Yuuris Wut sorgte dafür das er dieses mal nicht das Bewusstsein verlor, im Gegenteil er sah alles klar vor sich. Seinen Bewusstlosen Verlobten, zumindest hoffte er das er nur Bewusstlos war, trug er einige Meter zur Seite und legte ihn vorsichtig auf den Boden. Er strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Bitte halte durch..." wisperte er. Er spürte das Wolfram noch atmete, aber seine Atmung war flach. Der Blonde hatte sich die letzten Tage um ihn gekümmert und er war tief in sich drin Dankbar dafür. Warum musste ihm nun so was passieren? Es tat Yuuri weh den Blonden so schwach und Leblos zu sehen, zu gern hätte er ihm geholfen, doch irgendwie wollten seine Heilkräfte gerade nicht so recht wirken. Warum war er gerade nur so Hilflos? Wieso konnte er jetzt nicht mal einem Freund helfen? Er wusste was Wolfram für ihn empfand und er wusste auch das dieser ohne zu zögern für ihn sterben würde, aber das wollte er nicht. Das hatte er nie gewollt. Es tat ihm auch Leid das er die Gefühle nie erwidern konnte und er wusste nicht ob er das jemals können würde, aber jetzt in diesem Moment würde er alles tun damit der Blonde wieder die Augen aufschlug und ihn wie früher immer beschimpfte. Es war so verdammt unnatürlich wenn er so still dalag.
Langsam richtete er sich wieder auf und drehte sich zu Darkus um, der immer noch mit einem gehässigen grinsen da stand und ihn ansah. Warum er ihn bisher noch nicht angegriffen hatte konnte Yuuri nicht sagen. Vielleicht mochte der Rebell es einfach nur andere leiden zu sehen, aber eigentlich war es ihm auch egal. Eine neuerliche Wutwelle kam über ihn. Wie konnte eine Person nur so Eiskalt sein? „Na, seid ihr endlich bereit zu sterben Majestät?" höhnte er. „Dann seid ihr ja bald wieder zusammen und das ist es doch was ihr wollt oder?" scheinbar wollte Darkus den Maou noch mehr provozieren. Es kam ihm nicht mal in den Sinn das dies ein großer Fehler sein könnte. „Darkus..." Esmeralda ermahnte ihn leise. Im Gegensatz zu ihrem Partner hatte sie die Gefahr die nun von der Schwarzen Zweifaltigkeit ausging sehr gut erkannt. Darkus seufzte leise, er hatte eben schon immer Spaß daran gehabt andere zu provozieren und er hasste den Maou eben. Es gefiel ihm diesen Nichtsnutz von einem König leiden zu sehen.
Langsam und gefährlich ging Yuuri auf Darkus zu. Er ließ sich nicht weiter provozieren, zumal er auch bezweifelte das sich seine Wut noch weiter steigern könnte. Ausnahmsweise verzichtete er sogar einmal auf seine übliche 'Ansprache'. Im Moment war die auch unwichtig. Es wäre nur Zeitverschwendung und für den Blonden zählte immerhin jede Minute. Die Blutung wollte einfach nicht stoppen und der Maou konnte förmlich spüren wie immer mehr Leben aus ihm wich. Er ließ seine Wasserdrachen erscheinen. Darkus wich nun doch ein wenig zurück. Man hatte ihm doch gesagt das der Maou geschwächt sei. Wie war dieser dann jetzt zu solch einem starken Maryoku fähig? Es ging alles Rasend schnell. Der Rebell und auch seine Gefährtin wurden von dem Drachen eingeschlossen. Yuuri achtete aber darauf das sie reden konnten. „Was wollt ihr?" fragte er schlicht. Darkus starrte ihn aus Hasserfüllten Augen an, er war Bewegungsunfähig, aber das störte ihn nicht. Immerhin konnte der Maou das ja nicht ewig durchhalten. „Euren Tod... so einfach ist das" fauchte er. Yuuri verengte die Augen noch ein wenig. „Warum?" Doch der Rebell beantwortete diese Frage nicht. „Was sollen diese Spielchen? Tötet mich einfach oder gefällt euch das jemand festzuhalten?" knurrte er. Esmeralda gab ein leises jammern von sich, ehe sie vor Erschöpfung das Bewusstsein verlor. Diese Situation war wohl doch ein wenig zu viel für sie gewesen. Yuuri ließ sich davon aber nicht ablenken, er wollte niemanden töten, auch wenn dieser Darkus es wahrscheinlich durchaus verdient hatte für das was er den Blonden angetan hatte. „Ich töte niemanden. Das habe ich nie und das werde ich nie" antwortete der Maou. Darkus riss die Augen auf. Es kam ihm so vor als wollte man ihn verspotten, ihm war nicht entgangen das seine Partnerin nicht mehr bei Bewusstsein war und so mischte sich jetzt auch noch Sorge um sie mit in seine Gefühlswelt.
In diesem Moment knallte die Tür erneut auf und Conrad, gefolgt von Gunter und Gwendal kamen in die königliche Schatzkammer. Sie hatten wohl den Lärm von draußen gehört. „Majestät! Alles in Ordnung!" rief der Braunhaarige Halb-Mazoku und schnellte mit erhobenen Schwert in die Richtung des Maous. Dies geschah keine Sekunde zu früh, denn dieser verlor langsam seine Kraft, da sein Körper nach wie vor geschwächt war. Yuuri schaute zu Conrad, allmählich verschwand der blaue Schein um ihn herum und seine Haare nahmen wieder ihre normale Länge an. „... Wolfram..." wisperte er noch um den anderen zu signalisieren das sie sich nicht um ihn sondern um den Blonden kümmern sollten, ehe er das Bewusstsein verlor und zusammenbrach. Conrad fing ihn auf, während Gwendal und Gunter die beiden Rebellen fesselten und von den Soldaten abführen ließen, auch wenn abführen bei Esmeralda der falsche Ausdruck war, da diese nach wie vor nicht bei Bewusstsein war und eher getragen werden musste.
Conrad sah sich um und erblickte seinen Halbbruder wie er Blutüberströmt auf dem Boden lag. Entsetzt riss er die Augen auf. „Gunter, hol Gisela!" rief der Braunhaarige. Gwendal bewegte sich mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck auf Wolfram zu und beugte sich zu ihm herunter. Er legte seine Finger auf den mittlerweile doch recht kalten Hals des Blonden. „Sein Puls schlägt noch, aber er ist schwach" sagte er sachlich. Gunter nickte und eilte dann auch los um seine Tochter zu suchen. Ohne weiterer Worte nahm Conrad Yuuri auf die Arme, auch Gwendal erhob sich und schaffte es auch seinen jüngsten Bruder vorsichtig hochzuheben. Schweigend wurden die beiden in ihre Gemächer gebracht.
Yuuri erwachte. Im ersten Moment wusste er nicht wo er war, aber nach einigen Augenblicken stiegen wieder die Bilder von den Vergangenen Ereignissen in den Kopf und auch Bilder von dem Blutüberströmten Wolfram. Hastig setzte er sich auf, bereute es aber schon fast im nächsten Moment da er einen Augenblick lang nur noch Sterne sah, sein Kopf fühlte sich an als würde er gleich platzen. „Uuh..." Langsam griff er sich an die Stirn. „Ruht euch noch ein wenig aus Majestät" Die Stimme kam von seiner Seite. Scheinbar saß jemand neben seinem Bett. Yuuri schaute in die Richtung des anderen und erkannte Conrad. „Du sollst 'Yuuri' zu mir sagen immerhin bist du mein Namensgeber" protestierte der Schwarzhaarige sofort. Conrad setzte wieder sein altbekanntes lächeln auf. „Wie du meinst... Yuuri" sagte er nur. Der Maou schüttelte einmal kurz den Kopf und sah Conrad ernst an. „Wolfram... was ist mit ihm?" fragte er. In seinen Augen konnte man die Sorge regelrecht sehen und Conrads Reaktion verstärkte seine Angst auch noch, denn dieser senkte nur ein wenig den Blick und schaute traurig. „Er ist noch nicht wieder aufgewacht..." sagte er kurz. Yuuri war ein wenig erleichtert, denn das bedeutete ja auch das der Blonde nicht Tod war oder? „Ich will zu ihm..." sagte er knapp und rappelte sich aus dem Bett. „Yuuri... ich denke du solltest dich noch ein wenig ausruhen" protestierte Conrad, wenn auch sehr halbherzig. Er wusste eben das wenn sich der andere etwas in den Kopf gesetzt hatte, man diesen nicht wieder davon abbringen konnte. So war es auch diesmal. „Conrad er ist dein Bruder, wieso bist du eigentlich hier? Du solltest bei ihm sein" Ein wenig verengte Yuuri die Augen. Immer machten sich alle immer zuerst Sorgen um ihn, auch wenn andere viel schlechter dran waren. Er fühlte sich zwar ab und an deswegen geschmeichelt aber in solch einer Situation konnte er das einfach nicht nachvollziehen. Conrad gab einen leisen Seufzer von sich, er wusste nicht was er darauf erwidern sollte und da Yuuri merkte das er nicht sprach setzte er wieder an. „Wie lange habe ich... geschlafen?" formulierte er es mal. Conrad sah wieder auf. „Nur ein Paar Stunden..."
Gisela kam gerade aus dem Zimmer Wolframs als Conrad und Yuuri dieses erreichten. „Wie geht es ihm?" platze Yuuri sofort los ohne das er Gisela erst grüßte. Diese senkte ihre Augenlider. „Ich habe alles in meiner Machte stehende getan... aber..." Sie stoppte. Yuuri erschauderte bei dem Klang ihrer Stimme und noch mehr Sorgen bereitete es ihm das sie nicht weiter sprach. „Er... wird doch wieder gesund oder?" fragte er vorsichtig weiter. Ein schwaches lächeln huschte über Giselas Lippen. „Er hat sehr viel Blut verloren... Im Moment kann ich dazu leider nichts sagen Majestät... Es hängt jetzt alles von ihm ab" erklärte sie vorsichtig. Yuuri musste schlucken. Es war als hätte er einen Kloß im Hals. Wieso musste der Blonde nur so was durchmachen? Und das nur weil er versucht hatte Yuuri zu beschützen. Das ist einfach nicht fair. Langsam trat Yuuri in das Zimmer des Blonden und ging auf diesen zu. Es sah fast friedlich aus wie er im Bett lag, fast so als würde er nur schlafen. Yuuri zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben ihn. Langsam griff er nach den kalten Händen. Seine Porzellanfarbene Haut war noch weißer als sich es sonst war. „Wolf... bitte du darfst nicht sterben..." wisperte er leise. Yuuri hatte nicht bemerkt das Conrad ihm in das Zimmer seines jüngeren Bruders gefolgt war und er bemerkte ihn auch jetzt nicht, zumal er sich auch ziemlich im Hintergrund hielt und die beiden einfach beobachtete. Yuuri hatte eben nur noch Augen für Wolfram. Der Anblick erschreckte ihn einfach. Sein Gesicht war ziemlich eingefallen. „Es tut mir leid Wolf..." flüsterte er dann noch und eine einsame Träne stahl sich aus seinen Augen. Auch wenn er nicht die gleichen Gefühle hatte wie der Blonde, so wollte er ihn dennoch nicht verlieren, immerhin war er dennoch ein guter Freund, auch wenn er ihn manchmal regelrecht in den Wahnsinn trieb. Aber die letzten Tage war der Blonde so fürsorglich gewesen und hatte sogar davon abgesehen ihn wieder einmal damit zu bedrängen wann sie denn endlich in ihrer 'Beziehung' Fortschritte machen sollten, wie es sonst seine Art gewesen war.
Wie lange er da so gesessen und den Blonden einfach nur besorgt angesehen hatte, wusste Yuuri nicht, doch er spürte auf einmal wie sich eine warme Hand auf seine Schulter legte. „Du solltest etwas essen, Yuuri" sagte Conrad sanft. Der Schwarzhaarige drehte sich ein wenig zu ihm um und nickte leicht. Er konnte jetzt einfach nicht widersprechen doch wusste er auch das er jetzt derjenige war der bei Kräften bleiben musste. Niemanden wäre damit geholfen wenn auch noch er jetzt zusammenbrechen würde. Auch wenn ihm nicht nach Nahrungsaufnahme war stand er auf und folgte Conrad. Er warf noch einen letzten Blick auf den schlafenden Blonden ehe er leise die Tür schloss.
Im Speisesaal saßen bereits Gunter und Gwendal, welche sich über die Geschehnisse der letzten Nacht unterhielten. Sie stoppten ihre Unterhaltung aber einen Moment als sie sahen das Yuuri eintrat. „Majestät, geht es euch gut?" Gunter war sofort aufgesprungen um zu Yuuri zu eilen. Schon wieder einmal störte es ihn das sich jemand um ihn Sorgen machte. „Ja, Verdammt" knurrte er nur leise, was Gunter auch sofort zurückweichen ließ. Einige Tränen schossen ihm in die Augen, wieso war sein über alles geliebter König nur so abweisend zu ihm? Brauchte er ihn nicht mehr? Sofort schossen dem Silberhaarigen solche Fragen in den Kopf. Das sich der Maou nur Sorgen um seinen Verlobten machte, kam ihm gar nicht erst in den Sinn. Ausnahmsweise ignorierte Yuuri das verletzte Verhalten seines Lehrmeisters mal und setzte sich schweigend an den Tisch. Er nahm sich ein Brötchen auf welchem er aber nur Halbherzig herumkaute. Gwendal musterte ihn dabei, sagte aber nichts. Er konnte sich halbwegs vorstellen wie es in ihm Aussah. Ihm selber ging es ja nicht besser auch wenn er es nicht zeigen konnte. „Gibt es irgendetwas neues?" fragte Yuuri plötzlich und richtete sich an den Grauhaarigen. Natürlich meinte er die Vorkommnisse der letzten Nacht. Er wollte die Hintergründe Erfahren. Immerhin würde er schon gerne wissen welchen Grund es gab das ihn jemand so hasste wie es Darkus tat. „Nun... wir konnten den Anführer und seine Gefährtin in den Kerker sperren... Aber sie reden nicht." erklärte Gwendal. Gunter wollte protestieren. Immerhin konnte man den Maou ja nun nicht mit so etwas belästigen. Gwendal war da schon immer anderer Meinung gewesen. Man sollte Yuuri nicht immer nur in Watte packen. Denn immerhin war dieser ja der König hier und als solcher musste er auch wissen was in seinem Reich passierte, auch wenn sich der Schwarzhaarige mal zügeln musste. Denn meist handelte er nach Gwendals Meinung einfach zu impulsiv und unüberlegt. „Verstehe..." Yuuri senkte nachdenklich die Augenlider. „Ich werde gleich persönlich mit ihnen sprechen..." verkündete er. „Aber Majestät..." fuhr Gunter nun doch wieder auf, wurde aber gleich von Yuuri unterbrochen. „Nichts aber! Ich will einfach wissen warum sie es getan haben! Und bevor ihr wieder etwas sagt, ich bin noch immer gegen Todesstrafen, auch wenn sie mich angegriffen haben" Er wusste ja das auf so eine Tat für gewöhnlich die Todesstrafe stand. Aber Yuuri war erklärter Pazifist und das würde er auch für den Rest seines Lebens bleiben. Er würde sich die beiden anhören, sie dann verwarnen und dann wieder gehen lassen, zumindest hatte er das so geplant.
Nach dem Frühstück erhob Yuuri sich schweigend. Er wollte nun mit diesem Kerl reden. Wenn er an diesen Rebellen dachte spürte er schon wieder ein wenig Wut in sich aufsteigen, aber er hatte sich unter Kontrolle. Er nickte Conrad und auch Gwendal kurz zu da diese beiden gesagt hatten das sie mit ihm kommen würden und machte sich mit ihnen zusammen auf den Weg Richtung Kerker. Er atmete kurz durch ehe er die Tür öffnete und Eintrat.
Darkus war doch ein wenig verblüfft das sich nun der Maou persönlich zu einem Verhör bemühte. Nach wie vor schaute er die schwarze Zweifaltigkeit gehässig an. Ein leises seufzen verließ Yuuris Lippen ehe er Darkus ernst ansah. „Wie lautet dein Name?" fragte er zu aller erst, womit er nicht nur die beiden Rebellen sonder auch Gwendal verblüffte. Der einzige der in keinster Weise überrascht wirkte war Conrad, so kannte er Yuuri eben. „Wozu wollt ihr den Wissen?" fauchte Darkus nach einigen Sekunden zurück. Yuuri kratzte sich am Hinterkopf und schaffte es sogar ein schiefes lächeln aufzusetzen, auch wenn ihn der Anblick des Rebellen immer noch wütend machte. „Nun, Ich würde dich eben gerne mit deinen Namen ansprechen wenn ich mit dir Rede, natürlich kann ich auch einfach 'Kerl' oder so etwas zu dir sagen" „Pff... hört auf mich zu verspotten. Was soll diese Farce eigentlich?" Darkus verengte die Augen und starrte den Maou missmutig an. Dieser sah ihn aber nur weiter fragend an. Esmeralda seufzte leise, sie wusste das Darkus stur war, aber in so einer Situation war das alles andere als angebracht. „Sein Name ist Darkus und ich bin Esmeralda" stellte sie sich vor, auch wenn sie das nicht wirklich freundlich sagte, sondern mit einer Kälte in der Stimme die jeden erschaudern ließ. Auch sie hasste den Maou, aber dennoch war es einfacher nun zu tun was er wollte. Yuuri nickte ihr dankend zu, von Darkus allerdings erhielt sie einen leicht erzürnten Blick. „Darkus... Mmh...Also, warum habt ihr das gemacht?" fragte Yuuri dann direkt heraus. Immerhin war die Antwort der einzige Grund weshalb er hierher gekommen war. Vielleicht konnte er so immerhin einige Missverständnisse aus der Welt schaffen. Er konnte immerhin niemanden helfen der nicht den Mund aufmachte. Darkus schaute ihn erzürnt an. Er wollte nicht mit ihm reden. „Was macht denn der Blondschopf? Ihr solltet lieber zu ihm gehen statt euch hier mit uns rum zu ärgern... oh ich vergaß, er ist bestimmt längst im Jenseits, aber wenn ihr es wünscht kann ich euch gerne zu ihm bringen" höhnte Darkus nur, statt auf die Frage Yuuris zu antworten. Der Schwarzhaarige ballte die Hände zu Fäusten und Biss sich auf die Unterlippe. Er spürte wieder eine neuerliche Wutwelle in sich aufsteigen, doch er musste sich unter Kontrolle bekommen. Er ging nicht auf die Provokation des anderen ein. „Wieso habt ihr das gemacht?" wiederholte er seine Frage noch einmal fester. „Wie soll ich euch helfen wenn ihr mir nicht sagt was ihr gegen mich habt?" Conrad musste leise glucksen, ja das war wieder einmal typisch Yuuri. Immer wollte er allen helfen. Gwendal sah eher so aus als hätte man ihm gerade äußerst unsanft auf den Fuß getreten, sagte aber nichts. Sowohl Darkus als auch Esmeralda sahen ein wenig verblüfft aus. Mit so einer Reaktion hatten sie nun wirklich nicht gerechnet. „Ihr wollt wissen warum wir das gemacht haben?" Darkus Stimme klang bedrohlich, er verengte die Augen und blickte in die schwarzen von Yuuri. „Ist euch das nicht klar? Ihr seid es doch, der hier die Fehler macht. Ihr kümmert euch lieber um die Menschen, anstatt um euer eigenes Volk" fauchte er. Yuuri verstand das nun nicht und sah den anderen weiter fragend an. Dieser begann dann auch weiter zu sprechen. „Ihr seid immer nur darum bemüht 'Frieden' mit den Menschen herzustellen... Während Dörfer und Städte in eurem Reich zugrunde gehen. Wie wäre es denn wenn ihr euch zur Abwechslung mal um euer Land kümmert?" Yuuri schluckte. Irgendetwas war mit dem anderen. „Wie kann ich euch helfen?" fragte er nur noch einmal weiter. Darkus fühlte sich nun erst richtig vor den Kopf gestoßen und gab nur ein böses knurren von sich. Nun war es Esmeralda die das Wort ergriff. Ihre Augen wirkten längst nicht mehr so Hasserfüllt. Sie schien zu merken das Yuuri helfen wollte. „Wir kommen aus einem kleinen Dorf am Rande Shin Makokus. Wir mussten ziemlich viel über uns ergehen lassen. Die Menschen haben uns alles genommen. Es kam zu Hungersnöten und Krankheiten. Die meisten Kinder starben und auch viele verloren ihre Eltern. Aber ihr hattet nichts besseres zu tun als Gnade mit den Menschen zu haben. Frieden ist ein Lobenswertes Ziel, aber ihr habt darüber hinaus die Bedürfnisse eures eigenen Volkes vergessen" erklärte sie und wandte traurig den Blick hab. Yuuri schaute sie Betroffen an. „Das... wusste ich nicht... Ich wollte damit doch nur..." stammelte er ein wenig. Er holte einmal tief Luft. „Ich werde mich darum kümmern... Ich verspreche es" Er rief eine Wache zu sich und sagte dieser das sie die Tür zu der Zelle öffnen sollte. Sowohl Darkus als auch Esmeralda schauten nun mehr als verblüfft. Yuuri lächelte die beiden an. „Ihr dürft gehen... Sagt mir nur noch eins..." Esmeralda schaute ihn fragend an. „Wo finde ich das Dorf aus welchem ihr kommt?" Esmeralda erklärte es ihm verblüfft, aber Darkus schaute weiterhin misstrauisch. Yuuri beschloss das er Bald in dieses Dorf gehen würde. Er wollte alle Missverständnisse klären, denn scheinbar hatten die Rebellen ja nur aus Liebe zu ihren Familien gehandelt. Er wies Gwendal an eine kleine Truppe zusammenzustellen, welche die beiden begleiten und bereits ein wenig Nahrung mit bringen sollte.
Nachdem Darkus und Esmeralda zusammen mit Gwendals Trupp losgezogen waren ging Yuuri wieder zurück zu Wolfram. Er setzte sich wieder zu ihm ans Bett. Sein Zustand war nach wie vor unverändert. Conrad war ihm erst gefolgt, beschloss aber nach kurzer Zeit die beiden alleine zu lassen. Erneut Griff Yuuri nach der Hand des Blonden der wie leblos auf seinem Bett lag. Nur anhand der sich langsam hebenden und senkenden Brust konnte man erkennen das er noch lebte. Nur wie lange noch? Gisela hatte erklärt das, wenn Wolfram nicht bald erwachte, die Chancen einer Genesung schlecht standen. Sein Zustand war schlimmer als es der damals von Huber gewesen war. „Bitte... öffne doch endlich deine Augen Wolf..." Yuuris Stimme war ein zartes flüstern, dennoch reagierte der Blonde einfach nicht auf die Worte seines Verlobten.
Wolfram konnte die Stimme hören, aber dennoch konnte er sich nicht rühren. Sein Körper wollte nicht reagieren. Er spürte die Schmerzen nur Dumpf, naja wenigstens war das ein Zeichen dafür das er noch lebte und er spürte etwas warmes das seine Hand sanft berührte. Er wollte nach dieser Wärme greifen doch sein Körper wollte ihm nicht gehorchen. Er wollte nicht sterben, er wollte bei Yuuri bleiben. Sicher hatte er immer gesagt das er für ihn sterben würde, aber dennoch machte er sich Sorgen was aus seinem Verlobten geworden war. Ob er es war dessen Stimme er da gerade gehört hatte? Er wusste es nicht. Vielleicht war es Yuuri gelungen zu fliehen, vielleicht aber auch nicht. Dieses Unwissen machte ihm doch ziemlich zu schaffen. Ohne Yuuri würde er auch nicht mehr Leben wollen, das war klar, aber solange er nicht wusste was aus ihm geworden war durfte der Blonde einfach nicht sterben. Vielleicht war die Stimme die von Yuuri gewesen, vielleicht rief er nach ihm, es stellte sich ihm nur die Frage von welcher Seite aus er die Worte gehört hatte. Worte die er nicht verstanden hatte, aber sie hatten besorgt geklungen. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
Yuuri war diese Regung des Blonden nicht entgangen da er gerade wieder in das Gesicht des Anderen gesehen hatte. War das vielleicht ein gutes Zeichen? Langsam schöpfte er wieder Hoffnung. Wolfram würde nicht sterben. Das würde Yuuri niemals zulassen. Er merkte nicht das er unbewusst seine Heilkräfte nutzte und diese in den Körper des Blonden fließen lies. „Wolf..." flüsterte er den Namen des anderen noch mal. Seine Augen weiteten sich ein wenig als er einen leichten Druck an seiner Hand spürte. Die Finger des Blonden schlossen sich auf einmal um seine Hand. Ein leichtes lächeln stahl sich auf die Lippen von Yuuri.
Lange saß Yuuri noch an dem Krankenbett des Blonden. Er hatte sich auch vorgenommen erst wieder von seiner Seite zu weichen wenn dieser wach werden würde und selbst dann war es fragwürdig. Er liebte ihn zwar nicht, aber dennoch war er ihm zu Dank verpflichtet und wollte ihm nun helfen. Nach einer ganzen Weile die er einfach reglos da gesessen hatte, hatte er seinen Kopf auf die Matratze gelegt und war tatsächlich ein wenig eingenickt.
Ein kleiner Laut entwich den Lippen des Blonden und nachdem Yuuri diesen Laut hörte setzte er sich schlagartig wieder auf und schaute in das Gesicht Wolframs. „Wolf?" fragte er vorsichtig. Die Augenlider des Blonden begannen ein wenig zu flattern. Yuuri schaute ihn erwartungsvoll an. Endlich öffneten sich Wolframs Augen einen Spaltbreit. „...Yuuri?" Er hatte die Stimme gehört, konnte aber noch nichts erkennen. Vor ihm verschwamm alles und er konnte nur leichte Umrisse sehen. „Ja, Ich bin hier..." antwortete der Maou leise und auch ein wenig erleichtert. Nun begannen Tränen ungehemmt seine Augen zu verlassen. „Ich habe mir Sorgen gemacht... Verdammt, warum musst du nur immer so..." er konnte nicht mehr weiter sprechen, da seine Stimme von Lauten Schluchzern unterbrochen wurde. Wolfram vernahm das und begann wieder ein wenig zu lächeln. Langsam und allmählich klärte sich auch sein Blick wieder. „Weichei... so einfach sterbe ich nicht" wisperte er schwach. „Nenn mich nicht so" protestierte Yuuri halbherzig, wenn auch mehr aus Reflex. Er war einfach zu erleichtert das der Blonde endlich aufgewacht war.
Wolfram setzte sich unter keuchen ein wenig auf. Yuuri wollte ihn sanft zurück drücken doch das ließ sich der Blonde nicht gefallen. „Lass das, mir geht es gut..." sagte er leise auch wenn er sein Gesicht ein wenig Schmerzverzerrt verzog. Die Wunde tat eben immer noch verdammt weh, auch wenn sie wohl nicht mehr blutete. „Aber... deine Verletzung. Ich will nicht das sie wieder aufbricht" konterte Yuuri, ließ aber von Wolfram ab. „Ich weiß schon was ich tue" meinte dieser nur und schaute Yuuri in das Gesicht auf welchem nur die Tränenspuren zu erkennen waren. Der Blonde seufzte leise. „Und nun hör auf zu heulen" Yuuri sah ihn verdutzt an, wischte sich dann aber mit den Ärmeln die Spuren aus dem Gesicht. Am liebsten wäre er Wolfram um den Hals gefallen, doch wusste er das dieser dadurch wahrscheinlich nur wieder Schmerzen bekommen würde. Immer noch sah er ihn besorgt an. Wolfram legte seine Hand auf Yuuris Wange und zog den Schwarzen etwas enger an sich. Auch er war erleichtert das diesem nichts passiert war. Yuuri war irritiert wehrte sich aber nicht dagegen, dennoch spürte er auf einmal wie sein Herz um einiges schneller schlug als das Gesicht des Blonden auf einmal nur wenige Zentimeter von seinem eigenen entfernt war. Was sollte denn das jetzt werden? Wie aus einem Reflex schloss er die Augen. Wolfram verstand dies wahrscheinlich völlig falsch. Er begann langsam daran zu glauben das Yuuri endlich seine Gefühle erwiderte und so nutzte er die Gelegenheit und legte seine Lippen auf die von Yuuri. Der Schwarzhaarige machte einen Moment lang nichts. Er überlegte ob er den Blonden nun von sich stoßen sollte, aber dennoch musste er sich eingestehen das ihm der Kuss gefiel. Er vergaß alles um sich herum und ganz langsam und zaghaft erwiderte er ihn. Nach wenigen Minuten jedoch musste er ihn brechen. Verlegen und mit geröteten Wangen schaute er zur Seite. „Ich... das... geht doch nicht... Wir sind beides Männer..." stammelte er sich ein wenig zurecht. Wolfram schnaubte leise. Scheinbar hatte er sich geirrt, dennoch war er gerade nicht in der Lage etwas darauf zu erwidern. Man konnte ihm quasi ansehen wie enttäuscht er darüber war. Aber... hatte er es sich etwa nur eingebildet das Yuuri diesen Kuss erwidert hatte?
