(Beta und Disclaimer: siehe Anfang)

Hi Leute!

Oi, ich hätte gedacht, die Morddrohungen müssten nur so auf mich einprasseln... Ist 'Heimat' so langweilig oder habt ihr tatsächlich so eine Engelsgeduld?! -lol-

Na, wie auch immer... jetzt geht es endlich weiter. 5 neue Kapitel, demnächst. Ich hatte eine Art Schreibblockade. Lag unter anderem daran, dass ich Grazhir gelesen hatte und tief beeindruckt war; als Folge spritzte jedes Mal das Blut in rauen Mengen, wenn ich eine harmlose Racheaktion plante. -seufz- Aber ich glaube, ich bin drüber weg. ;D

6. Kapitel - Schulalltag

Harry klappte müde das große, staubige Buch zu, in dem er geblättert hatte.

Seit Tagen schon litt er unter Schlaflosigkeit. Dunkle Ringe unter seinen Augen hatten nicht nur Mat, sondern inzwischen sogar auch seine sonst eher schüchternen Hausgenossen zu besorgten Kommentaren veranlasst.

Harry schlief schlecht, seit er aus dem seltsamen Koma wieder aufgewacht war. Er hatte Alpträume von Sirius' Tod, von der Woche in Voldemorts Kerkern, von seiner Kindheit bei den Dursleys... Doch diese Alpträume kamen nur hin und wieder. Die meiste Zeit quälten ihn unverständliche, aber nichtsdestotrotz Angst einflößende Träume, an die er sich immer sehr scharf erinnerte, die er jedoch nicht verstand.

Er träumte davon, wie er Voldemort umbrachte- doch es war ein Alptraum. An Voldemorts Stelle stand im letzten Augenblick ein kleines Kind und sah ihn aus weit aufgerissenen Augen an...

Er träumte von seinen Freunden; doch sie liefen vor ihm davon, vertrauten ihm nicht. Selbst Ron und Hermine schienen ihn zu fürchten. Er rief ihnen zu, dass er ihnen nichts tun wollte, dass sie stehen bleiben und auf ihn warten sollten- doch stattdessen liefen sie nur noch schneller. Und plötzlich tat sich vor Harry ein tiefer Abgrund auf. Harry stürzte schreiend hinein, während seine besten Freunde am anderen Rand des Abgrundes standen und mit traurigem Blick zusahen...

In der letzten Nacht hatte er geträumt, dass er all seine Magie verlor. Er hatte Dumbledore um Hilfe gebeten, doch dieser hatte ihm nur freundlich erklärt, so sei es für alle Beteiligten besser. Harry hatte, am Boden zerstört und den Tränen nahe, das Büro verlassen- und dann gemerkt, dass er zwischen der geschlossenen Türe und der Treppe gefangen war. Die magische Wendeltreppe wollte sich nicht für einen Muggel ausfahren. Harry hatte um Hilfe gerufen, doch niemand war gekommen. Er war gefangen...

Keuchend und schwitzend wie ein Marathonläufer war Harry an diesem Samstagmorgen aufgewacht und hatte sich erst nach einer langen Dusche und einem großen Krug heißem Kakao wieder beruhigt.

Einsam war er am Ravenclawtisch gesessen und hatte so langsam wahrgenommen, dass es draußen noch dunkel war.

Um acht Uhr hatte er sich schließlich vor der Bücherei wieder gefunden, wo er ungeduldig darauf wartete, dass Mme Pince mit ihren kurzen, aber entschlossenen Schritten den Gang hinuntergestakst kam, um ihr Heiligtum auch an diesem Wochenende wieder den wütenden Schülerhorden zu öffnen.

Den Vormittag hatte er wie so oft mit Recherche verbracht. Er war seit seiner Rückkehr nach Hogwarts ein eifriger Schüler, der fast alle praktischen Aufgaben beim ersten Versuch mit Erfolg erledigte und seine schriftlichen Hausaufgaben meist noch am selben Abend hinter sich brachte.

Was ihn immer wieder, am späten Abend wie an den Wochenenden, in die Bücherei lockte, war die Frage, warum er Zaubersprüche anwenden konnte, die er bisher nur in seinen Träumen je gehört hatte.

War er ein Seher? Hatte jemand anderes ihm die Träume geschickt?

In einem alten Buch über die Genealogie prominenter Zauberergeschlechter hatte er erfahren, dass in der Potter-Familie kein Seherblut vorhanden war. Ein anderes Buch hatte ihn darüber aufgeklärt, dass die Gabe des Inneren Auges normalerweise nur vererbt wurde; in allen abweichenden Fällen hatte sich das Talent bereits im frühen Kindesalter manifestiert, oft noch vor jeglichen Anzeichen magischen Potenzials.

Er war also kein Seher.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, hatte er sogar mit Professor Trelawney gesprochen, doch diese hatte ihm mit großer Überzeugung versichert, dass er ganz bestimmt keinerlei Veranlagung zum Sehen habe. Anschließend hatte sie ihm verkündet, dass er Hogwarts noch vor Ende des Schuljahres in Begleitung des Mannes, den Dumbledore mehr als jeden Anderen fürchtete, verlassen würde.

Harry hätte es mit einem Schulterzucken abgetan- es war schließlich nicht das erste Mal, dass sie seinen vorzeitigen Tod durch die Hand Voldemorts prophezeite; doch die Prophezeiung war in der tiefen, heiseren Raspelstimme verkündet worden, die er vor Jahren zu fürchten gelernt hatte.

So war er gezwungen gewesen, die Unkerei der schrulligen, mit Tüchern und Klunkern behängten Lehrerin als echte Prophezeiung zu akzeptieren. Nun, wenigstens war er mit Hermine einer Meinung, dass nicht jede Prophezeiung sich erfüllen musste, da die Wahrsagerei ohnehin eine sehr inakkurate und unzuverlässige Kunst war...

Trotzdem war die Vorhersage seiner ohnehin schon schlechten Verfassung nicht zuträglich.

Er hatte lange überlegt, ob er Dumbledore von seinen Sorgen berichten sollte, doch er hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Flüchtig kam ihm der Hut in den Sinn, welcher ihm geraten hatte, seinen Gefühlen zu vertrauen. Der Hut schien außerdem mit Dumbledore unzufrieden zu sein. Ob der Schulleiter wohl mal wieder Geheimnisse vor Harry hatte? Es wäre nicht das erste Mal.

Harry hatte beschlossen, dem Hut zu vertrauen und Dumbledore nicht.

Also war er weiter in die Bücherei gezogen, wann immer er konnte. Er hatte Bücher mit einladenden Titeln wie "Träume und Wahrheit", "Muggel-Drogen und Selbstinduzierte Trance", "Halluzinationen und was sie uns sagen wollen", "Die Freud'sche Analyse Ihrer Träume", "Traumsymbolik", oder auch "Fremdbestimmung und wie Sie sich schützen", "Okklumentik für Anfänger" und "Traumwandler und ihre Gewohnheiten" gelesen- doch außer einem starken Kopfweh und, in einigen Fällen, einem milden Abscheu (wie konnte man jeden Traum auf Sex zurückführen?! Was war dann mit seinen Träumen, in denen Sirius vorkam? Ron und Hermine? Voldemort?! Dumbledore?!?), hatte er nichts Nennenswertes davon mitgenommen.

Langsam aber sicher empfand er große Bewunderung und Dankbarkeit für Hermine, die früher immer sämtliche wichtige Recherche übernommen hatte, sei es wegen des Vielsafttrankes im zweiten Schuljahr, der Werwölfe im dritten, oder ihre Hilfe beim Trimagischen Turnier im vierten Jahr...

Konnte er Hermine wegen seiner Träume fragen?

Hermine hatte sich diesen Sommer wirklich seltsam benommen. Aber damit war sie keine Ausnahme. All seine früheren Freunde waren ihm gegenüber zurückhaltend, die Lehrer schienen ihn entweder zu bedauern oder musterten ihn mit unerklärlichen finsteren Blicken, Dumbledore hatte Geheimnisse vor ihm, und alle zusammen schienen sie ihn zu beobachten wie eine Raubkatze, die ihrem Käfig entflohen war. Als warteten sie nur darauf, dass er irgendetwas Seltsames und Gefährliches tat.

Nur Professor Snape war eine Ausnahme von dieser Regel. Zugegeben, auch er verhielt sich verdächtig- hatte er ihm letzte Woche wirklich ein Kompliment zu einem gelungenen Zaubertrank gemacht?!- doch er schien als Einziger nicht zu erwarten, dass Harry ganz plötzlich zum nächsten Dunklen Lord mutierte und alle Schüler und Lehrer in seiner Reichweite gnadenlos niedermetzelte.

Oder was sonst es auch sein mochte, das die Hälfte der Lehrerschaft in seiner Gegenwart wie auf Nadelkissen sitzen ließ. Beunruhigt hatte Harry eines Tages festgestellt, dass ihn gerade jene Lehrer mit düsteren Blicken beobachteten, welche Mitglieder des Phönixordens waren.

Was verbarg Dumbledore nur von ihm? Und warum schien sein ganzer Freundeskreis mehr darüber zu wissen als er?

Nun, was immer es auch war, wenn er Glück hatte, stand es nicht in Verbindung zu seinen Alpträumen oder zu den Träumen, in denen er real existierende Zaubersprüche lernte und verwendete...

Also legte er das letzte Material seiner erfolglosen Suche beiseite ("Was tun, wenn Ihr Ehegatte besessen ist?") und schlurfte gedankenversunken zur Eulerei.

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"Hallo mein Mädchen", begrüßte er Hedwig und durchsuchte seine Taschen nach einem Keks für die Eule, welche zärtlich an seinem Ohrläppchen knabberte.

Dann setzte er sich ans Fenster, säuberte die Fensterbank mit einem Schwung seines Zauberstabes, und breitete ein Pergament darauf aus.

Es machte ihm einige Mühe, den Brief zu schreiben, doch schließlich war er mit dem Ergebnis zufrieden.

Liebe Hermine,

Entschuldige, dass ich dich schon wieder bei der Arbeit störe. Ich weiß, dass du dir bereits im Sommer viel zu viele Nachmittage frei genommen hast, um mich zu besuchen.

Ich würde dich auch jetzt nicht belästigen, wenn ich wüsste, an wen ich mich sonst mit meinen Problemen wenden könnte.

Seit ich aus diesem 'Koma' wieder aufgewacht bin, habe ich massive Alpträume wie nie zuvor. Ich weiß einfach nicht, was sie ausgelöst hat- die Woche in Voldemorts Kerker kann dafür nicht allein verantwortlich sein. Und ich weiß erst recht nicht, was ich dagegen tun soll.

Weniger schmerzhaft (wenn das so weiter geht, habe ich bald chronisches Kopfweh!), aber eigentlich noch beunruhigender, ist die Tatsache, dass ich in den vier Jahren meines Komas ebenfalls exzessiv geträumt haben muss.

Ich erinnere mich nur an unzusammenhängende Fetzen, doch diese Fetzen fühlen sich nicht an wie Träume, sondern eher wie echte Erinnerungen.

Das Sonderbarste daran ist aber, dass die Zaubersprüche, von denen ich geträumt habe, tatsächlich funktionieren! Ich habe eine japanische Heilpflanze beschworen- auf Japanisch, Hermine! Und ich kenne Sprüche auf Indianisch, Indisch, Chinesisch... Sogar einige auf in Sprachen, von denen ich früher nicht einmal wusste, dass sie existieren. Bei manchen musste ich erst einmal nachschlagen, woher sie überhaupt kommen. Wusstest du, dass es unter den japanischen Zauberern eine Sprachminderheit namens Ainu gibt?

Du wärest stolz auf mich, Hermine, wenn du gesehen hättest, wie viele Stunden ich seit Beginn des Schuljahres in der Bücherei verbracht habe. Leider habe ich noch immer keine neuen Erkenntnisse über meine Träume gewonnen.

Dumbledore hat Geheimnisse vor mir; tatsächlich glaube ich, der ganze Orden hat irgendein Problem mit mir. Weißt du etwas darüber?

Ich nehme es an.

Ich verlange nicht von dir, dass du den Orden für mich hintergehst, auch wenn ich nicht verstehe, warum Dumbledore mir nicht einfach sagt, was los ist.

Aber ich hoffe, dass du mir dennoch in Sachen Träume helfen kannst.

Ich weiß inzwischen mit Sicherheit, dass sie mir nicht von Voldemort geschickt werden- auch wieder dank der großartigen Bücherei (ich kann mittlerweile wirklich verstehen, was du immer so faszinierend an Büchern fandest, Hermine, sie sind wundervoll!). Das 'Gefühl' der Träume ist falsch, wenn man der Fachliteratur vertrauen darf. Und ich denke, das darf ich, denn ich erinnere mich noch allzu gut an meine Träume vom Ministerium im fünften Schuljahr. Die haben sich ganz sicher anders angefühlt, nicht so ... echt wie diese jetzt.

Am besten beschrieben fand ich diese 'Echtheit' bis jetzt in einem Buch über die Nachwirkungen des 'Obliviate'. Aber das kann nicht sein, oder? Da ich mich an die Zeit in Voldemorts Kerker gut erinnere, hätte der Fluch mich später getroffen haben müssen, also in der Obhut des Ordens oder der Heiler in St. Mungos. Diese Option beunruhigt mich sehr und ich hoffe, dass ich mich täusche. Ich will mir gar nicht ausmalen, was mir im Krankenhaus zugestoßen sein könnte, dass es jemand für nötig befindet, mich zu obliviaten...

Nun gut, ich will dich nicht länger aufhalten. Ich bin mir sicher, du hast noch mehr als genug zu tun.

...Ich habe dich nie gefragt, als ihr zusammen bei mir wart, aber... was sagt Ron dazu, dass du einen Orden für deine B.E.L.F.E.R.- Bemühungen bekommen hast? Ich bin sicher, er war hocherfreut. Ich gratuliere dir jedenfalls zu deinem Erfolg.

Ach, eine letzte Frage noch: Ich habe von einem Traumfänger-Ohrring geträumt (in einem dieser 'Wahrträume', wie mein Freund Mat sie nennt, nicht in den Alpträumen), der Alpträume abhält. Gibt es so etwas wirklich? In meinem Traum hatte ich ihn von einer Freundin aus China. In der hiesigen Literatur kann ich aber nichts darüber finden. Falls es solche Traumfänger tatsächlich gibt, weißt du, wo ich einen bekommen kann?
Ich möchte Snape nicht um einen Traumlos-Trank bitten- das Zeug macht auf Dauer abhängig, also ist es keine Lösung.

So, nun aber wirklich: owari, finis, konjez oder was auch immer.

Liebe Grüße,

Harry

P.S.: Hast du jemals den Ausdruck 'dunkle Magie' gehört? (nicht schwarze, sondern dunkle)

Harry sah zu, wie Hedwig mit seinem Brief über dem See in der Ferne verschwand. Dann machte er sich auf den Weg zum Mittagessen in der großen Halle.

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Danke für eure reviews zum letzten Kapitel, Ina, coco, Amylin, AustrianShadow, goldentree, Suriel Black, TC!!!!

Amy: gute Idee, das. -ggg-

Suriel: Hi, und Danke. : ) Hoffe, ich komme ab jetzt wieder besser hin mit Zeit und Inspiration und alledem...

-alle zurückanflausch/-knuffel/-knuddel-