und sie würde in die ewige Dunkelheit eintauchen.

Das wollte sie nicht zulassen!

„NEEEIN!" japste Hermine und riss die Augen auf. Panisch sah sie umher. Das alles, es war ein grauenvoller Albtraum. Ihr standen die Schweißperlen auf der Stirn. Ihre Haare standen wirr vom Kopf ab und ihre Kleidung war nass vom Schweiß. Die Tränen rannen unaufhörlich über ihre heißen Wangen. Wieder wurde ihr bewusst, wie allein sie war. Zitternd verkroch Hermine sich unter ihrer Decke, doch selbst die schien ihr keine Wärme zu spenden. Ihr Herz schrie, doch die Schreie verstummten ungehört. Und Hermine erkannte eines, nichts war schmerzvoller, als dieses erdrückende Gefühl der Einsamkeit. Es nahm kalt von ihr Besitz und umgab sie wie ein Windhauch es tun würde. Ihre Tränen wischte sie zitternd weg. Irgendwie musste sie durch halten. Irgendwann würde sie wieder mit ihren Freunden und ihrer Familie vereint sein. An diesen Gedanken geklammert, schlief Hermine irgendwann in den frühen Morgenstunden ein.

„Ich bekomme WAS?" William sah seinen kleinen Bruder verständnislos an. „Was ist denn dagegen einzuwenden, wenn du dir eine Haushälterin zulegst?" fragte Jake genervt. „Ich brauch keine Frauen im Haus, die richten nur Chaos an!"

Jake rieb sich über den Nacken. „Sieh sie dir doch erst einmal an, William. Sie ist wirklich sehr sympathisch." William schnaubte. „Werde ich hier auch vorher mal gefragt, ob ich überhaupt eine Frau in MEINEM Haus möchte?" Jake schüttelte schmunzelnd mit dem Kopf. „Nein wirst du nicht, ein bisschen weibliche Gesellschaft wird dir nicht schaden, glaub mir." Williams Augen verengten sich zu Schlitzen. „Wie oft soll ich dir eigentlich noch sagen, dass ich hier keinerlei Frauen in meiner Nähe haben möchte. Die sind immer so neugierig und wollen Aufmerksamkeit."

Bevor Jake noch etwas darauf erwidern konnte, vernahm er das leise Miauen von Williams Katze Smirnoff.

„Was war das?" fragte Jake verwirrt. „Ich", antwortete William, der nervös zu werden schien. „Seit wann miaust du wie eine Katze?" erwiderte er spitz. „Och, dass war nur das Tier in mir", hüstelte William. Sein Bruder musterte ihn skeptisch. „Lass mich doch mal in dein Schlafzimmer sehen Brüderchen." William schüttelte sofort mit dem Kopf. 'So so William, du willst mich nicht freiwillig in dein Zimmer lassen, dann muss ich andere Methoden anwenden...' Jake räusperte sich.

„Schau mal, draußen ist eine Pistazienverkäuferin", murmelte er trocken. „WO?" William lief zum Fenster, konnte allerdings niemanden entdecken.

Jake war währenddessen in das Schlafzimmer gegangen. Da lag Williams Siamkatze Smirnoff, sehr entspannt und schnurrend. Mit großen Augen musterte sie den Mann.

„Seit wann hast du ein Haustier Will?" fragte er schmunzelnd und beobachtete die Katze auf dem Bett seines Bruders.

Irgendetwas vor sich hin murmelnd betrat William nun auch sein Schlafzimmer und ärgerte sich sichtlich über seinen Bruder. „Sie ist mir... mehr oder weniger in die Arme gelaufen." Jake musterte ihn von der Seite. „Sie? Wie heißt Sie?" Der Hochgewachsene zuckte mit den Schultern. „Smirnoff", antwortete er knapp auf die Frage seines Bruders.

„Smirnoff? Wie bist du denn auf den Namen gekommen, du hältst dich doch so fern von Alkohol."

William rollte mit den Augen. „Ich bin auf den Namen gekommen, weil du wieder einmal deine Flasche Smirnoff bei mir stehen hast lassen." Amüsiert lachte Jake auf. „So so, Smirnoff also und die Katze ist also..." begann Jake und sah zu seinem lächelnden Bruder. „Meine Prinzessin auf der Erbse", beendete der ältere der Hopkins Brüder, den Satz.

„Also darf ich dir deine zukünftige Haushälterin mal vorstellen?" William seufzte. Es hatte wohl keinen Sinn mehr, gegen Jake anzukämpfen. „Ja von mir aus, bring sie mit", brummte er wie ein Teddybär. Jake konnte sich sein triumphierendes Grinsen nicht verkneifen.

Dann würde hier endlich Ordnung herrschen... hoffentlich.

Sichtlich deprimiert stocherte Hermine in ihrem Frühstück herum. Es war nichts besonderes. Rührei mit Toast. Ihre braunen Augen fixierten die Gabel.

Immer wieder stach Hermine mit der Gabel auf das Ei ein, beobachtete wie es auseinander fiel und machte so weiter.

Der Schwarzhaarige beobachtete seine Schülerin stumm. Ihm war nicht entgangen wie Hermine sich fühlte oder zu fühlen schien. „Miss Granger, essen Sie es, bevor es kalt wird", sagte er leise und schob sich ein Stück Toastbrot in den Mund. Selbst Hermines Professor musste sich dazu zwingen, etwas zu essen. Denn die Sache mit Bellatrix lag ihm noch schwer im Magen. Der Umstand, dass Hermine dieses Zusammentreffen nicht mitbekommen hatte, erleichterte die Sache doch etwas.

Er rieb sich über den Nacken, bevor er wieder seine Gabel wieder im Rührei versenkte. „Ich habe eigentlich keinen Hunger", antwortete Hermine nach einigen langen Minuten. „Fangen Sie bitte nicht schon wieder damit an, ich möchte Sie nicht noch einmal in das Dorf bringen müssen." Die Gryffindor seufzte betrübt. Er hatte ja Recht. Wie sollte sie den Dorfbewohnern auch erklären, dass Snape sie gefangen hielt, ohne ihn ans Messer zu liefern. Denn eines war Hermine klar, Snape durfte man keinesfalls unterschätzen. Auch wenn sich ihr Magen weigerte, rang Hermine sich dazu durch, wenigstens eine Kleinigkeit zu essen. Skeptisch musterte der Schwarzhaarige die Gryffindor, welche sich bei jedem Bissen zu quälen schien. Aber irgendwie kam auch etwas Erleichterung in ihm auf, denn ein zweites Mal würde er Hermine nicht in die Praxis zu diesem komischen Arzt bringen.

„Ist doch gar nicht so schwer", merkte Snape leise an, worauf er von Hermine gleich einen genervten Blick erntete. „Noch einen Kaffee?" fragte Snape dann. „Nein, ich möchte einen Kaffee noch etwas zu essen, können Sie das nicht akzeptieren?" fragte sie darauf. „Es nicht besonders gesund, wenn Sie hungern Miss Granger. Sie können nicht von mir erwarten, dass ich daneben stehe und nichts tue."

Er hatte zwar recht damit, aber warum sollte sie ihm recht geben? „Müssen wir schon wieder über meine Essgewohnheiten reden?" fragte sie genervt. Snape rollte als Antwort nur mit den Augen. „Nein." Wenn das so weiter ging, würde Severus bald die Decke auf den Kopf fallen. Allein hielt er es ja gerade noch so aus, aber die Gesellschaft von Hermine, machte ihm so langsam aber sicher zu schaffen.

„Wir gehen spazieren." Hermine hob die Augenbraue, denn sie glaubte sich verhört zu haben. „Was?" erkundigte sie sich sicherheitshalber noch einmal. „Haben Sie mich nicht verstanden Granger, ziehen Sie sich etwas an, wir werden einen Ausflug machen."

Zunächst glaubte Hermine, Severus Snape würde sich einen bösen Scherz mit ihr erlauben, doch das tat er ausnahmsweise nicht. Er hatte das mit dem Ausflug durchaus ernst gemeint.

Kurze Zeit später befanden sich die beiden schon auf den Weg zum Dorf hinunter. Hermine hatte ihre Aufmerksamkeit auf den matschigen Boden gerichtet. Der Wind durchdrang ihre Haare und wirbelte sie auf. Snape hatte sie für einen Moment völlig ausgeblendet. Für sie war, die Welt um sich herum viel interessanter. Hermine hatte die Zeit, die sie schon in der Berghütte verbrachten sich nach Freiheit gesehnt, nach der frischen Luft, die ganze Landschaft um sie herum. Doch Snape hatte ihr genau das genommen, wonach sich ihr Herz vergeblich sehnte. Die Freiheit.

Doch genauso wenig Sinn hatte es, ohne Zauberstab die Flucht anzutreten. Ihren Zauberstab hatte immer noch Snape, und den würde er sicher nicht heraus rücken.

Und nun waren ihre Gedanken wieder bei dem Mann, welcher sie entführt hatte und stumm neben ihr den Weg zum Dorf lief.

Einen Augenblick lang musterte sie das Gesicht des schwarzhaarigen Zauberers. Irgendwie war er blasser als sonst und so in seine Gedanken versunken. Warum konnte er sie nicht endlich gehen lassen? Aber Hermine wusste auch, dass sie von ihm darauf keine Antwort bekommen würde. Ihre Beine fühlten sich schwer an, genau wie ihr Herz. Hermine wusste nicht, was schlimmer war. Ihr Gefühl für Zeit hatte die Gryffindor auch beinahe verloren. Wie lange befanden sie sich eigentlich schon in dieser Einöde? Wochen? Ein paar Monate? Eine gewisse Art von Frust baute sich in der jungen Gryffindor auf.

Auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte, dass Snape dies gern tat. Sie kannte nur seine abfällige, eiskalte Art und die überlagerte sich bei dieser ganzen Situation nun einmal.

Die Gryffindor stieß einen hörbaren Seufzer aus, was Snape aufschauen ließ.

„Soll ich Sie jetzt auch noch unterhalten Granger?" fragte Snape spitz. Hermine wandte ihren Kopf ab. „Nein danke, Sie sind so unterhaltsam wie ungetoastetes Toastbrot."

Schlagfertig war sie ja, dass musste Snape ihr durchaus lassen. Aber daran wollte Snape jetzt eigentlich auch keinen Gedanken mehr verschwenden. Ihm behagte diese Situation auch nicht, aber er würde sich nicht die Blöße geben und das vor Hermine eingestehen. Genau das war nicht seine Art. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verwandelte sich sein Gesicht, in eine eiskalte Maske. Seine dunklen Augen fixierten den Weg, der Wind wehte ihm die schwarzen langen Haare ins Gesicht, doch er verzog dabei nicht einmal das die Miene. Für ihn war es eine Leichtigkeit diese Maske aufrecht zu erhalten. Er hatte die ganzen letzten Jahre nichts anderes getan, als den Schein zu wahren und niemanden sein wahres Gesicht zu zeigen. Nur wenn Snape allein war, ließ er diese Maske fallen und kam aus sich heraus. Doch manchmal, selbst dann nicht. Sein Leben hatte ihn verbittert gemacht, ihm den Willen genommen, Glück an sich heran zu lassen. Für ihn war eben der Tag an dem Lily gestorben war, eben der Tag, an dem ihn das Glück für immer verlassen hatte. So war es für Snape und er hatte sich damit abgefunden. So hatte er besser für Dumbledore arbeiten können und Severus tat es ja immer noch. Der Schwarzhaarige war sich dessen auch sicher, dass er bis zu seinem Tod, diese Maske aufrecht erhalten würde, um dafür zu kämpfen, dass Harry Potter siegen und endlich Frieden in die Zaubererwelt einkehren würde.

Den beiden kam der Weg ins Dorf wie eine gefühlte Ewigkeit vor. Hermine war erleichtert, als endlich die Dächer der ersten Häuser in ihr Blickfeld kamen. Snape wirkte ziemlich teilnahmslos, er schwieg weiterhin und begleitete sie mehr oder weniger stumm. Um sich selbst zu beruhigen atmete Hermine noch einmal tief durch, bevor sie die Stimme erhob.

„Wollen Sie ein paar Kleinigkeiten einkaufen Professor Snape, oder warum hat sie unser Spaziergang ins Dorf geführt?" erkundigte sie sich leise und hoffte doch eigentlich, dass er nicht antworten würde.

„Genau richtig", antwortete Snape eiskalt, sodass Hermine bei diesem Ton fast zu einer eisigen Statue erstarrt wäre.

„Verzeihen Sie, dass ich gefragt habe", knurrte Hermine verärgert über seine eisige Antwort. Aber bevor Snape die Stimme erheben konnte, hörten sie das laute Fluchen des Arztes.

„Chantal, ich bin immer noch VERGEBEN!" zischte William sichtlich verärgert über seine Verehrerin, die sich nach wie vor nicht abschütteln ließ. Hermine und Severus hielten inne und blieben stehen, dieses Bild was sich vor ihn abspielte war einfach zu merkwürdig. Der Hochgewachsene lief vor ran und seine französische Verehrerin versuchte ihn wieder ein zu holen.

„William Paul Hopkins, was willst du nur mit diesem jungen Ding, nehme dir doch lieber so eine reife Französin wie mich", säuselte sie. Dabei bekam sie auch nicht mit, wie William sehr genervt seine Augen verdrehte.

„Wie oft soll ich es dir eigentlich noch sagen Chantal, William Paul Hopkins ist vom Markt!" Das war zwar eine glatte Lüge, aber es musste doch reichen, um ihr diese ganze Sache auszureden. Aber es schien nicht zu klappen.

Severus und Hermine beobachteten die beiden interessiert. Es gab ein wirklich lustiges Bild ab, weswegen Hermine amüsiert vor sich hin kicherte und dementsprechend Williams Aufmerksamkeit auf sich zog. Erst jetzt dämmerte es ihm. Da war ja noch etwas gewesen, diese junge Dame war seine Patientin und sie war wieder in der Begleitung dieses Alice Cooper Verschnitts.

'William du wirst alt, du hast deine Patientin völlig vergessen...', dachte William angestrengt, weswegen er das Gesicht verzog. Der Arzt schien so sehr in seine Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, wie Chantal gegen ihn 'stieß'.

„Whups..." säuselte sie. 'Jetzt oder nie!' dachte Chantal spitzbübisch grinsend und ließ ihre Hände auf Wanderschaft gehen.

Und jetzt musste sich Hermine wirklich zusammen reissen, nicht einen lauten Lachanfall zu bekommen. Es sah einfach zu komisch aus, wie Chantals Hände an William entlang tasteten und er angestrengt vor sich hin grübelte. Selbst Severus' Mundwinkel begannen zu zucken.

Williams Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf Snape und Hermine, wieso sahen die beiden denn so amüsiert aus? Und irgendwie fühlte sich einige Stellen an seinem Körper so komisch an. Um genau diesem Problem auf den Grund zu gehen, sah er hinunter und entdeckte Hände, die aber eindeutig nicht ihm gehörten. CHANTAL! Die hatte er völlig vergessen! Er schob so schnell er konnte ihre Hände von seinem Körper und nahm etwas Abstand ein.

Chantal legte ein süffisantes Grinsen auf, machte eine Katzengeste und ein gespieltes Schnurren.

William hob die Augenbraue, also Smirnoff reichte ihm völlig aus.

„Chantal, ich würde dir weniger von dem empfehlen was du nimmst oder nimm einfach mehr", stellte William skeptisch fest.

„Oh William, stell dich doch nicht so an", seufzte sie. „Ich stell mich überhaupt nicht an, außerdem muss ich mich jetzt sowieso um etwas dienstliches kümmern, du entschuldigst mich", meckerte er genervt.

Hermine verging das Lachen, William wollte doch nicht etwa auf sie zu kommen? Doch er tat es, der hochgewachsene Arzt kam direkt auf sie zu.

„Miss Granger", sprach er sie freundlich an. Hermine sah schnell zu Snape, zu Chantal – welche fluchend von dannen zog und dann wieder zu diesem fast zwei Meter großen Arzt.

„Wie geht es denn und warum waren Sie weg?" erkundigte sich William interessiert. Einen Augenblick lang, wanderten seine Augen zu Snape, der seine eiskalte Maske aufrecht erhielt und den Mann vor sich zu mustern schien.

„Es geht mir so weit ganz gut... und ich..." Sie spürte Snapes eiskalte Aura neben sich und die Gryffindor wusste genau, wenn sie jetzt etwas falsches sagen würde, dann hätten William und sie ein Problem.

„Ich wollte einfach meine Ruhe haben Dr. Hopkins... Mr. Snape ist mein … Lehrer. Wir sind auf Forschungsreise", log Hermine sodass sich die Balken bogen. Snape schien zufrieden zu sein, jedenfalls gab er keinen Ton oder gar eine Reaktion von sich.

Und Hermine sah, dass William es ihnen zu glauben schien. „Wie interessant", entgegnete er. „Ich hoffe Sie nehmen wieder regelmäßig Nahrung zu sich Miss Granger, nicht das Sie wieder bei mir in der Praxis liegen."

Hermine schüttelte mit dem Kopf. „Ach nein, ich esse wieder – mein Zusammenbruch war anstrengend genug", antwortete sie ehrlich lächelnd. Dieses Lächeln erwiderte William ebenso mit einem erfreuten Gesichtsausdruck, nur Snape beobachtete die beiden starr. „Miss Granger", knurrte er eisig. „Wir sollten einige Besorgungen machen – immerhin wollen wir doch forschen. Mit leerem Magen lässt es sich schlecht wandern." Hermine verzog das Gesicht. Wie schnell Snape solche Momente doch zur Nichte machen konnte.

Unter Williams skeptischen Blicken verabschiedeten sich Hermine und Severus und setzten ihren Weg fort. Der hochgewachsene Arzt sah den beiden fragend nach. Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass Hermine ihn angelogen hatte – weil sie dieser komische Mann begleitete.

Jedoch blieb er nicht lange bei diesem Gedanken. Chantal geriet wieder in sein Blickfeld, weshalb er sofort seinen Weg fort setzte, um so schnell wie möglich ein gutes Versteck zu finden.

Stumm setzten die beiden ihren Weg fort. Snape grübelte indes über sein weiteres Vorgehen nach. Solche Begegnungen konnten ihm wohl möglich gefährlich werden. Auch wenn es nicht so aussah. Erstaunt hatte ihn wirklich, dass Hermine irgendeine Ausrede gefunden hatte. Der Schwarzhaarige hatte eher damit gerechnet, dass ihn seine Geisel verraten und deshalb ans Messer liefern würde. Snapes dunkle Augen wanderten umher. Kam es ihm nur so vor, oder beobachteten ihn die Dorfbewohner auf der Straße. Sicher bildete er sich das nur ein. 'Severus – aufpassen. Nicht das du noch paranoid wirst.'

Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Weg vor ihnen, er wollte mit Hermine noch einige Besorgungen machen und die sollten sie lieber schnell hinter sich bringen. Denn zu viel Aufsehen wollte Severus auch nicht erregen.

Während des Einkaufes fiel nicht ein Wort – zwischen den beiden. Snape kümmerte sich um den Einkauf, Hermine lief stumm neben ihrem Lehrer her. Sie hatte auch nichts großartiges mehr zu sagen. Snape würde sowieso nur das kaufen, was er für angemessen hielt. Deshalb zog Hermine es zunächst auch vor, nichts mehr darüber zu sagen oder gar ihre Stimme zu erheben.

Snape dagegen versuchte seine Gedanken langsam aber sicher wieder ins Reine zu bringen. Doch es gelang ihm einfach nicht. In seinem Kopf herrschte ein unglaublich schmerzhaftes Chaos. Schlicht ergreifend schien er ein Gefangener seiner Gedanken zu sein. Immer wieder schienen seine schmerzhaften Erfahrungen nach oben zu gelangen und dann wieder diese Situation, in der sich jetzt befand. Es zermürbte ihn in seiner Seele. Man sah es Snape nicht an, seine Maske war fest und wirkte wie die einer Statue aus Stein. Nur seine Augen verrieten seinen inneren Kampf, den Kampf seine Gedanken und den starken seelischen Schmerz unter Kontrolle zu bekommen. Snape hatte es geahnt, er hatte es tief in sich gespürt – und Severus wusste, wie stark die Gedanken seinen Geist beherrschen konnten. Sie kontrollierten seine verbitterte Seele. Einen Augenblick lang hielt der Schwarzhaarige inne. Da wollte etwas heraus – die Tränen. Die Tränen welche den Schmerz in ihm zu Tage brachten. Jedoch weigerte sich sein starker Wille diesem sehnlichsten Wunsch nach Erleichterung durch die Tränen nachzugeben. Nicht hier, nicht vor all den Menschen und erst recht nicht vor seiner Schülerin. Seine verbitterte Seele ging sie nichts an, sein zerstörtes und flehendes Herz sollte schweigen und ihr nicht den Schmerz offenbaren, welcher in ihm gefangen war. Welcher kämpfte aus sich heraus zu kommen und es doch nicht schaffte, weil sich Severus weigerte ihn vor anderen Menschen zu offenbaren. Seiner Meinung nach würden sie ihn für einen elenden Schwächling und verbitterten alten Mann, der seiner großen Liebe hinterher trauerte halten.

Snape schloss die Augen und atmete tief ein.

„Professor?" Ihre Stimme durchdrang schmerzhaft, wie ein Dolch das Herz durchbohren würde seine Gedanken, was ihn innerlich fast zerbersten ließ.

„Ja?" fragte er beherrscht ruhig, was Hermine schlucken ließ. Irgend etwas war auf einmal anders. Ganz anders. „Ist alles in Ordnung?" erkundigte sie sich vorsichtig. Snape glaubte sich verhört zu haben. Hermine erkundigte sich nach seinem Befinden?

Sehr langsam drehte Severus sich zu Hermine herum, sie befanden sich in einer Gasse, welche eher spärlich vom Sonnenlicht benetzt wurde, jedoch reichte dieses Licht aus um Snapes Augen erkennen zu können. Zunächst sah sie nur Snapes kalten Gesichtsausdruck, welcher sich schon beinahe zu einer Fratze verformte. Hermine schluckte augenblicklich. Aber es war nicht Snapes Gesichtsausdruck, welcher sie so verstörte. Es waren seine Augen. Seine dunklen Augen, die immer so viel Kälte und Verbitterung ausstrahlten – sie wirkten wie ein dunkler, tiefer See voller Schmerz und Trauer. Wage nahm sie das leichte Glitzern in seinen Augenwinkeln wahr. „Wagen Sie es nicht, mich nach meinem Befinden zu fragen, denn das geht Sie NICHTS – überhaupt NICHTS an", zischte Severus ihr so kalt und ablehnend zu, dass Hermine am liebsten das Weite gesucht hätte.

Seine Augen wirkten jedoch wie Ketten, die sie an ihrer Flucht hinderten. Was hatte dieser Mann nur in sich zu verbergen, was ihn so emotional aufwühlte. Hermine war bei weitem kein Psychiater oder sonst irgend etwas, aber diese Augen waren nicht die, die sie von ihrem Professor kannte. Seine Maske konnte er halten, jedoch war der Ausdruck in seinen Augen nicht zu verstecken. Irgendetwas in Hermine zwang sie dazu, ihn besser nicht auf ihre Beobachtung anzusprechen. Wenn Snape gerade in einer sehr emotionalen, fast nicht sichtbaren Stimmung war... Hermine wollte gar nicht weiter darüber nachdenken, wie gefährlich Snape dann werden konnte. „Wir sollten weiter gehen", flüsterte Hermine schon beinahe und senkte langsam den Kopf. Diesen Moment musste die junge Gryffindor erst einmal verarbeiten. Es war ja nicht so, dass Hermine ihn für ein eiskaltes Monster hielt, welches keine Gefühle empfinden konnte, jedoch hatte sie nicht mit so einer beängstigen Beobachtung, welche sie gerade gemacht hatte, gerechnet. Aber diese Beobachtung zeigte der besten Freundin von Harry, dass selbst Snape ein Mensch hinter seiner steinigen Fassade war, ein Mensch der allem Anschein nach, mehr als nur verbittert war. Er hatte Dumbledore auf dem Gewissen – vielleicht war es das, was Severus trauern ließ. Was ihn zu dieser Reaktion zu bringen schien. Wage nahm Hermine wahr, wie Snape sich langsam von ihr abwandte, tief ein atmete, kurz anspannte und seinen Weg stumm mit seiner 'Geisel' fort setzte. Ihr war klar, dass sie bald wieder auf die Berghütte zurück kehren würden. Denn Hermine bezweifelte, dass Snape es länger mit seiner Gemütslage unter den Menschen hier aushielt.

Und schon ein wenig später traten die beiden den Weg zur Berghütte an.

Sam sah dem ungleichen Paar, welches sich langsam vom Dorf entfernte fragend nach. Es wirkte schon etwas seltsam. Die beiden hatten nicht ein Wort verloren, sie sahen sich auch nicht an. 'Schon merkwürdig diese Dorfbewohner hier... vorhin erst diese fluchende Französin und jetzt die beiden... aber dann bin ich auch genau richtig hier', dachte sich die junge Frau in Jakes Alter. Mit einem Lächeln auf den Lippen betrat sie den „tanzenden Irrwicht", in dem ihr gleich ihr ehemaliger Schulfreund Jake ins Auge stach. Er stand hinter der Bar und beobachtete den fluchenden Koch, wie er einen Kollegen herum scheuchte.

„Jake!" rief sie erfreut. Dieser drehte sich zu ihr und sofort breitete sich ein Lächeln in seinen Zügen aus. „Sam, da bist du ja endlich. Schön dich zu sehen!" Er unterbrach seine Arbeit und lief sofort zu seiner Schulfreundin, um diese erst einmal herzlich zu umarmen. „Natürlich. Du weißt doch, auf mich ist Verlass und wenn es um Männer herum kommandieren geht, bin ich sofort zur Stelle", scherzte sie. „Du weißt schon, dass mein Bruder etwas speziell ist, oder?" Sie nickte. „Das hast du mir des öfteren erzählt Jake, wo ist denn der 'unschuldige' Berg – äh.. Dorfdoktor?" Jake lachte bei ihren letzten Worte amüsiert auf und klopfte ihr auf die Schulter. „Dem Bergdoktor werden wir nun einen Besuch abstatten und wie ich ihn kenne, wird er hoch erfreut sein."

Mit einem Lächeln auf den Lippen und über alte Zeiten redend verließen beide den „tanzenden Irrwicht".

Die beiden beeilten sich zu Jake und Williams Männer Wohngemeinschaft zu kommen. Der Blick auf die Uhr sagte ihm, dass der Arzt, den die Frauen am liebsten verhauen würden, so wie Charlet, wenn sie wieder einmal Opfer von Wills nicht so ernst gemeinten Sticheleien wurde, nun Feierabend hatte und dann ganz sicher zu gegen war. Jedenfalls hoffte er das für Will.

„Will wir haben einen Gast!" rief er nach betreten des Hauses. Sam hob die Augenbraue. Die beiden brauchten eindeutig eine Frau im Haus. Das verriet ihr schon der Blick auf die Kommode am Eingang. Dort lagen Pistazienschalen. Skeptisch hob die junge Frau eine Augenbraue. Was war das denn für ein komischer Kauz.

„Ich bin beschäftigt mit einer hochwichtigen Studie!" rief William, welcher gerade wieder dabei war fröhlich Pistazien zu essen. „Was studierst du denn?" fragte Jake ohne das Zimmer zu betreten. „Oh … ähm.. meine Wand!" rief er zu seinem Bruder. Dann ärgerte er sich jedoch gleich über diese Antwort. Was besseres war ihm wirklich nicht eingefallen. „Und... wie ist die Wand?" erkundigte sich sein Bruder schmunzelnd. „Weiß", antwortete William, welcher sich gleich wieder eine Pistazie in den Mund schob. William hörte eindeutig, dass natürlich jemand anderes im Haus war und das die beiden immer näher kamen, schnell machte er die Tüte irgendwie zu und warf sie über seine Schulter in die nächst beste Ecke, gerade in dem Moment als die Tüte geräuschvoll in der Ecke landete, betraten die beiden das Wohnzimmer und fanden, den ziemlich unschuldig drein blickenden William vor, welcher versuchte möglichst elegant auf dem Sofa zu sitzen. Neben ihm lag Smirnoff und sah gelangweilt in die Welt hinaus.

„Wow William, du hast eine echt einschläfernde Wirkung auf Frauen, dass muss ich dir lassen." Dafür erntete er gleich einen Todesblick seines Bruders.

Sam musste sich nun doch etwas zusammen reissen, nicht gleich zu kichern. Ja die beiden gaben schon ein komisches Geschwistergespann ab.

„Nun bevor du mich mit deinem Gesichtsausdruck umbringst William. Das hier ist Sam, ich hab sie dir ja schon angekündigt", deutete Jake an und nun war es an William sich zusammen reissen, wenn ich auch aus anderen Gründen.

„Ich habe dir schon gesagt, dass mir keine Frau ins Haus kommt", meckerte er gleich, jedoch ließ sich Sam nicht davon beeindrucken und genau das merkte William. „Ach William nun sei doch nicht so, sie kann wirklich gut kochen." Und jetzt beobachtete Jake seinen Bruder genau, der die Augenbraue hob und sofort aufsprang. „Gut, dann darf sie hier gerne anfangen!" Sam musterte William skeptisch, der sollte mal bloß nicht denken, dass sie extra für ihn ein 5 Sterne Menü zauberte. Eins war sicher, der gute William würde bei ihr so schnell nichts mehr zu lachen haben.

'Pah. Keine Frau im Haus, wenn der erst einmal meine berühmten Spezialkreationen probiert hat, dann wird er mich nicht mehr gehen lassen wollen. Männer!'

Nachdem die drei einen kleinen Vertrag ausgehandelt hatten, hieß es für die beiden Männer endlich etwas Ordnung zu schaffen. Schließlich sollte sich Sam hier ja wohl fühlen.

„Ach nein lass mal", murmelte Will, als Jake im andeutete den Tisch an einen anderen Ort zu verfrachten. „Ich sehe schon Will, in deinem Alter sollte man nicht mehr so schwer heben", nuschelte schmunzelnd. „Soll das etwa heißen, ich sei alt?" fragte er spitz. „Ach nein... nicht wirklich..." gluckste Jake und beobachtete seinen fluchenden Bruder, welcher nun doch den Tisch aus dem Zimmer beförderte.

'Manchmal ist er einfach zu einfach auszutricksen', dachte er grinsend. Aber das mochte er ja an seinem Bruder.

Während im Dorf alles seinen gewohnten Gang ging und William von Sam ordentlich herum gescheucht wurde, spielte sich in der Berghütte das tägliche Spiel ab. Snape stand auf, bereitete das Essen für den Tag vor und zog sich dementsprechend in sein Zimmer zurück. So musste sich Hermine das Essen nur erwärmen. Ihr schmeckte das was Snape ihr vorsetzte eigentlich nicht wirklich, aber um ihren knurrenden Magen zu beruhigen reichte es durchaus aus.

Um nicht ganz untätig den ganzen Tag im Zimmer herum zu sitzen beschäftigte sich Hermine mit dem Hausputz. So lief sie zwar Gefahr „Mr. Sieben Tage Regenwetter Visage" über den Weg zu laufen, aber etwas Ordnung musste doch auch sein. Das Einzige was Hermine wirklich zu bedauern schien, war das es hier einfach kaum Bücher gab. Der Drang etwas zu lesen wuchs immer mehr, aber die Bücher, welche schon hier gewesen waren, hatte Hermine schon gelesen. Normalerweise hätte sie sich mit Zauberei ein paar neue Bücher beschafft, doch Snape hatte immer noch ihren Zauberstab und das machte die Sache eben noch um einiges schwieriger.

Aber sich darüber den Kopf zu zerbrechen, dass brachte auch nichts, Ablenken war die Devise.

Während Hermine wieder einmal dem Hausputz nachging, schlurfte Snape mit seinem äußerst begeisterten Gesichtsausdruck wieder in sein Zimmer zurück. Diesmal war es Snape, der eher in sich gekehrt war. Diese ganze Gefühlssache ließ den Schwarzhaarigen nicht los und es raubte ihm wieder den Schlaf. Er wusste selber, dass es nicht gerade gesund war. Aber Severus fand keinen wirklichen Lösungsweg, wie er am besten wieder aus dieser Sache heraus kommen könnte, und möglichst nicht zu sterben. Wobei das der einfache Weg wäre. Aber wofür hatte Snape die letzten Jahre sein Leben aufs Spiel gesetzt. Um jetzt einfach zu sterben? Irgendwie passte das auch nicht so ganz zusammen. Diese ganze Situation zermürbte ihn, Hermine vor Bellatrix zu beschützen. Er hatte allen Grund dies zu tun, denn Snape wusste wie Bellatrix mit Geiseln umging. Und seit der Sache mit dem unverzeihlichen Fluch, wollte er genau dies vermeiden. Irgendwie würde Severus dafür sorgen müssen, dass Hermine nicht in Bellatrix Nähe kommen durfte.

Vielleicht war dieser Gedanke auch noch ein Fünkchen seines guten Gewissens, aber Lily hätte auch nicht anders gehandelt und es gab auch ein Beispiel dafür: Harry. Er wusste selbst wie grausam so eine Folterung sein konnte, Severus war auch kein unbeschriebenes Blatt und Bellatrix hatte keine gutmütigen Gefühle mehr. Severus verbat sich diese zwar, jedoch weigerte sich sein gutes Gewissen, welches noch kleine leise Töne von sich gab, Hermine an Bellatrix auszuliefern. Es würde den Tod ihrer reinen Seele bedeuten. Seine eigene Seele hatte er schon vor Jahren an den personifizierten Teufel verkauft und dafür schmerzlich bezahlen müssen, mit dem Verlust seiner großen Liebe. Auch wenn sein Herz aus Stein war, seine Seele voller Schmerz und Trauer... selbst er hatte durch Dumbledore erkannt, dass es einen Sinn im Leben gab, auch wenn es die Aufgabe war, Harry zu schützen. Von hier aus war er machtlos und irgendwie betete Snape, dass Harry nichts passieren würde. Vielleicht schaffte er es so an Harry heran zu kommen, indem er Lilys Sohn zwang, seine beste Freundin zu retten und ihm in die Arme zu laufen. Auch wenn es gleichzeitig hieß, Hermine vor den Todessern zu schützen, er würde dies auf sich nehmen müssen.

In seine Gedanken versunken legte er seine kalte Hand auf die Brust unter der sein 'Motor' arbeitete. Jeden einzelnen Schlag konnte Severus spüren, doch Kraft aus diesen 'motorischen' Schlägen konnte er nicht schöpfen.

Viel mehr die Verzweiflung zwang ihn zu einer anderen Tat. Den Tränen endlich freien Lauf zu lassen. Sehr langsam schlichen sich Tränen aus den Augenwinkeln des Schwarzhaarigen. Er war nicht nur stark, Severus konnte nicht immer stark sein für andere. Selbst er war in sich ein schwacher Mensch, der sich nach der Liebe sehnte, sich aber dem Licht der Liebe verweigerte und an Lily festhielt. Nichts konnte sie ihm zurück bringen. Nicht einmal Dumbledore hätte etwas daran ändern können.

Ein Zittern durchfuhr den schmächtigen Körper des Tränkemeisters. Wenn er seinen Gefühlen freien Lauf ließ, dann nur wenn Severus sich wirklich sicher war, dass es absolut keiner merken würde.

Irgendwann... irgendwann als für diesen Moment alle Tränen geweint waren und Severus den Druck in sich etwas gelöst hatte, schlief er erschöpft von seinem Gefühlsausbruch ein.

Auch in dieser Nacht suchten Snape die schlimmsten Albträume heim, quälten in und ließen ihn schreien.

Manchmal wünschte Severus sich, einfach mal wieder eine Nacht ohne diese Träume. Nicht einmal ein Trank half gegen diese grausamen Erinnerungen, die ihn jede Nacht heimsuchten. Snape hatte einen sehr unruhigen Schlaf in den letzten Jahren entwickelt, was dazu führte, dass sein Bett entsprechend verwüstet am nächsten Morgen aussah.

Dies entging auch Hermine nicht, welche am Morgen an seinem Zimmer vorbeigelaufen war, als er im Bad verschwand. Sie konnte sich schon zusammenreimen, dass dies mit seiner Gemütslage zusammenhing. Aber ändern konnte Hermine daran ja auch nichts und das wusste sie auch. Auch ihr wurde klar, dass die ganze Situation ihren Professor wohl auch nicht ganz kalt ließ.

Aber der machte das wohl mit sich allein aus und wollte sie nicht an seinen Problemen teilhaben lassen, aber ehrlich gesagt interessierte Hermine das auch recht wenig. Was sollte sie denn schon an seiner Trauer ändern. Und irgendwie kam auch in ihr etwas Wut auf.

Wut und Unwissenheit. Sie war in seinen Klauen und sah keinen Weg hinaus. Mit diesem Gedanken erstarkte der Wille wieder aus diesem Gefängnis heraus zu kommen. Aber hatte ihre Ruhe nicht dazu geführt, dass Snape endlich mit ihr das Haus verlassen hatte? Auch wenn es nur ein kurzer Ausflug gewesen war? Doch plötzlich hörte Hermine ein sehr lautes Klopfen und Bellatrix' schrille Stimme. Augenblicklich gefror Hermine das Blut in den Adern. Sekundenbruchteile später hörte sie wie Snape das Wasser abstellte und die Tür des Badezimmers aufschloss.

Wie von der Tarantel gestochen eilte er hinab und entdeckte Hermine neben der Treppe.

„Was stehen Sie da noch herum Granger?" fragte er atemlos und gehetzt. „Was?" erwiderte sie hauchend. Snape deutete mit dem Zauberstab auf das andere Bad hinter der Treppe. „Sofort da rein und keinen Ton Granger!" zischte er ihr flüsternd zu. Hermine tat sofort was er von ihr verlangte. Alles war besser als Bellatrix zu begegnen. Auch wenn ihr Snapes Anblick für einen Moment die Sprache geraubt hatte. Es war Hermine doch lieber, wenn er möglichst nicht mehr zeigte, als sie vertrug. 'Eindeutig zu viel Information!'

Nachdem Hermine die Tür hinter sich geschlossen hatte, kauerte sie sich so gut es ging, in die hinterste Ecke des Bades. Sie hörte wie Snape langsam die Tür öffnete und über Bellatrix' Besuch alles andere als begeistert war. Denn Hermine hörte sein genervtes Fluchen.

„Wo ist deine kleine Geisel Severus?" fragte sie mit einem zuckersüßen Unterton in ihrer Stimme.

„Bellatrix, du bekommst Granger nicht", erwiderte Snape noch beherrscht ruhig. Bella lachte amüsiert über Severus' Reaktion. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass Snape eher gegen Voldemort als mit ihm arbeitete. Normalerweise hätte er Hermine – egal ob er Potter hatte oder nicht – schon längst an den dunklen Lord ausgeliefert. „Und warum nicht Snape? Und komm mir nicht schon wieder mit der Ausrede, dass du sie als Druckmittel für Potter brauchst. Das glaube ich dir nämlich nicht mehr... vielleicht kannst du es dem dunklen Lord verkaufen, aber nicht mir." Der Schwarzhaarige atmete einige Male tief ein und aus. „Nun Bellatrix, wieso sollte ich dich die ganzen Lorbeeren einheimsen lassen, ich habe eben meine Gründe weshalb ich Granger hier behalte und DIE muss ich dir nicht einmal offenbaren", antwortete Snape kühl. „Man könnte meinen, du stellst dich zwischen den dunklen Lord und Potters Freundin. Was bezweckst du damit?"

Zwar hatte Bellatrix Recht mit dem was sie vermutete, aber das würde er ihr nicht unter die Nase reiben.

„Irgendwie habe ich das Gefühl, ich stelle mich zwischen dich und Granger, ist es denn so anregend für dich kleine Gryffindors zu foltern, dass du es nicht mit so einem gestandenen Mann wie mir auf nehmen kannst. Wir wissen doch beide, dass du es nicht wagst dich mit mir zu messen, denn ich habe dir schon einmal gesagt, du solltest mich nicht unterschätzen Bella … und wo wir gerade dabei sind, ich habe keinerlei Interesse an dir – du kannst dir also deine schwachsinnigen Avancen sparen." Bellatrix lachte amüsiert auf. „Snape – du bist genauso ein Mann wie die anderen auch, erzähl mir nicht, dass du kein Interesse an so einer Frau wie mir hast."

Manchmal hatte Snape das Gefühl, Bellatrix überschätze sich selber. „Zu aller erst, habe ich es bei weitem nicht so nötig, wie du es vermutest Bellatrix, zweitens du widerst mich an. Und ich rede nicht von deiner äußeren Erscheinung. Und mal unter uns beiden... du wirst mich nie so weit bekommen, dass ich das Bedürfnis habe über dich herzufallen." Bellatrix wirkte nicht nur angefressen über Snapes deutlichen Korb, sie war es auch.

Hermine hatte angestrengt zugehört, einiges hatte die Gryffindor doch nicht verstanden. Doch Bellatrix schien Interesse an Snape zu haben. Zwar nicht an einer ernsthaften Beziehung mit Snape, jedoch wohl an den fleischlichen Gelüsten. Hermine kniff die Augen zusammen, es gab einfach Dinge... die wollte sie sich gar nicht vorstellen und das gehörte definitiv dazu. Doch dann hörte Hermine wie Bellatrix wieder die Stimme erhob, weswegen sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Geschehen richtete.

„Snape..." Bellatrix näherte sich dem schwarzhaarigen Zauberer, worauf der sich gleich etwas anspannte und eine leichte Abwehrhaltung einlegte. Sie legte ihre Hände zielstrebig auf sein geöffnetes weißes Hemd. Die Hexe war drauf und dran es ihm vom Leib zu reissen. „Es wäre doch sicher eine gute Idee, wenn ich einige Tage bei euch einziehe … nur um wirklich sicher zu gehen... dass du Granger so richtig übel behandelst, so wie du es dem dunklen Lord verkaufen möchtest." Kalt und ablehnend fixierten Snapes Augen die Todesserin. „Schlag dir das mal schnell aus deinem hohlen Köpfchen Bellatrix. Diese Sache werde ich alleine durchziehen, ganz ohne dich. Ich brauche keine Gespielin, die alles tun würde um den dunklen Lord zu gefallen. Und glaube nicht, dass du meinen Willen brechen kannst. Unterschätze Severus Snape nicht", zischte Snape ihr kalt zu. Seine dunklen Augen fackelten drohend auf, zwar hielt das Bellatrix weites gehend etwas klein, aber so leicht war sie dann auch wieder nicht ab zu schütteln.

Sie war eine der treuesten Gefolgsleute des dunklen Lords, jedoch wusste Snape auch von ihrer Besessenheit was das anging. Aber darauf würde er Bellatrix nicht ansprechen. „Du könntest dich in meinem Schoß vergessen Snape, ist das kein verlockendes Angebot für dich?" fragte sie mit einem zuckersüßen Lächeln auf den Lippen. Etwas angewidert verzog Snape sein Gesicht. Es war nicht einmal Bellatrix äußeres, was ihn so erschaudern ließ. Sondern ihr Charakter. Nicht das er ein Engel war oder gar ein Mann ohne Fehler, aber ihr Charakter war von Grund auf böse und berechnend. „Du bist einfach nur abstoßend Bella", fauchte er verächtlich.

„Und du Snape... weißt nicht was du willst. Hör doch tief in dich hinein, du willst dich in mir vergessen... du warst schon immer ein Gott darin, dich aus solchen Sachen heraus zu reden..."

Etwas irritiert über diesen komischen Wandel von Bellatrix' Äußerungen sah Hermine auf die Tür.

Bellas Verhalten machte ihr auf eine Art und Weise wirklich Angst. Einerseits war sie Snape dankbar, dass er Bellatrix von ihr fern hielt, jedoch war die junge Gryffindor sich nicht wirklich klar, was Snapes Absichten waren. Sie erkannte schon an seiner Stimme, dass dieser sich wohl vehement zu weigern schien, mit Bella ihren gewollten Akt zu vollziehen und der Todesserin das zu geben was sie wollte. Nicht nur den Akt... sondern auch sie.

Hermines Herzschlag beschleunigte sich, sie wollte nicht dabei sein, wenn Bellatrix über Snape herfiel oder gar von ihr entdeckt werden. Innerlich begann sie zu beten, dass Snape einmal ein gutes Gewissen hatte und sie vor dieser Geisteskranken schützte.

„Lass es Bellatrix, sonst..." fauchte Snape in einer eisigen Stimme, welche wohl Wasser sofort zu Eis erstarren lassen hätte. So kalt wie Snapes Stimme, war nun ihr Gesichtsausdruck. „Sonst was?"

tbc.