Ein ganz großes Dankeschön nochmals an alle Reviewer! Jetzt geht's weiter mit dem vierten Kapitel!


Rückblick Ch. 3: Draußen blitzte es. Kurz darauf donnerte es. Trotzdem umhüllte die beiden wieder Stille. Sie hörten die große Uhr auf dem Flur schlagen. Zwölf mal.

James fuhr sich mit der Hand durchs Haar, gähnte, legte die Brille ab und rieb sich die Augen. „Ich schlage vor, wir überlegen morgen weiter was wir machen."


Chapter 4: Nie Geahntes

Lily schwieg einen Augenblick. Dann sagte sie: „Bist du denn dafür, ich meine die Hochzeit?"

Er seufzte leise und sagte dann ehrlich: „Ja. - Aber ich hätte es lieber unter anderen Umständen gehabt." Sie hob den Kopf und starrte ihn an. Wieder sagte keiner von ihnen etwas, sie sahen sich nur an.

Um die Situation schließlich aufzulockern sagte sie: „Weißt du, ich fände es viel besser wenn ihr uns streiten würden, hier ist es so ruhig." Das ließ seine Augen belustigt funkeln und er lächelte. Wie oft hatte er davon geträumt sie mit in sein Zimmer zu nehmen. Und wie gerne wollte er sie heiraten, aber doch nicht so, unter Zwang und vor allem gegen ihren Willen. Natürlich war er enttäuscht, dass seine Eltern ihm nicht zutrauten, eine, in ihren Augen, anständige Schwiegertochter zu finden. Er hatte ihnen schließlich nie von Lily Evans, in die er seit Jahren verliebt war, erzählt. Zumal sie für ihn unerreichbar schien. Dass sie gerade sie mit ihm verheiraten wollten… was für ein Zufall! Er hätte es auch sehr viel schlechter treffen können.

Er stand auf. „So, also du kannst im Bett schlafen, ich mache es mir hier auf dem Boden bequem."

Zögernd stand sie auf und tapste hinüber zum Bett. „Das kann ich aber nicht machen, immerhin ist es dein Zimmer und du sollst nicht auf dem harten Boden schlafen. Kannst du nicht ein weiteres Bett oder ein Sofa zaubern?"

„Ich habe meinen Zauberstab dummerweise auch nicht hier und dank den vielen Schutzzaubern hier kann man in diesem Haus durch magisch verschlossene Türen auch nichts heraccioen -"

„Was ist dass denn für ein Zufall, dass wir beide keinen Zauberstab hier haben? Unglaublich.", fuhr sie dazwischen.

„- aber das macht wirklich nichts, ich hatte es schon unbequemer als auf meinem Teppich, das kannst du mir glauben.", sprach er weiter.

Lily ließ sich auf seinem Bett nieder und seufzte. „Es ist doch groß genug für uns beide. Wir könnten auch beide drauf schlafen."

„Bist du sicher?", fragte James erstaunt.

„Sicher. Wenn du deine Pfoten bei dir behältst", warnte sie ihn, lächelte aber.

Er nickte und nahm sich das Kissen, das in dem Sessel lag und warf es auf Bett. Dann ging er zu einem Vorhang an der Wand. Dahinter kam eine Tür zum Vorschein. „Willst du was zum Anziehen?"

Sie nickte. Er verschwand kurz in dem kleinen angrenzenden Zimmer, eine Art begehbarer Kleiderschrank, nur dass darin noch eine andere Sachen lagerten. Lily warf einen kurzen Blick hinein und sah Regale mit Büchern und jede Menge Kisten.

Er betrat wieder sein Zimmer und gab ihr einen Pyjama von sich. Dann verschwand er wieder um sich auch umzuziehen.

Lily ging wieder in sein Badezimmer und zog sich um. Sie betrachtete sich im Spiegel. Es kam ihr alles so unwirklich vor. Vielleicht sollte sie sich kneifen und würde dann aus diesem Alptraum wieder aufwachen. Sie an sich hinunter. Der blaue Schlafanzug von James war ihr natürlich viel zu groß, aber es war besser als in ihren guten neuen Sachen zu schlafen.

Seufzend huschte sie hinüber ins Bett, schlang die Decke um sich und drehte sich auf die Seite. James hatte sich aus seiner ‚Rumpelkammer' eine Decke besorgt und sie merkte, dass sich das Bett nachgab als er sich hinlegte. Das Licht ging aus. „Gute Nacht", sagte er leise, aber ihr waren schon die Augen zugefallen.


Sie fühlte sich wohl. Es war warm, weich und gemütlich. Die Sonnenstrahlen des frühen Morgens kitzelten sie im Gesicht. Sie kuschelte sich in die Arme, die um sie geschlungen waren. Irgendwann schlug sie die Augen auf, blinzelte ein paar Mal und nahm dann erst ihre Umgebung wirklich war.

Moment, wo war sie hier überhaupt? Langsam drehte sie sich um und erschrak als sie ihn sah. Wie kam es, dass sie in den Armen von James Potter lag? Langsam dämmerte ihr die Erinnerung an den gestrigen, fürchterlichen Tag. Dennoch konnte sie nicht leugnen, dass es ihr hier grade gefiel. Egal ob in den Armen ihres Erzfeindes oder nicht – es fühlte sich gut an. Sie seufzte und wollte sich losmachen und aufstehen, doch er murmelte mit geschlossenen Augen: „Bleib hier", und zog sie wieder näher an sich. Sie gab nach und ohne viel darüber nachzudenken vergrub sie den Kopf an seinem Hals und kuschelte sich an ihn. Bald war sie wieder im Halbschlaf und vergaß alle Sorgen.

Als sie die Augen wieder öffnete blickte sie direkt in seine haselnussbraunen Augen und versank geradezu darin. Sie sahen sich einfach nur an.

„Guten Morgen", flüsterte er schließlich.

„Morgen", erwiderte sie und gähnte. So wohl und sicher wie jetzt hatte sie sich lange nicht gefühlt, zumal sie ja seit Tagen auf Kriegsfuß mit ihren Eltern stand. Aber wie wusste nicht wirklich wie sie sich verhalten sollte, es war alles sehr merkwürdig. Vor allem konnte sie doch nicht einfach hier, mit dem Mann, mit dem ihre Eltern sie verheiraten wollten, der auch noch James Potter war, im Bett liegen…

„James, ich…" sagte sie und wollte sich aufrichten, aber er hielt sie fest und legte ihr einen Finger auf die Lippen.

„Ist egal…", flüsterte er und lehnte sich langsam vor. Sie sah nichts als seine braunen Augen, versuchte in ihnen zu lesen und war verwirrt von den Gefühlen, die sie in ihnen sehen konnte. Dann berührten seine Lippen die ihren. Der Kuss war sanft und vorsichtig. Er wusste nicht wie sie reagieren würde.

Unwillkürlich schloss sie die Augen und erwiderte den Kuss. Seine Lippen waren so weich und es fühlte sich so… so richtig an. Sie konnte kaum denken.

Erschrocken von dem Schwall ihrer eigenen nie geahnten Gefühle löste sie sich schnell wieder von ihm, aber aus diesem erschrockenen Ausdruck wurde sogleich ein leichtes, schüchternes Lächeln.

Plötzlich ging die Tür auf und ein Hauself kam rein. Lily und James fuhren auseinander und setzten sich auf. „Sir und Miss, Sie können zum Frühstück kommen." Damit verschwand die Kreatur ohne viel Aufheben wieder. Während James sich seufzend zurück in die Kissen fallen ließ, stand Lily auf und tapste ins Badezimmer.

Während sie sich dort umzog und frisch machte, gingen ihr verschiedene Gedanken durch den Kopf. Was tat sie hier? Hatte sie den Verstand verloren? Nicht nur, dass sie in seinem Bett übernachtet hatte, was ja an sich nichts schlimmes war. Aber sie hatte sich zu allem Überfluss auch noch gut dabei gefühlt! Und dann ein harmloser, vollkommen unschuldiger Kuss! Etwas, dass alles verschlimmerte. Immerhin war das hier James Potter, den sie jahrelang verabscheut hatte. Jetzt konnte er zumindest in der Schule rum erzählen, dass er sie geküsst hatte. Aber was soll's; da stand Lily drüber. Es war nur ein Ausrutscher gewesen, aus dem Augenblick entstanden. Wäre sie vollkommen bei klarem Verstand gewesen und nicht gerade erst erwacht…

Egal, sie würde sich heute nicht mehr aufregen und diese Hochzeit würde auch niemals stattfinden. Basta!

Gleich würde sie wieder auf ihre Eltern treffen, die auch nicht besser waren. Nein, die waren überhaupt die schlimmsten. Sie erinnerte sich daran, wie ihr Vater sie in das Zimmer gezerrt hatte: „…denk darüber nach, was du uns schuldig bist…". Das hatte er gesagt. Was war sie ihnen schuldig? Sie hätte ja alles für ihre Eltern getan, aber das war doch wirklich zu viel verlangt!

Nachdem sie sich noch mit einem Kamm, von dem sie bezweifelte, dass er je mit James' Haaren in Berührung gekommen war, die Haare gekämmt hatte, betrat sie wieder sein Zimmer.

Er kam gerade wieder aus seinem ‚Kleiderschrank' und sagte: „Gehst du schon vor zum Frühstück?"

Sie nicke, ohne ihn direkt anzublicken, und ging durch die nun endlich wieder offene Tür aus dem Zimmer. Langsam ging sie durch die vielen Gänge des großen Potteranwesens und kam schließlich wieder in die Eingangshalle, von wo aus sie schnell den Weg in den Salon fand. Ihre Eltern und ihre Schwester saßen schon an einem Tisch und frühstückten. Lily wollte zwar nach allem nicht mehr an einem Tisch mit ihnen sitzen und vielleicht stelle sie sich jetzt übertrieben an, aber sie fühlte sich wirklich betrogen; betrogen und verlassen von ihren eigenen Eltern! Hatte sie eben noch alle Sorgen verdrängen können, so wurde es ihr jetzt nur noch bewusster. Sie ballte die Hände zu Fäusten, aber bevor sie etwas sagen konnte kam Mrs Potter in den Raum.

Ihr Blick fiel sofort auf Lily und sie ging auf sie zu. „Guten Morgen, Lilian. Hast du gut geschlafen?" Obwohl Lily diese Frage etwas lächerlich fand, nickte sie höflich und ging hinüber zum Esstisch, wo sie sich neben Petunia auf einen Stuhl sinken ließ. Ihr Vater blickte sie durchdringend an und sie senkte den Blick. Jetzt schämte sie sich. Sie wollte nicht, dass es hier gefiel! Sie wollte es hassen hier zu sein! Sie schämte sich weil sie mit ihm im selben Bett geschlafen hatte und ihn sogar geküsst hatte. Was war bloß über sie gekommen? Und dieses Gefühl, dass sie sich nicht erlaubte zu haben… es flatterte in ihrem Bauch rum. Sie unterdrückte es einfach, wie jeden weiteren Gedanken auch, sie wusste grade auch nicht mehr was sie denken sollte. Ihr Blick war starr auf das Frühstück gerichtet, das gerade von den Hauselfen aufgetragen wurde.

Zu allem Überfluss kamen nun auch noch James, sein Vater und Sirius in den Raum. Sie konnte James nicht ansehen und starrte einfach weiter leer vor sich hin auf den Tisch. Während sich das Tischgespräch hauptsächlich um den gestrigen Angriff, von dem Mr Potter gut wiedergekehrt war, drehte und dann umschwang auf diese unsägliche Hochzeit, schaltete Lily einfach ab. Sollten sie doch reden. Sie nippte hin und wieder gelangweilt an einem Glas Milch und hoffte bald nach Hause zu können. Ihren Eltern, gerade ihrem Vater, schenkte sie auch keinen einzigen Blick mehr. Die konnten sie ein für alle Mal gern haben.

„Lily! Könntest du bitte mal zuhören?"

Sie blinzelte und blickte widerwillig auf.

„Wir werden gleich aufbrechen, du musst nur noch hier diesen Vertrag unterzeichnen", sagte ihre Mutter.

Lily strich sich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Vertrag?" fragte sie dann. Sie wusste gar nicht worum es grade ging.

„Ja, der Hochzeitsvertrag."

„Wie bitte?"

„Das haben wir dir doch gerade erklärt." Sagte Mrs Evans nun ungeduldig.

„Ach, das wird mir wohl entfallen sein. Vielleicht ist es auch einfach an mir vorbeigegangen", murmelte Lily unhöflich. „Und warum sollte ich so was unterschreiben?"

„Damit du dich verpflichtest zu heiraten und nicht einfach vor der Hochzeit abhaust!"

Sie fühle sich ertappt und wurde leicht rot. Für den Falle eines Falles hatte sie tatsächlich sowas derartiges geplant. Jetzt stieg wieder Zorn in ihr auf.„Ihr könnt mich aber nicht zwingen, das zu unterzeichnen!" Sie fuhr auf. Der Stuhl kratze über das majestätische, dunkle Parkett. James Eltern sahen etwas erstaunt aus anhand Lilys Verhalten, alle anderen wussten anscheinend wie impulsiv sie sein konnte. „Ich will es einfach nicht! Versteht ihr? Ich will nicht seine Frau werden!" sagte sie und versuchte angestrengt nicht total die Fassung zu verlieren und zu verzweifelt zu klingen. Was ihr ziemlich misslang. Lily akzeptierte zwar sonst ihr Schicksal, aber das hier war einfach alles nur lächerlich, sie konnte sich nicht mal mit dem Gedanken arrangieren. „Ach, lasst mich doch einfach alle in Ruhe" murmelte sie und stürmte aus dem Raum.

Hinter hörte sie wieder ihre Mutter sprechen: „Das meint sie nicht so…" Und wie sie das so meinte! Sie meinte das so was von!

Sie lief einfach weiter bis in die Eingangshalle. Dort sammelte sie an der Garderobe ihre Sachen ein. Diese kleine Tasche, zu der ihre Mutter sie genötigt hatte. Normalerweise ging sie immer ohne Handtasche. Hätte sie das gestern auch durchgesetzt, hätte sie ihren Zauberstab nicht darin vergessen und hätte sich ein Bett oder irgendwas herzaubern können – aber es war doch sowieso alles ein gezinktes Spiel. Ohne einen weiteren Blick zurück schritt sie schnell hinüber zum Kamin und fand auch sogleich was sie brauchte: das Flohpulver. Sie nahm eine Hand voll und streute sie ihn Feuer. Die grünen Flammen züngelten grün. Gerade wollte sie hineintreten, als eine Hand sie an der Schulter packte.

Lily wirbelte herum und sah direkt in die braunen Augen von James. Kurz blickten sie einander an, dann senkte sie den Blick. Sie konnte es einfach nicht ertragen ihm in die Augen zu blicken, geschweige denn ihm so nah zu sein. Hastig machte sie sich los und trat einen Schritt vom Kamin zurück.

„Alles klar?" fragte er. „Wo willst du hin?"

„Ich wüsste zwar nicht was es dich angeht, aber ich geh nach Hause. Und von dort aus direkt wieder in die Schule." Sagte sie leise und kurz angebunden.

„Soll ich mitkommen, nicht das dir unterwegs was passiert?" Er klang leicht besorgt.

„Du?" kiekste Lily. „Nein", sagte sie dann, ihre Stimme klang schon wieder fester und entschiedener. „Ich will niemanden sehn, vor allem meine Eltern nicht mehr – vielleicht nie mehr. Und du hältst dich auch am besten von mir fern!" Damit trat sie in den Kamin und war auch sogleich in den wirbelnden Flammen verschwunden.


TBC . . .