Hallo meine Lieben! Ich bin fürchterlich gestresst, deswegen bin ich noch nicht dazu gekommen, das Kapitel hochzuladen! Entschuldigt!
Aber nun ist es ja soweit. Here we go:
Chapter 12: Hochzeitsnacht
Und da war der Sternenhimmel. Sie hatte es geschafft den Feierlichkeiten zu entfliehen und stand nun im Garten. Es war eine laue Sommernacht. Sie blickte in den Himmel. Vor ihr lag eine ungewisse Zukunft. Genauso wie sie gestern nicht gewusst hatte was sie heute erwartete, wusste sie nun nicht, was das ganze Leben wohl brachte. Nicht, dass ihre Zukunft nach Ende der Schulzeit nicht auch ungewiss gewesen wäre, gerade in diesen aufziehenden dunklen Zeiten, aber jetzt schien ihr alles anders. Sie schluckte ein Geräusch der Verzweiflung hinunter.
Sie schaute sich um. Langsam mussten die Gäste doch mal genug haben. Es wurde langsam Zeit. Sie hatte jetzt so lange die Braut gespielt. Seufzend ging sie wieder ins Haus. Glücklicherweise hatten sich jetzt doch schon einige Gäste verabschiedet. Mrs Potter kam auf sie zu und nahm sie ins Schlepptau um die restlichen Leute zu verabschieden. Viele Verwandte blieben ja noch über Nacht. Die meisten hingen nur noch rum – halt eine typische Feier die langsam zu Ende ging.
In einem Augenblick, in dem sie dachte, jetzt könnte sie sich mal verdrücken, schlich sie sich auf den Flur und machte sich auf dem Weg zu ihrem Zimmer. Sie musste jetzt erstmal realisieren was heute alles passiert war. Schon von weitem fiel ihr sofort etwas vor ihrer Zimmertür auf. Merlin! Der Kater lag zusammengerollt vor der Tür.
„Was machst du denn hier draußen?" fragte sie, nahm ihn auf den Arm und wollte ihre Tür öffnen. Sie versuchte es zumindest. Aber die Tür blieb verschlossen. Lily runzelte die Stirn und rüttelte am Türknauf. Und da ging die Tür auf. Eine Frau mit wirrem Haar blickte sie verwundert an. Lily konnte sich dunkel an die erinnern, sie war irgendeine entfernte Verwandte von James. Schaudernd wurde ihr klar, dass sie nun auch irgendwie mit ihr verwandt war.
„Ja, bitte?", fragte die Frau.
„Oh, Entschuldigung", brachte Lily hervor. „Ich muss mich wohl in der Tür geirrt haben. Ich wollte sie nicht stören. Gute Nacht."
Die Tür schloss sich wieder. Na wunderbar. Warum war diese Frau in ihrem Zimmer? Sie blickte den Korridor hoch und runter. Nein, keine Frage, dies hier war ihre Tür – ihr Zimmer. Soweit sie es als ‚ihres' bezeichnen konnte. Verwirrt ging sie wieder zurück zu dem Saal, in dem gefeiert wurde. Allerdings war der jetzt bis auf wenige Zurückgebliebene auch leer. James und seine drei Freunde, auch Peter war zur Hochzeit vorbeigekommen, saßen auf einem großen Sofa. Sie eilte zu ihnen hinüber und ließ sich mit einem mürrischen Blick neben ihm nieder. Er sah sie fragend an.
„Da ist irgendeine Frau in meinem Zimmer", murmelte sie ihm zu.
Er blickte kurz verwirrt drein, dann sagte er: „Vielleicht hat meine Mutter sie dort einquartiert, es sind mehr Gäste geblieben als zunächst angenommen -"
Lily wartete gar nicht erst ab, sie sprang auf und eilte hinüber zu seiner Mutter, die noch den Tisch abräumte. „Mrs. Potter", begann sie, und wurde sogleich unterbrochen.
„Einfach nur Elisabeth, meine Liebe", meinte Mrs. Potter freundlich.
„…also ja, ich wollte nur fragen wie es kommt, dass mein Zimmer einfach jemand anderem zum Übernachten gegeben wird?", fragte Lily.
„Ach ja. Nun, wir mussten mehr Verwandte unterbringen und da du dein Zimmer sowieso nicht mehr brauchst…"
„Warum sollte ich es nicht mehr brauchen?" Lily war ziemlich verwirrt. Sie wollte jetzt ihre Ruhe haben und nicht auch noch unten den Umständen leiden müssen, dass sie nicht mal mehr ein eigenes Zimmer hatte.
„Na, du ziehst doch mit zu James in sein Zimmer. Zumindest zunächst könnt ihr da bleiben, obwohl wir uns schon etwas überlegt haben… Warte es einfach ab. Darüber hinaus: was würden die Gäste sagen, wenn ihr eure Hochzeitsnacht nicht zusammen verbringt?"
„Soll das heißen, die wissen alle gar nicht, dass dieses ganze Theater arrangiert ist?" Sie hatte gerade Mühe ihr Temperament zu zügeln, aber da sie in der letzten Zeit schon so oft die Möglichkeit gehabt hatte das zu üben, fiel es ihr nicht mehr ganz so schwer.
„Sicherlich ist ihnen das klar", Elisabeth schien nicht ganz so erfreut über Lilys Tonfall. „Wir haben aber natürlich nicht eingeladen à la ‚Willkommen zur arrangieren Hochzeit', aber da es in unseren Kreisen halt üblich ist… Natürlich sollte es dennoch wie eine richtige Heirat aussehen…"
Lily hörte schon kaum mehr zu. Sie hatte jetzt ein für alle Mal genug von dem Theater hier. Sie war halt wirklich nur ein Spielball. Sie passte ihnen wohl gut ins Schema. Klar, die Potters waren nett zu ihr, aber allein die Tatsache, dass sie einverstanden waren quasi eine Schwiegertochter zu kaufen…
„Ja, ist in Ordnung. Also dann, gute Nacht", brachte sie noch hervor, dann wollte sie nur noch auf schnellstem Wege weg. Nicht mal mehr ein eigenes Zimmer hatte sie nun. Toll. Sie wollte den Saal verlassen, als James auf sie zukam und sie besorgt musterte.
„Wohin geht's du? Was hat meine Mutter-"
Sie unterbrach ihn. „Ist doch egal. Ich muss hier jetzt raus."
Damit ging sie an ihm vorbei und aus dem Raum. Sie eilte wieder einen Flur entlang, langsam wusste sie sich nämlich zurechtzufinden, und endete schließlich in James Zimmer. Sie hatte jetzt aber auch keine Lust auf Diskussionen mit ihm. Merlin, den sie immer noch auf dem Arm hatte, wollte runterspringen, aber sie hielt ihn fest und nahm ihn mit ins Badezimmer, das sie von innen verschloss.
Völlig fertig ließ sie sich auf dem Rand der Badewanne nieder. Endlich hatte sie ihre Ruhe. Zunächst riss sie sich ohne Rücksicht auf Verluste die Klammern aus dem Haar, die ihre Haare so unnatürlich hochgesteckt hielten. Sie mochte das einfach nicht! Müde stand sie auf und betrachtete sich wieder im Spiegel. Ihre Augen spiegelten ihre Seele wieder. Das Chaos, das in ihrem Inneren herrschte. Ein Chaos aus Unsicherheit, Ungewissheit… aber auch Wut und Verletztheit - ein Durcheinander der Gefühle.
Seufzend ließ sie sich einfach auf dem Boden bei Merlin nieder. Sie würde keine weitere Träne vergeuden, so viel stand fest. Auch wenn sie schon wieder mit ihnen kämpfen musste.
Sie würde hier im Bad bleiben bis zum Tag des jüngsten Gerichts. Nun gut, natürlich war ihr bewusst, dass sie spätestens morgen früh wieder einen auf glücklich Verheiratete machen musste, aber warum nicht träumen… Und sie ärgerte sich über sich selbst, dass sie das mit sich machen ließ. Theoretisch konnte sie die Potters ja ins Messer laufen lassen, indem sie sich fürchterlich schlecht benahm oder einfach abhaute (wenn sie denn wüsste wohin) – diese Ehe wäre bestimmt schneller annulliert als man ‚Quidditch' sagen konnte. Aber nein, dazu hatte sie ja eine zu gute Erziehung genossen. Sicher, sie könnte wenn sie wollte, aber sie würde auch sich selbst schaden, immerhin waren die Potters eine einflussreiche Familie. Nachher wäre sie dann in der gesamten magischen Gesellschaft Britanniens unten durch... nicht dass sie das stören würde. Aber sie steckte in diesem Konflikt mit sich selbst fest, der sie dazu brachte vollkommen handlungsunfähig zu sein und alles einfach nur noch geschehen zu lassen um es zu überstehen.
Vor lauter Erschöpfung schlief sie irgendwann einfach ein.
Sie schreckte aus einem unbequemen Schlaf hoch, als die Tür aufflog und laut gegen die Wand knallte. Etwas desorientiert richtete sie sich auf. „Was ist denn los?"
James stand im Türrahmen und blickte besorgt auf sie runter. „Ich habe mir Sorgen gemacht. Die Tür war verschlossen, du hast nicht auf Rufen geantwortet und ich konnte auch gegen die Tür hämmern wie ich wollte, nichts ist passiert." Er fuhr sich aufgelöst mit der Hand durch sein wirres, schwarzes Haar.
Sie rappelte sich auf. „Du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen." Darauf achtend, ihn bloß nicht anzusehen, drückte sie sich an ihm vorbei durch die Tür. „Ich tu mir schon nichts an, das hab ich dir schon mal gesagt." Ihr war jetzt alles egal. Sie hatte ihm den Rücken zugekehrt und zog sich, ohne sich darum zu kümmern, dass er da war, das Kleid aus und kletterte nur in Unterwäsche ins Bett.
Sein Blick hatte an ihrem Rücken gehaftet, bevor er schluckte und sich abwandte.
„Wenn mir schon mein Zimmer einfach so weggenommen wird…", murmelte sie, bevor sie sich die Decke bis zum Hals zog. „Gute Nacht."
James stand ziemlich geplättet da. Ihr ganzes Verhalten überraschte ihn. Aber bei Lily Evans musste man immer auf Überraschungen gefasst sein – sie war unberechenbar. Aber er war froh, dass es ihr anscheinend ganz gut ging. Man wusste ja nie auf was für Ideen Lily kam.
Am nächsten Morgen wollte Lily am liebsten gar nicht mehr aufstehen. Im Moment ging es ihr noch gut. Der gestrige Abend kam ihr so vor als wäre alles nicht real gewesen. Gleich müsste sie aufstehen und wieder mit allem konfrontiert werden: James, seinen Eltern, oder - noch schlimmer - anderen Gäste. Die Sonne strahlte schon wieder ins Schlafzimmer. Da es trügerisch ruhig war öffnete sie müde ein Auge, nur um zu sehen, dass James anscheinend schon auf war und zog sich dann die Decke über den Kopf. Was sollte sie auch sonst schon groß tun. Solange sie niemand vermisste würde sie hier bleiben, zumal sie sehr müde war. Sie hatte gestern Nacht hier im Bett gelegen, die Augen fest zusammengepresst und versucht die Tränen zurückzuhalten. Sie wusste nicht so wirklich was sie wollte, was sie fühlte und was sie zu erwarten hatte. Um ich in der Nacht nicht die Schwäche zu geben in Tränen auszubrechen, hatte sie still gelitten und erst spät Schlaf gefunden.
Jetzt war sie so erschöpft, dass sie wieder einschlief.
„Lily…"
Langsam öffnete sie die Augen und zog sich die Bettdecke wieder bis zum Hals. James Potter saß bei ihr auf der Bettkante. „Du bist wunderschön wenn du schläfst, weißt du das? Überhaupt bist du immer wunderschön, aber wenn du schläfst siehst du auch noch so zufrieden aus. Es tut mir Leid, dass ich Schuld bin, dass du nicht immer so zufrieden aussehen kannst", flüsterte er und blickte direkt in ihre grünen Augen.
Lily's Herz schlug ihr bis zum Hals und sie wandte schnell den Blick ab. Mit solchen Komplimenten konnte sie nicht umgehen. Sie fragte sich auch, warum er plötzlich so redete. Ob er noch ganz bei sich war?
James hatte sie auch schon wieder erhoben. „Ich habe grade mit meiner Mutter gesprochen. Wir sollen jetzt zum Frühstück kommen. Und dann gibt es noch eine Überraschung. Ich weiß selbst nicht was das ist." Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Von Ideen seiner Eltern war er anscheinend auch leicht abgeschreckt. „Ähm… ich habe deine Sache aus deinem alten Zimmer geholt." Er deutete auf ihren Hogwartskoffer, der in einer Ecke stand. „Ich warte dann draußen auf dich." Bevor sie irgendwas erwidern konnte, war er auch schon durch die Tür verschwunden. Denn auch er war irgendwie bei allem zutiefst verunsichert.
tbc ...
Das nächste Kapitel gibt's wieder pünktlich am Wochenende ;-) Rechtschreibfehler... joa, bekannt.
