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Am nächsten Morgen genieße ich nach der Visite mein Frühstück. Die Sonne scheint und es ist warm; einfach der perfekte Tag. Und doch kann sich meine Stimmung nicht wirklich aufhellen. Ständig denke ich daran, wie viel Jahre meines Lebens ich verloren habe oder mich nur nicht mehr erinnern kann. Was habe ich wohl alles erlebt?
Es ist ein seltsames Gefühl. Es ist, als liegt mir meine Erinnerung schon auf der Zunge, aber jedes Mal wenn ich sie erreichen will zieht sie sich zurück. Und je mehr ich mich anstrenge, desto weiter entfernt sie sich.
Und dann ist da noch diese Sache mit diesen seltsamen Träumen. Diese Dunkelheit. Ich spüre sie in mir und das macht mir Angst. Ich habe das Gefühl, dass diese Dunkelheit ein Teil von mir ist, von meinem Körper Besitz ergriffen hat. Auf der anderen Seite holt mich jedes mal ein Licht heraus, wenngleich ich spüre, dass dieses Licht nicht von mir stammt.
Und als hätte ich darauf warten können versucht mich diese Dunkelheit wieder einzunehmen. Und ich spüre wieder die Anwesenheit dieser Frau. Sie verschreckt mich.
In der Ferne höre ich ein Klopfen an der Tür und wie in Trance rufe ich, "Herein."
In dem Augenblick, wo sich die Tür öffnet erscheint wieder dieses helle Licht und die Dunkelheit muss weichen, mitsamt dieser mysteriösen Frau.
Vor mir steht eine leicht lächelnde Usagi. Beim Anblick ihres Lächelns bleibt mir nichts anderes übrig, als zurückzulächeln. Und sofort sind alle meine negativen Gedanken verschwunden. Das Einzigste was ich jetzt noch wahrnehme ist ihre Wärme. Und noch ehe ich irgendetwas sagen kann, zieht sie mich den Gang entlang. Ziel: Krankenhausgarten.
Ich genieße jede Sekunde mit ihr. Sie hat so etwas fröhliches und aufbauendes an sich, was jeden deprimierenden Tag in Sonnenschein verwandeln kann. Oh, wie ich ihre Gegenwart genieße! Um nichts in der Welt möchte ich sie wieder hergeben müssen.
Im Garten angekommen, führt Usagi mich auf einen abgelegeneren Weg. Doch unsere Ruhe wird jäh unterbrochen.
"Jetzt werdet ihr für das bezahlen, was ihr Zoisite angetan habt!", droht uns jemand, wenngleich ich niemanden sehe.
"Wer bist du?", fragt Usagi sofort in die Luft zurück. Ihr Gesicht ist erstarrt, ihre Hände geballt und ihre Augen zeigen Angst, aber auch wilde und tiefe Entschlossenheit.
Ich folge ihrem Blick nach oben und sehe einen Mann in der Luft schweben. In der Luft? Bei der Absurdität dieser Situation kann ich keinen klaren Gedanken fassen und bin dazu verdammt, einfach nur zuzuschauen.
"Ich bin Kunzite, einer der vier großen Generäle im Königreich des Dunklen!", antwortet er verärgert. Er strahlt etwas Böses ab. Er hat etwas an sich, was auch diese Frau in meinen Träumen an sich hat. Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter und würde mit Usagi am liebsten sofort verschwinden. Doch ich komme nicht dazu in irgendeiner Form zu reagieren oder zu fragen, was dieser Typ da in der Luft sucht. Denn erneut ergreift Usagi das Wort.
"Was willst du? Ihr habt die Regenbogenkristalle, also, was willst du noch?"
"Rache!", antwortet dieser Kunzite trocken.
- tbc -
