Dieses Ficlet macht hoffentlich dann Sinn, wenn man die Überschrift miteinbezieht. ;-)
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Fröstelnd rieb sich Hermine mit den behandschuhten Händen über die Oberarme. „Lass uns einen Spaziergang um den Großen See machen", hatte er gesagt. Wie, bei Merlins Barte, war dieser Mann auf die Idee gekommen einen Spaziergang zu machen? Es war Winter! Im Winter machte man keine Spaziergänge, im Winter kuschelte man sich mit einem guten Buch und einer Tasse Tee vor dem Kamin ein.
Überhaupt fand sie es äußerst verdächtig, dass ausgerechnet Severus Snape, der Stubenhocker per exellence, auf diesen Spaziergang bestanden hatte. Normalerweise war es ihr Part ihn zumindest hin und wieder dazu zu bewegen, seinen muffigen Kerker zu verlassen.
„Trödel nicht so!" Seine ungeduldige Stimme unterbrach ihre Gedankengänge.
„Der hat gut Reden", murmelte Hermine unwirsch. „Wenn ich so lange Beine hätte, dann wäre es für mich auch kein Problem allen anderen zwei Schritte voraus zu sein."
Plötzlich lief sie in etwas Weiches, aber Unnachgiebiges hinein. „Was zur Hölle …?", fluchte sie ungehalten.
„Erstens liegt es nicht an meinen langen Beinen, dass ich dir um einiges voraus bin und zweitens sind es nicht nur zwei Schritte, sondern mindestens ein ganzer Kilometer."
Hermine seufzte genervt. Manchmal war dieser Mann wirklich verdammt anstrengend! Sie trat einen Schritt zurück und ihr Verdacht bestätigte sich: Sie war tatsächlich in den Zaubertränkemeister hinein gelaufen, der einfach abrupt stehen geblieben war. „Erklärst du mir jetzt auch noch, wieso du einfach so stehen bleibst?"
„Nein", antwortete er lapidar. Der Blick den sie ihm daraufhin zuwarf, gehörte zu der Marke „Wenn Blicke töten könnten". Er fiel zwar nicht tot um, aber immerhin ließ er sich nun doch dazu herab eine Antwort zu geben: „Nun ja, ich dachte mir, es könnte nicht schaden, dir den praktischen Beweis zu erbringen, dass ich dir weit voraus bin. Hätte ich es nicht getan, dann würdest du mir spätestens jetzt widersprechen."
Ein wenig verwirrt versuchte die junge Frau den Sinn hinter diesen Worten zu finden, doch ehe ihr das gelang, entdeckte sie das süffisante Grinsen in Severus' Gesicht. „Wenn du nicht überzeugen kannst, dann stifte Verwirrung." Mit diesen Worten drehte er sich um und ging mit großen Schritten weiter den verschneiten Weg entlang.
Jetzt war es eindeutig genug! Zeit für Rache, beschloss Hermine. Sie bückte sich, formte einen Schneeball und schleuderte ihn mit aller Kraft in Severus' Richtung. Dieser fuhr herum als das nasse Etwas ihn im Nacken traf und vermutlich hielt ihn nur Hermines begeistertes Kichern davon ab, ihr einen Fluch auf den Hals zu hexen.
„Na warte", knurrte er, bevor er mit wenigen Schritten bei ihr war. Dann kickte er ihr die Beine unter dem Körper weg, setzte sich auf sie und begann sie mit Schnee ein zu seifen.
„Nein! Aufhören!", verlangte sie lachend.
„Ich denke gar nicht daran", erklärte er, während er eine weitere Hand voll Schnee genüsslich in ihrem Gesicht zerrieb.
Dann wendete sich plötzlich das Blatt: Hermine stopfte Severus nun ihrerseits einen Klumpen Schnee in den Nacken und dies genügte, um ihn einen folgenschweren Fehler zu machen. Als er versuchte den Schnee wieder aus seiner Jacke zu holen, schubste sie ihn von sich herunter und setzte sich auf ihn, um ihn mit Schnee einzureiben.
Eine ganze Weile ging das noch so weiter und schließlich lagen sie beide atemlos nebeneinander im Schnee. Sobald er wieder zu Atem gekommen war, stand Severus auf und hielt Hermine die Hand hin. „Komm schon. Nicht schlapp machen. Wir haben noch etwas vor."
Hermine ignorierte seine Hand und musterte ihn skeptisch. „Wir haben noch etwas vor? Ich dachte wir machen nur einen Spaziergang?" Sie stand auf, musterte Severus von oben bis unten und musste lachen. „Was auch immer wir noch vorhaben, ich hoffe, ich muss mich dafür nicht mehr in Gesellschaft begeben, wenn ich so aussehe wie du." Seine Kleidung und seine Haare waren über und über mit Schnee bedeckt und seine Wangen hatten eine gesunde rötliche Färbung angenommen.
Einen winzigen Moment lang blitzte Unsicherheit in seinen Augen auf, dann setzte er ein geheimnisvolles Lächeln auf. „Lass dich überraschen."
Etwa eine Viertelstunde liefen sie schweigend nebeneinander her. Nichts, außer dem leisen Knirschen des Schnees unter ihren Stiefeln, störte die Stille. Schließlich erkannte Hermine wohin der Weg führte. „Wir gehen nach Hogwarts? Aber wieso? Wir kommen aus Hogwarts." Tatsächlich waren sie vor nicht einmal einer Stunde von Hogwarts aus aufgebrochen.
Severus gab ein unwilliges Brummeln von sich. „Hör auf ständig zu fragen. Ich werde dir sowieso keine Antwort geben."
Kurz darauf erreichten sie das Schloss. Notdürftig klopften sie sich den Schnee in der Eingangshalle von den Kleidern. Dann reichte Severus ihr seine Hand. „Komm mit."
„Wohin?" Doch er schüttelte nur lächelnd den Kopf und widerwillig nahm sie seine Hand. Es schien so, als müsse sie sich tatsächlich überraschen lassen.
Er zog sie mit sich in Richtung Großer Halle, doch ehe er die Türen auf stieß, murmelte er: „Schließ die Augen."
Einen Moment war Hermine versucht erneut „Wieso?" zu fragen, doch sie ahnte bereits, dass sie ohnehin keine Antwort bekommen würde. Mittlerweile war sie auch neugierig genug, um die Anweisung fraglos zu befolgen.
Sie hörte, wie Severus die Türen öffnete, dann schob er sie in die Große Halle hinein. „Mach die Augen auf", erklang seine Stimme direkt an ihrem Ohr.
Ehe sie das tun konnte erklang ein vielstimmiges „Überraschung!". Sie riss die Augen auf und glaubte im ersten Augenblick ihnen nicht trauen zu können. Es schien ganz so, als wäre jeder Mensch hier, den sie kannte. Harry und Ron standen ganz vorne und strahlten sie fröhlich an. Luna und Neville waren da, die Professoren McGonagall, Sprout und Flitwick entdeckte sie in der Menge, Hagrids große Gestalt war kaum zu übersehen und sogar ihre Eltern waren hier.
Fassungslos drehte sie sich zu Severus um, der sie mit einem warmen Lächeln betrachtete. „Aber wieso?", fragte sie tonlos.
„Alles Gute zum Hochzeitstag", sagte er mit weicher Stimme und gab ihr einen Kuss.
