Snape fixierte Bellas Augen. „Wirst du dir wünschen nie geboren zu sein Bella..." knurrte Severus. Bella lachte nur kalt.

„Oh Snape, ich habe keine Angst..." Mit geschmeidigen Schritten näherte sich Bella dem schwarzhaarigen Tränkemeister. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter. „Vor einem halbblütigen, feigen Bastard wie dir", säuselte Bella ihm ins Ohr. Sie hatte allerdings nicht gemerkt, wie fest Snapes Griff während dieser Worte um den Zauberstab wurde. In den nächsten Sekunden, nahm Bella nur noch Snapes gefauchtes „Crucio" wahr. Mit einem lauten Schrei fiel Bella auf den staubigen Holzboden und stieß dabei immer wieder bitterliche Schreie vor höllischem Schmerz aus.

„Nenne mich nie wieder feige!" fauchte Snape aggressiv.

Während Bella vor Schmerz schrie, presste Hermine panisch die Hände auf ihre Ohren, um nicht mit anzuhören, wie die Todesserin unter der Folterung von Snape litt. Wieder einmal wurde der Gryffindor hörbar bewusst, wie gefährlich Snape sein konnte, aber nachdem was sie mit angehört hatte, konnte sie Snapes Wut verstehen. Ihr entging es ja nicht anders. Zu oft hatte sie sich schon „Schlammblut" anhören müssen. Aber hatte er es gleich dazu bringen müssen? Verzweifelt und in Tränen aufgelöst, musste Hermine Bellas Schreie tief in ihr Bewusstsein eindringen lassen, es war einfach zu laut und sie konnte es nicht überhören. 'Hör doch auf Snape... hör doch endlich auf!' flehte Hermine in Gedanken. Die Tränen brannten heiß auf ihren Wangen.

Nach unzählig langen Minuten löste Snape endlich den Fluch von Bella und musterte sie dementsprechend abfällig. „Treib es nicht zu weit Bellatrix, ich denke du hast nun gespürt, dass du dich nicht mit mir anlegen solltest." Seine Stimme durchdrang die gespenstische Stille nach seiner Folterung, worauf Bella scharf die Luft einsog. Sie hatte für einen Moment wieder tief durchatmen können. Es war nicht das erste Mal, dass sie diesen Fluch über sich ergehen lassen hatte, aber Snape war nicht zu unterschätzen.

„Das nächste Mal lasse ich dich so lange leiden, dass du mich anflehst ..." Severus ließ den Satz offen stehen und signalisierte Bella, dass sie das Weite suchen sollte. Schwer atmend zwang Bella sich auf die Beine, warf Snape noch einen vernichtenden Blick zu und stolperte nach draußen, wo sie zwischen den Bäumen verschwand.

Der schwarzhaarige Zauberer war sichtlich erleichtert darüber, dass er Bellatrix losgeworden war, denn jetzt konnte er auch einmal kurz durchatmen. Normalerweise hätte Severus keinen der unverzeihlichen Flüche angewendet, aber Bellatrix hatte ihn derart in seinem Stolz verletzt, dass es an diesem Punkt für Severus keinen Schritt zurück gab.

Eigentlich genoß Snape für einen Moment die Stille, doch dann drang ihm Hermines leises Schluchzen in die Ohren.

Ihm wurde bewusst, dass Hermine Bellatrix Folterung mitbekommen haben musste.

Snape hatte nun zwei Möglichkeiten: Hermine allein lassen oder ihr etwas Aufmerksamkeit schenken, obwohl es ihm nicht behagte. Snape entschied sich für das Zweite.

„Miss Granger", sagte Severus leise, während er die Tür langsam öffnete. Ihm sahen zwei verängstige Augen, die nach Hilfe flehten. „Sie ist weg Miss Granger", versuchte er es etwas behutsamer als sonst, während er langsam auf die Knie ging. Snape wusste nicht was er nun sagen sollte, um Hermine nicht noch mehr zu ängstigen. „Warum haben Sie das getan, Professor?" fragte sie vorsichtig.

Das war eine gute Frage, was sollte Severus jetzt darauf antworten. „Sie kennen Bellatrix Miss Granger. Das war der einzige Ausweg, um dieser Irren einen Denkzettel zu verpassen und..." Severus ließ den Satz offen stehen, allerdings … „Und was?" fragte Hermine, doch ein kleines bisschen neugierig nach. „Es hält sie mir eine Weile vom Leib Granger... Eine komplizierte Frau im Haus reicht mir zur Zeit völlig aus." Nun musste Hermine sogar etwas lächeln. Aber so kompliziert war sie dann doch wieder nicht.

Schweigend musterten sie sich gegenseitig. Snape wurde diese Stille nun doch etwas zu viel, weswegen er sich erhob und krampfhaft überlegte.

Jedoch fiel ihm nichts geeignetes ein, was er nun mit Granger bereden sollte.

Während die beiden wieder in die Stube gingen, fiel Severus Aufmerksamkeit auf eine Flasche Schnaps.

Für Severus war es klar, dass er sich einen Schluck genehmigte, aber er wurde das Gefühl nicht los, dass Hermine ihn beobachtete. „Ist irgendetwas Granger?" fragte Snape skeptisch, nachdem er sich etwas von dem Schnaps genehmigt hatte. „Könnte ich bitte auch einen haben?" entgegnete Hermine mit fester Stimme. Für einen Moment lang glaubte Snape sich verhört zu haben und sah sie deshalb ungläubig an. Eigentlich hätte er Hermine nicht wirklich den Konsum von so hartem Alkohol zugetraut, aber es musste wohl an der Situation liegen. Außerdem hatte ihr sowieso die Pflicht ihr Alkohol zu verweigern, aber wer sollte ihn schon dafür bestrafen, aber auf der anderen Seite wusste Severus auch nicht, wie viel und ob sie überhaupt etwas vertrug. Doch dann siegte der Teufel über sein gutes Gewissen. Er gab Hermine auch etwas von dem Schnaps. Während Hermine das Glas an ihre Lippen setzte, fragte Severus sich doch, ob er das nicht bereuen würde.

Ein leises Raunen, durchdrang die Stille der Nacht. Das Rascheln der Kleidung war nicht zu überhören.

Leidenschaftlich trafen die Lippen der beiden Zauberer immer und immer wieder aufeinander.

Die braunhaarige junge Frau vergrub ihre Finger in der Kleidung des schwarzhaarigen, etwas größeren Mannes. Sie schienen die Welt um sich herum völlig vergessen zu haben. So sehr waren sie ineinander verwoben. Fast gleichzeitig ließen sie für einen Moment voneinander ab und öffneten die Augen. Die braunen Augen der jungen Frau fixierten die dunklen Augen des Schwarzhaarigen.

Die Sterne spiegelten sich in den Augen der beiden Zauberer. Die Braunhaarige streckte sich dem Mann entgegen und legte ihre Lippen erneut an die seinen. Nur zu gern öffnete der Zauberer seine Lippen, um voll auf den Kuss einzugehen. Die junge Dame machte ein erfreutes Geräusch, als der Mann sie während des Kusses in seine Arme zog.

Es schien den beiden zu gefallen, nichts schien sie von ihrem Tun abzuhalten... wirklich nichts?

„HERMINE!" entfuhr es dem rothaarigen jungen Mann sichtlich entsetzt! Ron hatte die Augen aufgerissen. Das konnte doch nicht sein... Hermine hatte mit Severus Snape herum geknutscht. Ron war sichtlich entsetzt über diesen Traum. 'Oh Gott hoffentlich war das nur ein Traum!' flehte Ron in Gedanken.

Während Ron panisch mit seinen Gedanken und dem Traum beschäftigt war, betrat Harry verschlafen das Zimmer. „Ist irgendwas Ron? Wieso hast du nach Hermine geschrien?" Der Rotschopf sah beinahe panisch zu seinem besten Freund. „Snape und Hermine", keuchte er atemlos und erntete von Harry erst einmal nur einen verwirrten Gesichtsausdruck. „Was ist mit den beiden?" fragte er skeptisch. „Die haben... sie haben..." stotterte Ron. Harry wollte wirklich wissen, was auf einmal mit Ron los war, weswegen er sich erst einmal zu ihm setzte und seinen besten Freund ansah. „Also was haben sie getan? Was sollte Hermine denn mit Snape tun, ich könnte mir vorstellen, dass sie ihn gerne erwürgen würde." Ron stieß ein genervtes Schnauben aus. „Wenn es nur das wäre Harry, ich habe geträumt, dass Hermine sich an Snapes Hals wirft und mit ihm herum … herumknutscht", nuschelte Ron grummelnd. Aus seiner Stimme war deutliche Eifersucht zu hören. Zuerst entglitten Harry die Gesichtszüge, denn er wunderte sich über die seltsamen Träume seines besten Freundes, Hermine würde doch nie im Leben mit diesem Griesgram so etwas tun. Außerdem war Snape ihr Lehrer und der Mörder von Dumbledore. „Ron, ganz ruhig, es ist nicht weiter schlimm, du weißt doch das Hermine so etwas nicht tun würde, also beruhige dich jetzt erst einmal und versuch wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Mach dir mal keine Sorgen, wir werden Hermine sicher bald finden und Snape ausliefern", versuchte Harry seinen Freund und allem voran sich selbst zu beruhigen.

Auch wenn Ron es eigentlich nicht hören wollte, Harry hatte Recht. 'Es war nur ein Traum – nichts weiter... jetzt sollte ich wieder schlafen.'

Ronald wünschte seinem besten Freund noch eine erholsame Nacht und schloss die Augen. Irgendwie würde alles wieder gut werden. Irgendwann...

„Ich hab es so nötig", seufzte Charlet und ließ sich zurückfallen. William hob die Augenbraue. Was hatte Charlet denn auf einmal so nötig, hoffentlich nicht das, woran er gerade dachte.

„Und ich brauch es SOFORT!" fügte sie hinzu, worauf William in seinem Büro immer verstörter drein blickte.

„Aber ob er da mitspielt Charlet", erwiderte Johnny grinsend. William war neugierig geworden und hatte sich an die Tür geschlichen, um auch ganz genug zu hören, über was die beiden da redeten.

„Ich hoffe es für ihn", antwortete Johnnys beste Freundin.

Bevor Johnny seine Stimme erheben konnte, stand William schon bei den beiden Freunden. „Ah gut Chef Sie zu sehen", grinste Charlet ziemlich erfreut. Dieser sah nur ziemlich verstört zu seiner Sprechstundenhilfe. „Was haben Sie nötig und brauchen Sie sofort, Charlet?" fragte er skeptisch. „Urlaub?" antwortete sie grinsend. Nun entglitten dem Arzt alle Gesichtszüge. „Oder was dachten Sie denn?" William hüstelte. „Nichts nichts... ich dachte nur mal wieder an... äh meinen Urlaub", antwortete er schnell, aber den beiden entging es natürlich nicht, dass William ein kleines bisschen verstört war. „Also darf ich Urlaub haben, Dr. Hopkins?" fragte sie lächelnd und legte dabei einen Dackelblick auf. William verzog sein Gesicht und nickte dann. „Ja schreiben Sie mir auf wann Sie Urlaub möchten, und dann ist das in Ordnung", nuschelte William während er langsam in sein Büro zurückging.

Johnny und Charlet sahen ihrem Chef nach und lachten erst los, als dieser die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Während die sich die beiden Sprechstundenhilfen über ihren Chef amüsierten, war jemand ganz anderem nicht zu Lachen zu Mute.

Bellatrix hatte sich in ein schäbiges Hotelzimmer in einer Einöde zurück gezogen. Snapes 'Angriff' hatte selbst bei der sonst so stark wirkenden Bella Spuren hinterlassen. Ihre Knochen taten immer noch weh. Es war ja nicht das erste Mal gewesen, dass sie diesen Fluch über sich ergehen hatte lassen müssen, aber Snape hatte sie derart hart bestraft, dass sogar Bella sichtlich entsetzt über dessen Kraft war. Sie mutmaßte über Severus Kraft, wohl möglich hatten seine starken Gefühle den Zauber verstärkt. Immerhin schien Snape eine große Abneigung gegen sie zu haben. Jedoch dachte Bella nicht daran, ihren Plan aufzugeben. Immerhin wollte sie an dieses Gryffindorschlammblut. Vielleicht musste Bella einen Moment abpassen, in dem Severus sich nicht in der Hütte aufhielt, aber der Schwarzhaarige schien ziemlich genau darauf zu achten, dass niemand außer ihm zu Hermine vordrang. Sie kannte seinen Grund nicht, und eigentlich wollte sie den Grund für sein Verhalten auch nicht wissen. Jedoch hinderte er Bellatrix somit daran, Hermine in die Finger zu bekommen und ihr zu zeigen, was Schlammblüter verdient hatten.

Leise stöhnte Bella auf. Es tat einfach weh. Zu den Schmerzen gesellte sich auch etwas Frust, denn Snape hatte sie erneut abblitzen lassen. Der schwarzhaarige Tränkemeister war nicht direkt ihr Traummann, er war es gar nicht, allerdings fraßen ihr sonst die Männer bei diesen Avancen regelrecht aus der Hand, nicht so aber Severus Snape. Dieser ließ die Versuche ihn um den Finger zu wickeln einfach an sich abblitzen, er verweigerte es ihr sogar. Irgend etwas in ihr sagte, dass es keinen Sinn hatte, weiter an Snape zu arbeiten, da dieser sowieso nicht nachgeben würde.

Irgendwann übermannte die frustrierte Todesserin aber der Schlaf, weswegen sie keinen weiteren Gedanken mehr daran verschwendete.

„Ist Angelina heute wieder im tanzenden Irrwicht?" fragte Charlet während sie sich die Jacke anzog. Endlich hatten Johnny und sie ihren verdienten Feierabend und wollten noch in den tanzenden Irrwicht auf ein Feierabendbutterbier gehen. „Ja ist sie", kommentierte Johnny den Verbleib seiner Freundin.

„Dann los Johnny, wir wollen sie doch nicht zu lange warten lassen", antwortete Charlet grinsend, doch das Grinsen verging ihr gleich wieder. 'Wehe der möchte, dass wir Überstunden machen', dachte sie bei Williams Grinsen, als dieser den Raum betreten hatte. „Ist noch irgendetwas Dr. Hopkins?" erkundigte sich Johnny, als er seinen Chef entdeckt hatte. „Och ich habe mir gedacht, da wir jetzt alle Feierabend haben und unsere gute Charlet Urlaub haben wird, dass ich Sie beide zum Essen einlade." Zuerst weiteten sich die Augen bei den beiden Sprechstundenhilfen, sie glaubten sich verhört zu haben. William lud sie doch sonst nie zum Essen oder irgendwelchen privaten Aktivitäten ein.

„Ist das ihr Ernst Dr. Hopkins?" fragte Johnny mit einem sehr skeptischen Unterton in seiner Stimme, so recht schien er das seinem Chef nicht so glauben zu wollen. Charlet verkniff sich einen weiteren Kommentar, denn auch sie irritierte das Verhalten ihres Chef etwas.

„Ich meine das durchaus ernst, also kommen Sie, wir wollen hier ja nicht übernachten", grinste William und scheuchte seine Sprechstundenhilfen nach draußen, um die Praxis abzuschließen.

Schon ein wenig später betraten sie den 'tanzenden Irrwicht', in dem schon Johnnys Freundin Angelina auf ihren Freund wartete.

Ein Lächeln breitete sich in beiden Gesichtern aus. Da beide sich erst einmal ausgiebig begrüßten standen William und Charlet etwas skeptisch nebeneinander. „Wollen wir uns erst einmal setzen?" fragte William zwischen seinen Zähnen hindurch. Eigentlich hatte Charlet keine Lust sich mit ihrem Chef alleine an den Tisch zu setzen, aber es brachte ja nichts, sich deshalb nun aufzuregen, außerdem beobachtete sie Robin schon eine ganze Weile.

„Ja setzen wir uns", entgegnete Charlet und trat den Weg zu einem der Tische an, an dem sie sich niederließen.

Natürlich dauerte es nicht lange und William hatte die Speisekarte in der Hand. Charlet hatte nicht einmal die Chance überhaupt hinein zu sehen. 'Das ist so typisch...' dachte sie verärgert und verschränkte die Arme. Robin bemerkte Charlets Gesichtsausdruck und ließ ihr ein paar Minuten später eine Speisekarte zukommen.

„Danke Robin", seufzte Charlet und sah zu ihrer Freundin. „Ach kein Problem Charlie, ich kenne ja das Problem", grinste sie. Charlie rollte mit den Augen, konnte sich aber doch ein Lachen nicht verkneifen, als sie einen Blick zu William warf. Dieser war ganz vertieft in die Speisekarte vor seinen Augen. Um ihn herum hätte sogar die Welt untergehen können, er hätte es nicht gemerkt.

„Monsieur Hopkins?" sprach Robin den hochgewachsenen Arzt mit leicht gespieltem, französischen Akzent an. „Ja?" fragte er hinter der Karte. „Was möchten Sie trinken?" William zuckte mit den Schultern und wandte seinen Blick nicht ab. „Das Übliche Robin, das übliche." Robin seufzte. Das Übliche war eine große Apfelsaftschorle. „Und du Charlie?" Charlet zuckte etwas unschlüssig mit den Schultern. „Ich nehme das Gleiche wie mein Chef Robin, mir ist heute nicht so nach Butterbier." Robin hob die Augenbrauen. Was war den Charlie für eine Laus über den Weg gelaufen. Vielleicht sollte sie ihre Freundin später darauf ansprechen? Ja das war wohl besser wenn sie allein waren. Denn manchmal konnte William sehr neugierig werden, auch Robin kannte Charlies neugierigen Chef. Dieser war der Meinung, nicht neugierig zu sein, sondern nur über alles bestens informiert.

Träge öffnete Hermine ihre Augen. Wie lange hatte sie eigentlich geschlafen? Das letzte woran sich die junge Gryffindor erinnern konnte, war der Schnaps – welchen sie zu sich genommen hatte. Instinktiv griff sie sich an den Kopf und stöhnte auf. Das waren eindeutig Kopfschmerzen. Eigentlich vertrug sie Alkohol doch, aber der Schnaps war wohl eine andere Liga, als das was sie sonst zu sich nahm. Erschöpft richtete Hermine sich auf, eigentlich hatte sie genug geschlafen um nicht erschöpft zu sein, aber das lag wohl am Alkohol. Schweigend musterte die Gryffindor ihre Umgebung, sie befand sich wieder in ihrem Zimmer. Aber wie war sie dort hin gekommen, denn eigentlich konnte Hermine sich an nichts mehr erinnern. Hatte Snape sie nach oben in das Zimmer gebracht? Eigentlich konnte sich Hermine das schlecht vorstellen, denn auch er hatte etwas von diesem Schnaps getrunken. Jedoch war der ein Mann und Hermine dachte sich ihren Teil dabei. Sie schätzte Severus Snape doch als sehr trinkfest ein. Hermine schob etwas schwerfällig ihre Beine aus dem Bett und stieß erneut ein Seufzen aus, als sie unter ihren Füßen den Holzboden spürte.

Aber eigentlich hatte der Schnaps nicht besonders geholfen. Immerhin war es Alkohol und der vertrieb nur für einen Moment lang die Sorgen und Probleme, aber eben nur für einen Moment und nicht dauerhaft.

Deshalb traten die Erinnerungen an Bellas Folterung wieder in ihr Bewusstsein ein. Wieder und immer wieder konnte sie die Schreie der Hexe in ihren Ohren hören. Es war grausam gewesen, Snape war grausam. Hermine konnte so langsam aber sicher verstehen, wie Neville sich fühlen musste. Immerhin hatten seine Eltern unter eben diesem Fluch leiden müssen.

Ihr lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Eigentlich wollte sie gar nicht weiter daran denken. Doch Snapes Stimme riss sie aus ihren Gedanken.

„Granger", hörte sie ihn zunächst nur wage, aber Hermine hatte ihn gehört.

„Ja Professor Snape?" fragte sie leise, beinahe emotionslos. Das ließ ihn für einen Moment stutzen. „Ich denke... Sie sollten etwas gegen die Nebenwirkungen ihres Drinks etwas dämpfen", räusperte sich Severus und hielt ihr eine komische Flüssigkeit vor die Nase. „Was ist das?" fragte Hermine skeptisch und nahm das Gefäß entgegen. „Ein Zaubertrank", antwortete er leicht genervt. Also manchmal konnte diese Gryffindorgöre seltsame und überflüssige Fragen stellen.

„Danke", fügte Hermine wieder sehr leise hinzu. Snape wunderte sich etwas über ihr Verhalten, aber irgendwie hielt ihn etwas davon ab, weiter darüber Fragen zu stellen. „Wollen Sie etwas essen?" Hermine zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Vielleicht ja." Severus verzog sein Gesicht. Was sollte er denn jetzt mit diesem 'Vielleicht ja' anfangen? Es war wohl besser, wenn er Hermine eine Weile in Ruhe ließ. Frauen hatten ja so komische Eigenarten.

Und das musste auch William feststellen. Denn sein Magen machte sich deutlich bemerkbar. Der hochgewachsene Arzt hatte großen Hunger und eben der musste so schnell wie möglich gestillt werden.

„Saaaaaaaam?" rief er quer durch das Haus.

Sam, welche in ihrem Zimmer auf dem Sessel saß, sich einen Tee und leckere Kekse genehmigte rollte genervt mit den Augen. Immer wenn William Hunger hatte, machte er sich lautstark bemerkbar. Wie eine Katze, wobei seine Katze Smirnoff sehr pflegeleicht war, ganz anders als ihr Besitzer. Der brauchte seine Unterhaltung und vor allem einen vollen Kühlschrank, sowie einen reich gedeckten Tisch.

Bevor er weiter nach Essen rief, erhob sich Sam und machte sich auf den Weg zu ihrem Arbeitgeber.

Sie lehnte sich an den Türrahmen und hob die Augenbraue. Das einzige was sie von William sah, war sein Rücken, der so langsam aber sicher im Kühlschrank verschwand. „Sie haben Hunger?" fragte Sam skeptisch. William drehte sich langsam zu ihr herum, er hatte eine Banane in seinem Mund.

„Fa nafürlif!" antwortete er mit der halben Banane in seinem Mund. Sam versuchte ernst zu bleiben, aber das Bild das er abgab, war in dem Moment wirklich zu komisch. „Sie sollten vielleicht erst einmal herunter schlucken, bevor Sie mit mir reden... William", schmunzelte sie. „Aber ich habe doch solchen Hunger", versuchte er es mit einem richtigen Dackelblick, nachdem er herunter geschluckt hatte.

„Ja dann kochen Sie sich doch etwas", antwortete Sam einfach, ohne sich an den Herd zu bewegen. Immerhin war sie hier nicht die Köchin. „Sam, Sie können doch so gut kochen, machen Sie mir doch etwas leckeres. Bitte", flehte er mit seinem extrem schlimmen Dackelblick. Und genau dieser Blick prallte an Sam ab. Es brachte einfach nichts. Da konnte er noch so bettelnd aussehen, aber Sam sah es überhaupt nicht ein, dass sie hier einfach für ihn die Köchin spielte. Nicht das er sie nicht gut bezahlte, aber auch William konnte das Kochen lernen, wenn er denn wollte. Aber William redete sich diesbezüglich immer wieder heraus.

„Nein William, ich werde nicht für Sie kochen." William sah sie beinahe empört an, also das ging nun gar nicht. Immerhin war er hier der Dorfarzt und das war schon eine gewisse Stellung hier in diesem beschaulichen Dörfchen. „Das geht nicht..." antwortete er. „Doch das geht, allerdings unter einem Umstand werde ich für Sie kochen..." William musterte sie fragend. Die Fragezeichen befanden sich schon deutlich über seinem Kopf. „Unter welchem?" erkundigte er sich. „Nun ja, wir könnten gemeinsam etwas zubereiten, so können Sie auch etwas experimentieren, wäre das nicht was?" William wirkte sehr, sehr skeptisch. Er wusste nun wirklich nicht, was er davon halten sollte.

„Ach? Und wie soll das funktionieren?" erkundigte er sich immer noch sehr distanziert. Denn er wollte eigentlich keine Zeit verschwenden, und am Kochtopf herumstehen. Aber wie sollte William, denn sonst an etwas zu essen kommen? So würde sie ihm doch sicher nichts zu essen machen.

„Na gut, dann kochen wir halt gemeinsam, sonst bekomme ich ja heute nichts mehr in meinen Magen, oder sehen Sie das anders Sam?" Diese grinste nur erfreut und klopfte ihrem deutlich größeren Chef auf die Schulter.

Und der schien endlich erleichtert zu sein, dass es bald etwas zu essen geben würde. So machten sich beide daran, etwas essbares auf den Tisch zu zaubern.

Allerdings versuchte William so wenig wie möglich zu machen, denn kochen war Arbeit und auf Arbeit hatte er jetzt gerade nicht wirklich Lust. Es reichte schon, wenn er von Montag bis Freitag in der Praxis war, da wollte William nicht unbedingt noch am Wochenende arbeiten. Aber sie verlangte es grade zu von ihm, dass er mal etwas arbeitete. Und das noch dazu in der Küche. Er war ein Mann und sie war die Frau. William war der Meinung, dass hier eine klare Rollenverteilung herrschen musste. Und die sah vor, dass er nicht in der Küche zu stehen hatte und sein eigenes Essen machen musste.

„Ich muss mal wohin..." versuchte er sich heraus zu reden. „Schon wieder... William, Sie denken doch nicht ernsthaft, dass ich ihnen diese Ausrede glaube." Williams Augen weiteten sich, so einfach war seine Haushälterin auch nicht auszutricksen. Das erforderte wirklich geplante Maßnahmen.

„Nun … dann bleibe ich eben hier", murrte William genervt. „Richtig... und Sie schneiden jetzt erst einmal die Zwiebeln Monsieur Hopkins", grinste sie. „Falsch... ich setze mich in das Wohnzimmer und lege die Beine hoch, und warte darauf, dass Sie MEIN Essen machen", setzte er ihr gleich entgegen.

Das nächste was William sah, war eine Gurke, die mit seiner Stirn Bekanntschaft machte. „Aua! Wofür das denn?" Als William keine Antwort bekam, kniff er kurz die Augen zusammen und musterte Sams Gesicht. 'Oh oh...' Die warf ihm ja einen richtigen Todesblick zu.

„Mr. Hopkins, kochen ist gar nicht so schwer, ihr Bruder hat ihnen sicher noch nicht gesagt, wie schnell es man sich mit mir verscherzen kann", drohte sie ihm. Das Gesicht was William machte, ließ Sam innerlich auflachen. Er sah ganz entsetzt drein und wusste nicht so recht, was er darauf sagen sollte.

„Es tut mir leid", erwiderte er darauf kleinlaut und malte mit seinem Finger imaginäre Kreise auf der Arbeitsplatte. „Können Sie mir verzeihen Sam?" bat er ganz kleinlich und mit einem unendlich traurigen Dackelblick. Sam verzog das Gesicht. Also diesen Dackelblick hatte er wirklich trainiert und beherrschte ihn wahrscheinlich im Schlaf.

„Ist ja schon wieder gut", seufzte sie und drückte ihm das Messer in die Hand. Natürlich hatte William klein bei gegeben und ließ sich jetzt sogar dazu bringen, mit seiner Haushälterin Sam zu kochen. Vielleicht war es doch keine so üble Beschäftigung.

Das Gleiche dachte sich auch Severus Snape, welcher das Mittagessen in der Berghütte zubereitete.

Hermine saß zur gleichen Zeit vor dem Kamin und starrte in die Flammen. Wie immer hatte sie nicht wirklich großen Hunger, aber er sollte ruhig mal kochen. So konnte Hermine wenigstens versuchen, die ganzen Erlebnisse des gestrigen Abends zu verarbeiten. Snape hatte es anscheinend schon gemerkt, dass etwas nicht so ganz stimmen konnte. Sein Angriff auf Bella war einfach derart kaltblütig, Hermine fand keine Worte dafür... es machte die Gryffindor schier sprachlos. Wie konnte man nur so etwas tun? Sie fand keine Erklärung dafür. Natürlich wusste Hermine, dass Snape verdammt gereizt gewesen war, bis er zu diese Tat beging.

Ihre Augen wanderten und blieben am Rücken von Severus Snape hängen. Er hatte auch schon bei ihr einen der unverzeihlichen Flüche angewendet. Warum wunderte sie es dann nicht, dass er bei Bella keine Skrupel gehabt und sie dementsprechend angegriffen hatte. Angespannt fuhr sie sich durch die Locken und wandte den Blick ab.

„Granger... das Essen ist fertig", knurrte Snape und verfrachtete eine Portion auf den Teller. Hermine rollte sogleich mit den Augen. Nein freundlicher ging es wohl nicht. Aber weswegen sollte sie sich deswegen jetzt aufregen. Es sollte nur satt machen und Hermine sah es als notwendiges Übel an, dass es etwas zu essen gab. Es musste ihr nicht einmal schmecken, die warme Speise füllte wenigstens ihren hungrigen Magen. Auch wenn Hermine sich einredete, dass sie keinen Hunger hatte. Außerdem aß sie lieber etwas, anstatt wieder mit Snape zu diesem Arzt zu müssen und dort Snape auch noch in Schutz zu nehmen. Ausgerechnet jetzt würde sie das sehr ungern tun. Nichts gegen den Arzt, aber der war einfach zu neugierig.

Schwerfällig erhob Hermine sich und setzte sich zu Snape, welcher auch inzwischen mit seinem Teller am Tisch Platz genommen hatte.

Ihr Gesichtsausdruck zeugte nicht sonderlich von Begeisterung und das fiel auch Snape auf. „Sie erwarten jetzt aber kein 5 Sterne Menü von mir Miss Granger", murrte er ungehalten. Was erwartete diese Gryffindorgöre eigentlich von ihm, ein großes Menü eines Meisterkochs oder was?

„Nein Professor Snape, ich erwarte kein 5 Sterne Menü, ein 3 Sterne Menü hätte mir durchaus schon gereicht", antwortete sie mit leichter Ironie in der Stimme. Sie wollte Snape nicht zu sehr reizen, weswegen Hermine etwas vorsichtiger mit ihren Worten umging, nicht das er die Nerven verlor und genau wie bei Bella handelte.

Und genau das schwebte Snape ... überhaupt nicht vor. Hermine Granger war nicht Bellatrix Lestrange. Zwar war Hermine nicht wirklich unschuldig, sie reizte ihn genauso und brachte ihn mit ihrem Verhalten auf die Palme. Bellatrix hatte es nicht anders verdient. Der einzige Haken an der Sache war, dass Hermine diese Folterung mit bekommen hatte. Snape wusste das, aber er wagte es nicht aus zu sprechen. Was sollte er auch großartig zu Hermine sagen? Das es ihm leid tat, was er mit Bella getan hatte? Das war nicht so, es war ja nicht das erste Mal gewesen, dass er so handelte. Wäre sie das 'Opfer' gewesen, wäre eine Entschuldigung selbstverständlich, aber da dem ja nicht so war, würde er kein Wort mehr darüber verlieren.