Draco stand am Geländer des Astronomieturms und starrte in die Schwärze der Nacht. Es war stockduster, denn es regnete und die Wolken verdeckten den Mond. Der Regen prasselte auf das Dach und auf Dracos schwarze Schuhe und seine Hände, die sich krampfhaft an das Geländer klammerten. Er versuchte sich zu beruhigen, aber egal, was er tat, es gelang ihm nicht.

Er begann zu weinen und Krämpfe schüttelten seinen Körper.

Er wollte es nicht tun. Er konnte es nicht. Würde es niemals wollen. Aber was sollte er tun? Der Dunkle Lord würde ein „Ich kann nicht" nicht hinnehmen. Draco würde sein Leben verlieren. Aber diese Aufgabe… Nein! Es war unmöglich. Aber er fürchtete nicht nur um sein eigenes Leben, sondern auch um das seiner Eltern.

Er war so sehr mit seinen Ängsten beschäftigt, dass er die Schritte hinter sich gar nicht wahrnahm. Aber plötzlich stand jemand neben ihm und legte eine Hand auf seine. Er fuhr zusammen und zog seine Hand weg, als hätte er sich verbrannt. Erschrocken schaute er auf in das sanfte Gesicht von Hermine Granger.

„Was… Wieso? Was?", stammelte er.

„Ich wollte allein sein", murmelte sie.

Sie schaute ihn traurig an, er konnte sehen, dass sie geweint hatte. Er sagte etwas, das ihn selbst überraschte: „Wir können zusammen allein sein." Skepsis legte sich in ihren Blick. „Natürlich nur, wenn du willst", fügte er schnell hinzu und Hermine nickte.

Die beiden hockten sich auf die Stufen der Treppe und schwiegen, jeder mit sich selbst und den eigenen Gedanken beschäftigt. Schließlich fragte Draco: „Was ist los mit dir?"

„Ron…er", begann Hermine. Draco konnte sehen, dass sie es nicht aussprechen wollte, aber er verstand sofort. „Ich weiß", erwiderte er leise.

„Und was ist mit dir?", fragte Hermine.

„Familiäre Probleme", antwortete er ausweichend und sie nickte.

Wieder schwiegen sie, bis Hermine wissen wollte: „Kommst du oft hierher?"

„Ja", antwortete er leise und wandte den Kopf. Auch sie schaute ihn aus ihren braunen Augen an. Auf einmal merkte Draco, wie wunderschön Hermine eigentlich war. Der sanfte Schwung ihrer Lippen. Ihr Gesicht, zur Hälfte im Schatten und der selbst der Rest kaum erkennbar. Die beiden saßen nah beieinander ohne sich zu berühren. Langsam, zögerlich rutschte er näher an sie heran. Er spürte, wie sich ihr Körper kurz anspannte, aber sofort wieder entspannte. Er beugte leichte den Kopf und bemerkte den geringen Abstand zwischen ihnen. Hermine drehte ihren Kopf noch ein bisschen mehr und reckte sich ihm entgegen. Kurz bevor ihre Lippen aufeinander trafen, zögerte sie. Aber dann spürte er ihren weichen, warmen Mund auf seinem, schmeckte den salzigen Geschmack von ihren Tränen.

Hermine unterbrach den Kuss und ruckte ein Stück von ihm ab. „Ich.. das… Ich kann nicht", brachte sie heraus. Draco war erstaunt über sich selbst und verwirrt von dem Kuss.

„Ich verstehe", meinte er und sie lachte bitter auf. „Nein", widersprach sie. „Das tust du nicht. Es… Es ist wohl besser, wenn ich jetzt gehe."

Er nickte und sie stand auf und lief leise und langsam die Treppe hinunter. Er schaute ihr nach, verwirrt. Er wusste nicht, was dieser Kuss zu bedeuten hatte, ob es nur aus Kummer heraus so gekommen war und als Ablenkung von etwas Schmerzlichem. Er wusste, dass es höchstwahrscheinlich so war, auch wenn er sich wünschte, es wäre nicht so. Seufzend erhob er sich ebenfalls, um zurück in seinen Gemeinschaftsraum zu gehen.