Draco klatschte mit Gesicht in etwas weiches, nasses und kaltes. Es war Sand. Er rappelte sich auf und stechender Schmerz fuhr durch seinen Arm. Er schaute hinunter und bemerkte, dass das Messer in seinem Knochen steckte. Es hatte sich genau dort durch seine Haut gebohrt, wo sich das Dunkle Mal befand. Er grinste kurz und zog dann das Messer heraus. Blut sprudelte aus seinem Arm und er verzog das Gesicht. Aber das kümmerte ihn jetzt nicht. Er schaute sich um. Sie waren an der Küste, der Wind wehte eisig kalt über sie hinweg und das Meer rauschte laut. Hermine hockte im Sand, immer noch sehr schwach. Alle anderen standen oder hockten um sie herum, lediglich Luna saß neben ihm und schaute ihn nachdenklich an.
Draco rappelte sich auf und stolperte zu Hermine. Er ignorierte die abweisenden Blicke der anderen und konzentrierte sich nur auf Hermine, die ihn aus ihren braunen Augen anschaute. „Du bist hier", sagte sie leise und lächelte.
„Ja, denn genau hier gehöre ich hin", erwiderte er und wollte den Arm heben, doch wieder durchzuckte ihn der Schmerz und das Blut sickerte nach wie vor aus der Wunde.
Plötzlich drängelten sich ein großer, rothaariger Mann und eine Frau mit langen, blonden Haaren zu ihnen durch. „Ich bin Bill Weasley", stellte der Mann sich vor „und das ist meine Frau Fleur." Er schaute auf Dracos Arm und hob überrascht eine Augenbraue, sagte aber nichts weiter dazu. Bill schob beide Arme unter Hermines Körper und trug sie über den Strand zu einem Häuschen in den Dünen.
Ron lief ihnen sofort hinterher, dicht gefolgt von Harry und Dobby. Draco ging zusammen mit Fleur, Luna und Mr. Ollivander am Schluss. Er fühlte sich wie ein Eindringling, was er ja auch irgendwie war. Er war immer mit den Weasleys auf Kriegsfuß gestanden. Schmerz pochte durch seinen Arm und er zog scharf die Luft ein. Fleur warf ihm einen besorgten Blick zu.
Sie erreichten das Haus, wo ihnen Zimmer zugeteilt wurden. Bill brachte Hermine in ein Zimmer, wo er sie ins Bett legte und sich um ihren Arm kümmerte, Fleur kümmerte sich um seinen.
„Das Messer `at disch gut getroffen", bemerkte sie.
Er nickte. Er wusste nicht, ob sie damit sagen wollte, dass das Messer ihn ordentlich verletzt hatte, oder dass sie es gut fand, dass das Dunkle Mal auf seinem Arm zerstört worden war. Sie legte irgendwelche Kräuter auf die Wunde und verband sie dann fest. „`Isch `abe leider kein Skelewachs", sagte Fleur entschuldigend. „Das ist in Ordnung", erwiderte er und lächelte sie dankbar an.
Bill betrat das Zimmer und sofort fragte Draco: „Wie geht es Hermine? Kann ich zu ihr?"
Der rothaarige Mann musterte ihn mit versteinerter Miene, Draco konnte nicht sagen, was in ihm vorging. „Sie schläft", sagte er schließlich. „Du kannst später zu ihr. Ich habe erst einmal ein paar Fragen an dich. Willst du einen Tee?"
Überrascht nickte Draco und Bill nahm eine Kanne vom Tisch und goss ihm heißes Wasser in eine Tasse mit grünen Kräutern darin. „Sie beschleunigen den Heilungsprozess", sagte er und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch. „Wieso bist du hier?"
„Wie bitte?" Mit dieser Frage hatte Draco nicht unbedingt gerechnet. „Ich…" Er überlegte kurz. „Ich wollte Hermine nicht verlassen und ich hatte keinen Zauberstab, um das Messer aufzuhalten. Es hätte irgendwen getroffen. Und… und … ich konnte nicht länger bei meiner gestörten Tante bleiben."
Bill nickte bedächtig und starrte aus dem Fenster. „Liebst du sie?"
„Wen?", fragte Draco und Bill lachte kurz.
„Hermine natürlich."
„Ja", erwiderte Draco leise. „Ja, ich liebe sie."
„Das ist gut. Bleibst du bei ihnen? Hilfst du ihnen?"
Bill schaute ihm direkt in die Augen. Draco hatte noch gar nicht darüber nachgedacht, wie es weitergehen sollte. Aber natürlich blieb er bei ihnen, sofern Ron und Harry damit einverstanden waren. Wieder nickte er. Bill sah zufrieden aus. „Du wolltest die ausruhen. Zu Hermine kannst du morgen", sagte er und stand auf.
„Ähm, Mr. Weasley?", fragte Draco etwas peinlich berührt. „Wo kann ich mich denn ausruhen?"
„Oh", sagte Bill und grinste. „Harry und Ron haben sicher nichts gegen dich in ihrem Zimmer."
Er führte Draco nach oben in ein Zimmer in dem zwei Betten und eine große Couch standen. Harry und Ron schliefen ebenfalls und Bill deutete auf die Couch. „Tut mir Leid, Malfoy, wir haben gerade nichts anderes." Er drückte Draco eine Decke in die Hand und verließ das Zimmer. Draco seufzte, Ron und Harry mussten sich wohl oder übel mit ihm abfinden. Er entledigte sich seiner feuchten Kleider und kuschelte sich in die Decke. Er dachte an Hermine, die irgendwo in diesem Haus lag und schlief und er lächelte. Es ging ihr gut, sie war in Sicherheit. Das war alles was er wollte, außer bei ihr zu sein. Morgen endlich konnte er sie wieder in die Arme schließen. Mit dem Gedanken an sie verfiel er in einen traumlosen Schlaf.
