Magic
„Nein! Nein! Nein! Es geht einfach nicht!", schrie Sting verzweifelt aus und donnerte seinen Kopf gegen seinem Büro, was die wertvollen Teetassen auf dem kleinen Versammlungstisch gefährlich klirren liess. Rufus, Orga, Yukino, Minerva und die Exceeds sahen ihn irritiert an, während Rogue einfach die Augen verdrehte. Was hatte der Master den schon wieder?
Sting hatte seit langem darauf bestanden, dass die bekanntesten Mitglieder von Sabertooth und die Exceeds sich jeden Sonntag in seinem Büro trafen, um gemütlich mit Tee und Gebäck beisammen zu sitzen und friedlich miteinander zu reden. Doch "friedlich" war zumindest in Stings Wörterbuch ein Synonym von "wir reden heftig über ein bestimmtes Thema und ich habe immer Recht". Beim ersten Mal hatte Sting geklagt, dass er als Master keine Zeit mehr hatte auf Missionen zu gehen und er somit niemals lernen konnte wie man Natsu besiegte. Und letzte Woche war es gewesen, dass Rogue und Yukino anscheinend im Bett viel wilder waren als Sting und Minerva, was der Blonde als "Zerstörung meines perfekten Bildes als sexy Drache" bezeichnet hatte. Was immer das auch bedeute.
„Na schön, was nervt dich dieses Mal so sehr, dass du wieder den Gesprächsfaden verloren hast?", fragte Minerva gelassen zu ihrem Freund, während sie ihre Tasse elegant zu ihren Lippen führte.
„Sting-Kun, du musst dich nicht aufregen, bei deinem letzten Kampf gegen Natsu hast du doch gewonnen", sagte Lector tröstend.
„Fro denkt das auch."
„Es hat doch rein gar nichts damit zu tun!", murrte Sting, der heute Morgen anscheinend mit dem linken Bein aufgestanden war. Hatte er mit Minerva keine wilde Nacht verbracht?
„Willst du etwa immer noch, dass wir in Salvia etwas Ähnliches veranstalten, wie die Fantasia in Magnolia? Soweit ich mich erinnere genügen doch unsere Theateraufführungen, die wir zu jeder Sonnenwende veranstalten", erwiderte Rufus ruhig, worauf Orga erwiderte: „Beim Stück von Lady Arabella war sogar die Prinzessin mit ihrem Alten und dem weissen Bodyguard gekommen, was'n is' den das Problem?"
„Fro denkt das auch."
„Meine Magie", brummte Sting mit verschränkten Armen und Schmollmund, was eine Welle der Überraschung auf die Anwesenden herbrachte. Das hatten sie nun wirklich nicht erwartet. Seine Magie? Was störte ihn den nun mit seiner Magie?
„Bist du nicht mehr glücklich ein Dragonslayer zu sein, oder was ist los?", fragte Yukino sanft, jedoch mit gerunzelter Stirn.
„Schätzchen, was ist das Element meiner Magie?", fragte Sting und sah dabei so todernst aus, dass Rogue unter anderen Umständen gelacht hätte. Wenn diese Frage wirklich rhetorisch gemeint wäre und sein bester Freund Yukino nicht SCHÄTZCHEN genannt hätte.
„Licht, wieso?", gab stattdessen Frosch die Antwort. Sting nickte und stellte somit eine weitere Frage: „Und was ist Minervas Magie?"
„Ich denke, du weisst genau, dass eine Art Spherenmagie beherrsche. Hoffentlich war diese Frage rhetorisch gemeint", sagte Minerva ruhig, doch die Vene an ihrer Stirn zeigte genau, dass sie vom Verhalten ihres festen Freundes langsam genervt war.
„Versteht ihr alle den nicht? Rogues Element ist Schatten, also grob betrachtet Dunkelheit. Und Yukino hat eine Magie, die mit Sternen zu tun hat", erklärte der Lichtdragonslayer langsam, während er sich an der Nase strich. Wie um sich zu beruhigen.
„Sting, ich denke Yukino und ich wissen genau, welche Magie wir beherrschen", murmelte Rogue mit neutraler Stimme. Doch innerlich brannte er darauf zu wissen, was den Sting nun meinte. So dumm der Grund auch sein möge, der Blonde sagte nichts einfach grundlos.
„Dunkelheit und Sterne sind komplette Gegenteile. Man kann sie doch gut gemeinsam verbinden! Sie sind komplementär! Doch zwischen Licht und Sphere gibt es keine Verbindung! Sie sind kein Gegenteil, nicht einmal Gemeinsamkeiten haben sie!"
„Ach so… äh, was?", kam Orgas überaus kluge Reaktion. Rufus hingegen presste ruhig ein Taschentuch vor sein Gesicht und bei genauem hinhören merkte man, dass er kicherte. Yukino und Lector prusteten los, Minerva lächelte amüsiert und Rogue presste die Lippen fest zusammen, um kein Lachanfall zu bekommen. Das war also sein Problem dieser Woche? Es klang einfach so absurd, dass man meinen könnte, diese Aussage käme von Natsu.
„Das ist nicht lustig! Schaut mal, zum Beispiel, dieser Cobra von Crime Sorciere und seine Kinana haben beide Magien, die mit Gift zu tun haben. Zwar kein komplettes Gegenteil, doch ihre Magien basieren auf ein gleiches Element. Jeder Dragonslayer hat eine Magie, die sich gut mit deren ihres Partners verbinden kann, nur ich nicht!"
„Komplementäre Magien haben doch nichts mit einer Beziehung zweier Menschen zu tun", sagte Minerva „Die Elemente von Natsus und Lucys Magien haben doch auch keine Verbindung."
„Naja, grob betrachtet eigentlich schon, schliesslich sind Sterne irgendwie aus Feuer… Bin schon still", sagte Lector rasch, als die Schwarzhaarige ihn gefährlich anstarrte. Sie hasste es, wenn man ihr widersprach und eine ihrer Reden unterbrach.
„Gajeel-Kun und Levy-Chan sind sehr glücklich zusammen, obwohl Eisen und Wörter eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben", sagte Yukino tröstend.
„Auss'rdem, Laxus und seine Zigeunerin da brauch'n dies auch nich'. Blitz und Karten haben auch nix miteinander zu tun", brummte Orga, während er einen Schluck Tee trank. Rogue fand es ziemlich irritierend, diese zierliche Tasse aus feinstem Porzellan in den riesigen, groben Händen des Godslayers zu sehen. Ein Wunder, dass er bisher noch keine kaputt gemacht hatte.
Sting blickte nur sprachlos drein. Er hatte anscheinend die Dinge nie unter diesem Blickwinkel angesehen. Rogue hatte sogar den Verdacht, dass es ihm eigentlich egal war, dass seine Magie nicht mit jener Minervas verbindbar war. Sting hatte immer diese Angewohnheit gehabt sich über etwas zu klagen, was ihm eigentlich egal war. Das tat er vor allem, wenn er sich mit jemanden gestritten hatte und schliesslich zum Schluss gekommen war, dass er Unrecht hatte. Natürlich würde der Lichtdragonslayer so etwas nie zugeben, also beklagte er sich wohl über Etwas, um sich davon abzulenken.
„Aber trotzdem. Es muss wirklich toll sein, wenn zwei Liebende komplementäre Magien haben", brummte Sting trotzdem. Rogue grinste in sich hinein. Sein bester Freund hasste es einfach, wenn es ruhig zu und her ging. Der Blonde war einfach für alles bereit, das etwas Heftiges und Lautes bringen konnte, sollte es auch nur Sekunden dauern.
„Naja, selbst wenn Yukino keine Stellarmagierin wäre, trotz allem bliebe sie mein Stern", sagte Rogue ruhig, wobei er sich nicht davon abhalten konnte seine Gefährtin anzulächeln. Yukino lächelte strahlend zurück. Rogue sagte selten etwas Romantisches in der Öffentlichkeit, sollte es auch indirekt sein. Selbst wenn sie alleine waren hielt er sich zurück, wobei die Gesten ihm viel einfacher fielen als Worte.
Die Weisshaarige setzte sich auf seinem Schoss und legte verliebt ihren Kopf auf seine Schultern. Rufus und Minerva sahen höflich weg, wobei die Schwarzhaarige lächelte, während Sting und Orga brummten, sie sollten sich doch ein Zimmer aussuchen.
„Moral des Tages", sagte Lector feierlich, „die Art der Magie hat mit einer Beziehung zwischen zwei Wesen rein gar nichts zu tun!"
„Fro denkt das auch."
„Äh, ich denke nicht, dass du genau weisst, über was wir geredet haben…", murmelte Lector leise zu seiner Sitznachbarin.
„Fro denkt das auch."
