Hermine erwachte am nächsten Morgen von Lavenders und Parvatis Gekicher. Müde öffnete sie die Augen und setzte sich auf. Die beiden anderen Mädchen schienen es gar nicht zu bemerken und tuschelten einfach weiter.

„Er kann ja so fantastisch küssen", sagte Lavender gerade und Parvati machte: „Ohhhhh!"

Hermine spürte, wie in ihr die Eifersucht aufstieg. Und Wut auf sich selbst, weil sie nicht den Mut gehabt hatte, Ron ihre Gefühle zu gestehen. Sie schwang ihre Füße aus dem Bett, zog sich an und verließ den Schlafsaal, ohne ein Wort mit Lavender oder Parvati zu wechseln. Sie lief die Treppe in den Gemeinschaftsraum, wo fast keine Schüler waren. Die meisten schliefen noch oder waren schon beim Frühstück. Harry und Ron saßen sich gegenüber und spielten Zauberschach. Rons Springer köpfte gerade einen von Harrys Bauern. Hermine zog eine Augenbraue hoch. Ihrer Meinung nach war dieses ganze Spiel barbarisch… und wie sich Ron nun freute. Sie schüttelte den Kopf und ging aus dem Gemeinschaftsraum und hinunter in die Große Halle zum Frühstück. Sie hockte sich zu Neville, Seamus und Dean, die sich gerade Omelett in den Mund schaufelten. Sie selbst nahm sich lediglich etwas Toast. „'mojen", sagte Seamus mit vollem Mund und Hermine verdrehte die Augen.

„Was ist denn mit dir los?", fragte Neville, nachdem er einen Bissen hinuntergeschluckt hatte. „Du siehst aus wie ein Zombie oder so."

Wirklich? So schlimm sah Hermine aus? „Ich hab' nicht gut geschlafen", erwiderte sie ausweichend. Neville schaute sie kurz besorgt an, hakte aber nicht weiter nach. Ihr Blick wanderte zum Slytherintisch, wo Draco zwischen Crabbe und Goyle saß und missmutig auf das Essen starrte, dass unberührt auf seinem Teller lag. Was war nur mit ihm los? Crabbe sagte irgendetwas und die Slytherins lachten. Nur Draco nicht, der sich nicht einmal ein Lächeln oder ein arrogantes Grinsen abringen konnte. Schließlich schob er seinen Teller von sich und stand auf. Hermine handelte ohne Nachzudenken und folgte ihm aus der Großen Halle. Er verließ das Schloss und setzte sich nach draußen auf die Treppe. Hermine blieb stehen und zögerte. „Draco?", fragte sie leise.

Er drehte sich ruckartig um und starrte sie in einer Mischung aus Abscheu und Verwirrung an. Seine grauen Augen funkelten sie zornig an. „Was willst du, Granger?", fragte er und seine Stimme klang gefährlich.

„Ich…", begann Hermine und holte tief Luft. „Ist mit dir alles in Ordnung?"

Er seufzte genervt auf. „Natürlich ist alles in Ordnung!", fauchte er. „Wieso willst du das wissen? Und was geht es dich überhaupt an, du dreckiges, kleines Schlammblut?"

Hermine beachtete die Beleidigung nicht, das war sie mittlerweile schon gewöhnt. Stattdessen hockte sie sich neben ihn. Er machte keine Anstalten von ihr abzurücken sondern starrte auf seine Knie.

„Ich sehe, dass mit dir etwas nicht stimmt", murmelte sie. Er öffnete den Mund, aber bevor er etwas sagen konnte, fuhr sie fort: „Nein. Bitte, sag jetzt nichts. Ich weiß, dass mit dir irgendetwas ist. Du kannst es nicht leugnen, klar?"

Er schaute sie an. Sie konnte die unterdrückte Wut sehen, die aber plötzlich verschwand. Draco seufzte und sagte: „Du hast ja Recht."

„Wie bitte?", fragte sie erstaunt. Sie hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass er es zugeben würde.

Er grinste. Aber dieses Grinsen war nicht arrogant, sondern traurig. „Aber dich geht das nichts an, Granger. Und wehe du erzählst das deinen Freunden." Er kniff die Augen zusammen, sein Blick durchbohrte sie und ihr lief ein Schauer über den Rücken.

„Nein", flüsterte sie und stand auf. „Du willst nicht reden, nehme ich an?"

Er schüttelte den Kopf und fuhr fort, seine Knie anzustarren. Hermine seufzte und ging zurück ins Schloss. Auch wenn sie es nicht gesagt hatte, sie war sich sicher, dass er wusste, wenn immer er reden wollte könnte er zu ihr kommen. Sie stapfte hinauf in den Gryffindorturm. Im Gemeinschaftsraum saß Ron mit Lavender und knutschte heftig. Harry hockte am Feuer und las und Hermine setzte sich zu ihm. Er klappte sein Buch zu und musterte sie. „Du siehst fertig aus", stellte er fest.

Hermine verdrehte die Augen. „Wundert dich das jetzt?"

Er schüttelte den Kopf. „Geht's dir gut?"

Sie lachte spöttisch auf. „Nein. Naja… ich gehe ein bisschen spazieren."

Sie holte ihre Jacke, einen Schal und eine Mütze und ging den Weg, den sie eben erst hochgelaufen war, wieder zurück.