„Ihr werdet nie wieder Heimkehrern können Majestät" erklärte Ulrike dem Maou gerade. Dieser stand mit weit geöffneten Augen vor ihr und sah sie ungläubig an. „A…aber warum?" waren die einzigen Worte die der Schwarzhaarige herausbrachte. In seiner Brust hatte sich ein Loch aufgetan. Er sollte seine Familie nie wieder sehen? Ihm gefiel Shin Makoku, daran bestand kein Zweifel, aber dennoch hatte er sich an den Gedanken gewöhnt zwei Heimaten zu haben. Warum sollte das nun anders sein? Die Priesterin sah ihn mit einem mitleidigen Blick an. Sie gab ihm keine Antwort, sie verstand selber nicht so recht warum, aber es war eben ein Befehl von oben, sozusagen. Yuuri bemerkte das er keine Antwort erwarten durfte. Er drehte sich um und verließ das Gebäude wie in Trance…
Es dämmerte bereits zu Abend. Wolfram von Bielefeld befand sich immer noch im Hof und trainierte seine Schwertkunst. Er hatte seinen Verlobten heute noch gar nicht gesehen. Er wunderte sich ein wenig warum dieser sich nicht blicken ließ immerhin war er schon am frühen morgen zu Ulrike gerufen worden. Der Blonde hatte darauf gehofft das der junge Maou sofort danach zu ihm kommen würde aber nichts. Er war ein wenig beleidigt da er bereits von Conrad gehört hatte das sich Yuuri längst wieder im Schloß befand. Wolfram ließ sein Schwert sinken und schaute kurz Richtung Himmel. „Es ist bald Zeit fürs Abendessen" dachte er und beschloss dann auch sich in das Schloß Zurückzuziehen.
„Yuuri du musst doch etwas essen" Conrad war gerade in Yuuris Zimmer und schaute den jungen Maou besorgt an. Dieser verweigerte nämlich das essen, er sah nicht gut aus. Er war wie apathisch. Conrad runzelte die Stirn und setzte sich auf die Bettkante. Er wusste nicht was Ulrike dem Maou gesagt hatte aber es war wohl nichts gutes gewesen. Warum sonst hätte er sich den ganzen Tag zurückziehen und sich in sein Zimmer einschließen sollen. Conrad war ja schon froh gewesen das es ihm gelungen war Yuuri davon zu überzeugen ihn einzulassen aber nun? „Yuuri sag mir doch was los ist…." Versuchte Conrad es nun auf die sanfte Tour. Yuuri war sonst immer zu ihm gekommen wenn etwas gewesen war, aber nicht heute. Conrad war immerhin so etwas wie Yuuris Pate also fühlte er sich für den jungen Maou verantwortlich. Yuuri hob den Kopf etwas und sah den Braunhaarigen aus leeren Augen an. „Ich kann nicht mehr zurück…" waren die einzigen Worte die seine Lippen verließen. Conrad riss die Augen auf. Diese paar Worte hatten genügt um ihm mitzuteilen was los war. Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, schaute er Yuuri traurig an.
Wolfram war mittlerweile im Speisesaal angelangt. Dort saßen aber nur Gwendal und Gunter. Von Yuuri und auch von Conrad fehlte jede Spur. Wo war nur der Schwarzhaarige. „Wo ist Yuuri?" war deswegen auch die einzige Frage die der Blonde den beiden stellte. In eben diesen Moment betrat Conrad das Zimmer. „Yuuri fühlt sich nicht besonders" Erklärte er und setzte sich an den Tisch. „Was? Yuuri ist krank?" zumindest schloss Wolfram es aus den Worten seines Bruders. Er wollte schon wieder aus dem Zimmer eilen und zu Yuuri rennen. „Warte, Wolfram" hielt Conrad ihn zurück. Wolfram drehte sich einmal zu seinem Bruder und sah diesen ungeduldig an. Er wollte nun zu seinem Verlobten, warum also hielt Conrad ihn zurück? „Yuuri ist nicht krank… er will nur ein wenig allein sein, deswegen tu ihm bitte den gefallen" sagte Conrad und schaute den Blonden ernst an. Wolfram zögerte kurz ehe er schluckend nickte. Dann würde er eben gleich morgen früh zu dem Maou gehen.
Währendessen geschahen in einem anderen Teil Shin Makokus ganz andere Dinge. Dort hatte sich eine Gruppe von Rebellen zusammen gefunden. „Also ist es abgemacht" ein wahnsinniges grinsen zeichnete sich auf dem Gesicht eines jungen Mannes dessen Haare rötlich schimmerten aus. Sein Name war Darkus und er war der Anführer der Rebellen. „Wir werden den Maou stürzen und töten" Eine junge weißhaarige Dämonin stand neben ihm. Sie schien so etwas wie seine Vertraute zu sein, vielleicht auch etwas mehr. Ihr Name war Esmeralda. Auch sie grinste. Ihr gefiel der Gedanke den Maou zu stürzen und seinen Platz einzunehmen. Denn der jetzige Dämonenkönig war einfach zu schwach er hatte sogar Mitleid mit Menschen. Widerlich! Die jungen Mazoku die sich um die beiden versammelt hatten brachen in Jubelrufe aus.
Auf dem Schloß war die Nacht mittlerweile hereingebrochen. Yuuri saß immer noch in seinem Gemach auf seinem Bett. Er hatte die Beine angezogen. Der Anblick erinnerte an ein kleines Kind. Aber das war er nicht mehr. Er war mittlerweile Sechzehn und somit galt er in Shin Makoku bereits als Erwachsener. Eigentlich musste er sich auch so Verhalten aber das konnte er nicht. Zu groß war der Schmerz der sich in ihm ausbreitete und von Sekunde zu Sekunde mehr wurde. Yuuri seufzte schwer auf. Er erhob sich von seinem Bett und ging zum Fenster um die Gardinen aufzuziehen und hinauszusehen. Das Wetter war so wie er sich fühlte trüb und bewölkt. Yuuri hielt es in seinem Zimmer nicht mehr aus. Er wollte raus, er kam sich gerade vor wie ein gefangenes Raubtier. Also ging er zur Tür welche er vorsichtig öffnete und hinaussah. Wieso hatte er nur solche Angst? Wieso wollte er nicht erwischt werden? Er tat hier doch nichts Verbotenes, aber dennoch war es ihm unangenehm nun gesehen zu werden.
Yuuri kam endlich draußen an. Begierig inhalierte er die kühle Nachtluft. Erst jetzt fiel ihm auf das die Luft hier in dieser Welt ganz anders roch, ja sie schmeckte sogar anders. Das alles bereitete ihm einen neuen Stich in seiner Brust. Immerhin machte ihm dieser Gedanke wieder klar das er die Luft in seinem Japan nie wieder riechen können würde. Yuuri ging ein paar Schritte. Er kam bei dem Brunnen an an dem er so oft in diese Welt gekommen war. Er spielte mit dem Gedanken einfach in das kalte Nass zu springen und auf den Strudel zu warten der ihn zurück nach Hause bringen würde, auch wenn er tief in seinem inneren natürlich wusste das es nichts brachte. Ulrike hatte keinen Grund gehabt zu lügen, warum auch? Dennoch war der Reiz es einfach auszuprobieren da, so das Yuuri erst einmal heftig den Kopf schütteln musste um diesem nicht nachzugeben. Eine Erkältung konnte er jetzt nämlich echt nicht gebrauchen.
Wolfram hatte unterdessen nicht wirklich den Kopf frei zum schlafen. Er würde es nie zugeben aber er machte sich ziemliche Sorgen um seinen Verlobten. So ging er die ganze Zeit in seinen Zimmer auf und ab und fragte sich was mit dem Schwarzhaarigen wohl los war. Conrad hatte ihm nämlich nichts näheres gesagt. Der Blonde wusste nicht mehr was er jetzt noch tun sollte und schlafen konnte er nicht. Er spielte die ganze Zeit mit dem Gedanken sich einfach wieder in Yuuris Zimmer zu schleichen aber was sollte er da tun? Er wusste ja nicht einmal wie der Schwarzhaarige gerade drauf war, vielleicht würde er ihn einfach geradewegs wieder hinaus werfen, auch wenn der Blonde sich so etwas nicht gefallen lassen würde. Wolfram entschied sich nun doch sein Zimmer zu verlassen allerdings blieb er noch kurz vor den Gemächern des Maous stehen. Er atmete einmal tief durch und klopfte dann auch schon an der Tür nur um im nächsten Moment einfach hereinzuplatzen „Yuuriiiii… was ist…." Sprudelte er sofort los, brach aber direkt ab als er merkte das die Gemächer des Maous leer waren. Dem Blonden klappte der Mund auf, wo war sein Verlobter nur hin? Was sollte er jetzt nur machen? Wolfram musste den Maou finden und so rannte er fast panisch los um Gwendal, Gunter und Conrad von dem verschwinden von Yuuri zu berichten.
Yuuri unterdessen war weiter gelaufen. Er wusste nicht wohin oder wie weit er gegangen war. Er lief wie apathisch auf dem Schloßgelände herum. Letztendlich hatte er sich doch dafür entschieden nicht in den Brunnen zu springen um dort auf den Strudel zu warten. Stattdessen saß er nun unter einen Baum und überlegte. Wie sollte er es nur bewerkstelligen das er wieder nach hause kam?
Gwendal saß in seinem Büro und war am stricken, wie er es so gut wie jeden Abend machte. Es klopfte an der Tür und Wolfram sprang schon fast in den Raum. Gwendal sah diesen mürrisch an, immerhin mochte er es nicht wenn man ohne eine Antwort abzuwarten einfach in das Büro kam. „Gwendal ein Notfall" begann der Blonde hektisch zu erzählen. „Yuuri ist verschwunden" Gwendal der gerade angesetzt hatte seinen kleinen Bruder eine Standpauke zu halten hielt inne, überlegte kurz und erhob sich dann. „Du sagst noch Conrad Bescheid, ich gehe zu Gunter" kommandierte er nur rum. Wolfram hasste es eigentlich Befehle entgegen zu nehmen aber in diesem Fall ging es um Yuuri so das er nur nickte und auch schon wieder verschwand um Conrad zu suchen, welcher in einem Sessel in seinen Raum saß. Auch diesem erklärte Wolfram die Situation. Conrad schaute ein wenig traurig, er war wohl enttäuscht das Wolfram sich scheinbar wieder in das Zimmer des Maous geschlichen hatte obwohl er diesen gebeten hatte Yuuri heute in Ruhe zu lassen. Dennoch nickte er und stand auf.
Die vier Mazoku trafen sich letztendlich vor dem Eingang des Schlosses. Gunter sah aufgebracht aus, wie immer wenn es um Yuuri ging. Gwendal nahm alles gelassen so hatte es zumindest den Anschein, während Conrad immer noch diesen traurigen Blick hatte. „Also los suchen wir Yuuri" kommandierte Wolfram und machte sich auf die Suche. Die anderen drei gingen in andere Richtungen.
Die Rebellen unterdessen waren in ihre Planungen vertieft. „Also brechen wir in drei Tagen auf, bis dahin werden wir Waffen zusammen suchen und unsere Strategie zum Angriff planen. Der Maou wird gut bewacht das wisst ihr und wir müssen uns auf alles vorbereiten" Sagte Darkus zu seinen Leuten, er sprach zwar nicht laut aber dennoch ertönte ein lautes grölen was Darkus als Zustimmung hinnahm. Erneut zeichnete sich ein kaltes grinsen auf seinen Lippen. Es war beschlossenen Sache der Maou würde sterben. Die Versammlung begann nun langsam sich zu lösen, aber nur um mit den Vorbereitungen für den Angriff zu starten.
Yuuri hatte sich erhoben, er musste wieder zurück gehen. Es reichte wenn es ihm schlecht ging da brauchten sich nicht auch noch die anderen Sorgen machen. Eigentlich wollte er sich nicht einmal anmerken lassen das es ihm schlecht ging aber das würde ihm nicht gelingen. Also machte er sich mit einen lauten Seufzer und schweren Herzens wieder zurück auf den Weg zu seinem Schloß. In diesem würde er nun endgültig den Rest seines Lebens verbringen. Er musste sich wohl oder übel an den Gedanken gewöhnen, auch wenn er wusste dass es ihm schwer fallen würde und er Zeit brauchte. Er wusste nur nicht ob ihm diese Zeit gewährt wurde.
Er lief eine Weile, der Rückweg in sein Gemach viel ihm schwerer als es der Weg nach draußen getan hatte, aber letztendlich kam er doch wieder an. Mit einem erneuten Seufzer ließ er sich auf sein Bett fallen. Langsam aber sicher holte ihn doch die Erschöpfung ein und gegessen hatte er auch noch nichts was seinen Körper zusätzlich Schwächte, aber dennoch verspürte er nicht das Bedürfnis etwas zu essen oder überhaupt etwas zu sich zu nehmen. Mit einem letzten Gedanken an seine Familie zuhause schlief er letztendlich ein…
Wolfram, seine Brüder und Gunter hatten mehrere Stunden ohne Erfolg nach dem Maou gesucht. Niedergeschlagen ging der Blonde wieder hinein nachdem Conrad sagte dass sie, wenn Yuuri nicht wieder auftauchen würde morgen weiter nach ihm suchen würden. Wolfram ging an Yuuris Gemach vorbei. Er blieb davor stehen, atmete einmal tief ein und öffnete die Tür. Ein erleichtertes lächeln erschien auf seinem Gesicht als er feststellte das Yuuri nun in seinem Bett lag und schlief, nun konnte auch der Blonde wieder in sein Gemach gehen, sein Schlafkleid anziehen und sich wesentlich erleichtert wieder in sein Bett legen. Auch für ihn war der Tag nervenaufreibend gewesen so das auch ihm nun müde die Augen zu fielen…
