„Einer ist im Schloss", sagte Harry und rieb sich die kalten Hände.

„Was? Woher weißt du das?", fragte Hermine.

„Ich…ich hab ihn gesehen. Es hat irgendwas mit Rowena Ravenclaw zu tun", brachte Harry unter den klappernden Zähnen hervor.

Sofort begann Hermine, Harry einen Vortrag darüber zu halten, dass er den Dunklen Lord nicht in seinen Kopf lassen sollte.

„Hermine, beruhige dich", sagte Draco. „Sich aufzuregen bringt jetzt gar nichts und immerhin haben wir eventuell einen Hinweis darauf, was es sein könnte."

Hermine schaute zu ihm auf und nickte. Dann kramte sie ein kleines Fläschchen aus ihrer Tasche und die drei Jungen streckten die Hände aus. Sie träufelte jedem ein paar Tropfen in die Handfläche und sofort wurden sie warm. Draco spürte das angenehm warme Kribbeln durch seine Finger wandern und machte sich wie die anderen auch daran, sich frische, trockene Kleidung anzuziehen.

„Na dann auf nach Hogwarts", meinte Ron, doch Draco warf ein: „Und wie? Wir können weder nach Hogwarts apparieren, noch nach Hogsmeade."

„Wir müssen es versuchen!" Hermines Stimme klang energisch und voller Tatendrang.

„Hogsmeade ist abgeriegelt, es wird ein Alarm ausgelöst. Und wir haben immer noch einen Horkrux, den wir nicht zerstören können."

„Draco, hör zu. Wir müssen nach Hogwarts", sagte Harry mit Nachdruck. „Ob wir wollen oder nicht."

Draco seufzte und nickte schließlich. Die vier legten ihre Hände aufeinander und apparierten nach Hogsmeade, wo sofort schriller Alarm losging.

Etwas panisch schauten sie sich um und plötzlich hörten sie viele Stimmen direkt in ihre Richtung kommen. Und dann plötzlich wurde es noch kälter, als es ohnehin schon war.

„Verdammt!", murmelte Harry, als mehrere Dementoren auf sie zuglitten. Dracos Herz zog sich in seiner Brust zusammen und ihm war, als würde er nie wieder glücklich werden. Er hasste Dementoren.

„Expecto Patronum", sagte Harry und aus der Spitze seines Zauberstabs brach ein silberner Hirsch hervor, der sich auf die Dementoren stürzte, die sofort kehrtmachten. Es kam Draco so vor, als würden sie in Ekel und voller Panik abhauen. Hermine nahm seine Hand und zog ihn hinter sich her. Sie rannten durch Hogsmeade und zu dem Weg nach Hogwarts, doch als sie am Dorfausgang ankamen, war das Tor versperrt.

„Was machen wir jetzt?", fragte Hermine und in ihrer Stimme schwang Angst mit. Sie sah Draco ratlos an, der allerdings ebenso wenig eine Idee hatte wie sie.

Plötzlich öffnete sich quietschend eine Tür neben ihnen. „Potter", brummelte eine tiefe Stimme. „Hier rein."

Ohne zu zögern ging Harry durch die Tür, Ron, Hermine und Draco folgten ihm. Draco erhaschte einen Blick auf blaue Augen und einen langen, grauen Bart. ‚Dumbledore!', schoss es ihm durch den Kopf. Doch dann fiel ihm ein, dass das gar nicht sein konnte.

Er schaute sich um. Sie standen in einem Keller und der Mann trat hinter ihnen ein. „Seid ihr wahnsinnig?", fauchte er.

„Sie sind Aberforth, Dumbledores Bruder, oder?", fragte Hermine. Der Mann schaute Hermine kurz überrascht an, bevor er schließlich nickte. Dann wandte er sich an Harry. „Was hast du dir dabei gedacht, Junge? Einen Patronus heraufbeschwören?!"

Perplex starrte Harry ihn an. „Die… da waren Dementoren."

„Ich konnte sie überzeugen, dass sie keinen Hirsch gesehen haben, sondern ein Wildschwein. Ich glaube zumindest, dass ich sie überzeugen konnte. Aber sie werden weiter nach dem Eindringling suchen, du Wahnsinniger", fuhr Aberforth ihn mit zusammengekniffenen Augen an. Er schüttelte den Kopf und ging aus dem Zimmer.

„Wie sollen wir jetzt nach Hogwarts kommen?", fragte Ron.

„Ich habe keine Ahnung", murmelte Harry.

„Vielleicht hilft uns Aberforth", meinte Ron hoffnungsvoll. Der Bruder von Dumbledore kehrte zurück, einen Teller mit belegten Broten in den Händen. „Ihr habt sicher Hunger", meinte er und stellte das Essen auf einen Tisch. „Also, was wollt ihr hier?"

„Wir müssen nach Hogwarts", sagte Harry sofort und Aberforth zog eine Augenbraue hoch.

„Warum?", wollte er wissen.

„Dumbledore hat uns eine Aufgabe hinterlassen", erwiderte Harry.

„Mhhh eine Aufgabe? Eine leichte, nette Aufgabe?"

„Wir sind auf der Jagd nach Horkruxen", platzte es aus Hermine heraus. Aberforth zog scharf die Luft ein. Dann wandte er sich an das Porträt eines Mädchens, das an der Wand hing. „Du weißt, was zu tun ist", sagte er und das Mädchen nickte, drehte sich um und lief davon.

„Wohin haben Sie sie geschickt?", wollte Draco wissen. Der alte Mann antwortete nicht, sondern verschwand wieder aus dem Zimmer.

„Das ist Ariana, die jüngere Schwester der Dumbledores", sagte Hermine leise und stopfte sich Brot in den Mund.

Die Gruppe stand nur in diesem Keller und jeder aß, so viel er nur konnte. „Schaut mal, sie kehrt zurück!", meinte Draco plötzlich.

„Wen hat sie da bei sich?", fragte Hermine und kniff die Augen zusammen. Wie automatisch griff Draco nach ihrer Hand und verschränkte seine Finger mit ihren.

Das Porträt klappte zur Seite und dahinter kam Neville Longbottom zum Vorschein.

„Harry!", sagte er begeistert und Harry erwiderte genauso begeistert: „Neville!"

Dann wanderte Nevilles Blick zu Draco und ihm entfuhr ein leises Keuchen. Hermine sagte grinsend: „Das ist schon ok, Neville." Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Hand, die noch immer in Dracos lag. Neville zog eine Augenbraue hoch und grinste. „Na dann kommt mal mit", erwiderte er nur und drehte sich um. Die anderen folgten ihm.

Neville erzählte ihnen, was gerade so auf Hogwarts vor sich ging und wie die Carrows Schüler folterten. „Dieser Geheimgang ist neu", erklärte er. „Die Carrows haben jeden anderen Geheimgang dicht gemacht."

Sie erreichten das Ende des Ganges und Neville trat heraus. „Hey!", rief er, „ich habe eine Überraschung dabei!"

Er trat zur Seite und Harry folgte ihm. Danach Ron, der sagte: „Oh, der Raum der Wünsche."

Hermine lächelte zu Draco hoch. Hier in diesem Raum war so viel passiert.

Die Schüler im Raum der Wünsche begannen zu applaudieren. Hermine wollte gerade hinter Harry und Ron aus dem Gang treten, aber Draco hielt sie fest. „Was ist denn?", fragte sie.

„Wie werden sie wohl auf mich reagieren?", fragte er und schaute sie zweifelnd an.

„Du gehörst zu mir", erwiderte Hermine und lächelte ermutigend.

„Aber nach allem, was ich getan habe?"

„Mach dir keine Sorgen." Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn kurz auf den Mund. Dann verschränkte sie ihre Finger fest mit seinen und zusammen stellten sie sich vor die anderen Schüler, die verwundert ausriefen oder klatschten.

„Was tut der denn hier?", fragte Seamus Finnigan.

„Was würdest du denn sagen?" Hermine reckte herausfordernd das Kinn und machte einen halben Schritt näher an Draco. Seamus grinste und begann zu klatschen.

„Also Harry, du bist wieder hier", stellte Neville fest. „Wie können wir dir helfen?"