(Disclaimer und beta siehe Anfang)

9. Pläne

Hermine trat nervös von einem Fuß auf den anderen.

Was hatte sie sich nur dabei gedacht?

Dumbledore hatte gute Gründe gehabt, um Harry von seinen Erinnerungen abzuschotten. Wer war sie, diese Entscheidung in Frage zu stellen?

Harrys Freundin.

Der Brief hatte sie schockiert. Er hatte ihr klar vor Augen geführt, dass sie Harry nicht lediglich ein paar Erinnerungen, sondern vier Jahre seines Lebens genommen hatten - vier Jahre, die für ihn von größter Bedeutung waren.

Sei es nun selbstständig oder mit Hilfe Voldemorts, Harry hatte eine neue Magiequelle für sich entdeckt. Von ihr abgeschnitten zu sein schadete ihm.

Alpträume.

Sie waren daran Schuld, dass Harry seit Monaten keine Nacht mehr ordentlich geschlafen hatte. Beim letzten Ordenstreffen war seine Gesundheit bereits zur Sprache gekommen, da sämtliche in Hogwarts residierenden Mitglieder einstimmig erklärten, sein Zustand sei mehr als nur besorgniserregend.

Man hatte es auf die Nachwirkungen des Obliviate und die resultierende Orientierungslosigkeit geschoben, doch Hermine wusste es jetzt besser: Harrys Magie rief nach ihm. Sie konnte Dumbledores Sperren nicht überwinden und der Vorgang bereitete Harry Schmerzen.

Chronisches Kopfweh? Merlin!

Hermine wollte nicht glauben, dass Harry tatsächlich auf Voldemorts Seite stand. Alle Zeichen sprachen dafür, und doch... Er hatte noch immer so freundlich, so... normal gewirkt, nicht wie ein sadistischer, blutrünstiger Todesser... War es denn falsch, auf ihre einstige Freundschaft vertrauen zu wollen?

Aber was, wenn er eben doch zu einem Geschöpf Voldemorts geworden ist? Verurteile ich uns alle mit meiner Naivität zum Untergang?

Hermine stand kurz davor, einen Rückzieher zu machen, als endlich Schritte auf der Treppe der alten Hütte erklangen. Sie wandte sich in dem kleinen Raum mit dem klapprigen Bett um und fixierte mit nervösem Blick die Türe.

Die Schritte kamen näher, bis schließlich eine Gestalt im Türrahmen erschien.

"Luna?! Was machst du hier?"

"Ich freue mich auch, dich zu sehen", säuselte die ehemalige Ravenclaw verträumt. "Expelliarmus."

Hermine beobachtete total geschockt, wie Luna ihren Zauberstab aus der Luft pflückte und wie beiläufig in den Gürtel ihrer Robe steckte.

"Luna, was soll-"

Mehr brachte sie nicht heraus, bevor eine Ganzkörperklammer sie lähmte. Steif wie ein Brett kippte sie um. Der Fußboden raste auf sie zu und sie biss die Zähne zusammen.

Doch der erwartete Aufprall kam nicht. Stattdessen fühlte sie, wie ihr Körper sanft aufgefangen wurde. Sie fühlte sich wie zwischen Daunenkissen gehalten, bis sie schließlich auf einem der wackligen Stühle abgesetzt wurde.

Erstaunt erkannte sie, dass es Luna war, welche sie mit einigen kleinen Gesten dorthin bugsiert hatte.

"Jetzt ist es sicher. Mat, sei so lieb und sag Harry, er kann raufkommen, ja?"

Leise Schritte waren das einzige Indiz dafür, dass Luna nicht eine ihrer psychedelischen Anwandlungen hatte, sondern tatsächlich in Begleitung gekommen war. Dieser 'Mat' musste es auch gewesen sein, welcher sie von hinten mit der Ganzkörperklammer belegt hatte. War es derselbe Junge, von dem Harry ihr geschrieben hatte?

Alle weiteren Überlegungen wurden aus ihrem Kopf verdrängt, als endlich auch Harry das Zimmer betrat.

Er machte eine knappe Geste und Hermine spürte, wie ihr die Kontrolle über ihren Körper zurückgegeben wurde.

"Harry, was soll das?"

Harry kam mit zwei großen Schritten auf sie zu. "Das sollte ich wohl eher dich fragen."

Er hielt ihr den chinesischen Ohrring unter die Nase. "Wieso hattest du den?"

"Du weißt, was es ist?" Hermines Gesicht verlor so schnell alle Farbe, dass Luna müßige Überlegungen anstellte, wohin das ganze Blut so ohne weiteres verschwinden konnte. Ihre Augen kamen kurz auf Hermines Top zu ruhen - Würde man bei ihr nicht einmal merken. - bevor sie den Gedanken kopfschüttelnd wieder verwarf.

Harry derweil sah Hermine nur stumm und anklagend an. Dann wiederholte er seine Frage.

"Hermine, warum hattest du meinen Ohrring?"

Hermine schluckte trocken. "Wie kann es sein, dass du dich erinnerst?"

Harry schnaubte und ließ sich auf den Rand des Bettes sinken.

"Du wusstest also davon... Sag mir, Hermine, wie kannst du glauben, ich würde jemals so werden wie die Leute, die mein Leben zerstört haben?"

Ein Hoffnungsschimmer schlich sich in Hermines Augen. "Dann ist es also nicht wahr? Du hast dich nicht Voldemort angeschlossen?"

"Sorry, dich enttäuschen zu müssen, Hermine: Doch, das habe ich."

Hermines immer noch blasses Gesicht fiel in sich zusammen. Mutlos flüsterte sie: "Und ich dachte, vielleicht täuscht sich Dumbledore ja... Wie dumm."

Einen Moment lang schloss sie die Augen. Harry ließ sie gewähren. Als Hermine den Kopf wieder hob und die Augen öffnete, war ihr Blick klar und wild entschlossen.

"Harry James Potter, wenn du mich umbringen musst, dann tu es - aber sage mir wenigstens, warum du uns verraten hast."

Harrys Reaktion war nicht das, was Hermine erwartet hatte. Der junge Schwarzmagier sah sie verdutzt an, wechselte einen langen Blick mit Luna, und... brach in schallendes Gelächter aus.

"Oh, Hermine! Du bist klasse! Mann, ich bin froh, dass du gezeigt hast, dass du auf meiner Seite bist. Ich wäre echt traurig, wenn du auch Opfer meiner kleinen Racheaktion werden müsstest und am Ende womöglich nicht mehr mit mir sprichst..."

Harry kicherte noch ziemlich lange weiter und auch, als er sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, wurde das Gespräch noch hin und wieder von einem leisen Glucksen und Gackern unterbrochen.

Die Beauftragte für die Beziehungen zu magischen Geschöpfen, Hermine Granger, saß total sprachlos auf ihrem wackligen Stuhl in der Heulenden Hütte und beobachteten ihren ehemaligen Schulfreund dabei, wie er langsam aber sicher den Verstand verlor.

"Harry...? Warum... warum findest du es so witzig, dass ich wissen will, warum du...?"

Dies war der Zeitpunkt, zu dem sich Harry zumindest soweit beruhigte, dass das Gespräch fortgesetzt werden konnte.

"Nun, eigentlich hast du Recht", meinte er düster, "an dem, was mir angetan wurde, ist wirklich nicht viel Lustiges. Aber", plötzlich war das Lachen wieder in seiner Stimme, "dein total unnötiger, aber so schrecklich typischer, gryffindorischer Heldenmut gerade war einfach zu niedlich!"

Hermine wollte eine empörte Antwort geben, doch Luna kam ihr zuvor.

"Harry", sagte sie ohne eine Spur ihrer sonstigen Verträumtheit, "du findest sie also niedlich?"

Es ist wahr, dass Harry zu Schulzeiten etwas naiv und in Sachen Liebe beinahe gänzlich unbewandert gewesen war; doch es ist ebenso wahr, dass er auf seiner Weltreise eine Vielzahl aufschlussreicher Erfahrungen gesammelt hatte. So war es ihm ein Leichtes, den scharfen Tonfall seiner früheren Mitschülerin richtig einzuordnen.

"Luna, ich finde Hermine niedlich - wie eine kleine Schwester. Ich will damit nicht sagen, dass ich ein romantisches Interesse an ihr habe, nur, dass ich ihre Freundschaft noch immer zu schätzen weiß und dass... sie gerade etwas wirklich Lächerliches gesagt hat."

"Hey!", bekam Hermine endlich heraus.

Luna derweil musterte Harry mit intensivem Blick. Er ließ es sich gefallen und starrte munter zurück. Schließlich nickte das blonde Mädchen. "Ich glaube dir."

Sie wandte sich ab; augenblicklich drückte ihre Haltung wieder die gewohnte verträumte Gelassenheit aus.

Hermine hatte den Wortwechsel mit gerunzelter Stirn verfolgt, konnte sich aber keinen Reim darauf machen. Schließlich gab sie es auf, Luna Lovegood verstehen zu wollen, und richtete ihre Gedanken wieder auf dringendere Probleme.

"Harry, wie kannst du sagen, ich sei auf deiner Seite, wenn du dich Voldemort angeschlossen hast?"

Harry legte nun ebenfalls seine Stirn in Falten. "Bist du nicht auf meiner Seite?"

"Ich bin ganz sicher nicht auf Voldemorts Seite!!!"

"Ah, aber das solltest du."

"Harry! Was hat man dir nur angetan? Ich erkenne dich nicht wieder!!!"

Auf einmal senkte sich eisiges Schweigen über den Raum. Luna stand regungslos in ihrer Ecke und sah Harry neugierig an. Mat hockte, den Unsichtbarkeitsmantel über einem Arm gefaltet, auf dem Bett und zitterte geradezu vor unterdrückter Anspannung.

Harry selbst hatte die Augen geschlossen, doch seine zu einem dünnen Strich zusammengepressten Lippen und hochgezogenen Schultern sagten mehr aus als jeder Blick. Als er antwortete, kam seine Stimme als gespenstisches, eisern beherrschtes Wispern.

"Was man mir angetan hat? Willst du das wirklich wissen?"

Als Hermine nervös schluckte, klang das Geräusch unnatürlich laut in dem düsteren kleinen Raum.

"Ich werde dir sagen, was man mir angetan hat.

Man hat mir meine Kindheit aberkannt, als man mich zu zehn Jahren Sklavenarbeit bei den Dursleys verurteilte.

Man hat mir eingeredet, es sei zu meinem Schutz. Man schickte mich jede Ferien zu diesen Leuten zurück, obgleich ihr Hass jeglichen Schutz unwirksam machen musste.

Man schien es nicht für nötig zu halten, besser auf mich aufzupassen, sodass ich am helllichten Tage von meiner Türschwelle entführt wurde.

Man...

Man hielt mich zwei Wochen lang in einem düsteren Kerker gefangen.

Man gab mir nichts zu essen. Stattdessen bemühte man sich täglich, mich zu brechen und zum Verräter zu machen.

Man hatte keinen Erfolg. So holte man schließlich die Dursleys als zusätzliches Druckmittel.

Man hatte sich gehörig verrechnet."

An dieser Stelle schnaubte Mat amüsiert. Er hatte die Geschichte von Harrys denkwürdigem Auftritt in der großen Halle des Schlosses viele Male von verschiedenen Todessern erzählt bekommen. Immer wieder leuchteten seine Augen, wenn beschrieben wurde, wie stolz Harry blieb, wie er im Angesicht des Todes scherzte... und wie er sich an seinen schrecklichen Verwandten rächte.

"Hast du wirklich nicht gewusst, dass du Vorlosts Fluch an seiner Stelle zu Ende geführt hast?", konnte er sich nicht verkneifen zu fragen.

Harry grinste ihn an. "Nein, echt nicht.

Siehst du, Hermine", wandte er sich jetzt wieder an seine frühere Schulfreundin, "man hatte keine Ahnung, dass die Dursleys wohl die einzigen Muggel auf diesem Planeten waren, welchen ich einen Cruciatus aus tiefstem Herzen gönnte. Sie haben ihn sich redlich verdient...

Nun, als man anfing, sie zu verfluchen, da wünschte ich mir, es möge immer so weitergehen.

Und so entdeckte ich die Dunkelheit."

"Dunkelheit?", fragte Hermine benommen.

"Gaia. Wilde Magie. Die Mutter. Die Natur. Wie auch immer du sie nennen willst. Meine 'Macht, die der Dunkle Lord nicht kennt' ist nichts Anderes als eine in England nicht weit verbreitete alternative Art, die Magie zu nutzen, welche allen Dingen innewohnt."

"Gaia? Wie in der griechischen Mythologie?"

Und so begann Harry endlich, Hermine, Luna und Mat seine ganze Geschichte zu erzählen.

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"Die DA."

Harry sah Hermine verdutzt an. "Wieso glaubst du, 'Dumbledore's Armee' könnte uns helfen, Vorlost schneller zum Sieg zu bringen?"

Die junge Hexe, deren dichtes, braunes Haar noch immer in ungezähmten Büscheln zu beiden Seiten ihres Gesichts herunterhing, grinste überlegen und Harry fühlte sich unwillkürlich an bessere Zeiten erinnert. Hermine holte zur Erklärung aus, und Mat und Luna konnten aus erster Hand erfahren, warum Harry und Ron früher mit Fragen immer zu Hermine gegangen waren.

Hermine analysierte die Probleme, recherchierte sie gründlich - und konnte fast immer mit einer brauchbaren Lösung aufwarten.

"DA, das stand schon früher nur offiziell für 'Defense Association'. Warum nicht dasselbe wieder tun? Was sich einmal bewährt hat, kann doch sicher nicht ganz falsch sein?"

"Wofür könnte 'DA' denn heute stehen? Ich möchte nichts, das den alten Herrn mit einbezieht."

"Es wäre ja auch nur zur Tarnung. Wir können die DA wieder ins Leben rufen, diesmal offiziell unter dem Titel 'Dumbledore's Armee', und dort Leute für unsere Seite rekrutieren. Wer sich nicht zum rekrutieren eignet, den bilden wir trotzdem mit aus, eine Verwendung für treue Mitläufer werden wir schon finden."

Harry bewunderte Hermines Anpassungsfähigkeit. Nur zwei Stunden zuvor hätte sie lieber einen Grindeloh geküsst, als die Möglichkeit auch nur in Betracht zu ziehen, dass Voldemort etwas anderes als ein babyfressendes Monster direkt aus ihren schlimmsten Alpträumen war; und nun sprach sie ganz selbstverständlich von 'ihrer' Seite, als sei sie schon seit Kindertagen ein Todesser.

"Ich weiß es, ich weiß es!", rief Mat und federte auf dem Bett auf und ab. "Es kann für 'Dark Army' stehen, die Armee der Dunkelheit!"

Luna und Harry grinsten sich an. Der Vorschlag wurde augenblicklich übernommen.

"Gut. Nun zu diesem Artikel." Luna sah sich um. "Ich nehme an, dass ihr, Harry und Hermine, lieber vorerst eure Namen aus der ganzen Sache heraushalten wollt?"

Beide nickten.

"Aber den Rest kannst du ruhig in den Druck geben", fügte Harry hinzu. "Ich habe nichts dagegen, einige Leute ein wenig in Schwierigkeiten zu bringen." Er grinste hämisch. "Moody wird sein blaues Wunder erleben. Das kommt davon! Warum hat er sich auch mit Dumbo gegen mich verbündet? Ich habe da auch noch ein paar zusätzliche Informationen für deinen Vater, Luna, die unbedingt in den Artikel mit hinein sollten."

Hermine schielte ihren Freund unruhig von der Seite an, kam aber zu dem Schluss, dass sie selbst für den Moment sicher war und Moody wirklich ein paar Probleme verdient hatte, ebenso wie Dumbledore...

"Was hast du für den Rest des Ordens geplant, Harry?"

Harrys Grinsen wurde noch breiter und ein wenig dreckig.

"Oh, meine Pläne beziehen sich nicht nur auf den Orden..."

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Hallo ihr alle!

Danke für eure reviews Ina, Lin-Lin, coco, goldentree, Aschra und der/die Unbekannte. -g-

Lin-Lin: Muss ich echt immer erst 'unfein protestieren', um dich zum reviewn zu bekommen? -lol- Na, dann pass mal auf, du -piiiep-!!! Denn in dem Fall bekommst du heute von mir noch ein paar weitere -piiiiep- ... äh, unfeine Aufforderungen! Na, was sagst du dazu, du -piiiiep- ? Wehe, du -piiiiep- -piiiep- reviewst nicht bald wieder, dann -piiiiep- -piiiiep- -piiiiiep- ... -ggg- (unfein? Iiiiich?! - aber niemals doch!!!) -lol-

coco: Irgendwann überlege ich mir doch noch, einfach lesbisch zu werden - bei den tollen Liebesgeständnissen. -ggg- -coco knuddel- Hab' dich auch lieb. : D Ehrlich.

tree: So schnell entlasse ich Harry noch nicht aus der Schule! Wo er doch dort noch so schön viel Unheil anrichten kann! -eg-

Aschra: Ich finde auch, wenn schon het, dann am liebsten sowas. Muss zugeben, als ich mich endlich für eine Partnerin für Harry entschied, hatte ich grade einige geile fics gelesen, in denen Luna wirklich positiv dargestellt wurde (von concrete13rose, Rorschach's Blot (sehr zu empfehlen!), ...) Ich war also vielleicht etwas voreingenommen. ;D