(Disclaimer und beta siehe Ch.1)
Sorry dass ich diesmal so spät update! Ging nicht schneller. ; )
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4. Kapitel - Heimkehr nach Hogwarts
Es war seltsam, nach so langer Zeit wieder in der großen Halle zu stehen.
Harry sah sich um. Nichts hatte sich verändert. Und doch war das Gefühl ein anderes, welches er beim Betreten der Halle hatte. Wo er bisher immer gespürt hatte, wie Hogwarts ihn willkommen hieß, und sich dankbar zurück in den Schoß der Schule begeben hatte, da war ihm jetzt, als schirme ihn eine wattige Nebelwand vor dem Gefühl ab, hierher zu gehören. Hogwarts war nicht mehr seine Heimat, denn er war kein Schüler mehr. Oder zumindest fühlte es sich so an.
Verärgert schüttelte Harry den Kopf. Na und ob er noch Schüler war! Immerhin war er vor seinem sechsten Schuljahr entführt worden und hatte nie seinen Schulabschluss gemacht.
Grimmig brütete er wie so oft in diesem Sommer über seinen Racheplänen.
Voldemort würde bezahlen! Schlimm genug, dass er ihm seine Familie und seinen Paten genommen; einen Mitschüler vor seinen Augen ermordet; und ihn selbst entführt und gefoltert hatte. Nein, er hatte ihm auch vier Jahre seines Lebens geraubt! Die Zeit war unwiederbringlich verloren und Harry wusste nur zu gut, dass er nie wieder derselbe sein würde. Sein Leben hatte sich dafür zu grundlegend verändert.
Auf einmal fühlte er sich einsam wie noch nie.
Sein ganzer Jahrgang hatte die Schule bereits vor einem Jahr verlassen, und selbst Colin Creevy hatte in diesem Jahr seinen Abschluss gemacht. Es war niemand mehr da, der ihm wirklich nahe stand. Oh, freilich gab es immer noch vereinzelte Schüler aus niedrigeren Jahrgängen, die er aus der DA oder über seine Freunde flüchtig kannte; doch niemanden in seinem Jahr, mit dem er sich ungezwungen hätte unterhalten können.
Und unterhalten wollte er sich. Harry war den ganzen Sommer bei seinen Verwandten eingesperrt gewesen. Auch wenn Hermione und Ron ihn auf dem Laufenden gehalten hatten, gab es noch immer sehr vieles, was er über die Ereignisse der letzten vier Jahre nicht wusste. Zudem war er es leid- so sehr er seine beiden Freunde auch mochte- immer nur mit denselben zwei Menschen zu reden.
Ron und Hermione waren zwei Jahre offiziell zusammen gewesen, nur um sich dann in einem wochenlangen Drama 'für immer' voneinander zu trennen. Aus den Andeutungen und gelegentlichen Sticheleien der beiden hatte Harry erschlossen, dass Ron Hermione auf Dauer zu langweilig gewesen war, während Hermione für ihn viel zu oft hinter ihren Büchern steckte und zu wenig lebte. Die beiden würden ihm ewig ein Rätsel bleiben.
Wenn sie nebeneinander auf dem Sofa der Dursleys saßen, war die Spannung beinahe unerträglich. Für Harry hatten sie sich bemüht, zivilisiert miteinander umzugehen, doch ein wirkliches Vergnügen waren die Besuche seiner Freunde für Harry zumeist nicht gewesen. Umso mehr freute er sich jetzt darauf, endlich wieder unter Leute zu kommen. Auch wenn ein Teil seines Hirns gegen den Gedanken protestierte, dass er wieder in die sechste Klasse gehen sollte - er war immerhin schon zwanzig Jahre alt! -, war er doch auch froh, endlich von den Dursleys weg zu sein. Wie jedes Jahr. Hatte sich tatsächlich so wenig verändert?
Harry kam es immer noch seltsam vor. Er fühlte sich nicht, als habe er vier Jahre im Koma gelegen. Vielmehr fühlte er sich stark und energiegeladen, als sei er die ganze Zeit auf Achse gewesen. Himmel, er hatte sogar einen leichten Teint! Wo sollte der denn herkommen? Außerdem brannte in ihm ein bis dato unbekannter Wissensdurst, so als habe er einen Geschmack für das Ansammeln von Wissen bekommen, eine Tätigkeit, welche laut Hermione süchtig machte, wenn man sie einmal ernsthaft betrieben hatte. Aber wann sollte das passiert sein?
Er hatte allerdings niemanden danach gefragt. Er wollte nicht, dass seine Freunde sich nun auch noch um seinen geistigen Zustand Sorgen machten. Wo sie ihm doch ohnehin schon etwas zu verheimlichen schienen...
Harry wurde abrupt aus seinen Grübeleien gerissen, als Professor McGonagall seinen Namen verlas. Unter dem Raunen der Schülerschaft trat er vor und setzte sich den sprechenden Hut auf.
Sofort verstummte jedes Geräusch und in seinem Kopf erklang die amüsierte Stimme des Hutes, an die er sich aus dem zweiten Schuljahr¹ noch gut erinnerte.
"Harry Potter, eine Freude, dich wieder zu sehen. Auch wenn du freilich nicht mehr in die Schule gehörst..."
"Wie meinst du das?"
"Nun, über Schulniveau bist du ja wohl inzwischen hinaus, oder? Außerdem wird hier nur zahme Magie unterrichtet. Das kann für dich nicht wirklich befriedigend sein."
Harry war total verwirrt. Wovon sprach der Hut?
"Dumbledore meint ja, das ließe sich alles so einfach unterbinden. Aber ich spüre die Wilde Magie um dich, Harry. Wenn du damit Probleme bekommen solltest, bin ich gerne bereit, dir mein Ohr zu leihen."
"Du hast keine Ohren."
Der Hut lachte fröhlich und erwiderte: "Ich freue mich, dass du zumindest deinen Sarkasmus nicht verloren hast!
Nun zum Geschäftlichen. In welches Haus möchtest du denn?"
Harry war froh, dass die Krempe des Hutes sein Gesicht verbarg, denn er sah gerade bestimmt nicht allzu intelligent aus. "Wie- ich darf es mir aussuchen?!"
"Nun, ich bin der Ansicht, dass du in Hogwarts ohnehin deine Zeit verschwendest, daher kannst du die Jahre doch zumindest genießen, nicht wahr? Also such dir ein Haus aus, welches dir zusagt."
Harry überlegte. Er war immer davon ausgegangen, dass er wieder nach Gryffindor kommen würde. Doch wollte er das wirklich? Er dachte an die Charakteristika der einzelnen Häuser.
Mut... Wenn er ehrlich war, interessierte ihn das gryffindorische Imponiergehabe nicht mehr so wie früher. Der 'Durst, sich zu beweisen', den der Hut ihm in seinem ersten Schuljahr attestiert hatte, schien auf unerklärliche Weise verschwunden zu sein. Obgleich seine Weltreise nur in seinen Träumen geschehen war, hatte er doch das Gefühl, fürs Erstegenug Abenteuer erlebt zu haben. Seltsam. Nun, darüber konnte er später nachdenken.
List und Tücke... Nein, Slytherin sagte ihm noch so wenig zu wie eh und je, zumal da er sich gerade erst von Voldemorts neuestem Schlag erholt hatte.
Treue... Seine Erinnerung trug ihm Bilder seiner ehemaligen Hufflepuff- Mitschüler zu. Ernie Macmillan, Hannah Abbott, ... Irgendwie waren sie ja alle ganz nett, aber er konnte sich nicht vorstellen, mit ihnen ein Gespräch über die beste Strategie im Kampf gegen Voldemort zu führen, wie er das manchmal mit Hermione getan hatte. Auch über Quidditch würde er mit ihnen wohl nicht so gut reden können.
Blieb nur noch Ravenclaw.
Lerneifer... Harry schauderte. Nun gut, Lernen war weiß Gott nie sein stärkstes Interesse gewesen. Er war nie ein besonders guter Schüler; die einzige Ausnahme war Verteidigung. Ansonsten war er viel zu beschäftigt damit gewesen, sich über Quidditch-Strategien den Kopf zu zerbrechen, Nachsitzen mit Filch zu absolvieren oder über Voldemorts nächsten Zug zu grübeln, als dass er Zeit für seine Schulbücher gehabt hätte. Doch in letzter Zeit hatte er sich immer wieder dabei ertappt, dass er sich nicht nach Hogwarts' großer Halle, seinem Gryffindor- Schlafsal oder dem Quidditch- Feld sehnte, sondern nach der großen und ruhigen Bibliothek.
Aus welchem Grund auch immer, Lernen war ihm heute wichtiger als je zuvor.
"Was meinst du, würde ich nach Ravenclaw passen?", fragte er den Hut, der bis jetzt schweigend seinen Gedanken gelauscht hatte.
"Ich denke, das ist keine schlechte Wahl. Um ehrlich zu sein, alles andere hätte mich überrascht."
Harry hätte schwören können, dass der Hut sehr selbstzufrieden klang. Warum, war ihm ein Rätsel.
"Was weißt du, was ich nicht weiß?", fragte er ein wenig irritiert.
"Sorry, das darf ich dir nicht sagen. Würde auch nichts bringen. Du musst von selbst darauf kommen. Ich kann dir nur einen Rat geben: Vertrau deinen Gefühlen! Sie leiten dich nur selten in die Irre.
Und jetzt wollen wir mal den Rest der Schule aus seiner Starre erlösen. Sie warten bestimmt schon gebannt darauf, dass wir ihnen dein neues Haus bekannt geben..."
Erst jetzt fiel Harry wieder ein, dass er in der Großen Halle saß, den Hut auf dem Kopf und sämtliche Augen auf sich gerichtet. Wie lange hatten sie sich unterhalten? Zehn Minuten? Zwanzig?
"Na dann viel Spaß beim Lernen", wünschte ihm der Hut vergnügt. "Wollen wir noch ein paar Leute schocken? SLYTHERIN!"
Harry zog sich lachend den Hut vom Kopf und sah sich in der Halle um. Sowohl die Schüler als auch die Lehrer starrten ihn mit ungläubig aufgerissenen Augen an.
"Hey! Das ist fies! Mach's rückgängig, bevor ich wirklich da hin muss!", schalt er den sprechenden Hut unbeschwert.
"HUFFLEPUFF!", rief der Hut, während Harry die Augen verdrehte und langsam das Podest verließ. Er ging zwischen den Tischen entlang in die Mitte der Halle.
"Mach nicht so ein Spektakel und komm zum Punkt!", rief er grinsend zur Tribüne hoch, von der ihn die gesamte Lehrerschaft ob seiner Dreistigkeit sprachlos anstarrte.
"RAVENCLAW", rief der Hut endlich. Im selben Moment hatte Harry sich auch schon auf eine der Bänke am Ravenclawtisch niedergelassen.
Stille.
Harry sah sich um und bemerkte amüsiert, dass alle noch immer erwartungsvoll den Hut anstarrten, sicher, dass er dem Theater gleich ein Ende machen und 'Gryffindor' rufen würde. Doch der Hut blieb stumm.
Nach einigen Minuten erbarmte sich Harry der verwirrten Hexen und Zauberer und verkündete fröhlich: "Mehr kommt nicht. Sorry Leute, aber ich passe nicht mehr nach Gryffindor. Ich habe vor, dieses Jahr tatsächlich mal was zu lernen", sagte er grinsend. "Ich kann Voldemort ja wohl kaum mit bloßem Tatendrang besiegen..."
Die Schüler schnappten entsetzt nach Luft, als er den ach so schrecklichen Namen aussprach.
Irgendwie ist das Ganze schon albern, dachte er säuerlich, während er darauf wartete, dass Dumbledore endlich das Festmahl eröffnete. Die Lehrer waren nicht geschockt, doch auf einigen Gesichtern spiegelten sich für Harry unbegreifliche Emotionen wieder. McGonagall sah enttäuscht aus; soweit war alles in Ordnung. Aber warum wirkte Dumbledore erleichtert? Und warum, bei Mephistopheles' Hörnern, schien Snape erfreut?!
Das Schuljahr versprach interessant zu werden.
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¹Das Gespräch nach dem Ausflug in die Kammer, ihr erinnert euch? Damals ging es auch um die Frage des richtigen Hauses...
Ina, Amylin, Aischa, Allandra, olaf, coco, goldentree, Danke für die tollen Reviews!!!
Ina, Amylin, Aischa, ...: Tja, so schnell geht das leider nicht mit dem Gedächtnis. Aber keine Bange, ab nächstem Chap. geht es aufwärts. : )
Allandra, coco, ...: Tja, mit wem wird Harry sich wohl anfreunden? (Es gibt da noch ein oder zwei Leute, die sich darüber Gedanken gemacht haben). : ) Übrigens: Vorsicht mit den Morddrohungen. So schmeichelhaft sie auch sind, ich neige dazu, sie als Rechtfertigung heranzuziehen, wenn ich was Böses schreiben will (da ich ja ohnehin bald geschlachtet werde...) -g-
goldentree: Danke für die kapitelweisen reviews. -lach- Das war mal nett, im Zusammenhang mitzuverfolgen, was jemand beim Lesen denkt...
