Disclaimer: Genauso wenig meins wie bisher.

Beta: JenDeluxe : ) Übrigens: Ich ändere oft noch was, nachdem meine Beta den Text hatte; alle noch vorhandenen Fehler sind ziemlich sicher meine...

Die üblichen Ausreden: Wozu? Ihr wisst schon, dass ich nicht die schnellste bin...(und dann hatte ich das Kapitel endlich von Jen zurück und habe vergessen, es auch zu posten - typisch.) ;D

12. Kapitel - Endkampf

Es war soweit.

Sturm peitschte über die Ländereien von Hogwarts, wütender Wind riss an den Ästen der Bäume des Verbotenen Waldes. Dichter Schnee versperrte die Sicht aus den Fenstern und die Schüler und Lehrer hielten sich an diesem Samstag nahe bei ihren Kaminen. Keine Eule würde bei diesem Unwetter wagen, den Schnabel aus der Eulerei zu strecken. Hogwarts lag da wie vom Rest der Welt abgeschnitten.

Seit einer Woche hatte der Unterricht in Hogwarts wieder begonnen und es hätte ein Wochenende wie jedes andere sein können, voller Spiele, Gespräche über die Ferien und Hausaufgaben. Und doch lag eine angespannte, unheilvolle Stimmung über dem Schloss, welche seine Bewohner enger zusammenrücken ließ. Harry Potter, der lange verschollene Held der englischen Zaubererwelt, hatte eine Vision gehabt; eine Vision, welche einen Angriff des Dunklen Lords auf das Schloss vorherzusagen schien - während eines Sturms.

Der Kamin im Büro des Schulleiters war seit Beginn des Jahres 24/7 mit dem von Minister Moody verbunden, Auroren standen in Alarmbereitschaft; die Öffentlichkeit war gewarnt, sich nicht allein auf die Straße zu begeben. Es herrschte nervenzermürbende Spannung.

Mittagessen war an diesem Tag eine traurige Angelegenheit. Alle waren viel zu nervös und verängstigt, um das Essen zu genießen und auch die Unterhaltungen an den Tischen liefen gedämpft und lustlos ab.

Gerade erhoben sich die ersten Schüler, um die Halle zu verlassen, da flogen die großen Türen auf und Hagrid kam hereingeschneit - im wahrsten Sinne des Wortes. Eiskristalle klebten in Haar und Bart des Riesen und der Wind wirbelte weiße Flocken von der Vorhalle durch die Türe herein. Hagrid hatte sich nicht die Mühe gemacht, die Türe hinter sich zu zuziehen.

"Sie sind da! Die Todesser sind da! Du- weißt- schon- wer greift an!!!"

Was seinen Worten folgte war das reine Chaos. Nur Harry, Mat und Dumbledore schienen die Ruhe bewahren zu können. Dumbledore schaffte es im selben Moment, die Lehrer um sich zu versammeln, in dem Harry die DA, soweit sie sich in der Schule befand, um sich geschart hatte. Beide begannen augenblicklich, Befehle zu bellen und mehrere Leute verließen eilig mit Aufträgen die große Halle.

Keine zehn Minuten später begannen Ordensmitglieder, Auroren und DA-Mitglieder aus dem Kamin im Büro des Schulleiters zu purzeln und sich in Richtung der Eingangshalle in Bewegung zu setzen. Die Schüler der niedrigeren Jahrgangsstufen wurden mit ihren Haussprechern in einen Schutzraum in den Kerkern geschickt.

Dumbledore brachte derweil zusammen mit den Professoren McGonagall und Flitwick zusätzliche Schutzbanne an, doch man konnte regelrecht zusehen, wie die anrückende Armee einen nach dem anderen deaktivierte und unaufhaltsam über das Schlossgelände voranschritt.

Eilig hatten die Auroren Stellung bezogen. Harrys DA war direkt dahinter positioniert, die Ordensmitglieder übernahmen die Flanken. Harry, von seiner Position am Kopf der DA aus, bemerkte hocherfreut, dass Minister Moody persönlich seine Auroren in die Schlacht führte. Er würde den alten Auroren also nicht lange suchen müssen.

Ohne sich seine Freude anmerken zu lassen starrte Harry mit düsterem Blick den anrückenden Todessern entgegen. Es waren nicht dutzende oder hunderte; nein, tausende schwarz ummantelter Gestalten schienen da durch den Sturm auf das Schloss zuzukommen.

Harry gab seinen Leuten ein Zeichen, dann machte er sich auf, um Dumbledore und den Minister von seinem 'Plan' zu informieren.

"Was ist das für ein Schildzauber?", fragte Moody misstrauisch. Harry begegnete seinem Blick ruhig uns selbstbewusst.

"Ich weiß nicht, woher er kommt. In letzter Zeit habe ich immer wieder ... so eine Art Visionen, könnte man sagen. Fast wie Erinnerungen. Professor Dumbledore ist überzeugt, dass sie nicht von Voldemort kommen, und bisher haben sich all die Sprüche als zuverlässig erwiesen. Auch diesen hier haben wir im kleinen getestet; ich bin zuversichtlich, dass wir ihn heute auch im größeren Rahmen anwenden können!"

Harry musste schreien, damit die beiden Männer ihn über das Heulen des Sturms hinweg verstehen konnten. Moody tauschte einen langen Blick mit dem Schulleiter aus, und als Dumbledore zögernd nickte, brummte der Minister und gab widerwillig seine Zustimmung.

"Da draußen sind mindestens zehnmal mehr Leute als wir jemals auf dieses Schlachtfeld führen könnten. Wir brauchen jede Hilfe, die wir bekommen können. Aber bring dich nicht in Gefahr, Potter. Sieh zu, dass du dich selbst auch schützt. Der beste Schild nützt nicht viel, wenn unsere einzige Hoffnung außerhalb bleibt."

Harry sah ihn ernst an. "Das sehe ich ganz genauso, Minister." Es war nur allzu wahr.

Moody musterte ihn scharf, dann wandte er sich ab und begann, seine Truppen von der neuen Vorgehensweise zu informieren. Dumbledore zwinkerte Harry aufmunternd zu. Harry nickte kurz, dann wandte er sich ab. Er war sich sicher, dass der Schulleiter ihm nicht völlig traute; Dumbledore hatte ihm nur erlaubt, seinen 'Schildzauber' anzuwenden, weil die Lage so unglaublich hoffnungslos aussah. Moody hatte nicht übertrieben: Was Voldemort da ins Feld führte, war allem Anschein nach eine Armee, die mindestens zehnmal so stark war, wie alle Auroren, Ordensmitglieder, Schüler und sonstigen Anhänger des Lichts zusammen.

Harry verkniff sich ein Grinsen. So sieht es zumindest aus. Aber ach, der Schein kann trügen... Armer Dumbledore. Das wird heute für ihn eine herbe Enttäuschung werden.

Als die Armee des Dunklen Lords bis auf wenige hundert Meter herangekommen war, gab Harry seiner 'Dunklen Armee' das verabredete Zeichen. Er hatte die DA gut trainiert. Absolut reibungsfrei teilten sich die jetzigen und ehemaligen Schüler in die abgesprochenen Gruppen auf. Bei Harry standen nur solche, die er in sein Geheimnis eingeweiht hatte; es waren über ein Dutzend Hexen und Zauberer. Der Rest der DA, etwa doppelt so viele Jugendliche, scharten sich um Neville.

Manche von ihnen, so wie Neville und Angelina, waren sich der tatsächlichen Lage voll bewusst; die meisten aber hatten keine Ahnung, was Harrys Spruch tatsächlich bewirken würde.

"Vergesst nicht, sobald der Bann gesprochen ist, kann er nicht mehr gelöst werden, egal, was ihr tut; aber bis dahin ist absolute Konzentration von Nöten! Wir wollen den Frieden - und dies ist der schnellste Weg, ihn zu bekommen. Seid ihr bereit?"

"Ja!"

In Windeseile schwärmten die DA-Mitglieder aus, bis sie die ganzen Streiter der Seite des Lichts umstellt hatten.

Je ein 'Eingeweihter' auf der Außenseite stand zwei 'Mitläufern' auf der Innenseite gegenüber. Harry schoss einen hellen roten Blitz in den Himmel, ein Signal, das selbst bei diesem Wetter zu allen durchdrang. Sechsunddreißig Münder öffneten sich, zweiundsiebzig Lippen formten Worte, die sie bis auf eine Ausnahme selbst nicht verstanden. Das Altkirchenslawisch kratzte in ihren Kehlen, doch die ständige Übung machte es möglich, dass jeder Einzelne den Spruch fehlerfrei bis zum Ende sprechen konnte.

Beim letzten Wort richteten alle ihre Zauberstäbe auf Harry. Ein goldener Lichtstrahl schoss aus Harrys Zauberstab, dutzendfach verstärkt von seinen Mitstreitern, und unter den ehrfürchtig aufgerissenen Augen der Auroren und Ordensmitglieder spannte sich eine schimmernde goldene Kuppel über ihren Köpfen.

Ein wütender Schrei ertönte. Viele Köpfe fuhren herum; es war Moody, der geschrieen hatte. "POTTER! Was fällt dir ein?!" Der Minister eilte mit wütenden Schritten durch den Schnee auf Harry zu, der soeben die Stränge aus purer Magie verschnürte, welche ihm seine Helfer zugespielt hatten, und den Bann permanent verankerte. "Du solltest innerhalb des Bannes sein, nicht außerhalb!"

Harry sah den Minister ausdruckslos an und erwiderte: "Falsch. Sie glauben, dass ich auf Ihrer Seite stehen sollte, Ihre Ansichten teilen und Ihren Kampf kämpfen sollte. Nun, wenn Sie Seite an Seite mit mir kämpfen wollten, dann hätten Sie mir ein wenig mehr Vertrauen entgegenbringen sollen. Nun ist es zu spät. Ich werde diesen Krieg heute beenden - aber auf meine Weise. Nicht auf Ihre.

"Ich habe genug von sinnlosen Opfern, von blutigem Kampf um nichts weiter als darum, wer Recht hat. Das ist so kindisch! Ich will kein Held in einem Kampf der Ideale sein, wenn ich genausogut ein ganz normaler Mensch in einer Welt ohne Kämpfe sein könnte! Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss diesen Krieg zuende bringen!"

Nicht nur Moody starrte Harry total geschockt hinterher, als er zielstrebig ganz alleine auf die heranrollende Flut von schwarzen Roben zulief. Dumbledore machte eine Bewegung, als wolle er dem jungen Zauberer hinterherlaufen - und blieb erstaunt stehen.

Die goldene Wand des 'Schutzbannes' hatte ihn aufgehalten. Dumbledore sprach einen milden 'Alohomora'. Der Spruch traf auf die Wand der Kuppel, prallte ab und fuhr unter Dumbledores Hut, welcher daraufhin gehorsam seine geheime Innentasche öffnete, sodass mehrere Zitronenbonbons zur Erde hernieder fielen.

Erstaunte Rufe und ungläubiges Keuchen war in der ganzen Kuppel zu hören, als ein Zauberer nach dem Anderen erkannte, dass sie nicht nur in der Kuppel gefangen waren, sondern auch noch keinen einzigen Zauberspruch hinausschicken konnten.

Luna Lovegood trat vor. "Die Kuppel ist spruchfest. Wie Harry gesagt hat, wird er diesen Krieg auf seine Art beenden. Er hat die Kontrolle über den Bann, und nur er kann einzelne Leute herausholen, oder auch den ganzen Bann lösen. Bitte sehen Sie davon ab, gefährliche Flüche zu sprechen, da Sie mit großer Wahrscheinlichkeit Ihre Mitstreiter im Inneren verletzen!"

Dumbledore und Moody wechselten einen mit Panik gefüllten Blick. "Er wird doch nicht...?"

"Der Junge ist selbstmörderisch genug. Und er hat gemerkt, dass wir Geheimnisse vor ihm haben... eigentlich ist es nur verständlich, dass er auch Geheimnisse vor uns hat."

"Meinst du, er hat einen Plan, Albus?"

"Ich weiß es nicht, Alastor. Ich weiß es nicht."

In diesem Moment meldete sich ein DA-Mitglied aus der im Inneren gefangenen Hälfte zu Wort. "Ich weiß nicht, was Harry vor hat", verkündete Dean Thomas laut, "aber er würde nie etwas tun, von dem er weiß, dass es uns schadet. Ich habe keine Ahnung, was er plant, aber was immer es auch ist, ich vertraue ihm. Ich glaube an Harry!"

Der Ruf wurde von einem DA-Mitglied nach dem anderen aufgenommen. "Ich glaube an Harry!", schallte es in der ganzen Kuppel wieder. Es war laut genug, um sogar durch den Sturm bis zu Harry vorzudringen. Endlich erlaubte er sich zu lächeln.

Glaubt ihr nur! Aber ist es dafür nicht ein bisschen zu spät?

Es waren nicht mehr nur Mitglieder der DA, welche da schrieen. Nein, es waren auch einige Auroren und viele der Ordensmitglieder - dieselben Leute also, welche ihm zuvor so sehr misstraut hatten, dass sie ihm vier Jahre seines Lebens stehlen und ihm den Zugang zu seiner ureigenen Magie verweigern wollten. An mich glauben wollt ihr? Nein, nicht wirklich. Ihr seid lediglich VERZWEIFELT.

Noch zehn Schritte, dann würde er die Schwarzgewandeten erreicht haben. Da teilten sich ihre Reihen, und Voldemort persönlich kam auf Harry zugeschritten. Harry sah ihm ruhig entgegen.

"Potter! Kommst du, um so elendiglich zu sterben wie deine Eltern?", sprach Voldemort höhnisch die verabredeten Losungsworte.

"Nein, ich komme, um zu leben, wie sie es hätten tun sollen", antwortete Harry in ebenso gespielt überheblichem Tonfall.

"Wie willst du das erreichen, Harry?" Diesmal war jeglicher Hohn aus der Stimme des Schlangenlords gewichen, und er sprach so leise, dass ihn nur die unmittelbar neben ihm stehenden Todesser hören konnten. Sie hatten ihre Erkennungsphrasen ausgetauscht und waren nun bei der eigentlichen Unterhaltung angekommen.

"Indem ich dir vergebe, Vorlost", antwortete Harry ebenso ernsthaft. "Es tut gut, dich endlich wieder zu sehen. Ich hatte mir Sorgen gemacht, du könntest deine Meinung doch noch ändern..."

"Mir geht es nicht anders. - Du willst es also durchziehen?"

"Ja."

Harry Potter, der Junge-der-lebt, mehrfacher Bezwinger des Dunklen Lords Voldemort und Hoffnung der Zaubererwelt, erhob in einer weithin sichtbaren Geste seinen Zauberstab - und legte ihn vor den Füßen des Dunklen Lords zu Boden.

Ein Aufschrei erklang hinter ihm, als die Menschen in der goldenen Kuppel begriffen, was vor sich ging. "Harry, nicht!", riefen die einen, "Das kann nicht Harry sein!", die anderen.

Heftige Debatten brachen aus, ob Harry Potter sich wirklich dem Dunklen Lord ergeben würde, oder ob nicht vielmehr alles Teil einer großen Finte sei, lediglich Augenwischerei, um Du-weißt-schon-wen in Sicherheit zu wiegen.

Harry derweil hatte sich auf ein Knie sinken lassen und seinen Kopf in Ehrerbietung geneigt.

"Schwörst du, Harry Potter, auf deine Magie, dass du mir nicht nach dem Leben trachtest?", erschallte Voldemorts magisch verstärkte Stimme über dem ganzen Schlachtfeld. Der Sturm heulte wie ein Chor gepeinigter Seelen, Schnee und Eis fraßen sich in die Wangen der Kämpfer und versperrten ihnen die Sicht.

"Ich schwöre", antwortete Harrys klare, feste Stimme.

"HARRYYYYY!!!!"

Harry erhob sich. An Voldemorts Seite kehrte er langsam zu seinen Kampfgefährten zurück. Sein Blick war nicht minder kalt, als der des Dunklen Lords, als er dem kleinen Grüppchen der DA, welches sich außerhalb des Schutzbannes befand, entgegentrat. Die Jugendlichen sahen ihn unsicher an. Sie wussten, was für ein Spiel er spielte; dennoch war ihnen dieser kalte, herablassende Harry so unbekannt, dass einige von ihnen Zweifel verspürten.

Harry lief einfach an ihnen vorbei.

"Harry!", schnaubte Hermine empört. Nun drehte sich Harry um. Jetzt, da er die Armee des Lichts im Rücken hatte, erlaubte er sich ein kurzes, strahlendes Lächeln. Doch bevor die DA sichtbar aufatmen konnte, hob er warnend eine Augenbraue. Einschüchterung war ein wesentliches Element ihres Planes. "Gute Arbeit", sagte er kalt - während seine Augen noch immer lächelten.

Dann wandte er sich wieder der goldenen Kuppel zu.

Dumbledore und Moody waren auf ihn zu gelaufen, soweit es ihr goldener Käfig erlaubte. Wenige Schritte trennten sie nun noch von ihrem schlimmsten Feind und ihrer einzigen Hoffnung - welche soeben die Seiten gewechselt hatte.

"Harry", sprach Dumbledore ihn ernst an, "hast du dir gut überlegt, was du da tust?"

"Ja", kam die kalte Antwort. Dumbledore wurde davon kurzzeitig aus dem Konzept gebracht. Doch er hatte sich schnell wieder im Griff und startete den nächsten Versuch.

"Harry, dieser Mann hat deine Eltern ermordet."

"Ich weiß."

"Er ist schuld am Tod zahlloser Zauberer und dutzender unschuldiger Muggel."

"So unschuldig wie meine Familie?"

"Was?"

"Du hast zugelassen, dass ich mein Leben lang von meinen Verwandten misshandelt wurde, Dumbledore. Und am Ende haben sie mich sogar verkauft!" Dass dies nicht der Wahrheit entsprach, wusste der alte Schulleiter ja nicht.

"Du hast mich wieder und wieder gegen Voldemort kämpfen lassen, mich, ein bloßes Kind damals, nur um meine Grenzen auszutesten und mich zu einer noch besseren Waffe zu machen. Du hast mich stets belogen, mich mit deinen Halbwahrheiten ins Verderben rennen lassen und mir alles genommen, was mir etwas bedeutete."

Dumbledores Augen weiteten sich, als Harry auf seinen Kopf zeigte.

"Ja, alter Mann. Ich habe meine Erinnerungen wieder. DIE DU MIR GENOMMEN HATTEST!"

Harrys Stimme war noch immer magisch verstärkt und der echte Zorn in seinem Tonfall blieb niemandem verborgen.

"Du hast mir die Magie genommen, welche alleine zu meinem Sieg über Voldemort hätte führen können. Du hast mir gezeigt, dass ich dir nicht vertrauen kann, da du nicht für das Wohl der Zaubererwelt kämpfst. Warum sonst hättest du mir die Macht genommen, von der es in der Prophezeiung hieß, dass ich nur durch sie Voldemort besiegen könnte?"

Ein weiterer Schauer von erstaunten und verwirrten Ausrufen drang durch das Schneetreiben an Harrys Ohren. Er sog es auf, wie ein nasser Schwamm.

"Hast du deinen blinden Anhängern jemals auch nur von der Prophezeiung erzählt?", fragte er mit einem wohlgezielten Blick auf Minister Moody. Dieser runzelte die Stirn, und während sein magisches Auge wild rotierte, fixierte er mit dem normalen Dumbledore.

"Sag es ihnen", stichelte Harry. "Sag ihnen, wer als Einziger die Macht hat, Voldemort zu besiegen!"

Dumbledore seufzte. "Harry Potter", gab er widerstrebend zu.

"Genau, Dumbledore", klinkte sich Voldemort nun endlich in die Unterhaltung ein. "Und er gehört jetzt mir! Genauso wie..." - er winkte mit dem Zauberstab, was einen grünen Funkenregen hervorrief - "...sie alle hier!"

Aus dem Schneegestöber traten von allen Seiten magische Kreaturen heran: Zentauren, Hauselfen, sogar Vampire und ein Einhorn waren dabei. Auch eine Gruppe von menschlich anmutenden Gestalten entstiegen den eisigen Schatten: es waren die Werwölfe unter Führung von Remus Lupin.

Dumbledore starrte entsetzt auf das Einhorn. Alles hatte er erwartet - aber das nicht. Ein Tier von absoluter Reinheit und Unschuld - und es war auf Voldemorts Seite?! Was für düstere Zauber musste der Dunkle Lord aus der Versenkung geholt haben, dass sogar die edelsten Wesen des Lichtes sich ihm unterwarfen?

Sein Blick fiel wieder auf Harry. Harry Potter, den er vor vier Jahren verloren hatte; der plötzlich wieder aufgetaucht war um ihm fröhlich zu erzählen, er habe sich Voldemort angeschlossen - als sei es das Normalste der Welt. Harry Potter, der sie nun alle verraten hatte.

"Harry... was habe ich nur falsch gemacht?"

Potter lächelte grimmig. "Die Liste ist lang... Um nur das Wesentlichste zu nennen: Du hast mir nie zugehört. Du wolltest mich zurechtbiegen wie es dir gefällt. Du hast zu fest gebogen - die Sehne ist gerissen. Der Pfeil ist nicht abgestumpft, doch du hast keinen Bogen, um ihn abzufeuern. Jetzt habe ich einen anderen Weg gewählt."

"Sieh ein, dass du verloren hast", schnurrte Voldemort. "Du kannst nicht mehr gewinnen, Dumbledore!"

Dumbledore ließ den Kopf hängen.

Harry sah Voldemort fragend an; der ältere Mann nickte. Harry zog aus einer Tasche seines Kampfumhanges zwei Dokumente hervor.

"Dies hier ist eine Generalamnestie für Tom Vorlost Riddle, auch bekannt als Lord Voldemort, und alle Hexen und Zauberer, welche mit ihm in Verbindung stehen und durch Taten in seinen Diensten Schuld auf sich geladen haben. Anwesende eingeschlossen."

Er reichte dem Schulleiter das Dokument durch die Wand der Kuppel. Im selben Moment, als sein Arm die leuchtende Wand durchbrach, packte Moody mit einer blitzschnellen Bewegung zu und zerrte Harry nach drinnen. In Sekundenschnelle fand Harry sich am falschen Ende dutzender Zauberstäbe wieder. Bunte Lichter zuckten als die unterschiedlichsten Flüche auf ihn herniederprasselten.

"Verdammt, woher kommt mir das nur so bekannt vor?", grummelte er verärgert. Er machte nicht den Eindruck, als sei er sonderlich besorgt um sein Wohlergehen, obwohl seine Haut ganz plötzlich von sonderbaren Pusteln, Fledermausschwingen und Ausschlag bedeckt war, seine Zähne entweder schief standen oder wackelten und seine Augen aussahen, als wüssten sie nicht, ob sie lieber zerplatzen oder implodieren wollten. Gerade dieser Mangel an Beunruhigung hielt seine Gegner jetzt auf Abstand. Welches Ass mochte er noch im Ärmel haben?

"Lasst Potter los", zischte Voldemort. "Ihr Narren! Glaubt ihr wirklich, dass eine Geisel euch das Leben rettet? Im Gegenteil! Wenn ihr Potter freigebt, bin ich weiterhin bereit, euch allen das Leben zu lassen, so, wie ich es ihm versprochen habe. Tut ihr es aber nicht - dann Gnade euch der Gott der Muggel, denn weder Merlin noch Morgana würden sich solcher Dummköpfe wie euch erbarmen!

"Seht euch um! Ihr seid umzingelt! Ich muss lediglich warten, bis ihr in diesem Bannfeld verhungert. Wollt ihr wirklich so sinnlos draufgehen?"

Seine Stimme triefte vor Hohn und die Menge seiner Zuhörer zuckte unter jedem seiner Worte zusammen wie unter einem Peitschenhieb.

"Bitte, es ist eure Wahl. Potter hat seine Aufgabe erfüllt - ich brauche ihn nicht mehr. Wenn ihr ihn jetzt beseitigt, dann muss ich mich nicht an meinen Teil der Abmachung halten. Und ich muss sagen, die Versuchung ist groß..."

Er erhob seinen Zauberstab und schickte einen leichten Brennnesselfluch in Richtung des Ministers für Magie. Moody fluchte, als der rote Lichtstrahl seinen Arm streifte und ein fieses Brennen hervorrief. Er ließ Potter fallen.

Voldemort lachte. "Wie ihr seht, hat euer 'Retter' ganze Arbeit geleistet. Während ihr weder entkommen noch euch wehren könnt, muss ich nicht einmal warten, bis ihr in dem Bannfeld verhungert. Ich kann euch Einen nach dem Anderen bequem von hier draußen aus eliminieren... Also, was ist? Gebt ihr Potter nun frei oder entbindet ihr mich von meinem Versprechen, indem ihr ihn umbringt?"

Harry saß zwischen Dumbledore und Moody auf dem Boden und bekam kaum etwas von der Unterhaltung mit. Jeder Zentimeter seiner Haut schmerzte, er sah fast nichts und er hatte das Gefühl, dass ihm durch seine schiefen Zähne der Sabber aus dem Mund tropfte.

Er war schon wieder leichtsinnig gewesen.

Nicht, dass er sich wirklich Sorgen machte. Niemand konnte es sich leisten, ihn tatsächlich zu ermorden. Dennoch... es war höchst unerfreulich.

Eine wohlbekannte Stimme machte ihn unsanft wieder auf das Geschehen um ihn aufmerksam. "Wie konntest du uns nur so verraten, Harry!", zischte Ron Weasley wütend. "Ich kann nicht glauben, dass wir einmal beste Freunde waren!"

"Ronald Weasley!" Hermine trat bis zur goldenen Wand an ihn heran und starrte den Rotschopf empört an. "Überlege dir gut, was du da sagst, denn ich verspreche dir, dass es dir sonst verdammt Leid tun wird!"

Ron starrte seine Freundin mit offenem Mund an. "Du auch, Hermine?!", brachte er schließlich hervor. Hermine schnaubte.

"Ich war nicht umsonst die cleverste Hexe in unserem Jahrgang! Ich weiß, wenn ich einen Fehler gemacht habe, und entschuldige mich rechtzeitig. Du dagegen... Weißt du, Ron, es wäre wirklich besser, du hieltest jetzt mal einfach die Klappe."

Ron schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. "Willst du damit sagen, du hältst es für die bessere Wahl, dich ihm anzuschließen?" Er deutete auf das Häuflein Elend am Boden mit Namen Harry Potter, welches gerade begonnen hatte zu kichern, als es sein Spiegelbild in einer zugefrorenen Pfütze erblickt hatte.

Der Sturm ließ langsam nach, die Wolken trieben weiter. Ein einzelner Sonnenstrahl fiel auf das Einhorn, welches soeben Hermine mit der Schnauze anstupste. "Ja, Ron. Genau das meine ich", erwiderte sie ruhig.

Nicht nur Ron geriet beim Anblick des Einhorns und dessen freundlicher Berührung der 'Verräterin' so aus der Fassung, dass er unaufmerksam wurde. Kingsley Shacklebolt trat gemütlich hinter dem Minister hervor, packte Harry beim Arm und verließ mit ihm gemeinsam die Kuppel.

"Hey!" Ron schrie empört auf, als er merkte, was vorgefallen war. "Wieso kann er den Bann verlassen?"

"Er hatte Harry dabei", erklärte Hermine.

Ron war nicht der Einzige, der sich am liebsten selbst geohrfeigt hätte, als er erkannte, welche Chance sie soeben verpasst hatten. Nun aber war Harry aus dem Bannkreis verschwunden und sie hatten erneut keine Gelegenheit zur Flucht.

Außerhalb des Bannkreises konnte man im Licht des immer weiter aufklarenden Himmels beobachten, wie Luna Lovegood auf Harry zustürzte. "Tut es weh?", fragte sie besorgt. Niemand hatte sie je so ernsthaft bei der Sache gesehen und viele Gesichter drückten beinahe mehr Unglauben aus als zuvor, beim Anblick des Einhorns.

"U-hu", machte Harry nur, unfähig, ganze Worte, geschweige denn Sätze zu formulieren.

"Warte, ich helfe dir beim Ausziehen", gab Luna, nun wieder in gewohnt kryptischer Weise, von sich. Nur wenige Sekunden später aber wurde allen Anwesenden klar, wovon die Tochter des Quibbler-Chefs sprach.

Sie hielt beide Hände neben Harrys Fußspitzen und begann, sie langsam nach oben zu führen, die Bewegung gleich der eines Menschen, welcher ein Kunstobjekt enthüllt. Je weiter ihre Hände sich bewegten, ziehend, rollend und schüttelnd, umso größer wurden die Augen ihrer Beobachter.

Mit jedem Zentimeter, den sie zurücklegte, verschwanden die Hinterlassenschaften der Flüche von Harrys Körper. Eine Minute später stand er vor ihnen, so unversehrt wie eh und je.

Luna ließ mit krauser Nase ein verschrumpeltes, blutfleckiges Etwas neben sich zu Boden fallen. "Manchmal ist es doch gut, ein dickes Fell zu haben."

Harry grinste sie frech an (auch seine Zähne waren inzwischen wieder gerade). "Ja, danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, auch für mich eine 'zweite Haut' anzufertigen. Ich dachte ja nicht, dass ich sie je brauchen würde - außer vielleicht, um mal besonders eindrucksvoll aus der Haut zu fahren... Aber es hat sich doch gelohnt."

Die beiden grinsten einander weiter an, kamen sich immer näher und versanken schließlich in einem zärtlichen Kuss.

Voldemort musterte sie belustigt; dann wandte er sich wieder den total überrumpelten Kämpfern des Lichts zu. "Wie ihr seht, schafft ihr es nicht einmal, einen absolut unvorbereiteten Potter in Schach zu halten; wenn er und ich Ernst machen, ganz zu schweigen von den viertausend Gefolgsleuten, welche mit mir in die Schlacht gezogen sind... Nun, rechnet euch eure Chancen aus.

"Ich sage es jetzt zum letzten Mal: Entweder ihr unterschreibt und bindet damit euch und all jene, welche ihr vertretet, auf Strafe durch Verlust eurer Magie an gewisse Forderungen meinerseits... Oder ihr sterbt die nächsten Tage über einen langsamen, qualvollen Tod als Spielzeuge meiner Todesser..."

Harry musste sich bei dem Wort 'Spielzeuge' ein breites Grinsen verkneifen und zog Luna noch fester an sich, damit es niemandem auffiel. Wenn die wüssten, welchen 'Todessern' sie hier gegenüberstehen...

"Um euch die Wahl etwas zu erleichtern... Potter! Eine Demonstration, bitte!"

Harry bemühte sich um seine vorherige eisige Mine, dann löste er sich von Luna und trat wieder auf die Kuppel zu. "Neville? Komm bitte mal her."

Der ehemalige Gryffindor näherte sich mit deutlich sichtbarem Zögern seinem früheren Freund. "Was... was willst du, Harry?"

"Das kann dir egal sein, Nev. Du bist tot." Während er dies sprach, bewegte er die Hände in einigen hochdramatischen Gesten und schickte dann einen grünen Blitz mitten in Nevilles Brust. Der junge Mann kippte augenblicklich um und blieb reglos liegen.

Voldemort grinste böse. "Jede Minute einen weiteren, bis sie unterschrieben haben, denke ich."

Harry nickte mit zusammengekniffenen Augen und wandte sich wieder an die Menge. "Angelina? Komm doch bitte mal her..."

Die früherer Jägerin der Gryffindors wurde kreidebleich, ehe sie langsam einen Schritt zurück machte. "Minister...?", fragte sie zaghaft.

Moody sah Dumbledore an. Der zuckte hilflos die Schultern.

Harry hob erneut die Hände. "Du bist to-"

"Potter, warten Sie!" Harry wurde von Professor McGonagall unterbrochen, die nun mit strammen Schritten auf ihren Schulleiter zumarschierte. "Direktor Dumbledore, bei allem Respekt, unterschreiben Sie endlich! Ich weiß ja nicht, ob Sie durch das viele Spielen mit Ihrer Ziege verdummt sind, aber sehen Sie es denn nicht?! Je länger Sie zögern, umso mehr unnötige Opfer wird es geben!"

Dumbledore war bei der Erwähnung der Ziege knallrot angelaufen. Selbst das verräterische Zwinkern seiner Augen war bemerkenswert abwesend. "Minerva, meine Liebe, das kann ich nicht. Wenn ich dieses Dokument unterschreibe, so verpflichte ich stellvertretend den ganzen Orden zu einer friedlichen Haltung gegenüber Voldemort. Das kann und will ich nicht verantworten!"

"Wenn Sie es nicht tun, wird der ganze Orden sterben! Sind Sie sicher, dass Sie noch die Kompetenz haben, die nötig ist, um uns anzuführen?"

Dumbeldore war geschockt; doch aus den Reihen der Ordensmitglieder war zustimmendes Gemurmel zu hören. Harry gratulierte sich im Stillen selbst. Ihre Zeitungskampagne hatte den Ruf des Schulleiters nachhaltig geschädigt. Ebenso wie den des Ministers.

Letztendlich machte die Seite des Lichts mit ihren Anführern kurzen Prozess. Unterschreiben oder abdanken und zusehen wie jemand anderes unterschrieb - wie sollte man sich da entschieden? Erstaunlicherweise wählten beide Männer den für ihre Psyche weniger verträglichen Weg: sie unterschrieben selbst.

Harry nahm die beiden Rollen Pergament mit zitternden Händen entgegen und zeigte sie Voldemort.

"Sie sind rechtskräftig."

Einen Moment sahen die beiden sich mit absolut ausdrucksloser Miene an. Dann brachen beide in breitestes Grinsen aus und fielen sich in die Arme.

"Wir ham's geschafft, wir ham's geschafft, wir ham's geschafft!!!"

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Ina, Cynestra, Aurora Parvati, Spelli, oLLi - danke für die reviews zum vorigen Kapitel. Das hier war noch nicht das letzte Kapitel, es gibt noch ein paar Worte zu den mysteriös vielen Todessern usw. : ) Weiß nur noch nicht, wann (und Versprechen zu machen traue ich mich wirklich nicht...)

Meinen Dank an alle, die trotz langer Pausen zwischen den updates noch dabei sind. Jede review erinnert mich daran, dass ich in meiner Freizeit nicht lesen, sondern lieber schreiben sollte. ;D

- Dime