AN: Ein großes Dankeschön an Merle's!


Ich besitze keine Rechte an der „Die Tribute von Panem"-Reihe.

Warnung!: M-rated, jugendgefährdender Inhalt (wie dramatisch das klingt...)


Das Herz hämmerte mit einer Wucht gegen ihren Brustkorb die Isabel fürchten ließ es könnte jeden Moment in Stücke springen. Sie tastete noch einmal verstohlen nach ihrem Haar um zu überprüfen ob der besondere Schmuck noch an Ort und Stelle saß bevor ihre Beine aus dem Wagen glitten.

Das Haus lag vom Haupteingang gesehen komplett im Dunkeln, die Spiegelfassade verwehrte jedem Passanten einen Blick ins Innere, typisch Kapitol nicht einmal den Anblick der exklusiven Einrichtung wollten sie mit jemandem teilen. Der Fahrer der sie von Trainingscenter hierher gebracht hatte ließ sich nicht überzeugen doch lieber gleich weiterzufahren anstatt auf Isabel zu warten doch im Nachhinein würde das sein Problem sein, sie hatte es zumindest versucht.

Mit durchgestrecktem Rücken ging sie durch das offene schmiedeeiserne Tor das beinahe doppelt so hoch war wie sie selbst und ließ den überwucherten Zaun hinter sich. Die viel zu hohen Absätze klickten gegen den Sandstein als sie ihrem Spiegelbild immer näher kam. Bevor sie durch die Tür schritt, die wie immer zu solchen Anlässen unverschlossen war, betrachtete sie sich im Schein der spärlichen Straßenbeleuchtung die bis hinter das Gestrüpp aus Buchsbaum und Immergrün drang.

Was oder besser gesagt wen sie dort sah war nicht Isabel, sondern Sapphire. Das Kapitol hatte ihr diesen Spitzname verpasst der sich auf die Farbe ihrer Augen beziehen sollte und auf die Tatsache dass sie „absolut genauso hinreißend war wie der hübsche Stein aber auch"- hier gab es meist ein vertrauliches Augenzwinkern -"genauso hart". Ein lächerlicher Name der ganz und gar zum Kapitol und zur Gesamterscheinung von „Sapphire" passte. Das Oberteil des Kleides war zu eng und zu weit ausgeschnitten so als hätte selbst der Schneider so wenig von dem scheußlich gemusterten Stoff wie möglich verwenden wollen. Dazu hatten die kundigen Hände ihres Stylisten ihren Augen mit Hilfe von Lidstrich und Neonlidschatten in Orange- und Gelbtönen ein Aussehen verpasst als wäre sie gerade auf dem Morfix-Trip ihres Lebens.

Ihr stach die Edelsteinkette an ihrem Hals ins Auge und sie unterdrückte mühsam den Schauer der sich in ihre Gliedmaßen stehlen wollte, ob vor Abscheu oder Vorfreude war schwer zu sagen.

Auf der Siegesparty hatte sie ihn zum ersten mal gesehen, obwohl nein, er musste unter den Spielmachern beim Bewertunstraining gewesen sein, aber erst auf der Feier bekam er für sie ein Gesicht. Wie so viele andere auch gratulierte er ihr und zeigte sich begeistert, erst im Nachhinein erkannte sie dass sein Blick zu intensiv für eine oberflächliche Plauderei gewesen war, die Körperhaltung zu angespannt.

Manche Gäste brachten ihr Geschenke mit da sie während der Spiele sechzehn geworden war, der Renner war natürlich der Saphir in verschiedenen Formen und Größen. In ihrer Naivität schöpfte sie also keinen Verdacht als man ihr sagte einer der Spielmacher hätte vergessen ihr sein Geschenk mitzubringen, deshalb würde sie die Party früher verlassen müssen damit sie es noch vor der Abreise bei ihm abholen konnte. Im Grunde war es ihr egal, was sollte sie mit noch mehr Edelsteinen anfangen für die niemand in ihrem Distrikt eine Verwendung hatte? Sie wollte in den Zug steigen und endlich nach Hause fahren aber im Kapitol tickten die Uhren eben anders und das Geschenk abzulehnen wäre wohl ein unverzeihlicher Fauxpas gewesen.

Am Haus angekommen kamen ihr dann erste Zweifel als ihre Begleiterin sie bat allein hinein zu gehen, die Tür wäre unverschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie im Kapitol keinen Schritt ohne Aufsicht machen dürfen. Sie ging wie geheißen durch die Tür und das ungute Gefühl in ihrer Magengrube verstärkte sich angesichts der Tatsache, dass nirgends Licht brannte. Zu ihrer Linken erstreckte sich ein offener Raum mit zahlreichen exotischen Blumen an der Glasfront die einen süßlichen Duft nach Jasmin verströmten. Der Spiegel-Effekt funktionierte offenbar nur in eine Richtung, denn sie hatte keine Probleme an den Blüten vorbei in den Garten zu blicken, ihre Absätze versanken leicht im kurzgeschorenen Teppich. Auf Isabels Rufen antwortete eine Stimme im Obergeschoss, sie sollte ruhig die Treppe nach oben nehmen, dann die erste Tür rechts. Sie ging die geschwungenen Stufen nach oben, dabei berührten ihre Fingerspitzen poliertes Holz und geätztes Metall.

Der besagte Raum war ganz eindeutig ein Schlafzimmer und sie wollte eigentlich höflich an der Tür warten aber er winkte sie hinein und was sollte sie denn tun, einem Spielmacher im eigen Haus widersprechen? Also trat sie ins Zimmer und auf einer Schminkkommode an der gegenüberliegenden Wand entdeckte sie die Kette aus dunkelblauen Steinen, geschliffen zu funkelnden Ovalen.

Insgeheim verfluchte sie sich jetzt dafür nicht auf einer Begleitung bestanden zu haben, denn sie wusste nicht was von ihr erwartet wurde. Es war ganz offensichtlich dass die Kette für sie bestimmt war aber sollte sie das Schmuckstück einfach nehmen, musste sie warten bis er es ihr gab? Sie bedankte sich und hoffte das ihr Lächeln nicht so angespannt aussah wie es sich anfühlte. Warum stand er nur so da, musterte sie und sagte nichts, hatte sie den Spielmacher beleidigt, war es im Kapitol üblich sich überschwänglicher zu bedanken?

Ein eigenartiger Ausdruck trat in seine Augen und er sagte sie solle den Schmuck einmal anlegen damit er sehen könne ob er auch passte. Sie ging an ihm vorbei auf die Kommode zu und hob die Kette an den Hals auch wenn sie nicht ganz verstand warum sie nicht passen sollte. Als er hinter sie trat um ihr mit dem Verschluss zu helfen ließ sie den Blick durch das Zimmer streifen da ihr das Ganze immer unangenehmer wurde, bis ein metallischer Glanz ihre Aufmerksamkeit weckte und sie vor Schreck den Atem anhielt.

Zum einen war die Tür welche vor wenigen Minuten noch weit offen gestanden hatte nun geschlossen und sie konnte die goldene Türschnalle vor sich im Spiegel sehen, doch das war nicht das Schlimmste. Neben einer Haarbürste in der lange blonde Strähnen hingen lag ein hellgrüner Schal und darunter ein Messer. Eines das Isabel immer und überall erkannt hätte, denn es war ihr Messer. Komplett aus Metall, mit einem leicht gebogenen Griff der in die beidseitig geschliffene Klingen überging. Die kleinen Unebenheiten auf der glatten Oberfläche entpuppten sich bei näherer Betrachtung als winzige Widerhaken die man beim Zustechen kaum spürte, doch zog man das Messer heraus riss es regelrecht Stücke mit sich. Die Spitze des langen Messers war abgebrochen und steckte vermutlich noch immer in einem Tribut. Das war ohne Zweifel die Waffe die sie während der Spiele benutzt hatte.

Ihr Gegenüber schien angesichts Isabels erschrockenem Geschichtsausdruck immer bessere Laune zu bekommen und begann über seine diesjährigen Wettgewinne zu reden, aber sie war kurz davor in Tränen auszubrechen. Bei dem Versuch mit irgendeiner Ausrede aufzuwarten die sie schleunigst aus dem Zimmer und zurück ins Auto bringen würde schwirrte ihr lediglich der Kopf und das Blut dröhnte in ihren Ohren.

Die Frau die mit ihr im Wagen gesessen hatte würde sich doch bestimmt schon bald wundern wo sie solange blieb nicht? Oder der Fahrer? Bestimmt würde gleich jemand vom Personal kommen und sagen dass man schon auf sie wartete.

Natürlich kam keiner. Nicht als er begann ihre Schulter zu küssen, nicht als sie wegen der Absätze der Länge nach hinfiel beim Versuch zur Tür zu rennen, weder als er sich auf ihren Rücken kniete und ihr die Hände nach hinten band noch als sich der grobe Stoff in ihre Handgelenke schnitt. Halb hob, halb zerrte er sie aufs Bett und begann ihren sich windenden Körper mit gierigen Händen zu begrapschen, ihre Brüste, die Schenkel bis er schließlich ihre Beine mit Händen und Knien auseinander schob. Jeder Versuch ihn abzuschütteln oder nach ihm zu treten war erfolglos, trotzdem schrie sie bei jeder Berührung als hätte glühendes Eisen sie verbrannt, solange bis ihre Lungen brannten und sie glaubte ersticken zu müssen.

Später ging er aus dem Zimmer und überließ sie einer Avox die ein neues Kleid und Handtücher brachte.

Für ihre Waffe aus den Spielen und das Privileg der Erste und Einzige zu sein hatte er ein Vermögen bezahlt, vielleicht auch zwei. Mit der Zeit hatte sie gelernt seine Obsession für sich zu nutzen, die Spielchen mitzuspielen und geduldig zu warten, sein Vertrauen zu gewinnen. Auf diese Weise vermied sie es von Snow herumgereicht zu werden, obwohl er mehrere Versuche unternahm. Es hätte sie nicht überraschen sollen das der Präsident dazu bereit war sogar einen Spielmacher zu hintergehen. Die Verzweiflung war einer Entschlossenheit gewichen die sie so nur von den Spielen her kannte, vielleicht hatte sie eine Möglichkeit gefunden es beiden irgendwann heimzuzahlen.

Isabel zog die Schuhe schon im Foyer aus um auf der Treppe keine Geräusche zu machen, diesmal spielten sie nach ihren Regeln und sie würde jede Minute davon auskosten. Im Flur blieb sie stehen und beobachtete ihn eine Weile. Er öffnete gerade den obersten Knopf seines lavendelblauen Hemdes und nippte immer wieder an einem kurzen, breiten Glas in dem eine grüne Flüssigkeit hin und her schwappte. Gedankenverloren betrachtete er die Sammlung von Bauplänen und Waffen an der Wand, es gab auch ein paar Hologramme von Mutationen auf einem Beistelltisch, einige davon waren ohne Zweifel sein Werk. Für einen kurzen Moment musste sie an ein Kind denken, das besonders hübsche Steine und Bänder unter dem Bett versteckt. Nun ja, ein Kind mit der Vorliebe Fliegen die Beine auszureißen.

„Guten Abend Lucius", schnurrte sie in den Raum.

„Was zum..? Sapphire erschreck mich doch nicht so!"

Gern hätte sie den Schmollmund zu einem Grinsen verzogen als sich seine Stirn für einen Moment missbilligend zusammenzog, stattdessen ging sie barfuß über den kratzigen Teppich auf ihn zu. Er streckte ihr die manikürten Hände entgegen und schloss sie besitzergreifend in die Arme.

„Ah lass dich ansehen, es ist zu lange her."

Er nahm ihre rechte Hand und hob sie über ihren Kopf damit sie eine kleine Pirouette für ihn drehen konnte.

„Du bist einfach viel zu beschäftigt, vielleicht brauchst du mal eine kleine Auszeit."

Er vergrub das Gesicht in ihrem Haar sodass sie seinen Atem auf der Haut spüren konnte. Mühsam versuchte sie ihre zusammengepressten Kiefer zu entspannen.

„Wie wär's mit einer großen, langen Auszeit", antwortete er mit rauer Stimme und anzüglichem Lächeln während seine Finger an ihrer Hüfte entlang wanderten.

„Mir ist aufgefallen dass du die Kette trägst, heißt das du hast mich vermisst?"

Anstatt zu würgen legte sie den Kopf etwas schief und seufzte als ob die Frage sie beleidigt hätte.

„Natürlich hab ich dich vermisst Lucius, ich freue mich immer wenn ich wieder ins Kapitol kommen und dich treffen kann, das weißt du doch."

Isabel versuchte über seine Schulter hinweg einen kurzen Blick auf die Kommode zu erhaschen und diesmal spielte ein echtes Lächeln um ihre Lippen. Showtime.

„Möchtest du das ich dir zeige wie sehr?"

Sie löste sich aus seinem Griff sodass ihre Hand zwischen seine Beine gleiten konnte.

„Ich muss dich warnen, ich fühl' mich heute etwas wild", hauchte sie.

Er legte seine Hand auf ihre und presste sie gegen seine Hose, schon jetzt war er erregt.

„Darf ich?", fragte sie und nickte dabei in die Richtung der Kommode auf der Plastikbänder, Handschellen und verschiedene Stoffbänder lagen.

Angespannt wartete sie auf seine Reaktion. Wieder dröhnte ihr das Blut in den Ohren, ihre Finger waren ganz kalt.

„Hmm ach so ist das ja?" Er studierte sie kurz mit einem amüsierten Gesichtsausdruck.

„Gut, OK. Jetzt bin ich aber gespannt!"

Mit schwingenden Hüften marschierte sie auf die glänzenden Handschellen zu, es lag nur ein Paar dort, das war zwar ungünstig aber es musste reichen.

„Los, jetzt wirst du ans Bett gefesselt!" Spielerisch kreisten die Metallringe um Isabels Zeigefinger.

Einen Arm machte sie mit Hilfe der Handschellen am Bett fest, den anderen befestigte sie mit Stoffbändern, denen die in die Haut schnitten.

Danach beugte sie sich zu ihm hinunter, eine Hand knapp neben seinem Kopf. Sie konnte den schnellen Atem auf der Haut spüren, seine Augen waren auf ihre Brüste gerichtet.

Sie leckte sich über die Lippen um seine Aufmerksamkeit auf ihr Gesicht zu lenken und ihr Blick bohrte sich in seinen. Erleichterung durchströmte Isabel von Kopf bis Fuß, es war fast zu einfach gewesen.

„Du hast ja keine Ahnung wie lange ich das schon will."

Die zweite Hand wanderte an ihren Hinterkopf, fuhr die Haare entlang bis ihre Fingerspitzen auf einen Widerstand trafen. Vorsichtig zog sie ihn heraus.

Als er sich vorbeugte um sie zu küssen stach sie zu.

„Aahhhhhh!"

Er riss vergebens am Kopfteil des Bettes und da sie nun auf seinem Oberkörper saß konnte er sie auch nicht treten. Das Metallstück steckte noch in seinem Schenkel.

„Na wie fühlt sich das an?"

„Zum Teufel was soll das!? Runter von mir du Schlampe!" Er holte tief Luft aber noch bevor er einen Ton von sich geben konnte schlug sie ihm mit der Faust ins Gesicht.

„Was hast du jetzt vor, schreien wie ein kleines Mädchen? Du solltest wissen das keiner kommen wird um dir zu helfen." Das Adrenalin schoss durch ihren Körper und es war schwer einen klaren Gedanken zu fassen und nicht in hysterisches Gelächter auszubrechen.

„Du bist solcher Abschaum!" Sie griff hinter sich und drehte den kleinen Dolch ruckartig. Mit Genugtuung registrierte sie wie er sich unter ihr vor Schmerz krümmte.

„Aahh..nicht, bitte...Sapphire!"

Es hatte gedauert bis sie jemanden fand der die Messer für sie anfertigte. Ironischerweise waren die Saphire aus dem Kapitol ganz nützlich. Wenn man es nicht wusste sahen sie aus wie normale Haarnadeln, waren aber tatsächlich flache, schmale Klingen.

Ein Teil von ihr hasste wie kalt ihre Stimme klang und dass sie es kaum erwarten konnte ihm noch mehr Schmerzen zuzufügen. Es gab eine Zeit in der wäre sie nie im Stande gewesen jemanden derart zu verletzen und noch immer war da ein Stück von ihr das bei dem Gedanken aufschrie, leider überwog der Teil, der ihrem Gewissen zurief das Maul zu halten und die Show zu genießen.

Langsam zog sie ein weiteres Messer aus dem Haar sodass ihr Strähnen davon über die linke Schulter fielen. Ihre Augen verließen seine keinen Moment. Sie packte ihn an der Kehle und presste die Waffe an seine Wange.

„Mein Name ist Isabel!"

Es dauerte ungefähr zwei Stunden bis seine Frau nach Hause kam und das was von ihm übrig war und das Mädchen aus Distrikt 8 im Schlafzimmer entdeckte. Sie saß auf dem breiten Sessel der in der Ecke stand und tat nichts weiter als die Dame des Hauses anzusehen, während die zur Salzsäule erstarrt in der Tür stand. Dann stürmte sie kreischend davon und im ganzen Haus wurden Stimmen laut. Es würde nicht mehr lange dauern bis die Friedenswächter kämen doch Isabel hatte nie geplant zu flüchten, wohin auch und zu wem?

Ihre Großmutter war an ihrer Krankheit gestorben, ohne das Zutun des Kapitol und das war das einzig Wichtige. Isabel vermutete schon lange, dass sich zeigen würde in welche Richtung sich ihre eigene Zukunft entwickelte sobald ihre Großmutter von ihrem Leiden erlöst war. Also hatte sie gewartet, es ertragen, gehofft aber auch Pläne geschmiedet.

Snow hätte sie nicht herausfordern sollen indem er sie noch einmal ins Kapitol zitierte aber von seinem Fehler würde er schon bald erfahren. Gewisse Kreise wussten nur zu gut über Lucius Bescheid und konnten sich bestimmt einen Reim auf sein plötzliches Ableben und ihr Verschwinden machen.

Sie durchquerte das Zimmer und trat neben das blutgetränkte Bett wo sie ihr Messer mit der abgebrochenen Spitze vom Nachttisch nahm. Die „13" prangte noch immer leuchtend rot auf der gebleichten Haut, eine Idee die ihr spontan gekommen war.

Haymitch hatte eben doch Recht, kein guter Mensch gewann jemals diese Spiele.