Here we go... Es ist vielleicht etwas kurz geraten, aber wen kümmerts :P Dankeschön an alle Reviewer ;-)


Chapter 6: Nicht so einfach

Am Abend kletterte Lily einsam auf den Astronomieturm. Nun, nicht ganz einsam. Kaum war sie da, flog auch schon ihre Eule zu ihr. Sie streichelte ihr liebevoll übers Gefieder und war froh, so ein Glück mit ihren Tieren zu haben. Dann blickte sie in die Sterne und ließ den Blick auch über die ruhigen, dunklen Ländereien gleiten. Unweigerlich kamen ihr bei diesem friedlichen, schönen Anblick auch wieder unangenehme Gedanken. Bald war ihre Schulzeit zu Ende. Sie hatte kein wirkliches Zuhause mehr. Sobald das Schuljahr um war, würde sie sich irgendwie in Luft auflösen müssen oder ihre Eltern würden sie in Fesseln vor den Traualtar schleppen.

Hinter sich hörte sie ein Geräusch. Erschrocken fuhr ihr Kopf herum und sie sah wie sich die Tür öffnete und jemand zu ihr auf die Spitze des höchsten Turmes trat.

„Lily", sagte eine ihr wohlbekannte, freundliche Stimme.

„Remus!" Sie freute sich wirklich ihn zu sehen. Mit Remus war sie wirklich schon seit langem gut befreundet, man konnte mit ihm einfach über alle Probleme reden. Aber dann fiel ihr etwas ein, ihr Gesicht verfinsterte sich. „Hat Potter dich geschickt?"

Er ließ sich neben sie auf den kalten Steinboden sinken. „Ja und nein. James hat mir gesagt er mache sich Sorgen um dich und hat mich gebeten nach dir zu sehen. Ich wäre aber auch so gekommen um mit dir zu reden, ich spüre doch, dass du einfach nicht gut drauf bist."

Natürlich spürte er so was eher als alle anderen, das hätte ihr eigentlich klar sein sollen… Sie seufzte. „Wie viel weißt du?"

„Ich denke einiges, aber es scheint wohl mehr wissenswertes zu geben… Also, eher weniger."

„Er hat dir nicht alles erzählt?" fragte sie.

„Nein, ich denke er verschweigt auch was. Nicht mal Sirius scheint alles zu wissen. Auch wenn er aufgehört hat James ständig zu löchern über deinen Besuch in Godric's Hollow", sagte Remus ruhig.

„Also weißt du, dass ich dort unfreiwillig kurz zu Besuch war? – Aber nicht genauer?"

Er schüttelte den Kopf. „Na, wenigstens etwas", sagte Lily. Wenigstens hatte er nicht genau herumerzählt, dass sie geweint hatte und dann auch noch bei ihm übernachtet hatte…

„Lily…", setzte Remus erneut an. „Du solltest wirklich mit James reden. Es betrifft ihn doch genauso wie dich. Indem du dich verkriechst und nicht darüber nachdenkst, hilfst du dir im Großen und Ganzen nicht. Du verdrängst es."

Sie lachte finster. „Als ob es irgendeine Möglichkeit gäbe. Mein Vater hat für mich einen magischen Vertrag unterzeichnet. Ich weiß nicht genau was das bedeutet, aber so wie ich die Zauberei kenne, gibt es bestimmt kein Entkommen… Bei Merlin, was sag ich denn da?" Sie hatte so trocken dahergeredet. Dabei war es einfach so. Mit schlechtem Humor konnte man die auswegslose Situation lustig finden. Aber wie immer wenn sie so dachte kam wieder die Welle von Verzweiflung in ihr auf. Sie brauchte ein paar Augenblicke um sich wieder zu sammeln. „Weißt du, ich war immer stark. Und ich werde auch stark bleiben. Das hier ist nicht mein Schicksal." Warum gibt es dieses blöde kleine Gefühl, dass sich meldet wenn etwas aussichtslos ist? Und warum pocht es geradezu und will, dass du merkst, dass du begreifst?

Sie saßen noch eine Zeit lang auf dem Turm und unterhielten sich. Es fühlte sich gut an mit Remus zu reden. Es war einfach anders als mit Rachel zu reden. Sie war froh, dass er hier hochgekommen war. Ohne, dass sie es selbst gewusst hat, hatte sie jemanden gebraucht der ihr einfach zuhörte.


Sie seufzte. Nur noch eine Woche. Eine Woche Freiheit. Eine Woche ihr eigenes Leben.

Die UTZ-Prüfungen waren schneller gekommen als gedacht. Die Fünft- und Siebtklässler hatten fleißig gelernt und trotzdem waren sie alle sehr aufgeregt gewesen. Nicht wenige Schüler hatten Nervenzusammenbrüche und mussten von Madam Pomfrey behandelt werden. Aber Lily ließen die Prüfungen erstaunlich kalt. Sie wusste selbst nicht woher sie diese Ruhe nahm. Sie war gradezu spielend durch die Prüfungen gekommen. Die viele Arbeit tat ihr richtig gut. Es war keinerlei Zeit zum nachdenken gewesen. Aber nun, ganz plötzlich, war alles vorbei. Sie hatten nach den Prüfungen noch zwei Wochen Nichtstun vor sich, bis das Schuljahr zu ende war. Eine war schon um. Die hatte sie genutzt um es sich mit Rachel draußen am See gemütlich zu machen und die Sonne zu genießen. Aber je näher das Schuljahresende rückte, desto öfter musste sie wieder an alles denken.

Sie ließ den Blick über die Schüler auf den Ländereien schweifen. Keiner von ihnen hatte wohl solche Sorgen wie sie.

Obwohl Remus sie mehrfach aufgefordert hatte mit James zu sprechen, wollte sie das auf gar keinen Fall. Auch immer wenn James die Initiative ergriff und auf sie zukam, verschwand sie schnellstmöglich, bloß um nicht mit ihm sprechen zu müssen. Sie wusste einfach nicht wie sich ihm gegenüber verhalten sollte.

Sie wollte sie letzten paar Tage in Hogwarts genießen. Sie liebte das Schloss. Es tat weh daran zu denken, dass sie hier sieben Jahre lang gelebt hatte und nun diesen Ort, der so lange ihr Zuhause gewesen war, verlassen musste.


Einige Tage später ging sie erst spät nach dem Abendessen gemeinsam mit Rachel hoch zum Gryffindorturm. Sie bogen um eine Ecke in einen einsamen Korridor und da standen sie. Die vier Marauder. Lily seufzte und wollte schon umdrehen, denn sie kamen auf sie zu. Aber diesmal war James schneller. Blitzschnell stand er Lily und Rachel im Weg. Lily schluckte.

„Lily, bitte. Lass uns reden. Hier und jetzt." Er warf seinen Freunden einen Blick zu. „Die drei können Rachel hoch zum Turm begleiten." Sie sah aus dem Augenwinkel wie Remus Rachel etwas zuflüsterte und sie dann nickte. Ohne ein weiteres Wort, nur mit einem ermunternden Blick für Lily, ging sie mit den Jungs weiter.

Lily wandte ihren Blick wieder James zu. „Also?" fragte sie leicht ungeduldig. Er fuhr sich mit der Hand durch sein schwarzes Haar, seine Augen fixierten ihre. Wie damals konnte sie dem direkten Blick nicht standhalten und sah zu Boden.

„Ich habe lange überlegt. Es gibt einfach keine Lösung, Lily. Vor allem wegen dem Vertrag. Aus dem kommt man nicht so einfach wieder raus. Weißt du… am einfachsten wäre es wenn du es uns nicht so schwer machst und naja… es akzeptierst. Du kommst um die Entscheidung deiner Eltern nicht drum rum." Er versucht es einfach. Höchstwahrscheinlich war ihm sehr wohl bewusst was solche Worte herbeiführen würden.

„Was?" Ihre Stimme zitterte. „Das sagst du so leicht! Ich kann das nicht verstehen! Ihr wollt alle mein Leben zerstören! Ach, was rede ich überhaupt mit dir!" Den letzten Satz hatte sie beinahe geschrieen. Sie drehte sich um und wollte sofort, ohne ein weiteres Wort, weggehen.

Aber das ließ er nicht zu. Er hielt sie am Arm fest und sie wirbelte herum. Im nächsten Augenblick fand sie sich mit dem Rücken zur Wand. Leichte Panik lag in ihren grünen Augen. „Verflucht! Wir haben doch beide keine Wahl!", schimpfte er. Er stützte sich zu ihren beiden Seiten an der Wand ab und ließ ihr so keine Fluchtmöglichkeit.

„Und ob wir eine haben! Beziehungsweise wir hätten eine gehabt, hättest du nicht einfach gekuscht und diesen blöden Hochzeitsvertrag unterschrieben!" schrie sie ihn an. Wenn sie eines konnte, dann mit ihm streiten. Sie schlug nach ihm, aber er fing spielend leicht ihre Hände ein. „Lass mich jetzt sofort gehen!"

„Nein", erwiderte er schlicht. Dann senkte er die Stimme. „Lily… ich will dir doch helfen."

„Das kannst du nicht", sie versuchte sich vergeblich sich unter seinem Arm wegzuducken.

„Es kann nicht so weitergehen. Ob wir wollen oder nicht. Samstagmorgen fährt der Hogwartsexpress nach Hause und wir werden wohl unweigerlich am nächsten Tag heiraten müssen!"

Sie schnappte nach Luft. „Ich will aber nicht, verstehst du? Ich… ich hasse dich!"

„Nein, das tust du nicht", sagte er ruhig, sein Gesicht plötzlich nur noch Zentimeter von ihrem entfernt.

„Woher willst du das wissen…?" Sie wollte, dass ihre Stimme fest und sicher klang, aber es misslang ihr. Es war kaum noch ein Flüstern. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.

Und dann waren seine Lippen auf ihren. Es war ganz anders als beim letzten Mal. Sein Kuss war voller Leidenschaft. Sie fühlte nur noch ihn, ihr Denken hatte komplett ausgesetzt. Er schlang seine Arme um sie und zog sie näher an sich, als sie den Kuss erwiderte. Ihre Hände fanden den Weg in sein Haar. Das Gefühl, dass sie wirklich geschafft hatte zu unterdrücken, flutete wie eine Welle über sie hinweg. Hinter ihren Augen explodierte ein Feuerwerk…

Und nach scheinbar unendlicher Zeit lösten sie sich voneinander. Es dauerte einen Moment bevor Lily den Kopf hob und James in die Augen sah. „Es ist nicht so einfach wie du denkst", flüsterte sie atemlos. Dann lief sie davon.


Oh oh oh...

tbc...