So, here we go again ;-)


Rückblick Ch. 13: Lily starrte in die Flammen im Kamin und sah nicht auf als James sich wieder in einem der Sessel niederließ. „Okay. Wir haben also einen weiteren Tag überstanden", sagte er.


Chapter 14: Flucht ins Unwetter

Sie nickte abwesend und stand dann auf um den Tisch vom Abendessen abzuräumen. Sie mied absichtlich James' Blick, der jeden ihre Handgriffe beobachtete. Schließlich seufzte er. „Lass das doch liegen, wir können doch morgen noch aufräumen."

„Wenn du meinst. Ich gehe dann mal hoch." Ehe er sich versah, war sie aus dem Zimmer verschwunden, aber er eilte ihr hinterher.

„Jetzt warte doch mal, Lily. Lass uns bitte reden."

Sie zögerte kurz und stieg dann weiter die Treppe ins Obergeschoss hoch. James schüttelte den Kopf über so viel Sturheit. Er folgte ihr und hielt sie fest. Sie drehte sich um und blickte in seine besorgten Augen.

„So geht das doch nicht weiter mit uns", sagte er.

„Soll es ja auch nicht", flüstere sie kaum hörbar und wollte sich losmachen, aber James reagierte schneller und sperrte sich zwischen sich und der Wand ein, indem er sich rechts und links von ihr dort abstützte.

Lily schluckte. Sie hasste es, wenn er das tat, weil ihr Herz ihr dann immer bis zum Hals schlug.

„Ich gebe mir wirklich Mühe. Ich dachte wir würden irgendwie das Beste daraus machen. Aber du wirfst mir einfach Rätsel auf", meinte er und ließ den Blick nicht von ihren Augen. „Manchmal bist du ganz anders. Kurz vor der Hochzeit warst du plötzlich viel aufgeschlossener. Warum? Heute und auch gestern bist du so abweisend – nur mir gegenüber. Nicht zu Sirius oder den anderen. Nur zu mir. Heute schweigen wir uns nur an. Warum ist jetzt wieder alles schlimmer als zuvor?"

Er seufzte und strich ihr eine rote Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie erzitterte unter seiner Berührung. „Rede doch mit mir. Wir haben jetzt auch noch dieses Haus hier und sollten uns wirklich irgendwie arrangieren… Was ist da zwischen uns?"

„Ich… ich weiß es doch auch nicht…" Sie schloss kurz die Augen, als er seine Finger über ihre Wange streichen ließ. Unwillkürlich genoss sie es und wollte sich doch gegen dieses Gefühl wehren… es brachte sie nur alles mehr aus dem Konzept. „Es ist alles plötzlich ein bisschen viel", brachte sie hervor. „Vorgestern gingen wir noch zur Schule, gestern haben wir geheiratet, dann die vielen Gäste, und jetzt dieses Haus und das ist doch praktisch nur dein Haus. Ich komme nicht klar mit so viel auf einmal. Und außerdem… du weißt ja gar nicht was deine Mutter zu mir sagt. Klar ist sie nett, aber alles hier dreht sich für sie doch eh nur um dich. Ich soll mich immer nur zusammenreißen und sie sagt mir, ich sollte dich, grade dich, glücklich machen! Warum interessiert es niemanden wie es mir geht? Was ich will? Meinen Eltern bin ich egal und ich muss jetzt sehen wie ich mein Leben wieder in den Griff kriege!" Ihre Stimme zitterte und er zog sie in seine Arme.

„Mich interessiert es und ich bin für dich da, Lily. Ich will dir ja helfen, aber du lässt mich ja nicht", sagte er leise.

Kurz genoss sie es eine Schulter zum Anlehnen zu haben, schloss die Augen und atmete tief durch. Und doch wurde es ihr wieder zu viel. Sie wollte nicht, dass er so etwas sagte, sie konnte damit nicht umgehen. Sie löste sich von ihm und trat einen Schritt weg. „Ich… ich muss hier raus", murmelte sie plötzlich, wandte sich um und ging wieder die Treppe runter. Als sie schon an der Haustür war, ergriff James sie am Arm und hielt sie zurück.

„Wo willst du hin?" fragte er besorgt.

„Einfach nur an die frische Luft, ich muss nachdenken…"

„Gut, aber es wird bald dunkel, pass bitte auf dich auf, ja? Mir bist du nämlich ganz und gar nicht egal." Er klang so ehrlich und Lily konnte dem Blick seiner braunen Augen nicht standhalten, die sie nahezu durchdrangen. Sie dreht sich weg und stürzte aus dem Haus. Lange blieb James auf der Türschwelle stehen und sah ihr, seiner einzigen großen Liebe, lange nach.


Lily ging einfach immer weiter und als sie den Waldrand erreichte, begann sie zu rennen. Sie rannte einfach drauf los, bis sie vollkommen außer Atem war und ihr Herz gegen ihre Brust hämmerte. Dieses Gefühl erinnerte sie daran wie es hart es schlug wenn James ihr nahe war. Wiedermal stellte sie sich die Frage, was sie überhaupt wollte und wie es weitergehen sollte. Immer wenn sie versuchte nachzudenken, überschlugen sich ihre Gedanken so, und vor allem wollte ein gewisser Marauder nicht aus ihnen verschwinden, sodass sie keinen klaren Gedanken fassen konnte.

Sie blickte sich im langsam düster werdenden Wald um und ließ sich schließlich auf einem umgefallenen Baumstamm nieder. Dann atmete sie tief den Geruch des Waldes ein. Das beruhigte sie ungemein. Ja, sie hatte sich in James Potter verliebt. Sie konnte nicht fassen, dass das möglich war, immerhin hatte sie ihn doch nie gemocht. Oder... doch? Er hatte sie immer genervt und sie hatte ihm so oft gesagt sie würde ihn hassen… Hass war aber auch schon eine leidenschaftliche Emotion. Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr wurde ihr bewusst, dass sie von Anfang an gar nicht so abgeneigt war, es aber niemals zugegeben hatte. Sein ganzes Auftreten war ihr in der Schule zuwider gewesen, und um nicht verletzt zu werden und nur als Kerbe im Bettpfosten zu enden, hatte sie sich verboten sich in ihn zu verlieben. Ihn auch nur zu mögen. Sich gradezu eingeredet ihn zu hassen. Irgendwie war es dann soweit gekommen, dass sie sich während ihrer Schulzeit gar nicht mehr verlieben wollte und dies auch irgendwie schaffte und so den Kopf frei hatte um sich auf die Schule zu konzentrieren. Jetzt, da sie gezwungen war Zeit mit ihm zu verbringen, wurde es für sie aber immer schwerer ihre Fassade aufrecht zu erhalten.

Er wollte ihr helfen. Gut, sie wusste, dass er kein Unmensch war, dass er Mitleid mit ihr in ihrer Situation hatte, mit der er anscheinend so viel besser klar kam... Er sorgte sich wirklich um sie, das spürte sie intuitiv, aber… Lily hatte keinerlei Erfahrung in solchen Themen, sie hatte ja noch nicht mal einen Freund gehabt.

Und jetzt war sie plötzlich verheiratet?! Würde sie nicht nur noch mehr verletzt werden, wenn sie zuließ, in ihn verliebt zu sein, wenn er doch nur mit ihr verheiratet war, weil seine Eltern das so wollten? Wenn sie sich einredete, ihn nicht zu lieben, war es dann einfach, für immer zusammen zu leben? Er hatte einmal gesagt, er wollte diese Hochzeit… Und als sie sich das erste Mal bei ihm übernachten ‚musste', als er sie geküsst hatte, hatte sie nicht da schon einen Fehler gemacht? Seit diesem Tag war sie ihm ja die meiste Zeit, grade in der Schule aus dem Weg gegangen. Denn ihre Fassade hatte angefangen zu bröckeln, er schlich sich in ihr Herz, aus dem sie ihn schon viel früher verbannt hatte… Sie fühlte sich zu ihm hingezogen, verdammt, ja! Sie konnte auch nicht von einem Augenblick zum nächsten umschalten und so tun als wären sie eine glückliche Familie. Sie wusste ja auch nicht, was er wirklich dachte… Liebte er sie?

Es war nicht einfach für sie sich überhaupt einzugestehen, in ihn verliebt zu sein, aber sie konnte es nicht länger leugnen. Beim Merlin, welche höhere Macht war Schuld daran, dass sie so litt? Und jetzt erst recht so unsicher war?

Leichter Regen hatte eingesetzt, aber das störte Lily nicht sonderlich, es riss sie aber aus ihren Gedanken. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht und stand auf um ziellos weiterzuirren. Sie wollte einfach immer weitergehen. Bald hörte das kleine Waldstück auf und Lily trat auf eine große Wiese. Sie wirkte wunderschön und dass, obwohl es immer stärker regnete und sich große dunkle Wolken darüber auftürmten. Lily ging mitten auf die Wiese und blickte zum Himmel. Schnell war sie total durchnässt und die kalten Regentropfen liefen auf ihrem Gesicht hinab, wo sie sich mit heißen Tränen mischten.


Er war unruhig. Lily war nun schon wirklich lange weg. James seufzte und blickte aus dem Fenster. Es war dunkel geworden und es regnete immer stärker. Er war sich sicher, dass Lily es nicht gutheißen würde, wenn er ihr nachging und sie suchte, nur deshalb hatte er so lange zuhause verharrt. Aber jetzt wurde es wirklich ungemütlich draußen… Er wandte den Blick wieder zum Kamin und starrte hinein. Plötzlich zuckte draußen ein Blitz am Himmel. Auch das noch. Unruhig stand James auf und noch vor dem Donner hatte er den Entschluss gefasst ihr nachzugehen. Während immer mehr Blitze den dunklen Himmel erhellten, schnappte er sich seinen Besen und stürzte aus der Tür. Er wusste, dass es höchst unvernünftig war, bei so einem Wetter auch noch zu fliegen, aber so war er einfach am schnellsten. Bald war er über dem Wald und versuchte Lily irgendwo auszumachen.


Sie spürte, dass sie zitterte und langsam wurde ihr bewusst, dass sie vollkommen durchnässt war. Sie zwinkerte etwas aus ihren Augen um wieder klar sehen zu können und war sich nicht mal sicher ob es Tränen waren oder Regen. Es war mittlerweile richtig dunkel geworden und es regnete nicht nur in Strömen, es gewitterte auch noch. Sie war vollkommen abgelenkt gewesen von dem Sturm der Gefühle in ihrem Inneren, sodass sie das richtige Unwetter nicht hatte aufziehen sehen. Verzweifelt versuchte sie ihre Gedanken zu ordnen. Das Gewitter zog rasch näher, die Abstände zwischen Blitz und Donner wurden erschreckend schnell kürzer. Sie fühlte sich merkwürdig, aber versuchte sich zu konzentrieren und zu orientieren. Dann sah sie etwas auf sich zufliegen. Erst als er in ihrer Nähe gelandet war, erkannte sie ihn. Sie war sich nicht sicher ob sie ihn sehen wollte und wie sie sich ihm gegenüber verhalten würde, aber ihr war klar, dass sie Glück hatte, dass er gekommen war, denn den Rückweg alleine zu finden wäre sicherlich schwierig geworden unter den gegebenen Bedingungen.

James war von seinem Besen gestiegen. Ihm war vor Erleichterung ein Stein vom Herzen gefallen, dass er sie gefunden hatte und nun bald wieder wohlbehalten daheim haben würde.

Er trat auf sie zu, suchte ihren Blick und sagte zögernd: „Alles in Ordnung? Ich… ich habe mir Sorgen gemacht…" Sie sah auf und ihre Blicke trafen sich nur für den Bruchteil einer Sekunde, dann warf Lily sich in seine Arme und schluckte hart um nicht zu laut aufzuschluchzen. Sie fühlte sich einfach so elend und suchte nun Nähe, sie wusste selbst nicht genau warum.

Vollkommen überrumpelt spürte James nun wie sehr sie zitterte und brauchte einen Augenblick um seine Stimme wiederzufinden. „Komm, wir gehen jetzt nach Hause, hier draußen im Unwetter ist es ungemütlich". Er streichelte ihr unbeholfen über den Rücken um sie zu beruhigen und warf einen Blick zum Himmel, wo immer noch Blitze zuckten.

Sie nickte leicht und ließ ihn los. Er ergriff ihre Hand und zog sie mit sich zurück zu seinem Besen. Unweigerlich blieb Lily stehen. „Du willst… fliegen? Bei dem Wetter? Das ist… das ist Selbstmord." Dass sie generell ‚nicht gern' flog brauchte sie ihm ja nicht so direkt zu sagen.

„Ich kann mir auch was Schöneres vorstellen als bei dem Wetter zu fliegen, aber hast du eine bessere Idee? Zu Fuß dauert es viel zu lange", erwiderte er.

„Ich… ich fliege aber nicht", versuchte sie es erneut.

Er wandte sich um und sah sie direkt an. „Lily, bitte vertrau mir, wenigstens dies eine Mal, und steig auf den Besen. Es wird dir nichts passieren." Etwas in seiner Stimme brachte sie dazu ihm zu glauben und so stieg sie vor ihm auf den Besen.

Einen Moment später stieß sie einen erschrockenen Laut aus, da sie sofort mit hoher Geschwindigkeit durch die Lüfte rasten. Sie wollte es zwar nicht, kam aber nicht drum rum einen Blick nach unten zu riskieren. Der Wald raste nur so unter ihnen lang, sie konnte keinen Baum mehr einzeln wahrnehmen. Sie verkrampfte sich vollkommen und spürte wie James' Arme sich noch fester um sie schlangen. Um nicht in Panik auszubrechen schloss sie die Augen und nahm sich vor sie erst wieder zu öffnen wenn sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Allerdings fühlte sie sich mit der Zeit recht sicher, da sie merkte wie gut James doch den Besen trotz des Wetters und der hohen Geschwindigkeit unter Kontrolle hatte.

Und dann landeten sie auch schon vor ihrem Haus. Erleichtert atmete Lily aus. Gemeinsam eilten sie ins Haus, wo Lily gleich im Bad verschwand. Während sie unter der Dusche stand und das heiße Wasser spürte, wurde ihr bewusst wie erschöpft sie eigentlich war und wo sie nun wäre, hätte James sie nicht gesucht. Sie wollte sich bei ihm bedanken, aber etwas sträubte sich immer noch in ihr. Man kann die Augen schließen, wenn man etwas nicht sehen will, aber nicht das Herz verschließen, wenn man etwas nicht fühlen will…


Kurze Zeit später betrat sie nur in einen Bademantel gehüllt das Schlafzimmer. James saß auf dem Bett und sah schon wieder trocken aus, wahrscheinlich hatte er einen Trocken-Zauber angewendet. Er sah auf, als sie den Raum betrat, sagte aber nichts. Sie fühlte seinen Blick auf sich, als sie hinüber zum Schrank ging. Darin fand sie tatsächlich ihre Sachen von zuhause, ihre Eltern hatten ganze Arbeit geleistet. Sie warf James einen kurzen Blick über die Schulter zu. Er hatte sie bis dahin wirklich beobachtet, wandte sich jetzt aber dezent ab. Lily ließ den Bademantel zu Boden gleiten und zog sich ein Nachthemd an. Dann ging sie hinüber zu ihm. Sie seufzte. „Also gut… welche Seite des Bettes willst du?"

James sah sie erstaunt an. „Ich war mir nicht mal sicher, ob ich hier heute schlafen darf…".

„Sicher, warum nicht, ist ja schließlich dein Bett… dein Haus…" Das ‚deine Frau' blieb ihr wie ein Kloß im Halse stecken. Ohne weiter abzuwarten ging sie um das Bett herum und legte sich hinein. James sagte gar nichts. Er blieb noch einen Augenblick wie geplättet sitzen, stand dann auf, löschte das Licht und verließ den Raum. Lily fühlte sich plötzlich seltsam verlassen. Wenn sie weiterhin so abweisend zu ihm war würde sie hier vielleicht ganz auf sich allein gestellt sein… und eigentlich wollte sie ja auch bei ihm sein… sie konnte nur einfach nicht von ihrer Angst verletzt zu werden loslassen. Andererseits hatte sie ja nichts mehr zu verlieren… und kein andere Wahl. Schließlich schlief sie ein.


TBC

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