Draco schlug die Augen auf und brauchte einen Moment, bis er verstand, warum er kaum etwas sah. Er lächelte, als er realisierte, dass Hermine mit dem Kopf auf seiner Brust eingeschlafen war und ihre Haare wie ein wilder Busch in seinem Gesicht hingen. Er bewegte sich so wenig wie möglich, um sie nicht zu wecken.

So lag er einfach da und starrte an die beschädigte Decke der Großen Halle. Um ihn herum vernahm er flüsternde Stimmen, Lachen, aber auch bitteres Schluchzen. Was er nicht hörte, war Kampfeslärm. Wieso hörte er ihn nicht? War der Kampf vorbei?

Neugierig setzte er sich auf und Hermines Kopf rutschte in seinen Schoß, was sie aber nicht weckte. Sie murmelte irgendwas im Schlaf und lächelte leicht. Sie sah so friedlich aus. Draco strich ihr sanft über die Wange, dann schaute er sich um. Tatsächlich, der Kampf schien vorbei, die Schlacht gewonnen zu sein. Er entdeckte Harry, der mit Neville und Seamus Finnigan redete und winkte ihm zu. Harry kam zu ihm herüber. Zwischen ihnen gab es keinerlei Feindschaft mehr.

Draco brauchte seine Frage gar nicht laut auszusprechen, Harry sagte schon: „Voldemort… Ich habe Voldemort besiegt. Es ist alles vorbei, Draco."

Draco lächelte und spürte, wie ihm ein ganzer Berg vom Herzen fiel, so erleichtert war er. Doch dann fiel ihm etwas ein. „Meine Eltern. Hast du meine Eltern gesehen?", fragte er.

Harry schüttelte den Kopf.

Draco biss sich auf die Unterlippe. Ob sie noch lebten?

Hermine bewegte sich plötzlich und richtete sich verschlafen auf. „Du bist ja wach", stellte sie freudig fest. Er nickte. Er schaute zu Harry, der kurz grinste und dann zu den Weasleys hinüber ging.

„Es ist vorbei", flüsterte Hermine. Sie setzte sich neben ihn auf den Tisch und kuschelte sich an ihn, während er sie fest in den Arm nahm. Sie drückte ihr Gesicht an seinen Hals und er spürte etwas Warmes über seine Haut rinnen. „Es ist vorbei", flüsterte Hermine noch einmal und jetzt konnte er die Tränen förmlich in ihrer Stimme hören.

Er wusste, wie sie sich fühlte. Nicht nur erleichtert. Viel mehr als das. Der ganze Druck der letzten Wochen, Monate, Jahre… er war einfach weg. Voldemort war besiegt. Das Gute hatte gewonnen. Man konnte beginnen, einer glücklichen Zukunft ins Auge zu sehen. Und das war etwas, von dem Draco immer gedacht hatte, so etwas würde ihm nie passieren. Er sah die neuen Möglichkeiten und er fühlte sich, als würde das Band, das die ganze Zeit über sein Herz zugeschnürt hatte, sich mit einem Mal lösen und sein Innerstes explodieren lassen. Ein hysterisches Lachen stieg in seiner Kehle auf, aber er unterdrückte es. Stattdessen griff er in Hermines Nacken und küsste sie heftig. Sie erwiderte den Kuss und er spürte in ihr dieselbe Explosion, die auch in seinem Körper noch in vollem Gange war.

Sie löste sich von ihm, nur wenige Millimeter und wisperte: „Was passiert jetzt mit uns?"

Er brauchte nicht zu überlegen. Sie war, was er schon immer gewollt hatte, seit er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Wahrscheinlich würde sie sich noch daran erinnern, wie gemein er gewesen war. Immer. Jedes Mal. All die Beleidigungen. Nur, weil er sie gern hatte und wollte, dass sie ihn bemerkte. Er schämte sich dafür, dass er das getan hatte, aber wäre alles so gekommen, wenn er es nicht getan hätte? Irgendwie freute er sich darüber, so gemein gewesen zu sein.

„Was willst du denn, was passiert?", wisperte er zurück.

Seine Stirn lag an ihrer und er spürte die Hitze, die von ihr ausging. Von ihrem gesamten Körper. Eine Hitze, die auch ihn umgab. Oder war es überhaupt Hitze? Sie schwieg und schloss die Augen.

„Ich liebe dich", flüsterte er.

Und da hoben sich ihre Lider und sie schaute ihm in die Augen. Das Braun ihrer Augen glänzte.

„Ich liebe dich, Draco Malfoy", erwiderte sie. „Und ich will, dass du bei mir bleibst. Denn ich will bei dir sein. Immer."