(Disclaimer und Beta siehe Ch.1)

Mit dem nächsten update könnte es etwas länger dauern als sonst (es ist noch nicht geschrieben), ich entschuldige mich im Voraus. -sorry!!!-

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5. Kapitel - Im Auftrag des Staatsfeindes Nr. 1

Mat lauschte der Rede des Schulleiters nur mit halbem Ohr. Der Großteil seiner Aufmerksamkeit war auf den Jungen - oder vielmehr, den jungen Mann- gerichtet, der ihm gegenüber saß.

Mathew hatte den Hut überzeugen können, ihn trotz seiner Liebe zu Schlangen und seiner Begabung für Verstellung und Heimlichkeit nicht nach Slytherin zu schicken. Zwar hatte der Hut ihn daraufhin nicht wie erhofft nach Gryffindor geschickt, doch dank seiner ehrlichen Begeisterung für die Magie und seinem unstillbaren Wissensdurst hatte es ihn schließlich nach Ravenclaw verschlagen.

Seit er vor einem Jahr von Vorlost erfahren hatte, dass er ein Zauberer war, hatte er den Zauberern im Schloss keine ruhige Minute mehr gegönnt. Er wollte alles wissen; insofern war Ravenclaw vermutlich ohnehin Gryffindor vorzuziehen.

Wie hatte er sich gefreut, als auch Harry Potter dieses Haus gewählt hatte. Das machte seine Mission um ein Vielfaches leichter. Höchst zufrieden beschloss er, Vorlost noch am selben Abend eine Eule zu schicken.

Nun aber wollte er das Ziel seiner Mission beobachten. Vorlost hatte ihm erzählt, was sich diesen Sommer ereignet hatte; auch in die Geschehnisse von vor vier Jahren war Mat inzwischen eingeweiht. Über Hogwarts, die Zaubererwelt und die Vergangenheit seines Waisenhausleiters Voldemort wusste er mehr als die meisten reinblütigen Zauberer. Es hatte Vorteile, von Todessern umgeben auf einem Schloss außerhalb des Einflussbereiches des Ministeriums zu leben.

Draco hatte ihm gezeigt, wie er seinen neuen Besen reiten konnte und ihm seine Lieblingsflüche aus dem ersten Schuljahr beigebracht. Auch die anderen Erwachsenen waren nur zu gerne bereit gewesen, ihr Wissen mit dem neugierigen Kind zu teilten. Mat beherrschte nun einige simple Zaubersprüche und kannte die Grundlagen für fünf oder sechs einfache Zaubertränke. Alles in allem ein sehr zufrieden stellendes Ergebnis, bedachte man, dass er erst seit einem Jahr von seinem Erbe wusste.

Er würde sich jedoch zunächst zurückhalten müssen, denn er hatte eine Rolle zu spielen. Soviel man außerhalb von Schloss Slytherin wusste, war er in einem Muggelwaisenhaus aufgewachsen und hatte diesen Sommer in seinem Hogwarts- Brief das erste Mal von der Zaubererwelt gehört. Er durfte sich nicht verraten; nicht nur sein eigenes Wohl hing davon ab.

Der Elfjährige registrierte abwesend, wie der Schulleiter sich setzte und das Festbankett eröffnete.

Mat gegenüber stürzte sich Harry Potter wie ein Verhungernder auf das Essen. Fasziniert betrachtete Mat den Berg von Salat und gebackenem Gemüse, der sich auf dem Teller des Jungen -der- Lebt auftürmte, umringt von einigen kleinen Kartoffeln.

Die schwarzhaarige Berühmtheit sah auf und traf Mats Blick. Er lächelte entschuldigend und meinte: "Seit ich aus dem Koma aufgewacht bin, mag ich kein Fleisch mehr und habe sogar die Diät meines Cousins zu schätzen gelernt. Allerdings bekomme ich bei meinen Verwandten nie genug zu essen; daher der riesige Haufen. Jedes Jahr wird mir wieder schlecht nach dem Eröffnungsbankett, aber denkst du, ich könnte es deshalb lassen?"

Verträumt betrachtete er den Berg von Essen vor sich, bevor er geradezu ehrerbietig seine Gabel hineinversenkte.

Mat nahm sich ein wenig Braten, einige Kartoffeln und etwas Gemüse. Dabei ließ er jedoch sein Gegenüber nicht aus den Augen.

Harry Potter bemerkte es und blickte ihn erneut an. "Du bist muggelgeboren, oder?"

Mat sah ihn erstaunt an. "Wie kommst du darauf?"

"Nun, alle anderen scheinen viel zu viel Respekt oder was auch immer zu haben, um mich so offen zu beobachten oder gar anzusprechen."

Mat schaute sich überrascht um; es stimmte, was der Ältere sagte. Um sie herum saßen lauter Schüler, die Harry aus dem Augenwinkel beobachteten oder sich bemühten, ihr Starren durch ein Saftglas oder den Sitznachbarn zu verbergen. Niemand machte einen Versuch, den Helden der Zaubererwelt anzusprechen und sobald er ihren Blicken begegnete, sahen sie verschämt weg.

"Oh", machte Mat schließlich. "Es tut mir leid, wenn ich mir zuviel herausgenommen habe..."

"Unsinn!", knurrte Harry Potter. "Es hat mir noch nie gefallen, wie mich die Zaubererwelt behandelt. Nur weil meine Mutter mich vor einem Wahnsinnigen geschützt hat, werde ich verehrt. Ist doch meschugge."

Mat hörte natürlich nicht gerne, wie sein Vorlost als 'Wahnsinniger' bezeichnet wurde. Doch er würde sich hüten, das laut zu sagen.

"Übrigens, ich bin Harry Potter, aber bitte verschone mich mit meinem Nachnamen", stellte sich der andere vor, nachdem sein Anflug von Selbstmitleid vorbei war. "Wie heißt du?"

Mat ergriff schüchtern die dargebotene Hand. "Mathew Miles. Aber Mat ist mir lieber."

Harry schenkte Mat ein strahlendes Lächeln und der Jüngere begriff, dass er soeben einen Test bestanden hatte. Er hatte Harry weiterhin ganz normal behandelt, auch als dieser ihn noch mal darauf hingewiesen hatte, dass er der Harry Potterwar.

Es lief besser, als er erwartet hatte.

"Wann hast du erfahren, dass du ein Zauberer bist?", fragte Harry ihn neugierig.

Mat dachte kurz nach. Sollte er lügen? Vielleicht würde Harry es merken und ihm misstrauen?

Nein, das war unmöglich. Er hatte mehrere ehemalige Slytherins als Lehrer gehabt; wer ihn bei einer Lüge ertappte, war entweder selbst ein Slytherin oder konnte Gedanken lesen. Diese Fähigkeit aber, wenn er sie je besessen haben sollte, war Harry bestimmt mit dem Verlust seiner Erinnerungen abhanden gekommen.

Andererseits wollte Mat sich ja mit dem älteren Ravenclaw anfreunden, da sollte er nicht gleich mit Lügen beginnen. Er entschied sich für eine Halbwahrheit.

"Meinen Hogwartsbrief erhielt ich diesen Sommer. Aber ich wusste schon seit einem Jahr, dass ich nicht so bin wie die anderen."

"Was ist passiert?"

"Ich habe mit meinen Schwestern und einigen meiner Brüder verstecken gespielt und sie haben mich nicht gefunden, selbst als sie direkt vor mir standen. Alle zwanzig haben es versucht, aber keiner hat mich gesehen. Da wusste ich, dass irgendetwas an mir anders war."

"Du hast zwanzig Brüder und Schwestern?!"

Mat lachte. "Mehr. Aber ich sollte das vielleicht umformulieren. Es sind nicht meine leiblichen Geschwister. Ich bin in einem Waisenhaus aufgewachsen."

"Wie Voldemort", entfuhr es Harry bestürzt.

Augenblicklich rückten die Schüler zu beiden Seiten von Mat ab. Harry, als er bemerkte, was seine Worte angerichtet hatten, funkelte sie wütend an. "Das heißt noch lange nicht, dass er auch wie Voldemort enden wird! Außerdem wäre er dann in Slytherin und nicht hier. Seid ihr Ravenclaws oder Rabenhirne?

...Entschuldige, Mat. Ich war lediglich überrascht. Weißt du über die Geschichte der Zaubererwelt bescheid?"

"Ein Wenig. Von Voldemort habe ich schon viel gehört." Das war gewiss keine Lüge.

"Gut, gut. Was du vermutlich nirgendwo gelesen hast, ist, dass er in seiner Jugend Tom Riddle hieß und in einem Muggel- Waisenhaus aufwuchs. Dumbledore vermutet, dass er dadurch seinen Zorn auf die Muggel entwickelt hat. Obwohl ich mir ehrlich nicht vorstellen kann, dass es in einem Waisenhaus viel schlimmer ist als bei den Dursleys..."

"Deine Verwandten?"

"Ja. Sie hassen Magie und somit auch mich. Ich glaube, wenn sie nicht zu viel Angst vor der Rache der Zaubererwelt hätten, würden sie mich am liebsten direkt an den Dunklen Lord ausliefern, um mich endgültig loszuwerden. -Aber erzähl von dir. Wie ist es denn wirklich in einem Waisenhaus?"

Mat freute sich, dass er sich schon jetzt so gut mit dem Jungen unterhielt, mit dem er sich anfreunden sollte. Er merkte, dass ihm seine Aufgabe nicht schwer fallen würde: er konnte Harry schon jetzt gut leiden und anscheinend beruhte das auf Gegenseitigkeit.

"Soso", machte Harry, als Mat eine Pause in seiner Erzählung einlegte. "Nun, bei dir müssen wir jedenfalls keine Sorge haben, dass du so verbittert wie Voldemort wirst."

Mat registrierte belustigt, wie die Hexen und Zauberer an ihrem Tisch jedes Mal zusammen zuckten, wenn Harry Voldemort erwähnte. Es schien, als lausche ganz Ravenclaw ihrer Unterhaltung.

"Warum bist du eigentlich noch in Hogwarts?", fragte Mat unschuldig. Er war gespannt, welche Geschichte man dem jungen Mann erzählt hatte. Im Tagespropheten hatte man bislang mit keinem Wort die Gründe für Harrys Verschwinden erwähnt; lediglich, dass er endlich wieder aufgetaucht war. Snape war von allen Ordenstreffen ausgeschlossen und auch Shacklebolt war dieser Tage größtenteils uninformiert. Irgendwie schaffte Moody es immer, ihm einen Auftrag zu geben, wenn ein Treffen des Ordens geplant war. Shacklebolt fürchtete, dass der Minister begonnen hatte, ihm zu misstrauen. Doch noch war nichts weiter geschehen.

"Nun...", begann Harry mit finsterem Gesicht: "In den Sommerferien nach meinem fünften Schuljahr wurde ich von Voldemort entführt." Er ignorierte das Entsetzen der Ravenclaws und das Schweigen, das sich in der Halle ausbreitete, als auch die Schüler der anderen Häuser versuchten, ein Wort zu erhaschen. "Ich wurde auf sein Schloss gebracht und dort gefangen gehalten. Es war..." sein Gesicht verzog sich zu einer zornigen Grimasse, "nicht sehr lustig. Irgendwann machte mein Körper nicht mehr mit..."

"Wieso, was war denn?"

Harry musterte ihn scharf. "Mat, du bist elf Jahre alt, richtig? Ich erspare dir die Details lieber. Es reicht, wenn du weißt, dass man mich nicht gerade gut behandelt hat und ich schließlich nach etwa einer Woche das Bewusstsein verlor. Zu dem Zeitpunkt stand es allerdings schon so schlecht um mich, dass ich aus dem Koma nicht mehr aufwachte, auch nachdem man mich gerettet hatte. All meine physischen Wunden heilten, dennoch schlief ich weiter. Ich vermute, mein Geist war etwas enttäuscht von der Realität und blieb in der Traumwelt, die er sich geschaffen hatte..." Er grinste entschuldigend.

Mat jedoch saß auf der Kante seiner Bank und starrte ihn an. "Eine Traumwelt? Du meinst, du hast in der Zeit viel geträumt?"

Harry sah ihn ernst an. "Ich lag vier Jahre im Koma. Ich vermute, mein Hirn wollte sich dann doch nicht ganz abschalten und suchte sich einfach etwas zu tun. Ich habe von Dingen geträumt, die ich schon immer einmal machen wollte: Verreisen, andere Kulturen kennen lernen, ein Animagus werden..." Harry verstummte, einen träumerischen Ausdruck in den Augen.

Mat sah ihn mit nur schwer unterdrückter Aufregung an. Warte, bis ich das Vorlost erzählt habe! Er wird vor Freude Luftsprünge machen! Harry ist bereits dabei, sich zu erinnern!!!

"Hast du in deinen Träumen auch neue Sprüche gelernt?"

"Ja, viele. Warum?"

"Nun... vielleicht waren es ja hellseherische Träume. Gibt es sowas? Ich meine, wenn es Zauberei und all das wirklich gibt, gibt es dann nicht auch Wahrträume?", fragte er unschuldig.

Harry starrte ihn an. "Du meinst, ich könnte von Sprüchen geträumt haben, die es tatsächlich gibt?"

"Naja, warum denn nicht? Hast du jemals einen davon ausprobiert?"

Harry sah aus, als sei er gerade vom Hogwartsexpress überfahren worden. Langsam schüttelte er den Kopf. Dann kramte er in seiner Jackentasche und zog einen funkelnagelneuen Zauberstab hervor. Er betrachtete den Stab einen Moment lang unschlüssig; dann schwenkte er ihn in einem komplizierten Muster und sagte: "Hana."

Nichts geschah.

Mat schaute ein wenig enttäuscht. "Naja, einen Versuch war es wert."

"Nein warte", meinte Harry plötzlich, die Stirn in konzentrierte Falten gelegt. "Jetzt weiß ich wieder. Byouki o yameru hana ga hoshitai dayou."

Aus der Spitze des Zauberstabes wuchs eine Blume. Es war keine gewöhnliche Gartenblume. Sie schimmerte silbern im Licht der Kerzen und verströmte einen betörenden süßlichen Duft.

Harry betrachtete sie genauso verdutzt wie alle anderen.

Mat fing sich als erster wieder. "Wofür war der Spruch gut?"

Harry antwortete ihm, ohne die Augen von der silbernen Blüte zu nehmen. "Es ist ein japanischer Spruch, der eine Heilpflanze beschwört. Ich konnte mir die lange Formel anfangs nicht merken und Doktor Tezuka meinte, mit meiner wilden Magie zusammen könnte ich den weißmagischen Spruch auch wirken, ohne die genauen Worte zu kennen und... Wie kann ein japanischer Spruch funktionieren, von dem ich nur geträumt habe?!"

Innerlich jubelte Mat, doch äußerlich gab er weiterhin den ahnungslosen Muggelgeborenen. "War wohl tatsächlich ein Wahrtraum."

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A/N: Der japanische 'Zauberspruch' soll, wie schon gesagt, eine Heilpflanze heraufbeschwören. Bei meinen beschränkten Japanischkenntnissen ist es aber wahrscheinlicher, dass man stattdessen Devil's Snare oder vergammelte Algen in Händen halten würde. ; )

DANKE an alle reviewer: goldentree, Ina, coco, Krone, Allandra, Amylin, Markus!!!

coco, Allandra: Bin froh, dass ich nicht mehr auf der Abschussliste stehe :D ... ich hoffe nur, dass sich das nach dem nächsten Kapitel von Schlangengrube nicht schlagartig wieder ändert. -glp-

Allandra: Slytherin!Harry gibt es schon so oft, ich wollte was Anderes probieren. Und mein Harry passt, finde ich, wirklich besser nach Ravenclaw. : )

Amy: Das Meiste habe ich ja schon gesagt... Also nur nochmal Danke für das Lob und die lange review: D

Markus: -lol- Okay. Was müsste für T-rating denn so alles drin sein? Stimme dir übrigens zu: Gin oder Hermione wäre mir im Moment auch langweilig... ich habe da aber schon ein nichtsahnendes Opfer (oder?) im Auge. -zwinker- Mit Dumbles kann ich dir leider nicht helfen: wenn schon Voldemort gut ist, wer soll denn sonst der Böse sein...? XD

So, ich werde mich bemühen, nicht allzu viel länger für das nächste update zu brauchen.

Bis bald!

Dime