Kapitel 10
„Hermine, was ist nur mit Harry los? Irgendwie benimmt er sich seltsam. Ich weiß, das was er durchgemacht hat kann keiner so richtig nachfühlen. Aber irgendwie ist er mir so...
ich weiß nicht... fremd.", sagte Ron als er mit Hermine im Gryffindorgemeinschatfsraum saß.
„Ich weiß was du meinst, aber ich denke, er wird einfach noch Zeit brauchen. Er ist ja direkt aus dem Krankenhaus wieder in die Schule gekommen. Bestimmt ist es sehr schwer für ihn."
„Aber ich verstehe nicht warum er dann nicht mit uns darüber spricht. Wir sind doch seine Freunde. Er kümmert sich um alles Mögliche, nur nicht mehr um uns. Auch jetzt ist er schon wieder in der Bibliothek. Wenn er nicht am Hausaufgaben machen ist, trainiert er mit dem Quidditchteam. Und jetzt will er auch noch die DA wieder starten. Warum das denn?"
„Ich weiß es auch nicht", antwortete Hermine geduldig. „Warum sprichst du nicht einfach mal mit ihm darüber? Bestimmt kann er es dir erklären."
„Meinst du?...So richtig glaube ich nicht daran. Wenn ich daran denke... Wir haben so lange nach ihm gesucht; wir haben so lange auf ihn gewartet. Und wenn ich auch nur versuche mir vorzustellen was mit ihm passiert ist, wird mir ganz anders. Es ist ein Wunder das er noch am Leben ist. Und trotzdem macht er es uns schwer mit ihm umzugehen. Das ist doch nicht normal!"
Wieder schaukelte Ron sich in seiner Rede hoch. Hermine konnte für ihn jetzt auch nichts mehr tun. Sie stand auf und sagte: „Ich muss noch einmal in die Bibliothek. Versuch darüber nachzudenken was du Harry sagen willst. Ich bin sicher ihr werdet euch einig." Sie lächelte ihn aufmunternd an und ging.
Schon am nächsten Tag, wollte Ron sich mit Harry aussprechen.
„Sag mal Harry, warum willst du unbedingt die DA wieder beleben?", fragte Ron in einer Pause.
„Weißt du, ich dachte das es wichtig ist sich jetzt, da alle wissen das Voldemort zurück ist, zusammen zu tun und auf den Kampf vorzubereiten."
„Ja schon irgendwie. Aber ich dachte die DA war hauptsächlich um Umbridge eines auszuwischen."
„Das auch Ron. Aber wie ich schon letztes Jahr gesagt habe, wir müssen uns dem stellen was außerhalb von Hogwarts auf uns wartet. Wir sind in unserem vorletzten Jahr, Ron. Es wird bestimmt nicht ewig auf sich warten lassen bis der Krieg losgeht."
„Das sehe ich ja alles ein. Aber wir sind und bleiben Schüler. Warum bist du plötzlich so versessen darauf zu kämpfen? Was ist nur los?", die letzten Sätze von Ron wurden mit jedem Wort energischer.
„Ich...kann es Dir nicht erklären.", gab Harry kurz und zögerlich zurück. Da erschien auch schon der Lehrer und ihr Gespräch wurde jäh beendet.
Samstagabend im Raum der Wünsche. Von der DA hatten sich etwas weniger als die Hälfte eingefunden. Harry war sowohl enttäuscht als auch erleichtert. Enttäuscht war er, weil sich nur so wenige wieder zusammengefunden hatten, erleichtert aber, weil es für ihn einfacher war mit weniger zu beginnen. Es waren auch hauptsächlich die gekommen, mit denen er gerechnet hatte. Nämlich die, welche auch im Ministerium, dabei waren. Also, ganz klar, Ron und Hermine (wobei Ron aussah, als hätte er eine Flasche Essig getrunken) und Neville und Luna. Es waren auch noch eine knappe Handvoll andere Gryffindors mit dabei. Aus den anderen Häusern waren auch welche da, aber wie letztes Jahr weniger. Noch zwei aus Ravenclaw und einer aus Huffelpuff.
Die kleine Gruppe hatte sich in die Mitte des Raumes gestellt und alle Gesichter waren Harry zugewandt.
„Also gut. Erst einmal find´ ich es klasse das ihr alle da seit. Ich habe euch heute hergebeten damit wir die DA wieder neu aufmachen. Ihr alle wisst dass Voldemort zurück ist. Grade Ihr, die ihr mit mir im Ministerium wart, könnt das bestätigen."
Harry machte ein kurze Pause. Gut, er hatte von allen die Aufmerksamkeit. Die Worte, die er nun sprechen wollte musste er sorgfältig auswählen.
„Es ist doch so", sagte er, „Wir haben die DA gegründet um uns gegen unsere Feinde wappnen zu können. Wir müssen für uns selbst denken und uns unser eigenes Bild von der Welt machen. Das geht aber nicht wenn wir uns unterdrücken lassen. Es ist an uns, diesen Krieg zu beenden. Und dafür will ich kä ich kann das nicht allein. Wenn Wir gewinnen wollen müssen Wir auch zusammenarbeiten und zusammenhalten."
Anerkennendes Murmeln regte sich unter den Schülern. Fast alle nickten mit den Köpfen und Ihre Mienen hatten sich erhellt.
`So weit so gut. Aber der schwierige Teil kommt erst noch.´, dachte sich Harry obwohl er mit dem Ergebnis erst einmal zufrieden war. Er gestaltete seine erste Stunde ganz einfach mit Erzählungen und ein paar Übungen zu den Dingen, die er ihnen im letzten Jahr beigebracht hatte.
Der erste Teil seines Planes war also in die erste Phase gegangen. Die zweite Phase musste er ab jetzt außerhalb des Raums der Wünsche bearbeiten.
Genau damit begann er am nächsten Tag. Zum einen in Slughorns Unterricht als er vor den Augen seiner Freunde, nett zu Malfoy war. Was Hermine und vor allem Ron am meisten überraschte war, dass eben dieser Draco Malfoy, Harry gegenüber auch freundlich war. Was war denn jetzt los?
Aber Harry musste ganz dick auftragen. Denn schon in Snapes Unterricht wurden der Slytherin und Gryffindor wieder zusammen gestellt. Sie sollten paarweise arbeiten. Snape hatte auch beschlossen, das alle Paare auch bis zum Ende des Schuljahres bestehen bleiben sollten. Fast die ganze Klasse stöhnte,wobei Ron ganz besonders theatralisch aufheulte. Nach außen hin, hatte Harry sein Bestes gegeben um sich vor seinen Freunden und Klassenkameraden ins rechte Licht zu stellen.
Oh Wunder, oh Wunder, selbst die Zusammenarbeit verlief einigermaßen friedlich. Natürlich zofften sich Harry und Draco hin und wieder, aber es musste ja keiner wissen das sie es taten, weil sie es so abgesprochen hatten (und sich außerdem noch dabei amüsierten). Seit über einer Woche waren sich Harry und Draco schon grün. Anfeindungen, wann immer sie sich sahen, gehörten zur Show.
Im Gemeinschaftsraum machte er weiter. „Sag mal was war das denn heute?", maulte Ron, als er sich neben Harry auf das Sofa fallen ließ.
„Was meinst du?"
„Dich und Schleimbeutel-Malfoy."
„Wieso? Meinst du weil wir uns nicht wie die letzten Jahre gegenseitig an die Kehle gegangen sind?"
„Ja.. Nee. Ich meine Malfoy ignorieren sehe ich ja noch ein. Aber, ich weiß auch nicht... es war irgendwie seltsam, dass... dass..."
„Dass was?", fragte Harry betont irritiert, „Dass wir miteinander gesprochen haben ohne uns anzugiften?"
Hermine, die an einem Tisch daneben saß und in einem Buch las schaute nun zu ihren beiden Freunden rüber: „Es stimmt schon, dass es eigenartig ist, Harry. Aber zur Zeit sind alle irgendwie anders. Ist irgendetwas vorgefallen?"
„Nun, wisst Ihr... Ich wollte eigentlich nicht darüber reden..."
„Nur keine Sorge Harry. Du weist, du kannst mit uns über alles reden.", sagte Hermine sanft.
Harry holte tief Luft. „Also gut. Es war so, dass ich im Zug weder euch, noch ein freies Abteil gefunden hatte. Zumindest dachte ich das. Ich habe in ein Abteil geschaut, das leer zu sein schien. Aber als ich da rein gegangen bin, war Malfoy drin. Tja aber nach meinem Sommer wollte ich mich nicht streiten. Darum habe ihn gebeten mich einfach in Ruhe zu lassen. Und...naja... ob ihr´s glaubt oder nicht, aber er hat mich in Ruhe gelassen.
Tja...und dann vorletzte Woche haben wir uns soll ich sagen... es klappt."
„Du hast dich mit Malfoy – dem Frettchen- Malfoy- versöhnt?! Jetzt hör aber auf Harry. Der ist auf der Seite von Du-weißt-schon-wem. Der verstellt sich doch nur um dich in die Irre zu führen."
„Ach Ron, meinst du nicht das auch ein Malfoy noch eine Chance verdient hätte?", fragte Hermine. Ihr gefiel der Gedanke von Häuser übergreifenden Freundschaften. Oder dass sich Gryffindor und Slytherin wenigstens nicht mehr so sehr bekämpften.
„Nein. Warum denn ausgerechnet Malfoy? Und die anderen Slytherins können mir gestohlen bleiben. Sind doch eh alle gleich.", keifte Ron.
„Also wenn es für Harry okay ist, ist es das für mich auch. Ich vertraue ihm da.", fauchte Hermine zurück.
„Macht doch was ihr wollt.", knurrte Ron seine zwei Freunde an und stürmte davon, in seinen Schlafsaal.
„Ich verstehe nicht was mit ihm los ist.", sagte Hermine beschwichtigend, „Er hat sich große Sorgen um dich gemacht - so wie ich auch. Aber ihr habt euch dieses Jahr irgendwie... auseinander gelebt. Du bist sein bester Freund. Bist aber mehr in der Bibliothek als mit ihm zusammen. Ihr spielt kein Schach mehr und Quidditch spielt Ihr nur noch im Training, Ihr macht fast nichts mehr gemeinsam, selbst die Hausaufgaben macht ihr unabhängig von einander. Das ist es was Ihn stört. ..."
Hermine schwieg danach für ein paar Minuten und ließ Harry Zeit, das Gesagte einsickern zu lassen. „Und was Malfoy angeht, bleibe ich bei dem was ich gesagt habe, Harry.
Um eines möchte Ich dich aber bitten. Wenn du dich tatsächlich so gut mit Malfoy verstehst, dann sorge dafür dass er sich benimmt."
„Danke, Hermine. Und das Malfoy keine Sachen mehr sagt, die sich nicht gehören, dafür werde ich schon sorgen.", sagte Harry und schenkte ihr ein echtes, fröhliches Lächeln.
Seit das Schuljahr begonnen hatte, fütterte er seine Hauskameraden mit einzelnen, gut gewählten Dingen über seine Zeit im Kerker. Alle sollten sehen, das es ihm doch nicht so gut ging, wie er es immer zeigte.
...Obwohl es ihm tatsächlich prächtig ging.
Harry hoffte nur, dass er die Schauspielerei bald beenden könnte, es wurde doch langsam anstrengend. Er musste aber zugeben, das es ihm doch Spaß machte.
Was Harry auch sehr spaßig fand waren die Neuigkeiten aus dem Tagespropheten. Das neueste Gesprächsthema unter den Schülern und wohl auch vom Rest der Zauberwelt war ein aufstrebender Politiker. Nicht nur, dass er jünger war als der aktuelle Minister für Zauberei, sondern auch seine politischen Ideen und Ansichten waren in vielen Dingen grundverschieden. Natürlich gab es viele Stimmen die sagten, dass er ein Todesser wäre... aber das musste ja auch nicht stimmen. Es versprach spannend zu werden.
Über einige Tage hinweg musste er sich etwas mehr um sein Publikum bemühen. Zu beginn des Jahres wollt er nur den verschlossenen Potter spielen, der alles wieder normal haben wollte. Seit er mit Draco seinen Plan festgelegt hatte wollte er sich zeigen als ob er unter enormen Druck stünde und es bald nicht mehr aushielte. Wenn er etwas vom Tagespropheten gelernt hatte, dann dass Real ist woran man glaubt. Also musste er die Schüler seines und der anderen Häuser glaubend machen.
Er suchte immer die richtigen Zuhörer, denen er alles im Vertrauen sagte (und hoffte das die es schön aufgebauscht, ganz im Vertrauen, weitererzählten). Rein zufällig verplapperte er sich dazu auch noch. Über Dinge die er sich nicht getraut hatte zu sagen, nachdem er befreit worden war. Dinge, die er mit angehört hatte und es schrecklich wäre wenn einer wüsste, dass er es weiß. Aber die Last, so etwas zu wissen sei so schwer und er müsse endlich darüber reden. Neben dem Gemeinschaftsraum war Harrys bestes Arbeitsfeld aber die Bibliothek. Dort konnte er nicht nur die Bücher durchkauen, die er noch auf seiner persönlichen Liste stehen hatte, hier hatten die anderen,besser die Möglichkeit ihn, wie gewollt, zu belauschen.
Ein wenig tat es ihm schon Leid seine Freunde und die anderen Schüler zu täuschen. Aber diejenigen, die auch am Ende noch auf seiner Seite stehen, die sind eh diejenigen, die schon richtig dachten und nur noch überzeugt werden mussten.
In der selben Zeit machte er sich unter einem Vorwand in der Bibliothek auf die Suche nach Informationen über Dumbledore. Hermine und Draco halfen ihm dabei. Wobei er zwischen den beiden erst eine Art Friedensvertrag aushandeln musste. Zu guter Letzt konnte er beide zu einer Einigung bewegen. Harry war klar, dass er für die Leute von der DA Hermine brauchte. Sie war nicht nur die beste Schülerin seines Jahrgangs, sie war auch diejenige die am besten Nachforschungen betreiben konnte. Wenn jemand die Leichen im Keller von Albus Dumbledore finden konnte, dann sie. Und sie würde dann auch die anderen noch besser überzeugen können.
Leider gab es über Dumbledore zu wenig Anhaltspunkte. Es stand zwar in manchen Büchern eine Fußnote über ihn, doch hatten sie noch keinen wirklichen Anhaltspunkt. Bis jetzt wussten sie kaum mehr als das, was auf einer Schokofroschkarte stand.
Diejenigen, die von der DA übrig geblieben waren spornte er auch dazu an sich an Dumbledore zu orientieren. Jeder sollte so viel wie möglich über den Schulleiter wissen. Schließlich hatte er Grindelwald besiegt, er hat den Orden des Phönix gegründet und er hat doch auch schon gegen Voldemort persönlich gekämpft. Er gab ihnen den Auftrag dass sich jeder auf nur jede erdenkliche Weise daran machen sollte etwas über den Alten in Erfahrung zu bringen und das Ergebnis würde in der gesamten DA ausgewertet. Dafür stellen sie eine Tafel auf an der alle Ergebnisse gesammelt wurden. Jeder konnte zu jeder Zeit etwas, dass er heraus gefunden hatte, hinzufügen.
Mitte Oktober schwitzte Harry Blut und Wasser. Die DA lief langsam an und es hatte den Anschein als entwickele sich die Sache zu seinen Gunsten. Nur Ron war ihm ein Dorn im Auge. Er machte es ihm schwer sich öffentlich mit Draco oder sogar anderen Slytherins abzugeben. Mit Ron stritt er sich in letzter Zeit mehr und das auch noch über Kleinigkeiten. In der letzten Zaubertrankstunde gelang Harry es Professor Slughorn, wieder einmal, zu überraschen. Bei einem kleinen Wettbewerb erhielt er als Erstpreis eine klein Phiole mit dem Trank „Felix Felicis"- Flüssiges Glück wenn man so will. Gerade dass brachte ihm von einer bestimmten Person alles andere als anerkennende Blicke ein.
Kaum hatte er das Fläschen erhalten stürmte ihm eine Idee durch den Sinn. Genau! Das war es was er tun musste. Dann kam auch noch das erste Quidditchspiel in diesem Jahr. Da Harry Teamkapitän war musste er sich auch darum kümmern die Mannschaft zusammen zu stellen, sie zu trainieren und die Strategie festlegen.
Oh Merlin, er konnte sich inzwischen schon vorstellen wie es Voldemort ging. All die Leute beisammen zu halten, alles zu Planen, zu kontrollieren und für den Ernstfall noch eine Hintertüre haben – wie konnte einer allein das schaffen?
Harry war wirklich dankbar, dass er noch Severus und Draco an seiner Seite hatte.
Am Morgen vor dem Spiel saß Harry schon sehr früh beim Frühstück. „Hast du gehört? Der Typ, der sich zur nächsten Wahl Minister für Magie werden will, hat gesagt, das er die Werwolfgesetzte zu deren Gunsten verbessern will.", hörte er ein paar Mädchen hinter sich tuscheln. Er lächelte als er das hörte.
Da kamen auch schon Ron und Hermine zum Essen. Auch wenn er sich in letzter Zeit öfters mit Ron stritt, wollte er ihn trotzdem, beim Frühstück, Motivieren.
„Hey Ron.", sagte er gut aufgelegt, „Die letzte Zeit war zwar schwierig aber ich denke, das wird sich alles entspannen, wenn wir heute ein gutes Spiel liefern. Ich glaube daran das du heute einen klasse Hüter abgeben wirst. Also, iss ordentlich. Wir sehen uns später."
„Ähmm, Danke Harry.", perplex schaute er seinen Freund an. Dieser lief schon fröhlich winkend zur Halle hinaus.
Tatsächlich zeigte Ron 1A Leistungen. Er ließ von den Angriffen, die dann doch durch kamen, kaum einen Treffer zu. Harry sah das erste Mal seit langem wieder voller Stolz zu Ron herüber. Der junge Weasley hatte sich als die richtige Wahl als Hüter erwiesen.
Eine Weile schaute Harry dem Spiel zu bis er dann fand, dass es Zeit wurde selbst einmal etwas zu tun und machte sich auf die Jagt nach dem Schnatz. Und tatsächlich fing er den kleinen, goldenen Ball in kurzer Zeit und beendete damit das Spiel. Gryffindor siegte aber nicht nur weil Harry den Schnatz gefangen hatte, sondern weil sowohl Hüter als auch Jäger ganze Arbeit geleistet hatten.
Auf dem Weg zur Siegesfeier klopfte Harry Ron auf die Schulter und sagte: "Großartig Kumpel. Du bist klasse geflogen! Ich hoffe das du bei den nächsten Spielen dich noch genauso anstrengst. Dann gewinnen wir ganz sicher. Ach ja, und vergiss nicht die DA, Ich brauche dich da um die Zauber zu demonstrieren..."
Kurz machte Harry eine Pause, bis er weiter sprach: „Oh, und ich muss dir leider doch für das Freundschafts-Schachturnier absagen. Ich muss noch was in der Bibliothek nachlesen."
„Was?", fauchte Ron erbost, „Alles woran du denkst ist das nächst Spiel, die DA und dass du in der Bibliothek noch was machen musst. Das machst du doch immer! Du machst gar nichts anderes mehr. Du hängst mehr in den Büchern als Hermine. Und dann treibst du dich auch noch mit Slytherins rum. Du bist nur noch am kämpfen. Du musst doch verrückt sein. Krank im Kopf. Völlig durchgeknallt." Wutendbrannt stürmte Ron davon. Harry sah noch das er in eine andere Richtung abbog als zum Gryffindortum.
Mit schnellen Schritten eilte Ron zum Büro des Direktors. Die kleine Stimme in seinem Kopf die ihm sagte, dass er wegen so etwas doch nicht zu Dumbledore gehen musste um sich aus zu heulen, ignorierte er solange bis sie verstummte.
„Komm nur herein, mein Junge.", sagte Dumbledore nachdem er angeklopft hatte, „Was gibt es denn, wie kann ich Dir helfen?"
„Professor.", sagte Ron, wobei er sich nur mit Mühe im Zaum halten konnte, „Harry ist krank. Wer weiß was ihm von Du- weißt- schon-wem angetan wurde. Sein Körper ist wieder gesund, aber in seinem Kopf ist etwas nicht richtig."
„Ich glaube du hast Recht.", antwortete der Direktor langsam, „Es kann sein das er ein Trauma davon getragen hat. Er braucht umgehend Hilfe. Es war gut das sie zu mir gekommen sind Mr. Weasley. Ich werde mich darum kümmern."
Als Ron das Büro des Direktors verlassen hatte dachte der Alte 'Es stimmt schon das Harry anders ist. Und wenn es so weiter geht entwickelt es sich ganz bestimmt zu meinem Nachteil. Er macht nicht was ich ihm sage. Wenn der Wanst sich nicht wieder einkriegt, muss ich härter Maßnahmen ergreifen, so dass er wieder auf mich hört. Ich kann keine Waffe gebrauchen, die kaputt ist. Nur gut das der Weasley Junge gekommen ist - da muss ich es nicht ausbaden´
Er war genervt und entgeistert. Heute Nachmittag musst er zu dem Geistesheiler um über sein Trauma zu sprechen. 'Man, das ist alles nur Rons Schuld. Er musste ja ausgerechnet bei dem langbärtigen Sack petzten.'
Voller Unbehagen öffnete er die Tür hinter der der Heiler auf ihn lauerte. Als er den Raum betreten hatte stand vor ihm ein Mann mittleren Alters, mit Hornbrille und grauen, anscheinend sehr widerspänstigen Haaren, der ihm verdächtig bekannt vorkam.
„Sie sind Mr. Potter, nicht war. Ich bin Geistesheiler Karfiol. Guten Tag."
„Guten Tag", sagte Harry und schüttelte, verwirrt die ihm zu gestreckte Hand.
„Sagen Sie, kennen wir uns nicht irgendwoher?", fragte e drauf los.
„Aber, aber, wer wird denn gleich mit der Tür ins Haus fallen?! Beantworten sie mir zuerst eine Frage", sagte der Mann freundlich, „Wie geht es ihnen denn heute?"
„Soweit gut. Ich kann nicht klagen", Harry sah ihn verständnislos an.
„Prächtig! Dann kann ich ihnen bedenkenlos hunderprozentige Gesundheit attestieren. Außerdem kann das niemand besser bezeugen als ich.", dabei neigte er seinen Kopf etwas nach vorne und sah Harry über die Brille hinweg an, seine bis eben noch grünlichen Augen schimmerten für einen Moment rot.
Plötzlich fiel der Groschen (oder der Knut – was immer Ihr wollt ;))
„Du bist es wirklich!", jubelte Harry, „Wie bist du nur hier herein gekommen?"
„Das war nicht weiter schwer. Schließlich hat mich Dumbledore persönlich eingelassen. Außerdem wollte ich mir nicht die Chance entgehen lassen persönlich nach dir zu sehen."
Harry lächelte. „Danke. Wie ich schon gesagt habe. Mir geht es gut. Es ist zwar alles ein wenig viel, mit Schule, Quidditch und deinen Aufträgen aber ich denke, Manches wird sich bald erledigen oder zum Selbstläufer. Ich nehme mir sogar Zeit um regelmäßig in der Bibliothek über alles was du mir beigebracht hast Nachforschungen anzustellen. Für meinen Plan macht es sich auch nicht schlecht."
„Großartig. Ich freue mich das du nicht nur Fortschritte machst, sondern das sich alles so gut entwickelt. Aber als dein Geistesheiler gebe ich dir den Rat, dass du dich nicht überanstrengst." Dabei legte er ihm fürsorglich die Hand auf die Schulter.
Harry rollte die Augen. Man Tom konnte wirklich eine Glucke sein... Obwohl, es fühlte sich gut an.
Eine Weile sprachen sie miteinander. Dann stellte „Heiler Karfiol" fest, dass die Stunde, in der er Harry therapieren sollte, schon wieder um war. Sie wollten sich gerade verabschieden, da sagte Tom: „Warte Mal. Wenn du so oft in der Bibliothek bist, dann frische doch dein Wissen über Werwölfe ein wenig auf."
Wieder war es Samstagabend. Harry ging gut gelaunt vor dem Abendessen zum Gryffindorturm hoch. Er hatte noch Zeit ehe er sich mit seinen DA-Leuten treffen wollte. Da er nicht wusste wie lange seine Unternehmung dauern würde, hatte er beschlossen das Abendessen ausfallen zu lassen. Oben angekommen nahm er die Phiole mit Felix- Felicis hervor. Er entkorkte sie, sah sich die goldene Flüssigkeit kurz an und trank schnell einen kleinen Schluck davon (bevor er es sich vielleicht noch anders überlegte). Als er die Flasche von den Lippen genommen hatte sah er, dass er nur knapp die Hälfte davon getrunken hatte. Sogleich verkorkte er sie wieder und steckte die Phiole wieder weg. Dann spürte er es. Eine wunderbare Leichtigkeit durchströmte ihn. Nichts besorgte ihn mehr, er füllte sich frei und unbeschwert. Es war soweit und er machte sich auf den Weg. Sein Bauchgefühl sagte ihm ganz deutlich, dass er in die Bibliothek gehen musste.
Dort angekommen fragte er Maddam Pince ob sie Professor Slughorn gesehen hätte. Die ältere Dame antwortete ungewohnt freundlich dass er gerade in der Verbotenen Abteilung sei, er müsse nur den Gang dort nach hinten gehen. Harry bedankte sich für die Auskunft und ging zu dem hinteren Teil der Bibliothek. Den Professor fand er dort sofort.
„Ah Mr. Potter. Welch eine Freude Sie hier zu sehen. Kann ich Ihnen irgendwie helfen, brauchen sie ein Buch aus der Verbotenen Abteilung?", Slughorn strahlte übers ganze Gesicht als er Harry sah und mit ihm sprach.
„Da bin ich nicht ganz sicher, Sir. Ich habe einen Auftrag bekommen und da soll ich herausfinden was Horkruxe sind."
„Horkruxe!", stieß der Professor erschrocken aus, „Mr. Potter, das ist wirklich kein Thema mit dem sie sich befassen sollten. Es handelt sich dabei um schwarze und sehr gefährliche Magie."
„Aber Sir, ich wurde von Dumbledore persönlich beauftragt, heraus zu finden, was das ist."
„Von Dumbledore selbst?", fragte Slughorn erstaunt. Es klang auch nicht mehr ganz ablehnend, „Nun, wenn das so ist. Aber eines muss ich ihnen vorneweg sagen: Das alles bleibt unter uns. Ich habe ihnen nie etwas gesagt und sie haben nie etwas gefragt. Kein Wort mehr, verstanden?!"
Harry nickte zustimmend. Slughorn drehte sich um und ging los. Harry folgte ihm leise. Er ging zu einem Regal im hintersten Teil der Verbotenen Abteilung. Dort suchte Slughorn eine Weile nach einem Buch, er tippte es mit seinem Zauberstab an und alle Bücher in dem Regal drehten sich einmal um sich selbst. Solange bis alle ihr Aussehen, in Größe, Farbe, Form und Rückenbeschriftung, verändert hatten. Wieder suchte der Lehrer. Er zog schließlich ein kleines in dunkelgrünes Leder gebundenes Buch hervor.
„Hier, das Meiste kann ich nicht lesen.", sagte Slughorn leise, „Aber ein paar Seiten sind in Altenglisch geschrieben und lassen sich durchaus entziffern."
Bis auf diesen Satz blieb der ganze Vorgang wortlos. Das meinte Slughorn also, Harry nahm das Buch entgegen und verstaute es, nachdem er es geschrumpft hatte, in seinem Umhang.
Als alle Bücher sich wieder zurück verwandelt und Harry Slughorn gedankt hatte, machte er sich auf den Weg in den siebten Stock.
Im Raum der Wünsche scharrte Harry alle seine Kammeraden um sich. Auch heute Abend waren es noch genauso viele wie beim ersten Mal.
„Freunde, ich habe euch zwei sehr wichtige Dinge mitzuteilen. Zu erst möchte ich euch neue Mitglieder unserer Gruppe vorstellen. Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, bin ich mit Draco Malfoy und ein paar Anderen aus dem Hause Slytherin zu … wie soll ich sagen.. einem freundschaftlichen Verhältnis gekommen. Und na ja, ich bin zu der Überlegung gekommen, das Kriegsbeil mit ihnen zu begraben."
Harry stand auf und ging zu einer Wand, die bis eben noch leer war. Eine Seitentür war soeben erschienen.
Er öffnete die Tür, durch sie traten Draco, Pansy Parkinson, Blaise Zabini sowie Vincent Crabbe und Gergory Goyle ein. Der Schockmoment für die Gruppe war enorm. Trotz der Tatsache das Harry versucht hatte sie vorzubereiten.
„Warum denn ausgrechnet sie?" fing Ron an zu maulen. Aber er wurde sofort von Parkinson (mit einem klitzekleinen Zauber) zum Schweigen gebracht. „Bleib ganz ruhig Weasley. Ich weiß was du und vielleicht auch ihr Anderen alle denkt. Ihr glaubt wir wären nur hier um für den dunklen Lord zu spionieren und heraus zu finden was die andere Seite vor hat. Aber ich kann euch sagen das, wir, die wir heute hier sind, nichts dergleichen im Sinn haben. Was wir wollen, genauso wie ihr, ist das der Krieg endet."
Dem schloss sich auch Zabini an: „Hört mal, wir sind auf Einladung Harrys hier. Und wenn er uns keine Chance gegeben hätte wäre das hier nie möglich gewesen."
„Wisst ihr, ich finde wir sollten sie dabei haben. Der sprechende Hut hat doch auch davon gesprochen das Einigkeit unter den Häusern herrschen sollte. Warum machen wir nicht den Anfang?" Alle anwesenden starten groß, den niemand anderes als Luna, hatte sich mit diesen Worten geäußert. Sie fügte noch hinzu „Außerdem vertraue ich Harry."
'Klasse', dachte Harry, 'Das Luna etwas gesagt hat ist viel wert. Sie funktioniert wie ein Barometer und weiß immer woher der Wind weht´
„Das tue ich auch.", sagte Neville, der nun auch aus seiner inneren Erstarrung erwacht war.
„Wenn Harry euch vertraut, dann werde ich euch auch eine Chance geben."
Einer nach dem anderen stimmte in das Gespräch ein. Nichts anderes als Zustimmung war zu hören. Nachdem sich jeder zu Wort gemeldet hatte, lagen alle Blicke auf einem, Ron Weasley.
„Was wollt Ihr. Ich mache dabei ganz bestimmt nicht mit. Ich tue mich nicht mit den Schlangen zusammen. Und wenn Ihr euch auf den Kopf stellt. Ich seit doch alle krank. Ich habe auch nichts anderes zu Dumbledore gesagt.", fauchte der nicht mehr verzauberte Rotschopf. Er sah nun Harry an, „Du kannst dir diese Gruppe sonnst wo hin stecken, du Irrer. Brauchst dich nicht zu wundern, dass du zum Psychodoktor musst."
Ron war schon im Gehen begriffen als Harry in noch einmal Ansprach: „Warte noch Ron. Du kannst gehen, ich hindere dich nicht. Aber eines solltest du noch hören."
Ron wusste selbst nicht warum. Aber er hielt inne um zuzuhören, auch wenn er sich nicht umdrehte.
In Harrys Kopf flüsterte Felix Felicis weiter was Harry zu tun hatte. Und so begann er zu erzählen was im Sommer passiert war. Von den Schlägen seines Onkels, wie Voldemort ihn gerettet hatte, von seinen Heilungen und von all den Wunderlichkeiten die er im Hause Voldemorts erlebt hatte. Klar hatte er auch manches weg gelassen - die Sache im Ministerium zum Beispiel. Aber das war auch gar nicht von Belang.
Um seine Ausführungen zu stützen wandte er sich der Tafel zu, die gespickt war mit allen Informationen über Dumbledore, die jeder von ihnen gesammelt hatte. Immer wieder, während er sprach, meldeten sich seine Freunde zu Wort, mit Fragen und häufiger noch, mit Ergänzungen zum Thema Dumbledore. Es erstaunte Harry selbst wie, eifrig jetzt alle dabei waren was dazu zu sagen. Während sie sprachen und Ihre Sammlung durchgingen, erkannten die einzelnen Gruppenmitglieder erst, wie viele Ungereimtheiten es gab wenn Dumbledore irgendwo beteiligt war. Harry hatte inzwischen seine Geschichte schon beendet, da war noch eine rege Diskussion im Gange. „Ich verlange nicht das Ihr für Voldemort kämpft. Ganz bestimmt nicht. Aber wie ihr selbst seht ist Dumbledore nicht die bessere Wahl.", sagte er noch.
Hier hatte sich etwas getan. Diese Gruppe wollte nicht mehr treu-doofer Diener eines alten, machtgierigen Scharlatans sein. Auch nicht einer von Du-weist-schon-wer; Nein hier war ein dritter Mitspieler entstanden.
Nur Harry hörte Felix- Felicis in seinem Kopf flüstern, dass auch das sich noch weiter wandeln würde. Es konnte am Ende nur eine der Großmächte gewinnen.
Als die anderen weiter sprachen ging er zu Ron, der sich inzwischen halb umgedreht hatte. Er sah traurig, resigniert und ein wenig hilflos aus.
Harry sagte nichts, dann beschränkte sich seine Frage nur auf ein Wort: „Ron?"
„Lass mir Zeit, Harry. Ich muss darüber nachdenken.", damit verließ er den Raum der Wünsche.
Die DA war neu geformt. Sie wurden zu den „Schatten.". Alle vier Häuser waren vereint. Und sie würden nicht nur Dumbledore schlagen, sondern auch den Krieg beenden.
