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Chapter 9: Klartext
James' Mutter ließ ihren Koffer vor sich herschweben, während sie den nächsten Korridor entlanggingen. Schweigend folgte Lily ihr. Schließlich betraten sie ein hübsch eingerichtetes kleines Zimmer. „So Lilian, ich denke, für eine Nacht wird es reichen, die ganzen anderen Zimmer haben leider schon die Verwandten in Beschlag genommen", Mrs Potter klang immer noch so fröhlich. Was war denn bitteschön an der ganzen Situation so schön? Lily sah da nichts Tolles dran. Aber wenn sie schon mal hier alleine waren… vielleicht konnte man ja gut mit Elisabeth Potter sprechen.
„Mrs Potter… also, ich weiß nicht wie ich es sagen soll… Aber ich denke, vielleicht sollte man das Ganze absagen. Ich… ich glaube nicht, dass…", jetzt musste sie es richtig formulieren, vielleicht stiegen dann ihre Chancen. „Ich glaube nicht, dass es für James das richtige ist, gerade mich zu heiraten. Ich meine… ich denke, wir würden beide nie glücklich miteinander… Und… ähm… wir wollen doch beide nicht unsere Leben wegschmeißen."
Mrs Potter lächelte trotzdem immer noch. „Lily, ich darf dich doch so nennen, ja? Ich dachte mir schon, dass du so denken wirst. Denkst du, in der Zaubererwelt wird oft aus Liebe geheiratet? Das muss ich dich enttäuschen. Ich habe damals auch nicht aus Liebe geheiratet, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass sich so etwas entwickelt. Heute sind Harold und ich unzertrennlich. Und unser Sohn ist wirklich ein Kind der Liebe. Wir haben nicht nur ein Kind bekommen, weil das gut aussieht, wenn man eine richtige Familie hat."
„Aber-"
„Zufällig weiß ich aber, dass James dich abgöttisch liebt…"
„Aber ich ihn nicht!", protestierte Lily schnell und laut.
„Bist du dir dessen sicher? So vehement wie du reagierst… Hach, das erinnert mich an meine Schulzeit… Lily, lass mich dir sagen. Wir tun das nicht um dich, oder James, zu bestrafen. Zufällig trifft es sich halt, dass du in unseren Augen die perfekte Schwiegertochter bist und deine Eltern auch der Meinung sind, dass du heiraten sollst."
„Der Meinung sind? Ich habe eher das Gefühl, die verkaufen mich! Ich bin doch noch viel zu jung zum heiraten! Und selbst wenn es nur eine Hochzeit auf dem Papier ist… ich werde doch niemals mein eigenes Leben haben!"
„Wer sagt, dass es nur auf dem Papier sein wird? Ich sage dir, du kannst doch trotzdem alles tun, was du möchtest. Wir arrangieren zwar Hochzeiten, aber so altmodisch, ist es hier doch auch nicht!" Mrs Potter lachte fröhlich. „Warte kurz, ich war so frei und habe für dich etwas besorgt." Damit war sie auch schon aus dem Zimmer verschwunden.
Lily ließ sich geplättet rückwärts auf das Bett sinken und schloss die Augen. Warum ließ sie ihr nicht mal die Gelegenheit zu widersprechen?
Nach wenigen Augenblicken war seine Mutter schon wieder da, ein großes Paket in den Händen.
„Schau, Lily, wie findest du es?" Sie öffnete das Paket und holte ein wunderschönes weißes, schlichtes Hochzeitskleid raus.
So schön es auch war, etwas in Lilys Magen krampfte sich schon beim Anblick des Kleides schmerzhaft zusammen. Den geschocktgequälten Gesichtausdruck bemerkte sogar Mrs. Potter.
„Oh, du bist wirklich ein schwerer Fall. Komm, geh es mal anziehen, damit ich sehen kann ob es passt." Freundlich lächelnd drückte sie Lily den Stoff in die Hände und schob sie ins Badezimmer. (A/N: nicht das mir jemand den tollen, unbegründeten Titel der Story vergisst °gg°)
Ermattet betrachtete das Kleid und zog es nur an um Mrs. Potter den Gefallen zu tun. Dann besah sie sich im Spiegel und musste schlucken. Sie war nie die Art Mädchen gewesen, die von einer Traumhochzeit träumt. Ehrlich gesagt hatte sie sich nie darüber Gedanken gemacht. Jetzt schockte sie alles umso mehr. Nicht nur, dass sie nicht heiraten wollte, ihr wurde alles einfach so fix und fertig vorgesetzt. Sie seufzte und ging wieder zurück in ihr Zimmer, wo Elisabeth, als sie Lily sah, fröhlich in die Hände klatschte.
„Wunderschön!", jauchzte sie. „Passt es wirklich, Lily? Sonst könnte ich noch schnell etwas ändern."
Lily schüttelte den Kopf. „Nein, Mrs. Potter, es passt sehr gut… aber… es war doch bestimmt sehr teuer und da ich doch eigentlich gar nicht heiraten will… verstehen sie denn nicht?"
„Oh, ich verstehe sehr gut, mein Kind. Mach dir mal keine Gedanken über den Preis. Es ist ein Geschenk. Und ansonsten keine Widerrede. Morgen wird geheiratet. Du wirst mir irgendwann noch mal danken, dass ihr so eine schöne Hochzeit hattet. Du sagst einfach morgen brav ‚Ja' und dann hat es sich."
Lily schüttelte unmerklich den Kopf. Diese Frau wollte es einfach nicht begreifen, nicht wahr? „Aber… Mrs Potter, wirklich, ich…"
„Nenn mich doch bitte Elisabeth, Lily."
„Gut, dann Elisabeth. Wirklich, das ist nicht so einfach. Ich kann doch nicht einfach James heiraten… ich…"
„Lily", unterbrach Mrs Potter sie, „hör mir doch zu. Es wird sich alles finden. So schlimm ist eine Hochzeit doch auch nicht. Denkst du wirklich das Leben ist ein Ponyhof? Als ich so alt war wie du… ich musste auch schon heiraten, kaum war ich aus der Schule raus. Denkst du das hat mir gefallen? Ich habe getobt und geschrien, und das hat alles nur noch schlimmer gemacht. Also mach es dir nicht schwerer als es ist. Außerdem denke ich, dass diese Verbindung grade für dich, mit deiner Herkunft, in diesen dunklen Zeiten eine gute Wahl ist. Hier bei uns bist du sicher. So, es ist langsam Zeit für das Abendessen. Kommst du nachher runter zum Essen?"
Lily blickte an sich hinunter. Da stand sie nun, in diesem weißen Hochzeitskleid. Sie schluckte wieder. War das Schicksal? Schicksal musste man auch nicht einfach so akzeptieren. Hilfe, was hatte sie bloß in der Vergangenheit so Böses getan, dass sie so bestraft wurde?
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich denke ich esse nichts mehr."
Mrs. Potter lächelte und zog sie in eine Umarmung. „Ich bin ja so froh und so aufgeregt."
Und ich habe so Angst, dachte Lily still.
„Wenn du etwas brauchst, sag einfach einem Hauself Bescheid. Sie können dir auch noch etwas zu essen bringen, wenn du es dir anders überlegst. Das wird schon alles, Lily."
Und schon war Lily wieder allein in ihrem kleinen Zimmer. Sie seufzte schwer. Dann zog sie erstmal das Kleid wieder aus, bequeme Klamotten an, ging zum Fenster und blickte hinaus in den Garten. Da war sie nun also. Und sie sah keinen Ausweg mehr. Der Tatsache ins Gesicht sehen? Sie weigerte sich das zu tun. Aber andererseits… Auf jeden Fall würde sie jetzt erstmal hier im Zimmer bleiben. Sie würde es heute nicht noch mal verlassen. Diese ganzen Verwandten und Bekannten erschreckten sie. Sie hatte schon immer eine Scheu gegenüber so vielen fremden Menschen auf einmal gehabt. Und auf keinen Fall wollte sie sich mit ihnen unterhalten. Überhaupt war ihr fast schlecht vor Angst. Sie wusste nicht was am nächsten Tag passieren würde. Sie hatte Angst davor.
Merlin, der in seinem Korb bisher geschlafen hatte, wachte auf und maunzte, weil er rauswollte. Abwesend öffnete sie das Türchen, setzte sich aufs Bett und hob den roten Kater auf ihren Schoß. Abwesend streichelte sie ihn und war wieder einmal froh, dass sie ich hatte. Wenigstens ein Vertrauter in dieser ganzen Misere.
An allem waren sowieso nur ihre Eltern Schuld! Denen würde sie auch noch mal die Meinung sagen! Die sollten sich bloß hertrauen.
Sie seufzte schwer, wie sie es so oft in letzter Zeit getan hatte. Und wie sollte es nun weitergehen? Wie es aussah hatte sie wohl keine Wahl…
Sie hörte die große Uhr in der Halle bis in ihr Zimmer herauf. Sie schlug elf Mal. Erst elf Uhr? Die Zeit verging so langsam… bisher hatte sie sie mit Nichtstun und sich Sorgen machen totgeschlagen. Schlafen konnte sie aber auch nicht. Sie vergrub das Gesicht in den Händen. Naja, zumindest würde sie jetzt ein bisschen umherwandern gehen, hier drin wurde sie noch verrückt und Schlafen konnte sie sowieso nicht. In einem plötzlichen Zustand von geistiger Umnachtung verließ sie das Zimmer, in der Hoffnung, dass alle Verwandten schon schliefen. Merlin folgt ihr auf dem Fuße.
Zunächst irrte sie einfach ziellos durch die Gänge. Wieder einmal war sie erstaunt wie groß das Anwesen doch war. Und hier hatte man ihr erzählt, es gäbe nur ein Gästezimmer? Frechheit. Aber was soll's – es war Vergangenheit und nicht rückgängig zu machen. Lily war schon immer der Meinung gewesen, man sollte die Vergangenheit hinnehmen. Die Zukunft allerdings nicht.
Leise schlich sie durch die Eingangshalle. Sie könnte jetzt auch einfach von hier verschwinden… aber wo sollte sie schon hin? Und dann war da noch der Vertrag… das auch alles so verzwickt sein musste. Plötzlich hörte sie Stimmen. Fröhliche. Und Lachen. Langsam ging sie näher zu der Tür, von der die Geräusche kamen. Es war das Wohnzimmer, stellte sie fest. Schnell konnte sie feststellen, wer sich darin befand. In Ermangelung einer besseren Idee öffnete sie unaufgefordert die Tür und ging hinein.
Drei Marauder blickten sie überrascht an. Sie lächelte schwach. „Na, feiert ihr schon wieder? Habt ihr nicht gestern erst?"
„Schon, aber heute feiern wir einen winzigen Junggesellenabschied, wenn auch hier zuhause nicht die perfekte Umgebung dafür ist. Wir dürfen nicht weg, James' Mum hat Angst, dass wir nicht rechtzeitig wieder da sein würden", seufzte Sirius. „Du kannst doch auch mitfeiern. Das wär doch mal lustig und was anderes."
Während James wie vom Donner gerührt dasaß und sie anstarrte und Remus zweifelnd guckte, nickte Lily einfach, nahm das von Sirius angebotene Butterbier an und setzte sich in einen der Sessel.
„Lebe und denke nicht an morgen", murmelte Lily. Und als sie die fragenden Blicke sah fügte sie hinzu: „Das ist nur so ein Muggelsprichwort." Sie räusperte sich. „Also… ihr feiert echt Junggesellenabschied? Geht das nicht eigentlich anders? Ist das hier nicht eher ein einfaches Besäufnis? Bin ich denn dazu eingeladen?"
„Warum nicht?" fragte Sirius.
„Keine Ahnung… wer heiratet denn?"
„Na…" jetzt sprach auch Sirius nicht weiter. Jetzt hatten anscheinend alle drei ihre Sprache verloren.
„Vergiss es. War Spaß. So, ich will euch nicht die Stimmung verderben, macht weiter." Sie nippte an ihrem Butterbier.
An alle die bis hierher gelesen haben: Danke fürs durchhalten!
Eventuelle Rechtschreibfehler... ihr wisst schon. ;-)
