Here we go...


Chapter 8: Neue Ziele

Kurz darauf saßen Lily und drei der vier Marauder draußen im Gras am Rande des verbotenen Waldes.

Lily starrte auf den See und flüsterte: „Ich kann auch einfach ‚Nein' sagen."

„Glaubst du wirklich das haben eure Eltern nicht bedacht?" warf Remus ein. „Nein, wir müssen wirklich einen Plan machen."

„Ich habe aber keinen Plan! Ich werde morgen nach London fahren und dann wahrscheinlich erstmal mit zu Rachel gehen, sie hat mir ihre Hilfe versichert!"

„Und dann? Du weißt schon, dass der Zauber des Vertrages dich an die Hochzeit bindet."

„Also gut", sie seufzte schwer, „was machen wir?"

James räusperte sich. „Ich denke, du solltest mit zu mir nach Hause kommen. So musst du nicht zu deinen Eltern und du hast schon mal soweit deinen Vertrag erfüllt, dass du nirgendwo gegen deinen Willen durch einen Vertrag magisch hinbefördert wirst."

„Zu dir?! Bestimmt nicht!" fauchte Lily.

„Wir kommen alle mit zu Prongs, Evans", schaltete sich Sirius ein. „Und wenn's sein muss pass ich persönlich auf dich auf." Er zwinkerte ihr zu.

„Das ist wirklich sehr beruhigend, Black." Sie funkelte ihn aus gefährlich blitzenden grünen Augen an. „Gut. Nehmen wir mal an ich gehe mit… und dann? Ich werde nicht heiraten, soviel steht fest!"

„Das überlegen wir uns dann, aber erstmal bist du bei mir sicher-"

„Sicher! Sicher, im gleich Haus wie zig Leute die wollen, dass wir heiraten!"

„Sicherer als alleine unterwegs!"

„Ich kann gut auf mich selbst aufpassen!"

„Du weißt gar nicht, was da draußen alles rumläuft!"

„Gefährlicher als Mr Ich-bin-der-der-alles-unter-Kontrolle-hat Potter? Das ich nicht lache."

„Ich will dir doch nur helfen. Es geht mich auch an! Es könnte mir aber auch egal sein!"

„Wo sind eigentlich deine ‚Freunde' hin?"

Sirius und Remus hatten sich mittlerweile weggestohlen und die Streithähne alleine zurückgelassen. Lily hatte gerade erst gemerkt, dass sie alleine waren.

„Was weiß ich." Genervt ließ James sich rückwärts ins Gras sinken und schloss die Augen.

Lily hatte einen Kloß im Hals und musste hart schlucken. Dann legte sie sich auch ins Gras. Stille Tränen rannen ihre Wangen hinunter.

So langen die beiden eine Weile einfach nur da und fühlten die Sonne, wie sie auf sie hinunterschien.

„Die Sonne lässt einen fühlen, dass man noch lebt, findest du nicht?" flüsterte er.

Widerwillig öffnete sie ihre Augen wieder und blinzelte ein paar Mal gegen die Sonne, bis sie erkennen konnte, dass er sich auf die Seite gedreht hatte und sie beobachtete. Sie nickte.

James fuhr fort: „Ich denke wir haben uns als Schulsprechern nicht ganz so schlecht geschlagen, findest du nicht? Aber es ist doch merkwürdig, die schnell die Zeit vergeht. Jetzt sind wir schon mit der Schule fertig und müssen hinaus in diese dunkle Welt…"

Lily hörten seine Worte zu und versuchte ihre Gedanken zu verdrängen, denn ihre Gedanken hatten ihr in der Vergangenheit auch nur alles kaputt gemacht.

„Lily", sagte er, für sie sehr unerwartet, aber ganz ruhig, „du kommst morgen mit und versuchst nicht auf eigene Faust davonzulaufen, ja?"

In dieser ruhigen Situation war sie nicht gefangen und konnte durchatmen. „Wenn ihr mich nicht hängen lasst…" antwortete sie vage.

„Niemals. Das verspreche ich dir." Er war näher gekommen und seine Hand strich über ihre Wange.

Sie konnte solche Nähe nicht ertragen. „Nicht…" brachte sie nur hervor und ohne weiter nachzudenken stand sie auf und eilte hoch zum Schloss. Dort angekommen drehte sie sich noch einmal um. Morgen würde sie Hogwarts verlassen. Oh ja, sie hatte glückliche und unglückliche Zeiten hier verbracht. James lag immer noch im Gras. Sie wusste nicht was da war. Irgendetwas war da, aber sie konnte es nicht zuordnen. Warum war sie nun weggelaufen? Natürlich, er spielte mit ihr. Und doch… ja, sie hatten sich doch sogar schon zweimal geküsst. Und verdammt, ja, es hatte ihr gefallen. Aber das war doch lächerlich! Sie schüttelte den Kopf, aus Ärger über sich selbst und um die Gedanken zu vertreiben.


Im Schlafsaal traf sie auf Rachel, die schon am Kofferpacken war. Sie drehte sich um und sah Lily entschuldigend an. „Lils, es tut mir Leid, dich bei so was im Stich lassen zu müssen, aber… meine Eltern haben mir grade eine Eule geschickt. Wir fahren gleich morgen Nachmittag los in den Urlaub, nach Italien zu meiner Großtante. Wenn du aber nicht weißt wohin, kannst du auch mitkommen, das lässt sich bestimmt irgendwie machen. Es tut mir ja so Leid, ich dachte wir sind zu Hause und du kannst bei uns wohnen-"

„Rachel, es ist okay. Ich wollte dir eh grade sagen, dass ich nicht mit zu dir gehe. Aber nochmals vielen, vielen Dank für das Angebot, ich weiß, dass ich mich echt auf dich verlassen kann."

„Wo willst du denn hin? Nach Hause geht ja schlecht."

„Ich gehe mit zu Potter…" Sie stockte. Sie wusste selbst wie verrückt das klang. Rachel sah sie argwöhnisch an. „Ich werde ihn aber nicht heiraten, dessen kannst du dir sicher sein."

„Habt ihr denn ne Idee wie ihr von dem Vertrag wegkommt?"

„Hm… ich bin zuversichtlich, dass wir ne Lösung finden. So, jetzt muss ich mich ablenken. Was machen wir an unserem letzten Tag in Hogwarts?"


Der nächste Morgen kam viel zu schnell. Am Abend hatte ein großes Festessen stattgefunden und später hatten die Marauder im Gemeinschaftsraum der Gryffindors noch eine Party geschmissen, aber Lily hatte keine Lust verspürt dort hinzugehen, lieber war sie mit Rachel noch im Dunkeln über die Ländereien spaziert, egal ob das verboten war, wen scherte das schon noch am letzten Tag? Und außerdem waren ihr mittlerweile solche unwichtigen Dinge, wie Strafen zu bekommen, eh egal.

Am nächsten Morgen war es also soweit. Wehmütig blickten die Siebtklässler hoch zum Schloss, das so lange ihr Zuhause gewesen war. Dann stiegen sie alle in die Kutschen und bald saßen sie zum letzten Mal im Hogwartsexpress und die Landschaft flog an ihnen vorbei.

Die beiden Freundinnen hatten ein Abteil für sich. Und leider hatte Lily viel zu viel Zeit zum nachdenken. Sie hatte irgendwie nicht daran gedacht, dass die Fahrt nach London recht lange dauern würde. Sobald der Zug da war, würde Rachel wegfahren und sie war ganz alleine. Gut, sie würde mit zum Anwesen der Potters gehen – aber was brachte ihr das schon? Morgen würde diese vermaledeite Hochzeit stattfinden. Was gab es für Alternativen? Selbst wenn es nur eine Hochzeit auf dem Papier sein würde, das wäre doch kein Leben für sie! Sie hatte ihr Leben noch vor sich, wollte glücklich sein! Sie hatte vor, eine Ausbildung zur Heilerin im St. Mungos zu machen. Sie war noch jung, sie wollte ihr Leben selbst in die Hand nehmen und nicht heiraten, weil ihre Eltern sich davon einen finanziellen Vorteil versprachen, und ihr Leben wegschmeißen. Heute Abend würde sie versuchen, James' Eltern davon zu überzeugen, dass es gar keine gute Idee ist, dass diese Hochzeit zustande kommt. Sie würden bestimmt vernünftiger sein als ihre eigenen Eltern.

Denn es war doch wirklich unmöglich! Hätte man in Hogwarts einen Aushang gemacht, wer Potter heiraten möchte – zig Mädchen hätten sich gemeldet! Liebend gerne. Aber nein, es musste ja sie treffen. Allerdings erlaubte sie es ich jetzt nicht genauer an James zu denken und daran, wie sie sich jedes Mal fühlte wenn er ihr sehr nahe war… Nein, sie erlaubte sich solche Gedanken nicht! Gefühle erst recht nicht! Und sie konnte damit schon gar nicht umgehen…


„Das schaffst du schon alles Lils. Ich denk an dich."

Lily und Rachel standen bei Rachels Eltern und verabschiedeten sich. Lily nickte, ihre Zweifel zeigte sie nicht. „Ja, na klar. Das wird schon. Meldest du dich, wenn ihr wieder aus dem Urlaub zurück seid?"

„Sicher!"

Und dann war sie da alleine… Alleine auf dem Bahnsteig. Obwohl, ganz alleine war sie nicht. Merlin war noch bei ihr. Sie trug ihn in seinem Korb mit sich umher. Meelyn flog lieber von Hogwarts nach London, was Lily auch ganz recht war, so musste sie nicht auch noch einen Vogelkäfig mitnehmen. Sie seufzte. Jetzt könnte sie auch noch schnell weggehen. Einfach durch die Absperrung und hinein ins Muggellondon, eine Stadt, die verzauberte, begeisterte und gleichzeitig auch einschüchterte.

Jemand trat zu ihr. Sie sah auf. James Potter lächelte auf sie hinunter. „Komm, wir gehen. Ich dachte schon du hättest es dir anders überlegt."

Ich kann mir nichts überlegen, ich kann nirgends hingehen, dachte sie wehmütig, ließ aber zu, dass er ihren Koffer nahm und folgte ihm mit Merlin hinüber zu Sirius und Remus, die bei einem Kamin standen. Seit wann gab es am Gleis Neundreiviertel einen Kamin? Normalerweise hätte sich sehr darüber gewundert, aber im Moment sollte es ihr auch egal sein.

„So, dann gehen wir mal", sagte James. Sirius und Remus gingen voraus, Lily folgte ihnen.


Bei den Potters angekommen war sei zunächst mal überrascht, dass so viele Leute in der Halle waren. Sie stieg aus dem Kamin und stand erstmal ein wenig verloren davor, bis James nach ihr ankam, seine Hände auf ihre Schultern legte und sie so hinüber zu seinen Freunden, die bei seiner Mutter standen, dirigierte. Etwas widerwillig ließ sie sich schieben.

„Lilian!", sagte Elisabeth Potter freudestrahlend. „Wie schön, dass du hier bist! So eine schöne Überraschung. Ich hatte ja so gehofft, dass du heute schon zu uns kommst!" Sie zog die verdatterte Lily in eine herzliche Umarmung, bevor sie ihren Sohn überschwänglich begrüßte.

Natürlich kam Lily sich hier jetzt total fehl am Platz vor. Aber sie bemerkte natürlich auch, dass einige der Leute hier in der Halle, allesamt Hexen und Zauberer die sie noch nie gesehen hatte, sie neugierig anschauten. Sie wandte sich fragend an Remus. „Was sind das alles für Leute?"

„Ich kenne sie auch nicht, aber es werden wohl Hochzeitsgäste sein."

„Jaa", meinte Sirius, „das sind alles Verwandte und Freunde und Bekannte der Potters. Aber nur ein kleiner Teil."

„Moment mal… Diese Leute sind alle wegen meiner Hochzeit morgen hier? Die, wie ich anmerken darf, gar nicht stattfinden wird?!" Das glaubte sie jetzt einfach nicht. Unfassbar! Wie sollte sie denn nun Mr. und Mrs Potter davon überzeugen, dass nicht geheiratet wird? Sie würden bestimmt die Verwandten nicht wieder nach Hause schicken wollen. Oh, wäre sie bloß nie mit hierher gekommen! „Und, wo wohnen die alle?"

„Na, hier im Haus, denke ich mal", sagte Sirius.

„Aber - ich denke hier gibt es nur ein Gästezimmer?"

„Nur ein Gästezimmer? Wie kommst du denn darauf? Das Anwesen ist doch riesig! Hier könnte man eine ganze Armee unterbringen."

James, der sich endlich von seiner Mutter befreit hatte, trat zu ihnen. Lily funkelte ihn an. „Ich höre grade, dass es hier sehr wohl viele - anscheinend sogar sehr viele Gästezimmer gibt. Kannst du mir vielleicht erklären, warum ich dann Ostern keins bekommen habe?"

„Das… das weiß ich doch auch nicht. Das haben doch unsere Eltern irgendwie eingefädelt. Und selbst wenn… wir waren doch eingeschlossen!"

„Na toll! ‚Wir waren eingeschlossen' – was für eine Ausrede. Vorallem musstest du es ja auch noch ausnutzen!" Sie holte tief Luft. „Wisst ihr, ich denke es wäre das Beste wenn ich jetzt gehe!"

„Du kannst jetzt nicht gehen!" protestierte James.

„Und warum nicht, Potter? Hast du vielleicht einen guten Grund?"

Bevor er antworten konnte, stand plötzlich wieder Mrs Potter vor ihnen. „Lilian, meine Liebe. Komm, ich zeige dir mal dein Zimmer." Lily sah sie skeptisch an; häuslich einrichten wollte sie sich hier erst gar nicht. Schließlich nickte sie dann aber.


TBC...

Eventuelle Rechtschreibfehler dürfen behalten werden... ansonsten: bis nächste Woche ;-)