„Ich weiß, wie wir den Horkrux zerstören können!", rief Ron plötzlich aus.

Hermine und Draco drehten sich blitzschnell zu ihm um. „Wie?"

„Mit einem Basiliskenzahn!", erwiderte Ron und grinste.

Hermine verdrehte die Augen. „Und woher sollen wir den kriegen? Zufällig habe ich heute keinen in meiner Tasche."

Aber Draco verstand, worauf Ron hinauswollte. „Die Kammer des Schreckens", murmelte er.

Hermine sah erst ihn, dann Ron erstaunt an. „Das ist brillant", sagte sie und Ron setzte eine zufriedene Miene auf. Sie hockten am Rand einer der Treppen und Schüler, Lehrer und Ordensmitglieder rannten überall um sie herum, bereiteten sich auf die Schlacht vor. Plötzlich rannte ein Mädchen mit braunen Locken vorbei und Ron sprang auf. „Geht!", rief er ihnen noch zu, dann war er verschwunden.

Draco schaute Hermine fragend an, die sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte. „Lavender Brown", sagte sie und fügte dann hinzu: „Er liebt sie noch immer."

„Das verstehe ich nicht", murmelte Draco.

„Halt die Klappe", sagte Hermine lachend. Sie verstand es ebenso wenig. Klar, sie mochte Lavender, aber sie war einfach nerv tötend.

Draco stand auf und zog sie hoch. „Na dann komm. Auf in die Kammer des Schreckens."

Hermine nickte und rannte los, Draco neben ihr. Seine Hand war immer noch in ihrer, warm und vertraut. Sie rannten ins Klo der Maulenden Myrte. Hier drin war es seltsam ruhig. Die Maulende Myrte schien auch nicht dazu sein. Ron und Harry hatten Hermine damals alles genau erzählt; wie man in die Kammer kam und so weiter.

Hermine überlegte kurz, durchforschte ihr Gedächtnis, dann sagte sie auf Parsel: „Öffne dich!" und das Waschbecken glitt zur Seite. „Parsel?", fragte Draco.

„Ich habe lange genug mit Harry in einem Zelt geschlafen", war die einzige Erklärung, die er bekommen sollte. Zusammen rutschten sie das Rohr hinunter, liefen den steinigen Gang entlang und plötzlich lag die Kammer vor ihnen. Das Skelett des Basilisken lag auf dem Boden. Hermine ließ Dracos Hand los und suchte den Horkrux heraus, währenddessen Draco zu dem Skelett ging und es mit großen Augen betrachtete. „Der war ja riesig!", staunte er.

Hermine nickte. Ja, der Basilisk war wirklich ein gewaltiges Ungetüm gewesen. Draco zog oder vielmehr brach, einen Zahn aus dem Gebiss. „Hier", sagte er und hielt Hermine den Zahn hin.

„Nein, mach du es", erwiderte sie.

„Zusammen?" Er lächelte und sie erwiderte sein Lächeln und umfasste seine Hand, die den Zahn umfasst hielt. Der Horkrux lag vor ihnen auf den Boden und in einer einzigen, schnellen Bewegung stachen sie zu. Sofort schoss der Teil von Voldemorts Seele, der in diesem Becher gewesen war in die Höhe.

Hermine riss die Augen auf und Draco rief: „Lauf!"

Doch sie waren nicht schnell genug. Links und rechts von ihnen türmte sich das Wasser auf und eine riesige Welle folgte ihnen. Die beiden blieben stehen und Hermine klammerte sich an Draco, der beschützend seine Arme um sie legte. Und dann war die Welle da. Die beiden hielten die Luft an, als das Wasser über ihnen zusammenbrach.

Die beiden standen da, klatschnass, aber sonst war nichts passiert. Draco grinste zu ihr herab und Hermine begann zu lachen. Er stimmte ein und noch nie hatte sie ihn so lachen gehört, so erleichtert. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht, schlang sie ihre Arme um Dracos Hals und drückte ihre Lippen auf seine. Er hatte seine Arme um ihre Taille gelegt und drückte sie fest an sich.

Der Kuss war stürmisch, getränkt von der Erleichterung. Hermine löste sich kurz von ihm und sah ihn an. Zum ersten Mal seit sie ihn kannte, sah es so aus, als hätte er keine Sorgen. Das Haar war nass und hing ihm verstrubbelt ins Gesicht, was Draco nur umso attraktiver erscheinen ließ.

Er grinste, zog sie wieder an sich und küsste sie noch einmal. Stürmisch, leidenschaftlich, voller Gefühl. Sie spürte seine Zungenspitze an ihren Lippen und öffnete den Mund. Ihr entfuhr ein Keuchen. Ja, dieser Kuss gefiel ihr. Und ihm. Ein Seufzer drang aus seiner Kehler und eine Hand wanderte zu ihrem Nacken, dann ließ er sie los.

Verwirrt und etwas benebelt blickte sie in sein lächelndes Gesicht. „Warum?"

„Die Schlacht ist noch nicht geschlagen", erwiderte er, nahm ihre Hand und zog sie aus der Kammer.