Disclaimer: siehe vorige Kapitel.
Beta: JenDeluxe
A/N: Sorry, dass ich so ewig kein update gebracht habe. Praktikum war anspruchsvoll und meine Musen hatten Urlaub, nehme ich an... oder streikten... was weiß ich. Mir sagt ja keiner was. schmoll Ich kann nicht versprechen, dass das nächste update schneller kommt; lediglich, dass es schneller kommt, wenn ich viele reviews bekomme, als ohne. ;D
In diesem Sinne, Ina, goldentree, TC2509, Cynestra (euch beiden vielen vielen Dank für die... ähm, Nervennahrung -g-) -Kuchen und Kekse mampf-, coco und hac.potter (ich stimme dir zu: Harry/Luna ist – abgesehen von Slash-pairings - bisher mein Lieblingspairing) - vielen Dank für eure lieben reviews. Ihr erinnert mich daran, wofür ich schreibe!
11. Kapitel - Adventschaos
Weihnachten stand vor der Türe und die Nervosität der Lehrerschaft steigerte sich ins Unermessliche. Während der letzten Wochen war es immer wieder zu sonderbaren Zwischenfällen gekommen, die man in früheren Jahren ohne zu zögern als Streiche der Weasley-Zwillinge abgetan hätte. Doch diesmal schien es nicht das Werk von ein oder zwei Schülern zu sein, denn die Ereignisse fanden in Unterrichtsstunden verschiedener Häuser statt, trafen zeitweise flächendeckend beinahe jeden, zu anderen Zeiten wiederum nur ausgesuchte Zielpersonen.
Abgesehen von einer besonders hohen Trefferquote bei Ordensmitgliedern und Gryffindors gab es keinerlei Indizien für die Urheber des Chaos.
Und ein Chaos war es wirklich.
Eine Woche lang trauten sich die Gryffindors nicht unter ihre Duschen, da eines Tages plötzlich hochpotente Tränke anstelle des Wassers aus den Düsen geschossen kamen und bei jedem ihrer Opfer eine andere Reaktion auslösten, sei es optisch, psychisch oder anderweitig.
Einige verhielten sich nur merkwürdig, fingen an zu singen oder auf einem Bein zu hüpfen oder erzählten plötzlich jedem, der es nicht hören wollte, warum Hobbits intelligenter waren als Elben; während andere mit bunten Tupfen am ganzen Körper, mit slytheringrünen Haaren oder auch mit silberweißen Bärten umherliefen. Professor Snape hatte offenbar seine liebe Mühe damit, all die Tränke zu brauen, die zur Neutralisierung des Schadens nötig waren.
Es waren nur einige wenige Schüler, welche das amüsierte Glitzern in seinen Augen und die zuckenden Mundwinkel bemerkten, als er über die zusätzliche Arbeit fluchte. Diese Auserwählten freilich wussten ohnehin, dass er seinen Wutanfall nur spielte und schon längst die passenden Gegenmittel gebraut hatte. Er würde in den nächsten Tagen nicht wie wild arbeiten, sondern im Gegenteil den Vorwand nutzen um sich in Ruhe mit einem Buch vor seinen Kamin zu setzen, oder vielleicht einige Tränke für seine lieben Kollegen zu brauen...
Harry war wirklich froh, dass es ihm gelungen war, nicht nur Teile der DA, sondern auch Voldemorts treuen Tränkemeister für seine kleine Racheaktion zu gewinnen.
Eine andere Woche war angefüllt vom teils angewiderten, teils albernen Getuschel über einen Brief, welchen Dumbledore in der großen Halle beim Abendessen erhalten hatte. Der Brief las sich von selbst laut vor und wollte sich einfach nicht stoppen lassen, als er dem Schulleiter fröhlich verkündete, dass dessen Bruder in einer nostalgischen Stimmung war.
Er habe an ihre gemeinsame Jugend zurückgedacht, schallte Aberforth Dumbledores Stimme laut durch den Saal, und sich an die guten Zeiten erinnert, die sie mit allem möglichen Schabernack angefüllt hatten. Zum Gedenken an diese Tage der Jugend wollte er seinem Bruder ein Geschenk machen, das diesen sicher erfreuen würde...
Hier endete der Brief und in dem Moment, als ein verwirrter Dumbledore dem Pergament erlaubte, sich aufzurollen, materialisierte sich mit einem leisen 'Plopp' eine Ziege auf der großen Tafel.
Harry hätte später nicht sagen können, wer geschockter aussah, die Ziege oder der Schulleiter; doch als das gute Tier laut meckernd die Flucht ergriff, so als ahnte es, dass es von dem Zauberer in den schillernden Roben nichts Gutes zu erwarten hatte, brach er wie der Rest der Schüler in heiteres Gelächter aus.
Natürlich ergab eine nähere Untersuchung zweifelsfrei, dass der Brief, von wem auch immer er sonst stammen mochte, nicht von Aberforth Dumbledore kam und das Ganze wurde als böser Scherz abgestempelt. Doch der Schaden an Dumbledores Ruf war bereits angerichtet.
Sei es nun ein Popstar, der alle Jahre wieder erfolglos für dieselbe Art Verbrechen angeklagt wird, oder eine Regierung, der man immer wieder ohne Beweise vorwirft, dass sie ihr eigenes Volk ausspioniert - ganz gleich, worum es sich handelt oder wie spärlich die Beweise waren, die Öffentlichkeit wird beinahe jede Anschuldigung irgendwann für bare Münze nehmen, wenn man sie nur oft genug ins Licht der Öffentlichkeit rückt.
Aus unerklärlichen Gründen fand man etwas später erneut eine Ziege bei Dumbledore. Auch andere Gegenstände, welche seine Qualität als Vorbild für die Jugend in Frage stellten, mehrten sich in seinem Umfeld, bis irgendwann sogar der Tagesprophet die Gerüchte um den alten Zauberer aufgriff.
Schulleiter Albus Dumbledore verliert Vertrauen der Öffentlichkeit
Harry und Luna grinsten sich an. Beide hatten genug Erfahrung mit dem Einfluss der Printmedien auf die Zauberergemeinschaft, um sicher zu sein, dass ein solcher Artikel selbst diejenigen Hexen und Zauberer, welche die bloße Mundpropaganda nicht glauben wollten, überzeugen würde.
Früher hatte Harry sich immer darüber geärgert, dass die Zeitung eine Sache aus der Luft greifen und drucken konnte, als sei es eine Tatsache - und dass diese 'Tatsache' von den Lesern dann auch als solche aufgefasst wurde. Es hatte ihm in der Vergangenheit viel Ärger bereitet. Doch heute spielte der Tagesprophet ihm ausnahmsweise einmal in die Hände. Der Prophet sagte, die Öffentlichkeit verliere das Vertrauen in Dumbledore - also würde die Öffentlichkeit brav genau das tun.
Wenn er erst soweit wäre, Dumbledore zu entmachten, sollte es ein Leichtes sein, die englische Zaubererwelt zu überzeugen, dass sie ohne den alten Narren besser dran war.
---
Es waren mehr Schüler als gewöhnlich, die in diesen Weihnachtsferien im Schloss blieben. Harry hatte eine 'Vision' gehabt, dass Voldemort sich bald für den entscheidenden Schlag nach Hogwarts begeben würde - oder zumindest glaubte Dumbledore, dass sein Wissen von einer Vision herrührte. Darum hatte der Schulleiter erlaubt, dass die DA die Ferien für zwei Wochen intensivsten Trainings nutzte.
Luna, Hermione und einige andere ehemalige DA-Mitglieder hatten sich über die Feiertage komplett frei genommen und wohnten für die Dauer der Trainingstage im Schloss. Sie schliefen in den Schlafsälen ihrer früheren Häuser und aßen an ihren ehemaligen Haustischen in der großen Halle.
Harry sah sich um. Heute, am Weihnachtsmorgen, saßen gut dreißig Jugendliche und jüngere Schüler mit den wenigen im Schloss verbliebenen Lehrern am Tisch. Professor McGonagall und Madame Pomfrey beäugten die Schüler misstrauisch und auch der Schulleiter schien sich zu fragen, ob die Verantwortlichen für die jüngsten Unruhen wohl auch über die Ferien im Schloss geblieben waren.
Seine Frage schien beantwortet, als einige Schüler sich auf die Knallbonbons stürzten und unter anderem eine weiße Lederkappe mit Ziegenhörnern zum Vorschein brachten.
Heiterkeit breitete sich beim größeren Teil der Schülerschaft aus, während die Lehrer und auch einige der übrigen Schüler nervös von einem zum anderen schauten und sich offensichtlich fragten, wie sie die Ferien heil überstehen konnten.
Bei weitem nicht alle Mitglieder der DA waren eingeweiht. Harry und Luna hatten Vergessenszauber geübt und sich von Snape ein Fläschchen Veritaserum geborgt. Harry hatte sich an sein Gespräch mit dem Hut erinnert und auch diesen zur Hilfe geholt. Dann waren sie die mühsame Arbeit angegangen, jedes einzelne Mitglied ihrer Verteidigungsgruppe getrennt oder in Zweiergrüppchen über Harrys Geschichte aufzuklären.
Bei positiver Reaktion, einwandfrei geprüft vom Sprechenden Hut, wurden sie in die weiteren Pläne der Ravenclaws und ehemaligen Gryffindors eingeweiht, welche den Kern der Gruppe um Harry bildeten; andernfalls wurde das Interview aus den Köpfen gelöscht und sie waren weiterhin Teil der ahnungslosen Masse. Ron gehörte zu letzterer Gruppe und auch Cho Chang hatte den Test nicht bestanden.
Harry hatte ein wundervolles Weihnachtsfest. Hermione gab ihm heimlich seine ganzen Besitztümer zurück, welche bei ihr zur Aufbewahrung gelegen hatten. Sein magischer Schmuck (der chinesische Traumfänger war nicht das einzige Stück gewesen), seine Kleider, seine Souvenirs aus den verschiedenen Ländern der Erde - alles war da.
Nach dem unterhaltsamen Frühstück in der großen Halle zogen sich Harry und einige Freunde für eine gemütliche Runde Exploding Snap in den Gemeinschaftsraum der Ravenclaws zurück. Als sie merkten, dass sich nur 'Eingeweihte' mit im Raum befanden, ließ sich Harry bewegen, von seinen Reisen zu erzählen. Es war eine fröhliche Runde, welche da vor dem Kamin auf den Sesseln und Kissen thronte und gebannt dem Reisebericht des ehemaligen Gryffindors lauschte. Harry erzählte mit vielen lebhaften Gesten und hielt auch peinlichere Details nicht zurück.
Mat strahlte, als Harry die Eichhörnchengeschichte aus Australien zum Besten gab, welche für seine Rettung beim Quidditch verantwortlich war. Er genoss es, ein wenig im Mittelpunkt zu stehen. Nachdem Harry diesen Abschnitt seiner Erzählung beendet hatte, wurde Mat gedrängt, vom Leben auf Schloss Slytherin zu erzählen, was er auch mit großer Begeisterung tat.
Harry musterte seine gegenwärtigen und ehemaligen Mitschüler. Alle hatten sie unter Veritaserum bestätigt, dass sie ihm glaubten und auf seiner Seite waren; dennoch waren die wenigsten beim Gedanken an Voldemort ruhig und unbekümmert. Sie mochten Harry vertrauen, doch es war zu viel verlangt, dass sie von heute auf morgen den Gedanken vollständig akzeptierten, dass Voldemort kein mordender und rasender Irrer mehr war. Die wenigsten von ihnen hatte den Dunklen Lord jemals auch nur gesehen.
Harry war überglücklich, dass Mats Erzählung vom Alltag in 'Vorlost's kleinem Waisenhaus die Sorgen seiner Verbündeten zu zerstreuen schien. Der Mann, welchen Mat beschrieb, wie er mit den Jungs Fußball spielte, Windeln wechselte und Gute Nacht-Geschichten vorlas, konnte einfach nicht böse sein.
Harry selbst konnte sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen, als er von Vorlosts Beziehung mit Madam Hooch erfuhr. Er war es gewesen, der Voldemort geraten hatte, mehr unter Leute zu gehen. Dass sein Rat so schnell Früchte trug, hätte er nicht vermutet, und es gab ihm ein angenehmes 'hab-ich's-doch-gesagt' - Gefühl.
---
Das Mittagessen verlief ähnlich wie das Frühstück; für Harrys Freunde war es vergnüglich, für alle anderen eher betrüblich, doch letzten Endes musste sogar Professor McGonagall sich das Lachen verkneifen, als Neville und Trevor auf einmal die Körper tauschten, gerade als Trevor eine Fliege schlucken wollte.
Neville war zwar inzwischen auch im Bilde, was Harrys Stand in der Politik anging, doch im Gegensatz zu Hermione war er nicht von selbst auf die Idee gekommen, sich bei Harry zu entschuldigen, und so musste er denn auch hin und wieder wie alle anderen unter Harrys Streichen leiden.
Der positive Nebeneffekt dieser Art der 'Gerechtigkeit' war, dass niemand anhand der Personen, welche verschont blieben, die Täter herausfinden konnte. Harry selbst ließ sich hin und wieder mit dem einen oder anderen Produkt der Weasley-Zwillinge oder auch einem ihrer eigenen Streiche belegen, um keinen Verdacht zu erregen.
"Neville, könntest du mir bitte das Salz reichen?"
"Kroaaaak!"
"Oh, Verzeihung, das hatte ich ja ganz vergessen. Ob das wohl noch lange anhält?", fragte Harry freundlich. Die Kröte sah ihn vorwurfsvoll an, sagte aber nichts weiter. Nevilles Körper derweil stieß eine Menge unverständliches Gebrabbel aus und versuchte, auf allen Vieren auf den Tisch zu steigen, um sich nach etwas Essbarem umzusehen.
Natürlich löste sich der Zauber präzise in dem Moment, als Trevor das zweite Bein auf den Tisch hob; Neville, der sich unerwartet wieder in seinem eigenen Körper befand, verlor wegen des ausgestreckten Beins das Gleichgewicht und landete Kopf voran in der Suppenschüssel.
"Aaah-grmbllblllblllbbbbl!"
"Neville, was machts du denn!" Hermione seufzte und zog den suppetriefenden Jungen zurück auf die Bank. Zum Glück war das Essen schon größtenteils abgekühlt, sodass der ehemalige Gryffindor sich keine Verletzung bei seiner (oder eher, bei Trevors) Akrobatik zugezogen hatte.
Tropfend und verwirrt blinzelnd saß er neben Hermione auf der Bank. Professor Dumbledore reinigte Nevilles Kleidung mit einem Schwung seines Zauberstabes und fuhr dann ruhig fort, sein Spanferkel zu verzehren - naja, ruhig nur so lange, bis das gute Tier ihn plötzlich aus großen Kulleraugen ansah und fragte: "Darf ich Mama zu dir sagen?" ¹
Harry grinste Saskia breit an, als er sich unbeobachtet wusste. Die kleine muggelbegeisterte Slytherin war ein interessanter Zuwachs zu seiner Gruppe gewesen und hatte immer wieder die abenteuerlichsten Ideen - wie etwa dieses Schwein.
Etwa zwei Drittel der momentanen Slytherinschüler in Hogwarts wussten von der Verwandlung des Dunklen Lords in einen freundlichen, weltoffenen Waisenhausleiter. Nur ein kleiner Teil von ihnen lehnte die Veränderung ab. Diese hohe Akzeptanz lag vor allem an Voldemorts Phase gesteigerter Grausamkeit, bevor er zu seinem neuen "Ich" gefunden hatte. Viele Slytherin- Familien hatten vor drei Jahren sehr unter Voldemorts Temperament gelitten und allgemein war man nur froh, dass diese Phase vorbei war. Alles musste besser sein als ein rasender Dunkler Lord, der seine eigenen Untergebenen niedermachte.
Nachdem Harry herausgefunden hatte, dass Mat in direktem Kontakt zu Vorlost stand, hatte er dessen Nachrichtenbahnen genutzt, um die Namen aller vertrauenswürdigen Slytherins - ein Menschenschlag, an dessen Existenz er vor vier Jahren noch nicht geglaubt hatte - zu bekommen. Es war ihm nicht möglich gewesen, sie in die DA aufzunehmen, da eine solche Aktion zu viel Verdacht erregt hätte. Doch er sprach sich regelmäßig mit ihnen über neue Streiche ab und hielt sie auch auf dem Laufenden, was ihre Rolle im 'entscheidenden Gefecht' am 12. Januar betraf.
Noch immer lief die wesentliche Kommunikation über Mat, auch wenn Mme Hooch ein oder zweimal persönlich in Hogwarts vorbeigeschaut hatte. Vorlost und Harry aber hatten sich noch immer nicht wieder getroffen und beide wurden täglich nervöser, je näher der große Tag rückte.
Konnten sie einander vertrauen? Würde alles ohne Probleme ablaufen?
Es gab so viele Stellen, an denen etwas schieflaufen konnte. Was, wenn Harrys großer Bannfluch nicht ausführbar war und es doch zum Kampf kam? Würden sie fliehen können, ohne dass es Verletzte gab? Was, wenn Moody nicht unterschrieb? Was, wenn die Kinder...? Was, wenn...?
Ja - was, wenn.
Harry wusste es so gut wie auch Vorlost: Es durfte nicht misslingen. Zu viel hing für sie alle davon ab.
---
Die Ferien vergingen wie im Fluge. Jeden Nachmittag trainierte die DA für mehrere Stunden und auch wenn nicht alle verstanden, warum sie Täuschungs- und Bannzauber lernen mussten, vertraute doch jeder Einzelne darauf, dass Harry wusste, was er tat.
Am letzten Abend vor dem Ende der Ferien legten sie noch einige Stunden Abendtraining ein. Es war nur noch eine Woche bis zur 'alles entscheidenden Schlacht'.
Harry und Luna waren jeden Abend nach dem Training der DA nochmals in den Raum der Wünsche zurückgekehrt und hatte zu zweit die Grenzen ihrer Wilden Magie ausgetestet. Dabei konzentrierten sie sich nicht wie am Nachmittag auf Techniken und Zauber, welche für den Kampf geeignet waren, sondern bemühten sich vielmehr, ihr allgemeines Verständnis ihrer eigenen Magie zu verbessern. Hin und wieder arbeiteten sie ernsthaft an einer Strategie, für den Fall dass ihr Plan für die 'Schlacht' nicht aufging; doch einen Großteil der Zeit verbrachten sie damit, ihrer Magie freien Lauf zu lassen und einfach nur herumzualbern.
So auch heute.
"Harry, sieh mal, ein schwarzes Kaninchen!", rief Luna, die in einen weißen Zylinder spähte.
"Lass es drin", rief er, gespielt erschrocken, "es ist das Schwarze Kaninchen des Todes!"² Unter Lunas belustigten Blicken nahm er ihr den Zylinder aus der Hand und verschloss ihn mit einem wasserfesten Gütesiegel, wobei er allerdings, ziemlich daneben, 'Bright Eyes' summte.
Dann verwandelte er ihn in ein kleines Modellflugzeug und schickte es zum Fenster hinaus. Luna sah dem Muggelspielzeug fasziniert hinterher. Sie nahm sich eine Haarnadel aus den wilden blonden Locken, reduplizierte sie und schickte schließlich zehn kleine Feuerblitze hinter dem Modellflugzeug her. Die Besen holten schnell auf, doch dann verloren sie immer wieder an Geschwindigkeit, weil sie Loopings und Wronski-Finten flogen oder ganz einfach vom Kurs abkamen.
"So würdest du als Sucher nicht weit kommen", kommentierte Harry.
"Ich suche ja auch nicht", antwortete sie kryptisch, "ich finde nur."
"Soso", forderte er sie zum Weiterreden auf, "was findest du denn so alles?"
"Ich finde, du solltest dein Hemd ausziehen."
Harry blinzelte überrascht. Meinte sie das, was er jetzt gerade dachte...? Bei Luna konnte man das nie so genau wissen. "Warum... sollte ich das tun?", fragte er vorsichtig.
Luna sah ihn aus großen, ernsten Augen an. "Es könnte ein Wirdelgnarz darunterstecken. Nach allem, was du heute gezaubert hast, ist das sogar sehr wahrscheinlich."
Harry lachte. Natürlich, ein Wirdelgnarz! Wie hatte er nur erwarten können, dass Luna in ihrer Beziehung plötzlich in die Offensive ging, wo sie sich bisher nur hin und wieder geküsst hatten und sie sich einen Großteil der Zeit nicht einmal zu erinnern schien, dass sie überhaupt zusammen waren...
"Jetzt zieh schon aus", beharrte Luna, "diese Biester sind gefährlich."
Harry schüttelte amüsiert den Kopf, beschloss aber, Luna ihren Willen zu lassen und zog sich rasch das Hemd übern Kopf. Spöttisch sah er sie an. "Wirdelgnarz gefunden?"
Luna erwiderte seinen Blick ernst. "Er könnte auch in deine Hose gewandert sein."
Harry lief ein wenig rot an. Doch im Grunde hatte er nichts dagegen, von Luna angeschaut zu werden, und so ließ er sich überreden, auch die Hose abzulegen. Es war schließlich nicht so, als könne jeden Moment jemand in den Raum stürmen; die Einzige, welche ihn in der Unterwäsche sehen würde, war Luna. Und vor der sollte er sich besser nicht verstecken, wenn er wollte, dass es in ihrer Beziehung jemals zu mehr kam als zu bloßen Küsschen.
"Was sind eigentlich Wirdelgnarze?", fragte er mit lediglich gespieltem Interesse, während er sich bückte, um aus den Hosenbeinen zu steigen.
Als er sich wieder aufrichtete, stieß er beinahe mit dem Kopf an Lunas Kinn, so nah war sie auf einmal an ihn herangetreten.
"Ich habe keine Ahnung", hörte er noch, bevor ihre Lippen sich auf seine legten.
Luna hätte genauso gut eine Slytherin sein können, ging es ihm durch den Kopf. Dann verabschiedete sich sein Denken spontan für den Rest des Abends.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
¹ Das ist ein Zitat von Mittermeier, über Nichtvegetarier, die 'Schweinchen Babe' toll finden...
² Aus dem Film 'Watership Down' ('Unten am Fluss')
