Our Future
Als sie noch ein Kind gewesen war, hatte sich Yukino ihre Zukunft vollkommen anders vorgestellt. Damals hatten sie und ihre Schwester eigentlich einen klassischen Kleinmädchenwunsch gehabt. Ein Mann, Kinder, glückliches Leben. Naja, eigentlich nur fast. Sorano liebte Engel und wollte einer werden. Yukino hingegen hatte schon damals eine riesige Schwäche für Sterne gehabt und kindlich naiv wie sie gewesen war, wollte sie einer werden.
Mit dem Tod ihrer Eltern und Soranos Verschwinden wurde diese Zukunftsvision jedoch zerstört. Yukino hatte sich damals eine schreckliche Zukunft vorgestellt, wo sie in ein schreckliches Waisenhaus kam oder als arme Zofe von reichen Leuten misshandelt wurde. Zum Glück kam es nicht dazu. Das kleine Mädchen hatte von einer Magie gehört, die mit Sternen zu tun hatte. Sie beschloss diese zu erlernen um stärker zu werden, damit sie genug Kraft hatte um nach Sorano zu suchen.
Am Anfang war Yukino nur eine unabhängige, reisende Magierin gewesen, bis sie schliesslich von diesen Magiergilden gehört hatte. Sie beschloss sich einer von denen anzuschliessen, um besser nach Sorano zu suchen. Damals war Sabertooth die stärkste Magiergilde und für Yukino war dies die beste Möglichkeit, um ihre Suche besser zu organisieren. Doch damals musste man ein Mitglied bekämpfen und besiegen um überhaupt bei den Tigern aufgenommen zu werden. Sie hatte schrecklich hart trainiert, bevor sie gegen Dobengal gekämpft hatte. Fast hätte sie verloren, doch zum Glück hatte sie dennoch siegen können. Die erdrückende Stimmung um stärker zu werden war zwar unangenehm gewesen, doch anfangs hatte sie noch Hoffnung auf eine glückliche Zukunft gehabt. Sie würde ihre Schwester wiederfinden, beide würden zu den stärksten Magierinnen in Sabertooth gehören und vielleicht... vielleicht hätte Rogue ein Auge auf sie geworfen...
Doch leider kam dann ihre Niederlage gegen Kagura und am Abend diese erniedrigende Verbannung. Yukino hasste es sich daran zu erinnern, doch leider waren diese Ereignisse schwer zu vergessen. Sie hatten sich so gut wie in ihrem Gedächtnis eingebrannt. Damals hatte sie wieder eine recht dunkle Vorstellung von ihrer Zukunft gehabt und die Dracheninvasion hatte dies nur noch weiter verstärkt. Vor allem hatte die Weisshaarige Angst um Rogue gehabt, den Mann den sie heimlich geliebt hatte. Den Zukunft-Rogue, gegen den sie alle kämpfen musste, hatte nichts mehr von jenem der Gegenwart gehabt. Und Yukino hatte nichts davon im Rogue der Zukunft erkennen können, er hatte nichts mehr vom Mann gehabt, den sie liebte. Die Weisshaarige hatte damals schreckliche Angst um die Zukunft gehabt. Konnte der Verlust von geliebten Personen wirklich so schrecklich und schmerzhaft sein, dass die komplette Persönlichkeit verändert wurde? Würde sie auch so werden, falls ihre Schwester doch tot war? Und wie konnte dies diesem Rogue aus der Zukunft passiert sein? Noch hatte sie so eine dunkle Vorstellung der Zukunft gehabt.
Doch zum Glück wurde die Schlacht gewonnen und durch ihre Rückkehr nach Sabertooth hatte Yukino wieder eine hellere Zukunft sehen können. Als sie schliesslich endlich mit Rogue zusammen gekommen war, kam wieder der Traum einer Familie zum Vorschein, doch dieses Mal war es klarer und erfüllbar gewesen. Doch wo sie als Kind noch ungeduldig auf die Erfüllung dieses Wunsches war, wollte sie sich mit ihrem Dragonslayer Zeit lassen und die einfache Zeit als Paar geniessen.
Dies bereute Yukino bis heute nicht. Sie bereute es nicht, dass sie und Rogue sich Zeit gelassen hatten mit ihrer Beziehung. Welche schöne Zeiten hatten sie erlebt, ihre Liebe hatte sich über die Jahren immer mehr verstärkt. In der Zwischenzeit hatte Yukino auch ihre geliebte Schwester wieder gefunden. Auch wenn Sorano eine kriminelle Vergangenheit hatte und nun in Crime Sorciere für ihre Taten büsste, Yukino hatte es ohne grossen Schwierigkeiten akzeptiert. Sie war glücklich ihre Schwester lebend und einigermassen glücklich zu wissen. In der Hoffnung, dass Sorano bald offiziell freigesprochen wurde.
Mit der Zeit war ihre Schwester schwanger geworden und somit war Tenshi in Yukinos Leben gekommen. Sie liebte ihre kleine Nichte abgöttisch und war so glücklich, dass Sorano mit Sawyer die gleiche Liebe erfahren durfte, wie sie es mit Rogue tat. Es hatte nicht lange gedauert, bis ihr Drache ihr schliesslich einen Heiratsantrag gemacht hatte...
Glücklich streichelte Yukino ihren silbernen Ehering, während Frosch auf ihrem Schoss schlief und ihre beiden Töchtern im Garten spielten, was die junge Mutter von ihrem Liegestuhl gut beobachten konnte. Nyx versuchte gerade zum ersten Mal zu laufen, doch es wollte noch nicht funktionieren. Hoshi half ihrer kleinen Schwester dabei, in dem sie die kleine Schwarzhaarige auf zwei Beine stehend hielt. Doch Nyx liess sich dabei lieber herum tragen.
Hoshi und Nyx Cheney... ihre beiden geliebten, vielversprechende Töchter. Yukino hatte nun die Familie, die sie sich eigentlich schon immer gewünscht hatte. Einen wundervollen und liebenden Ehemann, zwei reizende kleine Mädchen. Ihre Schwester, deren Lebensgefährte und ihre niedliche kleine Nichte. Nicht zu vergessen Frosch, die ja sowieso zur Familie gehörte. Zwar war es nicht das normale Familienleben, das sie sich als kleines Kind vorgestellt hatte. Es war viel mehr als das.
Während sie Frosch auf ihrem Schoss streichelte, lächelte sie glücklich, während sie ihren beiden Töchtern zusah. Die Jüngere schaffte es immer noch nicht auf zwei Beinen zu stehen, doch die Ältere gab nicht auf und hob ihre kleine Schwester immer wieder hoch. Hoshi, die diese rote Augen von ihrem Vater und die weisse Haare von ihrer Mutter geerbt hatte, war schon immer die ruhigere der Mädchen gewesen. In Sachen Höflichkeit machte sie schon ihrer Kusine Tenshi Konkurrenz, die in diesem Bereich der Bedeutung ihres Namens wirklich alle Ehre machte. Ein Wunder bei ihren Eltern. Jedenfalls war Hoshi schon mit ihren drei Jahren liebevoll und friedlich, ein wirklich braves Mädchen, wenn auch ziemlich ehrgeizig um die Stellarmagie perfekt beherrschen zu können. Nyx hingegen, die Yukinos braune Augen und Rogues schwarze Haare geerbt hatte, war zwar erst 18 Monate alt, doch obwohl sie ruhig blieb, versprach sie eine wilde Persönlichkeit zu bekommen. Die Kleine schaffte es nicht längere Zeit an einem Ort zu bleiben, vor allem ruhig. Immer wieder krabbelte sie von einer Ecke zur anderen, sie war sogar schon mehrmals aus ihrem Babypark geflohen, weiss der Geier wie sie dies tat. Rogue und Yukino hielten Nyx stets im Auge, in der Gilde behielt die Stellarmagierin ihre Tochter stets in der Trage. Doch auch wenn sie wegen ihrer jüngeren Tochter stets auf Trab war, Yukino liebte Hoshi und Nyx so stark, wie sie nur Rogue liebte.
Zwei muskulöse Arme umarmten sie von hinten und rissen sie somit aus ihren Gedanken. Liebevoll presste die Weisshaarige diese fester gegen sich.
„Was wollte Sting dieses Mal?", fragte Yukino leise.
„Er hatte wieder Panik bekommen wegen der nächsten Versammlung der Gildenmaster. Seit Apollon einen wackelnden Zahn hat getraut Sting nicht wegzugehen, damit er dabei sein kann, wenn sein Sohn den ersten Zahn verliert. Er wollte, dass ich als Stellvertretung hingehe", erklang Rogues warme, ruhige Stimme. Yukino kicherte leicht und fragte dann: „Und was hast du ihm gesagt?"
„Nichts, Minerva ist mir zuvor gekommen. Entweder würde er zur Versammlung gehen oder sie würde eine Woche lang... ähm... ihre Seite des Ehebettes leer lassen."
„Und Sting würde dies natürlich sicher nicht zwei Tage aushalten können, so wie ich ihn kenne", kicherte seine Frau leise. Sie presste die Arme ihres Drachens fester gegen sich und genoss einfach seine Nähe. Dieser Moment war einfach perfekt...
„Mama, Papa! Guckt Nyx an!", schrie plötzlich Hoshi aufgeregt. Yukino schlug die Augen auf und sah überrascht, wie ihre jüngere Tochter unsicher einen wackeligen Schritt vor den anderen machte. Nyx hatte tatsächlich gelernt zu laufen!
Rogue war genauso überrascht und glücklich wie sie seine jüngste Tochter zu sehen, wie sie ihre ersten Schritte tat. Langsam kniete er zu Boden und breitete leicht die Arme aus. Nyx verstand die Geste sofort und tapste selbstsicher auf ihren Vater zu, der sie mit Freude in die Luft hob.
Als Kind hatte Yukino sich ihre Zukunft anders vorgestellt. Doch das hier war besser als ihre Kinderträume. Es war viel mehr als ein "Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende"...
