So, weiter geht's. Dankeschön an alle, die mich bis hierher begleitet haben!

Chapter 15: There and back again

Oder: Reden und doch Schweigen

„Lily? Wach auf!" Eine Stimme drang zu ihr durch und weckte sie. Sie schreckte schwer atmend auf und sah sich desorientiert im noch dunklen Zimmer um. James saß auf seiner Seite des Bettes und sah sie besorgt an.

„Was ist passiert?" fragte sie durcheinander. Wann war er überhaupt wieder hierher gekommen?

„Du hattest einen Alptraum. Geht es dir gut?"

Sie nickte langsam. Sie konnte sich nur noch schemenhaft an den Traum erinnern, aber sie war völlig fertig und zitterte. Tief Luft holend ließ sie sich zurück in ihr Kissen sinken. Alles setzte ihr so sehr zu, dass sie jetzt schon Alpträume bekam. Sie warf James einen kurzen Blick zu, der sich auch wieder zurückgelegt hatte, die Arme hinter dem Kopf verschränkt hatte und die Decke anstarrte. Sie unterdrückte den Drang sich mit der Hand an die Stirn schlagen für die Gedanken, die ihr augenblicklich in den Kopf kamen. Gerne wollte sie jetzt in den Arm genommen werden… sie verbot sich selbst weiter zu denken, drehte sich auf die Seite und versuchte noch einmal einzuschlafen.

Auch James warf Lily immer wieder Blicke zu. Verdammt, sie macht es ihm so schwer. Immer wenn er einen Schritt auf sie zugehen wollte macht sie einen zurück. Er wandte sich zu ihr um und beobachtete sie in der Dunkelheit. Ihre Atmung ging wieder ruhiger aber nicht so ruhig, als würde sie schon schlafen. Er seufzte und sah, dass sie sich wieder zu ihm umdrehte. Sie blickte in seine Augen, die schwarz glitzerten.

„James?"

„Hm?"

„Danke, dass du mich gestern aus diesem Unwetter rausgeholt hast", sagte sie leise.

„War doch Ehrensache", erwiderte er.

„Und… ich habe nachgedacht", brachte sie zögernd hervor.

James setzte sich auf. „Und worüber…?" forderte er sie schließlich auf, als sie nicht weiter sprach.

„Über… über uns. Also, es tut mir Leid, dass ich die letzten Tage so komisch war. Ich habe dir ja gesagt, dass es alles nicht leicht für mich ist. Nun, ich denke wir sollten es einfach probieren. Ich werde mir Mühe geben und wir haben ja eh keine andere Wahl. Wird schon funktionieren, zumindest dass wir hier vernünftig leben können."

James war recht überrascht so etwas jetzt von ihr zu hören, er wusste, dass sie nun sein Statement dazu erwartete, aber ihm fiel im Moment nichts Sinnvolles ein… „Okay", brachte er schließlich ungeschickt hervor. „Und ich… ähm, werde mich auch bemühen." Innerlich schlug er sich dafür, dass er ihr nicht sagte, was er wirklich fühlte, was er für sie empfand. Er wollte viel mehr als irgendwie klarkommen. Aber er war zu feige, wollte nicht, dass sie ihn dann erst recht verließ, weil sie anders fühlte… ja, der große James Potter war unsicher. Und was genau ihr ‚vernünftig leben' alles bedeutete würde er schon noch herausfinden. Er lächelte leicht und glaubte trotz der Dunkelheit auch auf ihrem Gesicht kurz ein Lächeln zu erkennen. Das brachte seine Gefühle für sie nur noch mehr in Wallung… sie könnte ihn ruhig viel öfter anlächeln. Schließlich schaffte er es seinen Blick von ihr loszureißen und starrte eine Weile die Decke an.

Lily bewegte sich unruhig. Sie hatte den dunklen Verdacht, dass sie so schnell nicht mehr einschlafen könnte. Sie wartete eine Weile. Ihr Blick fiel auf das Fenster. Draußen war es noch finster, aber es konnte nicht mehr lange dauern bis zur Dämmerung. Es würde nicht schaden, jetzt schon aufzustehen. Kurzerhand schlug sie ihre Bettdecke zur Seite und stand auf. Barfuß tapste sie durch das Zimmer.

„Wo gehst du hin?"

Sie hielt in ihrer Bewegung inne und schloss kurz die Augen. Innerlich atmete sie tief durch und wandte sich dann zu James um, der aufrecht im Bett saß.

„Ich kann nicht mehr schlafen, drum dachte ich, ich steh schon mal auf..."

„Komm doch noch mal her zu mir." Er hab seine Decke an und machte ihr Platz auf seiner Seite des Bettes. Lily zögerte. Aber das Angebot war verlockender als einsam durch das kalte Haus zu wandern. Sie machte einen kleinen Schritt auf ihn zu.

„Na komm schon", sagte er und lächelte sie an.

Schließlich fasste sie sich ein Herz und schlüpfte zu ihm unter die Decke. Sie suchte instinktiv die Wärme die von ihm ausging und er zog sie in seine Arme. Sie seufzte zufrieden und schloss die Augen. James blickte sie an. So ganz wurde er nicht schlau aus ihr. Aber im Moment war ihm das auch egal, sie war bei ihm und das war das wichtigste. Er hasste das Gefühl, das ihn heimsuchte wann immer sie sich weiter voneinander entfernten. Umso schöner fühlten sich die Augenblicke an, die ihm wie sein persönlicher Traum vorkamen. Lily Evans, in seinem Bett, in seinen Armen… es wäre perfekt, würde da nicht die Tatsache sein, dass sie mittlerweile, und das nicht aus freiem Willen, Lily Potter hieß und er nicht wusste warum sie manchmal, so wie jetzt, seine Nähe zuließ oder suchte und sich dann wieder zurückzog.

Aber all diese Überlegungen wurden für ihn im Moment unwichtig. Er wollte den Augenblick einfach nur genießen. Er küsste sie zärtlich aufs Haar, bevor auch er die Augen schloss und noch einmal einschlief.

So viel hatte sie nachgedacht. Über ihn. Über sich selbst. Darüber was sie hatten, was sie haben könnten und was sie haben wollten. Lange Zeit lag Lily nun schon wach. Sie hatte keinen Versuch unternommen aufzustehen. So fest wie sie in James' Armen lag wäre er unweigerlich dabei aufgewacht und das wollte sie nicht. Er sah so zufrieden aus wenn er schlief. Sie war in der Nacht zwar noch einmal eingeschlafen, aber es war nicht von langer Dauer gewesen. Trotzdem war sie einfach liegen geblieben, hatte zugesehen wie die Sonne langsam aber stetig das Schlafzimmer erhellte und seine Nähe genossen. Warum war es nicht immer so einfach?

James regte sich neben ihr. Sie schaute ihn an. Seine haselnussbraunen Augen, blitzten sie wach an, obwohl er Sekunden zuvor noch geschlafen hatte. Er sah ihr tief in die Augen, als versuchte er durch sie hindurch und in ihre Seele zu blicken. Sie bekam Gänsehaut und verlor sich in seinen Augen.

Und genauso schnell wie er gekommen war, war der Moment auch schon wieder zu Ende. Auch wenn James seine Lily am liebsten nie wieder aus seinen Armen gelassen hätte, wollte er im Augenblick sein Glück nicht überstrapazieren. Er lehnte sich weg und sagte: „Komm, lass uns frühstücken gehen – wir sind bei meinen Eltern eingeladen." Dass ihr Gesichtsausdruck bei dieser Vorstellung anscheinend verrutscht war, wurde ihr erst dadurch bewusst, dass er lachte und sie dann schief angrinste.

„Ja, ja, okay", murmelte sie und zog sich noch mal die Bettdecke über den Kopf.

Eine knappe halbe Stunde später befanden sich Lily und James auf dem kurzen Fußweg zu Anwesen der Potters. Lily schluckte. Sie war sich nicht sicher, ob sie James' Eltern, gerade seiner Mutter, schon wieder unter die Augen treten wollte.

„Ähm… sind wir jetzt jeden Tag hier zum Essen eingeladen?", fragte sie vorsichtig.

„Meine Mutter hätte uns am liebsten ständig um sich. Aber ich denke, wir werden nicht bis an unser Lebensende jeden Tag hier sein." Er lächelte auf sie hinunter. „Und sie meinen es doch gut."

Sie seufzte. „Ich weiß…" James schloss die Tür seines Elternhauses auf und sie gingen durch die Halle. Kaum betraten sie das Esszimmer, eilte James' Mutter schon auf sie zu und herzte ihren Sohn und ihre Schwiegertochter. „Schön, dass ihr da seid. Wie war die Nacht in eurem eigenen Haus? Ist das Haus zu eurer Zufriedenheit? Ich sagte ja noch zu Harold, dass wir euch doch einen Hauselfen hätten vorbeischicken sollen, damit der alles in Ordnung hält-"

„Elisabeth, lass die beiden doch mal zu Atem kommen", unterbrach Harold Potter den Redeschwall seiner Frau. „Setzt euch, setzt euch."

„Ist Sirius schon in der Winkelgasse?", fragte James.

„Ja, er ist schon ganz früh losgegangen. Aber ich kann ihn auch verstehen, ohne dich möchte er hier mehr wohnen. Dabei haben wir ihm gesagt, er kann so lange bleiben wie er möchte…"

James unterhielt sich mit seinem Vater über Sirius und Lily sah sich nun wieder im Angesicht seiner Mutter. Höflich lächelte sie.

„Nun, Lily… habt ihr euch schon gut eingelebt?" begann Mrs. Potter auch sofort.

„Ja, danke, das Haus ist wirklich hübsch." Fieberhaft überlegte sie was sie sinnvolles sagen konnte, aber ihr wollte partout nichts einfallen. Ihr war dieses ganze Frühstück unangenehm.

Appetitlos knabberte Lily an einem Brötchen. Konservationen zu führen hatte sie mittlerweile aufgegeben.

Elisabeth Potter klatschte plötzlich in die Hände um die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Ich wollte euch noch mitteilen, dass die Hochzeit bei allen Gästen wunderbar angekommen ist. Alle waren von der Ausrichtung sehr angetan. Harold und ich sind auch sehr glücklich über diese Verbindung, nicht wahr, Schatz?" Ihr Mann nickte und sie fuhr fort. „Bisher nur positive Rückmeldungen, auch oder eher grade im Ministerium. Die Familie Potter hat damit ihren Standpunkt sehr deutlich klargemacht und es traute sich noch niemand etwas dagegen zu sagen."

Lily verstand nicht ganz, was Mrs. Potter damit meinte, wollte jetzt aber auch nicht nachfragen.

Elisabeth fuhr fort: „Was ich noch vergessen habe: Harold hat sich die nächsten Tage frei genommen und wir fahren in unser Ferienhaus in Wales. Wir wollten fragen, ob ihr uns begleitet oder lieber hier bleibt."

Lily warf James schnell einen bittenden Blick zu, der Bände sprach.

„Danke Mom, aber wir bleiben lieber hier. So können wir uns erstmal richtig in unserem Haus einleben." ‚Und irgendwie unsere Differenzen klären - hoffe ich', fügte er in Gedanken hinzu.

„Gut, dann bleibt ruhig hier", sagte Mr. Potter. „Ich muss jetzt noch mal in Ministerium und gleich morgen früh fahren wir ab. Wenn ihr was braucht könnt ihr ja den Elfen Bescheid sagen. Und Sirius ist ja auch noch hier, ihr könnt euch also gegenseitig Gesellschaft leisten."

„Sicher, Dad", antwortete James.

Sie blieben noch bis zum Nachmittag, verabschiedeten sich dann schließlich von seinen Eltern und machten auf den Weg nach Hause. James warf Lily immer wieder Seitenblicke zu. Sie schwieg aber beharrlich und starrte nachdenklich vor sich hin. Plötzlich klärte sich ihr Blick aber auf und sie sah James aus ihren funkelnd grünen Augen an. „Was hat deine Mutter damit gemeint: ‚ihr hättet euren Standpunkt klar gemacht durch die Hochzeit'?"

James verzog keine Miene. „Irgendwas Politisches. Es sind dunkle Zeiten und auch wenn es vielleicht gefährlich ist für unsere Familie wollten meine Eltern zeigen, wie wir dazu stehen. Da kam ihnen unsere Verbindung gerade recht, da wir nichts auf Reinblütigkeit geben."

Lily nickte stumm. Es war ihr zuwider, dass sie von allen nur ausgenutzt wurde, ihren Eltern, seinen Eltern… gut, sie war nicht die einzige, denn James konnte sich schließlich auch nicht wehren, aber er war ja eh zufrieden mit der Situation. Relativ zumindest.

Als sie wieder in ihren Haus ankamen, hüpfte sofort Merlin auf Lily zu. Sie hob ihn auf den Arm und streichelte sein Köpfchen. „Na, mein Kleiner, und wie gefällt dir unser neues Zuhause?", flüsterte sie ihm zu. Der Kater schnurrte und kletterte dann auf Lilys Schulter. Ehe sie sich versah war er aber auch schon wieder runtergehüpft und hinter James in die Küche gelaufen. Lily folgte ihnen. Sie blieb ihm Türrahmen stehen und beobachtete, wie Merlin James um die Beine strich, bis dieser sich schließlich erbarmte und ihn streichelte.

Lily lächelte und sagte: „Ich glaube er mag dich."

James sah auf. „Ich hab's eigentlich nicht so mit Katzen. Schlechte Erfahrungen mit Mrs. Norris." Er lachte. „Aber gut zu wissen, dass mich hier wenigstens einer mag." Dabei fixierte er Lily mit seinen haselnussbraunen Augen.

Sie trat verlegen von einem Bein aufs andere und murmelte schließlich leise: „Es ist ja nicht so, dass ich dich nicht mögen würde…" Und ehe er's sich versah, hatte sie sich auch schon umgedreht und war aus dem Raum geeilt. James sah hinunter auf dem Kater, der seinem Frauchen hinterher sah. Er nahm ihn auf den Arm und grinste schief und flüsterte dem Tier zu: „Ich mag sie sogar sehr. Vielleicht kannst du ja mal ein gutes Wort für mich einlegen." Er sah sich in seiner Küche um und dann wieder die Katze an. „Gut, Kumpel, was fressen Katzen? Ich muss mich sonst immer nur um so einen großen, sturen Hund kümmern…" Und schon war er beschäftigt, alles nach Katzenfutter abzusuchen, damit Lilys Haustier nicht verhungern musste.

TBC

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