„Draco!" Der Mann starrte ihn und Hermine verwirrt und überrascht an.

„Hallo, Rabastan", erwiderte Draco knurrend, bevor er den Zauberstab hob. „Stupor!" Er packte Hermines Hand fester und zog sie mit sich. Niemals hätte er gedacht, er würde sich gegen die Todesser wenden… bis er Hermine kennengelernt hatte. Es war noch immer ein komisches (aber gutes) Gefühl sich offiziell gegen den Dunklen Lord und die Todesser zu stellen.

Grimmig verzog er das Gesicht.

„Wohin gehen wir eigentlich?", fragte Hermine etwas außer Atem.

Ohne langsamer zu werden, rief er: „Wir müssen Harry und Ron finden."

Hermine blieb abrupt stehen und riss ihn zurück. „Ich hab die Karte", murmelte sie und kramte in ihrer Tasche herum. Schließlich zog sie ein Stück Pergament daraus hervor.

„Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut", sagte sie und tippte mit dem Zauberstab darauf. Auf einmal erschienen Linien und Namen darauf.

„Ist das… Hogwarts?", wollte Draco wissen. „Was ist das für eine Karte?"

„Das erkläre ich dir wann anders. Helf mir lieber, Ron oder Harry zu finden."

Draco musterte die Karte fieberhaft, bis er plötzlich Harry entdeckte. „Da!", rief er und deutete auf den Namen. „Er… er ist verschwunden!" Er brauchte einen kurzen Moment, bis ihm einfiel, welcher Raum dort war, wo Harry sich befand. Der Raum der Wünsche. Hermine wollte die Karte gerade wegstecken, als ihm etwas auffiel. „Warte." Er nahm die Karte und schlug sie noch einmal auf.

Er hatte richtig gesehen, dort, kurz hinter Harry, verschwanden Crabbe, Goyle und sein bester Freund Blaise im Raum der Wünsche.

„Wir sollten uns beeilen!", stellte Hermine fest und rannte los, Draco hinter ihr. So schnell es bei dem Gedränge und den Kämpfen im Schulhaus überhaupt ging, eilten sie in den siebten Stock. Die Tür des Raums war noch nicht ganz verschwunden und sie rannten darauf zu.

„Oh", entwich es Draco. Es war riesig. Und überall standen Berge von Möbeln und sonstigem Gerümpel. Es war das perfekte Versteck. Hermine schaute kurz in Dracos Gesicht, über das sich ein dunkler Schatten gelegt hatte. „Was ist denn?"

„Das.. hier… die Todesser. In der Nacht als Dumbledore…" Er brach ab, aber Hermine hatte verstanden. Der Raum sah genauso aus, wie damals, als er die Todesser nach Hogwarts gelassen hatte. Er seufzte und Hermine drückte seine Hand kurz und lächelte ihn ermutigend an. Sie machte ihm keinerlei Vorwürfe, wegen dem, was passiert war. Hätte sie an seiner Stelle denn so anders gehandelt? Wenn sie in einer Familie von Todessern aufgewachsen wäre, und Voldemort ihr einen Auftrag gegeben hätte?

Er nickte und sie liefen los, immer weiter in das Chaos aus Sesseln, Lampen und Teppichen hinein. Es war merkwürdig still. Plötzlich hörte sie Stimmen. Sie blieb stehen, um zu lauschen, aus welcher Richtung die Stimmen kamen. Sie warf Draco einen Blick zu, der nach rechts nickte und dann rannten sie. Wobei es mehr etwas von Getänzel über ein Mienenfeld hatte.

Und dann in all dem Gerümpel stand Harry, in einer Hand das Diadem von Rowena Ravenclaw, in der anderen seinen erhobenen Zauberstab, der auf Crabbe, Goyle und Blaise Zabini gerichtet war, die ebenfalls alle drei ihren Zauberstab auf ihn richteten. Harry hatte Hermine und Draco bemerkt, die anderen drei nicht, da sie mit dem Rücken zu ihnen standen. Draco hob den Zauberstab, Hemrine tat es ihm gleich und nickte dann Harry zu. Gleichzeitig riefen sie: „Expelliarmus!" und die Zauberstäbe der drei Slytherins flogen durch die Luft. Erschrocken drehten sie sich um und starrten Draco an.

„Draco, nein", murmelte Blaise und Hermine konnte die tiefe Betroffenheit in seinem Gesicht sehen.

Crabbe und Goyle sagten nichts, sondern starrten Draco einfach nur an, der Hand in Hand mit Hermine dastand, und ihren Blick erwiderte.

Schließlich sagte Goyle ungläubig: „Mit diesem Schlammblut?"

Draco ließ Hermine los, den Mund zu einem wütenden Strich gepresst. Er richtete seinen Zauberstab auf Goyle, aber Hermine fasste ihn sanft am Arm und drückte ihn hinunter. „Er ist es nicht wert", sagte sie leise und nur zögernd entspannte er sich ein wenig.

Harry kam zu ihnen herüber. „Lasst uns das Diadem endlich zerstören", meinte er.

Hermine zog einen Basiliskenzahn aus ihrer Tasche und machte sich bereit, ihn auf den Horkrux herabsausen zu lassen.

Keiner von ihnen achtete in diesem Moment auf Crabbe, der zu seinem Zauberstab gelaufen war, ihn aufgehoben hatte und nun breitbeinig und irgendwie siegessicher dastand und rief: „Nicht so eilig!"

Aus der Spitze seines Zauberstabs züngelten Flammen. Riesige Flammen, die sich wahnsinnig schnell ausbreiteten und zu Drachen und Chimäras und Schlimmerem heranwuchsen.

Dämonsfeuer.

„Oh, verdammt!", murmelte Hermine, packte Dracos Hand und lief weg, vor dem Feuer davon. Sie zog Harry an seiner Jacke hinter sich her. Langsam aber sicher wurde es brütend heiß und das Feuer schien zu schnell für sie zu sein. „Blaise?!", rief Draco laut und drehte sich während dem Laufen um.

„Bin da!", hörten sie Blaise etwas weiter hinten antworten.

„Das schaffen wir niemals", japste Hermine, als Harry plötzlich wie angewurzelt stehen blieb.

„Harry! Los, wir müssen weiter!", rief Draco, die Panik ließ seine Stimme ein wenig schrill werden. Harry grinste und warf ihnen Besen zu, jedem einen. Er selbst schwang sich auf einen dritten und stieß sich ab. Hermine tat es ihm nach. „Draco? Auf was wartest du?", fragte sie.

Das Feuer wurde immer größer, immer lauter, verzehrte immer mehr von den Gegenständen.

Draco drehte sich kurz um, er konnte weder Crabbe noch Goyle irgendwo sehen, nur Blaise rannte auf ihn zu. Draco schwang sich auf den Besen und dann war Blaise da, hüpfte eilig hinter ihn und dann stieß Draco sich ab.

So schnell, wie es die Besen zuließen, flogen sie aus dem Raum der Wünsche. Hermine erkannte, dass Harry das Diadem fest umklammert hielt.

„Harry!", rief sie und er warf ihr über die Schulter einen fragenden Blick zu. „Lass es fallen!"

„Wie bitte?!" Er starrte sie entsetzt an.

„Harry! Das Dämonsfeuer! Es wird den Horkrux zerstören!"

Er schien ihr nicht zu glauben. Doch dann, mit einem Mal ließ er das Diadem los, das ins Feuer. Sie hatten den Ausgang fast erreicht. Die Türen schlossen sich allmählich, aber dann – gerade noch so – schafften sie es hindurch. Mit einem lauten Knall schloss sich der Raum der Wünsche und sie landeten davor.

„Wo ist Ron?", wollte Harry keuchend wissen.

„Bei Lavender", antwortete Draco und Harry nickte. Er hockte auf dem Boden und machte ein schmerzverzerrtes Gesicht.

„Wir haben es zerstört", sagte er und grinste zufrieden.

Hermine hörte eilige Schritte und drehte sich um. Sie sah noch, wie Blaise davonrannte. Dann fiel sie Draco um den Hals und küsste ihn kurz. Ihr Mund schmeckte nach Rauch, ebenso wie seiner. Sie wusste, dass es noch nicht vorbei war, aber irgendwie viel ein kleiner Stein von ihrem Herzen. Sie waren ihrem Ziel ein kleines Stückchen näher. Sie war einer sicheren Zukunft mit Draco ein kleines Stückchen näher. Aber nun ja, es war noch nicht vorbei. Noch waren sie nicht außer Gefahr.

Draco legte seine Arme um sie und ganz kurz vergaß sie die Schlacht und die sterbenden Menschen um sie herum. Kurz war nur noch Draco da, der ihr wenige Augenblicke der Geborgenheit gab.

„Wir werden es schaffen", flüsterte sie an seinen Hals.

„Ja, das werden wir", antwortete er.