Okay ;-) Zeit für ein neues Kapitel... Dankeschön nochmals an alle die gereviewt haben!


Chapter 5: Flucht und Wettlauf

Zuhause angekommen stürmte Lily gleich die Treppe hoch. Sie warf einfach schnell und unachtsam ihre verstreut liegenden Sachen in ihren Schrankkoffer, suchte verzweifelt nach ein paar verloren gegangenen Dingen und ließ sich auf ihrem Bett nieder. Ihr Blick fiel auf ihren Zauberstab und mit einem Schwung flogen die letzten verstreuten Dinge in den Koffer. Sie kramte Merlins Korb hervor und setzte ihn hinein. Schnell kramte sie noch ein Blatt Pergament hervor und schrieb ein paar Zeilen an Rachel darauf, in denen sie erklärte, dass sie schon in die Schule zurückkehre. Glücklicherweise kam ihre Eule Meelyn gerade angeflogen von ihrem morgendlichen Ausflug und verschwand auch sogleich wieder mit dem Brief. Lily wusste, dass es jetzt nicht mehr lange dauern würde bis ihre Eltern aus Godric's Hollow zurückkamen, so beeilte sie sich, ließ ihren Koffer die Treppe vor sich hinabschweben und kam selbst mit Merlin hinterher. Sie wollte gerade zur Haustür, als sich ihr ihr Vater, noch voller Ruß von Kamin, in den Weg stellte.

„So, läufst du nun doch weg? Du kannst gern gehen, aber es sei dir gesagt, ich habe gerade einen bindenden magischen Hochzeitvertrag für dich unterzeichnet. Du wolltest ja nicht, aber meine Unterschrift ist genauso viel wert solange ich dein Vormund bin! Du erscheinst hier spätestens an dem Samstag nach deinem Schulabschluss, damit wir an Tag darauf deine Heirat feiern können! Sieh dich langsam schon mal als rechtskräftig verlobt an."

Lily erbleichte. „Ich bin volljährig! Wie willst du als Muggel denn einen magischen Vertag unterzeichnen können? Und überhaupt: hat James das denn freiwillig unterschrieben?" Vielleicht würde sie ihn doch einfach erwürgen wie sie es früher schon geplant hatte, das würde ja vieles einfacher machen. Vielleicht würde der Riesenkraken ihr die Arbeit abnehmen wenn sie ihn lieb bat?

„Natürlich! Der junge Mann weiß was von ihm erwartet wird und darüber hinaus kann er sich benehmen und macht nicht so ein Theater wie du!"

„Ihr wollte doch nur mein Leben zerstören, das hätte ich nie von euch gedacht!" Sie spürte wie ihr wieder Tränen in die Augen stiegen, dränge sich samt Koffer an ihn vorbei hinaus auf die sonnenbeschienene Straße und hörte wie ihr Vater die Tür hinter ihr ins Schloss warf.

Das durfte doch einfach alles nicht wahr sein! Wie konnte er nur so sein? Es war ihr Vater, sie liebte ihre Eltern doch! Sie konnte es nicht begreifen, dass sie sich so aufführten! Sie hatte sie immer nur verständnis- und liebevoll erlebt… es stellte sie vor ein Rätsel.

Lily zog ihren Koffer nun hinter sich her und eilte ein paar Straßen weiter bis zum Ortsrand, bevor sie ihre Hand ausstreckte und auch fast gleich mit einem knall der Fahrende Ritter, die Rettung für gestrandete Hexen und Zauberer, neben ihr zum Halten kam. Sie war schon zuvor damit gefahren und das Geruckel während der Fahrt machte ihr auch nichts aus, so was konnte sie spielend ab. Sie setzte sich in einen roten, gemütlichen Sessel im oberen Teil des Busses und blickte aus dem Fenster. Von der Umgebung die an ihr vorbeiflog sah sie allerdings nicht viel. Ihre Gedanken waren wieder zurückgekehrt zu der ganzen Misere und auch wenn sie es wollte, sie schaffte es nicht einfach abzuschalten…

„Lily? Du musst hier aussteigen." Sie schreckte aus einem unruhigen, traumlosen Schlaf hoch. Tony, der alte Schaffner des Fahrenden Ritters hatte sie geweckt. Unglaublicherweise hatte sie es geschafft, obwohl total durch den Wind, an diesem Vormittag im Bus einzuschlafen. „Danke, Tony", sagte sie freundlich, als sie samt ihren Sachen aus dem Bus gestiegen war.

Er nickte: „Immer wieder gerne, du bist doch ein gern gesehener Gast hier." Dann war das Fahrzeug schon wieder mit einem knall durchgestartet und verschwunden. Da stand sie nun. Alleine mitten auf der Hauptstraße von Hogsmead, vor den Drei Besen. Sie seufzte. Wenn sie daran dachte, dass sie vor nur ungefähr 5 Stunden neben James Potter in einem Bett aufgewacht war… hatte sie sich das alles nur eingebildet?

Langsam machte sie sich auf zum Schloss. Solange noch Ferien waren hatte sie ja erstmal Ruhe. Rachel würde bestimmt noch bis zum Ende der Ferien zu Hause bleiben, aber Lily konnte es sich hier auch alleine gemütlich machen. Sie schritt durch das Schlossportal, das von den zwei geflügelten Ebern gesäumt war und sah auch wie einige Schüler ihr komische Blicke zuwarfen, kein Wunder, es war schließlich nicht alltäglich, dass die Schulsprecherin alleine, mitten während der Ferien, in der Schule wieder auftauchte. Aber sie ließ sich nicht beirren, und setzt einfach ihren Weg über die Ländereien fort. In der Eingangshalle kam ihr Professor McGonagall entgegen, anscheinend war sie auf dem Weg hinaus.

„Miss Evans, was machen sie denn hier? Ich dachte sie verbringen ihre Osterferien zu Hause?"

Einen Moment lang spielte Lily mit dem Gedanken ihrer Hauslehrerin es zu erzählen. Sie wäre bestimmt mit so einer „Zwangsheirat" nicht einverstanden und würde ihr helfen. Aber sie besann sich eines anderen. „Meine Familie und ich hatten einige Meinungsverschiedenheiten, die mich dazu brachten früher zurückzukehren. Aber es ist alles in Ordnung, Professor. Ich gehe dann mal hoch." Es war eine Sache zwischen ihr und ihren Eltern, sie wollte auch nicht, dass man schlecht von ihrer Familie dachte… obwohl, was brachte das schon noch, wenn sie eh keine Lust mehr auf diese „Familie" hatte. Vielleicht hätte McGonagall auch gar nichts gesagt, es könnte ja sein, dass so was in Zaubererkreisen üblich war. Bei Reinblütern konnte sie sich das durchaus vorstellen, aber, himmelhergottnochmal, sie war halt ein Schlammblut, um es mal so drastisch zu sagen, warum sollte sie jemand heiraten wollen!

Die Lehrerin nickte ihr zu und eilte weiter, während Lily die Marmortreppe hochstieg und sich auf dem Weg zum Gryffindorturm machte.


Ihre gewohnte Umgebung, nahezu ihr wirkliches Zuhause, trug gut dazu bei, dass es Lily bald wieder gut ging. Sie tat alles was passiert war als nie gewesen ab. Keinen Gedanken verschwand sie mehr an die Hochzeit, sie fragte sich ernsthaft ob sie sich alles eingebildet hatte. Ihre freien Tage verbrachte sie, da nun meistens schönes Wetter war, draußen am See und sie hatte auch schon angefangen einiges an Lernstoff zu wiederholen, schließlich rückten die UTZ-Prüfungen nun in greifbare Nähe. Am Montag sollte nun die Schule wieder beginnen und Sonntagnachmittag war der Anreisetag für alle, die über die Ferien weggefahren waren. Lily saß im Gemeinschaftsraum und wartete auf ihre Freundin Rachel, ohne die es ihr doch ziemlich langweilig gewesen war. Merlin lag auf ihrem Schoß und döste vor sich hin. Sie streichelte abwesend sein weiches Fell und las in ‚Eine Geschichte von Hogwarts'.

Da öffnete sich das Portraitloch und einige Schüler kamen, sich fröhlich unterhaltend, hinein.

Rachel kam auch sogleich auf sie zu und setzte sich in den Sessel neben Lily. „Hey! Ich hab deinen Brief bekommen, aber ich konnte dir nicht antworten, meine Eltern wollten mir ihre Eule nicht leihen und mein Bruder auch nicht und deine war gleich wieder verschwunden. Aber erzähl mir jetzt doch noch mal genau was passiert ist! Du musst ja ganz durch den Wind gewesen sein!" Lily nickte. Rachel war ihre beste Freundin und sie wusste, dass sie ihr alles sagen konnte, aber irgendwie auch doch wieder nicht. Manchmal konnte man einfach nicht alles erzählen.

Sie holte tief Luft. „Also, du weißt doch das meine Eltern nach Godric's Hollow fahren wollten. Da sind wir dann auch gewesen und -" sie brach ab. James Potter und seine Freunde hatten gerade den Gemeinschaftsraum betreten. Sie starrte ihn an. Jetzt, da sie ihn wieder lebendig hier vor sich stehen sah, wurde ihr wieder die Ausmaße der Katastrophe bewusst, die ihre Eltern da anrichten wollten. Ihre Blicken trafen sich kurz.

„Rachel, lass uns hochgehen, ich erzähl dir dann da alles." Ohne zurückzublicken stieg sie die Treppe zu den Mädchenschlafsälen hoch. Dort erzählte sie Rachel alles, nur, dass sie bei James übernachtet hatte und dass sie sich geküsst hatten, verschwieg sie. Sie schämte sich schon bei dem Gedanken daran.

„ …und dann sagte er noch was von einem bindenden magischen Vertrag, dann war ich schon quasi zur Tür raus", schloss sie.

„Bindender magischer Vertrag?" murmelte Rachel.

„Ja, weißt du was das ist?"

„Also, das ist auf keinen Fall gut. Natürlich es nicht wie bei einem unbrechbaren Schwur, dass man stirbt sollte man ihn nicht einhalten, aber der Unterzeichnete ist doch verpflichtet zu tun was in dem Vertrag vereinbart ist… es gibt verschiedene Arten, glaube ich. Es könnte zum Beispiel sein, dass du einfach zur Hochzeit auf magische Weise zum Altar befördert wirst, solltest du nicht freiwillig dort auftauchen. Oder man erleidet nur Schmerzen… was ich natürlich beides nicht hoffe. Es könnten auch andere Dinge passieren."

„Aber gilt der Vertrag wenn mein Vater ihn unterschrieben hat?" fragte Lily hoffnungsvoll.

„Ich weiß es nicht genau, kann sein."

„Hm, die letzten Tage habe ich gar nicht daran gedacht. Ich glaubt schon fast mir nur alles eingebildet zu haben. Auf jeden Fall werde ich nicht zu meiner eigenen ‚Hochzeit' erscheinen. Das wäre ja noch schöner. Es ist keine Hochzeit… ich werde regelrecht verkauft!"

Die Tage flossen dahin. Lily war froh, dass die Lehrer ihnen aus Rücksicht auf die Stoffwiederholungen keine zusätzlichen Schulsprecherarbeiten gaben. Die meisten Dinge, wie zum Beispiel die Patrouillen zu organisieren, hatte sie den Vertrauensschülern der 6. Klasse übertragen, da sich die Fünftklässler auch auf ihre Prüfungen vorbereiten mussten. Sie hätte es auch nicht über sich gebracht mit James zusammenzuarbeiten. Überhaupt hatte sie seit den Ferien kein Wort mehr mit ihm gewechselt. Auch wenn ihr nicht entgangen war, dass er des öfteren versuchte mit ihr zu sprechen. Aber sie suchte nicht den Konflikt. Sie wollte zwar mal wieder mit ihm streiten, denn das war irgendwie befreiend, aber sie wollte lieber nicht in seiner Nähe sein.


Es war ein Morgen wie jeder Andere. Nach dem Mittagessen hatte Lily eine Freistunde und weil es draußen regnete machte sie sich alleine auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum. Hinter sich hörte sie Schritte. Sie ignorierte es. Aber die Schritte kamen näher. Sie warf einen Blick über die Schulter und sah, dass James Potter ihr folgte. Er konnte ja auch nur ganz zufällig da sein… Sie ging einfach einen Schritt schneller. Aber er holte sie ein und ging nun neben ihr her.

„Lily, das geht doch so nicht weiter. Du weichst mir aus und frisst alles in dich hinein. Rede doch mit mir, vielleicht finden wir eine Lösung."

Sie blinzelte ihn aus dem Augenwinkel finster an. „Ich weiß nicht wovon du redest, mir geht es gut, aber wenn ich eins weiß, dann dass ich dich gebeten habe dich fernzuhalten. Also: Lass mich in Ruhe!"

Sie lief jetzt fast. Er hielt spielend das Tempo und sie waren weiter auf einer Höhe.

„Was soll das werden? Ein Wettrennen?" fragte sie.

„Wenn es hilft mach ich auch ein Wettrennen mit dir."

Unwillkürlich musste sie lächeln und rannte auch schon los. Sie jagten hintereinander her durch die leeren Korridore. James konnte sich kaum daran erinnern, wann er sie das letzte Mal lachen gehört hatte.

Plötzlich ertönte eine Stimme: „In den Fluren wird nicht gerannt!"

Sie blieben abrupt stehen. „Filch!", murmelte James. Filch's Schritte kamen schnell näher, gleich würde er um die Ecke kommen. Er packte Lilys Handgelenk und zog sie hinter den nächsten Wandteppich, hinter dem sich ein Geheimgang befand. Schwer atmend lehnten beiden an der Steinwand und atmeten tief durch. Sie warteten bis Filch schimpfend an ihnen vorbeigeeilt war.

Dann versucht James es erneut. „Lily, ich bitte dich… also, wegen der Hochzeit. Wenn -"

Sie schüttelte vehement den Kopf. „Ich will nichts davon hören, lass mich in Ruhe."

„Aber was hast du vor?"

„Ich habe nichts vor. Ich… ich muss jetzt gehen." Sie ging den Geheimgang entlang, der eine gute Abkürzung hinauf zum Turm darstellte. Sie wollte nichts wie so schnell wie möglich von ihm weg.

Sie wusste nicht weiter. Ist das die Wirklichkeit? Wollen meine Eltern, dass ich mein ganzes Leben mit IHM verbringe? Sie eilte sofort in ihrem Schlafsaal und verkroch sich dort. Wie schon in den Ferien leistete ihr der kleine Merlin gute Gesellschaft. Katzen konnten oft Balsam für die Seele sein.

Am Nachmittag hatten sie noch Zaubertränke. Darin war Lily glücklicherweise gut, so konnte sie den Trank gut brauen ohne sich besonders darauf konzentrieren zu müssen. Rachel bemerkte natürlich, dass Lily irgendwie stiller als sonst war, aber da Lily alles abblockte versuchte sie nicht weiter mit ihr darüber zu sprechen, sie wusste wann so was aussichtslos war.


tbc...