Ein Lord 3

Zur selben Zeit im Grimmauld- Place 12.

„Ich kann es immer noch nicht glauben das Harry entführt wurde." sagte Hermine leise und hielt sich an ihrem Becher mit dampfendem Tee fest. „ Ja und sein Onkel ist ebenfalls verschwunden." gab Ron von sich. Die zwei besten Freunde von Harry Potter, der auf nur schwer erklärbare Weise verschwunden war, saßen in der Küche und unterhielten sich. Die Küche des noblen und altehrwürdigen Hauses des Blacks war gerade der einzige Ort an dem man sich noch in Ruhe unterhalten konnte - und nicht gerade ins Gästezimmer zurück will. In allen anderen Räumen herrschte reger Betrieb.

Überall wuselten die Mitglieder des Phönix - Ordens durch die Gegend. Ständig verfärbte sich das Feuer im Kamin grün weil irgendjemand mit irgendwem anders sprechen wollte. Es war Abend geworden und die Nacht senkte sich schon über London. Am Morgen des Tages war fast die gesamte Familie Weasley, zusammen mit Tonks und Remus Lupin zum Ligusterweg gekommen um Harry für den Rest der Sommerferien abzuholen.

Zum Entsetzen aller, waren sie auf eine Petunia Dursley gestoßen, die wie eine Furie auf die Neuankömmlinge losging. Sie schimpfte und fluchte, wie sie es wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben getan hatte, und klagte darüber das ihr Ehemann zusammen unnützen, wertlosen Neffen(und das war noch das freundlichste was sie sagen konnte)entführt worden war. Sie hatte keine Zweifel daran, dass, wenn es Harry nicht gegeben hätte wäre das alles nicht passiert! Und jetzt war nicht nur das Balg weg-wofür sie dankbar war - aber eben auch ihr Mann. Und er könne ja gar nichts dafür. Er wollte dem Jungen nur Vernunft beibringen. (Sie hätte nur niemals zugegeben das es Vernon auch schon mal übertreiben konnte)

Mit kaum mehr als diesen Worten wurde alle, die wegen Harry gekommen waren fortgejagt - und dass sie bloß nie wieder kommen sollten!

Das war es also. Harry war weg und wahrscheinlich hatte ihn Voldemort in seiner Gewalt.

Alle, die bei dem Vorfall im Ligusterweg dabei waren, waren viel zu schockiert als dass sie daran gedacht hätten Mrs. Dursley zu irgendetwas dazu zu fragen. Nun war es dafür zu spät.

Ron und Hermine meldeten sich sofort freiwillig dafür bei der Suche zu helfen, das wurde aber von den Erwachsenen abgelehnt, die Suche sei viel zu gefährlich. Nun konnten sie nichts anderes tun als herum zu sitzen und abzuwarten. Das war zu viel- nichts ist schlimmer als warten.

Selbst Snape war schon hinzu gekommen und hatte Bericht erstattet. Doch auch er konnte nur sagen das Potter vom dunklen Lord aufgespürt worden ist, was genau vor sich gegangen wäre konnte er nicht sagen. Voldemort habe nichts von sich gegeben das als Information dienen könnte.

Das einzige was dem Orden dann noch blieb war suchen und warten.

Voldemort erwachte und fand sich auf in seinem bequemen Sessel wieder. Ganz entspannt saß er da und konnte erst einmal gar nicht einordnen wo er war. Wenn er geschlafen hatte, warum war er dann nicht in seinem Schlafzimmer? Aber bei so viel Arbeit konnte es natürlich passieren das man auch mal im sitzen schläft. Nur, war dieser Sessel sonst nicht immer etwas besser gepolstert? Nach nur einem Augenblick wurde es ihm klar dass sein Sessel nur noch grob von Stofffetzen und Rosshaar zusammengehalten wurde. Um ihn herum herrschte ein gigantisches Chaos. Sein gesamtes Büro war nicht einfach nur auf den Kopf gestellt worden. Nein, regelrecht verwüstet war es. Sämtliche Bücher lagen überall herum, Papierfetzen fanden sich in unzählbarer Menge, alle Bilder, Dokumente, Aufzeichnungen und Pergamentbögen waren zerrissen, zerlöchert, kurz: zerstört. Auch sein Schreibtisch selbst und alle anderen Möbelstücke waren nur mehr Kleinholz. Nichts war mehr auf seinem alten ein einziger Müllberg. Wenn es da nicht Magie gäbe...

Mit der fließenden Eleganz einer Schlange erhob er sich und sah sich ganz genau um. Selbst die großen Fenster, die an zwei Seiten des Raumes immer großzügig das Sonnenlicht hinein ließen, waren aus den Angeln gerissen und in tausende kleine Splitter zerschlagen. An einer stelle klaffte auch nur ein großes Loch. Voldemort seufzte kaum hörbar und verließ dann den Raum. Er wollte sich in den angrenzenden Zimmern umsehen.

Nach ein paar Minuten kam er zurück und wirkte etwas erleichtert. Seine anderen Räume waren unversehrt. Für einen Moment hielt er inne, es war nicht selten das er,seit seiner Auferstehung aus einem Trance-artigen zustand erwachte und alles zerstört vorfand. Doch in den ersten Wochen und Monaten war es fast das ganze Haus. Seit einiger Zeit wurde es weniger. Nicht nur die abstände wurden größer, auch das Ausmaß der Zerstörung wurde geringer. Und dieses Mal war das erste Mal das nur ein einziger Raum betroffen war. Sehr interessant...

„Reparo -maxima!" sprach er ohne das eine Stimme, oder sein Gesicht, irgendein Gefühl hätte verraten können.

Es war an der Zeit nach Potter zu sehen.

Als Voldemort in das Zimmer kam sah er dass sich Harry aufgesetzt hatte. Unweigerlich erfreute sich der Heiler in ihm über die Genesungsfortschritte seines Patienten. „Wie ich sehe bewegst du dich schon sehr gut." Ohne großen Erfolg versuchte Harry seine Verlegenheit, die diese Worte bei ihm auslösten, zu verbergen. Nachdem die leichte Schamesröte aus seinem Gesicht gewichen war schaute er, nun wieder neugierig zu Voldemort - seinem Heiler-auf. „Hast du schmerzen?" fragte dieser nun. °Nein,° antwortete Harry wahrheitsgemäß °Nur mein Rücken kribbelt noch ein bisschen.°

„Ausgezeichnet, dann wirst du morgen mit deinem Training anfangen können."

°Training? Welches Training?°

„Na irgendwie musst du doch wieder kräftiger werden. Ausruhen allein und ein paar Tränke reichen eben nicht aus. Wobei mir einfällt: hast du bereits etwas gegessen?" Harry schüttelte nur verneinend den Kopf. Darauf hin schnippte Voldemort einmal mit den Fingern und eine kleine Hauselfe erschien mit einem leisen *popp*. Eifrig verbeugte sie sich, so tief, das ihre fledermausartigen Ohren beinahe den Boden berührten.„Ja Meister? Was kann ich für euch tun?" fragte die kleine Kreatur. „Bereite ein ausgewogenes Mittagessen für meinen Patienten vor. Du weist worauf es dabei zu achten gilt." Kaum hatte er das gesagt verbeugte sich die Hauselfe abermals und verschwand wieder, als wäre sie nie da gewesen.

Harry glaubte seinen Augen nicht zu trauen als nur Minuten später nicht nur einer sondern gleich drei, unterschiedlich große Teller auf einem kleinen Tisch erschienen. Voldemort hatte sich unterdessen auf einem von zwei freien Stühlen an dem Tisch niedergelassen. Zwar tat er sich zuerst etwas schwer, und war auch noch recht wacklig auf den Beinen, doch Harry schaffte es den Tisch zu erreichen ohne umzukippen.

Sein Hunger war ganz eindeutig treibende Kraft dahinter.

Gierig besah er sich das Essen vor ihm. Und begann ohne weiteres zögern, mit großem Appetit zu essen.

Voldemort konnte nicht glauben was er da sah. Der Teenager vor ihm schlang das Essen in einem Tempo herunter das man glauben könnte er wäre ein Ausgehungerter Wolf, der seit Tagen nichts mehr gefressen hatte.

Aber in Erinnerung daran in welchem Zustand er ihn gefunden hatte und von dem was Harry von sich preisgegeben hatte, kam er zu dem Schluss das Harry wohl tatsächlich so ausgehungert war. Unbedacht schweiften Voldemorts Gedanken zu den Zeiten zurück als er im Waisenheus ebenfalls Hunger leiden musste. Selbst vor dem Krieg sind nicht immer alle Kinder richtig satt geworden... Wie lange war das nur schon her...

Harry hingegen kümmerte sich einen feuchten Dreck darum wie er aß oder das Voldemort ihn dabei beobachtete. Wichtig war gerade nur das sein Magen gefüllt wurde. Nachdem auch das letzte bisschen Essen von den Tellern verschwunden war, lies sich Harry satt und zufrieden in seinen Stuhl zurück sacken. Jetzt wollte er nur noch schlafen.

„Nun, . Von dem was ich eben gesehen habe scheinst Du mit deinem Mahl zufrieden zu sein. Aber sag mir eines: Haben dich diese Muggel hungern lassen?" Harry wusste nicht was oder wie er auf diese Frage antworten sollte. Letztlich nickte er nur, als er spürte das Voldemort nicht geneigt war allzu lange zu warten ehe er antwortet. „Ich verstehe..."

Betretenes Schweigen herrschte kurz zwischen dem Heiler und seinem Patienten.

Dann sandte Harry einen Gedanken. Voldemort konnte den Gedanken kaum hören, trotzdem waren die Gefühle die darin mitschwangen Glasklar übertragen worden:

°Es war nie anders - seid ich klein war. Nur Schmerz und Hunger°

So schnell wie es kam, war es auch schon wieder weg. Doch hier, so wusste Voldemort war etwas geschehen, eine Tür hatte sich geöffnet.

Plötzlich viel Voldemort etwas ein.

„Dann muss ich das wohl so verstehen: " begann Voldemort wieder zu sprechen" Deine Verwandten Misshandeln und Schlagen dich, nicht nur zur Züchtigung, sondern halbtot; sie ließen dich hungern und Dumbledore hat davon gewusst. Du hast es ihm erzählt-mehr oder weniger. Und dennoch hat der alte Narr nichts unternommen? Es wurde nichts getan dass „der-junge-der-lebt" gut aufwächst?"

So recht deuten, konnte Harry nicht was Voldemort wohl dabei dachte und fühlte als er das Zusammenfassung klang eher wie eine wissenschaftliche Erörterung. Wie...eine Wettervorhersage.

Doch weiter darüber nachdenken konnte er nicht denn schon sprach Voldemort weiter: „Lass mich dir etwas anbieten." Nun schaute ihn Harry überrascht und erschrocken zugleich an.

°Was?°gab Harry entsetzt von sich. Doch seine Lordschaft ignorierte diesen Ausruf gekonnt.

„Im Gegensatz zu dem was dir bisher angetan wurde sollst du die Möglichkeit erhalten dein Leben zu ändern."

Voldemort wusste das er diesen Teil gut spielen musste damit er das Vertrauen des Jungen gewinnen konnte. Zwar begab er sich auf unbekanntes Terrain, mit all den Gefühlen, doch er war nicht Voldemort wenn er dass nicht hinbekommen würde. Darum sprach er im ruhigen und doch eindringlichen Ton weiter:" Willst du wirklich den Rest deines Lebens so verbringen - Und immer mit den Wunden der Vergangenheit leben?"

°Aber...Aber... Aber Du bist doch der Grund warum das alles passiert ist. Du.. du warst es doch der meine Eltern umgebracht hat° schrie ihm Harry geradezu entgegen.

Das war aber auch das einzige was er tun konnte. Er war schließlich nicht Lebensmüde(auch wenn es genug Leute gab die das behaupteten). Am Ende blieb er einfach auf seinem Stuhl Sitzen und versuchte Voldemorts Blick auszuweichen. Seine eben entflammte Wut ging so schnell wie sie gekommen war.

Tränen füllten seine Augen. Irgendwie fühlte er sich verloren.

Harry erschrak leicht, als Voldemort wieder zu sprechen begann.

„Ist das so? Ist es dir eigentlich schon in den Sinn gekommen,warum Dumbledore nichts unternommen hat?" Voldemort sprach auf einmal erschreckend sanft zu ihm. „Nein, bestimmt nicht. Verdenken kann ich es dir nicht. Schließlich bist du von Dumbledore geprägt und mit seinen Werten groß geworden. Aber warum hat er, trotz seines enormen Einflusses, es doch zugelassen das du am Trimagischen Turnier teilnehmen musstest? Warum hat er dich in so vielen Situationen allein gelassen. Wie kommt es dass es immer waren es andere waren, dein enormes Glück oder du selbst der dich aus Schwierigkeiten herausgeholt hat?

Auch wenn du jetzt denkst das ich dir nur Lügen auftische und dir deinen großväterlichen Direktor, wie sagt man, schlecht reden will. Meinetwegen glaub daran.

Genau dass ist es was Dumbledore will. Einen blinden und unselbständigen Befehlsempfänger, eine Schachfigur, für seinen Plan, für das größere Wohl..."

Ein paar Sekunden ließ Voldemort seine Worte einwirken.

°Aber...aber...° kam es ganz zaghaft von Harry °Was ist mit deinem Plan? Warum bringst du so viel Leid in unsere Welt? Warum wolltest du mich töten, nur wegen der Prophezeiung?°

Voldemort war erstaunt. Dass das so schnell geht hätte er nicht erwartet. Irgendetwas muss in dem Jungen vorgegangen sein, ohne das es ihm selbst bewusst ist. Etwas dass ihn jetzt schon dazu brachte diese Fragen zu stellen. Ausgezeichnet.

Einen Moment lang schwieg Voldemort. Harry befürchtete schon wieder zu voreilig gesprochen zu haben doch dann drehte sich Voldemort so zu ihm das er ihm direkt in die Augen sehen konnte.

„Was meinen Plan angeht" begann er langsam, „davon erzähle ich dir wenn du soweit bist. Die Prophezeiung ist etwas anderes. Ich kann mit Devination nicht viel anfangen. Prophezeiungen, Vorhersagen und ähnliches sind ungenau. Ich verlasse mich lieber auf meinen Verstand und mein können. Dumbledore hingegen, ist, auch wenn er es geschickt benutzt, ein romantischer Träumer.

Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen das der alte Narr dir die Geschichte mit der Prophezeiung so oft und so glaubhaft erzählt hat das es für dich gar keine andere Wahrheit gibt. Ich kenne nur einen Teil davon. Du und Dumbledore sind die einzigen zwei die sie vollständig kennen. Nur der Zufall wollte es das ich und eine zweite Person zum Teil davon wissen. Natürlich passt dank dieser Prophezeiung alles zusammen. Aber, geh jetzt nur von Dir aus. Passt es für dich und dein Leben denn zusammen? Wäre alles genauso gekommen wenn Dumbledore nicht so großen Wert auf die Prophezeiung gelegt hätte? Denk einmal darüber nach." Dann stand er abrupt auf und sprach weiter: „Ich werde jetzt gehen. Ruh dich aus!"

Voldemort war schon fast an der Tür als ihn Harry erneut überraschte.

°Warte! Ich...wollte etwas fragen...° Harry wusste nicht genau wie er fragen sollte noch weniger wusste er ob das richtig war was er da gerade tat, aber irgendetwas in ihm brachte ihn dazu.

„Ich sagte doch das ich dir meinen Plan erkläre sobald du bereit bist. Wenn es dein Wunsch ist werde ich dich vorbereiten. Du musst noch einiges lernen um es verstehen zu können."

Harry nickte und Voldemort verließ das Zimmer.

Nach Voldemorts Monolog legte sich Harry wieder auf das Bett. Er musste nachdenken. Auf einmal schien sich alles um ihn zu verändern und das viel zu schnell. Er hatte Angst das er nicht hinterher kommen würde. Seine ganze Welt hatte sich auf den Kopf gestellt.

Dumbledore sollte nicht der sein der er vorgab zu sein? Voldemort glaubte nicht an die Prophezeiung. Ja auf einmal war es Voldemort der ihm half, ihn versorgte und mit ihm sprach. Dieses Gespräch eben, hatte mehr gebracht als die üblichen Gespräche die er mit Dumbledore in den letzten Jahren immer zum Ende des Schuljahres geführt hatte. Wie kommt das bloß? Und jetzt hatte er, Harry auch noch von sich aus gefragt ob Voldemort ihm helfen kann die Dunkle Seite zu verstehen.

Harry entschied das er schlafen musste. Da alles kann man nicht einfach so begreifen. Ohne große Mühe fand er in den Schlaf. Unablässig träumte er. Von Dumbledore und den Dursleys wie sie gemeinsam die „Erziehung" von Harry planten; Von Voldemort wie er ihn zu einem Todesser machte, von der Halle der Prophezeiungen und noch vielem anderen das er zum Teil gleich wieder vergaß. Das meiste allerdings weckte Neugier und Fragen.

Am frühen Abend erwachte er wieder und fand einen Stapel mit einigen Büchern auf seinem Nachtschrank. Ein großes Buch über Alle Zweige der Magie, eines über Magische Geschöpfe (vor allem mit jenen die als „dunkel" oder „böse" bezeichnet werden)und ein recht kleines, unauffälliges mit dem Titel „Dunkle Künste". Dieses Ließ Harry vor Schreck glatt fallen. Doch das selbe Gefühl, das ihn überhaupt zur Frage nach Hilfe gebracht hatte, bewegte ihn wieder das Buch aufzuheben.

Zuerst wunderte er sich sehr darüber dann aber fühlte er etwas neues: Dankbarkeit und eine Art Freude keimten in ihm auf. Voldemort verhielt sich sehr seltsam, nein, ungewohnt. Denn das passte auch zu dem Bild das er in den letzten zwei Tagen von dem Mann gewonnen hatte.

Noch gut verborgen in seinem Unterbewusstsein regte sich noch etwas, etwas das noch herausgelockt werden musste: Hoffnung.

Soviel zu diesem Kapitel. Ich hoffe es hat euch gefallen. Ich bin nicht Sicher ob die Figuren nicht zu OOC sind aber es ist echt schwer sie mit den Rahmenbedingungen der Geschichte glaubhaft zu schreiben. Bitte Verzeiht wenn´s nicht ganz hinhaut.

Wie schon gesagt. Reviewt fleißig und schreibt auch ein paar Ideen für die Geschichte mit rein. Zusammen bekommen wir das hin ;)

Also, bis zum nächsten Mal, bleibt mir gewogen, Euer Phil.