„Ist das dein Ernst?" entgeistert starrten Harry und Ron Hermine an. Diese schaute etwas betreten zu Boden.
„Wie lange läuft das zwischen euch eigentlich schon?", wollte Ron wissen. Hermine hob den Blick und schaute in sein Gesicht, auf dem sich gerade die Gefühle einen wilden Kampf lieferten: Verwirrung, Unglaube, Wut, aber auch Belustigung.
„Seit einem dreiviertel Jahr", gab sie zu.
Harry sprang entsetzt auf. „WAS?", rief er. „Und du hattest nicht vor, uns das zu erzählen?"
Sie seufzte genervt. Wie klar war es gewesen, dass die beiden nicht begeistert sein würden? „Ich wusste von Anfang an, dass ihr das nicht gutheißen würdet", erwiderte sie.
„Wie kam es überhaupt dazu?" Ron hatte die Arme vor der Brust verschränkt.
„Wegen…" Hermine brach ab. Sie wollte nicht zugeben, dass es ihr Liebeskummer wegen ihm und Lavender gewesen war. Sie wusste, dass er sie noch immer liebte (auch wenn sie den Grund dafür nicht erkannte). „Ich hatte eine schwierige Phase", meinte Hermine schließlich und warf einen kurzen Blick zu Harry. Er wusste, was zu dieser Zeit gewesen war und sie konnte ihm ansehen, dass er kurz davor war, es laut auszusprechen, sich aber zurückhielt. Sie lächelte ihn dankbar an, aber er erwiderte es nicht sondern starrte sie nur wütend an.
„Und du liebst ihn wirklich?" Ron schien es Hermine nicht zu glauben.
„Ja, das tue ich", antwortete sie wahrheitsgemäß und bevor er noch irgendetwas sagen konnte, redete sie weiter: „Außer dass du an meiner Liebe zweifelst, habt ihr sonst noch wichtige Fragen? Und was sagt ihr dazu, Draco mitzunehmen? Nach Hause zurück kann er jetzt schlecht und auch wenn ihr ihn nicht mögt – ich liebe ihn und er könnte euch sicher behilflich sein." Herausfordernd streckte sie ihnen ihr Kinn entgegen.
„Nein, es ist nicht so, dass ich ihn nicht leiden kann", begann Ron und Hermine war schon fast erleichtert, als er fortfuhr. „Ich würde eher sagen, ich hasse ihn."
Hermine riss die Augen auf. Das konnte doch nicht wahr sein! Hilfesuchend schaute sie zu Harry, der ein nachdenkliches Gesicht machte. „Mhhh", meinte er. „Ich denke, dass – auch wenn er mir zuwider ist – wir ihn mitnehmen sollten. Denn er könnte uns wirklich behilflich sein, meinst du nicht, Ron?"
Ron presste die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf. Er stand auf und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer, wobei er die Tür hinter sich zuschlug.
Hermine verdrehte die Augen und Harry sagte: „Sag ihm, er soll mit. Aber wenn er irgendetwas macht, was auch nur im Geringsten auf Verrat oder etwas in der Art hindeutet, ist er weg vorm Fenster, klar?!" Hermine nickte. Sie war unglaublich erleichtert, dass Draco mitkonnte. „Sprichst du noch einmal mit Ron?"
Harry schüttelte den Kopf. „Er wird versuchen müssen, damit klarzukommen. Genauso wie ich."
Hermine war wirklich verwundert. Seit wann war Harry so vernünftig? Naja beklagen konnte sie sich ja wohl kaum über Harrys plötzliche Vernunft, sie war sogar ungemein froh darüber.
Sofort rannte sie nach draußen, wo Draco am Strand stand und auf das Meer hinaus schaute. Hermine blieb stehen und nahm seine Hand, woraufhin er seinen Kopf zu ihr wandte. „Und?"
„Du kannst mit", sagte Hermine. Sie wusste, dass es gefährlich werden würde, so wie ihre bisherige Suche. Und eigentlich wollte sie Draco nicht unbedingt in Gefahr bringen; nicht noch mehr als er ohnehin schon war. Doch andererseits wollte sie ihn an ihrer Seite. Rund um die Uhr, die ganze Zeit.
„Wie haben sie reagiert?"
Hermine zögerte kurz. „Naja, man kann nicht gerade behaupten, dass sie besonders glücklich darüber waren. Aber sie kennen dich eben nicht so, wie ich dich kenne."
„Na, zum Glück nicht", erwiderte Draco trocken. Hermine schaute ihn kurz erstaunt an, dann brachen beide in Gelächter aus.
Als sie sich wieder beruhigt hatten, legte Draco eine Hand um ihre Schultern und gemeinsam, eng aneinander geschmiegt standen sie da und lauschten dem Rauschen der Wellen.
„Du weißt, dass es gefährlich wird", murmelte Hermine und sie spürte, wie er nickte. „Was ist mit deinen Eltern? Hast du etwas von ihnen gehört?"
„Nein", antwortete er. „Aber ich hoffe, es geht ihnen gut. Der Dunkle Lord ist sicher sauer. Wir müssen ihn besiegen, bevor er uns besiegt."
„Das werden wir." Hermine war selbst erstaunt darüber, wie überzeugt sie klang. Draco gab ihr einen Kuss auf den Scheitel und nahm sie fest in beide Arme. Es gab ihr ein Gefühl der Geborgenheit und Liebe. Sie seufzte. Nie hatte sie sich Draco näher gefühlt. Dieser Moment könnte ewig währen, nie vorbei gehen. Doch natürlich und sehr zu Hermines und Dracos Bedauern, musste er vorbei gehen.
